Der Leseratz

Lesen oder fressen - das ist hier die Frage!

Rezension Alex Beer - Der letzte Tod

28. November 2021

Mittlerweile ist es fast wie ein jährlicher Fixpunkt, eine neue Beer zu lesen. Umso netter, wenn es außerdem ein neuer Teil aus der Emmerich-Reihe ist. Es gibt Tage, da kommt es mir fast wie gestern vor, wo ich mir den ersten Teil geschnappt und gelesen habe... Und Beers Bücher sind für mich in diesem Zusammenhang auch die einzigen, wo ich die gekürzte Fassung beim Hörbuch hinnehme, weil der unvergleichliche Cornelius Obonya sie liest - das nur so am Rande :) .

Der Klappentext

Ein psychopathischer Killer, ein getriebener Kommissar und der Beginn von Interpol - der fünfte und riskanteste Fall für August Emmerich!

Wien im September 1922: Die Inflation nimmt immer weiter Fahrt auf, die Lebenshaltungskosten steigen ins Unermessliche, und der Staatsbankrott steht kurz bevor. Unterdessen haben Kriminalinspektor August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter es mit einem grausigen Fund zu tun: Auf dem Gelände des Wiener Hafens wurde in einem Tresor eine mumifizierte Leiche entdeckt. Und dabei bleibt es nicht, denn der Mörder tötet nach einem abscheulichen Muster, und er hat sein nächstes Opfer schon im Visier. Doch damit nicht genug: Ein alter Feind aus Emmerichs Vergangenheit taucht wieder auf – und er trachtet dem Ermittler nach dem Leben...

Meine Meinung

Ich glaube, wenn man bis hierher der Reihe die Treue gehalten hat, dann weiß man, was man bekommt. Emmerich ist kauzig wie eh und je, mit seinem treuen Assistenten Winter an seiner Seite. In gewisser Weise ist das Szenario alt und bekannt.

Genauso das Setting: Das Leben in Wien ist alles andere als ein Zuckerschlecken, die Kluft zwischen Reich und Arm geht immer weiter auseinander und das politische Klima ist extrem instabil. Das bekommen auch Emmerich und Winter zu spüren, obwohl sie als Polizeibeamte mittlerweile ein aus dem Heer ausgemustertes Dienstauto benutzen dürfen.

"Die Inflation galoppiert, die Leute hungern und darben, drüben in der Leopoldstadt ist wieder mal die Cholera ausgebrochen, und dieses Jahr stehen in der Kriminalstatistik bereits über dreißigtausend Verbrechen - und dabei ist erst September."
S. 26 - Emmerich zu Winter

Bei der Tatortbegehung lernen sie einen neuen "Kollegen" kennen, der der Handlung eine sehr interessante Facette hinzufügt: Sandor Adler arbeitet als Psychoanalytiker und möchte das Böse in all seinen Spielarten erforschen, wie er sagt.

In den 1920er Jahren steckt die Psychoanalyse bzw. das Profiling bei der Polizei allerdings noch in den Kinderschuhen. Dementsprechend abweisend reagiert vor allem Emmerich auf Adler. Bei der Untersuchung der Leiche macht Adler eine folgenschwere Vorhersage, die den gesamten weiteren Verlauf der Geschichte beeinflussen wird.

"Mein Instinkt sagt mir, dass wir es mit einem klugen, äußerst durchtriebenen Täter zu tun haben. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass dies nicht sein erstes Opfer war, und wenn wir ihn nicht stoppen, auch nicht sein letztes."
S. 46 - Adler zu Emmerich

Parallel dazu werden einzelne Passagen aus der Sicht von "Josef" erzählt, bei dem sich im Verlauf der Jahre eine gewisse Entwicklung abzeichnet, die darauf schließen lässt, mit wem Emmerich und Winter hier zu tun haben. Schon deswegen ist das Tempo für einen Emmerich-Roman dieses Mal ungewohnt rasant.

Manche Abschnitte haben außerdem kleine Cliffhanger, das hat es für mich zwischendurch wirklich schwer gemacht, das Hörbuch zwischendurch abzuschalten. Gott sei Dank übertreibt die Autorin den Spannungsbogen in diesem Zusammenhang allerdings nicht, in meinen Augen sind die Cliffhanger wohl durchdacht und nicht übertrieben häufig eingesetzt worden.

Als Sprecher zieht Cornelius Obonya auch dieses Mal stimmlich wieder alle Register, was das Hören zu einem echten Genuss macht. Besonders die hohen, etwas krächzenden Tonlagen haben mir gut gefallen, wenn sich Emmerich zB mit älteren Damen unterhält. Leider setzt der Verlag nach wie vor auf gekürzte Fassungen, was in meinen Augen der einzige Wermutstropfen an der (Hör)Buch-Fassung ist.

In der Vergangenheit hatte ich ja oft ein Problem mit dem bzw. der Entwicklung des Finales, aber dieses Mal habe ich tatsächlich einmal nichts daran auszusetzen. Es wird spannend erzählt, nicht zu schnell und nicht zu langsam und kann auch mit einem Plot-Twist aufwarten, mit dem ich in dieser Form nicht gerechnet habe. Herz, was willst du mehr?

Allerdings endet auch dieser Band mit dem unvermeidlichen (privaten) Cliffhanger, den ich dieses Mal ein klein wenig aufgesetzt empfunden habe. Was jetzt nicht heißen soll, dass ich nicht auch einen sechsten Band lesen werde, aber als Stilelement zeigt es in meinen Augen schon ein paar Ermüdungserscheinungen ...

Mein Fazit

"Der letzte Tod" ist mittlerweile schon der fünfte Band der "Emmerich"-Reihe, der mir auch dieses Mal wieder viel Freude zum Hören bereitet hat. Kurz und gut: Es reicht trotz kleinerer Kritikpunkte für fünf Sterne, ich habe mich rundherum gut unterhalten gefühlt!

  • ★★★★★
  • Hörbuch (gekürzt)
  • 399 Minuten
  • Random House Audio
  • 978-3837157598