(Kurz)Rezension Petra Hartlieb – Ein Winter in Wien

Petra Hartlieb ist mir schon seit ihrem Buch “Meine wundervolle Buchhandlung” ein Begriff. Dass sie allerdings nun auch angefangen hat, Romane mit historischem Setting zu schreiben, ist irgendwie bis jetzt an mir vorbeigegangen. “Ein Winter in Wien” dürfte nämlich der Auftakt zu einer mehrbändigen Geschichte werden, die Fortsetzung “Wenn es Frühling wird in Wien” ist dieses Jahr im Februar erschienen.

Der Klappentext:

Um 1910. Marie arbeitet als Kindermädchen bei einer angesehen Familie im Wiener Cottage-Viertel. Eines Tages wird sie vom Herrn des Hauses zur nahegelegenen Buchhandlung geschickt, um ein Buch abzuholen. Doch sie kommt mit leeren Händen, völlig durchnässt vom Schnee, zurück. Der Band sei noch nicht eingetroffen, Buchhändler Oskar bringe ihn so bald wie möglich persönlich vorbei. Als Oskar am gleichen Nachmittag am Haus in der Sternwartestraße klingelt, hat er gleich zwei Bücher dabei: eines für den Herrn Schnitzler und das andere für Marie, mitsamt einer persönlichen Notiz an das Fräulein. Er möchte sie gerne wiedersehen…

Meine Meinung:

Petra Hartlieb hat einen einfachen und recht schnörkelosen Schreibstil, der es einem aber nicht schwer macht, sich in die Haut des jungen Mädchens Marie zu versetzen, das die freiwerdende Stelle als Kindermädchen bei den Schnitzlers ergattert.

Marie selbst ist auf einem Bauernhof großgeworden, daher erscheint ihr die neue Arbeit in Wien als echter Glücksgriff. Die zweijährige Lili und der neunjährige Heini freunden sich schnell mit ihr an und zusammen mit der Familie erlebt Marie, dass das Leben auch aus anderen Dingen als harter Arbeit, Schlägen und Schweigen besteht.

Maries Leben nimmt eine erneute Wendung, als sie den jungen Buchhändler Oskar kennenlernt, der sich von ihr sofort angezogen fühlt. Marie dagegen ist zurückhaltend, hat sie doch sehr wohl verstanden, dass es für sie nicht von Vorteil ist, in ihrer Situation sich auf eine Liebelei einzulassen …

Für sich gesehen gibt der Inhalt eigentlich nicht viel her, trotzdem ertappte ich mich irgendwann beim Lesen, dass sich die Geschichte langsam, aber sicher in mein Herz schlich, auch wenn ich mehrmals das Gefühl hatte, dass aufgrund der Kürze des Romans vieles auf der Strecke blieb. Hartlieb gelingt es trotzdem wunderbar, das Leben der Menschen jener Zeit einzufangen und darin das zarte Pflänzchen der Gefühle einzubetten, die sich hier langsam, aber sicher zwischen Marie und Oskar entwickeln.

Es kommt aber auch das Leben der Familie Schnitzler auf den 176 Seiten nicht zu kurz. Wir erfahren, dass Schnitzler vor seiner Ehe kaum etwas anbrennen hat lassen, Sohn Heinrich wurde sogar noch unehelich geboren. Die kleine Lili dagegen ist Schnitzlers Augenstern, der Vater kümmert sich trotz seiner Arbeit und seinen gesellschaftlichen Aktivitäten rührend um beide Kinder.

Warum ich keine vier Sterne vergebe, hängt aber leider mit dem Ende zusammen. Denn das Buch hat eigentlich keines, die Geschichte friert mehr oder weniger in der letzten Szene einfach ein. Und das ist etwas, was ich absolut nicht leiden kann und was ich für sehr ungeschickt halte, da ich mit einem ziemlich unzufriedenen Gefühl den Deckel vom Reader zuklappen musste.

Mein Fazit:

“Ein Winter in Wien” ist eine zarte und sehr zurückhaltende Liebesgeschichte, eingebettet in das Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts. Den Wermutstropfen stellt für mich leider das ungeschickte Ende dar, das mir doch ein wenig die Freude an dem Buch verdorben hat …

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 176 Seiten
  • Rowohlt Digitalbuch
  • 978-3-644-31551-8
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5 Gedanken zu „(Kurz)Rezension Petra Hartlieb – Ein Winter in Wien

  1. Hallo!
    Gleich vorweg: ich mochte das Buch! Aber es lebt vorallem von der grundstimmung, denn so richtig viel passiert nicht. Es vermittelt aber etwas wohliges, wärmendes und man wird in die k.u.k Zeit zurückversetzt,
    Das fehlende End ehat mich auch gestört…aber – es geht weiter: In “Wenn es Frühling wird in Wien” erfährst du mehr über Marie’s weiteres Leben. Und ich denke es ist noch nicht ganz zu Ende…
    Ich mochte das zweite Buch noch mehr…
    Liebe Grüße
    Martina

    1. Liebe Martina!

      Ich auch, auch wenn – wie du sagst – nicht viel passiert :). Ich hätte dem Buch auch gern eine bessere Bewertung gegeben, aber solche Enden mag ich einfach nicht, da werde ich jedes Mal ganz unrund. Aufgrund der Titel hätte ich jetzt eigentlich auch vermutet, dass es ingesamt vier Bücher geben wird – oder?

      Liebe Grüße
      Ascari

  2. Ich hab das Buch zwar nicht gelesen, würde das Ende aber als klassischen Cliffhanger sehen. Da es eine Buchserie ist, ist es vermutlich eine Seifenoper in Buchform. Ich wäre da nicht so streng, wenn alles bis aufs Ende gefällt 🙂

    1. Beim Ende eines Buchs bin ich pingelig, da geht’s mir wahrscheinlich so wie dir bei der Sprache. Gerade weil ich den Rest des Buchs eigentlich mochte, hat mir das keine Freude gemacht, so ein Ende serviert zu bekommen. Das wirkt auf mich immer so, als ob die Autorin oder der Autor nicht weiß, wie er die Geschichte “rund” beenden soll und dann einfach mitten drin aufhört …

      Liebe Grüße
      Ascari

      1. “da geht’s mir wahrscheinlich so wie dir bei der Sprache”

        Haha, okay, guter Punkt 😀
        Ich sehe es eher so, dass die Autorin den Leser dazu antreiben will, auch das nächste Buch zu kaufen. Von ihrer Warte betrachtet sicher nicht unklug – sie will ja Geld verdienen. Wo wir dann wieder bei meiner Kritik an der Sprache von Beer wären, wo das Motiv ähnlich gelagert zu sein scheint.
        Im Endeffekt geht’s halt immer ums Geld.

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