Rezension Jo Machedanz – Fleischmaler

machedanz-fleischmalerWenn man es genau nimmt, ist das erste Mal, dass ich auf dieses Buch aufmerksam wurde, einer Rezension zu verdanken, die Gabi vom Laberladen veröffentlicht hat.

Der Titel lässt zwar darauf schließen, dass es hier um eine recht blutige Geschichte geht, aber dem ist nicht so. Wer oder was der “Fleischmaler” ist, wird im Buch nämlich erklärt – und es hat absolut nichts mit dem zu tun, woran man beim ersten Lesen denkt.

Zum Inhalt:

In Berlin passiert ein Mord, das Opfer ist dem Ermittlerteam rund um Hauptkommissar Jürgen Grossmann zunächst unbekannt. Gleichzeitig gibt die gehörlose Kira Timm, genannt Kiki, eine Vermisstenanzeige bezüglich ihrer Freundin und WG-Mitbewohnerin Lena auf. In einem ziemlich heruntergekommenen Haus lebt außerdem der Aussteiger Paul, der sich mit einem Thriller einen Namen machen will. Und nicht zuletzt reist der amerikanische Privatdetektiv Adam Peppercorn im Auftrag eines zwielichtigen Mannes nach Berlin, um Akt-Gemälde aus der Nazi-Zeit aufzuspüren und zu erwerben.

Meine Meinung:

Vier unterschiedliche Menschen, vier unterschiedliche Leben und vier unterschiedliche Erzählebenen, die auf den ersten Blick kaum bis gar nichts miteinander zu tun haben. Dass dem nicht so ist, wird schon bald klar, als Kiki – von der Polizei ignoriert – beginnt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Als begnadete Sprayerin macht sie nämlich auf ihre Art und Weise auf die vermisste Lena aufmerksam.

Dies setzt gleich mehrere Dinge in Gang, Dinge, die einem als Leser nicht gleich klar werden. Überhaupt ist “Fleischmaler” kein Buch, durch das man mal so eben durchrauschen kann. Die verschiedenen Personen werden nach und nach vorgestellt und es braucht etwas Zeit, bis man sich hier reingefunden hat, wer wer ist und wer welche Ziele verfolgt.

Den Einstieg in das Buch fand ich entsprechend ein klein wenig holprig, aber gerade die Ermittlungen von Adam Peppercorn hatten es mir von Anfang an angetan. Denn die Kunstszene der Nazi-Zeit ist nicht unbedingt etwas, womit ich mich bisher sehr ausführlich beschäftigt habe. Der Autor schafft es aber gekonnt, dass ich mich zu keiner Zeit von den Informationen zu diesem doch recht komplexen Thema überfahren gefühlt habe. Ganz im Gegenteil, denn nach dem Ende des Buchs war ich neugierig genug, ein wenig eigene Recherchen anzustellen.

Nach und nach hat mich die Geschichte daher immer mehr hineingezogen und ich habe gemerkt, dass es mir schwer gefallen ist, das Buch zur Seite zu legen. Ich wollte einfach wissen, wohin das Ganze führen würde, denn bei der ersten Leiche bleibt es nicht. Was ist so geheim, dass jemand wortwörtlich über Leichen geht, um zu verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt?

Gut finde ich in diesem Zusammenhang auch, wie die unterschiedlichen Handlungsebenen einander berühren bzw. ineinander aufgehen. Das ist alles sehr geschickt gemacht, auch wenn ich aus Spoiler-Gründen jetzt nicht näher darauf eingehen werde. In Verbindung mit den ungewöhnlichen Figuren hat es aber durchaus Spaß gemacht, dieser etwas komplexeren Geschichte zu folgen.

Ein wenig Kritik muss ich aber auch loswerden: Viele Nebenfiguren bekommen Namen, obwohl das für den Fortgang der Geschichte nicht notwendig ist, beispielsweise eine Kellnerin oder eine Zeugin, die die Polizei verhört. Das ist schön und gut, trägt aber nicht viel bei zum Verständnis. Gerade am Anfang, wo ich mich erst einmal in die Geschichte hineinfinden musste, verwirrte mich das ehrlich gestanden ein wenig.

Darüber hinaus verrät der Original-Klappentext für meinen Geschmack fast zu viel. Deswegen habe ich versucht, für diese Rezension eine eigene Inhaltsangabe zu schreiben, die weniger Informationen preisgibt. Mag sein, dass das für manche nicht störend ist, ich gehöre allerdings zu der Gruppe Leser, die nicht so viel vom Inhalt wissen wollen, das erste Viertel der Handlung anzuteasern reicht mir zum Beispiel völlig aus. Der ursprüngliche Klappentext spoilert aber bis weit in die Mitte des Buchs hinein …

Was mir ebenfalls aufgefallen ist: Offensichtlich mag der Autor Action-Szenen nicht so besonders. Hier hätte ich es nämlich besser gefunden, wenn diese nicht aus der Perspektive eines Zuschauers bzw. einer dritten Person geschrieben worden wären, sondern aus der Sicht der betroffenen Person selbst. Das hätte die Spannung sicherlich noch erhöht, so bremst es das beginnende Tempo gerade auf dem Weg ins Finale immer wieder etwas aus.

Das Motiv für die Verbrechen, das das Finale schlussendlich zutage fördert, ist mir persönlich außerdem ein bisschen zu schwach, als dass es rechtfertigen würde, dass so viele Menschen sterben müssen. Auch die Erklärung dafür, die der Drahtzieher im Hintergrund liefert, konnte ich nicht so ganz nachvollziehen.

Nichtsdestotrotz hat es Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, da es mich schon aufgrund seiner Komplexität, seiner ungewöhnlichen Figuren und seines interessanten Themas fesseln konnte. Der Autor lässt in seinem Nachwort zwar offen, ob und wann es eine Fortsetzung geben wird, aber ich würde mich freuen, einen zweiten Teil mit diesen Protagonisten in naher Zukunft lesen zu dürfen.

Mein Fazit:

“Fleischmaler” ist ein Krimi, mit dem der Autor neue, ungewöhnlliche Wege geht. Eine intelligent aufgebaute Handlung, ungewöhnliche Protagonisten und das kunstgeschichtliche Thema haben dafür gesorgt, dass ich dieses Buch trotz gewisser Schwächen gerne gelesen habe. 3,5 Sterne, die ich daher auf 4 Sterne aufrunde.

  • ★★★★
  • Taschenbuch
  • 314 Seiten
  • Eigenverlag
  • 978-3982099613
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Rezension Margaret Atwood – Die Zeuginnen

Margaret Atwood: Die ZeuginnenIch gebe zu, ich habe den Hype und die Geheimhaltung, der rund um “Die Zeuginnen”, das “langerwartete Sequel” zu “Der Report der Magd” erst mitbekommen, als das Buch erschienen ist.

Erst dann habe ich das erste Mal mir die Mühe gemacht, mir einen Überblick darüber zu verschaffen, was alles in den Medien zu diesem Buch geschrieben worden ist. Und das war eine ganze Menge, die letztlich wie immer nur einem einzigen Zweck gedient hat – nämlich die Erwartungen in die Höhe zu schrauben.

Die Entstehung der Serie habe ich zugegebenermaßen mit einer gewissen Skepsis verfolgt, ich bin mittlerweile kein großer Fan mehr davon, wenn erfolgreiche Bücher um jeden Preis verfilmt werden müssen, weil die Verfilmungen fast immer hinter den Büchern zurückbleiben.

Trotzdem habe ich mir die erste Staffel vor einer Weile angesehen und musste am Ende einräumen, dass die Serie das Buch bzw. dessen Botschaft hervorragend ergänzt, wenn nicht sogar erweitert. Allerdings verspürte ich zu dem damaligen Zeitpunkt nicht das Bedürfnis, nach der ersten Staffel weiterzuschauen, da ich das offene Ende vom “Report” eigentlich nicht ruinieren wollte …

Der Klappentext:

“Und so steige ich hinauf, in die Dunkelheit dort drinnen oder ins Licht.” – Als am Ende vom Report der Magd die Tür des Lieferwagens und damit auch die Tür von Desfreds “Report” zuschlug, blieb ihr Schicksal für die Leser und Hörer ungewiss. Was erwartete sie: Freiheit? Gefängnis? Der Tod? Das Warten hat ein Ende! Mit “Die Zeuginnen” nimmt Margaret Atwood den Faden der Erzählung fünfzehn Jahre später wieder auf, in Form dreier explosiver Zeugenaussagen von drei Erzählerinnen aus dem totalitären Schreckensstaat Gilead.

Meine Meinung:

Der deutsche Klappentext beginnt tatsächlich mit dem letzten Satz aus dem Report, dem Satz, der offenließ, wie es um das Schicksal der Magd bestellt war. Dieser Satz suggeriert allerdings auch, dass man in der Lage ist, dem neuen Buch problemlos zu folgen, auch wenn man nur den “Report der Magd” als Buch kennt. Was – wie ich erst nach dem Hören festgestellt habe – eigentlich nicht den Tatsachen entspricht.

Denn um das unmissverständlich klarzusellen: In “Die Zeuginnen” geht es um einiges, das man als Fan der Serie kennt, als reiner Buchleser jedoch nicht, da das neue Buch auf vieles eingeht, was erst in der zweiten Staffel der Serie erzählt wird.

Aus diesem Grund ist man als reiner Leser bzw. Hörer gezwungen, sich vor allem am Anfang einiges zusammen zu reimen. Auch wird nicht sofort klar, wer die drei unterschiedlichen Personen sind, die in diesem Buch mehr oder weniger ihre Lebensgeschichte aus der Ich-Perspektive schildern.

Die Sprecherinnen für das Hörbuch wurden übrigens meiner Meinung nach in diesem Kontext nicht gut gewählt, da vor allem die beiden Sprecherinnen für die jungen Erzählerinnen fast zu ähnlich klingen. Da beim Wechsel der Perspektive außerdem nie der Name der Person fällt, der nun erzählt, habe ich mir mit der Zeit eine kleine Eselsbrücke gebaut, da das A aus dem einen Zeugenbericht auch gleichzeitig dem Anfangsbuchstaben des Names einer der Erzählerinnen entspricht. Damit wurde es leichter, der Geschichte zu folgen.

Der bereits erwähnte Perspektivenwechsel führt allerdings nach und nach doch zu einer gewissen Neugier, wie es weiter geht. Denn die Autorin versteht es recht geschickt, gerade bei interessanten Passagen zum nächsten Zeugenbericht überzugehen: Da ist einmal das Mädchen, das in Gilead aufwächst, kaum mehr Erinnerungen an seine (leibliche) Mutter hat, stattdessen mit einem Märchen groß wird, wie seine aktuelle Mutter es den bösen Hexen entrissen hat.

Dann gibt es ein weiteres Mädchen, das Gilead nur aus der Schule kennt, weil es in Kanada bei Pflegeeltern aufwächst. Und quasi dazwischengestreut den wohl interessantesten Anteil der Geschichte, nämlich den einer älteren Frau, die das grauenerregende System in Gilead bewusst mitträgt und damit am Leben erhält. Die Namen möchte ich jetzt bewusst nicht nennen, aber wer die Serie kennt, kann sich vermutlich sowieso zusammenreimen, um wen es geht.

Die erste Hälfte des Buchs baut damit gezielt eine gewisse Spannung auf, die allerdings in der zweiten Hälfte für meinen Geschmack recht lieblos aufgelöst wurde. Da geht auf einmal vieles zu glatt und zu einfach, gerade unter dem Gesichtspunkt, dass sich eine der drei Protagonistinnen wirklich sehr, sehr dumm verhält. In einem Gilead, das wir in “Der Report” erlebt haben, hätte sie vermutlich nicht mal einen Tag in Freiheit überlebt.

Was mir gegen Ende außerdem auch ein wenig sauer aufgestoßen ist, ist die Tatsache, dass eigentlich zu viele Fragen beantwortet wurden. Offene Fragen, offene Beziehungen, fast alles löst sich am Schluss in gewisses Happy End-Wohlgefallen auf, das vor allem der Original-Geschichte irgendwie unwürdig ist.

War “Der Report” in der Tradition der großen dystopischen Romane noch gesellschaftskritisch wie kaum ein anderes Buch in den 1980er Jahren, ist “Die Zeuginnen” in meinen Augen eher ein nett gemeinter Versuch, die angefangenen Geschichten (sowohl im Buch als auch in der Serie) zu einem lieben, netten und freundlichen Ende zusammenzuführen.

Aus diesem Grund ist “Die Zeuginnen” zwar nett zu lesen (bzw. zu hören), reicht aber lange nicht heran an das, was die Autorin seinerzeit mit “Der Report” geschaffen hat. Ich persönlich sehe es eher als eine Verbeugung der Autorin vor den vielen Fans der Geschichte, die vor allem durch die Serie entstanden sind. Daher: Man kann das Buch lesen, muss aber nicht.

Mein Fazit:

“Die Zeuginnen” ist ein nettes (Hör)Buch, das durchaus einige interessante Perspektiven zu Gilead ergänzt, die bisher in dieser Form nicht so bekannt waren. In Summe reicht es allerdings nicht an das Original aus den 1980ern heran, da vor allem das Ende für meinen Geschmack zu sehr eine Verbeugung vor den Fans darstellt.

  • ★★★★★
  • Hörbuch
  • 788 Minuten
  • HörbucHHamburg
  • 978-3869524337
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Rezension Andreas Gruber – Todesmal

Mit “Todesmal” legt Andreas Gruber nun bereits den fünften Band der Reihe vor, mit der er bestimmt die meisten Fans unter den Thriller-Lesern gewonnen hat. Nicht zuletzt hat er das den meiner Meinung nach wirklich genialen Hauptfiguren zu verdanken: Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez, die sich in der Vergangenheit in Grubers Büchern zu einem sehr interessanten Ermittlerduo zusammengerauft haben.

Wer die Vorgeschichte der beiden nicht kennt, wird mit diesem Band aber weniger Probleme haben, in die Geschichte einzusteigen, als wie beispielsweise beim Vorgänger “Todesreigen”. Trotzdem empfehle ich, die Bücher der Reihe nach zu lesen. Es macht nämlich definitiv mehr Spaß zu wissen, wie sich die Beziehung der beiden entwickelt hat.

Der Klappentext:

Eine geheimnisvolle Nonne betritt das BKA-Gebäude in Wiesbaden und kündigt an, in den nächsten 7 Tagen 7 Morde zu begehen. Über alles Weitere will sie nur mit dem Profiler Maarten S. Sneijder sprechen. Doch der hat gerade gekündigt, und so befragt Sneijders Kollegin Sabine Nemez die Nonne. Aber die schweigt beharrlich – und der erste Mord passiert. Jetzt hat sie auch Sneijders Aufmerksamkeit. Und während die Nonne in U-Haft sitzt, werden Sneijder und Nemez Opfer eines raffinierten Plans, der gnadenlos ein Menschleben nach dem anderen fordert und dessen Ursprung in einer grausamen, dunklen Vergangenheit liegt …

Meine Meinung:

Auch wenn ich hier am Blog nicht alle Bücher von Andreas Gruber rezensiert habe, kann ich mittlerweile doch behaupten, zumindest die meisten von ihm gelesen zu haben. “Rachewinter” letztes Jahr und “Todesreigen” davor konnten mich allerdings nicht ganz so begeistern wie Grubers frühere Bücher. Deswegen habe ich bei “Todesmal” meine Erwartungen ziemlich zurückgeschraubt, war aber trotzdem neugierig, was sich Andreas für unseren Lieblingsgrantscherm (Meint im Österreichischen einen grantigen Menschen, einen Griesgram) ausgedacht hat.

Und was soll ich sagen? Dieses Mal stimmt es einfach wieder. Es ist fast wie ein Puzzle mit seinen Tausenden von Teilen, wo man das Gefühl hat, es sitzt alles am richtigen Platz. Angefangen gleich beim Auftakt, bei dem wir Zeuge einer verbalen Auseinandersetzung zwischen Sneijder und seinem neuen BKA-Chef Dirk van Nistelrooy werden, an dessen Ende Sneijder genervt den Dienst quittiert.

Diese erste Szene nimmt gleich mal vorweg, worauf sich der Leser in dem gesamten Buch freuen kann: auf den für Thriller eigentlich ungewohnten, sarkastischen und teilweise schwarzen Humor, der einen das ganze Buch hindurch begleiten wird. Und auch wenn die Morde (denn bei dem ersten bleibt es selbstverständlich nicht) grubertypisch sehr grausam, aber auch phantasievoll umgesetzt werden, ist es genau dieser Humor, der der ganzen Geschichte ein wenig die Düsternis nimmt.

Um dem beginnenden Wettlauf gegen die Zeit zu begegnen, stellt Sneijder – wohl zum ersten Mal überhaupt – ein Team aus sehr unterschiedlichen Ermittlerkollegen und Helfern zusammen, mit denen er versucht, den mutmaßlichen Opfern das Leben zu retten. Aus dieser Situation heraus ergeben sich jede Menge gut geschriebener Dialoge, bei denen ich schon mal lachen musste, obwohl die Ergebnisse der Ermittlungen von Tag zu Tag zu scheußlicher werden.

Wie man es bereits von Gruber kennt, gibt es auch dieses Mal kurze Schwenks in die Vergangenheit, anhand derer man sich nach und nach zusammenreimen kann, was der Hintergrund der Mordserie ist und weshalb die Nonne beim BKA erscheint und gezielt nach Maarten S. Snejder verlangt. Das ist für meinen Geschmack auch ein klitzekleines Kritikpünktchen, ich wäre eigentlich gerne noch eine Weile länger im Dunkeln herumgetappt, aber dem insgesamt positiven Eindruck tut das keinen Abbruch.

Für alle Sneijder-Fans habe ich außerdem eine gute Nachricht: Ihr werdet in “Todesmal” wieder voll auf eure Kosten kommen! Seine Arroganz, seine Schrullen, seine “umgängliche” Art, mit der auf alle gesellschaftlichen Konventionen pfeift, all das beschreibt Gruber einfach perfekt, ohne dass es übertrieben und unglaubwürdig wirkt. Dazwischen blinzeln aber auch immer wieder seine menschlichen Seiten durch, meist dann, wenn man es nicht unbedingt von ihm erwartet.

Und um das jetzt noch einmal zusammenzufassen: Wenn ihr eine rasanten, in sich stimmigen Thriller lesen wollt, der außerdem mit jeder Menge Humor aufwarten kann, dann ab mit euch in die Buchhandlung eurer Wahl. Denn mit Todesmal könnt ihr meiner Meinung nach absolut nichts falsch machen!

Mein Fazit:

Mit “Todesmal” besinnt sich Gruber wieder auf das, was er am besten kann: Eine spannende Geschichte mit skurilen Hauptfiguren zu erzählen, wo aber auch der Humor nicht zu kurzkommt. Daher sage ich: Lest es, wenn ihr Thriller liebt!

  • ★★★★★
  • Klappenbroschur
  • 592 Seiten
  • Goldmann
  • 978-3442486564
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Rezension Ursula Poznanski – Erebos 2

Man kann es nicht anders sagen: Seit bekannt wurde, dass es eine Fortsetzung zu “Erebos” geben würde, habe ich angefangen, dem Erscheinungstermin des Buchs entgegen zu fiebern. Und die allerletzten Tage waren wohl meine ganz persönliche Folter …

Trotzdem habe ich versucht, meine Erwartungen an dieses Buch herunter zu schrauben, denn ich stelle es mir alles andere als leicht vor, als Autorin an ein Buch anzuknüpfen, dass so viele Fans hat wie “Erebos”.

Der Klappentext:

EREBOS IST ZURÜCK …UND HAT DAZUGELERNT
Als Nick auf seinem Smartphone ein vertrautes Icon in Gestalt eines roten E entdeckt, glaubt er zuerst an einen Zufall. Aber dann wird ihm klar: Erebos hat ihn wiedergefunden …
Der sechzehnjährige Derek hingegen ist nur kurz misstrauisch, als das rote E auf seinem Handy aufleuchtet. Zu spät begreift er, dass er selbst zu einer Spielfigur geworden ist. Und es um viel mehr geht, als er sich je hätte vorstellen können …

Meine Meinung:

Es fasziniert mich mittlerweile zunehmends, wie unterschiedlich Ursulas Bücher ausfallen. Während “Vanitas” schon ziemlich lange brauchte, ehe die Geschichte Tempo aufnahm, verliert die Autorin hier keine Zeit, denn Nick findet bereits im ersten Kapitel das rote E des Spiels auf seinem Handy wieder – und wie er bald lernen muss, ist das Löschen der App nicht unbedingt eine gute Idee.

Derek dagegen hat keine Vorgeschichte mit Erebos, ist deswegen unvoreingenommener, was das Spiel angeht. Er wundert sich zwar, warum es ihn ausgewählt hat, das ist aber auch schon alles. Mit seinem Charakter dürfen wir beim Lesen wieder in die Welt des Spiels eintauchen, so wie wir es bereits in Teil 1 durften.

Trotzdem geht die Autorin hier neue Wege, das wird schon bald klar, da es nun zwei Hauptfiguren gibt, deren Weg durch das Spiel bestimmt wird. Und während Nick versucht, mit Hilfe seiner alten Freunde Erebos loszuwerden, begleitet der Leser Derek schon bald bei seinen ersten Aufträgen im realen Leben. Denn genau wie in Teil 1 verfolgt das Spiel auch hier ein ganz bestimmtes Ziel, das sehr lange im Dunkeln bleibt. Zwar gibt es Hinweise, aber ich tappte trotz allem recht lange im Dunkeln.

Wirklich großartig fand ich in diesem zweiten Teil die Atmosphäre, die der Terror des Spiels gerade bei Nick auslöst. Es ist eine Sache zu wissen, dass wir mit unseren Smartphones unsere ganz persönliche kleine Wanze und ein Ortungsgerät herumtragen, eine ganz andere, wenn man zum Beispiel sieht, wie das Spiel damit umgeht, wenn Nick nur versucht, mit jemandem darüber zu sprechen. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie oft ich versucht war, alle digitalen Geräte einfach zu nehmen und in den nächstbesten Mülleimer zu werfen …

Was dagegen wohl ein wenig zu kurz kam, sind die Szenen in der Spielwelt selbst. Der Fokus liegt dieses Mal ganz klar auf den Dingen, die sowohl Nick als auch Derek im realen Leben für das Spiel tun müssen. Aber gerade dieses Geheimnisvolle fesselte mich bereits nach kurzer Zeit wieder so sehr, dass es mir schwer fiel, das Buch zur Seite zu legen. So viele Geheimnisse, so viele Rätsel, so viele Fragen …

Für die Fans der ersten Stunde hat Ursula außerdem jede Menge Anspielungen und Überraschungen eingebaut, es lohnt sich also durchaus, Teil 1 vor Teil 2 zu lesen, einfach um alles richtig einordnen zu können. Ich schätze, man kann Teil 2 auch für sich lesen, aber es ist in meinen Augen nur der halbe Spaß.

Die Auflösung am Ende stellte zumindest für mich doch eine gewisse Überraschung dar, aber das Thema finde ich gut gewählt, auch wenn es in letzter Zeit relativ wenig Schlagzeilen gemacht hat. Das Motiv, Erebos wieder zu reaktivieren, überzeugte mich jedoch nicht so ganz. Zwar ist es nachvollziehbar, aber es blieb die Frage, ob man es nicht auch ohne den Terror bei den Spielern hätte erreichen können.

Schön fand ich aber, dass die Autorin uns hier ein “runderes” Ende serviert als noch mit “Erebos 1”. Es wurden sogar noch Fragen aus Teil 1 beantwortet, mit denen ich so gar nicht gerechnet hatte. Zu sehr möchte ich jetzt nicht ins Detail gehen, aber wer Teil 1 gelesen hat, wird wissen, was ich meine.

Somit kann ich sagen: “Erebos 2” hat alles, was ein guter Jugendbuch-Thriller benötigt, wenn auch mit ein paar kleinen Schönheitsfehlern. Das macht für mich 4,5 Sterne, die ich aber gerne aufrunde.

Mein Fazit:

Die Mischung aus Jugendbuch, Thriller und dem wohl intelligentesten Computerspiel, was die Buchwelt zu bieten hat, konnte mich auch in Teil 2 begeistern, auch wenn es aus verschiedenen Gründen nicht ganz an das Original heranreicht.

  • ★★★★★
  • Hardcover
  • 512 Seiten
  • Loewe
  • 978-3743200494
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Rezension Nadine Erdmann – CyberWorld 7.0 “Bunker 7”

Da ist er nun, der letzte und abschließende Band der “CyberWorld”-Reihe von Nadine Erdmann. Lange haben wir geduldig gewartet, bis die Autorin uns man Ende doch mit der Information überrascht hat, dass das Buch Anfang August erscheinen würde.

Nun ist mir fast ein bisschen weh ums Herz, denn diese Reihe durfte ich von Anfang begleiten, habe mit den Kids mitgefühlt, gelitten und mich mit ihnen gefreut. Unvergessen ist hier für mich Band 5, denn da hat uns die Autorin wirklich einiges zugemutet …

Gerade diese lange Geschichte machte mich natürlich ganz besonders neugierig, was sich die Autorin für “Bunker 7” ausgedacht hat.

Der Klappentext:

Sommerferien!
Was könnte da mehr Spaß machen als ein paar Tage Spannung und Action in einem neuen CyberPark? “Bunker 7” verspricht Endzeit-Nervenkitzel vom Feinsten beim Kampf ums nackte Überleben. Doch schon bald müssen Jemma, Jamie, Zack und ihre Freunde feststellen, dass sie sich diesem Kampf nicht nur im Spiel stellen müssen …

Meine Meinung:

Der Klappentext ist ja für meinen Geschmack dieses Mal recht kurz gehalten, aber ich denke, wer bisher sich durch alle Abenteuer von Jemma, Jamie, Zack und ihren Freunden erfolgreich “gearbeitet” hat, wird auch zu diesem Band greifen – ganz gleich, was die Autorin als Teaser veröffentlicht.

Ich hatte zwar anfangs ein paar kleine Probleme, alle Namen wieder richtig zuzuordnen (Ich habe einfach kein Gedächtnis für so etwas), aber dann kam ich sehr schnell wieder in die Geschichte hinein, nachdem es erst einmal Klick gemacht hatte, wer wer war.

Sehr, sehr genial fand ich in diesem Band das Setting. Dieser CyberPark kann sich ja nun wirklich sehen lassen, eine Mischung aus Dystopie, Endzeit und Steampunk. Hier hat es wirklich Spaß gemacht, unsere Helden auf ihren Missionen zu begleiten, auch wenn es dieses Mal nicht primär darumgeht, möglichst viele Gegner zu besiegen (obwohl das durchaus vorkommt), sondern eher Erkundungsmissionen durchzuführen. Besonders die erste Hälfte der Geschichte hat mir deswegen sehr viel Freude beim Lesen bereitet.

Interessanterweise kam für mich der erste Knick genau an dem Punkt, an dem es wirklich so richtig fesselnd hätte werden können. Denn diesen Thriller-Teil der Geschichte hat die Autorin in gerade mal sechs (von 34) Kapiteln abgearbeitet, was in meinen Augen einfach zu schnell vonstatten gegangen ist. Kaum ist die Spannung nämlich da, reagieren unsere Helden schon ziemlich professionell und die Bedrohung ist schon wieder vorbei, ehe für mich überhaupt ein gewisses Gefühl für die Gefahr beim Lesen entstanden ist.

Denn eines habe ich hier schmerzlich vermisst: Wo waren die Gefühle, die Ängste, erneut in eine solche Situation zu geraten? Wie gehen die Eltern damit um, dass ihre Kinder sich schon wieder in dieser Situation befinden, die der aus Band 5 doch irgendwie ähnelt? Es tut mir eigentlich leid, das sagen zu müssen, aber das entspricht nicht dem hohen Niveau, das ich mittlerweile von der Autorin gewohnt bin.

Das Ende schlussendlich ließ mich mit etwas gemischten Gefühlen zurück. Einerseits war es ein passendes Ende, andererseits habe ich die ganze Zeit noch auf einen Twist gewartet, der nicht kam. Mag auch sein, dass ich mir vom Finale einfach etwas anderes erwartet habe. Dass ich möglicherweise zu hohe Erwartungen hatte. Denn “Bunker 7” ist durchaus eine tolle Geschichte, sie führt nur alle offenen Enden meiner Meinung nach zu schnell zu einem Ende. Es ist wirklich selten, dass ich das sage, aber diese Geschichte hätte durchaus noch länger sein dürfen …

Eine Kleinigkeit möchte ich noch gesamt zu der Reihe sagen: Sie ist mit Abstand eine der besten, die mir in den letzten Jahren im Jugendbuch-Bereich begegnet ist. Eigentlich gehöre ich ja nicht mehr unbedingt in diese Zielgruppe, aber ich fand es einfach schön, mich auch mal abseits der ziemlich breit gewalzten Romantasy-Wege zu bewegen. Manche Kleinigkeit mochte in der langen Zeit vielleicht für mich nicht immer stimmig sein, aber in Summe hat es sehr viel Spaß gemacht, in den letzten drei Jahren diese Buchreihe verschlingen zu dürfen.

Mein Fazit:

CyberWorld 7.0 bringt in meinen Augen aus ganz unterschiedlichen Gründen ein etwas durchwachsenes Ende für diese wirklich großartige Reihe. Trotzdem hat es Spaß gemacht, “unsere” Kids ein letztes Mal auf ihren Cyber-Abenteuern zu begleiten.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 340 Seiten
  • Greenlight Press
  • 978-3958343689
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Leserunde Ursula Poznanski – Erebos 2

Ich glaube, ich kann ohne Untertreibung sagen, dass ich schon lange nicht mehr so auf das Erscheinen eines Buchs hingefiebert habe wie auf “Erebos 2”. Schließlich ist Teil 1 nach wie vor mein Lieblingsbuch der Autorin, daher bin ich wirklich sehr, sehr gespannt, was sie sich für uns nun in der Fortsetzung ausgedacht hat.

Der Loewe Verlag hat übrigens in diesem Zusammenhang eine eigene Webseite gestaltet, die vor dem heutigen Datum hinter einem Countdown versteckt wurde. Besonders die Animation gleich zu Beginn finde ich sehr gelungen, inhaltlich sieht es allerdings noch ein bisschen mau aus. Wobei ich vermute, dass sich das noch im Verlauf der nächsten Tage und Wochen ändern wird …

Erebos 2 Leserunde Banner

Wie bereits schon bei der Leserunde zu Teil 1 angekündigt, machen wir – Mel von Bookrecession, Petrissa von Hundertmorgenwald und ich – eine weitere Leserunde zu Erebos, dieses Mal natürlich aber zum neuen Buch, das heute erschienen ist. Wie immer gilt: Jeder, der das Buch hat, ist herzlich eingeladen, sich uns anzuschließen.

Start ist ab 20. August, Kommentare können  wie schon beim letzten Mal wieder bei Petrissa geschrieben werden, in den sozialen Medien teilen wir unsere Leseeindrücke unter dem Hashtag #Erebos2LR.

Meine persönlichen Eindrücke werde ich wie schon bei “Erebos 1” unterhalb im Abschnitt “Meine Updates” niederschreiben.

Ursula Poznanski – Erebos 2

Klappentext:
EREBOS IST ZURÜCK …UND HAT DAZUGELERNT
Als Nick auf seinem Smartphone ein vertrautes Icon in Gestalt eines roten E entdeckt, glaubt er zuerst an einen Zufall. Aber dann wird ihm klar: Erebos hat ihn wiedergefunden …
Der sechzehnjährige Derek hingegen ist nur kurz misstrauisch, als das rote E auf seinem Handy aufleuchtet. Zu spät begreift er, dass er selbst zu einer Spielfigur geworden ist. Und es um viel mehr geht, als er sich je hätte vorstellen können …

Wo würde Erebos in unserer allseits vernetzten Gegenwart wieder auftauchen? Auf dem Smartphone, auf Facebook, auf Twitter? Was würde es über WhatsApp, Youtube oder Instagram anrichten? Ursula Poznanski fand, die Zeit war reif für Erebos 2.

Meine Updates:

Wie immer gilt “Weiterlesen auf eigene Gefahr”, Leseeindrücke lassen sich halt nur schwer ohne Spoiler teilen 🙂 …

– Abschnitt 1: Eins bis Kapitel 4

Erebos ist wieder da und installiert sich ungefragt auf Handy und Computer, was Nick gleich mal einen gehörigen Schrecken einjagt. Obwohl er sich dagegen wehrt, erpresst ihn das Spiel mit den verschollenen Fotos von der Hochzeit ziemlich ungeniert, wieder zu spielen. Und offensichtlich hört es am Handy genau zu und weiß auch ganz genau, wo sich Nick aufhält bzw. mit wem er redet. Das kommt vor allem in der Szene mit Jamie ganz schön gruselig rüber …

Derek dagegen hat keine Vorgeschichte mit Erebos und geht dementsprechend etwas unvorsichtiger an Erebos heran (obwohl ich mir schon dachte, dass jeder normale Mensch nach dieser unverhohlenen Drohung eigentlich zurückschrecken müsste). Trotz seiner guten Noten scheint er außerdem ein Problem mit seinen Aggressionen zu haben.

– Abschnitt 2: Zwei bis Kapitel 8

Nick ist gezwungen, die von Erebos geklauten Fotos wiederzubeschaffen, so weit, so gut.Aber ich schätze, nach dem Kampf mit Aurora und der Zwergin wird das Spiel Nick trotzdem nicht in Ruhe lassen, denn sonst wäre ja schon ein Teil der Geschichte aus.

Den Handlungsstrang um Derek finde ich hier eigentlich interessanter. Da ist einmal sein Treffen mit BloodWork (Ich finde das übrigens klasse, dass auch wieder Spieler aus Teil 1 auftauchen, gerade der Barbar war echt klasse), aber auch die Begegnung mit Idmon hat mich neugierig gemacht. Wer ist das und warum hat er eine Art Gabe, in die nahe Zukunft sehen zu können?

Außerdem: Wieso weiß Erebos jetzt auch, wer die Leute beim Spielen stört? Wie macht es das? Hört es die Leute über das Mikrophon der Spieler kommen oder haben die selbst in den eigenen vier Wänden ihr Handy immer bei sich, damit Erebos sie orten kann?

– Abschnitt 3: Drei bis Kapitel 12

Nick geht zu Victor ohne Handy. Erebos bekommt es aber trotzdem mit, dass er weg war, wenn auch auf die “alte” Art von früher. Und Derek ist offensichtlich dieses Mal derjenige, der die rätselhaften Aufträge in der Realität bekommt, wie wir sie von Teil 1 noch kennen.

Spannend finde ich auch das Video, das Derek bekommt, um sich seine zwei Klassenkameraden vom Hals zu halten. Es sieht ja so aus, als ob es von den Londoner Straßenkameras aufgenommen wurde. Warum weiß Erebos dann aber nicht, wo Nick war? Oder hängen in London doch noch nicht überall Kameras? Ganz klar ist mir das beim Lesen nicht geworden …

Besonders gruselig ist allerdings auf jeden Fall die Nachricht an Nicks Freundin Claire. Offensichtlich ist Erebos in der Lage, die Stimmen der Spieler so täuschend echt nachzumachen, dass man nicht erkennen kann, dass eigentlich ein Computer gesprochen hat. Würde mich mal interessieren, wie das Spiel das geschafft hat. Dagegen waren die Absage per Mail und die Nachricht an den Studienkolleggen ja harmlos im Vergleich, alle drei Dinge zeigen aber schön, wie einfach es geworden ist, mit digitalen Werkzeugen das Leben eines Menschen zu ruinieren, weil niemand auf die Idee kommt, dass solche Dinge gefälscht werden können.

– Abschnitt 4: Vier bis Kapitel 16

Seit Nick wieder spielt, gibt es die erste Belohnung für ihn. Er bekommt Fotoaufträge für verschiedene Schulen. Das führt auch dazu, dass sich Nick und Derek im echten Leben treffen, freilich ohne zu wissen, dass sie bereits im Spiel einander getroffen haben. Im Spiel begegnet Nick außerdem einer alten Bekannten: BloodWork alias Helen. Warum nur rekrutiert Erebos nur bestimmte Spieler aus der alten Spielergruppe? Das würde ich nun wirklich gerne wissen.

Derek “darf” derweil weitere geheimnisvolle Aufträge im echten Leben ausführen. Stellt sich die Frage, wer der verlorene Prinz des Verderbens ist, für den Derek den Instagram-Account einrichten darf. Da kommt noch etwas, da bin ich mir ziemlich sicher …

Obwohl Idmon Derek sagt, nicht über seine Familie zu sprechen, erfährt immerhin der Leser, dass es eine Verbindung zwischen Derek und Nick gibt: Denn Nicks frühere Freundin Emily ist Dereks Halbschwester.

– Abschnitt 5: Fünf bis Kapitel 22

Ab hier wird es nun wirklich gruselig, welche Mittel Erebos alles auffährt, um Nick dazuzubringen, seine Aufträge auszuführen. Dass es sogar nun auch am Navi auftaucht, hat mich wirklich am meisten erschreckt. Und vor allem stellt sich die Frage, wie kam es dort eigentlich überhaupt hin? Selbs wenn Nick ein eher altes Auto fährt, steckt man sein Navi im Gegensatz zum Handy doch net so oft an den Computer an, oder?

Der Ausflug zum Friedhof hat auf jeden Fall etwas zu bedeuten, das ist wichtig. Das ist ein weiterer Hinweis, den ich allerdings im Moment noch nicht so richtig zuordnen kann.

Gut gefallen hat mir auch das Gespräch zwischen Nick und Helen, endlich erfahren wir, was aus ihr geworden ist. Und Nick entdeckt hinterher wohl den edlen Ritter in sich 🙂 …

Und noch eine Frage stellt sich mir: Wie ist Erebos an die Mathebeispiele gekommen, die es Derek zuspielt? Ist der Lehrer auch gezwungen zu spielen?

– Abschnitt 6: Sechs bis Kapitel 26

Speedy, Victors Freund, wird von Unbekannten zusammengeschlagen. Ist Erebos dafür verantwortlich, weil beide ihm zu nah gekommen sind? Es stellt sich jedenfalls heraus, dass das Spiel auch auf Victors Computern sich eingenistet hat.

Derek hat in der Zwischenzeit einen Auftrag bekommen, der mit dem verlorenen Prinzen zu tun hat. Damit wird klar, wer er ist. Nur worum geht es dem Spiel wirklich? Klar ist auf jeden Fall, dass es um irgendwelche finsteren Machenschaften geht, nur welche?

Nick versteht endlich, welche Hinweise das Spiel die ganze Zeit mit den falschen Farben gegeben hat. Hier geht es aber nicht um einen U-Bahn-Plan, sondern um afrikanische Flaggen. Hier gibt es ganz sicher einen Zusammenhang mit Maia, die vor ein paar Tagen verschwunden ist und um die sich Derek Sorgen macht.

– Abschnitt 7: Kapitel 27 bis zum Ende

Wow, jetzt passiert ja wirklich eine ganze Menge – und gleichzeitig bekommen wir auch endlich die Antworten auf alle offenen Fragen. Ich muss zugeben, dass ich jetzt wirklich erst 50 Seiten vor Ende ca. gemerkt habe, worum es dieses Mal geht. Und ich wäre auch nicht unbedingt draufgekommen, wer tatsächlich dieses Mal der Drahtzieher hinter dem Ganzen ist. Irgendwie ist es nachvollziehbar, warum er es getan hat, gleichzeitig stellt sich natürlich aber auch wieder die Frage, ob der Zweck wirklich die Mittel heiligt.

Im Verhältnis zu Teil 1 finde ich dieses Ende nun eigentlich harmonischer, es endet nicht ganz so ruckartig wie beim ersten Mal. Eher im Gegenteil: Ich habe den Eindruck, dass sich Ursula dieses Mal wirklich bemüht hat, alle offenen Handlungsstränge zu einem Ende zu führen, sogar Fragen, die im ersten Buch offen geblieben sind, werden beantwortet.

Auf jeden Fall bin ich begeistert, auch wenn “Erebos 2” zwangsläufig anders ist als “Erebos”. Der Fokus ist ein anderer, auch wenn sich die Methoden nicht geändert haben. Der Grusel, der Thrill, die Rätsel, das alles beherrscht die Autorin nach wie vor perfekt, lediglich das Motiv ist nicht so ganz mein Fall, auch wenn es jetzt rückwirkend naheliegend ist.

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Rezension Jürgen Albers – Erased

Albers ErasedGut eineinhalb Jahre nach dem Erscheinen von seinem Debüt “Crossroads” legt Jürgen Albers mit “Erased” nun den Nachfolger vor. Zeitlich zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs angesiedelt, wechselt der Schauplatz nun von den Kanalinseln nach England, wo Norcott, in der Zwischenzeit zum Superintendent aufgestiegen, ein verhältnismäßig beschauliches Leben mit seiner Frau Vicky führt.

Der Klappentext:

März 1947: Nach einem der härtesten Winter in der britischen Geschichte, bahnt sich endlich ein warmer Frühling an. Sehnsüchtig erwartet von einem Land, das immer noch vom Krieg gezeichnet ist.

Superintendent Charles Norcott von New Scotland Yard hofft ebenfalls auf ein wenig Erholung vom Alltag: er wird als Dozent an die Universität Oxford ausgeliehen. Eigentlich soll Norcott dort Verwaltungsfachkräfte ausbilden, aber schon bald erreicht ihn ein zusätzlicher Auftrag. Im Physikalischen Institut der Universität reißt eine Serie von Zwischenfällen nicht ab. Will jemand die geheime Forschung sabotieren oder handelt es sich nur um eine Verkettung unglücklicher Umstände? Kaum hat der Superintendent die ersten vorsichtigen Ermittlungen angestellt, zerreißt eine Bombe die Stille der friedlichen Universitätsstadt.

Meine Meinung:

Eines möchte ich zu Beginn gleich einmal klarstellen: “Erased” spielt zwar zeitlich nach “Crossroads”, erzählt aber eine gänzlich andere Geschichte. Verständlicherweise enthält das Buch Anspielungen auf den ersten Band, die Handlung ist aber gänzlich unabhängig davon. Wer “Crossroads” also nicht kennt, kann trotzdem problemlos zu “Erased” greifen.

Wie bereits bei “Crossroads” merkt man auch diesem Buch an, dass der Autor sehr viel Zeit in die Recherche gesteckt hat. Ich bin zwar beileibe kein Experte für zeitgeschichtliche Details, aber die Namen einiger historischer Persönlichkeiten, die sehr geschickt in die Handlung eingeflochten wurden, haben selbst mir etwas gesagt. So lässt Albers Norcott in Oxford beispielsweise auf bekannte Schriftsteller wie C.S. Lewis oder Dorothy L. Sayers treffen und mit ihnen über Bücher sprechen.

Sehr gut gefallen hat mir auch die Atmosphäre in Oxford, hier spürt man beim Lesen richtig die Erhabenheit des Ortes, den die lange Geschichte der Universitätsstadt mit sich bringt. Das macht richtig Lust darauf, die Stadt zu besuchen und sich ein bisschen treiben zu lassen, den Flair dieses Ortes kennenzulernen …

Positiv hervorheben möchte ich auch das Nachwort bzw. das Glossar am Ende des Buches, in dem der Autor darauf eingeht, was Fakten und Fiktion sind, und einige der historischen Persönlicheiten kurz vorstellt. Das findet man eigentlich eher selten in historischen Romanen – und darf für meinen Geschmack auch gerne noch ein bisschen ausführlicher stattfinden, da ich gerne den historischen Eckdaten einer Geschichte nachrecherchiere.

Leider bringt “Erased” aber auch einiges mit, was mir nicht so gut gefallen hat. Vielleicht bin ich hier in den Augen mancher Leute etwas pingelig, aber ich konnte nicht erkennen, was und wie das eingangs im Buch erwähnte Korrektorat gearbeitet hat.

Die Groß/Kleinschreibung, die sehr großzügige Kommasetzung, die diversen Flüchtigkeitsfehler und vor allem die zeitweise unfreiwillig spaßige Silbentrennung (auszug-leichen statt auszu-gleichen beispielsweise) ließen mich beim Lesen gleich mehrmals innehalten und aus dem Lesefluss kommen. Ganz ehrlich: Hier sollte ziemlich bald noch einmal nachgebessert werden, denn wenn einem diese Fehler schon ab der ersten Seite begegnen, wirft das kein gutes Licht auf das Buch.

Womit ich dieses Mal ebenfalls meine Probleme hatte, war der Schreibstil. Denn ich hatte mehr als einmal den Eindruck, dass der Autor sich beim Schreiben nicht entscheiden konnte, ob er nun lieber der Zeit entsprechend mit heute veralteten Wörtern und Ausdrücken arbeiten oder eine moderne Sprache verwenden wollte. So bin ich immer wieder hängengeblieben, wenn mir zwischen den großteils sehr locker und flüssig geschriebenen Zeilen auf einmal Absätze entgegensprangen, die eher alten, poetisch angehauchten Werken entnommen worden sein könnten.

Bei einigen Szenen hätte ich mir außerdem etwas mehr Dramatik gewünscht. Vieles wurde einfach nur indirekt erzählt oder in einigen kurzen Sätzen abgehandelt, obwohl es genau diese Dinge gewesen wären, die dieser als Cosy Crime einzustufenden Geschichte noch etwas mehr Pfeffer verliehen hätten. Die beispielsweise im Klappentext als Spannungselement erwähnte Bombe verpufft nach ihrem Knall bereits leider nach wenigen Zeilen – und die Geschichte geht mit derselben Ruhe weiter wie bisher.

Aus diesen Gründen bleibt für mich am Ende ein etwas durchwachsener Eindruck dieses Buches und das schale Gefühl, dass diese Geschichte ihr durchaus vorhandenes Potenzial nicht ausreichend genutzt hat. Was ich zugegebenermaßen sehr, sehr schade finde, weil ich mich wirklich auf diese Geschichte gefreut habe.

Mein Fazit:

Es schmerzt mich wirklich, es zu sagen, aber “Erased” bleibt im Vergleich zu “Crossroads” hinter seinem Vorgänger zurück. Einiges in der Geschichte wirkte auf mich nicht ausgereift, obwohl das Buch alles hat, was es für gute Unterhaltung in dem speziellen Genre braucht.

  • ★★★★★
  • Taschenbuch
  • 388 Seiten
  • TWENTYSIX
  • 978-3740761790
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