Rezension

Rezension E.M. Castellan – Im Schatten des Sonnenkönigs. Die Gabe

Ich glaube, dieser Titel stach mir schon ins Auge, als ich zu Jahresbeginn die Erscheinungslisten beim Büchertreff für 2021 durchgegangen bin. Das Cover alleine hätte jetzt nicht meine Aufmerksamkeit gefesselt, aber beim Wort “Sonnenkönig” bin ich hängengeblieben. Und ich gebe zu, nach dem Lesen des Klappentexts war ich mir noch nicht sicher, was mich hier wirklich erwarten würde … Dennoch dachte ich mir, das klingt interessant, speicherst du den Titel mal :).

Der Klappentext:

Sie besitzt eine einzigartige Gabe. Er ist der mächtigste König in Frankreichs Geschichte. Gemeinsam sind sie unbesiegbar.

1661, am Hof des Sonnenkönigs. Die 17-jährige Henriette D’Angleterre heiratet den Bruder des Sonnenkönigs, eine politische Zweckehe. Dabei verbirgt Henriette ein gefährliches Geheimnis: Sie besitzt Magie – etwas, das in die Hände ihrer Feinde spielen könnte. Zwar ist Louis XIV selbst Magier, aber ein tödlicher Attentäter bedroht das Leben all jener, die eine magische Gabe besitzen. Darf sich Henriette dem unberechenbaren Sonnenkönig anvertrauen?

Meine Meinung:

Ich gebe zu, ich lese wenig Historisches. Einfach auch aus dem Grund, da mir bestimmte Settings mittlerweile nicht mehr so zusagen, weil es sie gefühlt schon x-fach gegeben hat (Mittelalter, Highlands, jetzt auch 19. Jh etc). Es gibt aber auch Settings, für die habe ich eine gewisse Schwäche, anscheinend werden sie aber nicht so häufig bedient, hier fallen zum Beispiel die Antike oder eben das Frankreich des 17. Jahrhunderts hinein. Wenn ihr nun den Klappentext gelesen habt, wisst ihr, was das heißt. Das ist so wie einem Jagdhund eine Beute in Aussicht zu stellen, wie ein Reflex eben *grins*.

Ich muss aber auch sagen, dass ich mir aufgrund der Zielgruppe (Der cbt Verlag ist ja eher auf jüngere Leser:innen spezialisiert) nicht allzu viel erwartet habe. Tja, wie Bücher doch täuschen können – aber dieses Mal auf angenehme Weise! Der Schreibstil ist zwar wie erwartet eher einfach, aber die große Überraschung kam mit der Erkenntnis, wie genau die Autorin die historischen Eckdaten eingearbeitet hat. Ich bin beileibe keine Expertin für diese Zeit, aber da ich immer wieder Romane gelesen habe, die in der Zeit spielen, weiß ich einiges über die handelnden Personen, das vermutlich den meisten anderen Leser:innen nicht so bekannt sein dürfte.

“Die Karodame wird am hellsten strahlen, doch die Welt wird ihr Licht nicht lange auf Erden halten können.”

Teil der Prophezeiung – ca. 3 %

Es gibt in diesem Zusammenhang – nächste Überraschung – sogar ein recht ausführliches Nachwort der Autorin, wo sie verrät, welche Figuren sie erfunden hat und welche Figuren wirklich gelebt haben. Ich hatte diesbezüglich schon so meine Vermutungen, die im Großen und Ganzen dann auch bestätigt wurden. So etwas finde ich immer schön, weil ich mich gerne nach dem Lesen noch damit beschäftigte, diese Grenze zwischen Fakten und Fantasie auszuloten. Verständlicherweise sind die magischen Details natürlich erfunden, aber die Autorin versteht es wirklich geschickt, sie in ihre Geschichte zu verweben, ohne dass größere Schnitzer entstehen (Auch hier gibt es im Nachwort einen Hinweis, was sie geändert hat).

Geschrieben ist die Geschichte aus der Ich-Perspektive der 17jährigen Henriette, die nach Frankreich kommt, um den Bruder des Königs, Philippe, zu heiraten. Da dieser offen Beziehungen zu Männern gepflegt hat, war ich schon gespannt, wie die Autorin dies in ihren Roman einbauen würde, vor allem weil auch bekannt ist, dass Philippe seiner Frau drei Kinder geschenkt hat. Diese Mé­nage-à-trois sehr interessant dargestellt, wenn ich mir auch nicht sicher bin, wie viele Gefühle wirklich im Spiel waren. Es war aber weder zu viel, noch zu wenig – und vor allem kein übertriebenes (Liebes)Getue, da Henriette als junge Prinzessin genau weiß, was in dieser Ehe von ihr verlangt wird.

“Seine Ehrlichkeit verblüffte und erfreute mich gleichermaßen. Dies war der König von Frankreich, ein Mann, dessen Wachsamkeit niemals nachließ, und er offenbarte sich mir.”

ca. 20 %

Auf dieselbe Art und Weise wird auch Ludwig XIV in all seinen Facetten zum Leben erweckt. Zum Zeitpunkt der Geschichte ist der König noch ein junger Mann, der aber bereits an der Schwelle zur Alleinherrschaft steht, die ihn später so berühmt gemacht hat. Und auch eine Vision von einem (magischen) Versailles steht im Raum … Kein Wunder, dass Henriette von ihm wie viele andere fasziniert ist und ihn bei seinem Traum unterstützen möchte, während sie nach der Hochzeit sich an den französischen Hof und dessen Gepflogenheiten gewöhnen muss.

Ich gebe zu, ich tue mich dieses Mal wirklich schwer, etwas zu den Personen zu schreiben, weil man das natürlich nachlesen kann, aber die Anziehungskraft kommt meiner Meinung nach bei diesem Buch auch aus den wunderschönen Bildern, die die Autorin heraufbeschwört. Ich habe selten das Gefühl, beim Lesen von Historischem mir richtig vorstellen zu können, was die Autorin oder der Autor mir zeigen will, aber hier hatte ich absolut keine Probleme, mich in diese geistige Zeitreise fallen zu lassen.

“Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gingen ineinander über, während das Land flüsternd zu uns sprach. Wir empfingen seine Geheimnisse, luden seine Erinnerungen zu uns ein und sahen seine Zukunft. Einen goldenen Palast inmitten üppiger Gärten. Einen Spiegelsaal und Hunderte von kunstvoll gestalteten Brunnen.”

ca. 16 %

Die Schlösser, das Leben am Hof, die Feste, die Theater-Aufführungen – das alles hat das Leben jener Zeit für den Adel bereitgehalten (vorausgesetzt, man hatte das notwendige Kleingeld dafür). Mit Hilfe der in der Geschichte allgegenwärtigen Magie wird es noch ein Stück bunter, als es wohl in Wirklichkeit war, aber es fügt sich trotzdem zu einem stimmigen Ganzen zusammen.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich höchstens zum Anfang, wo die Protagonistin eine Art Prophezeiung einer Wahrsagerin erhält, denn diese ist wohl ohne entsprechendes Hintergrundwissen kaum verständlich. Ich habe eine recht genaue Vorstellung, was und vor allem wer gemeint sein dürfte, aber es lässt auf jeden Fall viel Spielraum für weitere Bände, bisher ist erst eine Fortsetzung bei Goodreads angekündigt.

Mein Fazit:

“Im Schatten des Sonnenkönigs” ist eine recht bunte Mischung aus verschiedenen Genres, die mich aber gleich in mehreren Belangen tatsächlich überraschen konnte und die sich in meinen Augen sehr wohltuend aus dem Durchschnitt der meisten Fantasy-Jugend-Bücher heraushebt.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 416 Seiten
  • cbt
  • 978-3-641-25487-2
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