Rezension

Rezension Karen McManus – One of us is next

Mit “One of us is lying” (Rezi hier) gelang der Autorin Karen McManus 2019 ein Überraschungshit. Die Geschichte um Geheimnisse, Tod und Klatsch traf offensichtlich den Nerv vieler Leser*innen, was sogar zu einer Nominierung für den deutschen Jugendbuchpreis geführt hat. Nun ist es so weit, mit ihrem dritten Roman kehrt die Autorin ein erstes Mal nach Bayview und zu der Highschool zurück, wo alles mit dem Tod eines Schülers angefangen hat …

Der Klappentext:

Willkommen zurück an der Bayview High. Gib’s zu. Du hast es vermisst.
Es ist ein Jahr her, seit Simon Kelleher starb. Maeve ist in der elften Klasse an der Bayview High. Über Simons Tod und dessen Folgen wird kaum mehr geredet. Da taucht ein anonymes Wahrheit-oder-Pflicht-Spiel auf, das die gesamte Schülerschaft in Atem hält. Jeder, der nicht mitspielt, wird bloßgestellt. Doch als Maeve an der Reihe ist, weigert sie sich, mitzumachen — das virtuelle Spiel, ausgerichtet von “DarkestMind”, lässt bei ihr alle Alarmglocken läuten. Und dann sind sie plötzlich wieder da: die Schaulustigen. Die Reporter. Die Polizei. Denn es hat wieder einen Toten gegeben …

Meine Meinung:

Chronologisch gesehen knüpft “One of us is next” an die Ereignisse aus “One of us is lying” etwa ein Jahr später an. Das führt dazu, dass die Autorin drei neue Jugendliche – Phoebe, Maeve und Knox – in den Vordergrund stellt, die bekannten und beliebten Figuren aus Band 1 sind aber als Randfiguren ebenfalls dabei. Nachdem ich ein eher schlechtes Gedächtnis für Namen habe, dauerte es daher ein wenig, bis ich mich zurechtgefunden hatte, aber das tat der Spannung keinen Abbruch.

Und auch wenn ich die ersten Kapitel als etwas schleppend empfunden habe, geht das Tempo spürbar nach oben, als der unbekannte Gamemaster seine erste Nachricht an die Jugendlichen der Bayview High schickt.

Hey Leute. Vermisst ihr About That auch so sehr wie ich? Dann lasst uns ein neues Spiel spielen.

7%

Verständlicherweise nimmt Phoebe, die als erste “Wahrheit oder Pflicht” spielen soll, das Ganze nicht ernst – mit dem Ergebnis, das auf einmal eine Information an der Schule die Runde macht, von der sie lieber nicht gewollt hätte, dass diese bekannt wird.

Maeve versucht Phoebe während dieser schwierigen Zeit zu helfen, während das Spiel wie ein Virus um sich greift. Mehr und mehr Spieler*innen entscheiden sich für die “Pflicht” – und auf einmal wird aus dem Spiel bitterer Ernst, als ein Schüler bei einer Aufgabe zu Tode kommt …

Seit der Sache mit Simon hat sich die morbide Faszination für solche kranken Spielchen in unsere kollektive DNA eingeschrieben.

9%

Notgedrungen bilden die beiden zusammen mit Knox ein Team, dass sich daran macht herauszufinden, wer hier die Fäden zieht, um weiteres Unheil zu verhindern. Dabei geht es nicht nur um sie selbst, sondern auch um ihre Freunde und Angehörigen, die unbarmherzig in die Ereignisse verwickelt werden.

Ich gebe zu, ich wusste lange nicht, was ich von der Geschichte halten sollte. Die Parallelen zum ersten Teil sind nicht zu übersehen, im Grunde bedient sich die Autorin derselben Spannungselemente wie in “One of us is lying”. Warum auch ein Erfolgsrezept ändern, wenn es gut funktioniert hat … Was ich anfangs für einen müden Abklatsch hielt, konnte mich allerdings nach und nach doch (wieder einmal) abholen. Denn: Jede Figur hat ihre Geheimnisse, und lange ist nicht klar, ob diese etwas mit dem Spiel zu tun haben oder nicht.

Wer auch immer hinter “Wahrheit oder Pflicht” steckt, muss gerade einen ziemlich krassen Machtrausch haben. Und das Problem ist, dass wir ihm diese Macht geben.

41%

Gleichzeitig führt uns die Autorin eindringlich vor Augen, was passieren kann, wenn Menschen zu wenig hinterfragen, was sie da eigentlich tun. Wobei die Wirklichkeit sich nicht sehr von dem unterscheidet, was im Buch passiert. Man denke da nur an diverse Challenges, die auf Tiktok die Runde gemacht haben und bei der bereits sehr junge Menschen ums Leben gekommen sind …

Die eine oder andere Szene fand ich zwar etwas unrealistisch umgesetzt, vor allem gegen Ende, wo die Autorin noch einmal aus dem Vollen schöpft (Mehr sage ich jetzt mal bewusst nicht dazu). Was ich allerdings schade fand, ist das für meinen Geschmack etwas abrupte Ende. Der allerletzte Plottwist kommt sehr, sehr spät – und lässt einen dann mehr oder minder mitten in der Szene sitzen mit der Frage “Und was jetzt?”.

Trotz allem konnte mich das Buch sehr gut unterhalten – und ich habe es fast in einem Rutsch runtergelesen. Selten genug, dass mir so etwas passiert, deswegen: Ja, Leute, lesen, wenn ihr “One of us is lying” gemocht habt und wissen wollt, wie es weitergeht!

Mein Fazit:

“One of us is next” ist der unmittelbare Nachfolger zu “One of us is lying”. Und auch wenn die Autorin im Grunde ein zweites Mal auf dasselbe Konzept setzt, konnte mich diese Geschichte sehr gut unterhalten. Band eins sollte man allerdings kennen, um die Beziehungen zwischen den Figuren besser zu verstehen.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 448 Seiten
  • cbj
  • 978-3-570-16577-5
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3 Kommentare

  • Tina

    Hallöchen Ascari,

    und ahhhh, ich hab “One of us is lying” erst gelesen und hab bis gerade noch überlegt , es dabei zu belassen, obwohl mich das Buch gut unterhalten hat. Tja, toll, jetzt mag ich auch den 2. Band lesen. Was soll? Dann bedient sich die Autorin nochmals an den Elementen. Maeve spielt mit, die mochte ich schon im 1. Band. Mal sehen, wann das Buch in meinem Regal landet!
    Danke dir.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Ascari

      Hallo Tina!

      Bei mir liegt Band 1 ja schon eine Weile zurück und ich gebe zu, ich habe lange überlegt, ob ich Band 2 lesen soll, weil die Meinungen so unterschiedlich waren … Am Ende hab ich mir dann aber doch einen Ruck gegeben – und es nicht bereut. Bin gespannt, was du zu dem Buch sagen wirst 🙂 .

      Liebe Grüße
      Ascari

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