Leserunde Ursula Poznanski – Erebos

Ich glaube, es war DIE Schlagzeile für Fans im April, als Ursula Poznanski damit herausgerückt ist, dass es kein Scherz war, dass es zu “Erebos” dieses Jahr eine Fortsetzung geben würde. Das Buch, mit dem die Autorin ja quasi über Nacht zu einer der beliebtesten Jugendbuchautorinnen geworden ist (kann man glaube ich mit gutem Gewissen behaupten). Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass es auch viele Erwachsene wie mich gibt, die ihre Jugendbücher lieben.

Erebos Leserunde Einladung

Aus diesem Grund haben wir – Mel von Bookrecession, Petrissa von Hundertmorgenwald und ich – uns entschlossen, Teil 1 noch einmal zu lesen, ehe es im August dann gemeinsam zu Teil 2 geht. Wer Teil 1 noch nicht kennt, ist selbstverständlich herzlich eingeladen mitzulesen!

Leseeindrücke teilen wir online unter dem Hashtag #ErebosLR. Bei Petrissa findet ihr einen entsprechenden Blogeintrag mit Kommentarabschnitten, wenn ihr dort eure Meinung sagen wollt. Ich für meinen Teil werde diesen Beitrag nun dazu nutzen, um meine ganz persönlichen Eindrücke zu notieren. Auch in gewisser Weise für mich etwas Neues, da ich ja bisher meistens als die “Gastgeberin” der Leserunden aufgetreten bin …

Ursula Poznanski – Erebos

Klappentext:
Erebos Cover Limited EditionTritt ein oder kehr um! Dies ist Erebos.
Nick ist besessen von Erebos, einem Computerspiel, das an seiner Schule von Hand zu Hand weitergereicht wird. Die Regeln sind äußerst streng: Jeder hat nur eine Chance, Erebos zu spielen. Er muss dabei immer allein sein und darf mit niemandem über Erebos reden. Wer dagegen verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann das Spiel nicht mehr starten.

Was aber am merkwürdigsten ist: Erebos erteilt Aufträge, die in der realen Welt ausgeführt werden müssen. Und dann befiehlt das Spiel Nick, einen Menschen umzubringen.

Seit dem Erscheinen von Ursula Poznanskis abgründigem Thriller Erebos wissen nicht nur Gamer, was ein MMORPG ist, und warum Online-Rollenspiele so faszinieren. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und mittlerweile zum modernen Klassiker avanciert, hat Erebos nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

Meine Updates

Weiterlesen auf eigene Gefahr, da es durchaus zu Spoilern kommen kann! Wer das Buch also nicht kennt …

– Abschnitt 1: Kapitel 1 bis 6

Mein lieber Scholli, ich bin jetzt schon wieder begeistert. Weil mir schon wieder Dinge auffallen, die ich früher nicht wahrgenommen habe. Wie geschickt die Autorin es beispielsweise versteht, den Leser zusammen mit Nick in die Spielwelt zu locken.

Der Schreib- und Stilwechsel zwischen der realen Welt und der Spielwelt beispielsweise ist mir so noch nie bewusst gewesen, aber jetzt habe ich ihn bemerkt. Denn die reale Welt spielt sich im Präteritum ab, während man mit Nick, pardon, Sarius in der Spielwelt im Präsens unterwegs ist … Und während anfangs noch eine gewisse Distanz zu bemerken ist, merkt man spätestens nach dem ersten Ritus, dass Nick ganz in seiner neuen Rolle in der Spielwelt aufgeht, weil man mit ihm dann auf einmal IN dieser Welt drin ist.

Und wer ist dieser Mann mit Hut, der Sarius die ersten Hinweise gibt, worauf er im Spiel zu achten hat? Fragen über Fragen!

– Abschnitt 2: Kapitel 7 bis 11

Nick hat jetzt seinen ersten Auftrag in der realen Welt hinter sich. Und es ist erstaunlich, wie viel das Spiel über ihn weiß. Dinge, die es eigentlich nicht wissen darf. Einen Teil kann ich mir mit meinem IT-Wissen zusammenreimen (vor allem als Nick selbst etwas über das Spiel im Internet recherchiert und ihm das Spiel dafür auf die Finger klopft), ein anderer Teil muss aber durch die anderen Spieler an das Spiel weitergegeben worden sein.

Mein Highlight in diesem Abschnitt sind allerdings die Arena-Kämpfe! So erstaunlich realistisch, wie die Autorin diese schildert, hat man erneut das Gefühl, Sarius zu sein und mit ihm zusammen die anderen zu bekämpfen. Umso genialer die abrupte Unterbrechung durch die Realität, als Nicks Vater kommt und Nick fragt, ob er die Eltern ins Kino begleiten will.

– Abschnitt 3: Kapitel 12 bis 17

Mein lieber Scholli, mittlerweile ist Nick wirklich hochgradig süchtig nach dem Spiel. Denn jeder normale Mensch würde sich hier nur noch an den Kopf greifen bei dem, was mittlerweile abseits der Spielwelt vor sich geht.

Es ist einfach absurd, dass man als Spieler permanent am Bildschirm kleben muss, um nicht aus dem Spiel zu kleben. Das ist wohl die ultimativste Form von Manipulation, die einem überhaupt geboten wird. Aber dass es funktioniert, beweist ja auch die “Fear of missing out”, die Angst, etwas in den sozialen Medien zu verpassen, wenn man nicht regelmäßig seine Netzwerke checkt.

Die Szene am Friedhof kann man außerdem nur als Drohung verstehen, denn das Spiel zeigt Nick unmissverständlich, was passiert, wenn Nick zu sehr aus der Reihe tanzt. Gestorben wegen Neugier, Geschwätzigkeit, Verrat – die Liste lässt sich bestimmt noch eine Weile fortsetzen. Wer noch seine Sinne bei sich hat, würde wohl freiwillig aussteigen, aber das gelingt ja auch Nicks Mitschülern mittlerweile nicht mehr wirklich …

– Abschnitt 4: Kapitel 18 bis 23

Tja, so musste es ja kommen: Nick versucht, sich bei einem mehr als merkwürdigen Auftrag des Boten durchzumogeln und nur vorzutäuschen, dass er seinem Englisch-Lehrer dubiose Pillen in den Tee gegeben hat. Auch wenn das Spiel einmal mehr schlauer ist als er und ihn dafür bestraft, indem es ihn hinauswirft, kann ich nur sagen: Gott sei Dank!

Es bleibt aber auch so unheimlich, denn Nick muss miterleben, wie sein Freund Jamie einen Unfall mit seinem Fahrrad hat, kurz nachdem er und Nick sich gestritten haben. Hier hatte ich erstmals das Gefühl, dass Nick endgültig “geheilt” ist, obwohl er dem Spiel noch immer ein wenig hinterher trauert.

Ein Gutes hat das Ganze allerdings auch, denn Nick bekommt endlich mehr Kontakt zu Emily, die sich von Nick helfen lässt, selbst in das Spiel einzusteigen. Im Gegensatz zu Nick wirkt sie aber alles andere als angefixt, will offensichtlich endlich selbst herausfinden, was es mit den Gefahren des Spiels auf sich hat …

– Abschnitt 5: Kapitel 24 bis 28

Emily stellt Nick Victor vor, einem früheren Freund ihres toten Bruders, der offensichtlich selbst ein kleines Computergenie ist. Nick agiert nun wie die Verstärkung aus dem Hintergrund und kommt dabei Emily näher. Victor enthüllt ihnen dabei auch, dass der Entwickler von Erebos offensichtlich eine Vorliebe für griechische Mythologie hatte – ob ihnen das bei der Lösung des Rätsels um Ortolan helfen wird?

Gleichzeitig kommt heraus, wer für den Unfall von Jamie verantwortlich ist. Wusste ich es doch gleich, dass das kein Zufall war! Nick muss sich auf jeden Fall vorsehen, denn auch bei ihm landet ein Zettel mit einer Drohung.

Interessant finde ich hier aber auch, dass Victor, Emily und Victors Freund Speedy, der mittlerweile auch angeworben wurde, bislang unbehelligt spielen können. Bei der fast allmächtigen und allsehenden KI des Spiels verwundert das doch etwas …

– Abschnitt 6: Kapitel 29 bis Ende

Man könnte ja eigentlich meinen, ich würde gerade für das Finale länger brauchen, wo es doch ein Reread für mich ist. Aber nicht doch, nix da, ich hab mich wieder dabei ertappt, unbewusst das Lesetempo anzuziehen. Und das tue ich normalerweise nur bei Büchern, die mich so richtig bei der Stange halten können.

Trotzdem sehe ich hier am Ende für mich einen kleinen Wermutstropfen, denn ich fand das Ende schon früher nicht zu 100% schlüssig. Ein Spiel, das so schlau ist, das alles weiß, merkt nicht, dass es von Nick und seinen Freunden nun aufs Kreuz gelegt wird? Ich weiß nicht, ich hätte mir da irgendwie mehr erwartet, aber gut bei einem Buch, das insgesamt fast 500 Seiten hat, war es vielleicht auch notwendig, zügiger zu einem Ende zu kommen?

Auf jeden Fall sehe ich hier Potenzial, an das Ende anzuknüpfen, denn einiges bleibt doch offen. Und natürlich bin ich nun gespannt, ob Ursula Poznanski an genau diese offenen Fragen anknüpfen wird oder nicht.

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