Rezension

Rezension Alex Beer – Das schwarze Band

Mit “Das schwarze Band” legt die Autorin den nun mittlerweile vierten Band aus der Reihe um den raubeinigen August Emmerich vor. Seit Band 2 verfolge ich die Reihe außerdem als Hörbuch, da meiner Meinung nach die Reihe noch dadurch dazu gewinnt, dass sie von Cornelius Obonya gesprochen wird. Obonya ist übrigens in Österreich kein Unbekannter, kaum jemand, der seine Stimme nicht kennt, sei es durch seine Arbeit als Sprecher für TV-Dokus oder als Schauspieler.

Der Klappentext:

Wien im Juli 1921: Die Stadt ächzt unter einer Hitzewelle, Wasser wird rationiert, und der Asphalt schmilzt. Kriminalinspektor August Emmerich macht noch ein ganz anderes Problem zu schaffen: Weil er sich wieder einmal danebenbenommen hat, wird er von den Ermittlungen an zwei ermordeten Tänzerinnen abgezogen und in einer Kadettenschule interniert.

Dort soll er, gemeinsam mit anderen schwarzen Schafen aus dem Polizeidienst, bessere Umgangsformen lernen. Doch als in der Schule ebenfalls ein Mord passiert, muss Emmerich für seine Nachforschungen erneut alle Regeln brechen. Denn er sieht sich mit einer blutigen Intrige konfrontiert, die ihn bis in die höchsten politischen Kreise führt …

Meine Meinung:

Mittlerweile ermitteln Emmerich und Winter nun schon zum vierten Mal miteinander. Ich gebe zu, beim dritten Band habe ich nur mit Ach und Krach vier Sterne vergeben, aber dieses Mal hat es mir wieder mehr Spaß gemacht, mit dem liebenswerten Duo auf Verbrecherjagd zu gehen. Nicht dass ich “Der dunkle Bote” nicht gerne gehört hätte, aber die neue Geschichte wirkt auf mich in Summe wieder stimmiger als in Band 3.

Darüber hinaus hat Beer einige historische und gesellschaftspolitische Ereignisse in die Handlung verwoben, die so tatsächlich stattgefunden haben. Den im Buch erwähnten Bundeskanzler Johann Schober hat es beispielsweise wirklich gegeben, er wurde im Juni 1921 zum Bundeskanzler gewählt. Auch die im Buch zitierten Schwierigkeiten mit Ungarn sind historisch belegt, in seiner zusätzlichen Funktion als Außenminister war Schober hier aktiv, um diese Probleme beizulegen.

“‘Schober hat seine Wurzeln vergessen. Er wird ein miserabler Kanzler sein und sich nicht lange halten können’, sagte er […]”

Emmerich über den Bundeskanzler

In diesem Kontext ist es durchaus denkbar, dass Emmerich, der für seine “Diplomatie” ja nicht wirklich bekannt ist, eine solche Begegnung gehabt haben könnte. Diese Szene hat mich auch gerade beim Hören sehr amüsiert, da merkt man richtig, wie viel Emmerich davon hält, sich auf diesem politischen Parkett zu bewegen.

Das Ergebnis seines Faux-pas folgt ein paar Wochen danach: Emmerich muss in die Benimmschule, während Winter nun alleine an dem Fall weiter ermitteln muss. Ein gefundenes Fressen für die Kollegen Emmerichs, die ihm nicht wohlgesinnt sind und ihn am liebsten aus dem Weg haben wollen …

Auf diese Weise sind Emmerich und Winter eine Zeit lang getrennt unterwegs, da Emmerich während seiner Unterrichtszeit keinen Kontakt nach draußen haben darf. Emmerich wäre allerdings nicht Emmerich, würde er sich nicht etwas einfallen lassen.

“Machen Sie genau das Gegenteil davon, was Sie sonst machen würden.”

Emmerich zu Winter

Spannender fand ich in diesem Zusammenhang allerdings die Szenen mit Winter. Denn wegen Emmerichs Abwesenheit darf das “Küken” nun zeigen, was es gelernt hat, und Emmerichs letzter Rat schwingt dabei mehr als einmal mit. Diese Szenen sind meiner Meinung nach auf jeden Fall ausbaufähig, es würde mich freuen, wenn Winter auch in zukünftigen Bänden zumindest eine Zeit lang getrennt für Emmerich “Informationen beschaffen” darf.

Darüber hinaus bringt auch dieser vierte Band alles mit, was ich an dieser Reihe lieben gelernt habe – ein Wien, das in den beginnenden 1920er Jahren am Beginn einer gesellschaftspolitischen Zerreißprobe steht (was sich auch sehr schön in den Ereignissen im Buch widerspiegelt), ein Wien, das durch das End der Monarchie und ein politisches Vakuum geprägt ist, wo jeder einzelne sich einen Platz in dieser neuen Zeit suchen muss.

Einzig und allein mit dem Ende hatte ich nicht so recht meine Freude, da es für meinen Geschmack fast etwas zu schnell abgehandelt wurde. Kaum spitzt sich alles zu, löst es sich auch schon wieder auf. Da sehe ich auf jeden Fall noch Potenzial, denn es wäre viel spannender gewesen, noch eine Weile zu zittern, ob Emmerich und Winter die Situation entschärfen können oder nicht.

Ein wenig zu sehr gewollt wirkte dieses Mal der Cliffhanger am Ende des Buchs. Man muss ihm allerdings zugute halten, dass er funktioniert. Denn nun heißt es wieder warten, warten und nochmal warten …

Mein Fazit:

Trotz einiger kleinen Kritikpunkte konnte mich “Das schwarze Band” sehr gut unterhalten, denn Alex Beer gelingt es ausgezeichnet, den bereits liebgewonnenen Hauptfiguren neue Facetten zu verleihen. Wer Krimis in historischem Setting mag, sollte in diese Reihe unbedingt einmal reinlesen oder besser noch reinhören :).

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 440 Minuten
  • Random House Audio
  • 978-3837150360
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2 Kommentare

  • Gabi

    Liebe Ascari,
    gehört habe ich diesen vierten Band schon – wie Du ja weißt – aber meine Rezension muss erst noch veröffentlicht werden. Du hast das Hörbuch schon total gut auf den Punkt gebracht. Mir hat auh gefallen, dass Winter einmal ohne Emmerich ermitteln musste und wie er sich sowohl in der besseren Gesellschaft als auch in der Unterwelt geschlagen hat 😉
    Diese Reihe ist eine wunderbare Neuentdeckung dieses Jahres für mich.
    LG Gabi

    • Ascari

      Liebe Gabi,

      das freut mich wirklich sehr :). Ich hatte ja von Anfang an das Gefühl, dass dir das auch gefallen könnte, aber ich wollte dir nicht unbedingt den Floh für noch eine weitere Reihe ins Ohr setzen 😀 …

      Liebe Grüße
      Ascari

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