Rezension

Rezension Andreas Gruber – Todesschmerz

Gute zwei Jahre mussten Gruber-Fans auf einen neuen Band aus der Todes-Reihe warten, ehe der Autor uns eine Fortsetzung der nun sechs Bände umfassenden Geschichte beschert hat. Dieser sechste Band ist allerdings nicht das Ende der Reihe, Gott sei Dank nicht, denn das Ende dieses Buchs – ich sag nur: puuuuuuh! Aber dazu später mehr … Immerhin ist schon durchgesickert, dass Gruber bereits fleißig weiterschreibt, die Wartezeit wird also dieses Mal nicht ganz so lange ausfallen wie beim letzten Mal.

Aus Band fünf sind wir ja mit dem Wissen ausgestiegen, dass Sneijder, unser liebster Kotzbrocken vom Dienst, nun ein Team um sich geschart hat, mit dem er seine Fälle löst. Dies ist auch der Status Quo, mit dem das neue Abenteuer startet.

Der Klappentext:

Mitten in den brisanten Ermittlungen um einen Verräter in den eigenen Reihen werden BKA-Profiler Maarten S. Sneijder und sein Team abgezogen und nach Norwegen geschickt, um den Mord an der deutschen Botschafterin aufzuklären. Vor Ort bekommen sie es mit einem besonders heimtückischen Gegenspieler zu tun. Der dirigiert nicht nur ein internationales kriminelles Netzwerk, auch seine Grausamkeit scheint keine Grenzen zu kennen. Als dann noch eine Verbindung zu dem Maulwurf im BKA deutlich wird und ein erstes Mitglied von Sneijders Team einem kaltblütigen Killer zum Opfer fällt, steht Sneijder vor seiner bisher größten Herausforderung …

Meine Meinung:

Die Geschichte geht ziemlich direkt los, denn die Frage nach dem geheimnisvollen Maulwurf wird sehr rasch auf den Tisch geworfen, ohne dass Leser:innen eine Idee bekommen, wer es sein könnte. Lediglich die Information, dass er in den höchsten Rängen des BKA sitzen muss, ist bekannt.

Maarten S. Sneijder (Ja, ja, das S muss sein!) und sein Team sind schon länger an dem Fall dran, werden aber überraschend abgezogen und nach Oslo geschickt, um den bereits im Klappentext erwähnten Mord an der Botschafterin Katharina von Thun aufzuklären. Zunächst reisen nur Sneijder und Nemez in den hohen Norden, begleitet von der BND-Agentin Cora Petersen, aber schon bald wird das ganze Team in gleich mehrere Vorfälle verstrickt, die alle auf irgendeine Weise zusammenhängen …

“Es gibt eine einfache Regel im Umgang mit mir – und wenn Sie die beherzigen, ist alles gut. Am liebsten sind mir jene Menschen, deren Bekanntschaft mir erspart geblieben ist. Als werden Sie nicht zutraulich.”

Sneijder zu Cora Petersen – S. 86

Andreas Gruber ist ja bekannt dafür, dass er seine Figuren gerne durch Europa reisen lässt, Norwegen als beinahe ausschließlicher Schauplatz ist allerdings ein gänzlich neues Pflaster. Der Autor stellt dabei aber sein Können unter Beweis, auch in Zeiten von Corona eine gute Beschreibung dieser neuen Orte abzuliefern, ohne selbst vor Ort gewesen zu sein. Im Nachwort gibt es Aufschluss darüber, was den Tatsachen entspricht und wo sich Gruber einige schriftstellerische Freiheiten für seine Geschichte genommen hat.

Aber zurück zum Buch: Vor Ort wird schnell klar, dass hier einiges nicht mit rechten Dingen zugeht, der Mord an der Botschafterin führt recht schnell zu weiteren Spuren, die auf den Verbrecherkönig Haakon Jørgensen deuten. Wie er in die Geschichte verwickelt ist, werde ich jetzt aber nicht verraten – den Spaß will ich niemandem verderben!

“Ich kläre Sie jetzt über den Unterschied zwischen uns beiden auf. Sie laufen dorthin, wo der Ball ist – ich laufe dorthin, wohin er unterwegs ist.”

Sneijder zu seinem norwegischen Kollegen Gulbrandsen – S. 193

Wer Grubers Bücher kennt und liebt, rätselt ja mit Vorliebe selbst gerne mit und bekommt mit der Zeit auch ein bisschen ein Gefühl dafür, wie der Autor seine Geschichten anlegt. So auch hier, ich lag zwar nicht immer richtig, aber zumindest bei zwei Dingen hatte ich einen guten Riecher. In Summe wirkten allerdings die Motive für die Morde nicht immer glaubhaft, manches wirkte für mich schon ein wenig zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Was aber nicht heißt, dass die Geschichte nicht trotzdem sehr spannend geschrieben ist. Das beherrscht der Autor wirklich wie kein zweiter, gar keine Frage. Die ersten Kapitel fand ich noch verhältnismäßig gemächlich erzählt, aber es braucht wie immer etwas Zeit, bis man die Haupthandlung um Sneijders Team und die Nebenhandlung um die Familie Jørgensen richtig einordnen kann.

“Es sind nicht diejenigen gefährlich, die tausend unterschiedliche Vorstellungen von einer Tat haben”, sagte er, “sondern diejenigen, die sich eine bestimmte Szene tausendmal vorstellen”.

Sneijder über kreative Morde – S. 183

Den Antagonisten Haakon fand ich für meinen Geschmack ein wenig zu eindimensional, ein kleines bisschen mehr Tiefe hätte dieser Figur nicht geschadet. Daneben gibt es noch Alexander, Haakons Bruder, und Astrid, Haakons Frau. Welche Rolle die beiden in dem Buch spielen, erschließt sich allerdings erst nach und nach durch die kleinen Rückblenden, die Gruber geschickt in die Haupthandlung eingeflochten hat.

Gut gefallen haben mir auch die eine oder andere Szene aus dem Privatleben der Ermittler:innen. Sneijder erhält hier eine ungewohnt menschliche Seite, die vermutlich nicht jedem Fan zusagen wird, die in meinen Augen der Figur aber noch eine weitere Facette hinzugefügt hat – am deutlichsten kommt dies allerdings gegen Ende durch, wo wieder einmal erkennbar wird, das jenseits von Vanilletee, Akupunkturnadeln und Verbrecherjagden auch andere Dinge für Sneijder zählen.

Wobei wir schon beim Stichwort wären: Was soll ich bloß zu diesem Ende sagen? Die Geschichte braucht ja doch ein wenig zu Beginn, um in die Gänge zu kommen. Dafür reißt einen das Ende so sehr mit, dass man am liebsten sofort zu Band sieben greifen möchte, der allerdings noch ein Jahr auf sich warten lassen wird. Laut Autor endet zwar “nur” die Nebenhandlung mit einem Cliffhanger, aber der hat es in meinen (Fan)Augen trotzdem in sich!

Mein Fazit:

Ich muss gestehen, ich tue mich bei diesem Buch wirklich schwer, es angemessen zu bewerten. Vieles fand ich sehr gut, vor allem das rasant erzählte Ende, dem gegenüber stehen aber die Motive der Figuren, der eher ruhige Anfang und die Figur des Antagonisten, die mich nicht so ganz für sich einnehmen konnten. Trotzdem spreche ich schon wegen Sneijder eine Leseempfehlung für alle Fans aus – gerade nach der langen Wartezeit!

  • ★★★★
  • Klappenbroschur
  • 592 Seiten
  • Goldmann
  • 978-3442491094
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3 Kommentare

  • Aleshanee

    Huhu!

    Das sehen wir ja recht ähnlich 🙂
    Ich fand es auch wieder sehr spannend – aber das sind die Bücher von Gruber eigentlich immer – auch wenns mit der Logik oder dem nachvollziehen manchmal hinkt…
    Dass Sneijder dieses Mal etwas “menschlichere” Züge bekommt, mag ihm mehr Tiefe verleihen, aber ich mag diese Tiefe eher irgendwo tief unten auf dem Grund spüren und nicht so deutlich 😀 Er war mir schon ein bisschen zu zahm in diesem Band ^^

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • Ascari

      Hallo Aleshanee!

      Ach, ich glaube, wir werden im nächsten Band wieder viel Spaß mit Sneijders grantiger Seite haben. Andreas hat auf seiner letzten Lesung etwas Entsprechendes angedeutet, als er davon erzählt hat, dass in Band 7 Sneijder auf Pulaski treffen wird. Das wird sicher richtig lustig werden! 😁

      Liebe Grüße
      Ascari

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