Rezension George R.R. Martin – Westeros

Wer meine Rezensionen regelmäßig liest, wird wissen, dass ich normalerweise kein großer Fan davon bin, als Inhaltsangabe einfach den Klappentext bzw. Buchtext hinzuzufügen. Bei “Westeros” möchte ich aber einmal eine Ausnahme machen, weil es mir ehrlich gestanden schwerfällt, Meinung und Inhaltsangabe zu trennen. Ich hoffe, ihr verübelt mir das nicht 🙂 …

Rückentext:

Die Sieben Königreiche von Westeros – das bedeutet epische Schlachten, erbitterte Feindschaften und tödliche Intrigen. Diese Chronik enthält gesichertes Wissen, Spekulationen und überlieferte Sagen vom Zeitalter der Ersten Menschen über die Ankunft von Aegon dem Eroberer bis zu Robert Baratheons Rebellion gegen den wahnsinnigen König Aerys II. Targaryen. Und alle diese Ereignisse führten zu George R.R. Martins Meisterwerk “Das Lied von Eis und Feuer” und zu der Fernsehserie “Game of Thrones”.

Meine Meinung:

Ich möchte hier gleich einmal etwas vorausschicken: Ich schaue leidenschaftlich gern die TV-Serie “Game of Thrones” an. “Das Lied von Eis und Feuer” kenne ich aber bisher nur als Hörbuch (die Audible-Ausgabe mit den englischen Namen und Begriffen), hier habe ich es aber nicht weiter als bis zum Ende des ersten Buches geschafft …

Trotzdem finde ich die Welt, die Martin hier nach und nach geschaffen hat, bemerkenswert. So viele Namen und Details – und jedes Jahr ertappe ich mich dabei, dass ich mich genau danach frage, wenn eine neue Staffel beginnt :). Da finde ich es umso interessanter, wie Martin es schafft, den Überblick über seine Welt zu behalten.

Eine Antwort auf diese Frage bekommen wir mit “Westeros”, einem Buch, das ich grob in die Rubrik “Sekundärliteratur” zu “Game of Thrones” einsortieren würde. Grob deswegen, weil das Buch nicht wie ein Sachbuch geschrieben ist.

Im Gegenteil, man bekommt die Vorgeschichte dieses Fantasy-Epos als Erzählung von Maester Yandel präsentiert, der sich die Mühe gemacht hat, eine Chronik für König Tommen zu erstellen. Und genau wie eine Chronik sieht das Buch auch aus. Angefangen bei dem etwas vergilbten Look, der an die aktuelle Ausgabe der deutschen Taschenbücher von “Das Lied von Eis und Feuer” erinnert, über die bräunlichen Seiten bis hin zu den Illustrationen, die die einzelnen Informationen begleiten.

Auf etwa 330 Seiten erfährt man als Leser alles, was man schon immer über das “Game of Thrones”-Universum wissen wollte. Die Anfänge, die ersten Menschen, die Andalen, der Bau der Mauer, das alte Valyria oder die Herrschaft der Targaryens (jeder einzelne König bekommt ein Kapitel!) – alles wird von Maester Yandel beschrieben.

Darüber hinaus werden die freien Städte in Essos und die einzelnen Regionen in Westeros vorgestellt, der Abschnitt über die Bewohner jenseits der Mauer ist allerdings ein bisschen kurz, da hätte ich mir ein paar Details mehr gewünscht (Vielleicht ist aber auch vorgesehen, dass man das alles erst beim Lesen von “Das Lied von Eis und Feuer” lernt, wer weiß?). Spannend fand ich auch die Stammbäume am Schluss, leider sind aber nicht alle Familien von Westeros darin vertreten.

Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist der Schreibstil. Natürlich entspricht er einer Chronik, das ist keine Frage, aber an manchen Stellen wird er meiner Meinung nach etwas weitschweifig. Und ganz in der Tradition von “Das Lied von Eis und Feuer” bekommen wir nocheinmal jede Menge neuer Namen an den Kopf geworfen (welcher Maester jetzt was geschrieben hat, da bin ich recht großzügig drübergeflogen). Gleichzeitig werden einem Gott sei Dank aber auch einige Dinge klarer, einige Zusammenhänge tun sich durch “Westeros” auf.

Worauf ich gut verzichten hätte können, waren die zahlreichen kleinen Exkurse. Ich gebe zu, ich mag so etwas nicht besonders, weil ich nie weiß, wann ich die lesen soll, ob am Anfang oder am Ende des Haupttextes. Wenn ich sie am Ende gelesen habe, war es oft auch mit Zurückblättern verbunden, weil die Hauptgeschichte dann schon mal über mehrere Seiten ging. Habe ich sie davor gelesen, habe ich sie meist (noch) nicht verstanden …

Eine kleine Kritik möchte ich auch zum Index anbringen, der sich ganz am Ende des Buches befindet: Die Schriftgröße ist ziemlich klein! Da hätte ich lieber ein oder zwei Seiten mehr im Buch gehabt und etwas bessere Lesbarkeit, da ich schon das Buch in Zukunft auch als Nachschlagewerk benutzen möchte. Was ich mir auch gewünscht hätte, wäre eine Karte von Essos, die ähnlich detailliert die Städte und Regionen des Ostens zeigt wie bei den sieben Königslanden – hier musste eine Google-Suche am Ende für eine Übersicht herhalten …

Ihr seht schon, “Westeros” ist kein Buch für eben mal zwischendurch, das ist schon dem extra großen Format geschuldet. Für dieses Buch muss man sich Zeit nehmen! Es hat aber auch den Vorteil, dass man nicht Kapitel für Kapitel chronologisch lesen muss, sondern bis zu einem gewissen Maß auch zwischen den Abschnitten hin- und herspringen kann.

Mein Fazit:

Wer schon leidenschaftlicher Fan der Bücher oder der TV-Serie ist, für den ist dieses Buch ein Muss! Alle anderen bekommen mit diesem Buch einen guten Einstieg in das Martinsche Universum, der einem das Verständnis für “Das Lied von Eis und Feuer” vor allem am Anfang sicherlich erleichtert.

  • ★★★★
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4 Gedanken zu „Rezension George R.R. Martin – Westeros

  1. Hi,
    bin mal bei dir auf einen Sprung vorbei gekommen. Einen richtig schönen Blog hast du!
    Ich bleibe direkt als Leserin;)
    Die "Game of Thrones" Reihe schiebe ich schon lange vor mir her, wie fandest du die? Kannst du sie empfehlen?
    Alles Liebe:)
    Jojo von xjojoxfangirl.blogspot.de

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