Handlettering der Buchblogger / 06.2018

Nicht mehr lange und 2018 ist auch schon wieder zur Hälfte um. Manchmal frage ich mich wirklich, wo die Zeit hingeht … Im Vergleich zum Mai-Lettering hatte ich dieses Mal aber wieder etwas mehr Ruhe, um mich mit dem neuen Thema fürs Handlettering auseinanderzusetzen.

Deswegen gibt es dieses Mal auch wieder eine Fleißaufgabe, sprich ein zweites Lettering, weil ich mich einfach nicht entscheiden konnte, welcher Idee ich den Vorzug geben sollte.

Tanja und Leni haben das Thema ja bewusst nicht genauer formuliert, deswegen bin ich für eine Antwort auf diese Frage erst mal auf Goodreads gegangen …

Das Thema lautete:
Lettere den Titel deines Halbjahreshighlights 2018.

Nachdem ich eine ziemlich kritische Leserin bin, habe ich festgestellt, dass ich dieses Jahr tatsächlich erst zweimal 5 Sterne für einen Titel vergeben habe … Und zwar waren das folgende Bücher:

“Am berühmten Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt wird die junge Elise Hermann zur Pianistin ausgebildet. Ihre große Begabung verspricht eine glänzende Zukunft, und in Max von Hochem findet sie die Liebe ihres Lebens. Doch dann ändert sich alles, als Hitler an die Macht kommt. Elises Debüt-Konzert im März 1933 wird verboten, wie öffentliche Auftritte jüdischer Künstler generell verboten werden. Die junge Frau muss um ihr berufliches und bald auch persönliches Überleben kämpfen.

Vor der Kulisse des historischen Frankfurt am Main erzählt dieser Roman vom glücklichen und leidvollen Weg einer jungen jüdischen Frau zwischen 1929 und 1936.”

Falls euch das Buch näher interessiert: Eine Rezension zu dem Buch findet ihr hier :).

Der zweite Titel ist ein Comic. Und zwar “Maus” von Art Spiegelman. Dieses habe ich zwar nicht extra rezensiert, aber bei meinen monatlichen Tops & Flops erwähnt.

“Die Geschichte von Maus veränderte über Nacht die Geschichte des Comic Strips – aus Kult wurde Kunst.

Berichtet wird die authentische Lebensgeschichte des polnischen Juden Wladek Spiegelman. In Queens, New York, schildert er seinem Sohn die Stationen seines Lebens: Polen und Auschwitz, Stockholm und New York, er erzählt von der Rettung und vom Fluch des Überlebens. Art Spiegelman hat diese Geschichte aufgezeichnet, indem er das Unaussprechliche Tieren in dem Mund legt: Die Juden sind Mäuse, die Deutschen Katzen.

»Ein Jahrhundertwerk!«
taz”

Wie bereits erwähnt konnte ich mich anfangs nicht entscheiden, welchen Titel ich lettern sollte. Also nahm ich mir einmal den vor, zu dem ich rascher eine Idee hatte. Um diese Idee umzusetzen, brauchte es allerdings erst einmal eine Recherche. Denn irgendwo in meinem Kopf schlummerte da eine recht verkümmerte Erinnerung, dass es in Deutschland ja eine Zeitlang auch ganz besondere Handschriften gegeben hat …

Selbstverständlich landet man meistens als erstes bei der Wikipedia, aber ich finde, einen sehr guten, nicht zu langen und vor allem verständlichen Text zum Thema “Alte deutsche Schreibschriften” findet man auch bei Ramona von Kallimagie :). Schaut mal vorbei, wenn ihr die Unterschiede zwischen Sütterlin, Kurrent und der Offenbacher kennenlernen wollt!

Für das Lettering für “Frankfurt verboten” entschied ich mich schließlich für die Sütterlinschrift, denn der Gedanke, dass Elise in der Schule wohl diese Schrift gelernt haben müsste, hätte sie denn wirklich existiert, war naheliegend. Da ich allerdings mir nicht wirklich zutraue, auf einem weißen Blatt Papier die Buchstaben möglichst gerade und ordentlich zu schreiben, suchte ich mir eine Vorlage. Und fand gleich (wieder einmal) einen ganzen Stapel von tollen Schriften, die ich mir speicherte :).

Um auf Nummer sicher zu gehen, fertigte ich mir also eine Vorlage an und pauste sie ab. Da die Schriftvorlage aber nicht ganz authentisch ist, habe ich den Schriftzug nachbearbeitet – fallen euch die kleinen Unterschiede auf?

Eine Feder mit schwarzer Tinte besitze ich leider nicht, also musste wieder einmal einer meiner Filzstifte aushelfen. Ich glaube, sie heißen Fibreline, der Rest lässt sich leider nicht mehr so gut lesen …

Beim Foto machen hab ich dann am Handy noch einmal ein bisschen nachgearbeitet, damit es möglichst authentisch aussieht. So, als ob es in der Zeit wirklich jemand geschrieben haben könnte …

Das zweite Lettering entstand eigentlich verhältnismäßig spontan, einfach aus dem Gedanken heraus, jetzt hast du so schöne viele alte Handschriften als Vorlage gefunden … Ganz besonders gut gefällt mir ja auch die Kurrentschrift, auch wenn sie im Lauf der Zeit einige Veränderungen durchgemacht hat.

Deswegen habe ich diese Schrift genommen und mit ihr den Schriftzug für das zweite Lettering gestaltet, mit den Farben angelehnt an das Cover von “Maus”. Deswegen auch die rote Schrift mit dem weißen Rahmen drum herum, den ich mit meinem neuen Sigma Paintball Gelroller gezeichnet habe (Ja, Anja, ich hab endlich ein Schreibwarengeschäft gefunden, das ihn verkauft ;)).

Gezeichnet habe ich für dieses Lettering auf einem Transparentpapier, dass ich zum Fotografieren auf einen schwarzen Untergrund gelegt habe. Damit kam das Grau vom Cover des Comics wieder schön heraus, finde ich.

Hier noch einmal das Lettering ohne die Stifte im Vordergrund:

Ganz zum Abschluss muss ich noch folgendes loswerden: Ich glaube, ich bin verliebt! So schöne Schriften! Und ich finde es wirklich schade, dass wir Jungen diese Schriften immer weniger lesen können …

Alte Briefe, alte Postkarten, alte Dokumente von unseren Großeltern und Urgroßeltern wurden fast ausschließlich so geschrieben. Für mich ein Grund mehr, mich etwas mehr damit zu beschäftigen und nun zu versuchen, diese Schriften wenigstens lesen (und vielleicht auch ein klein bisschen schreiben) zu lernen :).

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9 Gedanken zu „Handlettering der Buchblogger / 06.2018

  1. Liebe Ascari,

    ach, ich freue mich immer, wenn wir wieder den 15. haben. Es ist immer so spannend bei den Teilnehmern stöbern zu gehen und zu schauen, was sie aus dem jeweiligen Thema gemacht haben. Auf deine Beiträge freue ich mich immer ganz besonders. Du trifft immer zu 100% meinen Geschmack. Ich fand es gerade sehr interessant zu lesen, welche Gedanken du dir rund um dein Lettering gemacht hast und wie du sogar extra den Hintergrund verändert hast, damit die Schrift authentisch wirkt. Meines Erachtens ist dir die Umsetzung wieder einmal perfekt gelungen.

    Was deine neu entdeckte (?) Liebe für die alte Schrift angeht: Ich kann sie sehr gut verstehen. In der letzten Woche habe ich auf der Arbeit eine alte Akte aufgeschlagen, in der ich noch Schriftstücke aus einer Zeit befanden, in der man eine schöne Schreibschrift mit Feder aufs Papier gebracht hat. Ich war auch gleich ein wenig verliebt in den Schreibstil. <3

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

    1. Liebe Tanja,

      danke dir, das bedeutet mir sehr viel <3 <3. Ich bin ja auch ein Mensch, der gerne ausprobiert, was mit einem Hobby alles möglich ist, der gern mit Materialien und Farben experimentiert, um zu sehen, was dabei herauskommt.

      Ich lettere zwar deutlich weniger als andere (zu viele andere Interessen wahrscheinlich :D), aber ich schätze eure Aktion sehr, denn damit bekomme ich ganz konkret eine Aufgabe, die mir den nötigen Schubs gibt, mich weiter mit Schrift und ihrer Gestaltung zu beschäftigen.

      Weil du die Akte erwähnst: Es gibt auf YouTube einige Videos, wo man zuschauen kann, wie jemand mit einer Feder in diesem "alten" Stil schreibt. Ich bin ja neugierig, wie ich mich da als Linkshänderin schlagen werde (wenn ich erst einmal eine passende Schreibfeder besitze), denn da gilt es wahrscheinlich doch, die Feder anders zu halten ...

      Ganz liebe Grüße zurück!
      Ascari

  2. Deine Rezension zu “Frankfurt verboten” ist mir noch gut im Gedächtnis.
    Und die Sütterlin-Schrift kenne ich auch noch. Nicht, dass ich sie in der Schule noch gelernt oder je selbst benutzt hätte, aber meine Oma hatte noch handschriftliche Notizen (hauptsächlich Erläuterungen auf Rückseiten von alten Fotos) und es gab auch tatsächlich in meiner Ausbildung noch ganz alte Gesetze, die in Sütterlin verfasst waren. Ich kann die Schrift lesen, aber nicht schreiben.
    Deinen Schriftzug hast Du wirklich toll ausgearbeitet. Als kleine Unterschiede habe ich die zusätzlichen Schleifen (beim t zum Beispiel) entdeckt und diese Veränderung hat das Ganze nochmal aufgepeppt.

    Den Maus-Schriftzug finde ich sehr schön schwungvoll, aber diese Schrift kann ich weniger gut entziffern. Also ein längerer Text in dieser Schrift wäre echt anstrengend für mich.

    LG Gabi

    1. Liebe Gabi,

      meine Oma hat zeit ihres Lebens eine Mischung aus Sütterlin und der lateinischen Schreibschrift geschrieben, das weiß ich jetzt. Früher wusste ich nicht einmal, was sie da für “komische” Buchstaben immer wieder benutzt hat …

      Meine Hochachtung dafür, dass du Sütterlin lesen kannst! Ich bin leider damit gar nicht mehr in Berührung gekommen, nur mit Fraktur. Fraktur ist im Vergleich aber deutlich einfacher, dort bereiten ja nur manche Großbuchstaben Probleme.

      Was ich sehr interessant finde, ist, dass sich Kurrent, Sütterlin und die Offenbacher eigentlich sehr ähnlich sind. Ich habe mir in der Zwischenzeit nämlich ein Buch besorgt, wo die Buchstaben alle abgebildet sind und das beim Lesen und Schreiben erlernen helfen soll :).

      Liebe Grüße
      Ascari

  3. Hey Ascari,
    deine Letterings sind wieder total passend zu den Büchern. Slütterin sieht ja echt schön aus! Ich war damals sehr fasziniert, als wir in Deutsch einen Text in der alten deutschen Schreibschrift gelesen haben, und ich das auch noch alles entziffern konnte! :’D Die alten Schriften sind echt sehr schön. Ich bewundere auch die um 19. herum und dass man die Briefe mit dem Federkiel und Tinte so präzise geschrieben hat. Ist zwar auch sehr schön, dass heutzutage jeder seine eigene individuelle Schrift hat, aber zur damaligen Zeit wäre ich echt gut aufgehoben gewesen 😀
    Maus hab ich noch aufm SUB und finde die Aufmachung total toll.
    lg, Tine =)

    1. Hey 🙂

      Wow, du konntest das entziffern? Sehr fein! Wir haben das leider gar nicht mehr gelernt, geschweige denn versucht, einen solchen Text zu lesen. Schade eigentlich, dass das heute so komplett aus unserer Welt verschwunden ist, dabei ist es gerade mal gut 100 Jahre her …

      Federhalter plus Feder möchte ich mir in absehbarer Zeit auch einmal zulegen, um damit mein Glück zu versuchen. Ich weiß zwar nicht, wie gut das für mich als “Linke” funktionieren wird, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt :D.

      “Maus” solltest du unbedingt lesen! Die Geschichte von Art Spiegelmans Vater hat mich auch nach dem Lesen noch lange nicht losgelassen …

      Liebe Grüße
      Ascari

  4. Huhu Ascari,

    mal abgesehen davon, dass mir deine Letterings schon so gut gefallen, ist das auch noch ein richtig schöner Beitrag über die Altdeutsche Schrift geworden. Meine Oma hat bei sich zu Hause einen Kalender liegen, der ausschließlich in der Altdeutschen Schrift verfasst wurde. Bereits als kleines Kind habe ich mir da immer gerne die Mühe gemacht, die Schrift zu entziffern. Mittlerweile gelingt mir das auch schon ganz gut. Schreiben kann ich so aber noch lange nicht.

    Umso mehr muss ich meinen Hut vor deinem Lettering ziehen. Auch finde ich deine Bearbeitung bei “Frankfurt verboten” total klasse. Mit dem dunklen Braun hat es nochmal einen eigenen Flair erhalten. Dass du beim Wort “Maus” die Farben des Covers aufgenommen hast, hat mich auch direkt angesprochen. Also wirklich: Wieder einmal super gelungene Letterings. <3

    Ganz liebe Grüße
    Leni =)

    1. Liebe Leni,

      wenn dir der Beitrag gefallen hat, dann guck doch morgen nochmal hier rein, denn da stelle ich ein zum Thema passendes Buch vor :).

      Und herzlichen Dank für deine lieben Komplimente, das motiviert jedes Mal sehr, mir wieder etwas Schönes für das nächste Thema auszudenken!! <3 <3

      Liebe Grüße
      Ascari

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