Rezension Iny Lorentz – Die steinerne Schlange

Iny Lorentz, Deutschlands bekanntestes Team, wenn es um historisches Romane geht, hat wieder ein neues Buch herausgebracht. Dieses Mal spielt die Geschichte allerdings in der Antike, genauer gesagt im 3. Jahrhundert nach Christus am rätischen Limes.

Klappentext:

Germanien im Jahre 213 nach Chr. Die junge Gerhild, Tochter eines Stammesfürsten, ist eine mutige und standesbewusste Frau. Als der römische Statthalter Quintus ihren Stamm aufsucht und sie zur Geliebten fordert, sind ihre beiden Brüder zu ihrem Entsetzen damit einverstanden.

Sie will sich jedoch nicht in ein Schicksal fügen, das gleichbedeutend mit Sklaverei ist, und verlangt, dass der Römer um sie kämpfen soll. Da sie ahnt, dass ihre Brüder den Römer gewinnen lassen wollen, tritt sie selbst gegen ihn an.

Was niemand für möglich gehalten hätte, geschieht: Die junge Frau siegt und blamiert Quintus damit vor ihrem Stamm und seinen eigenen Leuten. Der Römer will seine Niederlage nicht hinnehmen und sinnt auf Rache. Für Gerhild beginnt damit ein verzweifelter Kampf ums Überleben …

Meine Meinung:

Der Klappentext gibt nur etwa die ersten 70 Seiten des Romans wieder, spiegelt also nur den Auftakt der Handlung wider, die sich nach und nach zu einer immer größeren Auseinandersetzung zwischen Römern und den verschiedenen germanischen Stämmen, die jenseits des Limes leben, entwickelt.

Der Grund dafür ist der Ehrgeiz des römischen Kaisers Caracalla, der sich profilieren und das römische Reich vergrößern will. In seinem Fahrwasser kommt Quintus Severus in das Land, der zum Stadthalter der neuen Provinz “Germania Magna” ernannt werden möchte. Als er Gerhild das erste Mal sieht, möchte er sie unbedingt besitzen und unternimmt immer größere Anstrengungen, sein Ziel zu erreichen, als er sieht, wie erfolgreich sie sich ihm widersetzt.

Hilfe bekommt Gerhild von Julius, einem Goten, der bei den Römern als Reiteroffizier dient. Er ist der erste, der erkennt, welches Potenzial in Gerhild schlummert und gibt ihr Unterricht im Schwertkampf. Da Gerhild außerdem nicht bereit ist, ihr Land und ihren Stamm aufzugeben, wird sie ein wenig unfreiwillig zur Anführerin einer ganzen Schar von Kriegern, die sich gegen die Römer zur Wehr setzen.

Soweit zur Handlung :). Iny Lorentz entwerfen wie gewohnt ein Szenario, in dem es die Bösen nach dem Leben und Gut anderer trachtet und wo die Guten gezwungen sind, sich ihrer Haut zu erwehren, um in Frieden leben zu können. Gerhild hielt ich persönlich für einen sehr interessanten Charakter, der mich mehrmals an die britische Kriegerkönigin Boudicca und auch ein bisschen an die Kriegerprinzessin Xena denken ließ (Okay, so gut kämpfen wie Xena konnte sie jetzt nicht :D).

Was mir aber bei ihr gefehlt hat, waren die Hintergründe. Was treibt sie an? Wie fühlt sie? Warum tut sie dieses oder jenes? Vieles blieb mir leider fremd, weswegen man sich als Leser bald so fühlt, als ob man über 600 Seiten lang eine Art Kriegstagebuch über die einzelnen Auseinandersetzungen lesen würde. Viele Namen, viele Charaktere, aber keiner wächst einem dabei ans Herz.

Auch erschien mir vieles sehr schwarzweiß gezeichnet, besonders bei den Antagonisten zeigte sich dies sehr deutlich. Sowohl Quintus als auch der Germane Baldarich, dessen Wege Gerhild kreuzt, sind nur negativ beschrieben … Ein kleines bisschen mehr Differenzierung und Charakterzeichnung hätte nicht geschadet.

Was ich auch vermisst habe, sind die Beschreibungen. Ich lese historische Romane eigentlich hauptsächlich deswegen sehr gerne, weil ich hoffe, damit etwas über die Zeit zu erfahren, in der diese Menschen gelebt haben. Da dürfen entsprechende Beschreibungen nicht fehlen. Wie haben die Germanen diesseits und jenseits des Limes gelebt? Auf diese Frage bekommt man leider kaum Antwort, weil die Handlung sich bald nur noch um die Kämpfe gegen die Römer dreht …

Auch die Liebe zwischen Gerhild und Julius wird eigentlich kaum beschrieben, überhaupt sind die Charaktere hier erstaunlich nüchtern. Verbindungen zwischen Frauen und Männern werden als nützlich und notwendig beschrieben, Gefühle werden wenn überhaupt nur angedeutet. Wer das Buch also liest, weil er auch auf eine schöne Liebesgeschichte hofft, wird herbe enttäuscht werden.

Der Schluss ist für meinen Geschmack auch ein wenig zu vorhersehbar gewesen, leider. Hier hätte ein bisschen mehr Spannung nicht geschadet, ob es Gerhild und ihren Verbündeten wirklich gelingen wird, die mächtigen Römer zu besiegen oder nicht.

Mein Fazit:

Ein durchaus interessanter Ansatz für eine spannende Geschichte, dessen Potenzial meiner Meinung nach aber nicht voll genutzt wurde. Wenig historische Details (Es gibt lediglich ein Nachwort, wo ein wenig beschrieben wird) und die zum Teil etwas eintönigen Auseinandersetzungen machen den Roman zeitweise anstrengend. 200 Seiten weniger hätten daher dem Buch und der Handlung nicht geschadet …

  • ★★★★★
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2 Gedanken zu „Rezension Iny Lorentz – Die steinerne Schlange

  1. Hallo Ascari,

    vielen Dank für Deine ehrlich Meinung .
    Habe mir das Buch auf die Wunschliste gesetzt, bin mir aber noch unsicher ob ich es kaufen soll. Es ist ja nicht gerade das günstigste und dünnste Buch.

    Liebe Grüße und einen guten Start ins neue Jahr!
    Tanja ♥

  2. Hey 🙂

    Wenn du die Gelegenheit hast, würde ich es mir an deiner Stelle aus der Bücherei ausleihen. Ich habe es gekauft, weil ich es mir auf der Frankfurter Buchmesse habe signieren lassen. Aber jetzt im Nachhinein würde ich es wohl nicht mehr kaufen, denke ich …

    Liebe Grüße und dir ebenfalls einen guten Start ins neue Jahr!
    Ascari

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