Rezension Ray Celestin – Höllenjazz in New Orleans

Nach “Der zweite Reiter” ist dies gleich das zweite Buch, wo ich mich in das Jahr 1919 begebe, aber nicht nach Europa, sondern in die USA, genauer gesagt nach New Orleans. Ray Celestin nimmt den Leser mit in eine Stadt, die vom Jazz und vom ersten Weltkrieg geprägt ist, die aber auch kurz vor dem Beginn der Prohibition steht (die immerhin doch bis 1933 Bestand hatte).

Rassismus, und Diskriminierung sind an der Tagesordnung. Mitten in diesen Hexenkessel hinein setzt der Autor seine Figuren und scheut sich dabei auch nicht, auf wahre Begebenheiten zurückzugreifen.

Der Klappentext:

New Orleans, 1919: Der mysteriöse »Axeman-Mörder« versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Seine Waffe ist eine Axt, sein Markenzeichen Tarotkarten, die er bei seinen Opfern hinterlässt. Detective Michael Talbot ist mit dem Fall betraut und verzweifelt an der Wendigkeit des Killers. Der ehemalige Polizist Luca D’Andrea sucht ebenfalls nach dem Axeman – im Auftrag der Mafia. Und Ida, die Sekretärin der Pinkerton Detektivagentur, stolpert zufällig über einen Hinweis, der sie und ihren besten Freund Louis Armstrong mitten in den Fall hineinzieht. Als Michael, Luca, Ida und Louis der Identität des Axeman immer näherkommen, fordert der Killer die Bewohner von New Orleans heraus: Spielt Jazz – sonst komme ich, um euch zu holen.

Ray Celestin ist ein brillanter Debütroman gelungen, der sich in einer Mischung aus Fakten und Fiktion um eine der spannendsten und geheimnisvollsten Mordfälle der nordamerikanischen Geschichte rankt.

Meine Meinung:

Im Grunde verspricht der Klappentext eine Art Mischung aus Thriller und Krimi, denn Ermittler, Serienmörder, geheimnisvolle Hinweise – das sind alles Dinge, wie man aus einer solchen Geschichte kennt. Trotzdem hat Piper das nicht schlecht gelöst, indem der Verlag auf das Cover “Roman” geschrieben hat. Denn der Roman besitzt zwar alles, was man von einem Thriller kennt – und irgendwie ist es doch keiner. Warum? Weil Celestin trotz der Ermittlungen nicht unbedingt den Schwerpunkt der Geschichte auf das Herausfinden des Täters lenkt.

Im Gegenteil: Er beschreibt das Leben seiner drei Protagonisten sehr anschaulich, daher bekommt man als Leser sehr schnell ein Gefühl dafür, wie es gewesen sein muss, zu Beginn der Zwanziger Jahre in New Orleans zu leben. Die Konflikte zwischen den unterschiedlichen Ethnien sind allgegenwärtig und mitten in diesem Hexenkessel mischt auch noch Axeman mit. Er ist quasi der Katalysator, der dafür sorgt, dass Michael, Luca und Ida tun, was sie tun, aber er ist eigentlich eher eine Randfigur.

Was ich zu Beginn nicht wusste, war, dass Celestin hier auf wahre Tatsachen zurückgegriffen hat. Eine kurze Recherche bei Wikipedia zeigte mir allerdings recht schnell, dass der Autor einige Details sehr frei interpretiert hat, die Tarotkarten beispielsweise sind reine Erfindung, genauso auch wie die Beschreibung der Opfer. Trotzdem drängen sich recht schnell Parallelen zu Jack the Ripper und dem Zodiac-Killer auf, die ja ebenfalls Briefe geschrieben haben …

Der Brief des Axeman ist historisch, den der Autor gleich zu Beginn verwendet. Eine gute Entscheidung, denn das macht neugierig und auch die drei Hauptfiguren fand ich gut angelegt. Auch das bereits erwähnte Bild von New Orleans zeichnet der Autor sehr anschaulich, keine Frage. Nur darüber hinaus tritt das Krimi-Element irgendwie nach einer gewissen Zeit in den Hintergrund. Man begleitet zwar alle drei bei ihren Nachforschungen, trotzdem hat man nicht das Gefühl, sie wirklich aktiv beim Zusammentragen von Informationen zu begleiten.

Was sich mir beispielsweise gar nicht erschlossen hat, ist die Nebenfigur von Louis Armstrong. Die Eckdaten seines Lebens sind vermute ich richtig dargestellt (vorausgesetzt es stimmt, was ich gelesen habe), allerdings trägt er eigentlich nicht wirklich zu der Geschichte bei, ist nicht viel mehr als ein freundlicher und liebenswerter Begleiter von Ida. Hier konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Celestin ihn nur verwendet hat, um einige Leser mehr anzusprechen, weil bekannter Name. Gebraucht hätte es seine Figur eigentlich nicht.

Das Finale schließlich ist für meinen Geschmack fast etwas zu gewollt. Der Autor serviert uns einen Täter (der in Wirklichkeit genau wie der Ripper und der Zodiac auch nie gefunden wurde), vermutlich, um den Erwartungen der Leser zu entsprechen. Trotzdem war es durchaus spannend zu lesen und in gewisser Weise auch nachvollziehbar.

Mein Fazit:

“Höllenjazz in New Orleans” ist für mich irgendwie durchwachsen, anders kann ich es nicht ausdrücken. Es gab einiges, was mir gefallen hat, aber auch einiges, was ich nicht so gut gelöst fand. Potenzial ist in meinen Augen aber vorhanden, lassen wir uns daher überraschen, was der Autor in Zukunft abliefern wird.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 512 Seiten
  • Piper
  • 978-3492990035
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10 Gedanken zu „Rezension Ray Celestin – Höllenjazz in New Orleans

  1. Hallo Ascari
    da musste ich ja echt mal schnuppern kommen und bin darin bestätigt das es kein Buch für mich ist. Ich stehe ja total auf geschichtsträchtiges, wie eben der zweite Reiter (den komme ich auch noch lesen). Aber hier ist es wohl von allem zuviel und das wichtige bleibt auf der Strecke. Janna fand es sehr gut, aber wir sind oft auch sehr unterschiedlich was unsere Lesehighlights angeht 🙂
    Grüße dich
    Kerstin

  2. Hach, wie ich es liebe, wenn ich unterschiedliche Meinungen zu einem Buch lese. Ich habe HÖLLENJAZZ noch ungelesen hier liegen und bin schon sehr gespannt darauf, auch wenn meine Vorfreude so ein kleines bisschen nun getrübt ist. Deine Kritikpunkte sind nämlich sehr nachvollziehbar.
    Da ich schon vorgewarnt wurde, dass es nicht wirklich 100% ein Thriller ist, liegt mein Hauptaugenmerk wohl eher am Setting – das ist es nämlich, was mich am meisten neugierig auf das Buch gemacht hat.

    Liebe Grüße dir, Iris

  3. Hach schade! Aber ich kann deine Kritik schon nachvollziehen, auch wenn ich es nicht so empfunden habe. Ich finde das ende sogar wirklich gut, da es zwar eine Geschichte des Täters gibt, es des weiteren jedoch offen bleibt, wie im wahren Axeman-Fall.
    Ich denke Louis Armstrong war einfach eine unterhaltsame Einarbeitung des Autors, ich hatte nach der Leseprobe gar nicht erwartet, ihn überhaupt weiter im Buch zu lesen.
    Und wie du schons elbst schreibst, es ist kein Krimi laut Buchangabe und somit finde ich es überhaupt nicht störend das dieses Element nicht das Buch ausmacht, sowie auch gewisse Freiheiten bezüglich der Tatsachen 😉

    1. Hihi, da sieht man wieder einmal, wie unterschiedlich wir Bücher wahrnehmen 😀 … Für meinen Geschmack war das Ende nur teilweise offen. Die Fortsetzung wird aber bestimmt wieder mit Armstrong zu tun haben, da ich ja den Titel bei dir gesehen habe, Janna. Und da Armstrong im weiteren Verlauf seines Lebens nach Chicago gegangen ist, liegt die Vermutung nahe, dass er wieder auftauchen wird.

      Das mit den Tatsachen, naja, das ist vermutlich Geschmacksache. Da mit der Reihenfolge der Opfer “rumzuspielen”, war mir persönlich ein bisschen too much. Das ist für mich in etwa so, als ob man Jack the Ripper andere Opfer andichten würde. Freiheiten in den Details – ja, gerne, aber die Eckdaten sollten in meinen Augen in einem solchen Roman schon stimmen.

      Ganz liebe Grüße
      Ascari

      1. Die Vielfalt des Geschmacks 😉 Na da bin ich gespannt ob Louis uns wieder begegnen wird – mir solls rechts ein <3 und ich freue mich schon sehr auf den Folgeband.

        Hach, hätte sich der Roman als faktisch korrekt bezeichnet würde ich das auch kritisieren, aber so kann ich das ganz gut überlesen 😉 Dafür habe ich bei anderen Büchern Punkte und Aspekte die ich stärker kritisiere als andere – und ich mag es ja wenn die Meinungen auseinander gehen, so kommt man auch in einen tollen Austausch und hypte nicht nur, hihi

        1. Stand eigentlich irgendwo etwas, wie frei der Roman das interpretiert? Ich hatte ja nur die E-Book Ausgabe, da ist mir aber nicht wirklich etwas aufgefallen …

          Ich mag es übrigens auch sehr, wenn die Meinungen auseinander gehen, solange man ganz normal diskutieren kann 🙂 . Davon leben unsere Blogs schließlich!

          1. Ich weiß nur das der grobe Rahmen des Axeman auf Tatsachen basiert, ich müsste im Buch nochmals schauen, ob das explizit etwas steht

            Absolut, der Ton kann ja schon gerne bei dem ein oder der anderen schief sein, aber wir 2 können denke ich schon klar unterschiedlicher Meinung sein und uns dennoch nett austauschen 😉

          2. Nur zu Beginn das es auf wahren Ereignissen beruht, aber sehr gezielt bezgl. des Mörders, mehr nicht. Und am Ende ein riesen Glossar (hatte ich gar nicht in meiner Rezi, ups!) bezgl. verschiedener Worte und Personen – echte Namen und von wann bis wann sie lebten

          3. Echt? Da muss ich dann doch noch mal gucken, wegen des Glossars, meine ich. Das ist mir im E-Book gar nicht aufgefallen … 😀

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