Rezension

Rezension Joyce Summer – Madeiraschweigen

Mit “Madeiraschweigen” ist nach “Madeiragrab” und “Madeirasturm” mittlerweile schon der dritte Band mit dem sympathischen Comissario Avila erschienen. Und im Gegensatz zum letzten Band stehen die Zeichen dieses Mal nicht auf Sturm, sondern auf Familienleben, das eigentlich nur durch den mysteriösen Fund eines menschlichen Körperteils gestört wird … Aber schön der Reihe nach :).

Der Klappentext:

Madeiras Damen sind glücklich. Endlich gibt es eine Schönheitsfarm nur für sie. Auch Leticia Avila und ihre Freundin Inês zieht es sofort in den Tempel der Schönheit. Mit Schlammpackungen, Peelings und Massagen lassen es sich die beiden gut gehen.

Dann aber machen sie die Bekanntschaft der unangenehmen Journalistin Sofia Lima, die auf den Spuren Kaiserin Sisis die Insel und das Personal der Schönheitsfarm in Unruhe versetzt.
Comissário Avila passt derweil auf seine kleine Tochter auf und denkt darüber nach, seine Arbeit im Polizeipräsidium zugunsten seiner Familie zu reduzieren.

Doch als ein paar Tage später die abgetrennte Hand der Journalistin und kurz danach ihre Leiche auf dem Gelände eines ehemaligen Nonnenklosters gefunden wird, muss er sich entscheiden: Will er weiter den Hausmann geben oder sein Team rund um Subcomissário Vasconcellos unterstützen – vor allem, da Avila den Hauptverdächtigen besser kennt, als ihm lieb ist.

Meine Meinung:

Der Auftakt zum neuesten Krimi aus der Feder von Joyce Summer gestaltet sich eher gemächlich, denn man erlebt Avila, wie er sich liebevoll um seine kleine Tochter kümmert und es durchaus genießt, dass er seine Frau Zeit auf der Schönheitsfarm verbringt. Leticia und Inês dagegen lassen es sich auf der neuen Schönheitsfarm der Insel gut gehen – ihr Aufenthalt wird eigentlich nur durch das ungehobelte Verhalten ihrer Tischgenossin Sofia Lima gestört.

So verwundert es zunächst auch niemanden, als zunächst danach aussieht, als ob die Journalistin auf einmal von einem Tag auf den anderen die Farm verlassen hat. Erst der Fund einer perfekt manikürten Hand bringt den Stein ins Rollen – und auf einmal hat Avila mehr zu tun, als er sich vorstellen konnte …

Wer die vorangegangenen Romane der Autorin kennt, weiß, was er bekommt. Denn der Krimi ist meist nur die Rahmenhandlung für die heimliche Hauptperson der Geschichte: die Insel selbst. Und damit sind nicht nur die Sehenswürdigkeiten und geografischen Besonderheiten gemeint, sondern auch die einheimischen Getränke und Speisen. Wer sich also mit Avila auf Ermittlungsarbeit begibt, lernt fast nebenbei immer wieder neue Besonderheiten der Insel kennen.

Dieses Mal dürfen wir allerdings auch einen Blick auf das Leben auf Madeira Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts werfen, denn wir begleiten die österreichische Kaiserin Sisi bei ihrer zweiten Reise auf die Blumeninsel begleiten. Hier erleben wir Sisi allerdings als getriebene und unglückliche Frau, die von dem Gedanken besessen ist, sich Jugend und Schönheit zu erhalten.

Zwei verschiedene Zeitebenen also, aber eines haben beide gemeinsam: das Thema Schönheit. Und bald müssen sich Avila und sein Ermittlungsteam fragen, wo genau das Motiv für das Verschwinden bzw. den Mord an der Journalistin zu suchen ist? Geht es um die Schönheitsfarm – oder doch um etwas ganz anderes? Avila hat es nicht leicht, die unterschiedlichen Aspekte zu einem großen Ganzen richtig zusammenzufügen und bald zeichnet sich ab, dass auch einer sehr engsten Freunde in den Mord verwickelt sein könnte …

Ich gebe zu, auch wenn ich dieses Mal schon ein bisschen vorm Finale wusste, wo das wirkliche Motiv zu suchen war bzw. wer damit als Täter in Frage kam, hat es mir trotzdem wieder sehr viel Spaß gemacht, Avila und seinen Kollegen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Denn Joyce Summer geizt auch dieses Mal nicht mit dramatischen Elementen, so blieb mir kurz vor dem Ende bei einer bestimmten Szene doch fast einmal das Herz stehen … So nach dem Motto: Sie wird doch nicht … Was ich meine, verrate ich jetzt aber nicht. Ich will ja nicht spoilern.

Auf jeden Fall eines aber noch: Wer gute und solide Krimis liebt und einen Schuss portugiesisches Insel-Feeling genießen will, kann bedenkenlos zu diesem Buch (und zu seinen Vorgängern) greifen.

Mein Fazit:

Ein Urlaubskrimi von der feinsten Sorte, garniert mit einem Schuss madeirensischer Geschichte – Herz, was will man mehr? Daher Leseempfehlung für alle, die sich geistig ein bisschen in den Urlaub träumen wollen!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 332 Seiten
  • Books on Demand
  • B08BZLKM33
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6 Kommentare

  • Livia

    Hey meine Liebe

    Das klingt nach einem wirklich schönen Sommerkrimi, vielen Dank für den Tipp, ich werde mir die Autorin einmal näher ansehen.

    Alles Liebe an dich
    Livia

    • Ascari

      Hi 🙂
      Wenn ich noch einen Rat geben darf: Dieser dritte Teil ist zwar durchaus separat lesbar (was den Fall angeht), aber es sind dieses Mal einige Anspielungen auf das letzte Buch drin … Da würde ich mir an deiner Stelle gleich mal die ganze Reihe näher ansehen 😀 .
      Ganz liebe Grüße,
      Ascari

      • Livia

        Heyhey 🙂

        Das habe ich bemerkt, danke für den Hinweis. Deshalb schaue ich mir die Autorin einmal an, sie war mir nämlich bis zu deiner Rezension hier noch gar kein Begriff.

        Ich hoffe, dass ich durch dich diese Reihe bald entdecken darf.
        Alles Liebe
        Livia

  • monerl

    Liebe Ascari,
    bin schon sehr gespannt auf diesen dritten Teil! Ob ich zum Ende hin auch eine Ahnung haben werde? Mal sehen! Ich werde jedenfalls berichten.
    Noch bin ich ziemlich am Anfang, doch schon fühle ich mich mitten drin bei Avila. Das hat was Schönes. Diese Reihe macht mir mit jedem Buch eine noch größere Lust auf die Insel. Irgendwann muss ich auch mal dort hin! Warst du eigentlich schon auf Madeira?
    GlG, monerl

    • Ascari

      Hallo Monerl!
      Ja, das stimmt, mittlerweile fühlt es sich schon fast an, als ob man beim Lesen nach Hause kommt 🙂 . Es sind ja auch dieses Mal einige Anspielungen auf den letzten Band drin (siehst, den Hinweis hab ich völlig vergessen), dass man das Gefühl hat, man liest dort weiter, wo der letzte Teil aufgehört hat …
      Und nein, leider war ich noch nie dort. Wobei das ja genau das ist, was ich so mag, man hat das Gefühl, man begleitet Avila eben durch das Leben, als ob man dort wäre 🙂 …
      Hoffe, es geht dir gut und glG zurück,
      Ascari

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