Rezension

Rezension Jasmin Jülicher – Castle Rose. Das schlafende Schloss

Jasmin Jülicher ist mir schon seit dem Erscheinen ihrer “Hüter”-Geschichten ein Begriff. Ich gebe allerdings auch zu, dass ich nach dem zweiten Band erst einmal das Interesse an der Reihe verloren habe, da ich mich mit dem Fortgang der Geschichte nicht so recht anfreunden konnte. Deswegen war ich erst einmal skeptisch, ob mich eine andere Geschichte derselben Autorin begeistern würde können.

Aber: Ich mag Märchenadaptionen ab und zu ganz gern, deswegen dachte ich mir, liest du halt mal rein und entscheidest dann. Und wie heißt es so schön? Dann bin ich irgendwo doch “kleben geblieben” :).

Vom Stil her spricht die Autorin übrigens meiner Meinung nach mit diesem Buch eher jüngere Leseratten an. Die jugendliche Protagonistin, die ihre Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt, ist von der Art her eine ganz andere Heldin als die Hauptfiguren bei der “Hüter”-Reihe. In einem ist die Autorin aber ihrem Stil treu geblieben: Denn auch “Castle Rose” spielt in einer Steampunk-Welt.

Der Klappentext:

Seit mehr als einem Jahrzehnt schlafen alle Menschen im mit Rosenranken überwucherten Castle Rose. Sie sind Opfer des Aethers, einer Substanz, die jeden in einen ewigen Schlaf fallen lässt, der sie berührt. Auch Juliannas Vater ist ein Sleeper, ihre Mutter wird seit Jahren vermisst. Ganz allein kämpft sie darum, sich und ihren Bruder mit kleinen und größeren Diebstählen über Wasser zu halten.

Doch dann erkrankt ihr Bruder tödlich und Heilung verspricht nur eine teure Behandlung. Um ihn zu retten, bricht Julianna in Castle Rose ein und stiehlt die Schätze des Schlosses. Doch als sie versehentlich den schlafenden Prinzen berührt, erwacht er…

Meine Meinung:

Märchen-Adaptionen haben ihren ganz eigenen Charme. Das hängt meiner Meinung nach auch damit zusammen, dass in der Regel das Märchen – und damit auch der Ausgang der Geschichte – bekannt ist. Daher finde ich es bei solchen Geschichten deutlich interessanter, nach den Unterschieden zu dem Märchen zu suchen.

Jasmin Jülicher serviert uns hier gleich einige, denn sie dreht zuallererst die Geschlechter der handelnden Personen um, denn hier ist es Julianna, die den Prinzen aufweckt, ohne zu wissen, wieso und was sie eigentlich gemacht hat, denn – kleiner Spoiler – mit magischen Küssen klappt es hier nicht :).

Aber zurück zum Anfang: Julianna wird als eine zunächst recht toughe junge Frau eingeführt, die sich mit Hingabe um ihren jüngeren Bruder Jake kümmert. Weil das Geld hinten und vorne nicht reicht, ist sie gezwungen, hin und wieder zu stehlen, um finanziell über die Runden zu kommen.

“Es ist der Ort, an den sich niemand wagt. Und deswegen gibt es dort auch noch was zu holen.”

Phoebe zu Julianna über Castle Rose

Dann wird Jake krank und die geheimnisvolle Phoebe tritt in Juliannas Leben, die ihr vorschlägt, kurzerhand in Castle Rose einzubrechen und sich dort das notwendige Geld zu beschaffen, um Jake zu helfen. Es kommt, wie es kommen muss. Phoebe entpuppt sich als falsche Freundin und sperrt Julianna ausgerechnet im Zimmer des Prinzen ein …

Ansich war diese Szene durchaus witzig, wie auch überall immer wieder mal ein gewisser Humor durchblitzt (beispielsweise in den Dialogen zwischen Julianna und dem Prinzen Jonathan), hätte sich Julianna hier nicht gar so naiv angestellt. Als junge Frau in einem ärmeren Viertel der Stadt großzuwerden und dann so mir nichts, dir nichts einer wildfremden Frau zu vertrauen – das passte für mich einfach nicht so ganz zusammen.

Sieht man darüber hinweg, bekommt man aber trotzdem eine lockerleichte Geschichte serviert, die eigentlich bis zum Ende auf Liebesgeturtel verzichtet. Man merkt zwar, dass beide – Julianna und Jonathan – einander immer mehr gern haben, aber es passiert nichts zwischen den beiden. Eine schöne Abwechslung zu all den Young Adult-Romanen, wo die Protagonisten ja schon über beide Ohren verliebt sind, kaum dass sie sich das erste Mal gesehen haben.

“Ich weiß, was der Aether uns genommen hat. Aber bei all dem Leid solltest du auch daran denken, was er uns gegeben hat.”

Julianna zu Phoebe

Sehr gut gefallen hat mir auch das Setting, ich mag Steampunk sehr und finde es schade, dass es in den meisten phantastischen Geschichten eher unter den Tisch fällt. In Castle Rose ist das tragende Element der gesamten Geschichte, nein, eigentlich der gesamten Welt, in der Julianna lebt, der Aether. Dieser geheimnisvolle, grünlich schimmernde Nebel, der einerseits so gefährlich, andererseits so nützlich ist, da er die Maschinen in Tales End (Man beachte den Namen!) am Laufen hält.

Ich gebe zu, hier hätte ich gern noch mehr erfahren. Überhaupt bleiben aus dieser Geschichte noch ein paar Fragen offen, die aber durchaus eine Antwort verdienen. Wie kommt es beispielsweise, dass Julianna so ist, wie sie ist? Das lässt die Autorin leider am Ende offen … Allerdings ist so natürlich auch gewährleistet, einen zweiten Band zu schreiben, um genau auf diese Dinge einzugehen. Sag niemals nie, heißt es ja recht treffend :).

Mein Fazit:

Mit “Castle Rose” ist Jasmin ein lockerer, leicht zu lesenden Roman für zwischendurch gelungen, der ideal ist, um für ein paar Stunden in eine faszinierende Steampunk-Welt abzutauchen und den Alltag hinter sich zu lassen. Dafür verzeihe ich auch gerne den einen oder anderen kleinen (Rechtschreib)Fehler, der sich in die Geschichte eingeschlichen hat.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 207 Seiten
  • Nova MD
  • B08FTBC1BK
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4 Kommentare

  • Gabi

    LIebe Ascari,
    ich sag’s ja immer wieder gerne, dass ich kein so ganz begeisterter Fan von Fantasy bin. Es gibt aber Ausnahmen und Steampunk gehört dazu. Dafür habe ich inzwischen einen gewissen Faible entwickelt.
    Dass die Märchen-Rollen vertauscht wurden, gefällt mir auch gut. Wieso soll eigentlich nicht die Frau ihren Prinzen erwecken?
    Liebe Grüße
    Gabi

    • Ascari

      Hallo Gabi,

      ich geb zu, die vertauschten Rollen waren für mich mit ein Grund, mir das Buch zu Gemüte zu führen. Ich fand diese Idee auf der Stelle spannend. Und dass die Protagonistin keine weiße Weste hat, macht sie gleich nochmal sympathischer :D.

      Liebe Grüße
      Ascari

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