Rezension

Rezension Nancy Springer – Der Fall der linkshändigen Lady

Mit dem “Fall der linkshändigen Lady” erzählt Nancy Springer die Geschichte von Enola Holmes, der kleinen Schwester des bekannten Detektivs Sherlock Holmes, weiter. Diente Teil 1 eher dazu, um eigentlich alle Figuren an den richtigen Platz zu bringen, konzentriert sich dieser zweite Teil zum ersten Mal mehr auf den Fall selbst – und Enola kann endlich zeigen, was wirklich in ihr steckt.

Wer die klassischen Geschichten kennt, wird sich unweigerlich an eine gewisse Irene Adler erinnert fühlen, der es bekanntlich ja ebenfalls gelungen ist, Holmes immer wieder auszutricksen … Aber gut, ich greife vor 😀 .

Der Klappentext:

Mycroft und Sherlock wollen ihre Schwester in ein Internat stecken. Daher ist Enola in London untergetaucht und eröffnet unter falschem Namen ein Ermittlungsbüro. Einer ihrer ersten Klienten ist ausgerechnet Dr. John Watson! Seine Mission: die vermisste Enola Holmes zu finden. Währenddessen ermittelt Enola im Fall der verschwundenen Lady Cecily Alistair. Wurde sie entführt? Ist sie davongelaufen? Bergen die Zeichnungen der Linkshänderin ein Geheimnis?

Meine Meinung:

Enola hat sich seit dem Ende des ersten Teils in ihrem neuen Leben sehr gut eingerichtet – und hat sich dazu verschiedene Alter Egos geschaffen, die sie nutzt, um in London sowohl ihrer Arbeit nachzugehen als auch in den Elendsvierteln der Stadt Gutes zu tun.

Bereits im ersten Teil spielten diese Viertel eine nicht unerhebliche Rolle, aber hier schöpft Springer aus dem Vollen. Und selbst als erwachsene Leserin musste ich bei den bildhaften Beschreibungen schon hier und da schlucken, jüngere Leser dürfte es vermutlich noch mehr mitnehmen. Dies gibt dem Buch streckenweise einen recht düsteren Anstrich, der der Geschichte aber gut tut.

“Wenn die Berufung jeder anständigen Frau darin bestünde, ihren angemessenen Platz in der Gesellschaft einzunehmen […], dann bevorzugt es diese angehende Frau, unanständig zu bleiben.”

Enolas Einstellung

Enola selbst beweist sich hier mehrmals als kluger Kopf, auch wenn sie nicht verhindern kann, in die eine oder andere brenzlige Situation zu geraten. Ihre Fähigkeit, sich genauso wie ihr großer Bruder in gewisse “Figuren” zu verwandeln, erlaubt es ihr, sowohl vor ihren Brüdern auf der Hut zu sein, als sich auch auf die Suche nach der verschwundenen Lady Cecily zu machen.

Im Gegensatz zum letzten Teil nehmen Sherlock und seine Versuche, Enola zu finden, einen größeren Anteil in dieser Geschichte ein, was zu der einen oder anderen Szene führt, die beweist, dass Enola mit ihrem Bruder durchaus mithalten kann. Es sei zwar dahingestellt, wie realistisch dies für eine 14-jährige nun wirklich ist, lässt man dies aber außer Acht, wird man mit einigen wirklich sehr witzigen Stellen im Buch belohnt.

“‘Dr. med. John Watson.’ Ich sprach den Namen laut aus, um mir zu versichern, dass ich mich nicht verlesen hatte.”

Enola ist verblüfft wegen ihres ersten Klienten

Springer baut in diesem Buch außerdem endlich den ersten Auftritt von Sherlocks bestem Freund Dr. John Watson ein, den ich im ersten Buch ehrlich gestanden ein wenig vermisst habe. Sherlockianer werden außerdem die eine oder andere Anspielung auf einige Details aus Sherlocks Leben in diesem Buch finden (eine bestimmte Fotografie zum Beispiel, die der Detektiv in seiner Schublade aufbewahrt).

Enola selbst hat sich in ihrem Leben eingerichtet, das merkt man. Gleichzeitig gibt Springer der Figur aber auch Tiefe, da Enola zunehmend mit der Einsamkeit kämpft und gerne Freunde finden würde, denen sie sich anvertrauen möchte. Aus demselben Grund, vermute ich, lässt sie auch eine zaghafte Annäherung an Sherlock zu, auch wenn sie ihm bezüglich ihrer Freiheit nicht über den Weg traut. Dies hat die Autorin sehr schön in Szene gesetzt, und es ist zu hoffen, dass dieses Annähern in den weiteren Bänden der Reihe ausgebaut wird.

Der Schluss hat mich außerdem noch einmal so richtig lachen lassen – und ich muss gestehen: Mit diesem zweiten Buch hat mich die Autorin nun endgültig gekriegt. Und ich kann nur noch sagen: Wo ist Band 3? Ich will auf der Stelle weiterlesen!

Mein Fazit:

Im Vergleich zu “Der Fall des verschwundenen Lords” hat sich die Autorin meiner Meinung nach um ein ganzes Stück verbessert, sozialkritische Töne, Abenteuer, Humor, ein schlaues, selbständiges Mädchen, hier stimmt einfach alles für junge und junggebliebene Leseratten.

  • ★★★★★
  • Hörbuch
  • 281 Minuten
  • Der Hörverlag
  • 978-3-8445-3445-0
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2 Kommentare

  • Aleshanee

    Huhu!

    Es freut mich sehr dass dich der 2. Band so begeistern konnte! Beim ersten fand ich es auch noch etwas bedächtig alles, aber jetzt gehts so richtig los!
    Die Amtosphäre ist genial und ich denke nicht, dass junge Leser da so sehr “mitleiden”, die stecken das meist viel besser weg, weil sie da noch nicht so viele Gedanken dazu haben wie wir “Alten” 😀

    Ich wünsch dir ganz viel Spaß bei den Fortsetzungen, ich hab Band 3 und 4 auch schon durch und es bleibt so gut!

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • Ascari

      Liebe Aleshanee,

      stimmt, da kann ich dir nur recht geben, das Gefühl hatte ich auch, dass es mit dem zweiten Band erst so richtig losgeht! Was deinen Einwand angeht, vermute ich mal, das ist wohl auch von Person zu Person unterschiedlich. Egal in welchem Alter 🙂 .

      Ganz liebe Grüße zurück,
      Ascari

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