Rezension Jennifer Wellen – Drei Küsse für ein Cottage

Was läge näher, als im Sommer lockerleichte und humorvolle Romane zu lesen? Egal, ob Urlaub oder nicht: Jennifer Wellen trägt dazu bei, mich gerade in der warmen Jahreszeit einfach mal geistig fallen lassen zu können … Seit ihrem Erstling “Katerfrühstück mit Aussicht” verfolge ich mittlerweile, was die Autorin veröffentlicht. Deswegen habe ich mich auch gefreut, als ich erfahren habe, dass es dieses Jahr wieder etwas Neues aus ihrer Feder geben würde.

Der Klappentext:

Milly kann ihr Glück kaum fassen: Endlich ist ihr Traum vom eigenen Cottage zum Greifen nahe! Doch die Sache hat einen Haken – den ebenso charmanten wie dreisten Besitzer Nolan, der das Häuschen lieber gewinnbringender verkaufen will. Allerdings schlägt er sich gerade mit einem lästigen Problem herum: Seine Familie in New York will ihn schon lange unter der Haube sehen, da käme eine Scheinfreundin für die Geburtstagsfeier seines Bruders also genau recht. Milly ist bereit, ihm auszuhelfen, natürlich ohne Küsse oder sonstige Verpflichtungen! Doch beide haben ihre Rechnung ohne die Liebe gemacht – und dass Gefühle immer alles viel komplizierter machen als geplant …

Meine Meinung:

Bereits auf den ersten Seiten lernen wir Milly als resolute junge Frau kennen, die weiß, was sie will, und die aus ihrem Leben etwas machen will. Auch wenn sie aus finanziellen Gründen immer noch zuhause mit Stiefvater und Stiefschwester zusammenlebt, die beide auf ihre Art absolut nichts auf die Reihe bekommen. Die Schwester ist es deswegen auch, der Milly die nähere Bekanntschaft zum männlichen Protagonisten des Buchs – Nolan – verdankt.

So weit, so gut. Unmoralische Angebote kennen wir ja spätestens seit Robert Redford und Demi Moore, dieses Mal geht es immerhin um eine Reise nach New York, zu der Milly nicht Nein sagen kann. Spätestens hier ist klar: “Drei Küsse für ein Cottage” ist ein Sommermärchen, denn in der Realität wäre wohl Schluss, denn seien wir ehrlich, welche Frau würde wohl mit einem wildfremden Mann in ein anderes Land fliegen, den sie nicht kennt?

Aber wenn man sich darauf einlassen kann, stehen einem einige unterhaltsame Seiten bevor, wenn auch die Autorin für meinen Geschmack dieses Mal tiefer als sonst in die Klischeekiste greift. Hier hätte ich mir tatsächlich ein bisschen mehr Grau und weniger Schwarzweiß bei den Figuren gewünscht. Denn die nette und freundliche Familie von Nolan, obwohl sie reich sind, die zickige und biestige Ex-Freundin, die sowohl Milly als auch Nolan das Leben schwer macht – das sind alles Charakterisierungen, die wir in der einen oder anderen Form schon in vielen Liebesromanen hatten.

Trotzdem blinzelt an der einen oder anderen Stelle immer wieder der Humor der Autorin durch, den ich bereits bei ihrem ersten Buch lieben gelernt habe, manch einem mag es vielleicht kitschig erscheinen, aber ich fand es irgendwie niedlich, dass Milly den Grübchen ihres Angebeteten Namen gibt – Ernie und Bert werden mich jetzt wohl noch eine Weile verfolgen :).

Sehr gut gefallen hat mir auch, quasi nebenbei einiges über Orchideen zu lernen. Zwar kenne ich natürlich die “Standard”-Blumen, die man wirklich überall zu kaufen bekommt, allerdings war mir nicht klar, wie viele verschiedene Orchideen-Arten es gibt, auch wenn mir zumindest die Arten, die bei uns in den Alpen wachsen, bekannt sind. Wobei ich es dabei doch in einem Roman vorziehe, normale deutsche und nicht ihre fachwissenschaftlichen Namen zu lesen …

Den Schluss des Romans fand ich insgesamt etwas zwiespältig, es war irgendwie fast ein bisschen zu gewollt, das allerletzte Drama, das eigentlich hätte vermieden werden können, wenn sich unsere Milly ein klein wenig vernünftiger und nicht gar so kleinmädchenhaft benommen hätte. Das passte in meinen Augen irgendwie nicht so ganz zu der Frau, als die sie anfangs vorgestellt wurde …

Mein Fazit:

Im Vergleich zu den früheren Romanen fällt “Drei Küsse für ein Cottage” wegen der übermäßigen Klischees ein wenig ab, aber es hat trotzdem Spaß gemacht, Milly und Nolan auf ihrem Weg zueinander zu begleiten. Perfekte Urlaubslektüre für Fans von Liebesgeschichten!

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 283 Seiten
  • dotbooks Verlag
  • B07PBDP9PZ
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Rezension Joyce Summer – Madeirasturm

Eigentlich schrieb mich Joyce bereits im Frühling an, ob ich ihr neuestes Buch “Madeirasturm” lesen wollte. Klar wollte ich, nur machte mir die FH aus Zeitgründen ziemlich deutlich einen Strich durch die Rechnung. Weswegen ich gezwungen war, das Buch erst einmal eine Weile zurückzustellen.

Aber jetzt sollte es endlich sein. Und was läge näher, ein Buch im Sommer zu lesen, das auf Madeira spielt? Urlaubsfeeling pur! Wobei Comissario Avila das wohl anders sieht 😀 …

Der Klappentext:

Stürmische Zeiten auf Madeira …
Ein Sturm zieht auf. Im Hafen von Funchal wird die Leiche eines Touristen angespült.
Madeira rüstet sich, um eine Katastrophe und weitere Tote zu verhindern. Leticia Avila hat dagegen andere Pläne. Sie überredet ihren Mann, mit ihr das Wochenende in einem romantischen Hotel in den Bergen zu verbringen.

Aber der scheinbar so idyllische Ort wird bald gestört: Eine Leiche treibt am Morgen im Hotelpool. Abgeschnitten von der Zivilisation versucht Comissário Avila, dem Sturm und den Machenschaften des Mörders zu trotzen. Wird es ihm gelingen, seine Familie zu beschützen?

Meine Meinung:

Mit “Madeirasturm” begleiten wir bereits ein zweites Mal den sympathischen Comissario, der gern ein bisschen zu viel isst und trinkt, auf seinen Ermittlungen, begleitet von seinem treuen Subcomissario Vasconcellos. Aus diesem Grund möchte ich jedem ans Herz legen, mit dem ersten Teil “Madeiragrab” zu starten. Nicht dass man diese Geschichte nicht auch ohne Vorkenntnisse lesen kann, aber die Autorin bezieht sich einige Male auf den ersten Teil, sowohl was die Handlung als auch die handelnden Figuren angeht …

Mittlerweile Vater einer kleinen Tochter, ist Avila zunächst alles andere als begeistert, als ein toter Tourist aufgefunden wird. Da es zunächst allerdings danach aussieht, als ob der Mann seinem Drogenkonsum zum Opfer gefallen ist, lässt er sich von seiner Frau überreden, einen Kurzurlaub zu machen. Nicht ahnend, dass er bald – von der Umwelt und seinen Kollegen abgeschnitten – erneut auf Mörderjagd gehen muss.

Ich gebe zu, das Szenario hört sich auf den ersten Blick nicht wirklich neu an, aber Joyce gelingt es, dem bekannten Setting einige interessante Aspekte abzugewinnen. Denn die Geschichte wird, als der Sturm erst einmal ausgebrochen ist, aus zwei Perspektiven erzählt. Avilas Subcomissario bekommt dabei mehr Verantwortung als bisher, wir lernen ihn dabei als einen umsichtig agierenden Mann kennen, der es versteht, die neuen Mitarbeiter – den jungen Polizeiaspiranten Baroso und den Hundeführer Fonseca – in sein Ermittlungsteam zu integrieren.

Von den Nebenfiguren ist es auch Fonseca, den ich hier am meisten mochte. Anfangs eher unfreundlich und besserwisserisch dargestellt, kann er in dieser misslichen Lage bald beweisen, dass er sein Herz doch am rechten Fleck hat. Ob wir in Zukunft mehr von ihm lesen dürfen? Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn er mit seinem belgischen Schäferhund Galina öfter auftauchen würde.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass sich Avilas Verhältnis sowohl zu seinem Chef Lobo als auch zu seinem Schwiegervater Oriol in dieser Geschichte verbessert, denn die gemeinsame Krise im Hotel schweißt alle zusammen. Hier gab es einige schöne Szenen, die Avila noch mehr von seiner privaten Seite als Familienmensch zeigten. Die Liebe zu seiner Frau und seiner Tochter beschreibt Joyce sehr anschaulich, sodass es mir nicht schwerfiel, mit ihm mit Angst zu haben, dass seiner Familie etwas zustoßen könnte.

Und wie schon beim letzten Mal hatte ich auch hier recht bald wieder das Gefühl, mit Avila auf Madeira zu sein, mit ihm durch die Straßen zu gehen, die einheimischen Getränke und Gerichte zu kosten… Einfach wunderbar! In diesem Sinn fand ich auch das Nachwort sehr gelungen, wo die Autorin darauf eingeht, welche (geografischen) Dinge im Buch erfunden sind und welche nicht.

Das Tüpfelchen auf dem i aber war wohl Joyce’ Anspielung auf eines ihrer früheren Bücher, indem sie den Comissario zu einem deutschen Krimi greifen lässt, dessen Cover ein Levadahäuschen ziert. Ein Schelm, wer hier nicht sofort an “Mord auf der Levada” denkt?

Mein Fazit:

“Madeirasturm” ist nach “Madeiragrab” das zweite Abenteuer, das Joyce Summer mit Comissario Avila als Hauptfigur auf der portugiesischen Insel spielen lässt. Meiner Meinung nach eine gelungene Fortsetzung, die Lust auf weitere Abenteuer auf Madeira macht!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 332 Seiten
  • via tolino media
  • 978-3739445786
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Rezension Ivar Leon Menger – Ghostbox. Staffel 1

Ivar Leon Menger hat sich offensichtlich mit Hörspielen wie der “Monster 1983”-Serie bereits erfolgreich eine treue Fangemeinde geschaffen, das beweisen die vielen begeisterten Rezensionen, die ich auf verschiedenen Plattformen im Internet gefunden habe.

“Ghostbox” war allerdings jetzt das erste Hörspiel aus seiner Feder, dessen Klappentext mich so richtig neugierig machen konnte. Der Phantastik-Fan in mir konnte gar nicht anders, als da mal hineinzuhören 🙂 …

Der Klappentext:

Schon seit Wochen ist Lena Gruenwald auf der Suche nach der perfekten Story, um endlich als Redakteurin beim Berliner Tagesspiegel übernommen zu werden. Dabei wird die junge Journalismus-Praktikantin von einem Thema ganz besonders angezogen: dem Jenseits. Auch auf Lenas privatem Youtube-Kanal dreht sich alles nur um Geister, Ouija-Boards oder Tarotkarten. Doch eines Tages kommt die Dreiundzwanzigjährige dem Tod näher, als sie geahnt hätte – beginnend mit einer unerwarteten Nachricht aus Heidelberg: Ihr Bruder, zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat, hat sich aus unerklärlichen Gründen das Leben genommen.

Widerwillig reist Lena in die romantische Touristenstadt am Neckar, um seinen Nachlass zu regeln. Dabei stößt sie auf ein dunkles Geheimnis – eine revolutionäre, hochgeheime Forschung an der Uniklinik Heidelberg, an der auch ihr Bruder mitgearbeitet hat. Um die Hintergründe seines Selbstmords besser zu verstehen, begibt sich Lena auf eine gefährliche Recherche-Reise, bei der sie nicht nur ihren Verstand zu verlieren droht, sondern auch ihr Leben …

Meine Meinung:

“Ghostbox. Staffel 1” stellte für mich das erste Hörspiel von Ivar Leon Menger dar – aber es wird sicher nicht das letzte sein! Selten habe ich so ein hochwertiges Hörspiel wie dieses gehört. Hier stimmt eigentlich alles: Der Plot, die Besetzung mit vielen bekannten Sprechern der deutschen Hörbuchszene und die Qualität selbst.

Es dauert zwar ein wenig, bis die Handlung in Gang kommt (eine gute Stunde sollte man dem Hörspiel schon Zeit geben), aber danach ist es nicht schwierig, sich in dieser Mischung aus Science, Science Fiction, Mystery, Thriller und Horror zu verlieren, wenn man diese Genres liebt. Zu viel möchte ich eigentlich gar nicht verraten, weil es sonst massiv den Spaß verdirbt.

Es spricht aber wohl für das Hörspiel, wenn ich sage, dass ich die gut 10,5 Stunden in knapp zwei Tagen, sprich einem Wochenende mehr oder weniger “erledigt” habe. Ich kann nur sagen: Absolute Sogwirkung, wenn man erst einmal angefixt ist! Da fiel es manchmal echt schwer, zwischendurch für gewisse menschliche Bedürfnisse auf die Pausetaste zu drücken 🙂 . Perfektes Kino für die Ohren!

Auch der Humor kommt nicht zu kurz, denn – okay, kleiner Spoiler – Sebastian Fitzek hat eine Gastrolle als Radiosprecher. Zwar nicht sehr groß, aber er nimmt sich dabei gleich einmal selbst auf die Schippe, sehr genial! Habe jedenfalls sehr schmunzeln müssen, als ich diese Stelle erreicht hatte.

Einen einzigen Wermutstropfen habe ich für mich persönlich entdeckt, denn für meinen Geschmack hätte die Auflösung, wer in diesem Verwirrspiel die Fäden zieht, ruhig erst etwas später kommen dürfen. Dadurch verliert das Hörspiel in meinen Augen etwa 2,5 Stunden vor Ende etwas, aber das Finale lässt einen dafür noch einmal richtig mitzittern …

Das Ende ist für meinen Geschmack gelungen: Auch wenn das Hörspiel den Untertitel “Staffel o1” trägt, ist es rund und stimmig, auch wenn es ganz klein wenig offen ausfällt. Ergo: Es ist schon eine Fortsetzung drin, aber man beendet das Hörspiel nicht mit dem nagenden Gefühl, dass da noch was kommen muss.

Mein Fazit:

Wer gut gemachte Hörspiele liebt und sich gern mit Genres wie Phantastik, Science Fiction oder Horror beschäftigt, kann hier mit gutem Gewissen zugreifen!

  • ★★★★★
  • Hörspiel
  • 630 Minuten
  • Audible Studios
  • B07M5M2KCR
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Rezension Ursula Poznanski – Vanitas

“Vanitas. Schwarz wie die Erde” ist das jüngste Buch aus der Feder von Erfolgsautorin Ursula Poznanski. Nach den letzten vier Kaspary-Wenninger-Büchern betritt allerdings nun eine ganz neue Protagonistin die Bühne, um die Leser- bzw. Hörerherzen zu erobern.

Eine, von der wir nicht einmal wissen, wie sie wirklich heißt. Denn Carolin, wie sie sich zur Zeit der Handlung nennt, hat offensichtlich in der Vergangenheit unter einem anderen Namen gelebt …

Der Klappentext:

Auf dem Wiener Zentralfriedhof ist die Blumenhändlerin Carolin ein so gewohnter Anblick, dass sie beinahe unsichtbar ist. Ebenso wie die Botschaften, die sie mit ihren Auftraggebern austauscht, verschlüsselt in der Sprache der Blumen – denn ihre größte Angst ist es, gefunden zu werden. Noch vor einem Jahr war Carolins Name ein anderer; damals war sie als Polizeispitzel einer der brutalsten Banden des organisierten Verbrechens auf der Spur. Kaum jemand weiß, dass sie ihren letzten Einsatz überlebt hat. Doch dann erhält sie einen Blumengruß, der sie zu einem neuen Fall nach München ruft – und der sie fürchten lässt, dass sie ihren eigenen Tod bald ein zweites Mal erleben könnte…

Meine Meinung:

Ehe es losgeht, die obligatorische Warnung: Diese Rezi kann Spuren von Spoilern enthalten! 😉

Da ich aktuell fast lieber höre als lese (Es lässt sich einfach besser mit meinem aktuellen Lebens- bzw- Lernrhythmus vereinbaren), habe ich mir nach “Thalamus” auch “Vanitas” als Hörbuch geholt. Und auch wenn mich der Klappentext jetzt nicht unbedingt sofort abholen konnte, dachte ich mir, eine neue Poznanski bedeutet endlich wieder ein neues Buch einer Lieblingsautorin.

“Vanitas” ist für mich allerdings der Beweis dafür, dass es manchmal auch mit den Büchern der Lieblingsautoren nicht so recht klappen will. Dabei hätte das Buch eigentlich alles, was es braucht, um eine tolle Geschichte zu erzählen. Eine Protagonistin, die in ihrer Vergangenheit offensichtlich etwas Schreckliches erlebt hat (wie man so nach und nach durch diverse Andeutungen erfährt), einen Krimi, wo es jede Menge Verdächtige gibt und einen wunderbaren Schreibstil, der es mir ermöglicht hat, die Geschichte relativ zügig durchzuhören.

Warum habe ich dann dieses Mal nicht so richtig in die Geschichte gefunden?  Ich vermute, es ist das, was ich vor allem bei Poznanskis Jugendbüchern so schätze – ein Geheimnis, wo man recht lange im Dunkeln tappt, worum es eigentlich geht. Diese Rätselspannung, dieses Mitfiebern wollte sich dieses Mal einfach nicht ergeben. Immer wieder tauchte der eine oder andere Spannungsmoment auf, nur um im nächsten Augenblick wieder zu verpuffen und im Geplänkel bzw. in einem Dialog mit einer der verdächtigen Figuren unterzugehen.

Apropos Figuren: Es ist selten, wenn ich das sage, aber ich habe es bei diesem Buch bis zum Schluss nicht geschafft, die männlichen Protagonisten, die alle irgendwie Dreck am Stecken haben, auseinanderzuhalten. Sie waren für mich einfach zu wenig greifbar, um sie dauerhaft verlässlich in mein Gedächtnis beim Hören einzuordnen.

Carolin selbst ist durchaus interessant angelegt, allerdings sind auch mir die Unstimmigkeiten aufgefallen, die bereits von anderen Bloggern bemängelt wurden. Eine Frau, die sich anfangs vor lauter Angst privat nicht mehr aus dem Haus traut und dann später in ihrem neuen “Job” immer wieder rausgeht, um Recherchen anzustellen? Wo waren da die Panikattacken, mit denen Carolin zu Beginn zu kämpfen hatte. Darüber hinaus konnte ich viele ihrer Entscheidungen einfach nicht nachvollziehen, denn wenn ich mich verstecken wollte, entscheide ich mich doch nicht dafür, als Gast auf eine Gala zu gehen, wo es vor Presse und Reportern nur so wimmelt?

Luise Helm als Sprecherin kannte ich bisher für Ursula Poznanskis Bücher noch nicht, aber sie macht ihre Sache gut, auch wenn noch Potenzial nach oben vorhanden ist (Ein klein wenig lebendiger hätte sie meiner Meinung nach die Figuren sprechen lassen können). Der sächsische Akzent für eine der Figuren war allerdings wirklich ein nettes Goodie, das hat mich einige Male zum Lächeln gebracht.

Lange Zeit habe ich geschwankt, ob ich drei oder vier Sterne vergeben soll (Ich runde ja in der Regel auf), aber das Finale hat es dann in meinen Augen reingerissen. Es tut mir leid, das schreiben zu müssen, aber das war für mich wie “Gas geben und dann den Motor abwürgen”, die Spannung war von einem Moment auf den anderen für mich komplett gestorben. Möglich, dass das damit zusammenhängt, dass “Vanitas” als Auftakt zu einer Reihe bezeichnet wird, aber ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass wir die verdächtige Familie aus diesem Buch im zweiten Teil wiedersehen werden, dafür gab es einfach zu viele Anspielungen auf Carolins Vorleben …

Alles in allem ist dieses Buch für mich ein etwas durchwachsener Start in eine neue Reihe, aber Carolin halte ich grundsätzlich für eine durchaus interessante Figur, die man noch ausbauen kann. Da ich außerdem weiß, wozu die Autorin in der Lage ist, bin ich geneigt abzuwarten, was der nächste Band bringen wird.

Mein Fazit:

Eigentlich tut es mir in der Seele weh, einem Buch von Ursula Poznanski “nur” drei Sterne zu geben, aber vier erscheinen mir hier einfach zuviel. Dafür gab es für mich dieses Mal leider zu wenig Spannung, zu viele Längen und Wiederholungen beim Plot und eine Hauptfigur, die für mich nicht immer stimmig war …

  • ★★★★★
  • Hörbuch
  • 695 Minuten
  • Argon Verlag
  • B07MXB1T21
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Rezension Jennifer Wellen – Wenn der Winter dich küsst

Eine zauberhafte Geschichte, so herzerwärmend wie eine Tasse heiße Schokolade mit Schuss – so wirbt dp Digital Publishers für die neueste Geschichte aus der Feder von Jennifer Wellen. Ich weiß zwar nicht, ob ich diesen Vergleich so in der Form gezogen hätte, aber herzerwärmend war die Geschichte wirklich :).

Der Klappentext:

Alessa könnte ihr Leben verfluchen: Es gibt wirklich Schöneres, als bei Minusgraden in Minirock und High Heels an einer Bushaltestelle zu sitzen und zu frieren. Frisch verlassen, ohne Kreditkarte und ohne Plan, wie es weitergehen soll. Und das ausgerechnet an Heiligabend! Deshalb erscheint ihr der attraktive Soldat, der sie in seinem Auto mitnehmen will, wie ein Geschenk des Himmels.

Während der Fahrt stellen beide schnell fest, dass ihnen nicht nur die Sympathie gemein ist, sondern auch eine seelische Last, die beide seit Längerem mit sich herumtragen. Doch dann geschieht auf der langen Fahrt etwas, das die beiden unverhofft zusammenschweißt …

Meine Meinung:

Jennifer Wellen stellt uns in dieser Weihnachtsgeschichte Alessa und Sandro vor, zwei Menschen, die eigentlich nur durch Zufall aufeinandertreffen und die beide ihr Päckchen zu tragen haben, weswegen sie dem Fest der Liebe eher mit gemischten Gefühlen entgegenblicken.

Welche Päckchen das sind, erfährt der Leser allerdings erst so nach und nach, obwohl zwischen den Beiden von Anfang Funken sprühen. Doch gerade wegen dem, was ihnen widerfahren ist, sind sowohl Alessa als auch Sandro erst einmal zurückhaltend, was den anderen betrifft.

Da die Geschichte allerdings wechselweise mal aus der Perspektive von Alessa, dann wieder von Sandro erzählt, erfährt man Stück für Stück, was passiert ist. Dinge, die einen Menschen schon mal aus der Bahn werfen können, Dinge, wo man nicht weiß, wie man damit umgehen geschweige denn sie wieder gerade biegen kann. Aber auch Dinge, wie sie jedem Menschen dort draußen irgendwann einmal passieren können.

Aus diesem Grund fiel es mir nicht schwer, sowohl für Alessa als auch für Sandro Sympathien zu entwickeln und mit ihnen mitzufühlen. Ja, mitfühlen, denn ich habe doch beim Lesen das eine oder andere Tränchen verdrückt, vor allem dann, wenn wieder ein Geheimnis mehr gelüftet wurde, warum beide so sind, wie sie sind. Vor allem Sandro tat mir hier wirklich sehr, sehr leid …

Natürlich wäre es aber keine Weihnachtsgeschichte, wenn nicht auch ein klein bisschen der winterliche Kitsch regieren würde. Trotzdem versteht es Jennifer Wellen hier sehr gut, den “Zucker” nicht überquellen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Irgendwann wünscht man als Leser Alessa und Sandro einfach nur das bisschen Glück und die Romantik, wonach sie sich beide sehnen.

Und auch wenn das Ende einen gewissen Teil der Handlung betreffend eher traurig ausfiel, hatte ich trotzdem das Gefühl, dass es so sein muss, so und nicht anders. Es wirkte damit einfach realistischer und nicht überfrachtet, auch wenn mir eine gewisse Szene auch einen großen Lacher entlockte (Ich sage nur “Rentier”, für die, die die Geschichte vielleicht schon kennen).

Einen kleinen Wermutstropfen hat die Geschichte, aber er ist zu vernachlässigen: Der Länge des Buchs ist es wohl geschuldet, dass sich einige Dinge bei der Handlung recht rasch entwickeln, dies störte mich allerdings nach dem ersten Drittel nicht mehr so wirklich.

Mein Fazit:

Wer auf der Suche nach einer schönen weihnachtlichen (und doch ein klein bisschen realistischen) Liebesgeschichte ist, kann mit diesem Buch nicht viel falsch machen!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 143 Seiten
  • dp DIGITAL PUBLISHERS
  • 978-3960875840
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Rezension Neal Shusterman – Scythe “Der Zorn der Gerechten”

Auch wenn ich “Die Hüter des Todes” an vielen Stellen als etwas langatmig empfunden habe, hat mich das nicht davon abgehalten, Teil 2 eine weitere Chance zu geben. Und was soll ich sagen: Einiges von dem, was ich an Teil 1 nicht so toll fand, hat sich in “Der Zorn der Gerechten” deutlich zum Besseren gewandelt :).

Der Klappentext:

Citra und Rowan leben in einer perfekten Welt, in der Armut, Kriege, Krankheit und Tod besiegt sind. Die Entscheidung über Leben und Tod treffen nicht mehr Schicksal oder Zufall, sondern die Scythe, die diejenigen auswählen, die zum Wohle aller geopfert werden müssen.

Gemeinsam haben Citra und Rowan die Ausbildung zum Scythe überstanden, doch nur Citra wurde auserwählt, die Robe, den Ring und die fast übermenschliche Verantwortung zu tragen.

Bei ihrer ersten Aufgabe jedoch, Rowan zu töten, versagt Citra. Stattdessen verhilft sie ihrer heimlichen großen Liebe zur Flucht. Und so kämpft Rowan jetzt aus dem Untergrund gegen die einzige Gefahr, auf die die perfekte Welt nicht vorbereitet ist: korrupte und gewissenlose Mörder in den Reihen der Scythe.

Meine Meinung:

Wir begegnen Citra und Rowan einige Zeit nach den Ereignissen von Teil 1 wieder. Citra, jetzt als Scythe Anastasia unterwegs, ist nun eine Junior Scythe, die nach wie vor bei ihrer Mentorin Scythe Curie lebt. Rowan dagegen ist untergetaucht – und macht auf einige Faust als Scythe Lucifer Jagd auf korrupte Scythe, die die ethischen und moralischen Grundsätze des Scythetums missachten.

Der heimliche Held dieser Geschichte ist jedoch der Thunderhead, die künstliche Intelligenz, die im Hintergrund die Geschicke der Menschen lenkt, über die wir in diesem Teil durch die tagebuch-ähnlichen Einschübe sehr viel erfahren. Der Thunderhead ist es auch, der eine neue Figur ins Spiel bringt, die ich von Anfang an sehr interessant fand: Greyson. Hier bin ich wirklich gespannt, was der Autor mit ihm noch vorhat.

Was mir dieses Mal auch deutlich besser gefallen hat, ist die Handlung. Während Teil 1 recht oft auf mich wirkte, als ob der Autor (noch) nicht recht gewusst hätte, welche Geschichte er eigentlich erzählen möchte, wirkte Teil 2 atmosphärisch deutlich dichter auf mich, was sich auch in der deutlich kürzeren Zeit widerspiegelte, die ich fürs Hören gebraucht habe. Man kann sich das in etwa wie George Lucas und Star Wars Episode IV bzw. V vorstellen – es ist, als ob der Autor hier in “Der Zorn der Gerechten” sich endlich gefunden hat.

Und um bei den Vergleichen zu bleiben: Das Finale hat mich mehrmals an einen ganz bestimmten Film mit Leonardo die Caprio und Kate Winslet denken lassen … Die Parallelen waren einfach nicht zu übersehen :). Trotzdem habe ich natürlich mitgefiebert, was sich Shusterman letztendlich für seine “Version” ausgedacht hat, da mir durch andere Rezensionen bekannt war, dass dieses Ende ganz anders als das ersten Teils ausfallen würde. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Zur Lesung von Torsten Michaelis kann ich auch dieses Mal nur sagen: Sie ist solide. Ein klein mehr Dynamik hätte vor allem beim Finale der Lesung gutgetan, da wäre meiner Meinung nach deutlich mehr drin gewesen. Trotzdem hat die Geschichte es dieses Mal verstanden, mich so an das Hörbuch zu fesseln, dass ich Michaelis’ Art zu lesen irgendwann komplett ignorieren konnte.

Mein Fazit:

“Der Zorn der Gerechten” stellt in meinen Augen eine deutliche Verbesserung zu “Der Hüter des Todes” dar. Was zur Folge hat, dass ich jetzt schon neugierig bin, wie Shusterman diese Geschichte nächstes Jahr zu Ende bringen wird.

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 872 Minuten
  • Argon Verlag
  • 978-3732451890
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Rezension Thomas Brezina – Schatten der Zukunft

Thomas Brezina ist ein Phänomen. So gut wie alles, was er anfasst, wird in irgendeiner Form bei uns in Österreich zu (Verkaufs)Gold. Aus diesem Grund verwundert es auch nicht, dass es nun neben dem Sachbuch “Tu es einfach und glaub dran” ein weiteres Abenteuer der erwachsenen Knickerbocker-Bande gibt.

“Schatten der Zukunft” setzt dort an, wo “Alte Geister ruhen unsanft” geendet hat, nämlich bei den losen Fäden aus dem ersten Band (Meine Rezi dazu findet ihr hier). Denn der unbekannte Gegner, der unseren vier Helden schon in “Alte Geister” zugesetzt hat, ist noch immer aktiv und verfolgt seine Ziele hartnäckig …

Der Klappentext:

Die Zukunft wirft tödliche Schatten

20 Jahre des Schweigens sind vorbei und Lilo, Axel, Poppi und Dominik sind wieder vereint. Nach ihren Erlebnissen auf Canon Island vereinbaren sie ein Treffen in New York. Es soll eine unvergessliche Zeit werden.

Doch einen Tag vor dem geplanten Wiedersehen verändert sich für die vier schlagartig alles:
In New York wird eine Tür aufgerissen und Dominik erhält die Chance seines Lebens.
In der Nähe von Graz öffnet Poppi eine Tür und sieht dahinter ihren schlimmsten Albtraum.
In Wien wird eine Tür aufgesperrt und eine grausame Rache gegen die vier nimmt ihren Lauf.
In San Diego geht eine Tür auf und ihr alter Gegenspieler Hermes verfolgt einen schrecklichen Plan.

Die Knickerbocker kämpfen um ihre Karriere, um ihr Leben – und um die Liebe!

Meine Meinung:

Lilo, Axel, Dominik und Poppi haben ihr Abenteuer aus “Alte Geister ruhen unsanft” wohlbehalten überstanden. Aber trotzdem ziehen dunkle Wolken am Horizont auf, denn der Feind ist nicht geschlagen, ganz im Gegenteil.

Davon bemerken unsere vier Helden zunächst allerdings nichts, als sie sich auf den Weg machen, um der Einladung von Dominik Folge zu leisten. Die erste Überraschung erfolgt bereits auf dem Weg zum Flughafen, denn es geht nicht nach New York, sondern nach London, wo Dominik für eine Rolle vorsprechen soll.

Kaum angekommen, passieren bereits die ersten merkwürdigen Ereignisse, Poppi findet bei sich einen USB-Stick, der ihr offensichtlich am Wiener Flughafen zugesteckt wurde. Kaum an Lilos Computer angesteckt, nimmt das Verhängnis ihren Lauf – und die Freunde sind bereits wieder mitten drin in einem neuen Abenteuer …

Im Vergleich zu “Alte Geister ruhen unsanft” wird der Leser hier deutlich schneller in die neue Geschichte gezogen, was dem Roman meiner Meinung nach wirklich guttut. Keine Rückblende mehr auf vergangene Ereignisse, die in Teil 1 zwar notwendig war, die aber auch den Start in das Buch merklich ausgebremst hat. Brezinas Schreibstil ist zwar noch immer recht einfach, aber es machte mir hier weniger aus als beim ersten Mal, da ich nun wusste, was mich erwartete.

Die Geschichte nimmt sehr zügig Fahrt auf, Brezina greift lose Enden aus dem ersten Teil auf und führt sie in diesem Buch weiter. Der Leser bekommt nun deutlich mehr Einblick in das Leben des Antagonisten, auch wenn für mich noch immer im Dunkeln blieb, was ihn eigentlich dazu antreibt, so gezielt das Leben der Knickerbocker ruinieren zu wollen (Aber wer weiß, vielleicht erfahren wir das ja im nächsten Band).

Auf jeden Fall beweist Brezina, dass er sein Ohr am Puls der Zeit hat, was unsere vier Helden angeht. Details verrate ich jetzt absichtlich nicht, weil das ein Spoiler wäre, aber ich habe das als durchwegs positiv empfunden, da ich davon ausgehe, dass Brezina mit den neuen Büchern noch immer eher jüngere Leser anzieht, obwohl die Knickerbocker erwachsen geworden sind.

Ein klein wenig verwirrend fand ich dieses Mal die verschiedenen Nebenfiguren auf der Seite des Antagonisten, dies könnte aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass ich leider sehr wenig Zeit zum Lesen hatte, das Buch daher immer wieder für längere Zeit zur Seite legen musste. Manche Details waren daher beim Weiterlesen einfach nicht mehr so präsent in meinem Kopf …

Das Ende und damit die Auflösung kam für meinen Geschmack ein bisschen schnell, allerdings serviert uns Brezina noch einen relativ langen Teil “drei Monate danach”, der es dann wieder ruhiger angehen lässt und noch weitere Fragen beantwortet.

Auf den letzten Seiten legt Brezina außerdem sehr geschickt das Fundament für einen nächsten Teil, besonders ein bestimmtes Ereignis schreit nach einer Fortsetzung. Lassen wir uns also überraschen, ob nächstes Jahr um diese Zeit ein weiterer Teil der beliebten Buchreihe in den Buchläden liegen wird.

Mein Fazit:

Im Vergleich zu “Alte Geister ruhen unsanft” wirkt “Schatten der Zukunft” in sich stimmiger und flüssiger erzählt. Knickerbocker-Fans werden daher auch diesen Band bestimmt mögen, denn Brezina greift einiges auf, was in Teil 1 unbeantwortet geblieben ist.

  • ★★★★
  • Gebunden
  • 400 Seiten
  • Ecowin
  • 978-3711001801
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