Rezension Jo Machedanz – Fleischmaler

machedanz-fleischmalerWenn man es genau nimmt, ist das erste Mal, dass ich auf dieses Buch aufmerksam wurde, einer Rezension zu verdanken, die Gabi vom Laberladen veröffentlicht hat.

Der Titel lässt zwar darauf schließen, dass es hier um eine recht blutige Geschichte geht, aber dem ist nicht so. Wer oder was der “Fleischmaler” ist, wird im Buch nämlich erklärt – und es hat absolut nichts mit dem zu tun, woran man beim ersten Lesen denkt.

Zum Inhalt:

In Berlin passiert ein Mord, das Opfer ist dem Ermittlerteam rund um Hauptkommissar Jürgen Grossmann zunächst unbekannt. Gleichzeitig gibt die gehörlose Kira Timm, genannt Kiki, eine Vermisstenanzeige bezüglich ihrer Freundin und WG-Mitbewohnerin Lena auf. In einem ziemlich heruntergekommenen Haus lebt außerdem der Aussteiger Paul, der sich mit einem Thriller einen Namen machen will. Und nicht zuletzt reist der amerikanische Privatdetektiv Adam Peppercorn im Auftrag eines zwielichtigen Mannes nach Berlin, um Akt-Gemälde aus der Nazi-Zeit aufzuspüren und zu erwerben.

Meine Meinung:

Vier unterschiedliche Menschen, vier unterschiedliche Leben und vier unterschiedliche Erzählebenen, die auf den ersten Blick kaum bis gar nichts miteinander zu tun haben. Dass dem nicht so ist, wird schon bald klar, als Kiki – von der Polizei ignoriert – beginnt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Als begnadete Sprayerin macht sie nämlich auf ihre Art und Weise auf die vermisste Lena aufmerksam.

Dies setzt gleich mehrere Dinge in Gang, Dinge, die einem als Leser nicht gleich klar werden. Überhaupt ist “Fleischmaler” kein Buch, durch das man mal so eben durchrauschen kann. Die verschiedenen Personen werden nach und nach vorgestellt und es braucht etwas Zeit, bis man sich hier reingefunden hat, wer wer ist und wer welche Ziele verfolgt.

Den Einstieg in das Buch fand ich entsprechend ein klein wenig holprig, aber gerade die Ermittlungen von Adam Peppercorn hatten es mir von Anfang an angetan. Denn die Kunstszene der Nazi-Zeit ist nicht unbedingt etwas, womit ich mich bisher sehr ausführlich beschäftigt habe. Der Autor schafft es aber gekonnt, dass ich mich zu keiner Zeit von den Informationen zu diesem doch recht komplexen Thema überfahren gefühlt habe. Ganz im Gegenteil, denn nach dem Ende des Buchs war ich neugierig genug, ein wenig eigene Recherchen anzustellen.

Nach und nach hat mich die Geschichte daher immer mehr hineingezogen und ich habe gemerkt, dass es mir schwer gefallen ist, das Buch zur Seite zu legen. Ich wollte einfach wissen, wohin das Ganze führen würde, denn bei der ersten Leiche bleibt es nicht. Was ist so geheim, dass jemand wortwörtlich über Leichen geht, um zu verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt?

Gut finde ich in diesem Zusammenhang auch, wie die unterschiedlichen Handlungsebenen einander berühren bzw. ineinander aufgehen. Das ist alles sehr geschickt gemacht, auch wenn ich aus Spoiler-Gründen jetzt nicht näher darauf eingehen werde. In Verbindung mit den ungewöhnlichen Figuren hat es aber durchaus Spaß gemacht, dieser etwas komplexeren Geschichte zu folgen.

Ein wenig Kritik muss ich aber auch loswerden: Viele Nebenfiguren bekommen Namen, obwohl das für den Fortgang der Geschichte nicht notwendig ist, beispielsweise eine Kellnerin oder eine Zeugin, die die Polizei verhört. Das ist schön und gut, trägt aber nicht viel bei zum Verständnis. Gerade am Anfang, wo ich mich erst einmal in die Geschichte hineinfinden musste, verwirrte mich das ehrlich gestanden ein wenig.

Darüber hinaus verrät der Original-Klappentext für meinen Geschmack fast zu viel. Deswegen habe ich versucht, für diese Rezension eine eigene Inhaltsangabe zu schreiben, die weniger Informationen preisgibt. Mag sein, dass das für manche nicht störend ist, ich gehöre allerdings zu der Gruppe Leser, die nicht so viel vom Inhalt wissen wollen, das erste Viertel der Handlung anzuteasern reicht mir zum Beispiel völlig aus. Der ursprüngliche Klappentext spoilert aber bis weit in die Mitte des Buchs hinein …

Was mir ebenfalls aufgefallen ist: Offensichtlich mag der Autor Action-Szenen nicht so besonders. Hier hätte ich es nämlich besser gefunden, wenn diese nicht aus der Perspektive eines Zuschauers bzw. einer dritten Person geschrieben worden wären, sondern aus der Sicht der betroffenen Person selbst. Das hätte die Spannung sicherlich noch erhöht, so bremst es das beginnende Tempo gerade auf dem Weg ins Finale immer wieder etwas aus.

Das Motiv für die Verbrechen, das das Finale schlussendlich zutage fördert, ist mir persönlich außerdem ein bisschen zu schwach, als dass es rechtfertigen würde, dass so viele Menschen sterben müssen. Auch die Erklärung dafür, die der Drahtzieher im Hintergrund liefert, konnte ich nicht so ganz nachvollziehen.

Nichtsdestotrotz hat es Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, da es mich schon aufgrund seiner Komplexität, seiner ungewöhnlichen Figuren und seines interessanten Themas fesseln konnte. Der Autor lässt in seinem Nachwort zwar offen, ob und wann es eine Fortsetzung geben wird, aber ich würde mich freuen, einen zweiten Teil mit diesen Protagonisten in naher Zukunft lesen zu dürfen.

Mein Fazit:

“Fleischmaler” ist ein Krimi, mit dem der Autor neue, ungewöhnlliche Wege geht. Eine intelligent aufgebaute Handlung, ungewöhnliche Protagonisten und das kunstgeschichtliche Thema haben dafür gesorgt, dass ich dieses Buch trotz gewisser Schwächen gerne gelesen habe. 3,5 Sterne, die ich daher auf 4 Sterne aufrunde.

  • ★★★★
  • Taschenbuch
  • 314 Seiten
  • Eigenverlag
  • 978-3982099613
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9 Gedanken zu „Rezension Jo Machedanz – Fleischmaler

  1. Das klingt vom Klappentext her komplex, was mich anspricht – dennoch weiß ich bei diesem buch nicht recht, ob es auch mich abholen könnte … Ich verstehe den Autor, ich mag auch keine Action-Szenen *lach
    Der Titel klingt reizvoll, ich behalte das Buch mal im Hinterkopf (=

    Happy #IndieAuthorDayDE *Konfettiregen*

    1. Na, wo Kerstin das Buch ebenfalls gelesen hat, könnt ihr euch ja dazu austauschen :). Mit Action-Szenen meinte ich, dass der Autor in den Szenen, wo es auf einmal spannend wird, wo ich gern den Blickwinkel der betroffenen Person gehabt hätte, auf eine andere Person wechselt. Das fand ich nicht immer so gelungen …

      Liebe Grüße
      Ascari

  2. Hallo am späten Abend,
    ich darf die Rezension schon lesen, da meine schon geschrieben ist *lach* sonst hätte ich mich nicht getraut. Aber ich muss sagen dass wir da sehr auf einer Wellenlänge liegen. Mir gefiel Kiki richtig gut. Bei Peppercorns Abschnitten haben mich die viele englischen Wörter/Begriffe etwas genervt, musste mir dabei dann immer in Erinnerung rufen das er ja Amerikaner ist.
    Gefallen hat es mir auch sehr und auch das mit den Kunstschätzen und der ganze Hintergrund um die NSZeit ist ja eh mein Ding.
    Happy #IndieAuthorDayDE für Dich und lieben Dank dass Du mit gefeiert hast :-*
    Liebe Grüße
    Kerstin

    1. Liebe Kerstin,

      hat mich schon gefreut, dieses Jahr auch mal passend zum #IndieAuthorDayDE was vorstellen zu können. Voriges Jahr hat es ja leider nicht sollen sein … Und wer weiß, vielleicht gibt es nächstes Jahr um dieselbe Zeit dann ja eine Fortsetzung :D.

      Liebe Grüße
      Ascari

  3. Es freut mich sehr, dass Dir das Buch auch so gut gefallen hat wie mir.
    Deine Kritikpunkte kann ich sehr gut nachvollziehen, auch wenn mich z. B. die ruhigere Erzählweise ohne viel Action trotzdem abgeholt hat.
    Ich würde mich auch freuen, mehr über Kiki und Paul zu lesen. Mal sehen, was dem Autor noch so einfällt.
    LG Gabi

    1. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was sich der Autor für eine etwaige Fortsetzung einfallen lassen wird. Da ist sicherlich – gerade durch die unterschiedlichen Figuren – sicherlich noch einiges an Potenzial drin :).

      Liebe Grüße
      Ascari

  4. Liebe Ascari,
    ich traue mich hier zu lesen, obwohl das Buch noch ein bisschen warten muss, bis es gelesen werden kann. Ich kenne deine Rezis und hab keine Angst gespoilert zu werden. 🙂
    Da ich hier nun mitgekommen habe, dass Gabi und Kerstin das Buch auch gelesen und gemocht haben, bin ich schon sehr gespannt, wie es mir gefallen wird. Kann mir jedoch kaum vorstellen, dass ich da so sehr aus der Reihe tanzen werde. Aber man weiß ja nie.
    Schön, dass du mit dem Buch am #IndieAuthorDayDE mitgemacht hast. Ich sehe schon, mein Pinback ist hier auch bereits angekommen.
    GlG, monerl

    1. Liebe Monerl,

      danke! Ich bemühe mich ja wirklich immer, nicht zu viel zu verraten, weil ich das schon ziemlich unfair finde, wenn da manche Leute anscheinend überhaupt keine Skrupel haben zu spoilern. Ich hatte ja Anfang September noch das Glück, ausreichend Zeit zum Lesen zur Verfügung zu haben, deswegen hat das dieses Jahr sehr gut mit dem #IndieAuthorDayDE harmoniert.
      Außerdem bin ich jetzt natürlich auch neugierig, was du dann zu dem Buch sagen wirst, wenn du es gelesen hast 🙂 . Und ja, der Pingback ist angekommen, wenigstens das mit dem Freischalten von Pingbacks und Kommentaren klappt so halbwegs (wenn schon nicht das zeitnahe Antworten auf Kommentare *seufz*).

      Liebe Grüße
      Ascari

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