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Currently Watching: Unorthodox

Ich will ja nicht sagen, ich habe es nicht angekündigt, aber heute ist es tatsächlich so weit: Aus dem “Currently Reading” wird im Rahmen des #femtember das erste Mal ein “Currently Watching”. Aus dem einfachen Grund, weil ich recht spontan am Wochenende in eine Serie bei Netflix reingeschaut habe, wo mir auf Instagram das Buch dazu vorgestellt wurde. Beim Austausch in den Kommentaren erfuhr ich dann, dass es zu “Unorthodox” von Deborah Feldman seit letztem Jahr eine Mini-Serie gibt (was leider bis jetzt komplett an mir vorbeigegangen ist).

1. Was schaue ich gerade?

Okay, den Titel habe ich dieses Mal ja schon in der Einleitung erwähnt. Fairerweise muss ich sagen, dass die Serie nur inspiriert von dem Buch ist, da – wie ich nachgelesen habe – ein großer Teil der Erlebnisse der Heldin schlicht und einfach erfunden sind, die sie in der Gegenwart erlebt. Gewöhnlich bin ich bei so etwas eigentlich eher skeptisch, dachte mir aber, ich gebe den vier Episoden trotzdem eine Chance mich zu überzeugen.

Das Erstaunliche ist, dass diese Passagen die Geschichte nicht weniger authentisch machen. Jetzt aber erst mal zum Inhalt:

Auf den Memoiren der Bestseller-Autorin Deborah Feldman basierend, ist “Unorthodox” die Geschichte einer jungen Frau, die alles zurücklässt: Ihren Mann, ihre Familie und ihr bisheriges Leben als Teil einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde in New York, um in Deutschland ein neues Leben zu beginnen.

Teils Coming-of-Age Geschichte, teils Thriller, angesiedelt im modernen Berlin, begleiten wir Esty – so der Name der jungen Frau – bei ihren Anfängen in Berlin. Eine Zeit, in der sie versucht, zu sich selbst zu finden und ihr neues Leben mit den geheimnisvollen Spuren in ihre Vergangenheit zu vereinbaren. Dazu kommt, dass ihr ihr Mann aus New York gefolgt ist, um sie nach Hause zurückzuholen.

Quelle: Netflix | Trailer auf YouTube

Ich bin mittlerweile am Beginn der dritten von den insgesamt vier Folgen. Unter normalen Umständen wäre das vermutlich nicht einmal eine Erwähnung wert, aber ich lasse mir im Moment Zeit und schaue nicht mehr als eine Folge pro Tag.

2. Was möchte ich dazu loswerden?

Ich versuche, diese vier Folgen ganz bewusst nicht zu binge-watchen. Aus dem einfachen Grund, weil ich glaube, dass sonst für mich zu viel von den vielen leisen Zwischentönen verloren geht, die in dieser Geschichte transportiert werden. Die vielen kleinen Details, die mir beim Schauen unter die Haut gehen und die ich nicht sofort durch neue Eindrücke ersetzen möchte …

Erzählt wird Estys Geschichte auf zwei Zeitebenen. In der ersten Folge lernen wir Esty kennen, unmittelbar bevor sie ihre Flucht aus New York antritt, mit Hilfe einer Freundin in ein Flugzeug steigt und mit nichts als dem in Berlin ankommt, was sie am Körper trägt: Ihre Papiere, ein bisschen Geld, ein Foto ihrer Großmutter. Gleichzeitig merkt ihre Familie, was los ist und beginnt nach ihr zu suchen.

In weiterer Folge wird sowohl Estys Schicksal als auch das ihres Mannes Yanky erzählt, auf der einen Seite in der Gegenwart in Berlin, auf der anderen Seite in der Vergangenheit in New York, wo die beiden eine arrangierte Ehe eingehen und sich Esty den Regeln einer verheirateten Frau in der ultra-orthodoxen jüdischen Religionsgemeinschaft der Satmarer unterwerfen muss, in der sie aufgewachsen ist.

Als in einer ganz anderen Kultur aufgewachsene Menschen neigen wir ja schnell dazu, so etwas zu verdammen, aber die Serie zeigt Estys Leben einfach, wie es ist, ohne es zu beschönigen oder schlechtzumachen. Esty kennt es eben nicht anders, sie liebt ihre Großmutter, die immer für sie da war, und sie möchte zu Beginn ihrer Ehe eine gute Ehefrau und Mutter werden … Was dazu führt, dass sie damit bricht, erschließt sich den Zuschauer:innen erst so nach und nach, während wir Estys Erinnerungen kennenlernen, die in Rückblenden eingeflochten werden.

Ich glaube, mit am meisten hat mich bis jetzt die Darstellung des jüdischen Lebens beeindruckt, von dem ich bisher kaum etwas wusste. Die zum Teil jiddisch geführten Gespräche tragen neben den vielen kulturellen Eigenheiten das Ihre dazu bei, dass die Geschichte sehr lebendig transportiert wird. Sehr gut finde ich auch die Schauspielerin, die die Figur der Esty verkörpert: Die Szene, wo Estys Haare geschoren werden (Eine verheiratete Frau verbirgt ihre Haare in der Öffentlichkeit entweder unter einer Perücke oder einer Haube), hat mich wirklich zu Tränen gerührt, weil sehr deutlich zu sehen ist, wie sehr Esty damit kämpft, ihre Haare zu verlieren …

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12 Kommentare

  • Andrea

    Guten Morgen Ascari 🙂

    Das Watching hast du ja schon angekündigt. Tatsächlich kenne ich die Mini-Serie bisher noch nicht, Netflix würde die mir aber in den Vorschlägen wohl auch nie anzeigen, weil ich solche Serien einfach nicht schaue.
    Es klingt aber sehr spannend, was du erzählst und ich kann sehr gut verstehen, dass man das in Ruhe schauen möchte, um auch wirklich alles mitnehmen zu können. Ich wünsche dir da noch spannende Eindrücke bei den letzten beiden Folgen 🙂

    Ich schaue aktuell, wenn ich nicht gerade mal wieder in Animes versinke, die 5. Staffel von Luzifer. Da schaue ich aber meist 2 Folgen hintereinander, sonst lohnt es ja nicht^^

    Lieben Gruß
    Andrea

    • Ascari

      Hallo Andrea!

      Da sind wir schon zwei, ich schaue solche Serien normalerweise auch nicht. Klassischer Fall von “Die Algorithmen werden meine Interessen nie korrekt vorhersagen können” 😀 … Ich bin mittlerweile durch und hab mir dann auch noch das “Making of” angesehen. Jetzt hinterher muss ich sagen, das war wirklich ein interessanter Ausflug in eine mir gänzlich unbekannte Welt und die Geschichte wird sicher noch eine Weile bei mir nachhallen.

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Anja Druckbuchstaben

    Guten Morgen Ascari!

    Die Idee, aus dem Currently Reading mal ein Currently Watching zu machen, finde ich richtig klasse! =).
    Ich wäre von alleine nie auf die Idee gekommen, diese Serie anzuschauen, obwohl ich öfter mal nach neuen interessanten Serien auf Netflix Ausschau halte.
    Was du zur Serie und zur Hauptperson schreibst, macht mich überaus neugierig. Zum Binge-Watching hab ich schon eiwg keine Zeit mehr, aber reischauen werde ich hier gerne mal. Vielleicht warten da ja ganz neue Horizonte auf mich =).

    LG
    Anja

    • Ascari

      Hallo Anja!

      Ich denk mir das auch oft, wo sind die Zeiten geblieben, wo ich mir mal wirklich drei oder mehr Folgen einer Serie am Stück reingezogen habe … Anfangs fand ich das ja ganz toll, endlich nicht mehr warten müssen, bis Folge für Folge erscheint – mittlerweile gehe ich bewusst wieder zum “langsameren” Schauen zurück, um Folge für Folge zu genießen (Wobei, okay, es gibt immer noch Serien, wo es mir schwerfällt zu warten 😀 ).
      Mir hat’s übrigens gut gefallen, ich kann die Serie sehr empfehlen!

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Sarah

    Huhu Ascari,
    ich finde es super, dass du einfach aus dem Currently Reading ein Watching machst.
    Da kann man ggf. auch einfach ein paar spannende Serien entdecken.

    Dein Eindruck der Serie macht mich auf jeden Fall sehr neugierig. Ich behalte sie mal im Hinterkopf.

    Ich kann auch gut verstehen, dass du sie in Ruhe schauen möchtest, um nichts zu verpassen.
    Wünsche dir auf jeden Fall weiterhin viel Freude beim schauen.

    Liebe Grüße
    Sarah

    • Ascari

      Hi Sarah!

      Dankeschön! Nachdem es ja nur vier Folgen waren, bin ich mittlerweile schon durch, aber ich gebe zu, ich hätte gerne weitergeschaut. Eine Frage ist in der letzten Folge doch offen geblieben – und da hätte ich die Antwort gerne gewusst, auch wenn es mir nichts ausmacht, hier meine Phantasie zu bemühen.

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Moni2506

    Hey Ascari,

    Ich habe von der Serie gehört, aber das macht mich tatsächlich neugierig. Gerade, weil es auch nur 4 Folgen sind.
    Ich tue mich immer schwer neue Serien anzufangen, weil ich meist eh nicht so viel Zeit zum Fernsehen habe. Meist muss mich eine Serie schon sehr catchen, damit ich dran bleibe.
    Auf Twitter gab es zur Serie meine ich auch einige Diskussionen zur Darstellung des jüdischen Glaubens, aber ich weiß noch, dass die Serie reht große Wellen geschlagen hat. Über den jüdisch-orthodoxen Glauben weiß ich nicht wirklich etwas, aber man liest ja schon raus, dass es da wohl auch eher sehr streng zugeht.

    Viel Spaß noch mit der Serie.

    LG, Moni

    • Ascari

      Hi Moni!

      Na, da hast du schon mehr Vorwissen gehabt als ich 😀 … Es hat anscheinend Kritik aus der jüdischen Gemeinde gegeben, wie genau jüdisches Kulturgut wirklich dargestellt wurde, dazu kann ich verständlicherweise nichts sagen. Einige Dinge habe ich aus anderen Büchern wiedererkannt, einige nicht. Ich kann die Serie auf jeden Fall empfehlen, mir hat sie sehr gut gefallen, wenn du ihr ein Chance geben möchtest. Ich hab jetzt auch nicht jeden Tag geschaut, bin aber trotz einiger Pausen tadellos wieder dringewesen.

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Vanessa

    Hallo Ascari,
    das klingt wirklich nach einer sehr spannenden und berührenden Mini-Serie, die du da schaust. Ich dachte im erten Moment, dass das nicht mein Genre ist bis ich gemerkt habe wie spannend ich die Idee dahinter finde. Danke, dass du deine Eindrücke dazu mit uns geteilt hast!
    Liebe Grüße
    Vanessa

    • Ascari

      Hallo Vanessa!

      Solche Geschichten gehören jetzt auch nicht zu meinem täglichen Geschichtenstoff, aber ich finde es bewundernswert, wie viel Mut dahintersteckt, einfach zu gehen und komplett neu anzufangen, weil Deborah Feldman (Auf ihrem Buch basiert die Mini-Serie ja) schwanger war und für ihr Kind dieses orthodoxe Leben nicht wollte.

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Tinette

    Hallo Ascari,
    ja, ich habe den Verlag wegen der Bindung bereits angeschrieben, aber bisher keine Antwort erhalten. Das Buch ist zwar als Dystopie beworben, aber ich finde, dass das Genre nicht ganz passend ist. Dafür ist die Geschichte doch zu realistisch. Die Handlung spielt ja auch nur 10 Jahre in der Zukunft.
    Die Idee mit dem Watching gefällt mir sehr gut. Die Serie kenne ich nicht. Ich habe aber auch kein Netflix. Die Romanvorlage sagt mir auch nichts, hört sich aber interessant an. Ich lese gerne über andere Kulturen. Die Regeln dieser Gemeinschaft scheinen ja sehr streng zu sein. Das Buch werde ich mir mal genauer anschauen.
    Ich schaue aktuell drei Krimiserien, und zwar jeden Tag eine Folge im Wechsel. Gestern habe ich z. B. die erste Folge Kommissar Rex von Staffel 12 geschaut, heute ist die 2. Folge der 2. Staffel von Brokenwood an der Reihe und Morgen die 4. Folge der 9. Staffel von Death in Paradise. 🙂
    Ich wünsche dir noch viel Spaß beim Anschauen.
    Liebe Grüße
    Tinette

    • Ascari

      Hallo Tinette!

      Ach, das ist schade. Ich finde solche Dinge immer so traurig, ich erlebe es gerade bei einem meiner Notizbuch-Hersteller, wie aufgeschlossen die ihren Kunden gegenüber sind und wie begeistert sich die Leute in der Facebook-Gruppe einbringen – da liegen Welten dazwischen!
      Ich weiß, der Vergleich hinkt wegen der Produkte ein wenig, aber es sollte doch auch im Interesse des Verlags liegen, wenigstens ein kurzes “Tut uns leid, wir gehen dem nach” oder etwas Vergleichbares zu antworten. Das ist für sich nicht viel, trägt aber finde ich in Summe einiges zur Kundenbindung bei, wenn ich möchte, dass jemand auch noch morgen mein Buch kauft?
      Das Buch gibt’s übrigens auch als Hörbuch, wenn dich die Aussprache der vielen jiddischen Begriffe interessiert, ich hab bei Audible mal reingehört 🙂 .
      “Kommissar Rex” gibt es tatsächlich immer noch? Aawww, ich hab das früher so gern geschaut, die ganz allerersten Folgen mit Tobias Moretti und seinen Kollegen, die mochte ich wirklich sehr!

      Liebe Grüße
      Ascari

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