Rezension Nina MacKay – Plötzlich Banshee

Ich glaube, wer regelmäßig Buchblogs liest, wird in den letzten Wochen an diesem Buch nur schwer vorbeigekommen sein … Die Idee dazu fand ich jedenfalls von Anfang an recht spannend, auch wenn ich persönlich nicht mehr so der Fan von Urban Fantasy bin. Und als ich bei Netgalley auf das Angebot stieß, das Buch als Rezensionsexemplar zu beziehen, dachte ich mir, jetzt ist er der richtige Zeitpunkt für die Geschichte gekommen :).

Zum Inhalt:

Alana McClary ist eine Banshee. Allerdings ist ihr das zu Beginn der Geschichte nicht klar. Was sie aber weiß, ist, dass sie ziemlich tollpatschig ist und das Unglück anderer geradezu anzieht. Und dann ist da auch noch die merkwürdige Sache mit den Lebenszeituhren und dem Schrei, den sie immer wieder ausstoßen muss, wenn es mit der Lebenszeit eines Menschen zu Ende geht. Und zu allem Verdruß verschwinden auf einmal Menschen aus Santa Fe, ihrer Heimatstadt, und tauchen als blutleere Leichen wieder auf …

Meine Meinung:

Lasst euch durch die Inhaltsangabe nicht in die Irre führen: Es geht in dieser Geschichte einmal nicht um Vampire und ähnliche Nachtwesen, sondern ausschließlich um Wesen aus dem sogenannten “Kleinen Volk” der irischen Mythologie. Alana beispielsweise ist ein junges Mädchen, das mit ihrem besten Freund Clay zusammenlebt. Über Wasser hält sie sich mit ihrer Arbeit als Privatdetektivin – und ein bisschen spielt sie auch Schutzengel für die Personen, deren Lebensuhren fast abgelaufen sind.

Aus diesem Grund steigt der Leser auch unmittelbar in die Geschichte ein, als Alana einem Jugendlichen das Leben rettet, der mit zwei Freunden auf dem Dach eines fahrenden Zugs herumturnt. Die Jugendlichen sind es auch, die Alana die Bekanntschaft mit Dylan Shane, einem Detective der örtlichen Mordkommission, bescheren. Detective Sockenschuss, wie er von Alana bald genannt wird, untersucht nämlich die Todes- und Entführungsfälle. Da Alana mit den Opfern in Verbindung steht, erklärt er sich bereit, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Hört sich gut und unterhaltsam an? Habe ich auch gedacht, vor allem weil ich im Vorfeld schon viele positive Stimmen gehört habe. Die Wirklichkeit gestaltete sich für mich allerdings ganz anders. Wobei ich mir im Nachhinein nicht sicher bin, ob das dem wirklich sehr, sehr einfachen Schreibstil geschuldet ist (Manch einer würde wohl Fanfiction-Niveau dazu sagen) oder den anderen Dingen, die ich nicht so ansprechend fand. Die Altersfreigabe für das Buch ist ab 14 Jahren, also gehe ich davon aus, dass der Schreibstil schon absichtlich ist, wie er ist …

Am meisten nervte mich auf jeden Fall die Ansammlung von Klischees, die Alana alle erfüllt und die man derzeit anscheinend permanent in Jugendromanen zu sehen bekommt:

1) Sie ist tollpatschig und fällt ihrem Detective einmal mehr oder weniger vor die Füße (Hatten wir das nicht schon mal?).
2) Sie himmelt Dylan an, was ihr selbst natürlich nicht so schnell klar wird.
3) Dylan hat Mukkis (Irgendwann hab ich aufgehört, diese Wiederholung zu zählen).
4) Die “Wortgefechte” mit Dylan spielen sich immer wieder nach demselben Schema ab und sind deswegen irgendwann nicht mehr lustig, sondern nur eine endlose Wiederholung.
5) Von der toughen Privatdetektivin, die Alana sein soll, merkt man eher wenig, sie stolpert mehr oder weniger durch alle Situationen, in die sie gerät …

Weitere Klischees kann ich jetzt leider nicht aufzählen, weil sie schon einen Spoiler darstellen würden. Was ich aber verraten kann, ist, dass ich Alanas Verhalten in bestimmten Situationen absolut nicht nachvollziehbar fand. Ein Beispiel: Am Anfang streitet sie noch ab, eine Banshee zu sein. Dann wird es ihr quasi am Silbertablett präsentiert – und auf einmal reagiert sie ziemlich cool. Kein “Das darf doch nicht wahr sein”, kein “Das glaub ich nicht”, da kommt einfach gar nichts. Sie akzeptiert die neue Situation einfach, die mal eben alles auf den Kopf stellt. Und dieses “coole” Verhalten legt Alana übrigens im Verlauf der Geschichte noch einmal an den Tag, es ist also nicht so, dass es nur einen Ausrutscher darstellt …

Der Schluss stellte für mich in gewisser Weise ein Novum dar: Ich konnte mich tatsächlich besser mit dem Antagonisten als dem Protagonisten identifizieren. Besonders an der Stelle, wo Alana sich sagen lassen muss, dass sie ein dummes Huhn ist … Hier konnte ich einfach nicht anders, als in Gedanken zu nicken *seufz*. Dass es ein Happy End gibt, ist natürlich auch klar. Den Weg dorthin empfand ich allerdings als etwas holprig und am Ende als fast etwas hektisch, um noch alle offenen Fragen zu beantworten bzw. die Situation aufzulösen.

Was bleibt, ist für mich ein etwas schales Gefühl im Mund. Ich bin mir nicht sicher, was ich erwartet habe, aber auf jeden Fall nicht so etwas … Mir ist natürlich bewusst, dass ich nicht mehr unbedingt zur anvisierten Leserschaft gehöre, aber ein klein bisschen mehr Pfeffer wäre in der Geschichte auf jeden Fall noch drin gewesen.

Warum ich trotzdem drei Sterne vergebe, ist der Tatsache geschuldet, dass ich das Cover wirklich mochte, weil es sich wohltuend von dem abhebt, was sich derzeit sonst so am Markt befindet (Ich sag nur Personen und Gesichter am Cover!).

Mein Fazit:

“Plötzlich Banshee” hat Potenzial! Das ausgefallene Setting, die unterschiedlichen Figuren mit ihren Hintergründen und Entwicklungen mag ich auch jetzt noch sehr. Leider nutzt die Autorin in meinen Augen dieses Potenzial aber nicht aus, sondern versinkt in einer sehr klischeebehafteten und vor sich hin plätschernden Story, die am Ende ein wenig rasch die Kurve nimmt.

  • ★★★★★
  • Taschenbuch
  • 400 Seiten
  • ivi
  • 978-3492703932
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6 Gedanken zu „Rezension Nina MacKay – Plötzlich Banshee

  1. Hallo Ascari =)
    Eine tolle Rezi, hast du da geschrieben. Ich hatte das Buch schon öfter in der Hand, denn das Cover ist wirklich bildschön *-* Aber, deine Meinung und die von ein paar anderen schreckt mich total ab. Vielleicht, lasse ich da doch lieber die Finger von.

    Ganz Liebe Grüße
    Anni

  2. Liebe Crumb,

    normalerweise würde ich sagen: Lies die Leseprobe :). Aber hier kann ich das nicht empfehlen, weil sich der Anfang eigentlich noch recht spannend liest (Okay, mal abgesehen vom Schreibstil) und die ganzen befremdlichen Dinge erst nach einer Weile kommen … Wenn du die Gelegenheit hast, würde ich empfehlen, es in der Bücherei auszuleihen, wenn du dir ein Bild machen möchtest.

    Liebe Grüße
    Ascari

  3. Hey!
    Eine super Rezension hast du geschrieben. Alle Kritikpunkte kann ich gut nachvollziehen. Dieses Buch ist ja derzeit wirklich in aller Munde, aber irgendwie war ich mir schon die ganze Zeit nicht so sicher, ob ich es lesen möchte. Ich denke, dass ich nichts verpasse, wenn ich das Buch einfach auslasse und sage Danke dafür. Ich finde, dass es mit 3 Sternen wirklich noch milde von dir bewertet wurde. Ich fürchte, dass ich nicht so milde wäre.
    LG und einen guten Start in die neue Woche
    Yvonne

  4. Das Cover ist schuld, dass ich dieses Mal auf drei Sterne aufgerundet habe :). Ich schätze, sonst wäre wohl weniger dabei rausgekommen …

    Liebe Grüße und dir ebenfalls eine schöne Woche!
    Ascari

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