Deutschlandreise Blogtour: Das Buch “Deutsche Schreibschrift”

Mittlerweile geht es für mich schon in mein drittes Jahr bei der Blogtour von Silvia und Astrid von leckerekekse.de, Kinder, wie die Zeit vergeht … Im ersten Jahr sind wir zusammen nach New York gereist, voriges Jahr ins schöne Italien. Dieses Jahr reisen wir aber nicht in die Ferne, sondern bleiben in Deutschland, meiner zweiten Heimat (neben Österreich natürlich ;)).

Für dieses Thema habe ich mich dazu entschlossen, zwei Dinge, die ich sehr mag, miteinander zu verknüpfen: Handlettering und Bücher. Daher stelle ich euch ein Buch (okay, wenn man es genau nimmt, eigentlich zwei Bücher) vor, das sich mit einem Stück deutscher Kulturgeschichte beschäftigt: Die deutsche Schreibschrift.

Nach meinem letzten Handlettering, wo ich mich das erste Mal mit Sütterlin und Kurrent beschäftigt habe, wollte ich es genauer wissen und habe mir dieses Buch besorgt. Das gebundene Buch links auf dem Bild ist dabei das Lese- und Schreibbuch, das dünnere rechts ist ein Übungsheft, wo man selbst aktiv werden kann :).

Unterschied Kurrent Sütterlin

Links Kurrent, rechts Sütterlin (© Klaber / Pixabay)

Der Autor erklärt darin den Unterschied zwischen den beiden (bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland noch sehr verbreiteten) Schreibschriften.  Denn Sütterlin und Kurrent sind nicht dasselbe, nein, wie man an dem Foto oberhalb gut erkennen kann.

Darüber hinaus stellt Süß auch noch die sogenannte “Offenbacher” vor, eine Schrift, die als Schreibschrift allerdings kaum in Gebrauch war, heute aber in der Kalligraphie gern genutzt wird.

Im ersten Teil geht es um das Lesen, Harald Süß stellt hier die Buchstaben der Kurrent-Schrift vor und geht auch darauf ein, wo es zu Verwechslungen kommen kann. Und dann geht es auch schon los, zuerst gibt es einzelne Wörter in Kurrent (wo darunter das Wort noch in lateinischer Schriftsprache steht), dann Rezepte, kurze Texte, Tagebucheinträge und Briefe.

Abgerundet wird der Lese-Abschnitt durch Leseproben aus drei Jahrhunderten. Wer dann also schon etwas sattelfester ist, kann sich auch an richtigen Handschriften (die natürlich nicht immer konform zur “Schulschrift” ausfallen) versuchen. Und wer sich nicht sicher ist, kann am Ende natürlich nachsehen, ob er die Texte richtig gelesen hat.

Im zweiten Teil des Buches geht es um das Schreiben. Und was wäre das Schreiben ohne die richtige Feder? Je nach Schrift wurde mit unterschiedlichen Federn geschrieben, die in unterschiedlichem Winkel zur Schreibrichtung gehalten wurden …

Auch das Papier spielt eine wichtige Rolle, wenn man erst einmal erste Gehversuche mit Tinte unternimmt (hätte ich auch nicht für möglich gehalten, aber ich merke es jetzt beim Üben immer wieder). Harald Süß nutzt für das Schreiben das Alphabet der bereits zitierten Offenbacher, um die Buchstaben zu erlernen.

Hier habe ich mir als Linkshänderin allerdings die Freiheit genommen, meine ersten Gehversuche mit Sütterlin zu unternehmen.

Das Größenverhältnis der Sütterlin-Buchstaben lässt sich nämlich meiner Meinung nach einfacher auf normales kariertes Papier übertragen. Darüber hinaus ist es für mich außerdem leichter, mit den gerade stehenden Buchstaben der Sütterlin zu arbeiten als mit den schrägstehenden Buchstaben der Kurrent oder der Offenbacher.

Einen weiteren Vorteil hat die Sütterlin in meinen Augen auch beim Schreibmaterial. Wie man ganz gut an meinen ersten Schreibübungen erkennt, tut es ein Bleistift, Kugelschreiber oder Filzstift problemlos. Eigentlich alles, was man daheim hat, um die anfangs ungewohnten Buchstaben zu schreiben.

Beispiele für meine ersten Sütterlin-Übungen

Der typische Schwung einer Kurrent dagegen, den man auch vom Handlettering kennt, wo die Buchstaben mal dicker, mal dünner geschrieben werden, ist nur mit den passenden Federn zu erreichen … Und da ich anfangs nicht wusste, wie sehr ich mich auf dieses Abenteuer Schreiben einlassen wollte (und auch keine Schreibfedern daheim hatte), schien mir dies der einfachere Weg zu sein, um meine ersten Gehversuche mit der neuen Schrift zu unternehmen …

Das Übungsheft kommt einem hier entgegen, denn auch wenn die meisten Übungen mit der Offenbacher vorgegeben sind, sind auch Wörter in Sütterlin und Kurrent darin zu finden. Da ich viele Seiten mehrfach geschrieben habe, habe ich das Heft einfach hingelegt und auf die rechte Seite mein Karopapier. Hatte für mich den Vorteil, dass man unendlich üben kann, ohne die Vorlage im Heft zu zerstören ;).

Es geht auch mit der Füllfeder!

Eine Sache habe ich dabei auf jeden Fall gemerkt: Selbst wenn es euch “nur” interessiert, lesen zu lernen – das Schreiben hilft dabei enorm. Einfach weil man sich durch das langsame Schreiben die Buchstaben besser einprägt, denke ich. Perfekt muss es ja nicht sein, vor allem dann nicht, wenn es nur ums Lesen geht.

Beim Schreiben lernen kommt es in meinen Augen vor allem darauf an, es regelmäßig zu tun. Das bedeutet nicht, dass man jeden Tag zwei Stunden oder so investieren muss. Eine halbe Stunde tut es auch, aber wichtig ist das Wiederholen. Ich merke das auch jetzt noch, wo die meisten Buchstaben schon besser sitzen, dass ich gerade X, Y oder Z mir nicht gut merke, weil man die beim Schreiben nicht so oft braucht.

Aus dem Grund schreibe ich immer wieder mal die Buchstaben des Alphabets nacheinander auf, einfach um die ausgefalleneren Buchstaben nicht so schnell zu vergessen. Wenn Fehler passieren, auch gut, ich setze normalerweise einfach nochmal an. Süß rät einem sogar dazu, den falschen Buchstaben einfach stehen zu lassen, um zu sehen, wo man noch Probleme hat.

“Deutschlandreise Blogtour” in verschiedenen Farben 🙂

Wenn ich etwas Bestimmtes schreiben will (so wie oberhalb beispielsweise), übe ich die Wörter / den Satz vorher ein paar Mal auf Schmierpapier, ehe ich ihn richtig schreibe. Auch das hilft mir sehr, weil ich die Wörter dann flüssiger schreiben kann. Ich muss nicht absetzten, um zu überlegen, wie geht der Buchstabe gleich noch mal, sondern ich schreibe einfach …

So weit, so gut. Am Ende meiner persönlichen (Schreib)Reise durch die deutschen Schreibschriften sehe ich mich aber noch lange nicht. Denn eigentlich gefällt mir die schrägstehende Kurrent besser als die Sütterlin-Schrift, es fehlt mir dort aber noch komplett das Gefühl für die Größe und die Schrägstellung der Buchstaben.

Als Linkshänder stellen diese Schriften außerdem eine zusätzliche Herausforderung dar, da man sie ausschließlich mit der rechten Hand  geschrieben hat (Linkshänder wurden bis in die 1970er Jahre hinein einfach auf Rechts umgelernt). Trotzdem gefallen mir auch Schriften wie die Copperplate oder die Anglaise sehr gut, die wie die Kurrent ebenfalls mit der Feder geschrieben wurden.

Aus diesem Grund nenne ich seit einigen Tagen tatsächlich meine ersten Federn mein Eigen, ich muss für mich aber noch die richtige Kombination aus Feder, Papier und Tinte finden. Die gleiche Tinte, das gleiche Papier kann mit der einen Feder ein sehr schönes, mit der nächsten Feder ein total hässliches Ergebnis liefern … Wer Handlettering schon einmal probiert hat, wird wissen, was ich meine, nicht jedes Papier ist für jeden Stift geeignet.

Auf jeden Fall macht es mir viel Freude, ich habe bereits einige Geschenke mit in Sütterlin geschriebenen Geburtstagswünschen verziert. Dazwischen nehme ich mir immer wieder Zeit, um ein wenig zu experimentieren, mich an die ungewohnte Handhaltung mit der Feder für die Kurrent zu gewöhnen (Aktuell habe ich da noch so überhaupt kein Gefühl, weil ich es nicht gewohnt bin, die Feder unterhalb der Schreiblinie zu führen).

Trotzdem weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin, denn es macht mir einfach Spaß, mich hier zu versuchen, auch wenn ich keine professionelle Kalligrafin werden möchte :).

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14 Gedanken zu „Deutschlandreise Blogtour: Das Buch “Deutsche Schreibschrift”

  1. Schön, dass du die Probleme von Linkshändern thematisiert. Ich gehöre zu den ersten nicht zwangsweise untrainierten Linkshändern. Doch Schönschrift war für mich entsetzlich. Doch es scheint nur an der Übung zu liegen wenn ich mir deine Ergebnisse ansehe.
    Viele liebe Grüße
    Silvia

    1. Liebe Silvia,

      ich denke, ich habe in der Hinsicht wohl Glück gehabt, denn ich gehöre mit Sicherheit bei uns zu den Ersten, die nicht mehr umgelernt wurden … Trotzdem hab ich das Schreiben als Schüler nicht unbedingt in bester Erinnerung, der Tintenkiller war jedenfalls schon damals mein bester Freund. Jetzt als Erwachsene habe ich allerdings doch einen anderen Zugang dazu und taste mich heran, was das Schönschreiben angeht :).

      Liebe Grüße
      Ascari

  2. Du hast dir da ja ein schönes Thema ausgesucht, vor allem weil meinem Eindruck nach die Schreibschrift am Aussterben ist. Meine älteste Tochter (14) hat noch eine Schreibschrift gelernt. Ihre zwei Jahre jüngere Schwester nicht. Trotzdem nutzt die Große kaum Schreibschrift, da sie quasi nur als zweite Möglichkeit angeboten wird. Im Rahmenlehrplan (Niedersachsen) ist nur festgelegt, dass eine Schreibschrift angeboten werden KANN. Zu dem Zeitpunkt haben die Kinder dann schon die Druckbuchstaben verinnerlicht.
    Meine zweite hat nur so eine Druckbuchstabenverbindungsschrift gelernt.
    Das Problem ist eigentlich, dass sie sich dann schwer tun, wenn es darum geht eine Handschrift zu lesen, vor allem die der Lehrer auf der weiterführenden Schule. Daher schreibe ich ihnen immer alle Notizzettel per Schreibschrift, allein schon zum Lesen üben. 🙂

    Liebe Grüße,
    Mona

    1. Liebe Mona,

      du bringst es schön auf den Punkt: Ich gehöre zwar noch zur Generation “Handschrift”, bei uns in Österreich wurde aber eine eigene Variante der Schreibschrift gelehrt …

      Was das Lesen angeht: Mir geht es eben genau so mit den alten Schriften wie Sütterlin oder Kurrent, meine Oma hat zeit ihres Lebens eine Mischung geschrieben (lateinische Buchstaben mit deutscher Schreibschrift) – und ich verstehe erst jetzt nach ihrem Tod, was sie da eigentlich geschrieben hat *seufz*.

      Liebe Grüße
      Ascari

  3. Was für ein spannendes Thema liebe Charlotte. Ich oute mich jetzt mal, mir war gar nicht bewußt, dass es mehrere alte Schriften gibt. von Kurrent und Offenbacher hatte ich noch nie gehört.
    Hab durch deinen Blogpost viel gelernt.

    Liebe Grüße

    Andrea

    1. Liebe Andrea,

      guck dir mal Bilder von alten Dokumenten an, die Kurrent hat zwar einige Veränderungen durchgemacht, wurde aber insgesamt gut 400 Jahre verwendet. Im Museum hab ich diese Schriften schon öfter gesehen, konnte aber kaum etwas davon entziffern. Ich hoffe, das wird beim nächsten Mal besser :). Dass du die Offenbacher nicht kennst, macht nichts, ich kannte sie auch nicht, der Autor erklärt das in seinem Buch aber sehr gut, warum.

      Liebe Grüße
      Ascari

  4. Ich liebe diese alten Schriften und musste schon früh lernen die lesen zu können, denn die Großmutter hat ihre Briefe immer in Sütterlin geschrieben. Vielleicht sollte ich mich tatsächlich mal daran machen und sie wieder schreiben üben.
    Lieben Gruß
    Andrea

    1. Wow, das ist toll! Meine Oma ist ja anscheinend davon abgekommen, denn ihre Handschrift war später ein Mischmasch (was ich aber jetzt erst so richtig verstanden habe). Gibt’s bei euch auch noch alte Briefe oder Rezepte in Sütterlin?

      Liebe Grüße
      Ascari

  5. Was für eine tolle Idee für die Deutschlandreise – Zeitmaschine inklusive. 😉 Gerade in letzter Zeit habe ich mal wieder über Schreibschrift nachgedacht, weil sich in meine Handschrift einzelne Druckbuchstaben eingeschlichen haben, die partout nicht mehr verschwinden wollen … und nun hast du mich in Versuchung gebracht, mal eine ganz andere Schrift zu probieren.

    Danke für die Inspiration!
    Petrina

    1. Liebe Petrina,

      keine Ursache :). Es ist schon ein ganz gewaltiges Schriftendurcheinander, denn gerade im 20. Jahrhundert waren sich die Zuständigen wohl nicht wirklich einig. Ich habe hier in Österreich beispielsweise eine eigene Fassung der Schreibschrift gelernt, die sich von der deutschen (auf lateinischen Buchstaben aufgebauten) Schreibschrift besonders bei den Großbuchstaben unterscheidet:


      Später ist bei mir dann auch eine Mischung aus Schreibschrift und lateinischen Buchstaben entstanden, weil mir das “Geschnörkel” nicht mehr gefallen hat. Es geht uns da also offensichtlich ähnlich :D.

      Liebe Grüße
      Ascari

  6. Ich bin durch Zufall auf deine Seite gekommen, über die Deutschlandreise.
    Das Wort Sütterlin hat mich angesprochen.

    In der Grundschule habe ich zwei Jahre lang Sütterlin gelernt. Nein, ich bin ich nicht über 100, sondern mein damaliger Lerner hat dies einfach so, ohne Lernplan, gemacht.

    Mit einem Buch das irgendwie hiess… Briefe in die Heimat oder so ähnlich. (Ein Junge wandert nach Amerika aus und schreibt nach Hause)

    Damals fand ich es sehr, sehr langweilig.

    Später war ich dann froh, dass ich diese Schrift gelernt habe. In meinem Beruf passiert es, dass manchmal alte Dokumente zu lesen sind bzw. Schreiben von ältereren Menschen, die in Sütterlin geschrieben haben.

    Auch schreibe ich seitdem das z wie in Sütterlin und das große G. Diese Buchstaben sind mir in der normalen Schrift nie gut von der Hand gegegangen.

    Und ich werde mir die von dir vorgestellten Bücher bestellen, so dass ich wieder üben kann.
    Dieses andere Schreiben macht einfach Spaß.

    Einen schönen Sonntag

    Sophie

    1. Liebe Sophie,

      ihr habt wohl einen Lehrer gehabt, der sich auch für diese alten Schreibschriften begeistern konnte, oder? Finde ich auf jeden Fall sehr schön :). Kann mir aber vorstellen, dass es in der Schule langweilig war. Als Kind schreiben zu lernen war für mich als Linkshänderin schon schwer genug, da war ich froh, später selbst entscheiden zu können, welche Buchstaben ich “behalten” wollte und welche nicht.

      Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß beim Üben!

      Liebe Grüße
      Ascari

  7. Hey Ascari,

    Da hast du dich ja wirklich sehr ausführlich mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich kenne tatsächlich nur Sütterlin. Von Kurrent oder der Offenbacher Schrift höre ich zum ersten Mal.
    Bei twitter hatte ich dir ja schon geschrieben, dass Sütterlin die Geheimschrift meiner Freundin und mir war. Mittlerweile bekomme ich tatsächlich auch nicht mehr alle Buchstaben zusammen.

    LG, Moni

    1. Liebe Moni,

      Kurrent ist sowas wie der Vorgänger von Sütterlin … Eigentlich verrückt, wenn man bedenkt, dass Kurrent fast 400 Jahre lang uns als Schreibschrift gedient hat. Und mir hat’s außerdem Spaß gemacht, mich da ein wenig in die Materie zu vertiefen. Mal sehen, was ich langfristig davon mitnehmen kann :).

      Dass man die Buchstaben vergisst, geht einem wohl aber mit jedem Alphabet so, wenn man es nicht verwendet. Die österreichische Schreibschrift, die ich als Kind gelernt habe, liegt mir ja auch nicht mehr so. Kunststück, wenn man die als Kind gelernt und nachher nach Lust und Laune adaptiert hat, wo es keiner mehr kontrolliert hat …

      Liebe Grüße
      Ascari

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