Rezension Joyce Summer – Madeiraschweigen

Madeiraschweigen CoverMit “Madeiraschweigen” ist nach “Madeiragrab” und “Madeirasturm” mittlerweile schon der dritte Band mit dem sympathischen Comissario Avila erschienen. Und im Gegensatz zum letzten Band stehen die Zeichen dieses Mal nicht auf Sturm, sondern auf Familienleben, das eigentlich nur durch den mysteriösen Fund eines menschlichen Körperteils gestört wird … Aber schön der Reihe nach :).

Der Klappentext:

Madeiras Damen sind glücklich. Endlich gibt es eine Schönheitsfarm nur für sie. Auch Leticia Avila und ihre Freundin Inês zieht es sofort in den Tempel der Schönheit. Mit Schlammpackungen, Peelings und Massagen lassen es sich die beiden gut gehen.

Dann aber machen sie die Bekanntschaft der unangenehmen Journalistin Sofia Lima, die auf den Spuren Kaiserin Sisis die Insel und das Personal der Schönheitsfarm in Unruhe versetzt.
Comissário Avila passt derweil auf seine kleine Tochter auf und denkt darüber nach, seine Arbeit im Polizeipräsidium zugunsten seiner Familie zu reduzieren.

Doch als ein paar Tage später die abgetrennte Hand der Journalistin und kurz danach ihre Leiche auf dem Gelände eines ehemaligen Nonnenklosters gefunden wird, muss er sich entscheiden: Will er weiter den Hausmann geben oder sein Team rund um Subcomissário Vasconcellos unterstützen – vor allem, da Avila den Hauptverdächtigen besser kennt, als ihm lieb ist.

Meine Meinung:

Der Auftakt zum neuesten Krimi aus der Feder von Joyce Summer gestaltet sich eher gemächlich, denn man erlebt Avila, wie er sich liebevoll um seine kleine Tochter kümmert und es durchaus genießt, dass er seine Frau Zeit auf der Schönheitsfarm verbringt. Leticia und Inês dagegen lassen es sich auf der neuen Schönheitsfarm der Insel gut gehen – ihr Aufenthalt wird eigentlich nur durch das ungehobelte Verhalten ihrer Tischgenossin Sofia Lima gestört.

So verwundert es zunächst auch niemanden, als zunächst danach aussieht, als ob die Journalistin auf einmal von einem Tag auf den anderen die Farm verlassen hat. Erst der Fund einer perfekt manikürten Hand bringt den Stein ins Rollen – und auf einmal hat Avila mehr zu tun, als er sich vorstellen konnte …

Wer die vorangegangenen Romane der Autorin kennt, weiß, was er bekommt. Denn der Krimi ist meist nur die Rahmenhandlung für die heimliche Hauptperson der Geschichte: die Insel selbst. Und damit sind nicht nur die Sehenswürdigkeiten und geografischen Besonderheiten gemeint, sondern auch die einheimischen Getränke und Speisen. Wer sich also mit Avila auf Ermittlungsarbeit begibt, lernt fast nebenbei immer wieder neue Besonderheiten der Insel kennen.

Dieses Mal dürfen wir allerdings auch einen Blick auf das Leben auf Madeira Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts werfen, denn wir begleiten die österreichische Kaiserin Sisi bei ihrer zweiten Reise auf die Blumeninsel begleiten. Hier erleben wir Sisi allerdings als getriebene und unglückliche Frau, die von dem Gedanken besessen ist, sich Jugend und Schönheit zu erhalten.

Zwei verschiedene Zeitebenen also, aber eines haben beide gemeinsam: das Thema Schönheit. Und bald müssen sich Avila und sein Ermittlungsteam fragen, wo genau das Motiv für das Verschwinden bzw. den Mord an der Journalistin zu suchen ist? Geht es um die Schönheitsfarm – oder doch um etwas ganz anderes? Avila hat es nicht leicht, die unterschiedlichen Aspekte zu einem großen Ganzen richtig zusammenzufügen und bald zeichnet sich ab, dass auch einer sehr engsten Freunde in den Mord verwickelt sein könnte …

Ich gebe zu, auch wenn ich dieses Mal schon ein bisschen vorm Finale wusste, wo das wirkliche Motiv zu suchen war bzw. wer damit als Täter in Frage kam, hat es mir trotzdem wieder sehr viel Spaß gemacht, Avila und seinen Kollegen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Denn Joyce Summer geizt auch dieses Mal nicht mit dramatischen Elementen, so blieb mir kurz vor dem Ende bei einer bestimmten Szene doch fast einmal das Herz stehen … So nach dem Motto: Sie wird doch nicht … Was ich meine, verrate ich jetzt aber nicht. Ich will ja nicht spoilern.

Auf jeden Fall eines aber noch: Wer gute und solide Krimis liebt und einen Schuss portugiesisches Insel-Feeling genießen will, kann bedenkenlos zu diesem Buch (und zu seinen Vorgängern) greifen.

Mein Fazit:

Ein Urlaubskrimi von der feinsten Sorte, garniert mit einem Schuss madeirensischer Geschichte – Herz, was will man mehr? Daher Leseempfehlung für alle, die sich geistig ein bisschen in den Urlaub träumen wollen!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 332 Seiten
  • Books on Demand
  • B08BZLKM33
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Rezension Jennifer Wellen – Traumtänzerküsse

Traumtänzerküsse CoverIch gebe zu, als ich das Cover gesehen habe, musste ich sofort an eines der früheren Bücher von Jennifer Wellen denken: Sternschnuppenwünsche. Da lag die Vermutung nahe, dass es vielleicht eine Fortsetzung sein würde, aber nein, dem ist nicht so. Allerdings – und ich denke, das darf ich schon verraten – ist eine nette Anspielung auf “Sternschnuppenwünsche” in der Geschichte versteckt :). Treue Leser von Jennis Büchern dürfen sich freuen!

Zum Inhalt:

Mila ist eine junge, durchaus erfolgreiche Eiskunstläuferin, die mit ihrem Freund und Partner Roman auf Tournee gehen möchte. Ehe es losgeht, besucht sie allerdings noch einmal ihre Familie in Essen, die sie schon länger nicht gesehen hat. Vor Ort wird sie von Leon, ihrem früheren Partner auf dem Eis, gebeten, die Vertretung bei einer Eis-Show zu übernehmen. Dem Freund zuliebe sagt sie zu, nicht ahnend, welche Folgen diese Zusage mit sich bringen wird …

Meine Meinung:

Ich weiß, ich habe in letzter Zeit öfter den Klappentext gepostet, um zu beschreiben, worum es im Buch (oder Hörbuch) geht. Aber hier ist der Klappentext nicht besonders gut gelungen, da er in meinen Augen viel zu viel von der Handlung verrät. Daher lasst euch lieber überraschen, wenn ihr zu diesem Buch greift!

Wer Jennifer Wellens Bücher allerdings schon kennt, weiß, was er hier bekommt, nämlich eine lustig leichte Liebes- und Lebensgeschichte, also genau das Richtige für Urlaubstage, die man am liebsten mit Faulenzen, Nichtstun und ein bisschen Tagträumen verbringt.

Protagonistin dieser Geschichte ist Mila, die nach dem Ende ihrer Profi-Karriere ihren Traum vom Eislaufen bei einer Tournee fortsetzen möchte und dafür sehr vieles in ihrem Leben zurückgestellt hat. Wie viel das ist, erfährt man gleich zu Beginn, als klar wird, dass sie sich schon früh in ihrem Leben von ihrer Familie entfremdet hat. Dementsprechend frostig fällt die Begrüßung zuhause aus, vor allem der Vater lässt Mila deutlich spüren, was er von ihrer Entscheidung hält, dem Eis immer wieder den Vorzug zu geben.

Auch ihre neue Bekanntschaft Finn ist von ihrer Passion fürs Eislaufen wenig begeistert und zieht sie gnadenlos damit auf, was im Verlauf der Geschichte immer wieder zu sehr netten und lustigen Wortgefechten führt. Trotzdem merkt Mila bald, dass er ihr nicht gleichgültig ist – und es fällt ihr zunehmend schwerer, sich für ihr altes Leben – und damit ihre Karriere auf dem Eis – zu entscheiden.

Sehr gut gefallen haben mir auch die kleinen Informationshäppchen, die die Autorin dem Leser zu Beginn jeden Kapitels serviert. Ich weiß ehrlich gestanden nicht besonders viel übers Eislaufen, aber ich fand es beispielsweise durchaus spannend zu erfahren, wer denn nun eigentlich dafür verantwortlich ist, dass Eislaufschuhe heute Zacken an den Spitzen haben (was nicht immer so war!).

Einen kleinen Kritikpunkt sehe ich dieses Mal allerdings bei der verwendeten Sprache. Und damit meine ich nicht unbedingt den Dialekt aus dem Ruhrpott, sondern die flapsigen Ausdrücke, die die Autorin Mila in den Mund legt. “Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke” gehört für mich jetzt persönlich nicht unbedingt zu einem Vokabular, dass ich mit einer ehemaligen Olympia-Eiskunstläuferin verbinden würde. Aber davon abgesehen mochte ich Milas Charakter. Ihr Ehrgeiz und ihr Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen, machen sie trotz ihrer anfänglich sehr ich-bezogenen Art zu einem doch sympathischen Menschen, mit dem man mitleben und -lieben kann.

Das Ende birgt dann tatsächlich noch einmal eine kleine Überraschung, die dem Ganzen noch zusätzlichen Charme verleiht. Aber lest einfach selbst!

Mein Fazit:

Wie gewohnt serviert Jennifer Wellen uns auch mit “Traumtänzerküsse” eine weitere humorvolle Geschichte, die gespickt mit Jennis unvergleichlichem Humor eine schöne Unterhaltung darstellt. Leseempfehlung für alle, die auf der Suche nach Urlaubslektüre sind!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 356 Seiten
  • dotbooks Verlag
  • 978-3966550321
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(Kurz)Rezension Rob Hart – Der Store

Der Store Cover“Der Store” war für mich wieder einmal ein sehr gutes Beispiel dafür, wie schwer ich mich manchmal damit tue, mich für oder gegen ein Buch zu entscheiden. Letztlich hat der Austausch beim Bookopoly dazu geführt, dass ich mich doch an das Buch herangetraut habe – und ich habe es nicht bereut!

Der Klappentext:

Du bekommst alles im Store. Aber das hat seinen Preis …

Der Store liefert alles. Überallhin. Zu besten Preisen. Der Store ist Familie. Der Store schafft Arbeit und weiß, was wir zum Leben brauchen. Bis in den Tod.

Paxton und Zinnia lernen sich als Angestellte bei “Cloud” kennen, dem weltgrößten Onlinestore. Das Leben im Cloud-System ist perfekt geregelt, aber unter der Oberfläche brodelt es. Denn im Geheimen formiert sich der Widerstand gegen den übermächtigen Konzern. Auch Paxton muss sich bald die Frage stellen: Ist Zinnia die, die sie zu sein vorgibt? Kann er ihr trauen?

Packende Lesung mit vier hochkarätigen Stimmen: Simon Jäger als Paxton, Anna Carlsson als Zinnia, Frank Arnold als Patriarch, Gibson Wells, und Janine Stenzel als Stimme aus dem Off.

Meine Meinung:

Ganz ehrlich? Diese Geschichte gewinnt meiner Meinung nach als Hörbuch noch dazu, weil verschiedene Sprecher den unterschiedlichen Figuren Leben einhauchen. Paxton beispielsweise wird von dem unvergleichen Simon Jäger gesprochen, daber auch Anna Carlsson als Zinnia hat mir gut gefallen. Sie schaffen es vor allem, die Längen beim Plot, die sich langsam nach dem ersten Drittel einschleichen, zu überbrücken, da sie besonders die Dialoge viel lebendiger werden lassen.

Ich kenne zwar von dem Buch nur die Leseprobe, hatte aber schon bei den einleitenden Worten des Cloud-Gründers Gibson Wells das Gefühl, dass mich hier die Geschichte über die Ohren viel besser abholen konnte als der im Vergleich irgendwie kühl wirkende Text (zumindest, was die Leseprobe betrifft) …

An die “großen” Dystopien der Gegenwart kommt “Der Store” zwar nicht heran (Zeitweise wirkt die Kritik am nicht existierenden amerikanischen Sozialsystem meiner Meinung nach etwas plump), aber der Autor erlaubt sich ein interessantes Gedankenspiel mit der Tatsache, was wäre, wenn Konzerne wie Amazon unser Leben gänzlich bestimmen würden. Was wäre, wenn Menschen sich in die Sicherheit der Cloud flüchten würden, ihre Privatsphäre zugunsten eines geregelten und sauberen Lebens aufgeben würden? Das ist etwas, dessen erste Auswüchse wir heute schon in Form des Versand-Wahnsinns zu spüren bekommen.

Gibson Wells erscheint hier anfangs als der große Wohltäter, aber zwangsläufig ist nicht alles Gold, was glänzt – und das bekommen sowohl Zinnia als auch Paxton gerade in der zweiten Hälfte des Buches immer mehr zu spüren. Ins Detail möchte ich hier absichtlich nicht gehen, aber am Ende gab es dann schon eine gewisse Szene, wo es mir fast den Magen umgedreht hätte …

Das Ende ist relativ offen, lässt den Leser aber zumindest ein wenig Hoffnung. Das finde ich gut, denn Dystopien, die ein gutes, positives Ende haben, bedienen das Bedürfnis nach einem Happy-End doch ein wenig zu offensichtlich und sind für mich deswegen eher unglaubwürdig.

Mein Fazit:

“Der Store” ist in meinen Augen ein durchaus interessantes Gedankenspiel, das meiner Meinung nach als Hörbuch ein zusätzlicher Gewinn ist! Die Dialoge wirken dadurch deutlich lebendiger und lassen den Hörer die vorhandenen Längen bei der Handlung leichter überbrücken …

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 811 Minuten
  • Random House Audio
  • B07WGG5SFC
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(Kurz)Rezension Karen McManus – One of us is lying

One of us is lying CoverIch erinnere mich, als das Buch vor zwei Jahren erschienen ist, hat es mich damals nicht wirklich angesprochen. Aber wie heißt es doch so schön: Das richtige Buch zur richtigen Zeit! “One of us is lying” war aber trotzdem ein Zufallsgriff, da ihn die Onleihe gerade zur Verfügung hatte …

Der Klappentext:

Eine Highschool, ein Toter, vier Verdächtige …
An einem Nachmittag sind fünf Schüler in der Bayview High zum Nachsitzen versammelt. Bronwyn, das Superhirn auf dem Weg nach Yale, bricht niemals die Regeln. Klassenschönheit Addy ist die perfekte Homecoming-Queen. Nate hat seinen Ruf als Drogendealer weg. Cooper glänzt als Baseball-Spieler. Und Simon hat die berüchtigte Gossip-App der Schule unter seiner Kontrolle. Als Simon plötzlich zusammenbricht und kurz darauf im Krankenhaus stirbt, ermittelt die Polizei wegen Mordes.

Meine Meinung:

Ich gestehe, ich hatte keine allzu großen Erwartungen an dieses Buch. Ich lasse mich gerade von Jugendbüchern einfach gerne unterhalten, gerade wenn es in meinem Leben wirklich stressig zugeht. Was ich wusste, war, dass es als “Jugendthriller” verkauft wird und das war genau das, wonach mir der Sinn stand, als ich es ausgewählt habe.

Und ich muss sagen, ich war trotz einiger Längen und Lücken bei der Handlung positiv überrascht. Das liegt vor allem an den vier Hauptfiguren, die anfangs als ausgemachte Stereotype eingeführt werden. Sie alle entwickeln sich allerdings im Verlauf der Geschichte weiter und bekommen mehr Facetten bzw. Charakterzüge, die man ihnen zu Beginn gar nicht zugetraut hätte.

Das machte es trotz der bereits erwähnten Längen interessant, der Geschichte zu folgen, auch wenn der kriminalistische Aspekt meistens nur nebenher mitläuft (und ich als Bürger dieser Stadt definitiv nicht auf so stümperhaft arbeitende Polizei angewiesen sein möchte). Am besten hat mir daher auch Addy gefallen, da sie die deutlichste Veränderung durchgemacht hat.

Das Ende läuft typisch Jugendbuch zwar etwas zu sehr nach Schema F ab (alle weiteren Probleme werden mehr oder weniger rasch und einfach gelöst), jedoch habe ich lange nicht mit dem Motiv gerechnet, das dem Leser serviert wird. Eine gewisse Überraschung inklusive, auf die ich wegen Spoiler-Gefahr jetzt allerdings nicht eingehen möchte.

Alles in allem ist “One of us is lying” also ein Buch, das mich trotz gewisser Mängel für sich einnehmen konnte. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob die Autorin das Niveau mit der Fortsetzung halten kann, aber ich kann jetzt verstehen, warum das Buch bei vielen Lesern gut angekommen ist.

Mein Fazit:

Ich gebe zu, ich hatte mir einfach etwas Unterhaltung für zwischendurch erwartet, wurde aber tatsächlich positiv überrascht. Endlich mal ein Jugendbuch, das seine Figuren ernst nimmt und ihnen unerwarteten Tiefgang zugesteht! Dies geht zwar zu Lasten des Krimis, das ließ sich für mich aber verschmerzen …

  • ★★★★
  • E-Book
  • 448 Seiten
  • cbj
  • 978-3641204990
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Rezension Ralf Raabe – Adrian Blackwell. Im Reich der Schatten

Adrian BlackwellBereits das Cover machte mich neugierig, ich gestehe es, auch wenn ich nun nicht mehr unbedingt zur Zielgruppe des Buches gehöre.

Allerdings weiß ich noch sehr genau, dass ich in dem Alter mit zwölf, dreizehn alles verschlungen habe, was nur irgendwie mit Märchen, Mythen und Sagen zu tun hatte. Und auch jetzt als Erwachsene mag ich solche Geschichten, die in der Art eines Percy Jackson geschrieben sind, immer noch sehr gerne.

Gerade die griechische und die nordische Mythologie haben es mir da besonders angetan, deswegen hat es nicht viel gebraucht, um mich hier anzufixen :).

Der Klappentext:

Der 16-jährige Adrian Blackwell ist entschlossen, den Tod seines Vaters aufzuklären. Dabei gerät er zwischen die Fronten der letzten Götter Asgards und Hel, der Herrscherin des Totenreichs. Denn Adrian besitzt einen Schlüssel zu Hels Reich: den Runen-Code seines Vaters. Mit dessen Hilfe soll er den Göttern die lebensverlängernden Äpfel der Idun beschaffen. Auf der Jagd nach dem Schlüssel hetzt Hels Bruder, der mächtige Fenris-Wolf, Adrian durch halb London bis hinab ins Totenreich. Dort muss Adrian sich entscheiden, ob er sein eigenes Leben rettet oder die Götter Asgards vor dem Untergang bewahrt.

Meine Meinung:

Wie bereits eingangs erwähnt, war ich nach dem ersten Kapitel wirklich neugierig auf dieses Buch. Ein Held, der auf seine etwas tollpatschige Art einfach zum Gernhaben einlädt, der Tod des Vaters, den Adrian offensichtlich nicht verkraftet hat – und dann diese geheimnisvollen Leute, die auf einmal aus dem Nichts in Adrians Umfeld auftauchen … Das hat eigentlich alle Zutaten, um eine wirklich spannende Geschichte zu erzählen. Dachte ich.

So nach und nach kristallisierten sich allerdings zwei Dinge heraus, die für mich nicht so ganz schlüssig waren. Da ist einmal der Protagonist, der im Klappentext als 16jähriger beschrieben wird, den ich aber durch sein Verhalten eher auf dreizehn Jahre (das empfohlene Lesealter) schätzen würde. Ich will bewusst nicht ins Detail gehen, aber es gibt einige Situationen, wo ich das Gefühl hatte, ein 16jähriger würde sich so nicht verhalten …

Im Verlauf der Geschichte führt der Autor neben dem Love Interest Alison außerdem mit Bo eine weitere Figur in die Geschichte ein, deren Sinnhaftigkeit sich mir ebenfalls nicht so ganz erschlossen hat. Ich gebe zu, ich frage selten nach “Wofür ist die Figur gut”, aber hier hat sich die Frage dann doch aufgedrängt.

Denn Bo erschien mir eher wie jemand, mit dem der Autor zeigen wollte, dass er mit sozial- und gesellschaftskritischen Themen am Puls der Zeit ist. Man hätte das meiner Meinung nach aber auch anders lösen können, in dem man Alison (die neben dem ersten Liebesgeplänkel eigentlich keine weitere Funktion mehr hat) und Bo zu einer Figur verschmolzen hätte.

Einige Szenen dagegen waren durchaus ganz witzig, besonders die, in denen es um das Auftreten der nordischen Götter gegangen ist. Ich sage nur “Odin”, “Thor” und “Walküren”. Hier habe ich einige Male durchaus grinsen müssen, besonders wenn man die Götter ernsthafter und düsterer kennt. Zu viel will ich hier aber nicht verraten, um nicht zu spoilern.

Zur Handlung möchte ich ebenfalls noch etwas sagen: Verläuft der Plot anfangs noch relativ ruhig, zieht der Autor besonders in der zweiten Hälfte die Erzählweise ganz schön an. Manches erschien mir hier fast zu gehetzt, ein paar Details mehr zu der einen oder anderen Szene in der Totenwelt hätten sicher nicht geschadet. Vor allem wenn man bedenkt, dass das Buch kein Glossar besitzt, wo man als junge/r Leser/in vielleicht nachschlagen möchte.

Apropos Totenwelt: Der Klappentext verrät eigentlich fast schon zu viel von der Handlung, denn eine echte Überraschung stellt am Ende nur eine einzige Sache dar. Das ist irgendwie schon ein bisschen schade, denn damit wird man – gerade was die Handlung betrifft – ganz ordentlich gespoilert.

Mein Fazit:

Ich wollte dieses Buch mögen. Vor allem nach dem ersten Kapitel hatte ich wirklich das Gefühl, diese Geschichte kann was. Leider warf der Verlauf der Handlung dann immer mehr Fragen auf, die am Ende bei mir einen recht durchwachsenen Eindruck hinterlassen haben.

  • ★★★★★
  • Hardcover
  • 240 Seiten
  • wortweit-Verlag
  • 978-3903326002
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Rezension Colleen Oakes – The Black Coats

Colleen Oakes - The Black CoatsWie ihr (vielleicht) wisst, lese ich ab und zu auch auf Englisch Bücher. Einerseits macht es mir Spaß und ich kann etwas für mein Englisch-Verständnis tun, andererseits sind die englischen E-Book-Ausgaben oft auch preislich leistbarer.

Besonders häufig schleichen sich da die englischen Original-Ausgaben zu Jugendbüchern bei mir ein, die gerade in der deutschen Übersetzung auf den Markt gekommen sind. “The Black Coats” machte mich vor allem wegen seiner eher ungewöhnlichen Thematik neugierig. Frauen, die einen Geheimbund gründen, um Männer zu bestrafen, die ein Unrecht an Frauen begangen haben? Da konnte ich einfach nicht Nein sagen.

Sollte euch doch die deutsche Ausgabe mehr zusagen: Sie ist unter dem Namen “Black Coats” (ohne das “The”) Ende August bei Gulliver in der Verlagsgruppe Beltz erschienen.

Zum Inhalt:

Thea Soloman ist ein eher introvertiertes Mädchen, das sich in der Schule von den anderen abkapselt. Die Trauer um ihre ermordete Cousine macht es ihr schwer, mit der Vergangenheit abzuschließen. Da bekommt sie eines Tages eine Einladung einer geheimnisvollen Verbindung: Die “Black Coats” sind ein nur aus Frauen bestehender Geheimbund, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, gewalttätigen Männern eine Lektion zu erteilen. Anfangs ist Thea mit vollem Eifer bei der Sache, aber nach und nach schleichen sich erste Zweifel ein, denn Selbstjustiz ist nicht immer die richtige Antwort – und welche Ziele verfolgen die “Black Coats” wirklich?

Meine Meinung:

Ich gebe zu, ich habe etwas gebraucht, um in diese Geschichte reinzukommen. Aber nicht wegen der Sprache, sondern wegen der Hauptfigur Thea. Die Autorin schildert sie anfangs als eher zurückhaltenden Menschen, der sich lieber in sein Schneckenhaus verkriecht und der sich schwer tut, auf andere Menschen zuzugehen.

Mit diesem Wissen hatte ich einige Probleme, sie mir als so spontan vorzustellen, dass sie – ohne das zu hinterfragen – einfach so einer Einladung zu einem Geheimbund ähnlich einer Schnitzeljagd kreuz und quer durch die Gegend folgt, bei der sie unter Zeit Hinweise finden muss. Dazu stürzt sie sich unter anderem in einen Brunnen mit komplett verdrecktem Wasser, der ihr das Kennenlernen ihres Love Interests Drew beschert.

Ja, richtig gelesen, denn auch dieses Buch kommt nicht ohne Liebesgeschichte aus, obwohl diese nicht sehr viel zur weiteren Handlung beiträgt. Eher im Gegenteil, denn irgendwann fragt man sich doch, warum Drew eigentlich mit einem Mädchen zusammen sein möchte, dass ihn permanent stehen lässt und ganz offensichtlich Geheimnisse vor ihm hat.

Denn die unscheinbare Thea mausert sich bei den “Black Coats” ziemlich bald zur Anführerin ihrer kleinen Gruppe Mädchen, die ziemlich unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen. Als Team erhalten sie erste Aufgaben, im Englischen “Balancings” genannt, die die Bestrafung eines Mannes nach sich ziehen.

Dieser Teil der Geschichte machte für mich ehrlich gestanden den meisten Reiz an diesem Buch aus, denn die Mädchen sind tough und als Team ziemlich gut aufeinander eingespielt, weshalb sie ihre “Balancings” erfolgreich erledigen. Wer es noch kennt: Mehr als einmal ließen mich diese Aktionen an die Serie bzw. die Filme “Drei Engel für Charlie” denken, wo die Frauen sehr erfolgreich ihre oft männlichen Zielobjekte austricksen, um ihre Ziele zu erreichen.

Erste Zweifel kommen Thea und ihren Freundinnen allerdings erst, als es darum geht, gewalttätige Männer ihrerseits mit Gewalt zu bestrafen. Und wer ist die Gruppe Frauen, die es offensichtlich auf den Vater von Drew abgesehen hat? Hier liegt vieles im Dunkeln, weshalb sich die zweite Hälfte des Buchs deutlich mehr dorthin verlagert, die Geheimnisse, die die “Black Coats” umgeben, ans Tageslicht zu bringen.

Gerade hier schwächelt das Buch meiner Meinung nach allerdings am meisten, denn die Auflösung fand ich letztlich einfach nur unbefriedigend. Bei der ganzen Geheimnistuerei anfangs hatte ich mir da einfach mehr erwartet, muss ich sagen. Da wäre deutlich mehr drin gewesen als das, was die Autorin uns da serviert.

In Summe bleibt daher leider nur ein ziemlich durchwachsener Eindruck, der durch einige offensichtliche Schnitzer beim Lektorat bzw. Korrektorat noch verstärkt wird. Beispielsweise wird eine Adresse auf zwei verschiedene Arten geschrieben, Buchstaben bei Namen werden vertauscht und einiges mehr – dies lässt darauf schließen, dass nicht sehr viel Sorgfalt beim Korrektur-Lesen an den Tag gelegt worden ist.

Abschließend möchte ich noch ein paar Worte zur deutschen Leseprobe verlieren, die mich ehrlich gestanden ziemlich erschreckt hat: Nicht nur taucht derselbe Adressfehler wie in der englischen Ausgabe auf, es werden unter anderem auch “Ballet Flats” (also Ballerinas) einfach mit “Balletschuhe” übersetzt. Ich bin ja keine professionelle Übersetzerin, aber wenn selbst mir solche Dinge auffallen, ist so etwas einfach nur peinlich und wirft kein gutes Licht auf die Qualität der Übersetzung …

Mein Fazit:

“The Black Coats” ist ein Jugendthriller, der durchaus mit einer spannenden Idee aufwarten kann. Bei der Umsetzung sehe ich allerdings einige gravierende Mängel, die ein ordentliches Lektorat vermutlich hätte ausmerzen können.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 400 Seiten
  • HarperTeen
  • B079DR5C1W
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Rezension Dennis Lehane – Shutter Island

Dennis Lehane - Shutter IslandIch gebe zu, ich wusste lange Zeit nicht, dass der Film “Shutter Island” aus dem Jahr 2009 in Wirklichkeit ein Buch war, das sechs Jahre vor dem Film erschienen ist. Der Film selbst beeindruckte mich seinerzeit vor allem durch seine tolle Besetzung und durch seine Umsetzung des Themas.

Gott sei Dank wusste ich allerdings nicht mehr sehr viel über den Inhalt, denn ansonsten neige ich dazu, permament Film und Buch zu vergleichen. So konnte ich mich beim Lesen ganz auf das Buch konzentrieren. Trotzdem konnte ich natürlich nicht umhin, nach dem Lesen mir dann nochmal den Film anzusehen – und der wartete dann tatsächlich am Ende noch mit einer Überraschung auf. Aber dazu später mehr …

Der Klappentext:

Die US-Marshals Daniels und Aule sollen im Fall einer Kindsmörderin ermitteln, die von der Gefängnisinsel Shutter Island geflohen ist. Als sie dort ankommen, erhalten sie verschlüsselte Botschaften, die sie immer tiefer in den düsteren Bau und die Machenschaften der Ärzte führen. Nichts ist so, wie es scheint. Dennis Lehanes raffiniert komponiertes Meisterwerk um Wahn und Angst in neuer Übersetzung.

Meine Meinung:

Ich habe nach dem Lesen ein wenig bei Goodreads gestöbert, wie meist, wenn mich interessiert, was andere Leute zu einem Buch zu sagen haben, das ich selbst gelesen habe. Spannend fand ich hier, dass vor allem eingefleischte Lehane-Fans von diesem Buch nicht so begeistert waren. Begründet wurde das oft mit seinem Schreibstil bzw. mit der fehlenden Beschreibung des Settings und den nicht existierenden Charakterisierung der Figuren.

Diese Kritikpunkte kann ich für mich persönlich durchaus nachvollziehen. Ich hatte aus diesem Grund anfangs wirklich einige Probleme, in die Geschichte hineinzukommen. Angesiedelt ist das Buch ja in den 50er Jahren, diese sehr dürftigen Beschreibungen ließen mich zwischendurch allerdings immer wieder darauf vergessen, wenn nicht wenigstens die Dialoge gewesen wären.

Die Dialoge sind in meinen Augen auch das, was die Stärke dieses Buchs für mich ausmacht. Da ich ein ausgemacht schlechtes Gedächtnis für Namen und Figuren habe, haben mir oft die Dialoge weitergeholfen, um beim Einstieg nicht komplett den Faden zu verlieren. Gleichzeitig blinzelt da auch der offensichtlich recht eigenwillige Humor des Autors durch, den man schon mögen muss. Mir hat er allerdings gut gefallen und er half mir auch, mich dann doch noch in das Buch hineinzufinden.

Dennis Lehane versteht es außerdem meisterhaft, jede Menge Rätsel dem Leser vor die Füße zu werfen und sich keinen Deut darum zu scheren, sie aufzulösen. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber meine Neugier stachelt sowas meistens an. Da nehme ich dann schon die eine oder andere Ungereimtheit in Kauf, einfach um herauszufinden, worum es eigentlich geht.

Irgendwann erreichte ich außerdem den Punkt, wo mir der Gedanke kam, ob der Autor nicht absichtlich so wenig ins Detail geht, ob es nicht viel mehr seine Absicht ist, dem Leser vieles vorzuenthalten, damit er selbst seine Phantasie bemühen muss. So in der Art wie moderne Kunst, dessen Aussage sich ja oft nicht erschließt. Dies ließ viel Raum für Spekulationen und deswegen war ich umso mehr gespannt auf das Ende, das dann auch mit einem echten Knalleffekt aufwarten konnte.

Welch eine geniale Idee! Ich hatte zwar vom Film her noch in Erinnerung, dass da etwas war zum Schluss, wusste aber nicht mehr was. Ich will jetzt hier absichtlich nicht zu viel verraten, weil es sonst vermutlich in fast jeder Hinsicht ein Spoiler ist. Aber dieses Ende regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, es lässt weiteren Spielraum zu Interpretationen zu, auf die man anfangs ganz bestimmt nicht gekommen wäre.

Mein Fazit:

“Shutter Island” ist in vielen Dingen etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem was den Schreibstil und die Beschreibungen von Setting und Figuren angeht. Die Dialoge, die dunkle und geheimnisvolle Atmosphäre und nicht zuletzt das Ende machen dieses Buch aber zu etwas, was auf seine Art aus dem Thriller-Angebot herausragt. 3,5 Sterne, die ich gerne auf 4 aufrunde.

Zum Film:

Normalerweise schreibe ich in meinen Rezensionen eigentlich selten etwas zu den Verfilmungen der Bücher, die ich lese. Buch ist schließlich Buch, Film ist Film. Trotzdem möchte ich dieses Mal ausnahmsweise noch etwas extra zum Film sagen.

Dass der Autor des Buchs Executive Producer des Films ist, hat der Verfilmung gut getan. Denn die Handlung hält sich bis auf einige kleine Details sehr genau an das Buch – mit dem Unterschied, dass der Film mir zwangsläufig das Eintauchen in die Zeit natürlich leichter gemacht hat. Und verständlicherweise gleichen die Schauspieler aus, was mir im Buch bei den Figuren gefehlt hat. Auch wenn ich kein ausgemachter Leonardo diCaprio-Fan bin, spielt er Teddy Daniels sehr, sehr gut, aber auch Ben Kingsley und Max von Sydow in den Rollen der Ärzte Cawley und Naehring haben mir gefallen.

Am spannendsten fand ich allerdings das Ende, denn Teddy sagt im Film einen Satz mehr als im Buch. Dieser eine Satz hat es aber in sich, denn er gibt der Gesamtsituation am Ende noch einmal eine ganz neue Bedeutung, die mir zwangsläufig ohne das Lesen des Buchs nie aufgefallen wäre. Daher: Am besten zuerst das Buch lesen und dann den Film gucken!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 432 Seiten
  • Diogenes
  • 978-3257607055
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