Rezension Naomi Alderman – Die Gabe

“Die Gabe” ist in gewisser Weise das Buch, das ich immer schreiben wollte, hätte ich die Geduld und den Ehrgeiz, selbst einen Roman zu verfassen. Die Idee, wie unsere Gesellschaft wäre, wenn die Frauen die Macht hätten … Diese Vorstellung hat mich irgendwie schon immer fasziniert. Deswegen war ich auch schon sehr gespannt darauf, was Naomi Alderman daraus gemacht hatte.

Dr Klappentext:

Es sind scheinbar gewöhnliche Alltagsszenen: ein nigerianisches Mädchen am Pool. Die Tochter einer Londoner Gangsterfamilie. Eine US-amerikanische Politikerin. Doch sie alle verbindet ein Geheimnis: Von heute auf morgen haben Frauen weltweit die Gabe – sie können mit ihren Händen starke elektrische Stromstöße aussenden. Ein Ereignis, das die Machtverhältnisse und das Zusammenleben aller Menschen unaufhaltsam, unwiederbringlich und auf schmerzvolle Weise verändern wird.

Meine Meinung:

Naomi Alderman erzählt ihre Geschichte in – sagen wir – Episoden. Dies wird gerade dadurch deutlich, dass das Buch in verschiedene zeitliche Abschnitte (beispielsweise “Noch zehn Jahre”) unterteilt ist und dass die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird.

Das bedeutet, dass vieles eigentlich nur angerissen und nicht im Detail auserzählt wird – etwas, was mich doch an der einen oder anderen Stelle ein wenig gestört hat. Die einzelnen Figuren beispielsweise bekommen dadurch verhältnismäßig wenig Tiefe, wirken eher wie ein Mittel zum Zweck, die Entwicklung der Geschichte voranzutreiben.

Trotzdem gelingt es der Autorin sehr gut, ihr Gedankenspiel darzustellen. Was wäre, wenn Männer von heute auf morgen das schwächere Geschlecht sind? Was wäre, wenn Männer Sexismus, Vergewaltigung und Gewalt von Frauen ausgesetzt wären? Sind Frauen die besseren Mächtigen? Diese und noch mehr Fragen beantwortet die Autorin in meinen Augen durchaus zufriedenstellend, auch wenn mich manche ihrer Ideen nicht so ganz überzeugen konnten.

Dabei beschönigt die Autorin nichts, gerade bei den Vergewaltigungsszenen musste ich schon ein- oder zweimal schlucken. Wer hier empfindlich reagiert, sollte die entsprechenden Abschnitte vielleicht lieber überblättern oder gleich ganz einen Bogen um das Buch machen. Besonders die zweite Hälfte des Buch (Ja, ich weiß, es ist ein leichter Spoiler) wirkte auf mich aus diesem Grund eher deprimierend.

Hat man anfangs noch Sympathien für die Frauen, die sich gegen männliche Vorherrschaft, Frauenhandel und Missbrauch zur Wehr setzen, kippt die Stimmung zusehends. Das Ende und die Botschaft, die dieses Ende aussendet, fand ich persönlich recht zwiespältig. Natürlich verstehe ich, dass die Geschichte nur ein Bild, eine Idee sein soll, aber ein Teil von mir weigert sich einfach, die dargestellten Dinge als gegeben hinzunehmen. Und zwar egal, ob nun Männer oder Frauen an der Macht sind.

Was mir jedoch durchaus gefallen hat, sind die Rahmenhandlung bzw. die Einschübe: Zwischen den Abschnitten beispielsweise finden sich Zeichnungen, Auszüge aus alten Dokumenten, E-Mails, die darauf schließen lassen, dass es sich bei dem Roman um eine Art geschichtlichen Erlebnisbericht handelt, der auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen beruht. Das macht den Roman ein ganzes Stück realistischer, auch wenn man natürlich weiß, dass man eine fiktive Geschichte vor sich hat.

Ich gebe zu, dass ich an “Die Gabe” doch recht hohe Erwartungen hatte, die sich für mich aber nur teilweise erfüllt haben. Zu viele Dinge fand ich an diesem Buch einfach … befremdlich. Dinge, wo ich nicht weiß, zu welchem Zweck die Autorin sie in die Geschichte eingearbeitet hat.

Wer meine Tweets verfolgt hat, die ich im Rahmen der #bbfliest Leserunde auf Twitter gepostet habe, wird wissen, was ich meine (Die anderen können sie nachlesen, einfach in der Suche den Hashtag eingeben). Dies lässt mich nun leider doch nur drei Sterne vergeben, obwohl ich mich wirklich auf dieses Buch gefreut habe.

Mein Fazit:

“Die Gabe” war für mich in Summe ein recht zwiespältiges Buch, einiges fand ich sehr gut umgesetzt, einiges dagegen gefiel mir so ganz und gar nicht. Auch mit dem Ende konnte ich mich nicht so wirklich anfreunden … Trotzdem fand (und finde) ich die Idee zu diesem Buch einfach großartig.

  • ★★★★★
  • Klappenbroschur
  • 480 Seiten
  • Heyne
  • 978-3453319110
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Rezension Lize Spit – Und es schmilzt

“Und es schmilzt” fiel mir schon vor einer ganzen Weile wegen der unterschiedlichen – und zum Teil recht geheimnisvollen – Rezensionen auf. Als ich es dann in der Bücherei bei den Neuzugängen entdeckte, nahm ich es mit, um meine Neugier zu stillen.

Der Klappentext:

Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt.
Mit geschlossenen Augen hätte Eva damals den Weg zu Pims Bauernhof radeln können. Sie könnte es heute noch, obwohl sie viele Jahre nicht in Bovenmeer gewesen ist. Hier wurde sie zwischen Rapsfeldern und Pferdekoppeln erwachsen. Hier liegt auch die Wurzel all ihrer aufgestauten Traurigkeit.
Dreizehn Jahre nach dem Sommer, an den sie nie wieder zu denken wagte, kehrt Eva zurück in ihr Dorf – mit einem großen Eisblock im Kofferraum.

Meine Meinung:

Ich weiß nicht genau, ob ich mir dieses Buch ausgeliehen hätte, wenn ich mich im Vorfeld etwas mehr damit auseinandergesetzt hätte. Bei einem Punkt gebe ich aber meinen Mitrezensenten recht: Dieses Buch ist nach herkömmlichen Mustern schwierig zu beschreiben und zu bewerten. Und ich verstehe sofort, wenn man mir sagt, dass dieses Buch polarisiert.

Gerade der Schreibstil ist ein gutes Beispiel dafür, denn die einen finden ihn toll, die anderen – auf deren Seite ich mich hier leider auch stellen muss – finden ihn ausschweifend und langweilig.

Wobei ich “langweilig” tatsächlich erklären muss, denn eigentlich hätte er mir gefallen, wenn ich mich nicht irgendwann durch die schiere Menge an Text erschlagen gefühlt hätte. 100 Seiten weniger, gefühlte tausend Details weniger, die kaum oder wenig zur Geschichte beigetragen haben – und ich hätte die Geschichte wahrscheinlich als sehr viel intensiver empfunden.

In gewisser Weise muss ich aber anerkennen, dass er zur Geschichte passt, dieser Stil. Diese ausschweifenden Details geben auch hervorragend wieder, wie sehr sich die Ich-Erzählerin in ihrer Familie verloren gekommen sein muss, wie sehr sie sich von ihr distanziert hat, um zu überleben. Es ist also irgendwie nachvollziehbar, warum das Buch erzählt wird, wie es erzählt wird – und trotzdem sorgte genau diese Schreibweise dafür, dass es mich überhaupt nicht abholen konnte.

Wäre ich meinen üblichen Lesegewohnheiten treugeblieben, hätte ich es wahrscheinlich außerdem nach 100 Seiten zur Seite gelegt … Ein Teil von mir blieb allerdings neugierig, wollte wissen, wie es weitergeht, was an diesem Buch dran ist, dass es zum Teil so gelobt, zum Teil so verrissen wird. Also habe ich das Buch teils gelesen, teils überflogen, immer auf der Suche nach dem, was noch kommen sollte.

Was allerdings tatsächlich im Leben von Eva schiefgegangen ist, erfährt der Leser erst auf den letzten 100 Seiten (Was heißt, dass man sich 400 Seiten durch jede Menge Andeutungen und Ausschweifungen “arbeiten” muss). Interessanterweise drängte sich mir auf einmal der Gedanke an Patrick Süßkinds “Parfum” auf, ein Buch, das ja ebenfalls sehr oft wegen seiner Gewaltdarstellung thematisiert wurde.

Wie bei Süßkind sehe ich auch bei diesem Buch eine extrem distanzierte Darstellung der Gewalt, eine Gewalt, die ich deswegen zwar wahrgenommen habe, die mich gleichzeitig aber auch nicht berührt hat. Überhaupt bleibt alles irgendwie auf Distanz, auch für die Figuren konnte ich deswegen keine Sympathie, geschweige denn Empathie entwickeln. Etwas, was für mich sehr oft ein großer Minuspunkt ist.

Wie bereits aber zu Beginn gesagt, “Und es schmilzt” war für mich nicht so leicht zu bewerten. Es kommt für meinen Geschmack sehr viel darin vor, was ich nicht mag, aber es ist definitiv kein Buch, das man so schnell vergisst. Hier heißt es wohl wirklich: Selber lesen und eigene Meinung bilden!

Mein Fazit:

“Und es schmilzt” ist definitiv kein Buch, dass Sympathien aufbauen möchte. Der Schreibstil, die Figuren, deren Beziehungen zueinander – das alles wirkt wie ein kalter Winter, der nicht enden möchte. Wer sich darauf einlassen kann, wird das Buch mögen. Für mich war es genau darum aber sehr, sehr schwierig, einen Zugang zu dem Buch zu finden.

  • ★★★★★
  • Gebunden
  • 512 Seiten
  • S. Fischer
  • 978-3103972825
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(Kurz)Rezension Ellen Sandberg – Die Vergessenen

Auf „Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg wurde ich bereits vor einiger Zeit durch verschiedene Blogger aufmerksam. Da das Thema Euthanasie im dritten Reich auch in meinen Augen immer wieder zu kurz kommt, war ich froh, als ich entdeckte, dass es das Buch auch als Hörbuch (wenn auch gekürzt) gibt.

Der Klappentext:

Das Böse verjährt nie
Manolis Lefteris erhält 2013 den Auftrag, geheimnisvolle Akten in seinen Besitz zu bringen. Er ahnt nicht, dass er im Begriff ist, ein Verbrechen aufzudecken, das weit in der Vergangenheit liegt. Die Spur führt ihn zu Kathrin Mändler, die sich, als sie 1944 eine Stelle als Krankenschwester annimmt, zum ersten Mal in ihrem Leben nützlich fühlt. Als sie dem charismatischen Arzt Karl Landmann begegnet, merkt sie zu spät, worin seine Arbeit besteht und dass diese das Leben vieler Menschen bedroht – auch ihr eigenes.
Gelesen von Thomas M. Meinhardt.

Meine Meinung:

Ellen Sandberg gelingt es meiner Meinung nach hervorragend, die Vergangenheit (Kathrin als junges Mädchen in Winkelberg) mit der Gegenwart zu verknüpfen, wo sich Kathrins Nichte Vera daran macht, die Ereignisse von damals aus dem Dunkel des Vergessens und der Geheimnisse zu ziehen. Gleichzeitig arbeitet sie die Figur von Manolis Lefteris hinein, der zwar in Deutschland aufgewachsen, durch seinen griechischen Vater aber selbst in die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg hineingesogen worden ist.

Dieses Gespann ist es auch, was die Geschichte wirklich interessant macht, denn die Erinnerungen von Kathrin an 1944 nehmen einen weniger hohen Anteil in der Geschichte ein, als es zunächst den Anschein hat. Beide Protagonisten kommen im Verlauf der Geschichte in der Gegenwart an ihre Grenzen und müssen Entscheidungen treffen, wie sie mit dem umgehen, was sie erfahren.

Der Leser ist immer hautnah dabei, deswegen fiel es mir gegen Ende wirklich schwer, die beiden gehen zu lassen. Ein gewisses Gefühl blieb, dass es da noch mehr zu erzählen gibt, dass das Ende eigentlich erst ein Anfang ist.

Zum Hörbuch: Thomas Reinhardt liest das Hörbuch meiner Meinung nach sehr gut, die Kürzungen sind mir beim Hören nicht wirklich aufgefallen. Und bei einer Länge von gut zehn Stunden kann eigentlich auch nicht vieles gekürzt worden sein …

Mein Fazit:

Eine spannend inszenierte Geschichte, die in meinen Augen eigentlich nach einer Fortsetzung schreit, da in meinen Augen nicht alle offenen Fragen zufriedenstellend beantwortet wurden.

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 607 Minuten
  • Der Hörverlag
  • 978-3844527186
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(Kurz)Rezension Andreas Gruber – Ghost Writer

“Ghost Writer” ist mittlerweile schon der fünfte Band aus dem Luzifer Verlag, in dem die Kurzgeschichten von dem Andreas Gruber aus dem Phantastik-Bereich neu aufgelegt bzw. neu herausgegeben werden (Ja, es sind auch jedes Mal neue Geschichten dabei!).

Der Klappentext:

Diesmal entführt Andreas Gruber Sie mit seinen Horror-geschichten in das Leipzig des Jahres 1840, nach New Orleans um 1908 und in das Wien des Jahres 1945. Wir treffen auf elektronische Spinnen, einen krimineller Zahnarzt, einen verrückten Erfinder in einem Kellerlabor und ein ungewöhn-liches Brüderpaar, das an einer seltenen Krankheit leidet.

Erfahren Sie mehr über einen erschreckenden archäologischen Fund bei Athen, eine Lovecraft-Hommage über die Miskatonic-Universität in Arkham, sowie eine teuflische Weihnachtsgeschichte direkt aus der Hölle.

Und freuen Sie sich nicht zuletzt auf ein Wiedersehen mit Edgar Allan Poe und Jack the Ripper.

Meine Meinung:

Die schriftstellerischen Wurzeln von Andreas Gruber liegen in der Phantastik. Dies merkt man auch diesem Band ein weiteres Mal sehr deutlich an. Denn der Autor wartet mit einem ziemlich bunten Potpourri an Geschichten auf: Historischer Gruselroman im Stil von Edgar Allan Poe trifft auf Urban Fantasy trifft auf Horror / Gruselgeschichte – und das ist nur ein. kleiner Anteil dessen, was auf den Leser zukommt.

Einiges davon hätte in meinen Augen auch das Potenzial, als längerer Roman zu unterhalten (“Medusa” zum Beispiel oder “Mesmeristische Experimente”). Meine absolute Lieblingsgeschichte war allerdings dieses Mal “Ghost Writer”, gerade weil das Ende doch ein bisschen anders ist, als man vom Autor gewohnt ist. Aber ich will nicht zu viel verraten, macht euch am besten selbst ein Bild.

Auch wenn mich nicht jede Geschichte fesseln konnte, überzeugte der Band auf der ganzen Linie. Einmal mehr zeigt der Autor, wie wandelbar er ist, was Schreibstil, Ideen und Umsetzung angeht: Auch wenn der Schwerpunkt auf den Schauergeschichten liegt, kommen auch jede Menge historische und futuristische Elemente zum Tragen.

Mein Fazit:

Wer in der Phantastik zuhause ist, sollte sich die gesamte Reihe nicht entgehen lassen. Andreas Gruber-Fans dagegen werden den Autor von einer neuen Seite kennenlernen, denn der Autor hat noch viel mehr drauf, als “nur” Thriller zu schreiben!

  • ★★★★
  • Klappenbroschur
  • 372 Seiten
  • Luzifer Verlag
  • 978-3958353091
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(Kurz)Rezension Ruth Kaufmann – Die lange Nacht der gelben Sterne

“Die lange Nacht der gelben Sterne” ist ein Buch, das dank Selfpublishing das Licht der Welt erblicken durfte. Entdeckt habe ich es, als ich mir die Ausstellung “Bertl & Adele” angeschaut habe, die das Leben zweier jüdischer Kinder während der NS-Zeit in Graz nachzeichnet.

Der Klappentext:

Ruth Kaufmann zeichnet in diesem Buch den Lebensweg ihres Vaters nach – eines Überlebenden, der die gegen die Juden gerichteten Vernichtung, Verfolgung und Vertreibung während der NS-Zeit überlebte.

Meine Meinung:

Bertl bekommt zu seinem neunten Geburtstag von seiner Großmutter ein Tagebuch geschenkt. Nichts Außergewöhnliches, möchte man meinen. Aber Bertl ist Jude und lebt mit seiner Familie in Graz. 1933 ist die Welt noch verhältnismäßig in Ordnung und Bertl notiert beispielsweise, dass er seinen Hund sehr lieb hat. Die Schatten der Zeit werden jedoch länger, plötzlich darf er nicht mehr in sein geliebtes Augartenbad gehen, wird er wegen seines Judentums gehänselt. Und dann auf einmal heißt es, Österreich gehört nun zu Deutschland, und die Synagoge in der Stadt geht in Flammen auf …

Ich gebe zu, ich wurde auf dieses Tagebuch erst durch die Ausstellung aufmerksam. Auszüge davon werden nämlich in Plakatgröße präsentiert. Die Einträge mögen einfach und schlicht geschrieben sein (Schließlich ist der Verfasser anfangs ein Kind), aber gerade diese einfachen Worte üben einen ganz eigenen Zauber aus. Als Leser weiß man schließlich, wohin sich die Geschichte entwickeln wird – das Kind dagegen versteht nicht, warum ihm sein Umfeld immer feindseliger gegenüber steht …

Dann findet die Reichskristallnacht statt und für Bertls Familie beginnt eine Odyssee, während der Bertl erwachsen werden muss, für die typischen Gefühle der Pubertät ist (fast) keine Zeit.

Bertls Einträge werden zu diesem Zeitpunkt kürzer, die Pausen dazwischen länger, vieles bleibt ungesagt – und trotzdem hat man das Gefühl, dass zwischen den Zeilen jede Menge erzählt wird. Ein Schicksal, wie es wohl viele Flüchtlinge jener Zeit erlebt haben und dass gerade deswegen Parallelen zur Gegenwart aufweist.

Mein Fazit:

Kein NS-Schicksalsbuch im herkömmlichen Sinn, weil man im Nachwort außerdem einen Sachtext zu lesen bekommt, wie viele Juden vertrieben wurden – und wie wenige wieder in die alte Heimat zurückgekommen sind. Auf jeden Fall empfehlenswert, auch für den Schulunterricht für Jüngere!

  • ★★★★
  • Taschenbuch
  • 194 Seiten
  • CreateSpace
  • 978-1522820185
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(Kurz)Rezension Michaela Grünig & Marc Girardelli – Abfahrt in den Tod

“Abfahrt in den Tod” ist das Debüt eines neuen Autorenteams, bestehend aus Michaela Grünig und Marc Girardelli. Letzterer dürfte vor allem den älteren Semestern unter uns bestimmt noch als sehr erfolgreicher Skifahrer bekannt sein 🙂 .

Der Klappentext:

Der erfolgreiche Abfahrtsläufer Marc Gassmann erlebt nach einer Verletzung die letzte gute Saison seiner Karriere. In seinem “Paradelauf” am Lauberhorn liegt er in Führung, der Sieg ist greifbar nah – bis eine Drohne genau hinter ihm auf die Piste stürzt. Zufall oder Mordanschlag? Mit Kantonspolizistin Andrea wird ausgerechnet seine Ex-Freundin mit der Aufklärung des Falls beauftragt. Harmonie? Fehlanzeige. Doch als sich ein weiterer Anschlag auf Marc ereignet, beginnt die gemeinsame Jagd nach einem mysteriösen Unbekannten …

Meine Meinung:

Das Buch startet unmittelbar mit einer sehr plastischen Beschreibung von Marc Gassmanns Rennen. Als Leser bekommt man damit ein sehr gutes Gefühl, wie es sein muss, im Starthäuschen zu stehen und sich in knapp fünf Minuten einen Berghang hinunterzuwerfen. Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h sind schließlich kein Pappenstiel, nicht einmal, wenn man im Auto eine solche Geschwindigkeit hat …

Abfahrtsläufer sind moderne Gladiatoren. Wie im alten Rom ergötzten sich die Massen vor Ort und an den Bildschirmen an ihrem Wagemut und Können.
2%

Ich gebe zu, ich hätte das wohl nie so formuliert, aber ich denke, es ist bestimmt etwas Wahres daran. Ich bin zwar persönlich absolut kein Fan davon, mir Skirennen im TV anzugucken, aber neben Fußball ist der Skisport sehr, sehr präsent in den österreichischen Medien, man kommt da eigentlich kaum drum herum, ob es einem nun gefällt oder nicht.

Der Kriminalfall ist in meinen Augen jetzt nicht so herausragend, vor allem die Ermittlerin stellte sich zeitweise schon etwas naiv an. Aber das ist meiner Meinung auch nach nicht das, was dieses Buch interessant macht: Das Besondere ist der Blick hinter die Kulissen, den man normalerweise nicht bekommt. Wetten beispielsweise, knallharte Sponsoring-Verträge und Doping sind Dinge, die wohl eher hinter vorgehaltener Hand Thema sind – und selten ihren Weg an die Öffentlichkeit finden.

Mein Fazit:

“Abfahrt in den Tod” ist ein Krimi, der in meinen Augen vor allem von seinem Setting und weniger von seiner Handlung lebt. Wer sich darauf einlassen kann, wird aber auf jeden Fall gut unterhalten.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 256 Seiten
  • Emons Verlag
  • 978-3740800512
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Rezension Ursula Poznanski & Arno Strobel – Invisible

Als 2016 “Anonym”, das zweite Buch aus der Feder von Ursula Poznanski und Arno Strobel, erschien, war ich Feuer und Flamme. Das Buch hatte ich am Stück innerhalb von sechs Stunden ausgelesen., so sehr fesselte es mich.

Dementsprechend war ich natürlich sehr gespannt auf die neue Geschichte, die eine Fortsetzung mit dem sehr genialen Ermittlerduo Nina Salomon und Daniel Buchholz versprach.

Zum Inhalt:

Innerhalb kurzer Zeit passieren in Hamburg eine ganze Menge an unterschiedlichen Morden. Einen gemeinsamen Nenner gibt es trotzdem, denn die Mörder stehen jedes Mal innerhalb kurzer Zeit fest.

Trotzdem ist nicht alles, wie es scheint, denn bald zeichnet sich ein Muster ab: Die Mörder fühlten sich von ihren Opfern in irgendeiner Form bedroht. Salomon und Buchholz beschließen, an der Sache dranzubleiben und nach den Hintergründen zu suchen – und bald zeigt sich, dass dies eine kluge Entscheidung war …

Meine Meinung:

Ich weiß, es ist eigentlich ein Fehler, an ein Buch hohe Erwartungen zu haben. Besonders wenn eine Lieblingsautorin mit im Spiel ist. Trotzdem freute ich mich darauf, dass es endlich wieder etwas Neues von den beiden Autoren geben würde und ließ mir das Buch zurücklegen. Kaum hatte ich es auch in Händen, begann ich auch schon …

Die Geschichte startet zügig und – wie man es schon von “Anonym” gewohnt ist – nicht zimperlich. Als ob die Mordserie aber nicht erschütternd genug wäre, kämpfen Salomon und Buchholz auch bald mit anderen Problemen, die Stimmung im Team ist schlecht, beim kleinsten Zwischenfall gibt es Streit.

Buchholz hat darüber hinaus auch noch privaten Stress, der ihn – den Pedanten – ein wenig aus dem Gleichgewicht bringt. Zumindest zwischen Nina und Daniel läuft es allerdings wie gewohnt: Als Leserin entlockten mir die kleinen Reibereien zwischen den beiden auch dieses Mal ein Lächeln, ich finde die beiden dadurch so richtig menschlich.

Im Vergleich zu “Anonym” brauchte ich dieses Mal etwas länger, um in die Geschichte hineinzufinden, sei es wegen der angespannten Stimmung im Ermittlerteam, sei es, weil ich nach etwa 100 Seiten den Eindruck hatte, dass die Geschichte ein wenig auf der Stelle trat, so ganz genau kann ich es gar nicht sagen.

Irgendwie begleitete mich einfach ein mulmiges Gefühl … Aus diesem Grund fiel es mir wohl dieses Mal auch nicht so schwer, nach 50, 60 Seiten das Buch wieder hinzulegen und mich anderen Dingen zu widmen.

Trotzdem habe ich natürlich weitergelesen, denn neugierig war ich schon. Und dies war eine gute Entscheidung, denn zu Beginn des letzten Drittels nimmt die Handlung an Fahrt auf und ich konnte endlich so in der Geschichte versinken, wie ich es von Anfang an wollte. Kurve erfolgreich gekratzt – das trifft es in diesem Fall für mich wohl am besten.

Besonders gut gefallen hat mir in diesem Buch auch die Idee, die dahinter steht. Ins Detail kann ich selbst verständlich jetzt nicht gehen (Das wäre ein böser Spoiler), aber wenn man sich damit auseinandersetzt, ergibt sich ein interessantes Gedankenspiel. Aufgrund der Thematik vermute ich, dass sie von Arno Strobel stammt.

Der Schreibstil ist flott und man kommt gut durch das Buch, auch wenn ich mich einige Male durch die Überlegung, wer von den beiden Ermittlern das neue Kapitel in der Ich-Form erzählt, kurz ausgebremst fühlte. Ob in diesem Fall das Hörbuch besser wäre, kann ich nur vermuten, aber zwei verschiedene Sprecher machen die Umstellung sicher einfacher.

Ein bisschen Kritik muss ich auch in Richtung des Antagonisten loswerden, dieser überzeugte mich dieses Mal nicht so ganz, obwohl ich hier ein kleine Überraschung erlebte, als ich herausfand, wer es war. Wie bereits bei “Anonym” gibt es auch hier einzelne Kapitel, die aus seiner Sicht geschrieben sind, die aber nicht unbedingt Aufschluss darüber geben, wer der Gegner sein könnte.

Das Finale lässt für mich keine Wünsche offen, ich konnte das Buch zufrieden zuklappen, obwohl einige kleine Handlungsfäden aus dem Privatleben der Ermittler offenbleiben. Es ist also zu vermuten, dass wir nicht das letzte Mal einen Fall zusammen mit den beiden Ermittlern lösen werden.

Mein Fazit:

Der neue Fall ist in meinen Augen nicht ganz so gut wie “Anonym” (Dieses Buch hat aber auch die Messlatte für mich sehr hoch gelegt), trotzdem hat es mir sehr viel Freude bereitet, Nina Salomon und Daniel Buchholz bei ihren neuen Ermittlungen zu begleiten. Sollte die Serie weitergehen, werde ich sicherlich wieder dabei sein.

  • ★★★★
  • Broschiert
  • 368 Seiten
  • Wunderlich
  • 978-3805200158
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