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Currently Reading: Kind 44

Ich weiß, letzte Woche habe ich kein Buch vorgestellt, aber ich habe es ja eh angekündigt, dass nicht jede Woche von mir ein Beitrag erscheint. Mein Leserhythmus ist ziemlich unregelmäßig. Dementsprechend gibt es Monate, da lese ich ziemlich viel, dann wieder auch Zeiten, da kann ich froh sein, wenn ich ein oder zwei Bücher in vier Wochen schaffe. Naja, so ist es eben … Kommen wir zu einem Buch, dass ich letzte Woche angefangen habe und zu dem ich ein paar Gedanken loswerden möchte.

1. Was lese ich gerade?

“Kind 44” ist ein Mix aus historischem Roman und Thriller. Das Taschenbuch ist auf Deutsch schon vor über zehn Jahren erschienen und scheint recht bekannt zu sein. Allerdings war das eine Zeit, in der ich generell eher wenig gelesen habe und aus dem Grund sehr wenig verfolgt habe, was an Neuerscheinungen auf den Markt gekommen ist. Das Buch ist der erste Teil einer Trilogie, 2015 wurde die Geschichte auch verfilmt. Aber zum Film später 😉 .

Ich habe das Buch vor knapp einem Jahr in einem öffentlichen Bücherschrank entdeckt und mitgenommen, weil der Klappentext sehr ansprechend geklungen hat:

Dieser Spiegel-Bestseller »geht wirklich unter die Haut«. WDR 5

Moskau 1953. Auf den Bahngleisen wird die Leiche eines kleinen Jungen gefunden, nackt, fürchterlich zugerichtet. Doch in der Sowjetunion der Stalinzeit gibt es offiziell keine Verbrechen. Und so wird der Mord zum Unfall erklärt.

Der Geheimdienstoffizier Leo Demidow jedoch kann die Augen vor dem Offenkundigen nicht verschließen. Als der nächste Mord passiert, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln und bringt damit sich und seine Familie in tödliche Gefahr …

Quelle: Penguin Random House

Ich bin mit dem Buch mittlerweile schon ziemlich weit durch. Eigentlich fehlen nur noch dreißig Seiten …

2. Was möchte ich dazu loswerden?

Wenn ich ehrlich bin, hat mich hier vor allem das Setting angesprochen. Das Russland der 50er Jahre ist tatsächlich eine Zeit, über die ich wenig weiß, und es macht mir Spaß, mich von einem Buch unterhalten zu lassen und nebenbei etwas zu lernen.

Dieses Versprechen löst der Autor auch ein, keine Frage, ich wusste beispielsweise nicht, wie sehr die Menschen in dieser Zeit schon unter den Repressalien der Machthaber gelitten hat. Ja, klar, Stalin und Zweiter Weltkrieg – das haben wir noch in der Schule gelernt, aber danach war’s aus. Was das für die Menschen bedeutet hat, genau an diesem Übergang zwischen Stalins Tod und Chruschtschows Machtergreifung im Frühjahr 1953 zu leben, beleuchtet der Autor sehr eindringlich.

Ich muss aber auch sagen, dass mich das Buch als Thriller nicht so gut abholen konnte. Und ich kann nicht mal so genau sagen, warum das so ist. Denn eigentlich hat das Buch alles, um spannend zu sein. Oder ist es wieder einmal der Klappentext, der nicht so ganz passt? Denn die fraglichen Morde, um die es hier geht und die eigentlich auch dem Buch seinen Namen gegeben haben, werden erst ab der Hälfte der Geschichte wirklich spruchreif …

Was mir auf jeden Fall nicht gefallen hat, ist der Stil. Die Geschichte wird einerseits sehr weitschweifig, andererseits recht distanziert erzählt. Das hatte zur Folge, dass ich oft einzelne Passagen eher überflogen als wirklich gelesen habe. Außerdem hatte ich Probleme damit, die Motive der handelnden Figuren zu verstehen, besonders Leos Ehefrau Raisa war für mich hier schwierig …

3. Ein paar Worte zur Verfilmung

Weil ich neugierig war, habe ich mir den Film auch noch angeschaut. Im Großen und Ganzen folgt er dem Buch ziemlich gut, es gibt wenige Abweichungen – und er erzählt für meinen Geschmack die Geschichte deutlich gestraffter und ist damit für mich interessanter als das Buch. Es gibt aber auch hier ein dickes, fettes Aber wegen des Schlusses, der mich etwas ratlos zurückgelassen hat.

Im Buch ist der Serienmörder Leos verschollener Bruder, der bei dem gemeinsamen Gespräch am Ende zugibt, die ganzen Morde deswegen begangen zu haben, um Leo dazuzubringen, ihn zu suchen. Im Film dagegen ist der Serienmörder ein komplett Fremder – und damit ändert sich das ganze Motiv! Es bleibt nur das Motiv des Triebtäters übrig, das im Buch zwar angedeutet wird, aber nie bestätigt wird.

Gerade bei einem Film, der sich sonst eigentlich sehr eng an die Buchvorlage hält, verstehe ich nicht, warum gerade der Schluss so massiv verändert wurde. Traut man hier dem Film-Publikum das Verständnis für das Original nicht zu? Und am Umfang des Buchs kann es nicht liegen, denn der Schluss wird eigentlich ziemlich rasch abgehandelt, dafür dass das Buch etwas mehr als 500 Seiten hat …

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16 Kommentare

  • Moni2506

    Hey Andrea,

    Das kenne ich gut, wenn man nicht so wirklich benennen kann, warum einen ein Buch jetzt nicht so gut gefallen hat, obwohl es alles wichtige mitbringt. Es ist auf jeden Fall eine interessante Kombination, vielleicht liegt es auch genau daran. Ein Thriller beginnt meist sofort und dieser schält sich dann erst ab der Hälfte raus.
    Mich persönlich spricht an sich schon nur der historische Teil an. Ich lese ja gerade einen klassischen Thriller und es ist spannend und erfüllt alle Krterien, aber ich bin halt an sich kein Thriller-Fan und so ist es für mich ok, aber auch kein Highlight. Ich merke sehr deutlich, dass ich doch sehr auf Wissenschaftliches und viele Erklärungen stehe, die vielen anderen zu viel sind.
    Interessant ist auch dein direkter Vergleich mit dem Film. Einerseits gut, dass dieser sich dicht an den Roman hält und das mit dem Ende finde ich auch komisch, aber vielleicht war dem Regisseur das nicht gut genug umsetzbar oder dieser hatte keine Vision dafür. Das wären so Gründe, die ich mir vorstellen könnte.

    LG, Moni

    • Ascari

      Hi!

      Ich glaube, ich habe mir von der Geschichte etwas “Klassischeres” erwartet. Also eine Geschichte, wo die Jagd nach dem Täter eigentlich im Vordergrund steht. Stattdessen habe ich aber etwas ganz anderes bekommen … Es ist jetzt deswegen nicht schlechter, aber nicht das, was mir wirklich Spaß gemacht hätte.

      Dass ich den Film vergleichen konnte, war eigentlich Zufall, denn er war jetzt gerade auch bei Prime gratis dabei, deswegen dachte ich mir, guckst du dir den noch schnell an, ehe der Beitrag online geht. Dass da sowas Komisches am Ende rauskommt … 🤷‍♀️

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Andrea

    Guten Morgen Ascari 🙂

    Nicht schlimm, wenn du mal aussetzt. Ich freu mich trotzdem darüber, dass du bei allen vorbeischaust und dich austauschst 🙂
    Dein Buch kenne ich bisher nicht – auch den Film nicht. Ist aber auch nicht so mein Genre. Schade, dass es dich nicht so richtig überzeugen kann. Ich wünsche dir auf den letzten Seiten aber trotzdem noch viel Spaß 🙂
    Und was den Film angeht … ich versteh es auch nicht, warum man Enden ändern muss. Ist mir auch schon bei einigen aufgefallen, aber verstanden hab ich es nie.

    Lieben Gruß
    Andrea

    • Ascari

      Hallo Andrea!

      Ja, hat trotzdem Spaß gemacht, letzte Woche zu schauen, was ihr alle gelesen habt. Ich hab ja deinen Beitrag jetzt mal abonniert, wo die Links auf alle Teilnehmerinnen drin sind, da übersehe ich das auch nicht 🙂 .

      In der Zwischenzeit hab ich das Buch nun beendet – und meine Meinung hat sich nicht mehr geändert. Daher bleibe ich dabei: Den Film zu gucken, wenn einen das Thema interessiert, ist meiner Meinung nach ausreichend. Man weiß ja nicht, was geändert wurde, und kann’s deswegen auch nicht vermissen.

      Liebe Grüße
      Ascari

      • Andrea

        Mir macht es auch viel Spaß und ich freu mich, dass so viele mitmachen und man auch wieder einige neue Bücher kennenlernen kann 🙂 die Links hab ich in jedem Beitrag drin, aber nicht immer machen alle jede Woche mit. Aber ich will sie auch nicht ständig rausnehmen und die anderen freuen sich auch so über Besuche 😉

        Da hast du wohl recht, das hab ich mir bei einigen Filmen auch schon gedacht. Wenn mans nicht weiß, kann mans nicht vermissen. Und wenn man mehr wissen will, kann man das Buch ja immer noch lesen. Meistens bekommt man ja doch noch die ein oder andere Info mehr.

        Lieben Gruß
        Andrea

  • Sarah

    Guten Morgen Ascari,
    oh das kenne ich nur zu gut mit dem unrelegmäßigen Lesefluss. Ich habe auch oft Monate dabei, da komme ich gerade so auf die 3 Bücher. Entsprechend habe ich da auch oft mal, das ein oder andere Buch, zwei oder dreimal beim Currently Read dabei.

    Schön, dass du diese Woche wieder dabei bist! 🙂

    Dein aktuelles Buch sagt mir leider nichts.
    Schade, dass es dir auch vom Stil her nicht so gefällt. Aber das habe ich auch oft bei Büchern, dass ich sie dann überfliege, wenn ich irgendwie mit der Erzählweise Probleme habe.

    Den FIlm halte ich mal im Hinterkopf, an sich finde ich die Thematik interessant, aber ich würde mich sehr wahrscheinlich nicht mit einem Buch dazu befassen. Schade ist hier natürlich auch, dass sie das Ende anders als im Buch gestaltet haben.

    Liebe Grüße
    Sarah

    • Ascari

      Liebe Sarah!

      Wenn du das Buch nicht kennst, fällt es dir nicht auf, was geändert wurde. Und ich vermute, dann stört es dich auch nicht so sehr. Ich hatte halt in dem Fall Pech, weil meine Erinnerungen wirklich gerade ganz frisch waren – und ich mir dann ein paar Mal dachte, hey, das ergibt ja überhaupt keinen Sinn, wenn das jetzt auf einmal so beendet wird (Vor allem in Bezug auf die Vergangenheit der Hauptfigur, die zwangsläufig im Film dann auch geändert werden musste). Ansonsten fand ich den Film eigentlich gut – und kann ihn mit dieser gewissen Einschränkung durchaus empfehlen!

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Tinette

    Hallo Ascari,
    ja, ich kenne das auch sehr gut. Manchmal gibt es Phasen, in denen ich viel lese. Manchmal komme ich aber kaum dazu.
    Der Klappentext klingt ja sehr spannend. Schade, dass dich der Thriller nicht abholen kann. Ich weiß, was du meinst. Ich hatte das auch schon bei einigen Büchern. Sie konnten mich nicht so richtig packen, aber genau beschreiben, warum, konnte ich nicht.
    Wenn sich die Verfilmung größtenteils an die Buchvorlage hält, verstehe ich umso weniger, warum das Ende so abgeändert werden musste. Abweichungen gibt es ja immer. Das stört mich auch nicht. Aber wenigstens die Auflösung sollte gleich sein. Ich habe mir den Spoiler durchgelesen, weil ich mir den Film nicht anschauen werde. Da würde ich gerne mal wissen, warum der Film in dem Punkt so abgeändert wurde.
    Liebe Grüße
    Tinette

    • Ascari

      Hallo Tinette!

      Ja, das wüsste ich auch gern, was sich die Filmschaffenden hier gedacht haben! Es hat mich so gefuchst und deswegen wollte ich es unbedingt loswerden. Nachdem ich aber nicht spoilern wollte, hab ich es hinter einem ausklappbaren Bereich versteckt 🙂 .

      Noch ein schönes Wochenende!
      Ascari

  • Nicole

    Hallo Ascari,

    das Buch habe ich im September 2012 gelesen. 😀 Das weiß ich noch genau, weil es damals meine Urlaubslektüre war. Ich fand es sehr, sehr gut, bin aber auch nicht mit einer Thrillererwartung heran gegangen. Mich hat damals das Russland-Setting gereizt und dann habe ich dazu eine spannende Handlung bekommen.

    Schade, dass es sich an deinen Erwartungen etwas knautscht. Manchmal passt’s einfach nicht.

    Liebe Grüße & schönes Wochenende,
    Nicole

    • Ascari

      Liebe Nicole,

      tja, das hätte ich wohl auch tun sollen. Vermutlich habe ich mich hier einfach vom Klappentext irreleiten lassen … Das Russland-Setting ist auch ziemlich spannend, das war es auch, was mich trotzdem dabei bleiben hat lassen. Hast du eigentlich die nachfolgenden zwei Bücher auch gelesen?

      Liebe Grüße
      Ascari

      • Nicole

        Hallo Ascari,

        mir ist’s damals auch zufällig in die Hände gekommen. Mein Mann und ich haben noch schnell Urlaubslektüre aus der Buchhandlung geholt. Damals wusste ich noch nicht, was ein SuB ist. ^^ Von daher war ich vollkommen unbeeinflusst.

        Weiter gelesen habe ich nie. Für mich hat das Ende wie es war absolut gepasst. Ich bin erst viel später darauf gestoßen, dass es eine Reihe ist und mich hat’s nie gereizt. Den Film fand ich übrigens auch nicht schlecht, aber das Ende vom Film habe ich wohl verdrängt. 😀

        Liebe Grüße,
        Nicole

  • Livia

    Hallo Ascari

    Das Buch ist wirklich in einer spannenden und brutalen Zeit und Region angesiedelt, weshalb es mir sehr gut gefällt, dass du einiges erfahren und für dich mitnehmen konntest.

    Schade aber, dass dich die Thrllerhandlung nicht abholen konnte. Ich lese den Klappentext genau aus solchen Gründen fast nie und meistens fällt mir dann beim Tippen der Rezension auf, dass da einiges so gar nicht übereinstimmt 😉

    Aber wie andere hier schon schrieben: manchmal passt ein Buch einfach nicht so ganz perfekt und man kann selber gar nicht benennen, woran dies liegt. Dass aber der Film und das Buch so gar nicht übereinstimmen, was den Schluss anbelangt, kann ich wirklich nicht nachvollziehen…

    Alles Liebe an dich
    Livia

    • Ascari

      Hi!

      Wie machst du das, dann trotzdem Lesestoff zu finden? Ohne Klappentext hätte ich vermutlich noch mehr Probleme, Bücher zu finden, die interessant klingen. Das gehört für mich eigentlich schon beim Stöbern gehen dazu, Cover und Titel angucken, und wenn was Interessantes dabei ist, Klappentext lesen 😁. Aber dass die Klappentexte immer öfter irreführend sind, ist mir jetzt grad auch beim neuen Beckett aufgefallen, denn der war – wenn man’s genau nimmt – sogar falsch.

      Liebe Grüße
      Ascari

      • Livia

        Liebe Ascari

        Das frage ich mich manchmal auch… 😉

        Auf einige Blogger:innen und Instagrammer:innen, aber auch auf einige Titel, Cover und Autor:innen und vor allem auch Verlage vertraue ich einfach blind. Ein super Beispiel ist der btb-Verlag: aktuell könnte ich wohl jedes einzelne Buch aus diesem Verlag lesen und es würde mir gefallen. Dumont geht auch immer, Diogenes oft, Bilger geht immer (nur eine Enttäuschung war dabei) und ja… Irgendwie habe ich das stets im Gefühl. Es wäre jetzt total spannend, meine Fehlgriffe mit den Fehlgriffen anderer zu vergleichen. Vielleicht greife ich ja genau so oft daneben, wie andere, ich habe aber das Gefühl, stets zu Highlights zu greifen, wenn ich wirklich auf meinen Bauch höre. Alle Fehlgriffe der letzten Monate waren Bücher, zu denen ich überredet worden bin oder Bücher, die mich nicht sonderlich angesprochen haben, auf die ich dann aber dennoch neugierig geworden bin (so im Sinne von “ich lese mal rein”).

        Alles Liebe an dich
        Livia

        • Ascari

          Liebe Livia,

          Verlage würden bei mir überhaupt nicht funktionieren … Dafür stellen sich vor allem die großen Verlage einfach zu breit auf – und im Vergleich ist mein Geschmack wieder zu speziell 😅. Von anderen Blogger:innen lasse ich mich aber auch gern mal verführen, wenn ein Buch interessant klingt. Wobei ich dann trotzdem erst mal schaue, worum geht’s da, könnte das für mich etwas sein. Ich kann da einfach nicht aus meiner Haut … Die “Ich lese mal rein” bzw. “Vielleicht”-Titel landen bei mir eher auf der Liste für die Bib, weil da denke ich mir immer, da ist nicht viel verhaut, wenn es mich nicht anspricht. 😂

          Liebe Grüße
          Ascari

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