Rezension Ivar Leon Menger – Ghostbox. Staffel 1

Ivar Leon Menger hat sich offensichtlich mit Hörspielen wie der “Monster 1983”-Serie bereits erfolgreich eine treue Fangemeinde geschaffen, das beweisen die vielen begeisterten Rezensionen, die ich auf verschiedenen Plattformen im Internet gefunden habe.

“Ghostbox” war allerdings jetzt das erste Hörspiel aus seiner Feder, dessen Klappentext mich so richtig neugierig machen konnte. Der Phantastik-Fan in mir konnte gar nicht anders, als da mal hineinzuhören 🙂 …

Der Klappentext:

Schon seit Wochen ist Lena Gruenwald auf der Suche nach der perfekten Story, um endlich als Redakteurin beim Berliner Tagesspiegel übernommen zu werden. Dabei wird die junge Journalismus-Praktikantin von einem Thema ganz besonders angezogen: dem Jenseits. Auch auf Lenas privatem Youtube-Kanal dreht sich alles nur um Geister, Ouija-Boards oder Tarotkarten. Doch eines Tages kommt die Dreiundzwanzigjährige dem Tod näher, als sie geahnt hätte – beginnend mit einer unerwarteten Nachricht aus Heidelberg: Ihr Bruder, zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat, hat sich aus unerklärlichen Gründen das Leben genommen.

Widerwillig reist Lena in die romantische Touristenstadt am Neckar, um seinen Nachlass zu regeln. Dabei stößt sie auf ein dunkles Geheimnis – eine revolutionäre, hochgeheime Forschung an der Uniklinik Heidelberg, an der auch ihr Bruder mitgearbeitet hat. Um die Hintergründe seines Selbstmords besser zu verstehen, begibt sich Lena auf eine gefährliche Recherche-Reise, bei der sie nicht nur ihren Verstand zu verlieren droht, sondern auch ihr Leben …

Meine Meinung:

“Ghostbox. Staffel 1” stellte für mich das erste Hörspiel von Ivar Leon Menger dar – aber es wird sicher nicht das letzte sein! Selten habe ich so ein hochwertiges Hörspiel wie dieses gehört. Hier stimmt eigentlich alles: Der Plot, die Besetzung mit vielen bekannten Sprechern der deutschen Hörbuchszene und die Qualität selbst.

Es dauert zwar ein wenig, bis die Handlung in Gang kommt (eine gute Stunde sollte man dem Hörspiel schon Zeit geben), aber danach ist es nicht schwierig, sich in dieser Mischung aus Science, Science Fiction, Mystery, Thriller und Horror zu verlieren, wenn man diese Genres liebt. Zu viel möchte ich eigentlich gar nicht verraten, weil es sonst massiv den Spaß verdirbt.

Es spricht aber wohl für das Hörspiel, wenn ich sage, dass ich die gut 10,5 Stunden in knapp zwei Tagen, sprich einem Wochenende mehr oder weniger “erledigt” habe. Ich kann nur sagen: Absolute Sogwirkung, wenn man erst einmal angefixt ist! Da fiel es manchmal echt schwer, zwischendurch für gewisse menschliche Bedürfnisse auf die Pausetaste zu drücken 🙂 . Perfektes Kino für die Ohren!

Auch der Humor kommt nicht zu kurz, denn – okay, kleiner Spoiler – Sebastian Fitzek hat eine Gastrolle als Radiosprecher. Zwar nicht sehr groß, aber er nimmt sich dabei gleich einmal selbst auf die Schippe, sehr genial! Habe jedenfalls sehr schmunzeln müssen, als ich diese Stelle erreicht hatte.

Einen einzigen Wermutstropfen habe ich für mich persönlich entdeckt, denn für meinen Geschmack hätte die Auflösung, wer in diesem Verwirrspiel die Fäden zieht, ruhig erst etwas später kommen dürfen. Dadurch verliert das Hörspiel in meinen Augen etwa 2,5 Stunden vor Ende etwas, aber das Finale lässt einen dafür noch einmal richtig mitzittern …

Das Ende ist für meinen Geschmack gelungen: Auch wenn das Hörspiel den Untertitel “Staffel o1” trägt, ist es rund und stimmig, auch wenn es ganz klein wenig offen ausfällt. Ergo: Es ist schon eine Fortsetzung drin, aber man beendet das Hörspiel nicht mit dem nagenden Gefühl, dass da noch was kommen muss.

Mein Fazit:

Wer gut gemachte Hörspiele liebt und sich gern mit Genres wie Phantastik, Science Fiction oder Horror beschäftigt, kann hier mit gutem Gewissen zugreifen!

  • ★★★★★
  • Hörspiel
  • 630 Minuten
  • Audible Studios
  • B07M5M2KCR
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Rezension Ursula Poznanski – Vanitas

“Vanitas. Schwarz wie die Erde” ist das jüngste Buch aus der Feder von Erfolgsautorin Ursula Poznanski. Nach den letzten vier Kaspary-Wenninger-Büchern betritt allerdings nun eine ganz neue Protagonistin die Bühne, um die Leser- bzw. Hörerherzen zu erobern.

Eine, von der wir nicht einmal wissen, wie sie wirklich heißt. Denn Carolin, wie sie sich zur Zeit der Handlung nennt, hat offensichtlich in der Vergangenheit unter einem anderen Namen gelebt …

Der Klappentext:

Auf dem Wiener Zentralfriedhof ist die Blumenhändlerin Carolin ein so gewohnter Anblick, dass sie beinahe unsichtbar ist. Ebenso wie die Botschaften, die sie mit ihren Auftraggebern austauscht, verschlüsselt in der Sprache der Blumen – denn ihre größte Angst ist es, gefunden zu werden. Noch vor einem Jahr war Carolins Name ein anderer; damals war sie als Polizeispitzel einer der brutalsten Banden des organisierten Verbrechens auf der Spur. Kaum jemand weiß, dass sie ihren letzten Einsatz überlebt hat. Doch dann erhält sie einen Blumengruß, der sie zu einem neuen Fall nach München ruft – und der sie fürchten lässt, dass sie ihren eigenen Tod bald ein zweites Mal erleben könnte…

Meine Meinung:

Ehe es losgeht, die obligatorische Warnung: Diese Rezi kann Spuren von Spoilern enthalten! 😉

Da ich aktuell fast lieber höre als lese (Es lässt sich einfach besser mit meinem aktuellen Lebens- bzw- Lernrhythmus vereinbaren), habe ich mir nach “Thalamus” auch “Vanitas” als Hörbuch geholt. Und auch wenn mich der Klappentext jetzt nicht unbedingt sofort abholen konnte, dachte ich mir, eine neue Poznanski bedeutet endlich wieder ein neues Buch einer Lieblingsautorin.

“Vanitas” ist für mich allerdings der Beweis dafür, dass es manchmal auch mit den Büchern der Lieblingsautoren nicht so recht klappen will. Dabei hätte das Buch eigentlich alles, was es braucht, um eine tolle Geschichte zu erzählen. Eine Protagonistin, die in ihrer Vergangenheit offensichtlich etwas Schreckliches erlebt hat (wie man so nach und nach durch diverse Andeutungen erfährt), einen Krimi, wo es jede Menge Verdächtige gibt und einen wunderbaren Schreibstil, der es mir ermöglicht hat, die Geschichte relativ zügig durchzuhören.

Warum habe ich dann dieses Mal nicht so richtig in die Geschichte gefunden?  Ich vermute, es ist das, was ich vor allem bei Poznanskis Jugendbüchern so schätze – ein Geheimnis, wo man recht lange im Dunkeln tappt, worum es eigentlich geht. Diese Rätselspannung, dieses Mitfiebern wollte sich dieses Mal einfach nicht ergeben. Immer wieder tauchte der eine oder andere Spannungsmoment auf, nur um im nächsten Augenblick wieder zu verpuffen und im Geplänkel bzw. in einem Dialog mit einer der verdächtigen Figuren unterzugehen.

Apropos Figuren: Es ist selten, wenn ich das sage, aber ich habe es bei diesem Buch bis zum Schluss nicht geschafft, die männlichen Protagonisten, die alle irgendwie Dreck am Stecken haben, auseinanderzuhalten. Sie waren für mich einfach zu wenig greifbar, um sie dauerhaft verlässlich in mein Gedächtnis beim Hören einzuordnen.

Carolin selbst ist durchaus interessant angelegt, allerdings sind auch mir die Unstimmigkeiten aufgefallen, die bereits von anderen Bloggern bemängelt wurden. Eine Frau, die sich anfangs vor lauter Angst privat nicht mehr aus dem Haus traut und dann später in ihrem neuen “Job” immer wieder rausgeht, um Recherchen anzustellen? Wo waren da die Panikattacken, mit denen Carolin zu Beginn zu kämpfen hatte. Darüber hinaus konnte ich viele ihrer Entscheidungen einfach nicht nachvollziehen, denn wenn ich mich verstecken wollte, entscheide ich mich doch nicht dafür, als Gast auf eine Gala zu gehen, wo es vor Presse und Reportern nur so wimmelt?

Luise Helm als Sprecherin kannte ich bisher für Ursula Poznanskis Bücher noch nicht, aber sie macht ihre Sache gut, auch wenn noch Potenzial nach oben vorhanden ist (Ein klein wenig lebendiger hätte sie meiner Meinung nach die Figuren sprechen lassen können). Der sächsische Akzent für eine der Figuren war allerdings wirklich ein nettes Goodie, das hat mich einige Male zum Lächeln gebracht.

Lange Zeit habe ich geschwankt, ob ich drei oder vier Sterne vergeben soll (Ich runde ja in der Regel auf), aber das Finale hat es dann in meinen Augen reingerissen. Es tut mir leid, das schreiben zu müssen, aber das war für mich wie “Gas geben und dann den Motor abwürgen”, die Spannung war von einem Moment auf den anderen für mich komplett gestorben. Möglich, dass das damit zusammenhängt, dass “Vanitas” als Auftakt zu einer Reihe bezeichnet wird, aber ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass wir die verdächtige Familie aus diesem Buch im zweiten Teil wiedersehen werden, dafür gab es einfach zu viele Anspielungen auf Carolins Vorleben …

Alles in allem ist dieses Buch für mich ein etwas durchwachsener Start in eine neue Reihe, aber Carolin halte ich grundsätzlich für eine durchaus interessante Figur, die man noch ausbauen kann. Da ich außerdem weiß, wozu die Autorin in der Lage ist, bin ich geneigt abzuwarten, was der nächste Band bringen wird.

Mein Fazit:

Eigentlich tut es mir in der Seele weh, einem Buch von Ursula Poznanski “nur” drei Sterne zu geben, aber vier erscheinen mir hier einfach zuviel. Dafür gab es für mich dieses Mal leider zu wenig Spannung, zu viele Längen und Wiederholungen beim Plot und eine Hauptfigur, die für mich nicht immer stimmig war …

  • ★★★★★
  • Hörbuch
  • 695 Minuten
  • Argon Verlag
  • B07MXB1T21
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Rezension Jennifer Wellen – Wenn der Winter dich küsst

Eine zauberhafte Geschichte, so herzerwärmend wie eine Tasse heiße Schokolade mit Schuss – so wirbt dp Digital Publishers für die neueste Geschichte aus der Feder von Jennifer Wellen. Ich weiß zwar nicht, ob ich diesen Vergleich so in der Form gezogen hätte, aber herzerwärmend war die Geschichte wirklich :).

Der Klappentext:

Alessa könnte ihr Leben verfluchen: Es gibt wirklich Schöneres, als bei Minusgraden in Minirock und High Heels an einer Bushaltestelle zu sitzen und zu frieren. Frisch verlassen, ohne Kreditkarte und ohne Plan, wie es weitergehen soll. Und das ausgerechnet an Heiligabend! Deshalb erscheint ihr der attraktive Soldat, der sie in seinem Auto mitnehmen will, wie ein Geschenk des Himmels.

Während der Fahrt stellen beide schnell fest, dass ihnen nicht nur die Sympathie gemein ist, sondern auch eine seelische Last, die beide seit Längerem mit sich herumtragen. Doch dann geschieht auf der langen Fahrt etwas, das die beiden unverhofft zusammenschweißt …

Meine Meinung:

Jennifer Wellen stellt uns in dieser Weihnachtsgeschichte Alessa und Sandro vor, zwei Menschen, die eigentlich nur durch Zufall aufeinandertreffen und die beide ihr Päckchen zu tragen haben, weswegen sie dem Fest der Liebe eher mit gemischten Gefühlen entgegenblicken.

Welche Päckchen das sind, erfährt der Leser allerdings erst so nach und nach, obwohl zwischen den Beiden von Anfang Funken sprühen. Doch gerade wegen dem, was ihnen widerfahren ist, sind sowohl Alessa als auch Sandro erst einmal zurückhaltend, was den anderen betrifft.

Da die Geschichte allerdings wechselweise mal aus der Perspektive von Alessa, dann wieder von Sandro erzählt, erfährt man Stück für Stück, was passiert ist. Dinge, die einen Menschen schon mal aus der Bahn werfen können, Dinge, wo man nicht weiß, wie man damit umgehen geschweige denn sie wieder gerade biegen kann. Aber auch Dinge, wie sie jedem Menschen dort draußen irgendwann einmal passieren können.

Aus diesem Grund fiel es mir nicht schwer, sowohl für Alessa als auch für Sandro Sympathien zu entwickeln und mit ihnen mitzufühlen. Ja, mitfühlen, denn ich habe doch beim Lesen das eine oder andere Tränchen verdrückt, vor allem dann, wenn wieder ein Geheimnis mehr gelüftet wurde, warum beide so sind, wie sie sind. Vor allem Sandro tat mir hier wirklich sehr, sehr leid …

Natürlich wäre es aber keine Weihnachtsgeschichte, wenn nicht auch ein klein bisschen der winterliche Kitsch regieren würde. Trotzdem versteht es Jennifer Wellen hier sehr gut, den “Zucker” nicht überquellen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Irgendwann wünscht man als Leser Alessa und Sandro einfach nur das bisschen Glück und die Romantik, wonach sie sich beide sehnen.

Und auch wenn das Ende einen gewissen Teil der Handlung betreffend eher traurig ausfiel, hatte ich trotzdem das Gefühl, dass es so sein muss, so und nicht anders. Es wirkte damit einfach realistischer und nicht überfrachtet, auch wenn mir eine gewisse Szene auch einen großen Lacher entlockte (Ich sage nur “Rentier”, für die, die die Geschichte vielleicht schon kennen).

Einen kleinen Wermutstropfen hat die Geschichte, aber er ist zu vernachlässigen: Der Länge des Buchs ist es wohl geschuldet, dass sich einige Dinge bei der Handlung recht rasch entwickeln, dies störte mich allerdings nach dem ersten Drittel nicht mehr so wirklich.

Mein Fazit:

Wer auf der Suche nach einer schönen weihnachtlichen (und doch ein klein bisschen realistischen) Liebesgeschichte ist, kann mit diesem Buch nicht viel falsch machen!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 143 Seiten
  • dp DIGITAL PUBLISHERS
  • 978-3960875840
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Rezension Neal Shusterman – Scythe “Der Zorn der Gerechten”

Auch wenn ich “Die Hüter des Todes” an vielen Stellen als etwas langatmig empfunden habe, hat mich das nicht davon abgehalten, Teil 2 eine weitere Chance zu geben. Und was soll ich sagen: Einiges von dem, was ich an Teil 1 nicht so toll fand, hat sich in “Der Zorn der Gerechten” deutlich zum Besseren gewandelt :).

Der Klappentext:

Citra und Rowan leben in einer perfekten Welt, in der Armut, Kriege, Krankheit und Tod besiegt sind. Die Entscheidung über Leben und Tod treffen nicht mehr Schicksal oder Zufall, sondern die Scythe, die diejenigen auswählen, die zum Wohle aller geopfert werden müssen.

Gemeinsam haben Citra und Rowan die Ausbildung zum Scythe überstanden, doch nur Citra wurde auserwählt, die Robe, den Ring und die fast übermenschliche Verantwortung zu tragen.

Bei ihrer ersten Aufgabe jedoch, Rowan zu töten, versagt Citra. Stattdessen verhilft sie ihrer heimlichen großen Liebe zur Flucht. Und so kämpft Rowan jetzt aus dem Untergrund gegen die einzige Gefahr, auf die die perfekte Welt nicht vorbereitet ist: korrupte und gewissenlose Mörder in den Reihen der Scythe.

Meine Meinung:

Wir begegnen Citra und Rowan einige Zeit nach den Ereignissen von Teil 1 wieder. Citra, jetzt als Scythe Anastasia unterwegs, ist nun eine Junior Scythe, die nach wie vor bei ihrer Mentorin Scythe Curie lebt. Rowan dagegen ist untergetaucht – und macht auf einige Faust als Scythe Lucifer Jagd auf korrupte Scythe, die die ethischen und moralischen Grundsätze des Scythetums missachten.

Der heimliche Held dieser Geschichte ist jedoch der Thunderhead, die künstliche Intelligenz, die im Hintergrund die Geschicke der Menschen lenkt, über die wir in diesem Teil durch die tagebuch-ähnlichen Einschübe sehr viel erfahren. Der Thunderhead ist es auch, der eine neue Figur ins Spiel bringt, die ich von Anfang an sehr interessant fand: Greyson. Hier bin ich wirklich gespannt, was der Autor mit ihm noch vorhat.

Was mir dieses Mal auch deutlich besser gefallen hat, ist die Handlung. Während Teil 1 recht oft auf mich wirkte, als ob der Autor (noch) nicht recht gewusst hätte, welche Geschichte er eigentlich erzählen möchte, wirkte Teil 2 atmosphärisch deutlich dichter auf mich, was sich auch in der deutlich kürzeren Zeit widerspiegelte, die ich fürs Hören gebraucht habe. Man kann sich das in etwa wie George Lucas und Star Wars Episode IV bzw. V vorstellen – es ist, als ob der Autor hier in “Der Zorn der Gerechten” sich endlich gefunden hat.

Und um bei den Vergleichen zu bleiben: Das Finale hat mich mehrmals an einen ganz bestimmten Film mit Leonardo die Caprio und Kate Winslet denken lassen … Die Parallelen waren einfach nicht zu übersehen :). Trotzdem habe ich natürlich mitgefiebert, was sich Shusterman letztendlich für seine “Version” ausgedacht hat, da mir durch andere Rezensionen bekannt war, dass dieses Ende ganz anders als das ersten Teils ausfallen würde. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Zur Lesung von Torsten Michaelis kann ich auch dieses Mal nur sagen: Sie ist solide. Ein klein mehr Dynamik hätte vor allem beim Finale der Lesung gutgetan, da wäre meiner Meinung nach deutlich mehr drin gewesen. Trotzdem hat die Geschichte es dieses Mal verstanden, mich so an das Hörbuch zu fesseln, dass ich Michaelis’ Art zu lesen irgendwann komplett ignorieren konnte.

Mein Fazit:

“Der Zorn der Gerechten” stellt in meinen Augen eine deutliche Verbesserung zu “Der Hüter des Todes” dar. Was zur Folge hat, dass ich jetzt schon neugierig bin, wie Shusterman diese Geschichte nächstes Jahr zu Ende bringen wird.

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 872 Minuten
  • Argon Verlag
  • 978-3732451890
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Rezension Thomas Brezina – Schatten der Zukunft

Thomas Brezina ist ein Phänomen. So gut wie alles, was er anfasst, wird in irgendeiner Form bei uns in Österreich zu (Verkaufs)Gold. Aus diesem Grund verwundert es auch nicht, dass es nun neben dem Sachbuch “Tu es einfach und glaub dran” ein weiteres Abenteuer der erwachsenen Knickerbocker-Bande gibt.

“Schatten der Zukunft” setzt dort an, wo “Alte Geister ruhen unsanft” geendet hat, nämlich bei den losen Fäden aus dem ersten Band (Meine Rezi dazu findet ihr hier). Denn der unbekannte Gegner, der unseren vier Helden schon in “Alte Geister” zugesetzt hat, ist noch immer aktiv und verfolgt seine Ziele hartnäckig …

Der Klappentext:

Die Zukunft wirft tödliche Schatten

20 Jahre des Schweigens sind vorbei und Lilo, Axel, Poppi und Dominik sind wieder vereint. Nach ihren Erlebnissen auf Canon Island vereinbaren sie ein Treffen in New York. Es soll eine unvergessliche Zeit werden.

Doch einen Tag vor dem geplanten Wiedersehen verändert sich für die vier schlagartig alles:
In New York wird eine Tür aufgerissen und Dominik erhält die Chance seines Lebens.
In der Nähe von Graz öffnet Poppi eine Tür und sieht dahinter ihren schlimmsten Albtraum.
In Wien wird eine Tür aufgesperrt und eine grausame Rache gegen die vier nimmt ihren Lauf.
In San Diego geht eine Tür auf und ihr alter Gegenspieler Hermes verfolgt einen schrecklichen Plan.

Die Knickerbocker kämpfen um ihre Karriere, um ihr Leben – und um die Liebe!

Meine Meinung:

Lilo, Axel, Dominik und Poppi haben ihr Abenteuer aus “Alte Geister ruhen unsanft” wohlbehalten überstanden. Aber trotzdem ziehen dunkle Wolken am Horizont auf, denn der Feind ist nicht geschlagen, ganz im Gegenteil.

Davon bemerken unsere vier Helden zunächst allerdings nichts, als sie sich auf den Weg machen, um der Einladung von Dominik Folge zu leisten. Die erste Überraschung erfolgt bereits auf dem Weg zum Flughafen, denn es geht nicht nach New York, sondern nach London, wo Dominik für eine Rolle vorsprechen soll.

Kaum angekommen, passieren bereits die ersten merkwürdigen Ereignisse, Poppi findet bei sich einen USB-Stick, der ihr offensichtlich am Wiener Flughafen zugesteckt wurde. Kaum an Lilos Computer angesteckt, nimmt das Verhängnis ihren Lauf – und die Freunde sind bereits wieder mitten drin in einem neuen Abenteuer …

Im Vergleich zu “Alte Geister ruhen unsanft” wird der Leser hier deutlich schneller in die neue Geschichte gezogen, was dem Roman meiner Meinung nach wirklich guttut. Keine Rückblende mehr auf vergangene Ereignisse, die in Teil 1 zwar notwendig war, die aber auch den Start in das Buch merklich ausgebremst hat. Brezinas Schreibstil ist zwar noch immer recht einfach, aber es machte mir hier weniger aus als beim ersten Mal, da ich nun wusste, was mich erwartete.

Die Geschichte nimmt sehr zügig Fahrt auf, Brezina greift lose Enden aus dem ersten Teil auf und führt sie in diesem Buch weiter. Der Leser bekommt nun deutlich mehr Einblick in das Leben des Antagonisten, auch wenn für mich noch immer im Dunkeln blieb, was ihn eigentlich dazu antreibt, so gezielt das Leben der Knickerbocker ruinieren zu wollen (Aber wer weiß, vielleicht erfahren wir das ja im nächsten Band).

Auf jeden Fall beweist Brezina, dass er sein Ohr am Puls der Zeit hat, was unsere vier Helden angeht. Details verrate ich jetzt absichtlich nicht, weil das ein Spoiler wäre, aber ich habe das als durchwegs positiv empfunden, da ich davon ausgehe, dass Brezina mit den neuen Büchern noch immer eher jüngere Leser anzieht, obwohl die Knickerbocker erwachsen geworden sind.

Ein klein wenig verwirrend fand ich dieses Mal die verschiedenen Nebenfiguren auf der Seite des Antagonisten, dies könnte aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass ich leider sehr wenig Zeit zum Lesen hatte, das Buch daher immer wieder für längere Zeit zur Seite legen musste. Manche Details waren daher beim Weiterlesen einfach nicht mehr so präsent in meinem Kopf …

Das Ende und damit die Auflösung kam für meinen Geschmack ein bisschen schnell, allerdings serviert uns Brezina noch einen relativ langen Teil “drei Monate danach”, der es dann wieder ruhiger angehen lässt und noch weitere Fragen beantwortet.

Auf den letzten Seiten legt Brezina außerdem sehr geschickt das Fundament für einen nächsten Teil, besonders ein bestimmtes Ereignis schreit nach einer Fortsetzung. Lassen wir uns also überraschen, ob nächstes Jahr um diese Zeit ein weiterer Teil der beliebten Buchreihe in den Buchläden liegen wird.

Mein Fazit:

Im Vergleich zu “Alte Geister ruhen unsanft” wirkt “Schatten der Zukunft” in sich stimmiger und flüssiger erzählt. Knickerbocker-Fans werden daher auch diesen Band bestimmt mögen, denn Brezina greift einiges auf, was in Teil 1 unbeantwortet geblieben ist.

  • ★★★★
  • Gebunden
  • 400 Seiten
  • Ecowin
  • 978-3711001801
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Rezension Ryder Carroll – The Bullet Journal Method

Ich gebe zu, ich habe mit einer gewissen Spannung diesem Buch entgegengefiebert. Auch wenn ich mittlerweile schon einige Bücher zum Thema “Bullet Journal” gelesen habe, war ich doch neugierig, was gerade der Erfinder selbst zu seinem System zu sagen hat.

Aus diesem Grund habe ich auch nicht lange gezögert, als die englische Ausgabe endlich zu haben war, der Preis hat das Seine dazu beigetragen, mich wieder einmal für das E-Book zu entscheiden.

Der Klappentext:

For years Ryder Carroll tried countless organizing systems, online and off, but none of them fit the way his mind worked. Out of sheer necessity, he developed a method called the Bullet Journal that helped him become consistently focused and effective. When he started sharing his system with friends who faced similar challenges, it went viral. Just a few years later, to his astonishment, Bullet Journaling is a global movement.

“The Bullet Journal Method” is about much more than organizing your notes and to-do lists. It’s about what Carroll calls “intentional living:” weeding out distractions and focusing your time and energy in pursuit of what’s truly meaningful, in both your work and your personal life. It’s about spending more time with what you care about, by working on fewer things. His new book shows you how to…

• Track the past: Using nothing more than a pen and paper, create a clear and comprehensive record of your thoughts.

• Order the present: Find daily calm by tackling your to-do list in a more mindful, systematic, and productive way.

• Design the future: Transform your vague curiosities into meaningful goals, and then break those goals into manageable action steps that lead to big change.

Carroll wrote this book for frustrated list-makers, overwhelmed multitaskers, and creatives who need some structure. Whether you’ve used a Bullet Journal for years or have never seen one before, “The Bullet Journal Method” will help you go from passenger to pilot of your own life.

Meine Meinung:

Jetzt ist es da, das Buch, auf das wahrscheinliche viele aus der Bujo-Community schon recht lange gewartet haben: “The Bullet Journal Method” aus der Feder von Ryder Carroll.

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert, die Ryder “The Preparation”, “The System”, “The Practice”, “The Art”und “The End” nennt. Um den – nennen wir es: technischen – Teil geht es in Abschnitt 2, wo Ryder seinen minimalistischen Ansatz, ein Bullet Journal zu führen, beschreibt. Wer sein Erklärvideo auf der Website gesehen hat: “The System” ist quasi das Video in Buchform, nur etwas ausführlicher.

Die Dinge, die ich in anderen BuJo-Ratgebern schmerzlich vermisst habe, etwa Erklärungen zur Migration oder Erklärungen zum Key, findet man hier genauso wie das, was in Ryders Augen das Herz eines Bullet Journals ausmacht: die vier Basismodule “Future Log”, “Monthly Log”, “Daily Log” und “Index”. Wer in diesem Zusammenhang auf der Suche nach Ideen für Layouts dieser Module ist, den muss ich leider enttäuschen. Da Ryder ausgemachter Minimalist ist, fokussiert er sich ausschließlich auf seinen Ansatz, der fast komplett ohne Zeichnungen, aufwändige Bilder und graphische Gestaltung auskommt.

In den übrigen Abschnitten beschreibt Ryder das Drumherum, mit denen man das Bujo dazu nutzen kann, sein Zeitmanagement, seine Lebenseinstellung und seine Produktivität zu verbessern. Neulinge in diesem Bereich werden damit sicher ihre Freude haben, denn Carroll erklärt dies alles mit einfachen und leicht verständlichen Worten, zum Teil in typisch amerikanischem Stil mit emotionalen Geschichten anderer Bullet Journal-Nutzer “garniert”.

Die Print-Ausgabe ist, wie ich in verschiedenen Videos gesehen habe, zum Teil wie ein Notizbuch gestaltet, in der E-Book-Ausgabe fehlt dies. Nachdem mir aber der Inhalt wichtiger war, konnte ich das problemlos verschmerzen. Ryders Englisch beinhaltete für mich zwar einige Fremdwörter, die ich nicht kannte, aber auch das war am E-Book-Reader kein Problem (Ein Hoch auf die Wörterbuch-Funktion).

Eines möchte ich für mich allerdings festhalten: Als mittlerweile leicht fortgeschrittenem Nutzer es mir nicht sooo viel Neues gebracht hat wie erhofft. Eigentlich hatte ich erwartet, dass Ryder etwas mehr darauf eingeht, wie er das Bujo entwickelt und was es ihm persönlich gebracht hat, aber dazu erzählt Ryder nur das, was eigentlich schon bekannt ist …

Stattdessen erklärt Ryder recht ausführlich, was seine Lebensphilosophie ausmacht: Es geht um Achtsamkeit, Ziele im Leben, Dankbarkeit, geistiges Entrümpeln, Unvollkommenheit, das Reflektieren über Dinge, die einem etwas bedeuten. Vieles, was Ryder in diesem Zusammenhang schreibt, fällt für mich ein klein wenig in die Rubrik “Hausverstand”, das muss aber natürlich nicht für jeden Leser gelten.

Zu jedem Thema stellt Ryder einen praktischen Ansatz vor, wie man seine Tipps im Bullet Journal in die Praxis umsetzen kann. Für jemanden, der wissen möchte, wobei Tracker, Collections und Listen helfen können, sicherlich sehr interessant. Für mich jedoch nicht ganz so nützlich, da mein Notizbuch mehr als Aufgaben-Planer und als Gedächtnisstütze dient als als Bullet Journal, wie es in der Community in der Regel geführt wird.

Ich möchte das Buch trotzdem all denen empfehlen, die neu in der Materie sind und eine Möglichkeit suchen, ihr vielleicht chaotisches Leben etwas besser in den Griff zu bekommen. Ryder bietet Neulingen viele interessante Ansätze, die man in sein Bujo übernehmen kann, aber nicht muss. Wer außerdem ein Buch sucht, das auf den grafischen, zum Teil eher mädchenhaften Ansatz bei seinen Erklärungen verzichtet, kann in meinen Augen mit gutem Gewissen zu Ryders Buch greifen.

Mein Fazit:

Fortgeschrittene Bujo-Nutzer werden durch dieses Buch wahrscheinlich nicht viel Neues erfahren, aber Neulingen ist es definitiv zu empfehlen, da Ryder leicht verständlich erklärt, worauf es ihm in einem Bullet Journal ankommt.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 336 Seiten
  • Penguin Random House
  • 978-0525533344
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Rezension Neal Shusterman – Scythe “Die Hüter des Todes”

Auch wenn die letzten Wochen mit ziemlich viel neuem Wissen gepflastert waren, habe ich meinen Bücherkonsum doch nicht gänzlich gegen Null gehen lassen.

Denn: Gott sei Dank gibt es Hörbücher! Das hat nach einem langen Tag doch noch geklappt, abends wenigstens eine halbe Stunde Hören dranzuhängen, um von einem anstrengenden Tag wieder runterzukommen.

Der Klappentext:

Unsterblichkeit, Wohlstand, unendliches Wissen.
Die Menschheit hat die perfekte Welt erschaffen – aber diese Welt hat einen Preis.

Citra und Rowan leben in einer Welt, in der Armut, Kriege, Krankheit und Tod besiegt sind. Aber auch in dieser perfekten Welt müssen Menschen sterben, und die Entscheidung über Leben und Tod treffen die Scythe. Sie sind auserwählt, um zu töten. Sie entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Sie sind die Hüter des Todes. Aber die Welt muss wissen, dass dieser Dienst sie nicht kalt lässt, dass sie Mitleid empfinden. Reue. Unerträglich großes Leid. Denn wenn sie diese Gefühle nicht hätten, wären sie Monster.

Als Citra und Rowan gegen ihren Willen für die Ausbildung zum Scythe berufen werden und die Kunst des Tötens erlernen, wächst zwischen den beiden eine tiefe Verbindung. Doch am Ende wird nur einer von ihnen auserwählt. Und dessen erste Aufgabe wird es sein, den jeweils anderen hinzurichten …

Meine Meinung:

Eines muss man Neal Shusterman lassen: Er hat wirklich viele tolle Ideen! Gerade in Bezug auf eine Gesellschaft, in der die Menschen unsterblich geworden sind. Was ist gut daran? Was weniger? Und ist es wirklich erstrebenswert, unsterblich zu sein? Viele Fragen, wo der Leser bzw. Hörer dazu aufgerufen wird, sich darüber Gedanken zu machen, ob der Traum vom ewigen Leben wirklich so erstrebenswert ist …

Sehr gut gefallen haben mir auch die vielen kleinen Anspielungen auf die sogenannte “Sterblichkeitsära”, sprich auf unsere Gesellschaft von heute, der Shusterman in gewisser Weise einen Spiegel vorhält. Manchmal ernsthaft, manchmal humorvoll, aber immer fein dosiert. Manchmal sogar so fein, dass ich mich kurz gefragt habe, ob ein jugendlicher Leser diese Anspielungen wirklich immer erfassen kann, aber egal. Es macht die Geschichte zu etwas, was man wie die Asterix-Comics sowohl als junger als Mensch als auch als Erwachsener konsumieren kann.

Den Schwachpunkt dieses ersten Teils sehe ich allerdings in der Geschichte und in Folge in den Figuren. Die Geschichte selbst jedoch konnte mich nämlich erst gegen Ende so richtig einfangen, vor allem die erste Hälfte plätscherte in meinen Augen relativ lange dahin. Die Rückblicke der ehrenwerten Scythe Curie waren zwar interessant, in Summe beim Hören aber auch anstrengend, da sie nicht wirklich etwas zur Handlung beitrugen.

Bei den Figuren hat der Autor in meinen Augen eigentlich nur einer Figur etwas mehr Tiefe gegeben, nämlich Citra. Rowan (der mir von den beiden Protagonisten besser gefallen hat) kam vor allem in der zweiten Hälfte des Buchs für meinen Geschmack viel zu kurz. Seine charakterliche Wandlung war für mich daher nicht so gut nachvollziehbar wie Citras.

Trotzdem ist das Buch schon deswegen bemerkenswert, weil es aus der Menge der derzeit so populären (aber immer nach denselben Mustern gestrickten) Jugend-Dystopien ausbricht. Auch das Ende kommt ohne nennenswerten Cliffhanger aus, obwohl man natürlich wissen möchte, wie es mit Citra und Rowan weitergeht.

Noch ein paar Worte zum Hörbuch: Torsten Michaelis trägt diese Geschichte fast allein, die übrigen Sprecher kommen nur dann zu Wort, wenn die Auszüge aus den Tagebüchern der Scythe vorgelesen werden. Für meinen Geschmack hätte der Lesung ein bisschen mehr Feuer nicht geschadet, aber Michaelis macht seine Sache gut und man kann ihm ohne Probleme folgen.

Mein Fazit:

Der erste Teil der “Scythe”-Trilogie stellt für mich eine Geschichte mit Stärken, aber auch Schwächen dar, daher vergebe ich gut gemeinte drei Sterne. Potenzial nach oben ist für die Fortsetzungen definitiv vorhanden!

  • ★★★★★
  • Hörbuch
  • 731 Minuten
  • Argon
  • 978-3839815649
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