Rezension Alex Beer – Der zweite Reiter

“Der zweite Reiter” ist ein Klassiker für ein Buch, das mir zwar bereit durch einige Rezensionen unterkam, das ich aber trotzdem erst durch unser Krimi-Festival “Fine Crime” so wirklich wahrnahm. Zwar bekam die Autorin nur sechs Minuten Zeit, ihr Buch vorzustellen, aber das Setting machte mich trotz der kurzen Zeit sofort neugierig.

Zum Inhalt:

Die Zeit ist 1919, der Schauplatz der Geschichte Wien. Der Erste Weltkrieg ist verloren, Österreich-Ungarn endgültig untergegangen. Wien ist von Armut und Hunger geprägt. Trotzdem lebt und arbeitet Rayonsinspektor August Emmerich hier, versucht Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten. An seiner Seite sein neuer und unerfahrener Assistent Ferdinand Winter. Zusammen werden sie in eine Reihe von Todesfällen verwickelt, die alles andere als einfache Selbstmorde  sind …

Meine Meinung:

Ich sage es gleich einmal vorab: Wer sich für historische Krimis begeistern kann, kann mit diesem Buch nicht viel falsch machen! Die Autorin versteht es meisterhaft, das Wien dieser Zeit einzufangen, das so unmittelbar nach dem Krieg wirklich schlimm gewesen sein muss … Kaum Lebensmittel, kaum Arbeit, Wucherpreise, Armut, wohin das Auge blickt. Dazwischen die wenigen, die es geschafft haben, von der Situation zu profitieren: Schleichhändler (also Schmuggler), Zuhälter, Kriegsgewinnler.

An diesem von sozialen Spannungen geprägten Ort lernen wir August Emmerich kennen, einen Polizisten, der eigentlich einen Schleichhändler dingfest machen soll, aber davon träumt, in die Abteilung “Leib und Leben” zu wechseln und Morde aufzuklären. Um seinem Vorgesetzten Ergebnisse zu liefern, lässt er schon mal Fünfe gerade sein – anfangs sehr zum Verdruss seines jungen Assistenten, der den Krieg nur als Beamter erlebt hat und noch sehr grün hinter den Ohren ist.

Emmerich ist auf seine Weise sehr geradlinig, er hat eine ganz eigene Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit, die ihn mir gleich zu Beginn sehr sympathisch machte. Bei Winter, seinem Assistenten, brauchte ich etwas länger, um ihn zu mögen, aber letztendlich weiß er, wem seine Loyalität gehört und hat trotz seiner Unerfahrenheit einige Ideen, die den beiden bei ihren Ermittlungen helfen.

Die dritte Hauptfigur ist – wenn man das so sagen kann – die Stadt Wien und ihre Bewohner selbst. Neben der sehr bildhaften Sprache verwendet Beer auch immer wieder vereinzelt wienerische Ausdrücke, die die Dialoge noch lebendiger machen. Leser, die des Wienerischen aber nicht mächtig sind, müssen keine Angst haben, die Bedeutung der Wörter erschließt sich ohne Probleme aus dem Kontext.

Ganz ohne Probleme kommt aber auch hier das Privatleben des Ermittlers nicht aus, denn Emmerich muss mit der Situation fertigwerden, dass der Ehemann seiner Lebensgefährtin – obwohl für tot erklärt – auf einmal wieder quicklebendig vor der Tür steht. Dies ist nicht neu (Die Frau will natürlich als gute Christin bei ihrem Ehemann bleiben, obwohl sie ihn mittlerweile nicht mehr liebt), ist aber nachvollziehbar.

Das Finale selbst ist spannend und interessant erzählt, die Karten werden für die Protagonisten zumindest zum Teil neugemischt und ich bin gespannt, wie die Autorin dies in “Die rote Frau” weiterspinnen wird, der im Mai erscheinen wird.

Mein Fazit:

Alex Beer versteht es, das Wien kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zu beschreiben und einen interssanten Krimi zu erzählen, dessen Helden sich ganz bewusst zwischen Gut und Böse bewegen. Für Fans von historischen Krimis ein Muss!

  • ★★★★
  • Gebunden
  • 384 Seiten
  • Limes
  • 978-3809026754
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6 Gedanken zu „Rezension Alex Beer – Der zweite Reiter

    1. Liebe Martina!

      Jede/r Autor/in hatte nur sechs Minuten, das war das Prinzip dieser langen Nacht des Krimis 😉 … Dafür konntest du aber als Gast in kurzer Zeit sehr viele verschiedene Bücher kennenlernen, das war schon was wert! Und ja, auf den Folgeband bin ich auch neugierig, auch in Bezug auf das Privatleben des Herrn Emmerich 😀 …

      Liebe Grüße
      Ascari

  1. Hallo Ascari!

    Schön, dass es dir auch gefallen hat! Grad die Atmosphäre rund um die Nachkriegszeit nach dem 1. Weltkrieg habe ich extrem spannend gefunden. Auf den Folgeband bin ich ebenso gespannt.

    Liebe Grüße,
    Nicole

  2. So und da bin ich auch schon.
    Sehr schöne Rezension die alles wichtige aufzeigt. Mir hatte das Hörbuch auch sehr gefallen. Gerade diese Sozialstudien der damaligen Zeit waren irre gut dargestellt. Dann der Kriminalfall dazwischen und tolle Charaktere. Bei Hörbüchern habe ich ja immer das Problem das ich mir Namen nicht gut merken kann, aber wenn die Sprecher die einzelnen gut darstellen komme ich damit klar.
    Würde ich auch jederzeit weiterempfehlen
    Liebe Grüße
    Kerstin

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