Der Leseratz

Lesen oder fressen - das ist hier die Frage!

REZENSION • JUGEND, SCIENCE FICTION, THRILLER

Ursula Poznanski - Canvas

16. August 2026

Ich gebe zu, ich habe zunächst ein wenig geschwankt, ob ich Ursula Poznanskis neuestes Jugendbuch "Canvas" zeitnah lesen wollte. Der Vorgänger "Cryptos" war und ist für mich ein Stoff, den ich zwar superspannend finde, den ich aber aufgrund dieses fast allzu realistischen Near-Future-Szenarios auch als belastend empfunden habe.

Und wenn es draußen über 35 Grad hat, schleicht sich schon auch der Gedanke ein, dass wir eines nicht mehr allzu fernen Tages vielleicht wirklich wie Poznanskis Figuren in virtuellen Welten leben werden, weil die reale Welt durch die Hitze praktisch unbewohnbar geworden ist ...

Dann hat mich aber doch die Neugier gepackt und ich konnte einfach nicht widerstehen, an der Seite von Jung-Designerin Jana Pasco und ihren Freunden erneut auf ein Abenteuer zu gehen.

Der Klappentext

Willkommen in Canvas

Janas neueste Welt ist eine Art Stellenvermittlung. Man kann sich hier für Jobs in anderen Welten bewerben: Arbeiten, die niemand machen will, die aber wichtig sind, damit alles möglichst echt wirkt. Als Entlohnung winken neue Pässe für die schönsten Welten von Mastermind. Denn seitdem die Erde für ein Leben zu heiß geworden ist, verbringen die Menschen ihre Tage überwiegend im Virtuellen.

Nur eine kleine privilegierte Elite, zu der auch die Gründerfamilie von Mastermind gehört, genießt das milde Klima in den wenigen noch lebenswerten Regionen der Erde. Aber dann macht sich Widerstand bemerkbar …

Meine Meinung

Bevor ich dieses Buch begonnen habe, habe ich die Graphic Novel zu "Cryptos" gelesen. Da ich leider ein recht schlechtes Gedächtnis für Figuren und Namen habe (besonders wenn das gelesene Buch schon ein paar Jahre zurück liegt), erschien mir das als gute Idee, um wieder in Janas Welt reinzukommen. Und ich bereue auch nicht, das gemacht zu haben, denn die Autorin steigt ohne großes Wenn und Aber in die neue Geschichte ein.

Chronologisch ist Canvas etwa ein Jahr nach den Ereignissen aus "Cryptos" angesiedelt, man steigt also als Leser:in fast unmittelbar dort ein, wo "Cryptos" geendet hat. Die Handlung von "Canvas" setzt auch genau an diesem Punkt an und erzählt die Ereignisse aus Band eins weiter. Dies gilt sowohl für Jana und ihre Freunde als auch für diejenigen, deren perfider Plan im ersten Buch vereitelt wurde. Diese Leute haben allerdings noch nicht aufgegeben und setzen neue Ereignisse in Bewegung, die Jana schon bald wieder auf Trab halten.

Dabei reist Jana wie schon beim ersten Mal wieder durch ihre Welten, besucht gleichzeitig aber auch neue. Und mit "Canvas" ist auch eine Neuerung in die Mastermind-Welten gekommen, denn man kann auf "Canvas" virtuelle Jobs annehmen und damit vorübergehend in die Haut komplett anderer Personen schlüpfen. Eine Fähigkeit, die Jana mehr als einmal zugute kommt, denn ihre Feinde schlafen nicht.

"Canvas" kommt damit zunächst über lange Zeit fast wie eine Art Detektiv- und Spionagegeschichte rüber, denn es gilt herauszufinden, was Janas Gegner planen und wer sie dabei unterstützt. Gleichzeitig hat die Autorin wieder die Elemente einer Schnitzeljagd in die Geschichte eingeflochten, auch wenn es dieses Mal nicht so lebensbedrohlich gegen die Zeit abläuft wie bei Band eins.

Das Finale war für meinen Geschmack leider fast ein bisschen unspektakulär und bis zu einem gewissen Maß auch vorhersehbar - da wäre noch mehr drin gewesen. In Summe habe ich das Buch daher mit etwas zwiespältigen Gefühlen beendet, denn die Autorin setzt bei dieser Fortsetzung fast ein bisschen zu sehr auf Bewährtes und Beliebtes. Man könnte auch sagen: "Canvas" erzählt eine weitere spannende Geschichte in der Welt von "Cryptos", bringt aber für das Worldbuilding nicht extrem viel Neues ...

Mein Fazit

"Canvas" setzt dort an, wo "Cryptos" aufgehört hat. Wenn man also Freude daran hat, mit den bekannten Figuren aus Band eins ein weiteres Abenteuer zu erleben, schenkt einem das Buch spannende Lesestunden innerhalb des bekannten Rahmens von "Cryptos". Wenn nicht, sollte man wohl eher seine Erwartungen ein wenig herunter schrauben.

  • ★★★★☆
  • Hardcover
  • 480 Seiten
  • Loewe
  • 978-3743226203