Rezension Jessica Winter – Bis du wieder atmen kannst

Manchmal geht das Leseleben eigenartige Wege – mehr oder weniger der Zufall hat mich zu diesem Buch geführt, da ich normalerweise eigentlich fast nie an Gewinnspielen auf anderen Blogs teilnehme 😀 …Trotzdem habe ich mich sehr gefreut, als “Bis du wieder atmen kannst” schlussendlich mit persönlicher Widmung, einigen Leckerlis und Autogrammkarte der sympathischen Autorin bei mir eintrudelte!

Ich war zwar anfangs aufgrund des Covers relativ skeptisch, was mich erwarten würde, da ich gewöhnlich Liebesromane eher selten lese (Die meisten Bücher dieses Genres sind ja irgendwie vorhersehbar), habe mich aber schon bald ganz und gar von der Geschichte einfangen lassen :).

Zum Inhalt:

Julia und Jeremy stehen kurz dem Schulabschluss. Während Jeremy als Quarterback zu den beliebten Jungs an der Highschool zählt, ist Julia eher zurückhaltend und unscheinbar. Eines Tages jedoch entdeckt Jeremy zufällig ein Geheimnis von Julia, was ihn dazubringt, sie näher kennenzulernen und ihr helfen zu wollen. Aus anfänglicher Neckerei wird von seiner Seite her bald mehr, während Julia damit kämpft, ob sie gerade Jeremy wirklich vertrauen soll …

Meine Meinung:

Die Autorin hat einen einfachen, aber berührenden Schreibstil, der es mir leicht machte, den Erlebnissen der beiden Protagonisten zu folgen. Sie erzählt in der Ich-Form, abwechselnd aus Julias und aus Jeremys Perspektive, wir lernen also beide im Lauf der Geschichte sehr gut kennen. Auch wenn der Roman an einigen Stellen für meinen Geschmack zu sehr ins Detail ging (Vor allem mit den Football-Beschreibungen konnte ich nicht so viel anfangen), lasen sich die Zeilen im Nu und ich konnte fast nicht mehr aufhören …

Obwohl das Buch eigentlich im Stil eines Tagebuchs geschrieben ist, okay, eigentlich zweier Tagebücher, gab es sehr viele Szenen, die für mich sehr berührend waren, ich konnte ohne Probleme nachempfinden, wie sich beide Protagonisten in den entsprechenden Situationen gefühlt haben. Litt ich mit Julia vor allem dann mit, wenn sie über ihren toten Bruder nachdachte oder mit ihrer Mutter sprach, konnte ich mich auch mit Jeremy immer wieder identifizieren, wenn er sich um Julia bemühte.

Manche Dinge waren in diesem Buch sehr, sehr schön, manche auch wieder unheimlich hässlich, vor allem die sehr ernsten Themen, die im Hintergrund standen. Auf diese möchte ich jetzt bewusst nicht weiter eingehen, da man als Leser selbst am Anfang nicht weiß, worauf man sich beim Lesen einlässt und vieles mit Jeremy erst nach und nach herausfindet. Trotzdem konnte ich oft nicht an mich halten und habe mir mehrmals gedacht, wie Menschen bloß so lieblos sein können …

Das Prädikat “Liebesroman” ist in meinen Augen eigentlich viel zu einseitig für diese Geschichte, natürlich geht es um Liebe, aber nicht ausschließlich. Man blickt hinter die Fassade von seinen Mitmenschen, sieht und lernt, dass Liebe auch aus Respekt, Vertrauen und Hilfe füreinander besteht. Darüber hinaus finden auch Familie, Freundschaft und der Glaube einen Platz in diesem Buch, und auch wenn ich nicht besonders gläubig bin, war für mich nachvollziehbar, warum Julia praktizierende Christin ist.

Ich habe dieses Buch in knapp zwei Tagen ausgelesen – und musste dann zumindest noch die ersten Seiten des zweiten Bandes “Solange du bleibst” lesen, um in Ruhe schlafen gehen zu können (Vorsicht: Ganz böser Cliffhanger am Ende des ersten Teils!). Das alleine sagt schon einiges aus, denn das passiert mir nicht sehr oft, dass mich ein Buch so sehr bei der Stange hält :D.

Trotzdem muss ich auch hier ein klein wenig Kritik anbringen: Ich finde das Cover nicht gut gewählt. Das Paar, das sich so innig hält, vermittelte mir anfangs leider ein ganz anderes Bild als das, worum es in diesem Buch tatsächlich geht. Anfangs dachte ich tatsächlich an einen 0815 Kitsch-Roman, das ist das Buch aber ganz und gar nicht! Viele ernste, fast schon erwachsene Themen werden hier angesprochen, die durch dieses Cover meiner Meinung nach nur unzureichnend vermittelt werden – gut, ich bin kein Coverdesigner, aber das Motiv steckt dieses Buch in eine Ecke, die es eigentlich nicht verdient hat …

Was ich auch nicht ganz plausibel fand, war, wie ernst vor allem Jeremy in dieser Geschichte rüberkam, eigentlich schon deutlich reifer als die 17 Jahre, mit denen er vorgestellt wird. Ich meine, ein Junge, der Football spielt, bei dem die Mädchen Schlange stehen und er hat nur Interesse an einer ernsthaften Beziehung? Das kann ich mir eigentlich so überhaupt nicht vorstellen :).

Mein Fazit:

Ein wunderbarer sensibler Roman, der deutlich mehr als einen einfachen Liebesroman darstellt. Und auch wenn ich mit einigen Details nicht so zufrieden war, hält mich das nicht davon ab, das erste Mal in diesem Jahr einem Buch 5 Sterne zu vergeben :).

  • ★★★★★
  • Taschenbuch
  • 416 Seiten
  • CreateSpace
  • 978-1515340225
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2 Gedanken zu „Rezension Jessica Winter – Bis du wieder atmen kannst

  1. Hi Sandra,

    noch ein Tipp von mir, wenn du das Buch erst einmal angefangen hast: Taschentücher bereithalten! Es gibt vor allem in der zweiten Hälfte einige Szenen, die einem wirklich sehr, sehr nah gehen können …

    Liebe Grüße
    Ascari

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