Leserunde Christina Dalcher – Vox

“Vox” hat meine Neugierde ja schon angestachelt, seit ich es das erste Mal im Mai oder Juni (So genau weiß ich es nicht mehr) zufällig in einer Vorschau entdeckt habe. Jetzt ist es endlich soweit, das Buch ist erschienen und wartet auf unsere Lesermeinungen!

Daher habe ich mich entschieden, eine weitere Leserunde zu diesem Buch hier auf meinem Blog ins Leben zu rufen. Teilnehmen kann jeder, der das Buch auf irgendeine Art und Weise konsumieren will. Sollte dem Hörbuch die Kapiteleinteilung fehlen, bitte bei mir melden, damit wir das klären können.

Christina Dalcher – Vox

Klappentext:
In einer Welt, in der Frauen nur hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, bricht eine das Gesetz. Das provozierende Überraschungsdebüt aus den USA, über das niemand schweigen wird!
Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.
Das ist der Anfang.
Schon bald kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmuts, ihrer Träume beraubt.
Aber das ist nicht das Ende.
Für Sonia und alle entmündigten Frauen will Jean sich ihre Stimme zurückerkämpfen.

Wie ich mir die Leserunde vorstelle

Das Buch hat insgesamt 80 Kapitel. Beim Vorableseexemplar gibt es außerdem einen Brief der Autorin bzw. ein Interview mit Christina Dalcher, die dem Buch vorangestellt sind. Da diese allerdings in der veröffentlichten Ausgabe nicht vorhanden sind, stelle ich sowohl Brief als auch Interview den eigentlichen Abschnitten optional als Prolog voran.

Es ist mir allerdings gelungen, dank der Unterstützung einer besonders engagierten Buchhändlerin in der Buchhandlung meines Vertrauens (mit der ich mich über diese fehlenden Teile unterhalten habe) ganz legal eine Kopie vom Verlag zu organisieren. Wenn ihr beides lesen wollt, klickt hier :).

Nachdem beim Hörbuch die Kapiteleinteilungen fehlen, gebe ich außerdem die ersten Sätze mit an, die den Beginn des Abschnitts markieren.

– Prolog: Brief der Autorin / Interview mit Christina Dalcher

– Abschnitt 1: Kapitel 1 bis 16

– Abschnitt 2: Kapitel 17 bis 33
“Steven steht als Erster auf und ist aus dem Haus, bevor Patrick und ich unsere morgendliche Routine beginnen.”

– Abschnitt 3: Kapitel 34 bis 50
“Sirenen wecken mich. Sie klingen wie schreiende Tiere in der Stille der Nacht.”

– Abschnitt 4: Kapitel 51 bis 67
“Lorenzos Idee ist riskant, aber unumgänglich.”

– Abschnitt 5: Kapitel 68 bis Ende
“Um fünf Uhr am Sonntagnachmittag, der ein heller, frühsommerlicher Abend voller Grillduft und Junikäfer sein sollte …”

Entsprechende Kommentare dazu sind unterhalb “angelegt”. Und natürlich könnt ihr zu jedem Abschnitt kann nach Lust und Laune kommentieren :).

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53 Gedanken zu „Leserunde Christina Dalcher – Vox

    1. Ich mache mal mit dem Prolog den Anfang :).

      Vor allem das Interview – auch wenn es nicht übermäßig lang ist – fand ich sehr interessant. Denn die Autorin hat da etwas angesprochen, dass ich mir anfangs auch gedacht habe: Ich hätte das Buch wahrscheinlich wirklich eher nur unter dem feministischen Aspekt gelesen. Aber im Grunde hat Christina Dalcher recht, dass damit noch viel mehr einhergeht: Der Verlust der Sprache geht viel tiefer, sorgt eigentlich auch für einen Verlust unserer Persönlichkeit … Jetzt bin ich erst recht gespannt, welche Geschichte mich da erwartet!

      1. Also, im Hörbuch gibt es das nicht. Deshalb kann ich nun leider nichts dazu sagen. Ich hab mal bei Amazon in der Kindleansicht geschaut, dachte, da könnte ich es sehen, aber auch hier gibt es keinen Prolog. Nach der Widmung kommt Kapitel 1, wie auch im HB.

        Ich beziehe mich nun auf das von dir oben Geschriebene. Und ja, das ganze hat viele Facetten. Nicht nur die Unterdrückung von Frauen und ihre Reduzierung auf Gehorsam, Unterwerfung, das Kinderkriegen und den Haushalt und alles, was damit zu tun hat. Die Sprache ist so wichtig. Ohne ausreichende Sprache verkommen z.B. auch Emotionen. Klar, kann man die auch durch Gestik ausdrücke, aber vieles geht dennoch verloren.

      2. Danke für die pdf-Datei!

        Das Interview ist wirklich interessant. Einerseits bin ich baff, als ich las, dass die Autorin in nur zwei Monaten den Roman geschrieben hat, andererseits habe ich was dazu gelernt, ich kannte Flash-Fiction gar nicht :-).

        Das mit der Unterdrückung ist klar, auch wenn es hier nur Frauen betrifft und man dadurch sofort an Feminismus denken muss, aber genau deswegen gibt es den ja überhaupt. Was die Sprache betrifft, da bin ich gespannt, was im Roman noch kommt und ob man diesen Verlust wirklich rauslesen kann.

        Danke für die Bereitstellung des Interviews!

        1. Ich habe das Internview nun auch gelesen und finde es sehr schade, dass es nicht in jedem Buch gedruckt wurde. Es ist sehr aufschlussreich.

          Zu dem zwei Monaten … hmm… ich hab das Hörbuch schon durch und ich muss sagen, hätte sie sich mehr Zeit gegeben, wäre es für meinen Geschmack nicht so oberflächlich geworden. Das Buch schöpft sein Potential keineswegs aus.

          1. Ich habe das auch mit der Buchhändlerin diskutiert, das Interview gab es anscheinend nur in den Vorableseexemplaren, nicht in der finalen Ausgabe. Wobei sie das auch schade gefunden hat. Wir waren da einer Meinung, dass das ja auch vielleicht normale Leser interessieren dürfte …

    1. Abschnitt 1 ist für mich ein Mix aus Rückblick und Gegenwart, wir lernen Jean und ihre Familie kennen. Und offensichtlich gibt es neben dem recht passiven Ehemann Patrick auch einen italienischen Geliebten namens Lorenzo, zu dem Jean allerdings keinen Kontakt mehr hat …

      Vieles hat mich hier an Big Brother (die allgegenwärtigen Kameras) und The Handmaid’s Tale erinnert (die religiös motivierten Fanatiker, die dem Rest der Gesellschaft ihre fragwürdige Philosophie aufgezwungen haben). Dass Sohn Steven Stück für Stück in dieses religiöse Denken hineinmanövriert wird, ist nachvollziehbar – und gleichzeitig irgendwie ziemlich gruselig. Trotzdem habe ich das Gefühl bekommen, dass sich Jean bis zu einem gewissen Maß mit ihrer Situation abgefunden hat … Bis eben dieses Angebot vom Präsidenten kommt. Bin mal gespannt, wie es weitergeht :).

    2. Den Einstieg finde ich nicht schlecht, Jeans Wut ist teilweise wirklich gut spürbar und vor allem nachvollziehbar. Patrick, ihren Mann, versuche ich noch einzuordnen. Den kann ich noch nicht greifen, denn anscheinend ist er nicht so der frauenfeindliche Typ, andererseits unterwirft er sich sogar in den eigenen vier Wänden dieser Vorgabe. Dabei denke ich vor allem an die Bücher, die für Frauen ja auch verboten sind. Aber zu Hause, so im Geheimen, könnte er ihr diese doch lassen. Wie gesagt: Patrick verstehe ich noch nicht ganz.
      Die Beziehung zu ihrem ältesten Sohn scheint sehr interessant zu werden, denn er lässt sich von dieser frauenfeindlichen Philosophie durch die Schule sehr vereinnahmen. Da gibt es sicherlich noch viel Konfliktstoff.

      Tja, was dieser Lorenzo da drinnen macht … keine Ahnung. Ein Bild der Sehnsucht zeichnen? Zeigen, dass Jean sich nicht immer an alles hält? Hmmm…

      1. Ich muss zugeben, das ist ein Aspekt, den ich nicht ganz verstanden habe: Sind Bücher und Lesen nun verboten oder nicht? Ich hatte das eigentlich so verstanden, dass sie nur deswegen weggeräumt bzw. weggesperrt werden, damit Sonia, das kleine Mädchen, nicht in Versuchung kommt, mehr als die erlaubten 100 Wörter zu sprechen …

        1. Das mit dem Lesen ist für mich auch ein ganz großes Fragezeichen. Denn unterwegs sind ja Reklame allgegenwärtig, im Geschäft liest Jean die Zutatenlisten, … nur zu Hause ein NoGo. Vielleicht liegst du richtig, aber auch da frage ich mich, warum Jean nicht abends alleine lesen darf, wenn Patrick doch nicht so der Hardcore-Fanatiker ist. *grübel*
          Beim Leseaspekt bleibe ich immer wieder hängen.

          1. Hier geht es wohl eher darum, dass man aufmüpfiger wird, je mehr Wissen man sich aneignet. Bedeutet im Umkehrschluss, je weniger man weiß, umso formbarer ist man und akzeptiert die gegenwärtige Situation.

            Bei Kindern in Sonias Alter muss der Wissensdurst irgendwie kontrolliert werden. Je mehr sie liest und erfährt umso mehr Fragen wird sie haben, die sie beantwortet bekommen möchte. Hier ist es eher eine Schutzmaßnahme.

          2. Ja, das ist mir schon klar, warum Bücher nicht gewünscht werden. Aber ich verstehe es trotzdem nicht, warum Patrick sich daran hält, wenn er eigentlich das Anti-Frauen-Gesetz nicht gut findet. So im Geheimen zumindest. Und auch Jean. Für mich ist das nicht nachvollziehbar.

    3. Dieser Teil ist sehr spannend für mich gewesen! Ich fühlte die Wut aufkommen, dass Frauen und Mädchen so unterdrückt wurden. Dieses Gefängnis, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Dazu verdonnert, dass meiste mit sich selbst ausmachen zu müssen, da man sich nichts von der Seele reden kann. Man kann nicht streiten, trösten, gemeinsam eine schöne familiäre Zeit verbringen… Einfach schrecklich.

      Patrick ist mir irgendwie nicht Fisch nicht Fleisch. Er kann sich wohl nicht ganz entscheiden, ob er sich dem System vollkommen unterwerfen will oder nicht. Er nervte mich etwas.

      Die Situation mit dem Teenager-Sohn hat mich am meisten getroffen. Selbst Mutter, übermannte mich dieses Gefühl der Ohnmacht. Nicht genug Worte zu haben, um dem eigenen Kind darzustellen, wie ungerecht das alles und wie schlecht die Führungsposition ist, und passiv zuschauen zu müssen, wie es benutzt und umgeformt wird und man dem nichts entgegnen kann ist kaum zu beschreiben. Es kommt tiefer Hass hoch.

      (Ascari, es ist total anstrengend, zu jedem Kommentar immer wieder seinen Namen, die Mail und die Webseite eintragen zu müssen… Nur mal so zur Info! :-P)

      1. Für mich ist Patrick auch nur schwer greifbar, auch wenn ich jetzt schon ein Stück weiter bin und er anscheinend etwas mehr Profil bekommt …

        Ich hab das jetzt Cookie fürs Kommentieren jetzt wieder aktiviert, danke für den Hinweis, Monerl! 🙂

    4. Ich fand den Einstieg auch ganz gut, und bin immer froh, dass wir nicht in dieser Gesellschaft leben. Ich sehe einen amerikanischen Präsidenten, der trotz sexueller Übergriffe gewählt wurde und auch wenn das Szenario aus Vox so meiner Meinung nach unrealistisch ist, arbeitet die amerikanische Politik an einer Rückkehr zu “alten Werten”. Wenn auch nicht so krass. Aber Pro Familie, gegen Diversity. Gegen Abtreibungen (ja, die Meinungen gibt es bei uns genauso).

      In bestimmten Situationen weiß ich nicht, wovon die überhaupt reden und wird dies dann erst nachträglich erklärt (Jeans Forschungen). Auch ansonsten ist sind einige Lücken die es noch zu füllen gilt (wie ist das Ganze entstanden, mir reicht da die Aussage “der Fanatismus hat sich ausgebreitet” nicht).

      Viele Grüße,

      Jemima

      1. Der Bezug zu Trump ist meiner Meinung nach durchaus gegeben, es taucht ja dann auch mal der Spruch “Make America moral again” auf … Da hat die Autorin einige Seitenhiebe eingebaut.

        Ob es noch mehr Tiefe in Bezug auf die Ausweitung des Bible Belts gibt – gute Frage. Kann ich mir aber nicht vorstellen, dass da noch was kommt … Irgendwie bleibt schon vieles an der Oberfläche, wo ich noch gerne mehr wissen möchte.

    5. So, ich bin nun endlich auch mit dem Hörbuch durch und wollte schon lange an dieser Diskussion, Leserunde teilnehmen. Erst einmal vielen Dank für die Mühe und Bereitstellung auf dem Blog. Ich war sehr gespannt und neugierig auf die Geschichte, versprach doch der Klappentext ein spannendes und auch aktuelles Thema. Meinungsfreiheit, Redefreiheit, Gleichberechtigung, Politik, einiges mehr. Der Einstieg hielt das Versprochene auch recht gut und so war ich eine ganze Weile gefesselt, konnte mitfühlen, war verärgert und die Autorin hat es geschafft, diese Emotionen auf den Leser zu transportieren. Einige Verbote wurden beschrieben, aber in der Geschichte nicht immer gut erklärt oder sie haben sich widersprochen.

    1. Okay, dass Jean sich entscheidet, an dem Projekt teilzunehmen, war doch irgendwie absehbar … Auch wenn sie zu ihrem “Glück” erst durch die neuen, verschärften Wortzähler gezwungen werden muss … Immerhin gelingt es ihr, eine Verbesserung für ihre Tochter herauszuhandeln, was ich als einen ersten erfolgreichen Widerstand werte.

      Lorenzo lernen wir jetzt das erste Mal persönlich kennen, da er wieder mit ihr an dem Projekt arbeiten soll. Dank weiterer Rückblicke bekomme ich langsam ein Gefühl dafür, wofür seine Figur stehen könnte: Patrick ist der Gegenpol für Jeans altes Ich, Lorenzo der für das neue, das bereits innerhalb der letzten zwei Jahre am Entstehen war.

      Übrigens: Die Lager / Gefängnisse erinnern mich von ihrer Art her schon sehr an KZs … Wer nicht in das christlich-fundamentalistische Weltbild passt, wird einfach dort zur Arbeit gezwungen und “umerzogen”. Diktatur in “Rein”kultur – im wahrsten Sinn des Wortes :((. Überhaupt könnte ich gefühlt in jedem zweiten Kapitel aus der Haut fahren wegen dem, was sich Jean alles gefallen lassen muss, nur weil sie das falsche Geschlecht hat?

      1. Diese “Verbesserung” für Sonia finde ich gut geschrieben, denn klar, die Kleine kennt ihr Leben nicht anders und der Mensch ist ein Gewohnheitstier, dass sie nun ohne ihren Wettbewerb nicht glücklich ist. Spannender wird es wohl, wenn sie den Wortzähler wieder raufgeklatscht wird. Denn dann ist es erst spürbar, dass man Freiheit verloren hat.

        Mit Lorenzo könntest du Recht haben. Ich kann ihn noch nicht einordnen, vielleicht gibt er Jean den Schubs zum Widerstand?

        Alleine das Wort Lager mit Bezug auf Menschen erinnern mich an KZs. Jedes Mal ein Schaudern beim Lesen des Wortes.

        Viel Spaß dir beim Weiterlesen!

    2. Also ich muss ja zugeben, dass das Buch eine Sogwirkung hat. Mich zieht es rein und auch die Wut überträgt sich beim Lesen spürbar. Und Rachegefühle (niedere Instinkte werden geweckt :-)) kommen bei mir auf. Vom Lesen her gefällt es mir wirklich gut, weil ich emotional beteiligt bin.

      Was ich mich frage: Wenn diese Wortzähler Stromstöße abgeben, könnte man sich dabei nicht an einen Mann krallen und ihn somit mitleiden lassen? Das wäre ja ein schmerzhafter Widerstand… hmmm.

      Okay, zurück zum Inhalt. Am Interessantesten finde ich die Mutter-Sohn-Beziehung zu Steven. Der scheint ja ein Fanatiker zu werden und das bietet viel Konfliktstoff. Ob er seine eigene Mutter opfern würde? Fanatiker machen das. Auf diesen Faden bin ich am neugierigsten, der spitzt sich drastisch zu.

      Dass ausgerechnet Jean den Vertrag nicht gelesen hat, hat mich gestört. Eine Frau der Sprache, eine Frau mit Misstrauen … und dann liest sie den Vertrag nicht. Das ist für mich nicht glaubwürdig, auch wenn man sagt, die machen eh, was sie wollen. Noch wäre für sie Handelsspielraum da gewesen. Klar, dass dieser Vertrag dann Tücken hat. Das ist also keine Überraschung, sondern konnte erwartet werden.

      Dann mal weiter.

    3. Mich wunderete es eigentlich, dass Jean für ihre Tochter durchsetzten wollte, dass dieser Zähler abgenommen wird. Dass das der erste Gedanke ist, kann ich absolut nachvollziehen. Aber, ein Kind in diesem Alter für eine (ungewisse) kurze Zeit die Grenze überschreiten und sich daran gewöhnen zu lassen, finde ich dann doch irgendwie unverantwortlich. Was ist, wenn sie es wieder zurücknehmen muss. Davon muss Jean erstmal ja ausgehen. Wie macht man einer 6-jährigen klar, dass es nun mit dem vielen Reden vorbei ist? Es ist dann viel schlimmer, sich wieder an die 100 Wörter halten zu müssen, als die Freiheit gehabt zu haben, diese für eine kurze Zeit vergessen zu können, oder?

      Das mit diesem Vertrag hab ich gar nicht mehr im Kopf! hihi
      Müsste ich nochmals nachhören. Leider ist das sehr schwer zu finden. Ich muss mal hin und her springen…

      1. Das frage ich mich auch! Was, wenn Sonia diesen Wortzähler wieder rauf bekommt? Ich stelle mir das bei einem Kind schrecklich vor. Man schenkt ihr ein paar Wochen Redefreiheit und dann …???
        Finde das von Jean unbedacht und nicht schlau.

        1. Ganz ehrlich? Auch wenn Jean offensichtlich eine fähige Wissenschaftlerin ist, im zwischenmenschlichen Bereich kommt sie mir nicht unbedingt besonders intelligent vor … Dass sie ihrem Kind den Zähler abnehmen lässt, kann ich aber trotzdem irgendwie nachvollziehen, sie will wohl einfach nicht, dass ihre Tochter sprachlich komplett verkümmert. Dann besser ein paar Wochen reden dürfen als gar nicht.

          1. Leider wurde Jean nicht ausdreichend charakterisiert. Obwohl die Protagonistin, ist ihr handeln oftmals nicht nachvollziehbar..
            Natürlich will sie nicht, dass die Sprache ihrer Tochter nicht verkümmert. Aber klar ist ja auch, dass in einer so kurzen Zeit Jahre nicht aufgeholt werden können. Und später wäre sie nicht in der Lage ihr Kind gegen die Bestrafung, die sich von Übertretung zu Übertretung steigert, zu schützen. So weit sollte sie schon denken können, finde ich.

          2. >> Obwohl die Protagonistin, ist ihr handeln oftmals nicht nachvollziehbar.. << Das unterschreibe ich! Mal kommt sie mir intelligent vor, mal wieder wie die dümmste Person auf Erden ...

    4. Ich bin natürlich neugierig wie es mit der beschriebenen Situation in der Familie weitergeht und fand den Einstieg bisher recht gut. Leider wird vieles nur angerissen und nicht ausgeführt, in diesen Kapiteln kam ich zum ersten Mal ins Grübeln, ob mir die Story und deren Verlauf gefällt, hatte ich doch so ein ähnliches Prozedere oder ein sogar besseres wie in Margaret Atwoods Dystopie “Der Report der Magd” erwartet. Stattdessen schlägt der Schreibstil der Autorin, für meinen Geschmack, einen etwas zu sehr sachlichen Ton an, trotz aller Verbote und Strafen, Erpressungen und schlimmen Geschehen, ergreift es mich nicht mehr so. Die Ehe und Konversation zwischen Jean und Patrick ist schwammig dargestellt und der Konflikt, die Unterschiede bei den Kindern, wie sie reagieren, die Behandlung, Entwicklung der Söhne, Tochter wurde sehr schnell erzählt, galt als erklärt, abgehakt. Stattdessen gibt es einen Schwenk in Richtung Forschung, Wissenschaft und mit Lorenzo taucht ein Mann auf, dessen Rolle und Figur ich noch nicht einordnen kann. Als Wissenschaftlerin hätte ich Jean in ihrem Verhalten und mit den Verträgen, der Naivität nicht gesehen, aber vielleicht handelt man in dieser Situation irrational.

    1. Irgendwie überschlagen sich jetzt die Ereignisse, kommt mir vor … Erst wird Julia King, die Nachbarstochter, wegen vorehelichem Sex abgeholt und als Sünderin vorgeführt, dann versucht deren Mutter, die eigentlich als sehr gläubig gegolten hat, sich deswegen umzubringen.

      Gleichzeitig erfährt Jean, dass doch nicht alle Menschen mit dem System einverstanden sind, in dem sie nun leben müssen. Offensichtlich gibt es einen Widerstand, denn auch PoC müssen fürchten, interniert zu werden … Gleiches wird wohl auch Jean blühen, wenn herauskommt, dass sie ausgerechnet von ihrem Liebhaber schwanger ist (Das war definitiv nicht die schlauste Idee von ihr). Wie wird sie das wohl Patrick beibringen? Auf Dauer kann sie es schließlich nicht verheimlichen.

      Jeans Familie scheint dem System allerdings doch nicht ganz so ergeben zu sein, Steven macht sich auf die Suche nach Julia, während Patrick anscheinend im Geheimen seine Position im weißen Haus ausnutzt, um Informationen an den Widerstand weiterzugeben. Ich bin gespannt, ob und wie Jean ihren Mann damit konfrontieren wird.

      Jetzt fällt das Wort außerdem ganz offen: “Konzentrationslager für Homosexuelle” … Und wie das schon klingt … Und offensichtlich plant die Regierung ja noch etwas viel Scheußlicheres?

    2. Das mit Julia, Olivia und Steven hat mir gut gefallen. Ein Wendepunkt. Allerdings finde ich, gerade die Situation für Steven wurde nicht auf die Spitze getrieben, da wäre mehr drin gewesen. Denn er ist ja biegsam, ging Richtung Fanatismus und muss nun mit den Folgen seiner Handlung leben. Das ist mir zu schnell und zu oberflächlich abgelaufen.

      Und ja, Olivia … ist ihr gerade klar geworden, welchem Glauben sie da gefolgt ist? Auch da wäre mehr drin gewesen. Schade.

      1. Den Eindruck hatte ich auch, dass das zumindest Steven die Augen geöffnet hat. Es kam für mich ja aus der Geschichte heraus, dass er Julia angezeigt hat und nun ein schlechtes Gewissen hat, weil er das Mädchen offensichtlich wirklich gern hat, wenn nicht sogar liebt (So ganz eindeutig war das für mich nicht).

        Offtopic: Dass vieles so angerissen wird, erinnert mich übrigens auch sehr an den “Report der Magd”. Deswegen gefällt mir im direkten Vergleich sogar die Serie besser als das Buch, weil da den Nebenfiguren mehr Raum gegeben wird …

        1. So jemand wie Steven braucht starke Motivation, um etwas zu machen oder auch nicht.
          Das ist mir auch viel zu oberflächlich behandelt worden. Er glaubt ja an die ganze Sache. Um darin erschüttert zu werden, bedarf es etwas, das ihn schmerzt und damit aufrüttelt. Das könnte ja nun wirklich nur noch Liebe zu dem Mädchen sein. Einerseits hat er sie verraten, weil er das einfach tun musste. So sind die Gesetze des Systems, das nicht hinterfragt werden darf, da es richtig ist. Andererseits macht er sich dann auf die Suche nach ihr. Da wäre viel, viel mehr drin gewesen!

          1. Ich stelle jetzt mal die Vermutung in den Raum, dass die Autorin ihre “Flash Fiction” einfach mal eben in der Wortanzahl ausgeweitet hat … Logisch, dass ich bei einer Kurzgeschichte nicht die Zeit habe, bei bestimmten Dingen in die Tiefe zu gehen, aber bei einem Roman? Gut, es ist ein Debüt, aber wozu gibt es ein Lektorat …

    1. Hmm, wo fange ich jetzt an, hier passiert ganz schön viel … Jean und Lorenzo stellen fest, dass es die Regierung mit ihrer Schweinerei offensichtlich ziemlich eilig hat. Was mir allerdings nicht ganz klar ist, warum sie Jean dann auf einmal erpressen wollen, an dem Projekt weiterzuarbeiten.

      Ich könnte mir nämlich gut vorstellen, dass die Reinen längst Bescheid wissen, was Jeans eheliche Treue angeht (wenn ihre Teamkollegin sofort beim Knutschen mit einer Freundin erwischt wird, kommt mir das doch recht spanisch vor).

      Patrick scheint übrigens doch schlauer zu sein als angenommen, offensichtlich war ihm bereits klar, dass Lorenzo Jean nicht ganz gleichgültig ist. Mit der Entscheidung, dass sie mit Lorenzo gehen und Sonia mitnehmen soll, hat er auf jeden Fall bei mir Pluspunkte gesammelt.

      Jean dagegen verschweigt ihm die Schwangerschaft weiterhin und hat auch nichts besseres zu tun, als ein weiteres Mal sich mit Lorenzo zu treffen und mit ihm zu schlafen … Naja. Aber gut, ich hab ja eh schon gesagt, dass ich sie in dieser Hinsicht nicht für die hellste Kerze auf der Torte halte.

      Steven wird gefasst und als “verlorenes Schaf” vorgeführt. Hmm. Ob Jean unter diesen Umständen den gefassten Plan gegen das System durchführen wird? Bisher habe ich ja nicht den Eindruck, als ob Lorenzo und sie wirklich wüssten, was sie da tun …

    2. Also dieser Abschnitt lässt mich eher unzufrieden zurück.

      Zum einen finde ich die Affäre überflüssig. Denkt man sich diese weg, würde die Zerrüttung der Ehe und die Machtverschiebung in dieser vielleicht mehr an die Oberfläche kommen.
      Ohne Lorenzo wäre vielleicht Jean auch aktiver, so bin ich bei ihr als Figur hin- und hergerissen. So überzeugend ist Jean nämlich nicht, dass sie sich nun doch gegen das System stellt, zumal sie selbst ja hin- und hergerissen ist.
      Bei Patrick das gleiche. Hin- und hergerissen, nicht Fisch, nicht Fleisch. Das macht mich als Leser nicht gerade zufrieden.

      1. Ich finde, gerade in diesem Abschnitt merkt man, dass sich die Autorin viel zu wenig Zeit beim Schreiben gelassen hat. Alles geht viel zu schnell und die Hintergründe sind gar nicht greifbar. Es entwickelt sich halt etwas, das sogar große Bedeutung hat, aber der Leser wird nicht mitgenommen. Hier wird es hastig und die Figuren handeln, weil sie es eben müssen.

        Wieso konnte sich Patrick seiner Frau nicht anvertrauen? Er kennt doch ihre Meinung zum System. Sie hätte seine Verbündete sein können. Doch zu Beginn mahnt er mehr als dass er versteht und nun ist er verständnisvoll? Ich rechne ihm das natürlich auch hoch an aber dieses Aufopfernde passt irgenwie nicht. Da fehlen viele Schritte dazwischen.

        1. Mit Patrick triffst du es wundervoll auf den wunden Punkt. Der ist ein gutes Beispiel dafür, warum ich mit der Charakterisierung absolut unzufrieden bin und die Figuren als Marionetten sehe. Mir ging es wie dir. Ich verstehe genau die Punkte nicht, die du angesprochen hast. Das ist sooo unglaubwürdig. Du hast das treffend zusammengefasst!

          1. Ich glaube, die Affäre (und die Schwangerschaft) wurde nur eingefügt, um Jean dazu zu bringen zu handeln … Damit sie, obwohl anfangs fügsam, sich gegen das System stellt. Trotzdem hätte man das sicher auch anders lösen können, beispielsweise indem sie von Patrick schwanger wird, sie es ihm sagt und er sie dann einweiht, was er tut bzw. was er vorhat und sie ihm dabei hilft …

    1. Das Ende geht – in meinem Augen – mal gar nicht. Das ist wie: schnell mal Action einstreuen und dann schnell mal die Story beenden.

      Die Figuren sind plötzlich – gefühlt – alle Widerstandskämpfer, das hätte man aber irgendwie vorher anlegen müssen, finde ich. Und dann kommt – ACHTUNG MEGA SPOILER – Olivia von den Toten zurück. Oder ist dieser Mega-Fanatiker-Evan-Haushalt auch eine Widerstandsbewegung gewesen, nur das gar niemand was mitbekommen hat? Ich bin ziemlich ratlos. So etwas darf nicht passieren, zumal ja eh eine überschaubare Figurenzahl vorhanden ist.

      Ingesamt muss ich sagen, das besonders die zweite Buchhälfte mir überhaupt nicht mehr zugesagt hat. Anfangs, ja, da ist die Geschichte wirklich gut zu lesen, macht wütend, gärt Rachegelüste, schürt Ängste, usw. aber dann kommen sie, diese Widersprüche, diese Figuren, die nicht einzuordnen sind, die sich irgendwie motivationslos von passiv zu aktiv zu passiv und wieder rum ändern. Denen kaufe ich irgendwie nichts ab, die agieren immer so, wie der momentane Handlungsstrang es verlangt, irgendwie wirken die Figuren auf mich, als wären sie nicht angelegt, sondern so Marionetten, an denen man ziehen kann, wie man will.

      Von daher: nur ein knapp mittelmäßiges Buch für mich, mit vielen offenen Fragen und Widersprüchen, die nicht sein dürften, und Figuren, denen ich ihre Haltung nicht abkaufe. Also eher eine unbefriedigende Lektüre für mich.

      1. Jep, ich stimme dir in deinem Fazit absolut zu! Ich war nach dem Lesen total enttäuscht! Wie kann man ein Buch mit so einem Thema am Ende so verhunzen? Ein happy End passt überhaupt nicht, weil es gar nicht nachvollziehbar ist. Dieses Buch hätte ein böses Ende mit einer leisen Hoffnung verdient. Dann wäre es realitätsnah geblieben. Schau doch mal, wie viele schon den Trump absetzten wollen und sie schaffen es nicht. In dieser Form hätte ich mir ein Ende hier auch vorstellen können. So nach dem Motto: der Widerstand ist gefestigter, hat Erfolge zu verbuchen aber auch Rückschläge, die schwer wiegen. Doch es gibt Hoffnung in naher Zukunft.

        Das erste Drittel war super und dann ging es für mich bergab. Der Thematik und der Idee wegen schafft das Buch 3 Sterne. Die Umsetzung ist grottig, viel zu hastig. So, so schade!

        1. Ich bin gestern jetzt auch fertig geworden. Und obwohl ich das positive Ende jetzt nicht so schlimm wie Monerl empfinde, kommt es mir total überhastet vor … Als ob die Autorin eine Deadline gehabt hätte und auf Teufel komm raus hätte einhalten müssen …

          Da blieb noch soooo vieles ungesagt, so vieles, wo ich noch gern mehr erfahren hätte! Offensichtlich sind zwei Monate zum Schreiben eines Buchs nun doch nicht das Wahre … *grübel*

          @Schurkenblog: Beim Spoiler meintest du Jackie und nicht Olivia, oder?

          1. @Ascari: Nein, ich meine Olivia. Die Nachbarin, Familie Evans, die fanatische Familie mit dem Selbstmord. Mama von Stevens Ex-Freundin :-). Die tauchte auf einmal wieder bei der Beerdigung auf, obwohl sie ja mit der Bahre weggebracht wurde, nachdem sie sich selbst mit dem Wortzähler “gebrutzelt” hat.

          2. Autsch, das ist mir völlig entgangen … Aber ich vermute, das hängt wohl damit zusammen, dass ich ab einem gewissen Punkt die Geschichte irgendwie nicht mehr so richtig wahrnehmen wollte :-/.

    1. Vielen Dank! Hast du es auch irgendwo rezensiert? Ich kann mich jetzt gerade nicht erinnern, ob ich eine Ankündigung dafür von dir gelesen habe …

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