Rezension Heather Morris – Der Tätowierer von Auschwitz

Ich erinnere mich, dass ich schon zu Beginn dieses Jahres das erste Mal auf dieses Buch aufmerksam wurde, als es auf Englisch auf einem Blog (glaube ich) vorgestellt wurde. Das Thema fesselte mich sofort, denn Auschwitz ist nun mal nicht unbedingt ein Ort, den man mit dem Kennen und Lieben Lernen zweier Menschen verbindet.

Aus diesem Grund wanderte es einmal auf meine Merkliste, mit dem Hintergedanken es zu lesen, wenn es als Taschenbuch erscheinen würde … Umso überraschter war ich ehrlich gestanden, als ich es im August bereits auf Deutsch – und auch als Hörbuch –  entdeckte.

Der Klappentext:

1942 wurde Lale Sokolov nach Auschwitz deportiert. Seine Aufgabe war es, Häftlingsnummern auf die Unterarme seiner Mitgefangenen zu tätowieren, jene Nummern, die später zu den eindringlichsten Mahnungen gegen das Vergessen gehören würden. Er nutzte seine besondere Rolle und kämpfte gegen die Unmenschlichkeit des Lagers, vielen rettete er das Leben. Dann eines Tages tätowierte er den Arm eines jungen Mädchens – und verliebte sich auf den ersten Blick in Gita. Eine Liebesgeschichte begann, an deren Ende das Unglaubliche wahr werden sollte: Sie überlebten beide.

Eindringlich erzählt Heather Morris die bewegende, wahre Geschichte von Lale und Gita, die den Glauben an Mut, Liebe und Menschlichkeit nie verloren.

Meine Meinung:

Die Geschichte von Lale und Gita ist bemerkenswert, gar keine Frage – und ich sehe das Buch auch als einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen. Es gibt wohl nur ganz wenige Bücher, die von jemandem inspiriert sind, der das Grauen an diesem Ort erlebt und – vor allem – überlebt hat.

Trotzdem hatte ich beim Hören so meine Probleme: Das Eindringliche, das im Klappentext erwähnt wird, habe ich sehr oft einfach nicht spüren können. Der Erzählstil des Buches ist in meinen Augen fast zu sachlich gehalten, trotz der vielen Dialoge, die die Autorin eingefügt hat.

Aus diesem Grund habe ich mich immer wieder gefragt, was ich hier vor mir habe, ein Sachbuch, das Sequenzen eines Romans enthält, oder einen belletristischen Roman, der sich sehr strikt an die Erinnerungen Lales hält. Für mich ist hier irgendwie eine Mischung aus beidem herausgekommen …

Diese Sachlichkeit ist es auch, die mir den Zugang zeitweise sehr schwierig gemacht hat. Irgendwie hatte ich erwartet, mehr Gefühle zu durchleben, stattdessen gingen viele Szenen einfach an mir vorbei, obwohl sie eigentlich etwas in mir hätten auslösen müssen. Nicht einmal die aufkeimende Liebe zu Gita wurde auf diese Weise für mich transparent, irgendwie lernt Lale Gita kennen (soweit man in Auschwitz überhaupt von “Kennenlernen” sprechen kann) und ist dann ruckzuck in sie verliebt, obwohl er recht lange nur sehr wenig von ihr weiß.

Ich möchte aber nicht nur kritisieren, denn wenn Lales Erinnerungen korrekt sind, gab es auch kleine Funken von Menschlichkeit in Auschwitz. Menschen, die im Geheimen versucht haben, den Lagerinsassen zu helfen, und sie vielleicht nicht retten, aber ihnen zumindest das Leben in Form von geschmuggelten Lebensmitteln und Medikamenten leichter machen konnten.

Gerade diese kleinen Momente ließen mich dran bleiben, die Neugier, wer von den Nebenfiguren es denn schaffen würde. Ein Gefühl, das mich leider weniger mit den Hauptfiguren verbunden hat, da ich ja schon vor dem Lesen wusste, dass sie Auschwitz, seine Krankheiten und Foltern überleben würden …

Gut gefallen hat mir auch das Nachwort der Autorin, wo sie das Kennenlernen von Lale als altem Mann schildert. Hier merkt man ihr an, dass ihr Lales Leben wohl doch sehr nah gegangen sein muss, denn sie spricht von einer Lektion in Menschlichkeit … Wenige Worte nur, aber sie konnten mich mehr berühren als das Buch selbst (Obwohl die Geschichte natürlich notwendig ist, um zu verstehen, was die Autorin mit dem Nachwort sagen möchte).

Abgerundet wird das Hörbuch von einigen Anmerkungen, die das weitere Schicksal der beiden Liebenden schildern. Ein sehr passender Abschluss, den es hat mich durchaus interessiert, wie es Gita und Lale nach der Nazi-Zeit ergangen ist. Und damit einher geht auch ein Kompliment an den HörbucHHamburg Verlag, denn oft werden solche Dinge dem Hörbuch-Fan ja leider unterschlagen.

Mein Fazit:

Ich vergebe 4 Sterne aufgerundet, denn summa summarum hat “Der Tätowierer von Auschwitz” bei mir sehr gemischte Gefühle erzeugt. Ich maße mir nicht an zu urteilen, ob die Autorin diesen sachlichen Schreibstil absichtlich gewählt hat (woraus zumindest aus dem Nachwort zu schließen ist), aber so richtig nah ging mir das Buch tatsächlich erst durch das Nachwort …

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 439 Minuten
  • HörbucHHamburg
  • 978-3869524092
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Rezension Christina Dalcher – Vox

Ich weiß gar nicht mehr, wann genau ich das erste Mal auf das Buch aufmerksam wurde, aber es liegt schon eine Weile zurück … Was ich aber noch genau weiß, ist, dass ich nach dem Lesen des Klappentexts auf der Stelle Feuer und Flamme für diese Geschichte war. Was für eine großartige Idee!

Deswegen beschloss ich auch, eine Leserunde zu “Vox” auf meinem Blog zu veranstalten, um es gemeinsam zu lesen und unsere Eindrücke zu diskutieren.

Der Klappentext:

In einer Welt, in der Frauen nur hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, bricht eine das Gesetz. Das provozierende Überraschungsdebüt aus den USA, über das niemand schweigen wird!
Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.
Das ist der Anfang.
Schon bald kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmuts, ihrer Träume beraubt.
Aber das ist nicht das Ende.
Für Sonia und alle entmündigten Frauen will Jean sich ihre Stimme zurückerkämpfen.

Meine Meinung:

“Der Roman, den jede Frau lesen muss” – das sagt zumindest der S.Fischer-Verlag, der das Buch bei uns auf dem Markt gebracht hat. Nun, ich sage: Nein! Warum, erkläre ich noch. Schauen wir erst einmal auf die Zutaten zu diesem dystopischen Roman, bei dem leider in der Endversion der Brief an die Leser und das Interview mit der Autorin weggefallen sind …

Beides fand ich durchaus interessant, denn die Autorin verrät darin auch, dass sie den Roman nicht unbedingt als feministischen Roman sieht, sondern eher als Gedankenspiel, was mit einer Gesellschaft passiert, wo auf einmal die Hälfte der Menschen nicht mehr sprechen darf. Als Linguistin ist die Autorin schließlich vom Fach, weiß, wovon sie schreibt.

Die Geschichte beginnt für meinen Geschmack durchaus spannend, wir lernen die Protagonistin Jean, 43, verheiratet, Mutter von vier Kindern, ehemals renommierte Neurolinguistin, kennen. Das Verhältnis zu ihrem Mann Patrick ist aber nach siebzehn Jahren Ehe nicht mehr das, was es mal war. Besonderes Sorgenkind ist die jüngste Tochter Sonia, die genau wie ihre Mutter dank des Wortzählers an ihrem Handgelenk kaum sprechen darf.

In Rückblenden wird erzählt, wie es zur Entstehung dieses Systems kam, Jean macht sich dabei mehr als einmal Vorwürfe, dass sie selbst im Gegensatz zu ihrer Freundin und Aktivistin Jackie nicht aktiv geworden ist. Der Alltag ist zu einem großen Schweigen geworden, der Frauen zurück an den Herd zwingt und der den Ehemännern, Vätern und Brüdern die Entscheidungsgewalt über ihre Frauen gibt.

Dies zeigt sich vor allem in den vielen kleinen Szenen, die die erste Hälfte des Romans dominieren, denn Jean darf im Grunde nichts mehr tun außer den Haushalt führen und (schweigend!) für ihre Familie da sein … Eine Begebenheit nach der anderen reiht sich aneinander, wo man sich als Leserin am liebsten übergeben würde, so viel Ungerechtigkeit ist entstanden – und niemand ist (zunächst) da, an den Jean sich wenden kann. Selbst ihr ältester Sohn Steven wendet sich von ihr ab, beeinflusst von der umfassenden Gehirnwäsche des Systems.

Wie in jeder guten Geschichte passiert allerdings etwas, was dafür sorgt, dass Jean sich einige Freiheiten zurück erkämpfen kann: Der Bruder des Präsidenten ist auf Jeans Fähigkeiten als Wissenschaftlerin angewiesen. Jean nutzt die Chance, um wieder in Kontakt mit ihrem alten Forscher-Team zu kommen, begegnet dabei auch ihrem italienischen Kollegen Lorenzo wieder, mit dem sie etwas mehr als nur die Arbeit verbindet.

Ab hier etwa setzte allerdings auch das Gefühl ein, mich immer mehr in der Handlung zu verlieren, nicht mehr mitzukommen … Viel zu viel blieb an der Oberfläche, ließ die Gefühle und das Grauen des Anfangs vermissen. Das Verständnis für die Motivation der Figuren, bestimmte Dinge zu tun, entglitt mir zunehmend. Stattdessen immer mehr Geheimnisse, immer mehr Fragen – und immer mehr Ungereimtheiten.

Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, zwei verschiedene Autoren haben an dieser Geschichte geschrieben. Einer, der sich Zeit genommen hat, einen wirklich beklemmenden, angsteinflößenden Anfang zu schaffen, aber auch einer, der anscheinend unter Zeitdruck gestanden hat, den Roman möglichst rasch zu einem Ende zu bringen.

Apropos Ende: Das Ende wurde von meinen Mitlesern in der Leserunde recht unterschiedlich wahrgenommen. Mir gefiel es grundsätzlich schon, wenn da allerdings nicht das große Aber wäre: Es wird viiiiel zu rasch erzählt! Dadurch wirkt es wie fast die gesamte zweite Hälfte des Romans eher lieblos und nur runtergeschrieben.

Dies ließ mich nach dem Beenden des Buches tatsächlich erst einmal ratlos zurück. Denn wie bewertet man ein Buch, dass man zu Beginn absolut fesselnd, spannend, grausam und traurig fand, das also jede Menge Gefühle ausgelöst hat, dann aber so absolut abstürzt, dass man am liebsten das Ende einfach vergessen und verdrängen möchte? Der Anfang verdient meiner Meinung nach problemlos vier Sterne, das Ende allerdings eher zwei …

Mein Fazit:

“Starker Anfang, schwaches Ende” – so könnte man “Vox” wohl am besten beschreiben, wenn man sich auf die vielbeschworenen 100 Wörter pro Tag für Frauen beschränken muss. Die Idee finde ich auch jetzt immer noch großartig, das letzte Drittel des Buchs möchte ich jedoch am liebsten aus meinem Gedächtnis streichen …

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 400 Seiten
  • S. Fischer
  • 978-3103974072
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Rezension Mick Finlay – Arrowood

“Arrowood” machte mich ehrlich gestanden wegen seines Covers neugierig. Die Silhouette des Herrn mit Zylinder und Stock und der Zusatz “In den Gassen von London” ließen mich auf einen Krimi schließen, der im historischen London spielt :). Der Klappentext tat dann sein Übriges dazu, mich zu überzeugen, diesem Buch eine Chance zu geben.

Der Klappentext:

Privatdetektiv William Arrowood ist ein Mann vieler Talente – und einiger Laster. Die Tagelöhner und Straßenmädchen im armen South London können sich keinen besseren Detektiv leisten und kommen daher mit allen Anliegen zu ihm. Voller Verachtung und Neid blickt er über die Themse auf seinen bekannten Kollegen Sherlock Holmes und dessen betuchte Klientel.

Auch Arrowoods neuester Fall scheint nicht geeignet zu sein, ihn berühmt zu machen: Eine junge Französin bittet darum, ihren verschwundenen Bruder aufzuspüren. Doch hinter dem simplen Auftrag verbergen sich weit mehr Geheimnisse und Leichen, als Arrowood für möglich hielt. Und so führen ihn seine Ermittlungen von den Tiefen der Londoner Unterwelt bis in höchste Regierungskreise …

Meine Meinung:

Die Idee, einen direkten Konkurrenten zu Sherlock Holmes zu schaffen, der aber offensichtlich auf andere Methoden als der bekannte Detektiv setzt, faszinierte mich von Anfang an. Und ein klein wenig bedient sich der Autor auch der Methodik eines Sir Arthur Conan Doyle, indem er dem kauzigen Arrowood einen Assistenten namens Norman Barnett zur Seite stellt, der aus der Ich-Person die Geschichte erzählt.

Zugegeben: Als Sherlock-Fan zu lesen, dass jemand Sherlock und seine Methoden nicht mag, ist schon ein bisschen harter Tobak. Aber gleichzeitig amüsierte mich dies auch und ich war gespannt darauf, welche Geschichte uns und welchen Fall seinen beiden Helden der Autor servieren würde. Der Auftakt liest sich auch sehr gut, denn die Klientin scheint Arrowood und Barnett gegenüber von Anfang an nicht ganz aufrichtig zu begegnen.

Das Problem an diesem Buch ist in meinen Augen leider die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird. Es gibt immer wieder einzelne spannende Momente, aber keiner davon war für mich sooo fesselnd, dass ich das Buch nicht dazwischen für einige Zeit weglegen konnte.

Wobei das Buch eigentlich beste Voraussetzungen hätte, eine tolle Geschichte zu erzählen, denn der Autor hat das Talent, das frühere London in seiner ganzen Vielfalt auferstehen zu lassen. Armut, Gewalt, Verbrechen – dies war in einigen Vierteln der Stadt an der Tagesordnung. Ein Schmelztiegel an Kulturen und Interessen trug wohldazu bei, die Stadt zeitweise in einen Hexenkessel an Emotionen zu verwandeln.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Figuren, die der Autor geschaffen hat. Angefangen bei dem zeitweise recht jähzornigen William Arrowood, der zwar ein guter Menschenkenner ist, aber ab und zu auch seinen Gefühlen einmal zu oft freien Lauf lässt, über den sympathischen Assistenten Norman Barnett, der mehr ein Partner als ein Assistent für Arrowood ist, bis hin zu Neddy, dem Straßenjungen, der für Arrowood und Barnet immer wieder kleine Aufträge erledigt. Auch Ettie, Arrowoods Schwester, konnte mir das eine oder andere Schmunzeln entlocken.

Das Ende fand ich persönlich ein wenig durchwachsen. Zwar werden alle offenen Fragen zur Zufriedenheit des Leser beantwortet, nur kam es für meinen Geschmack ein wenig abrupt. Ein klein wenig Tempo hier rauszunehmen, wäre nicht verkehrt gewesen. Auch fand ich das Schicksal des Antagonisten ein wenig schade, das war für meinen Geschmack ein wenig … unspektakulär.

Mein Fazit:

“Arrowood” ist für meinen Geschmack eine Geschichte mit einer guten (und witzigen) Idee, die aber beim Ausarbeiten ein wenig ins Straucheln geraten ist. Das authentische Setting und die sympathischen Figuren haben für mich allerdings das Buch trotzdem lesenswert gemacht.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 400 Seiten
  • HarperCollins
  • 978-3959677479
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Rezension Robert C. Marley – Inspector Swanson und das schwarze Museum

Conny vom Pink Anemone Blog habe ich es ganz klar zu verdanken, dass ich auf die viktorianischen Krimis rund um Inspector Swanson aufmerksam wurde :). Mit der vorliegenden Geschichte “Inspector Swanson und das schwarze Museum” ist die Reihe bei Band 4 angekommen, Band 5 steht bereits in den Startlöchern und wird im Herbst erscheinen.

Da jeder Roman einen in sich abgeschlossenen Fall enthält, kann “Das “Schwarze Museum” ohne Probleme für sich gelesen werden, mittlerweile ist aber fast anzuraten, die früheren Bände zu kennen, um die Anspielungen auf die früheren Abenteuer besser zu verstehen und das Aufeinandertreffen der einzelnen Figuren richtig einzuordnen.

Der Klappentext:

London, 1894. Aus Scotland Yards Schwarzem Museum, einer Sammlung von Mordwerkzeugen, verschwindet ein Ausstellungsstück. Wenig später wird die Leiche eines Freimaurers in einem Schlafwagen auf der Bahnstrecke London – York gefunden. Chief Inspector Donald Swanson – selbst Freimaurer – sieht sich gezwungen, in den Kreisen seiner eigenen Logenbrüder zu ermitteln.

Als jedoch am Tatort eines weiteren Verbrechens Fingerabdrücke gefunden werden, wendet sich das Blatt …

Meine Meinung:

Die ersten drei Romane dieser Reihe habe ich mehr oder weniger am Stück genossen, da sie auch als Hörbuch vorliegen. Band 4 gönnt unserem geplagten Chief Inspector nun endlich den wohlverdienten Urlaub, den er sich nach seinen vergangenen Abenteuern (Eine Übersicht der Bücher findet ihr hier) redlich verdient hat.

Aber der Frieden währt nicht lange, den auf der Fahrt nach Norden wird ein Toter im Zug gefunden. Zunächst auf sich gestellt, findet der Chief Inspector schon bald heraus, dass die Spuren in eine Loge der Freimaurer weisen. Ein Bund, dem er selbst angehört und auf den er große Stücke hält …

Wie jedes Buch aus der Reihe hat auch dieses ein Thema: Waren es bisher der Hope-Diamant, der Fall Jack the Ripper oder die Zauberei, so geht es dieses Mal um die geheimnisvollen Freimaurer. Darauf weist der Autor bereits im Vorwort hin, auch darauf, welches “Alphabet” die Freimaurer verwendet haben, um miteinander zu kommunizieren. Ergo: Auch dieses Mal habe ich etwas Neues gelernt, was mich noch eine Weile beschäftigen und recherchieren lassen wird.

Wie bereits in den früheren Büchern begegnen wir auch hier wieder einigen historischen Persönlichkeiten, die Marley sehr detailliert recherchiert haben muss, um deren Lebensumstände in seine Romane gekonnt einzubringen. In diesem Band legt der Autor seinen Fokus auf Sir Arthur Conan Doyle, den Schöpfer von “Sherlock Holmes”, aber auch ein gewisser Abraham Stoker darf nicht fehlen, der auf Recherche für einen Gruselroman ist. Diese kleinen, fast nebenbei eingeflochtenen Details sind es auch, die für mich einen Teil des ganz besonderen Charmes der “Inspector Swanson”-Reihe ausmachen.

Aber auch die fiktiven Figuren sind mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen, beispielsweise der etwas naive und unselbständige Sergeant Phelps, der aber Swanson immer treu zur Seite steht und ihm ohne zu murren tatkräftig zur Seite steht. Swanson selbst erscheint mir ab und zu etwas distanziert, das Wissen darum, dass der Autor in ihm seinen eigenen Vorfahren zu einer Romanfigur gemacht hat, rückt die Wahrnehmung seines Charakters aber in ein ganz eigenes Licht.

Ein kleinen Wermutstropfen gibt es dennoch: Den Fall fand ich dieses Mal im Vergleich zu den früheren Romanen nicht ganz so mitreißend, ich hätte mir da einige Male noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Vieles blieb für meinen Geschmack an der Oberfläche, wo noch mehr drin gewesen wäre. Der Bezug zum titelgebenden Kriminalmuseum von Scotland Yard war für mich eigentlich so gut wie gar nicht gegeben, es kam eigentlich nur sehr kurz in dem Roman vor. das Ein paar Seiten (und Details mehr) mehr hätten daher der Geschichte sicherlich nicht geschadet, finde ich.

Wer in dem Roman große Action sucht, ist sicherlich fehl am Platz, aber wer auf Krimis im “Cosy Crime”-Stil steht, kann auch mit diesem Band der Reihe nicht viel falsch machen. Man merkt es Marleys Büchern immer wieder an, dass dem Autor sehr viel daran liegt, seine Geschichten möglichst authentisch und zeitgemäß zu erzählen. Und genau darin sehe ich auch das Liebenswerte dieser Romanreihe :).

Mein Fazit:

“Inspector Swanson und das schwarze Museum” ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe, wenn auch die Kriminalgeschichte im Vergleich zu den früheren Romanen mich nicht so perfekt zu fesseln zu vermochte. Wer auf historisches Cosy Crime in viktorianischer Zeit steht, kann allerdings mit gutem Gewissen zugreifen – Sherlock Holmes-Fans sollten es sowieso :).

  • ★★★★
  • E-Book
  • 264 Seiten
  • Dryas
  • 978-3941408937
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Rezension Diana Meier-Soriat – Bullet Journal: Das Praxisbuch

Ich weiß, gewöhnlich stelle ich hier nur selten Sachbücher, Ratgeber oder ähnliches vor, aber es heißt ja nicht umsonst “Ausnahmen bestätigen die Regel”. Da ich im Herbst plane, an der FH zu studieren, beschäftige ich mich im Moment sehr viel mit Zeitmanagement und -planung.

In dem Zusammenhang fiel mir ein, dass es ja mittlerweile “en vogue” ist, sich seine Planer selbst zu machen – sprich: mit einem Bullet Journal zu arbeiten. Da YouTube vor lauter Videos einem Newbie aber eigentlich komplett den Blick darauf verstellt, worauf es ankommt, habe ich mich dafür entschlossen, mir ein Buch zu dem Thema zu besorgen. Dabei ist meine Wahl auf “Bullet Journal: Das Praxisbuch” von Diana Meier-Soriat gefallen.

Der Klappentext:

Du möchtest besser organisiert sein und alle Notizen an einem Ort zusammenführen? Alles genau so aufschreiben und planen, wie es zu dir am besten passt?

Diana zeigt dir in diesem Buch, wie du mit deinem Bullet Journal für dich das optimale Organisationssystem findest, egal ob beruflich oder privat. Du erfährst Schritt für Schritt, wie du startest und welche Elemente du brauchst, um gut zu planen: von deinem individuellen Kalender über die Eventplanung für Feiern wie Hochzeiten und Geburtstage bis hin zur Planung deiner Social- Media-Aktivitäten, Einkäufe und Ausgaben.

Aber damit nicht genug: Ein Bullet Journal kann noch so viel mehr. Es bietet dir unendlich viele Möglichkeiten, alles aufzuschreiben, was für dich wichtig ist. In diesem Buch findest du zahlreiche Ideen z.B. für verschiedene Habit Tracker und das Aufschreiben persönlicher Dinge wie Stimmung, Schlaf u.v.m. Oder du nutzt dein Bullet Journal zusätzlich als Tagebuch und Erinnerung an schöne Erlebnisse.

Und wenn du gerne kreativ sein möchtest, findest du außerdem viel Inspiration und jede Menge Beispiele zur Gestaltung deines persönlichen Bullet Journals mit Icons, Schriften, Farben und Dekoelementen wie Washi Tape, Stempel und Co.

Mit deinem Bullet Journal bist du beruflich und privat immer perfekt organisiert!

Meine Meinung:

Wie man sieht, der Klappentext zu diesem Ratgeber ist schon recht umfangreich. Dabei habe ich nicht mal den kompletten Text zitiert … “Umfangreich” könnte man auch das nennen, was einen in diesem Buch erwartet, das kann ich euch versichern! Aber dazu später mehr.

Bullet Journaling ist ja mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum sehr beliebt, deswegen gibt es bereits eine gewisse Anzahl an Büchern, die einem den Einstieg erleichtern – Gott sei Dank ist die Anzahl an deutschsprachigen Büchern noch übersichtlich.

Am Ende entschied ich mich für dieses Buch, weil es für meinen Geschmack den sachlichsten Zugang geboten hat. Selbstverständlich kommt ein Buch über Bullet Journals nicht ohne gute Fotos aus, aber letztlich will ich über die Methode etwas erfahren und nicht nur schöne Bilder gucken (Das kann man in den sozialen Medien bereits im Überfluss).

Ich habe mir außerdem die E-Book Version geholt. Warum? Weil sie einerseits etwas preiswerter ist und mir andererseits am Tablet auch ermöglicht, ein wenig in die Bilder hineinzuzoomen. Darüber hinaus habe ich noch einen weiteren Vorteil bemerkt: Die in der Print-Ausgabe von einigen kritisierte Schrift (die ich in der Vorschau auch nicht erstrebenswert fand) blieb mir hier erspart.

Kommen wir zum Inhalt: In insgesamt 11 Kapiteln gibt die Autorin einen Überblick darüber, was ein Bullet Journal ist, was die Anziehungskraft ausmacht und wie man damit arbeiten kann. Nach einer kurzen Einleitung (mit der Antwort auf die Frage, ob Bullet Journaling etwas für einen ist) geht es schon zur Materialkunde, denn: Es müssen keine Notizbücher und Stifte von bestimmten Marken sein, ganz im Gegenteil.

Kapitel drei bescherte mir beim Lesen dann den Aha-Effekt, denn mir war nicht klar, dass das “Rapid Logging”, die von Ryder Carroll erfundene Methode für das Bullet Journaling, ganz ohne grafisches und zeichnerisches Brimborium auskommt. Das ist auch die wichtigste Botschaft für mich: Wer mag, kommt mit einem billigen Notizbuch und einem einfachen Kugelschreiber problemlos aus! Meier-Soriat zeigt dies anschaulich anhand eines kleinen Beispiels.

Ab Kapitel vier geht es dann zu den einzelnen Teilen eines Bullet Journals, die man fast immer in einem solchen Buch findet: Index, Future Log (Jahres- oder Halbjahresübersicht für Termine), Monthly Log (Monatsübersicht), Weekly Log (Wochenübersicht) bis hin zur täglichen Übersicht, den “Daily Logs” oder kurz “Daylies”.

Jeder Teil wird dabei mit verschiedenen Layouts vorgestellt, wie man die entsprechende Übersicht gestalten kann. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang auch, dass bei Ryder Carroll gar keine Wochenübersicht existiert, er geht direkt vom Monat in die Tagesübersicht. Das reicht tatsächlich aus, wenn man in Sachen Bullet Journal einen minimalistischen Ansatz verfolgen will.

Natürlich kommen aber auch die Dinge nicht zu kurz, die wir uns alle so gerne ansehen. Die verschiedenen Habit Tracker werden genauso vorgestellt wie die Dinge, die man zur Verschönerung seines Journals nutzen kann: Handlettering, Sketchnotes, Washi Tape, Stempel, Sticker etc. Wem es Spaß macht, zu zeichnen und sich gestalterisch zu betätigen, bekommt einen guten Überblick über das, was alles möglich ist.

Abgerundet wird das Buch durch ein eigenes Kapitel zum Travel Journal, das ich ein bisschen als Sonderform des Bullet Journals verstanden habe. Nachdem die Autorin allerdings selbst ein solches “Traveler’s Notebook” führt, ist es verständlich, dass sie dem Thema etwas mehr Platz in ihrem Buch eingeräumt hat.

Der Schreibstil ist einfach und flüssig, die Autorin spricht ihre Leser mit Du an, was es einem sehr leicht macht, in die (neue) Welt der Bullet Journals einzutauchen. Wer mag, kann das Buch also locker an einem Tag lesen. Nachdem ich einiges davon bereits beim Lesen in eine Ideenliste übertragen habe, bin ich allerdings immer wieder hin und her gesprungen, habe einiges ein weiteres Mal nachgelesen, um zu sehen, ob ich es mir richtig gemerkt habe.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich zum Schluss: Einige Abschnitte sind recht kurz gehalten, was aber vermutlich dem Hauptthema des Buchs geschuldet ist. Handlettering und Sketchnotes beispielsweise finden in dem Buch zwar ihren Platz, wer sich in diese Themen vertiefen möchte, sollte aber zu anderen “Lernmaterialien” greifen, denn diese Abschnitte sind ziemlich kurz. Genauso wie auch die Unterkapitel zu “Wie plane ich eine Hochzeit / Weihnachten / Geburtstag / Studium”.

Trotzdem halte ich das Buch derzeit für das umfangreichste, was zu dem Thema am Markt ist. Wer sich also wirklich umfassend informieren möchte, worum es beim Bullet Journaling geht, kann mit dem Buch nicht viel falsch machen. Und es rechtfertigt in meinen Augen durchaus den etwas höheren Preis.

Mein Fazit:

“Bullet Journal: Das Praxisbuch” ist aktuell bestimmt das umfassendste Buch, was zum Thema Bullet Journal zu haben ist. Wer sich einen Einblick verschaffen möchte, wie es funktioniert und was man dazu braucht, bekommt hier ein sehr gutes Buch in die Hand. Für Newbies absolut empfehlenswert!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 192 Seiten
  • mitp
  • 978-3958457065
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(Kurz)Rezension Petra Hartlieb – Ein Winter in Wien

Petra Hartlieb ist mir schon seit ihrem Buch “Meine wundervolle Buchhandlung” ein Begriff. Dass sie allerdings nun auch angefangen hat, Romane mit historischem Setting zu schreiben, ist irgendwie bis jetzt an mir vorbeigegangen. “Ein Winter in Wien” dürfte nämlich der Auftakt zu einer mehrbändigen Geschichte werden, die Fortsetzung “Wenn es Frühling wird in Wien” ist dieses Jahr im Februar erschienen.

Der Klappentext:

Um 1910. Marie arbeitet als Kindermädchen bei einer angesehen Familie im Wiener Cottage-Viertel. Eines Tages wird sie vom Herrn des Hauses zur nahegelegenen Buchhandlung geschickt, um ein Buch abzuholen. Doch sie kommt mit leeren Händen, völlig durchnässt vom Schnee, zurück. Der Band sei noch nicht eingetroffen, Buchhändler Oskar bringe ihn so bald wie möglich persönlich vorbei. Als Oskar am gleichen Nachmittag am Haus in der Sternwartestraße klingelt, hat er gleich zwei Bücher dabei: eines für den Herrn Schnitzler und das andere für Marie, mitsamt einer persönlichen Notiz an das Fräulein. Er möchte sie gerne wiedersehen…

Meine Meinung:

Petra Hartlieb hat einen einfachen und recht schnörkelosen Schreibstil, der es einem aber nicht schwer macht, sich in die Haut des jungen Mädchens Marie zu versetzen, das die freiwerdende Stelle als Kindermädchen bei den Schnitzlers ergattert.

Marie selbst ist auf einem Bauernhof großgeworden, daher erscheint ihr die neue Arbeit in Wien als echter Glücksgriff. Die zweijährige Lili und der neunjährige Heini freunden sich schnell mit ihr an und zusammen mit der Familie erlebt Marie, dass das Leben auch aus anderen Dingen als harter Arbeit, Schlägen und Schweigen besteht.

Maries Leben nimmt eine erneute Wendung, als sie den jungen Buchhändler Oskar kennenlernt, der sich von ihr sofort angezogen fühlt. Marie dagegen ist zurückhaltend, hat sie doch sehr wohl verstanden, dass es für sie nicht von Vorteil ist, in ihrer Situation sich auf eine Liebelei einzulassen …

Für sich gesehen gibt der Inhalt eigentlich nicht viel her, trotzdem ertappte ich mich irgendwann beim Lesen, dass sich die Geschichte langsam, aber sicher in mein Herz schlich, auch wenn ich mehrmals das Gefühl hatte, dass aufgrund der Kürze des Romans vieles auf der Strecke blieb. Hartlieb gelingt es trotzdem wunderbar, das Leben der Menschen jener Zeit einzufangen und darin das zarte Pflänzchen der Gefühle einzubetten, die sich hier langsam, aber sicher zwischen Marie und Oskar entwickeln.

Es kommt aber auch das Leben der Familie Schnitzler auf den 176 Seiten nicht zu kurz. Wir erfahren, dass Schnitzler vor seiner Ehe kaum etwas anbrennen hat lassen, Sohn Heinrich wurde sogar noch unehelich geboren. Die kleine Lili dagegen ist Schnitzlers Augenstern, der Vater kümmert sich trotz seiner Arbeit und seinen gesellschaftlichen Aktivitäten rührend um beide Kinder.

Warum ich keine vier Sterne vergebe, hängt aber leider mit dem Ende zusammen. Denn das Buch hat eigentlich keines, die Geschichte friert mehr oder weniger in der letzten Szene einfach ein. Und das ist etwas, was ich absolut nicht leiden kann und was ich für sehr ungeschickt halte, da ich mit einem ziemlich unzufriedenen Gefühl den Deckel vom Reader zuklappen musste.

Mein Fazit:

“Ein Winter in Wien” ist eine zarte und sehr zurückhaltende Liebesgeschichte, eingebettet in das Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts. Den Wermutstropfen stellt für mich leider das ungeschickte Ende dar, das mir doch ein wenig die Freude an dem Buch verdorben hat …

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 176 Seiten
  • Rowohlt Digitalbuch
  • 978-3-644-31551-8
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(Kurz)Rezension Alex Beer – Die rote Frau

“Die rote Frau” ist nach “Der zweite Reiter” bereits das zweite Buch, das Alex Beer im historischen Wien kurz nach dem Ersten Weltkrieg ansiedelt. “Die rote Frau” baut dabei auf den Ereignissen aus dem ersten Buch auf, kann in meinen Augen aber auch noch ohne Vorwissen gelesen bzw. gehört werden.

Der Klappentext:

Wien, 1920: Während die Stadt immer noch mit den Folgen des Krieges zu kämpfen hat, wird August Emmerich endlich in die Abteilung “Leib und Leben” versetzt.

Doch während seine Kollegen dort den aufsehenerregenden Mordfall an dem beliebten Stadtrat Richard Fürst bearbeiten, müssen Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter den Babysitter für die berühmte Schauspielerin Rita Haidrich spielen, die um ihr Leben fürchtet. Dabei stoßen sie jedoch nicht nur auf eine ominöse Verbindung zu Fürst, sie kommen einem perfiden Mordkomplott auf die Spur, das bis in die höchsten Kreise reicht. Und Rita soll das nächste Opfer sein …

Vielstimmig und typisch wienerisch gelesen von Cornelius Obonya.

Meine Meinung:

Ich gestehe, ich habe eine Zeit lang gezögert, ob ich “Die rote Frau” wirklich hören wollte. Der Hinweis “gekürzt” lässt mich bei Büchern doch immer wieder zurückschrecken, vor allem bei denen, von denen ich mir einiges verspreche. Der Hinweis aus dem Klappentext – wienerisch gelesen – hat es aber mehr als wett gemacht. Cornelius Obonya hat es drauf!

Man merkt ihm an, dass er in diesem Bereich sowohl als Schauspieler als auch als Sprecher (In Österreich kennt man seine Stimme vor allem durch diverse Natur-Dokus, die er aus dem Off begleitet) sehr viel Erfahrung mitbringt. Eine ganze Menge unterschiedlicher Stimmlagen und Dialekte verkörperte er so überzeugend, wie ich es schon lange nicht mehr bei einem Sprecher gehört habe.

Dies machte es mir nicht schwer, mich von ihm ein weiteres Mal in das Wien der Nachkriegsjahre entführen zu lassen. “Die rote Frau” setzt dabei dort ein, wo wir August Emmerich und Ferdinand Winter in “Der zweite Reiter” verlassen haben: Sie sind in die Abteilung “Leib und Leben” gewechselt.

Doch die beiden haben es dabei nicht leicht, denn statt Fälle zu lösen, werden sie von ihren neuen Kollegen als Sekretärinnen missbraucht und als “Krüppelbrigade” bezeichnet. Emmerichs Starrsinn – und natürlich ein Mord – helfen ihm aber auch hier, sich gegen alle Widrigkeiten zu behaupten und auf eigene Faust verschiedenen Spuren zu folgen.

Ich weiß, ich habe es schon bei “Der zweite Reiter” geschrieben, aber ich wiederhole mich gern: Die Autorin versteht es auch in dieser Geschichte sehr geschickt, das Wien dieser Zeit in all seinen Facetten lebendig werden zu lassen. Wer bereits im ersten Teil die beiden Protagonisten lieben gelernt hat, wird sich freuen, denn Alex Beer erzählt ihre Leben unterhaltsam weiter, wenn ich auch an einigen Stellen das Gefühl hatte, dass Ferdinand Winter dieses Mal etwas zu kurz kam.

Den Krimi selbst fand ich an einigen Stellen ein wenig haarsträubend, auch die Auflösung kam für meinen Geschmack ein klein bisschen zu schnell und vor allem zu “phantastisch”. Wie schon bei Teil 1 lässt auch hier Alex Beer eine Kleinigkeit offen, weshalb es bestimmt interessant sein wird zu sehen, was sich die Autorin für die Zukunft der beiden Figuren ausdenken wird.

Mein Fazit:

Trotz einiger kleiner Schönheitsfehler spreche ich auch für die Fortsetzung gerne wieder eine Empfehlung für alle aus, die sowohl historische Krimis als auch den Wiener Schmäh mögen :). Und eine besonders lobende Erwähnung gibt es für diese tolle Lesung, die mich wirklich überraschen konnte!

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 479 Minuten
  • Random House Audio
  • 978-3837141313
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