Rezension Mick Finlay – Arrowood

“Arrowood” machte mich ehrlich gestanden wegen seines Covers neugierig. Die Silhouette des Herrn mit Zylinder und Stock und der Zusatz “In den Gassen von London” ließen mich auf einen Krimi schließen, der im historischen London spielt :). Der Klappentext tat dann sein Übriges dazu, mich zu überzeugen, diesem Buch eine Chance zu geben.

Der Klappentext:

Privatdetektiv William Arrowood ist ein Mann vieler Talente – und einiger Laster. Die Tagelöhner und Straßenmädchen im armen South London können sich keinen besseren Detektiv leisten und kommen daher mit allen Anliegen zu ihm. Voller Verachtung und Neid blickt er über die Themse auf seinen bekannten Kollegen Sherlock Holmes und dessen betuchte Klientel.

Auch Arrowoods neuester Fall scheint nicht geeignet zu sein, ihn berühmt zu machen: Eine junge Französin bittet darum, ihren verschwundenen Bruder aufzuspüren. Doch hinter dem simplen Auftrag verbergen sich weit mehr Geheimnisse und Leichen, als Arrowood für möglich hielt. Und so führen ihn seine Ermittlungen von den Tiefen der Londoner Unterwelt bis in höchste Regierungskreise …

Meine Meinung:

Die Idee, einen direkten Konkurrenten zu Sherlock Holmes zu schaffen, der aber offensichtlich auf andere Methoden als der bekannte Detektiv setzt, faszinierte mich von Anfang an. Und ein klein wenig bedient sich der Autor auch der Methodik eines Sir Arthur Conan Doyle, indem er dem kauzigen Arrowood einen Assistenten namens Norman Barnett zur Seite stellt, der aus der Ich-Person die Geschichte erzählt.

Zugegeben: Als Sherlock-Fan zu lesen, dass jemand Sherlock und seine Methoden nicht mag, ist schon ein bisschen harter Tobak. Aber gleichzeitig amüsierte mich dies auch und ich war gespannt darauf, welche Geschichte uns und welchen Fall seinen beiden Helden der Autor servieren würde. Der Auftakt liest sich auch sehr gut, denn die Klientin scheint Arrowood und Barnett gegenüber von Anfang an nicht ganz aufrichtig zu begegnen.

Das Problem an diesem Buch ist in meinen Augen leider die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird. Es gibt immer wieder einzelne spannende Momente, aber keiner davon war für mich sooo fesselnd, dass ich das Buch nicht dazwischen für einige Zeit weglegen konnte.

Wobei das Buch eigentlich beste Voraussetzungen hätte, eine tolle Geschichte zu erzählen, denn der Autor hat das Talent, das frühere London in seiner ganzen Vielfalt auferstehen zu lassen. Armut, Gewalt, Verbrechen – dies war in einigen Vierteln der Stadt an der Tagesordnung. Ein Schmelztiegel an Kulturen und Interessen trug wohldazu bei, die Stadt zeitweise in einen Hexenkessel an Emotionen zu verwandeln.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Figuren, die der Autor geschaffen hat. Angefangen bei dem zeitweise recht jähzornigen William Arrowood, der zwar ein guter Menschenkenner ist, aber ab und zu auch seinen Gefühlen einmal zu oft freien Lauf lässt, über den sympathischen Assistenten Norman Barnett, der mehr ein Partner als ein Assistent für Arrowood ist, bis hin zu Neddy, dem Straßenjungen, der für Arrowood und Barnet immer wieder kleine Aufträge erledigt. Auch Ettie, Arrowoods Schwester, konnte mir das eine oder andere Schmunzeln entlocken.

Das Ende fand ich persönlich ein wenig durchwachsen. Zwar werden alle offenen Fragen zur Zufriedenheit des Leser beantwortet, nur kam es für meinen Geschmack ein wenig abrupt. Ein klein wenig Tempo hier rauszunehmen, wäre nicht verkehrt gewesen. Auch fand ich das Schicksal des Antagonisten ein wenig schade, das war für meinen Geschmack ein wenig … unspektakulär.

Mein Fazit:

“Arrowood” ist für meinen Geschmack eine Geschichte mit einer guten (und witzigen) Idee, die aber beim Ausarbeiten ein wenig ins Straucheln geraten ist. Das authentische Setting und die sympathischen Figuren haben für mich allerdings das Buch trotzdem lesenswert gemacht.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 400 Seiten
  • HarperCollins
  • 978-3959677479
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7 Gedanken zu „Rezension Mick Finlay – Arrowood

  1. Sooooo schade!! Das Buch, bzw. der Klappentext klingen fantastisch und als Fan von viktorianischen Krimis und Sherlock Holmes, müsste dieser Krimi fast Pflicht sein. Wenn’s aber an der Umsetzung hapert ist es doppelt schade. Ob ich mir diesen Krimi nun antun werde? Keine Ahnung. Ich lass mal Gras drüberwachsen.
    Danke für die tolle und ehrliche Rezension!

    Liebe Grüße aus dem Norden,
    Conny

    P.S.: Ich schreibe vom Handy. Bitte sagen wenn du diesen Kommentar erhalten hast. Heute scheint es nämlich zu funzen.

    1. Liebe Conny,

      keine Ursache – und ja, dieses Mal hat es geklappt, den Kommentar zu schreiben :).
      Ich hätte auch gerne positiver über das Buch geschrieben, aber was soll man machen …

      Liebe Grüße
      Ascari

    1. Liebe Martina,

      ich hab in der Zwischenzeit auf Goodreads auch andere Meinungen zu dem Buch gelesen – und sie fallen sehr unterschiedlich aus. Ich bin aber nicht die einzige, die zwischendurch so ihre Probleme damit hatte, das Buch weiterzulesen … Das hat mich ungemein beruhigt, denn ich dachte schon, dass ich wieder mal überkritisch bin :D.

      Liebe Grüße
      Ascari

    1. Liebe Petra,

      ich wünsch dir auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen! Hoffe, es gefällt dir besser als mir. Ich vertraue jetzt ja einfach mal auf die Fortsetzung, die es anscheinend geben wird (zumindest lässt Goodreads drauf schließen), dass es dann bergauf geht ;).

      Liebe Grüße
      Ascari

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