Rezension

Rezension Richard Lee Byers – Der Kopf des Mimir

Ich gebe zu, ein echter Marvel-Fan wird aus mir in diesem Leben nicht mehr werden, dafür fühle ich mich alleine von den Filmen und den Serien – und wie diese miteinander zusammenhängen – schon sehr lange nur noch überfordert. Aber nachdem ich angefangen habe, mich etwas ausführlicher mit nordischer Mythologie zu beschäftigen, fällt es schwer, Marvels Interpretation der verschiedenen Welten auszuklammern. Aus dem Grund war ich von diesem Titel sofort fasziniert – vor allem weil ich Heimdall aus den Thor-Filmen immer als eine Figur in Erinnerung hatte, die zwar sehr interessant rüberkam, aber auch irgendwie immer zu kurz gekommen ist.

Der Klappentext:

Der junge Heimdall begibt sich auf eine Quest, um Odin – und alle aus Asgard – zu retten.

Es ist eine düstere Zeit für Asgard. Der Allvater liegt im Odinschlaf gefangen, was die Frostriesen zu einem direkten Angriff bewegt. Sie weichen der Verteidigung der Götter mit ungewöhnlicher Leichtigkeit aus. Heimdall, ein kluger junger Krieger auf der Suche nach seiner Stellung unter den Verteidigern Asgards, hält es nicht für Zufall, dass Odin außer Gefecht ist und die Riesen so gut informiert sind. Er bricht in Odins Gemächer ein und entdeckt, dass der abgetrennte Kopf Mimirs – eine Quelle großer Weisheit – verschwunden ist. Begleitet von seiner Schwester, Lady Sif, muss Heimdall die Zehn Welten durchsuchen, um ihn zurückzuholen, damit Asgard nicht fällt.

Meine Meinung:

In der Vergangenheit kannte ich Cross Cult eigentlich mehr für seine Comic- als seine Buch-Veröffentlichungen, aber es ist mir nicht entgangen, dass der Verlag sich gerade im SF-Bereich in viele Bereiche vorgewagt hat, die früher beispielsweise Heyne innehatte. Dass es nun allerdings auch Bücher aus dem Marvel-Universum (oder zählt es eher zum MCU, ich weiß nicht genau) geben wird, war mir komplett neu.

Aber ich bin ja grundsätzlich spannenden Abenteuer-Geschichten nicht abgeneigt – und genau das habe ich auch bekommen: Eine richtig schönes Abenteuer, in das man ruckzuck hineingesogen wird, nachdem klar wird, dass der Kopf des Mimir verschwunden ist und niemand Heimdall und Sif Glauben schenken will. Der Schreibstil ist relativ leicht und gut zu lesen, weshalb ich mir denke, dass diese Geschichte durchaus schon für jüngere Leser:innen ab zehn oder zwölf Jahren geeignet sein könnte.

Die Geschichte beginnt an einem Punkt in Heimdalls Leben, wo er noch ein junger Krieger ist, der zusammen mit seiner Schwester Sif in Diensten Asgards steht. Beide brennen darauf, sich im Krieg mit den Frostriesen ihre ersten Sporen zu verdienen, wobei Heimdall oft Probleme damit hat, Befehle von ranghöheren Leuten zu akzeptieren bzw. sie in Frage zu stellen.

“[…] da waren noch andere Fähigkeiten, die er nicht oft hatte einsetzen können. Er war immer schon ein Denker gewesen, jemand, der Fragen stellt, un das sollten junge Krieger auf keinen Fall tun.”

ca.18 %

Dies ist es allerdings auch, was die Geschichte überhaupt in Gang setzt, denn mit Sifs Hilfe findet Heimdall heraus, dass offensichtlich etwas faul ist an dem langen Schlaf Odins. Ehe sich die beiden es versehen, stecken sie mittendrin in ihrem ersten Abenteuer, das sie aus Asgard heraus nach Jotunheim, der Heimat der Riesen, führt, um herauszufinden, was wirklich passiert ist.

Das ermöglicht ihnen dabei nicht nur, neue Gebiete kennenzulernen, sondern auch sich selbst. Sif wird dabei zu einer loyalen Unterstützerin für ihren Bruder, obwohl ihr die Flucht aus Asgard zunächst nicht leicht fällt. Trotzdem hält sie zu ihm und hilft ihm, auch wenn sie nicht immer sofort erkennen kann, welche Pläne Heimdall hat, um ihren Verfolgern und Feinden zu entkommen.

“‘Seit ich klein war’, sagte sie, ‘wollte ich unbedingt eine Kriegerin Asgards werden und unserer Familie Ehre machen.'”

ca 17 %

Die Reise führt die beiden in unterschiedlichste Gegenden aus der nordischen Mythologie, ich möchte hier jetzt allerdings nicht ins Detail gehen, um nicht zu spoilern. Es gab aber einige Kapitel, die mir gerade deswegen sehr viel Freude bereitet haben, da der Autor hier sehr geschickt die Marvel-Welten mit den “klassischen” Welten verknüpft hat. Heimdall darf hier mehr als einmal seinen klugen Kopf beweisen, um mit verschiedenen Figuren und Fabelwesen fertig zu werden.

Das Ende kommt hier für meinen Geschmack fast ein bisschen zu abrupt, aber es hat wirklich Spaß gemacht, wieder mal so eine klassische Helden-Geschichte zu lesen, wo es nicht nur um Kämpfe, sondern auch um Klugheit, Freundschaft, Loyalität und Geschick geht, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Wer gerne Abenteuer-Geschichten in einer Fantasy-Welt liest, wird sicher mit diesem Buch viel Freude haben!

Mein Fazit:

“Der Kopf des Mimir” ist eine wunderbare fast klassisch zu nennende Abenteuer-Geschichte, die bestimmt gerade deswegen auch für jüngere Leser:innen geeignet ist, die gerne in fremde Welten abtauchen.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 400 Seiten
  • Cross Cult
  • 978-3-96658-411-1
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