Der Leseratz

Lesen oder fressen - das ist hier die Frage!

REZENSION • THRILLER

Andreas Gruber - Herzfluch

23. November 2025

"Herzfluch" ist die Fortsetzung zu "Herzgrab", dem einen Roman von Andreas Gruber, der bei seinem Erscheinen ursprünglich als Standalone-Roman gedacht war. Um mich auf "Herzfluch" einzustimmen, habe ich mir "Herzgrab" nach über 10 Jahren (Ja, ja, die Zeit vergeht) erneut angehört. Und habe mich daran erinnert, dass ich mir damals schon dachte, die Geschichte schreit eigentlich nach einer Fortsetzung :D.

Falls jetzt jemand fragt, ob das für das Verständnis von "Herzfluch" notwendig ist: Ich denke nicht. "Herzfluch" setzt zwar auf dieselben Figuren wie "Herzgrab", funktioniert in meinen Augen aber auch für sich alleine. Verständlicherweise hat der Autor sehr viele Anspielungen auf das frühere Buch eingebaut, aber es ist nichts darin enthalten, was dagegen spricht, die Geschichte unabhängig von "Herzgrab" zu genießen.

Der Klappentext

Die Wiener Privatdetektivin Elena Gerink ist auf der Suche nach einem zu Unrecht freigesprochenen Mörder, der sich vor 15 Jahren ins Ausland abgesetzt hat. Nach schwierigen Recherchen führt sie der Fall schließlich nach Griechenland.

Dorthin sind auch Elenas Mann Peter und sein Kollege Dino Scatozza unterwegs – beides Entführungsspezialisten des österreichischen BKA. Unter Zeitdruck versuchen sie, eine vermisste junge Urlauberin zu finden, die zuletzt auf einer Party der Athener High Society gesichtet wurde.

Als sich die Spuren beider Fälle auf einer kleinen griechischen Privatinsel kreuzen, ermitteln Elena, Peter und Dino dort gemeinsam weiter … und werden in die düstere Vergangenheit der Insel hineingezogen.

Meine Meinung

Hat es in "Herzgrab" Elena, Peter und Dino nach Italien verschlagen, ist nun das schöne Griechenland dran. Die Geschichte beginnt zunächst recht dramatisch und traurig (Hundeliebhaber:innen sollten Taschentücher bereithalten!), wird aber bald von den beiden unterschiedlichen Fällen verdrängt, die Elena und Peter & Dino zunächst alleine bearbeiten. Dabei setzt der Autor auf sein bewährtes Prinzip der geteilten Handlungsstränge und erzählt die Erlebnisse der beiden "Teams" (Nennen wir sie der Einfachheit halber einmal so) abwechselnd.

Allerdings wäre "Herzgrab" kein typischer Gruber, wenn nach einer gewissen Zeit nicht etwas passieren würde, was die beiden Teams wieder zusammenführt. Unterbrochen wird das Ganze von verschiedenen Rückblicken in die Vergangenheit, die natürlich dazu einladen mitzurätseln, was denn passiert sein könnte und wer dafür verantwortlich ist.

Dabei schaltet der Autor zunächst einen Gang zurück, da man als Leser:in beide Teams erst einmal beim Ermitteln begleitet, immer wieder unterbrochen von der einen oder anderen sehr humorvollen Szene, die einem durchaus ein gewisses Grinsen ins Gesicht zaubert. Die Chemie zwischen Peter und Dino ist hier zwar eine andere als bei "Herzgrab", da hier beide ohne den Beziehungsstress aus der Vergangenheit miteinander interagieren, es zeigt aber auch schön auf, wie gut die beiden in ihrer unkonventionellen Art zusammen funktionieren.

Das Finale dagegen kommt in bewährter Gruber-Manier daher, hier wird es ganz schön stürmisch (im wahrsten Sinn des Wortes), gruselig und brutal - uaaaaah! Da merkt man ganz schön deutlich, in welchem Genre der Autor seine ersten Schreibversuche gemacht hat ... Gleichzeitig bin ich aber mehr oder weniger am Hörbuch festgeklebt, weil ich einfach nicht mehr aufhören konnte zu hören.

Fairerweise muss ich aber auch sagen, dass ich einen der letzten Plottwists nicht mehr verstanden habe. Ich will nicht sagen, dass es hier unglaubwürdig wurde, aber mir hat sich schlicht und einfach die Motivation einer bestimmten Handlung nicht erschlossen. In Summe hat das zwar nicht den Genuss beim Hören geschmälert, aber es hat mich zumindest mit einem Fragezeichen im Gesicht zurückgelassen.

Zum Hörbuch

Achim Buch macht wie immer einen exzellenten Job als Sprecher, ich bin allerdings einige Male über die etwas verhunzte Aussprache von AUA (dem Akronym der Austrian Airlines) gestolpert. Tja, ab und zu merkt man halt doch, dass Herr Buch nicht in Österreich zuhause ist! :D

Mein Fazit

"Herzfluch" ist eine würdige Fortsetzung zu "Herzgrab", auch wenn zwischen den beiden Büchern mehr als zehn Jahre liegen. Zwar ist das Tempo nach dem Einstieg zunächst eher gemächlich, serviert uns der Autor ein mehr als nervenaufreibendes Finale, das einen das Hörbuch nur schwer pausieren lässt. Da verzeihe ich auch die eine oder andere Länge und offene Frage und runde auf fünf Sterne auf :).

  • ★★★★★
  • Hörbuch
  • 1007 Minuten
  • Der Hörverlag
  • 978-3844554298