Rezension James Frey – Endgame “Die Auserwählten”

Bei diesem Buch handelt es sich um den ersten Teil einer Trilogie, der letztes Jahr im Herbst erschienen ist. Seither ist es ungelesen auf meinem SuB gelegen, bis ich es jetzt für den Juli bei der “Ich entscheide, was du liest”-Challenge ausgesucht bekommen habe.

Zum Inhalt:

Die Welt steht am Abgrund, denn 12 Meteoriten rasen auf die Erde zu und schlagen an verschiedenen Stellen auf unserem Planeten ein. Mit ihnen kommt die Erkenntnis, dass Endgame begonnen hat – das ultimativ letzte Spiel, das bestimmt, wer lebt und wer stirbt. Warum? Weil 12 Spieler nun gegeneinander antreten müssen, die jeweils eines der ältesten Menschheitsgeschlechter repräsentieren. Am Ende gibt es nur einen Sieger, der damit bestimmt, welches Geschlecht überleben wird …

Meine Meinung:

Zugegeben, der Inhalt klingt so kurz beschrieben schon ein wenig abgefahren, aber es hörte sich für mich trotzdem spannend an, da ich wusste, dass die Spieler in dem Roman auch verschiedene kryptographische Rätsel lösen und eine Aufgabe erfüllen müssen, um zu gewinnen. Diese Aufgabe besteht darin, als erster drei verschiedene Schlüssel zu finden … Erwartet habe ich mir daher ein interessantes, intelligentes und abwechslungsreiches Jugendbuch, in dem die Jugendlichen gegeneinander antreten müssen, um zu gewinnen.

Bekommen habe ich eine Geschichte, die mich aus verschiedenen Gründen sehr enttäuscht hat – ich war zwischendurch sogar fast so weit, das Buch (bzw. den E-Book Reader) in die Ecke zu pfeffern und stattdessen um ein neues Buch für die Challenge zu bitten. Das nur vorab zur Info, wie sehr ich mich geärgert habe!

Der Schreibstil war das erste, der mich abstieß. Ich meine, ich erwarte hier keine hochkünstlerische Literatur, aber die Art und Weise, wie Frey den Roman angelegt hat, erinnert mehr an den Stil eines Grundschülers als an einen Autor, der sein Handwerk versteht. Zitat gefällig? Dies ist der Anfang eines der Kapitel:

“Marcus Loxias Megalos langweilt sich. Er kann sich nicht erinnern, dass er sich mal nicht gelangweilt hat. Die Schule ist langweilig. Die Mädchen sind langweilig. Fußball ist langweilig.” (ca. Seite 9)

Kurze, einfache Sätze, soweit das Auge reicht. Verständlicherweise leicht zu lesen, aber ich hatte mir doch ein bisschen mehr erwartet, muss ich gestehen.

Als nächstes fiel mir der Zahlentick auf – auch hier ein kleines Zitat, um zu verdeutlichen, worauf man sich einstellen muss:

“Sarah und Jago finden sich in demselben Raum wie Kala wieder. Es ist 3:29:54 Uhr morgens. Kala ist vor genau 10 Minuten und 14 Sekunden gesprungen.” (ca. Seite 117)

Anfänglich noch schräg, nervt das zusehends – denn es taucht immer wieder auf. Ich erinnere mich auch an eine Beschreibung, wo das Alter der Erde erwähnt wird. Die Zahl 4,5 Milliarden wird hier ausgeschrieben – und das ist eine Zahl mit einigen Nullen hinten dran …

Aber jetzt zur Handlung. Der Autor wechselt relativ rasch die Blickwinkel, da jedes Kapitel aus dem Blickwinkel eines anderen Spielers erzählt wird. Da bald die ersten Bündnisse gebildet werden, muss man sich nach einer bestimmten Zeit eigentlich nur fünf der insgesamt 12 Namen merken – das geht dann Gott sei Dank etwas besser. Anfänglich hatte ich aber Probleme, mir die einzelnen Charaktere vorzustellen, da sie alle bis auf einen relativ eindimensional blieben.

Obwohl jeder Spieler am Anfang einen Hinweis bekommen hat, wie der erste Schlüssel zu finden ist, konzentrieren sich einige der Spieler relativ rasch darauf, die anderen Kontrahenten auszuschalten – das bedeutet, es wird gekämpft, geschossen und gerungen, was das Zeug hält.

Zeitweise hatte ich das Gefühl, mitten in den Kampfszenen eines Actionfilms gelandet zu sein. Einige Male musste ich dabei auch an das Schlachten beim Beginn der Spiele in “Die Tribute von Panem” denken … Ich traue mich sogar zu sagen, dass diese Gewaltszenen vor allem ab der Hälfte den Roman komplett dominieren. Dies sorgt zwar für sehr viel Dramatik, war mir irgendwann aber einfach zu anstrengend. Einige Szenen, wo man auch als Leser dazwischen einfach ein bisschen Luft holen konnte, fehlten komplett, so wirkte die Geschichte von Kapitel zu Kapitel immer hektischer.

Die bereits erwähnten Rätsel kommen zwar vor (für den Leser in Form von Koordinaten, Links und Rätselbildern), werden aber wenig in den Roman integriert. Der Leser erfährt beispielsweise nicht, warum einzelne Spieler eine Lösung und damit eine weitere Station auf ihrer Reise finden. Mitraten gibt es nur in Form der bereits angesprochenen Text- und Bilderrätsel, die aber – wenn man nun mitraten will – den Lesefluss unterbrechen. Entweder lesen oder rätseln – beides geht (eigentlich) nicht.

Selbst mit dem Schluss konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Er wirkte wie aus einem schlecht gemachten Science-Fiction-Film, da der Autor einen der bekanntesten mystischen Orte der Welt als Showdown für seinen Roman gewählt hat. Was genau passiert, verrate ich natürlich nicht – aber dieses Ende passte zum restlichen Buch, setzte dem Ganzen für mich einfach nur noch die Krone auf …

Mein Fazit:

Wer bei diesem Buch eine Schnitzeljagd rund um den Erdball im Stil von Dan Brown (oder in dem Fall wohl eher Indiana Jones) erwartet, liegt völlig daneben. Stattdessen bekommt man ein Buch gewordenes Gemetzel, kaum Tiefgang und lieblos beschriebene Charaktere.

Ich habe lange überlegt, für wen dieses Buch wirklich interessant sein könnte – vielleicht fühlen sich hier männliche Leser eher angesprochen? Für mich war das jedenfalls ein ganz gewaltiger Griff ins Klo, wie er mieser gar nicht sein konnte …

Den einen Stern bekommt das Buch von mir, weil zumindest die Print-Ausgabe wirklich wunderschön gestaltet ist. Ich hatte sie mittlerweile zweimal in der Hand, der goldene Umschlag und die Prägung mit dem Logo und den kleinen antik aussehenden Buchstaben ist wirklich sehr edel! Daher finde ich es umso trauriger, dass der Inhalt meiner Meinung nach so wenig dem Äußeren entsprechen kann.

  • ★★★★
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