Aktion

#Femtember 2021: Feministische Jugendbücher

Auch dieses Jahr gibt es wieder bei Nico den #Femtember, eine Aktion, die den ganzen September unter das Motto “Feminismus” stellt. Voriges Jahr schon habe ich einige Beiträge dazu beigesteuert und einige Bücher vorgestellt, die meiner Meinung nach gut zu dem Thema gepasst haben. Dieses Jahr muss ich mich leider aus verschiedenen Gründen etwas kürzer fassen, aber ich werde versuchen, im Verlauf dieses Monats ausschließlich Bücher von Autorinnen vorzustellen, um dem Thema treuzubleiben.

Den Anfang macht dieser Beitrag heute, mit dem ich drei (Jugend)Bücher vorstelle, deren Figuren ein Vorbild für junge Leser:innen darstellen können.

Moxie

Das Bekannteste ist vermutlich “Moxie” von Jennifer Mathieu. Ich gebe zu, ich wusste nicht, dass es sich hier ursprünglich um ein Buch gehandelt hat, aber die gleichnamige Netflix-Verfilmung machte mich darauf aufmerksam. Und natürlich war ich gespannt darauf, wie mir das Buch im Vergleich zum Film gefallen würde.

Vivian lebt in Texas und hat die Nase voll. Von den blöden Kommentaren der Jungs während des Unterrichts. Von den Lehrern, die nichts dagegen unternehmen. Von der absurden Kleiderordnung, die nur für Mädchen zu gelten scheint. Aber vor allem hat Vivian es satt, den Mund zu halten.

Als sie einen alten Flyer ihrer Mutter, ein ehemaliges Punkrock-Riot-Grrrl, findet, beschließt sie, etwas gegen die Ungerechtigkeit zu tun. Heimlich gestaltet sie ihren eigenen Flyer, »Moxie«, und verteilt ihn an der Schule. Die Mädchen sind begeistert und tragen Vivians Botschaft weiter. Und auch Seth, der neue Junge an der Schule, ist schwer beeindruckt.

Doch schon bald begreift Vivian, dass sie damit eine Revolution angestoßen hat, die ihre Leben ganz schön ins Wanken bringt.

Vivian ist ein Mädchen, mit dem man sich sehr einfach identifizieren kann. Sie ist introvertiert, verbringt ihre freie Zeit am liebsten mit ihrer besten Freundin und lebt zu Beginn der Geschichte ein sehr angepasstes Leben. Es braucht also einen Anstoss von außerhalb, dass sie aufhört, die Augen zu verschließen und sich gegen die vorherrschenden Verhältnisse an ihrer Schule zu wenden. Dieser erfolgt durch eine neue Mitschülerin, die sich der Rangordnung in der Schule nicht unterordnen will.

Ich glaube, am meisten haben mich die kleinen Details in dieser Geschichte deprimiert. Mädchen, die vom Lehrer einfach aus der Klasse geschickt werden, weil sie zu “freizügig” angezogen sind? Weil der Ausschnitt zu tief oder der Rock zu kurz ist? Jungs, die ihre Hände nicht bei sich behalten können und die mit ihrem Verhalten einfach durchkommen, da sie als erfolgreiche Sportler von der Schule gefördert werden? Es ist mir hier wirklich nicht schwergefallen, mit den Mädchen Sympathie zu empfinden und sie in Gedanken anzufeuern, sich diesen Sch… nicht mehr länger bieten zu lassen.

Rules for being a Girl

“Rules for being a Girl” wurde von dem Autorinnen-Duo Candace Bushnell und Katie Cotugno geschrieben, wobei mir der Name Bushnell zwar etwas sagte, ich ihn aber nicht gleich zuordnen konnte. Eine kurze Online-Recherche verriet mir dann aber, wo ich den Namen hinstecken musste: Bushnell ist die Urheberin von “Sex in the City”, das vor allem als Serie weltweit eine sehr große Bekanntheit erlangte.

Wie alle Mädchen ist Marin an ihrer Schule mit lauter ausgesprochenen und unausgesprochenen Anforderungen konfrontiert:

Schminke dich, aber trag nicht zu viel Make-up. Werd nicht zu dünn, aber auch nicht zu dick. Sei witzig, aber dränge dich nicht in den Mittelpunkt …

Und Marin ist gut darin, die Regeln zu befolgen. Bis ein Vorfall mit ihrem Lehrer ihr die Augen öffnet. Erstmals sieht Marin, wie ungerecht Mädchen und Frauen behandelt werden.

Und sie beschließt, sich nicht länger an die Spielregeln von anderen zu halten, auch wenn das bedeutet, dass sie sich gegen ihre eigenen Freunde stellen muss.

Die Geschichte verfolgt ein ähnliches Schema wie “Moxie”, begleitet hier ganz konkret die Erlebnisse eines einzelnen Mädchens. Man lernt Marin als ganz normale Schülerin kennen, die davon träumt, an eine Elite-Uni zum Studium zu gehen und darauf hofft, von ihrem Lehrer eine Empfehlung dafür zu bekommen. Erst, als es zu dem im Klappentext erwähnten Vorfall kommt, merkt sie, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

Anfangs weiß sie nicht so richtig, wie sie damit umgehen soll, versucht, bei ihrer besten Freundin Rat zu finden, doch diese zieht sich von ihr zurück und überlässt es Marin, alleine damit klarzukommen. Erst nach und nach beginnt Marin zu verstehen, dass sie sich nicht bieten lassen muss, was passiert ist – das Buch ist in gewisser Weise also auch eine Art Coming-of-Age-Geschichte, bei der Marin über sich selbst hinauswächst.

Gleichzeitig bleibt das Buch über weite Strecken realistisch, Marin ist also auch mit einigen Rückschlägen konfrontiert, die es ihr nicht leicht machen, ihren einmal eingeschlagenen Weg zu verfolgen. Ich glaube, das war auch der Teil, wo ich vor Wut über toxische Männlichkeit und die entsprechenden Seilschaften am liebsten hätte schreien mögen.

Cinderella is dead

“Cinderella is dead” von Kalynn Bayron setzt auf ein anderes Setting als die beiden vorher genannten Bücher, erzählt aber eine nicht weniger wichtige Geschichte. Wer also ein etwas “märchenhafteres” Szenario bevorzugt, dem empfehle ich diese Geschichte sehr, sehr gerne. Bis jetzt gibt es die Geschichte leider nicht auf Deutsch, aber ich empfand das Sprachniveau als nicht so schwierig, als dass man sich nicht trotzdem dran wagen sollte.

It’s 200 years since Cinderella found her prince, but the fairytale is over.

Sophia knows the story though, off by heart. Because every girl has to recite it daily, from when she’s tiny until the night she’s sent to the royal ball for choosing. And every girl knows that she has only one chance. For the lives of those not chosen by a man at the ball . are forfeit.

But Sophia doesn’t want to be chosen – she’s in love with her best friend, Erin, and hates the idea of being traded like cattle. And when Sophia’s night at the ball goes horribly wrong, she must run for her life. Alone and terrified, she finds herself hiding in Cinderella’s tomb. And there she meets someone who will show her that she has the power to remake her world .

Sophia hat es nicht leicht. Sie ist eine junge Frau, die sich ihr Leben nicht mehr von Männern bestimmen lassen möchte. Außerdem ist sie schwarz und lesbisch. Keine gute Kombination in einem Land, das einzig und allein darauf ausgerichtet ist, dass Frauen mehr oder weniger der Besitz von Männern sind. Gleichzeitig sind sie darauf angewiesen, möglichst jung zu heiraten, um in den Augen der Gesellschaft nicht völlig zu Ausgestoßenen zu werden.

Aus diesem Grund habe ich sehr schnell angefangen, mit der rebellischen Sophia mitzufühlen und in weiterer Folge mitzufiebern, als diese beginnt, sich gegen dieses System aufzulehnen. Erzählerisch hat das Buch meiner Meinung nach zwar einige Schwächen, aber das Thema finde ich unheimlich wichtig – und dementsprechend habe ich bei der Bewertung auf Goodreads auch ein Auge zugedrückt.

Vom Sprachlevel her schätze ich, dass das Buch für Leser:innen ab zwölf Jahren geschrieben sein dürfte. Dementsprechend fand ich das Englisch jetzt nicht so schwer, also traut euch an diese Geschichte. Sie ist es wert, gelesen zu werden, wenn ihr mal etwas anderes kennenlernen wollt, als sonst in dem Genre üblich ist!

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6 Kommentare

  • Nico aus dem Buchwinkel

    Hey Ascari,

    schön, dass du beim #femtember mitmachst! Den Überblick zu feministischen Jugendbüchern finde ich toll, ich habe einen ähnlichen Beitrag zu feministischen Kinderbüchern vorbereitet. Die ergänzen sich ja dann prima.

    Liebe Grüße und einen schönen und informativen #femtember,
    Nico

  • Janna | KeJasWortrausch.de

    Huhu meine Feine,
    Kerstin und ich kommen nicht dazu bei Nicos wundevoller jährlicher Monatsaktion mitzumachen, schauen aber gerne in die Beiträge der anderen hinein und da Jugendbücher nicht gern von mir gelesen werden, lasse ich einfach liebe Grüße da :-*

    • Ascari

      Liebe Janna,

      ich weiß, es ist nicht dein bevorzugtes Genre, aber ich geb zu, ich mag es eigentlich gerade deswegen, weil ich das Gefühl habe, dass manche “erwachsene” Literatur gewisse Themen nicht oder nicht mehr behandelt. 😉

      Liebst,
      Ascari

    • Ascari

      Hallo Sunita!

      Bitte entschuldige meine etwas verspätete Reaktion, sowohl was das Freischalten als auch das Antworten angeht – das Timing war nicht ganz optimal, aber das kannst du natürlich nicht wissen 😀 …

      Ja, ich hatte das Gefühl, dass sich der Film sehr nah am Buch bewegt hat, sie haben eigentlich nur eine Figur geändert und gleichzeitig ein wenig queerer gemacht, mehr nicht, was ich mich jetzt so auf die Schnelle erinnere. Ich muss die Tage auch mal eine Runde drehen, welche Beiträge Nico jetzt schon verlinkt hat. Ich habe ja die Absicht, wenigstens indirekt den Monat unter das Motto #femtember zu stellen, auch wenn nicht alle Beiträge den Stempel bekommen werden (Meine Rezensionen zum Beispiel nicht).

      Liebe Grüße und danke für deinen Besuch!
      Ascari

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