Rezension Andy Weir – Der Marsianer

“Ich bin im Arsch” – mit diesem Satz steigt Weir kurz und bündig in seinen Roman “Der Marsianer” ein. Gleichzeitig bringt es dieser Satz sehr schön auf den Punkt, welches Problem Weirs Held hat. Aber schön der Reihe nach :).

Zum Inhalt:

Mark Watney ist Botaniker und Ingenieur und zusammen mit einer Gruppe anderer Astronauten auf dem Mars für eine einmonatige Mission gelandet. Schon nach knapp einer Woche tobt allerdings ein solcher Sturm, dass Watney einen Unfall hat und von seinen Kollegen für tot gehalten wird. Diese brechen die Mission ab und verlassen den Planeten – nicht wissend, dass Watney noch am Leben ist. Für Watney bedeutet das auf einmal einen Kampf ums Überleben – in einer feindlichen Umgebung mit Hilfsmitteln, die nicht für eine längere Belastung ausgelegt ist.

Meine Meinung:

Dieses Buch wurde mir bereits vor einer ganzen Weile von einem sehr guten Freund von mir ans Herz gelegt, damals war ich aber noch nicht neugierig genug … Jetzt hatte ich die Möglichkeit, den Roman als E-Book zu lesen.

Ich muss gestehen, ich brauchte eine Weile, um mit dem Buch warm zu werden, da der Schreibstil mit erstaunlich wenig Dramatik gespickt ist. Ganz im Gegenteil: Watney tritt als Erzähler in der Ich-Form auf, der Leser wird in eine Art Log- bzw. Tagebuch hineingesogen und bekommt die Probleme auf recht unspektakuläre Weise erzählt.

Trotzdem entbehrt es nicht einer gewissen Spannung, mitzuerleben, was Watney durch den Kopf geht, wie er den Kampf ums Überleben aufnimmt und was er tut, um in der Einsamkeit nicht verrückt zu werden. Mark dokumentiert dies alles, sowohl Erfolge als auch Rückschläge mit unerschöpflich trockenem Humor, der dazu beiträgt, dass es einem nicht schwerfällt, dem Bericht zu folgen.

Jetzt, da die NASA mit mir reden kann, hält sie nicht mehr die Klappe. Sie verlangen ständig Updates für alle Systeme der Wohnkuppel und sie haben einen ganzen Raum voller Leute, die sich um jede meiner Pflanzen einzeln kümmern. Es ist der Wahnsinn, dass ein Haufen Penner auf der Erde mir, einem Botaniker, erklären will, wie man Pflanzen anbaut.

Dazwischen gibt es immer wieder Stellen, die in der dritten Person erzählt werden, beispielsweise dann, als die NASA dank Fotos vom Mars herausfindet, dass Watney noch am Leben ist. Ab hier setzt der dramatische Kampf um Watneys Leben von Seiten der Erde ein und man darf als Leser verfolgen, was die Kollegen in Houston, in China und auf der Hermes, dem Transportraumschiff zum Mars, alles anstellen, um Watney zu retten.

Meine Unterhaltung mit der NASA über den Wasseraufbereiter war langweilig und mit technischen Einzelheiten gespickt. Ich fasse das mal für Sie zusammen.
Ich: “Offensichtlich ist da etwas verstopft. Wie wäre es, wenn ich das Ding zerlege und die Schläuche im Inneren überprüfe?”
NASA (nach fünfstündigen Beratungen): “Nein, Sie machen bloß etwas kaputt und sterben”.
Also nahm ich das Ding auseinander.

Ich habe hier einige Male überlegt, ob die Wirklichkeit auch so aussehen würde, dass die NASA Milliarden von Dollar ausgeben würde, um eine einzelne Person zu retten – aber das ist ja das Schöne an fiktiven Geschichten: Hier dürfen die Helden Helden sein, hier ist das Geld unerschöpflich und natürlich wird es eingesetzt, um den Zurückgebliebenen nach Hause zu holen :).

Einen kleinen Wermutstropfen hatte das Buch allerdings für mich auch: Die Berechnungen. Ich meine die technischen Beschreibungen. Hier hätte es in meinen Augen nicht geschadet, wenn diese etwas weniger langatmig ausgefallen wären. Man merkt dem Buch dadurch aber auch an, dass sich Weir wirklich Gedanken gemacht hat, ob diese Szenarien wirklich plausibel sind oder nicht, das muss man dem Autor zugutehalten.

“Der Marsianer” ist daher ein interessantes Buch, das sich aus den derzeit auf dem Markt befindlichen SF-Romanen auf wohltuende Weise heraushebt – und das vielleicht sogar aufgrund seiner nicht so klassisch ausgeprägten SF- Thematik auch Nicht-SF-Leser dazu animieren kann, einmal über den Tellerrand zu schauen!

Mein Fazit:

Andy Weir ist mit “Der Marsianer” ein recht ungewöhnlicher SF-Roman gelungen, der gekonnt mit den Elementen der Science Fiction spielt, der aber im Grunde auch in einem ganz anderen Umfeld spielen könnte. Geheimtipp für alle, die gewöhnlich nicht so viel mit SF am Hut haben und trotzdem ein bisschen das Genre kennenlernen möchten!

  • ★★★★
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4 Gedanken zu „Rezension Andy Weir – Der Marsianer

  1. Hallo Ascari,

    das Buch klingt aber sehr interessant! Der Schreibstil würde mich auch interessieren, die Geschichte sowieso.

    Gibt es das Buch auch als Print-Version?

    Liebe Grüße und einen schönen Tag wünscht
    Alex

  2. du hättest es HÖREN sollen! als hörbuch ist es unschlagbar, wenn man hörbücher mag! da kommt nämlich die sich steigernde dramatik durch den sehr guten vorleser besonder gut hervor. ein bisschen weniger technisch hätte mir auch gefallen, doch insgesamt, hat sich das in meiner bewertung nicht niedergeschlagen. jetzt noch der film, gell!?!

  3. Ich hab reingehört, konnte mich aber mit dem Sprecher nicht wirklich anfreunden, muss ich gestehen … Ist halt auch ein wenig Geschmacksache :D.

    Auf den Film bin ich auch schon gespannt! Hast du schon den neuen Trailer gesehen?

    Liebe Grüße
    Ascari

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