Rezension

Rezension Robert McCammon – Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal (Bd. 1)

Die Reihe mit dem sympathischen jungen Mann Matthew Corbett begegnete mir in letzter Zeit immer wieder mal. Seit 2017 bringt der Luzifer Verlag kontinuierlich die Bücher heraus und ein Ende ist derzeit nicht absehbar.

Aufgrund des zeitweise recht hohen Seitenumfangs sind einige der Geschichten allerdings in zwei Teile geteilt worden, so auch dieses erste Abenteuer, das Matthew Corbett nach Fount Royal – eine kleine aufstrebende Stadt in Carolina – führt. Diese Rezension beschäftigt sich mit dem ersten Band, also der ersten Hälfte der Original-Geschichte.

Der Klappentext:

Geht eine Hexe in Carolina um? Das zumindest glauben die Bewohner der kleinen Stadt Fount Royal. Ihr Name ist Rachel Howarth, eine Fremde – wunderschön und mutig. Kein Wunder, dass sie von manchen Einwohnern gehasst wird und den meisten zumindest suspekt vorkommt.

Der fahrende Friedensrichter Isaac Woodward und sein scharfsinniger Gerichtsdiener Matthew Corbett sollen ihr den Hexenprozess machen. Die Beweise sind erdrückend: In ihrem Haus finden sich okkulte Hinweise, sie weigert sich, die Worte des Herrn zu sprechen, und Zeugen berichten von unaussprechlichen Dingen, die sie mit dem Leibhaftigen selbst begangen haben soll.

Aber Matthew zweifelt an den Anschuldigungen. Gibt es so etwas wie Hexerei wirklich? Und wenn Rachel tatsächlich wie ein Dämon durch die Nacht fliegen kann, wieso hat sie sich dann nicht längst selbst aus dem Gefängnis befreit?

In Fount Royal gehen noch weitaus rätselhaftere Dinge vor. Wer ermordete Rachels Ehemann? Wer wäre imstande, eine ganze Stadt zu paralysieren? Und wer würde davon profitieren, wenn die Hexe verbrannt würde?

Es tobt tatsächlich ein Kampf zwischen Gott und Teufel, zwischen Gut und Böse in dieser Stadt, und selbst die Unschuldigen sind nicht länger sicher. Schon bald muss sich Matthew Corbett mit Herz und Hirn dem wahrhaftigen Bösen stellen, das in Fount Royal umgeht …

Meine Meinung:

Wenn ich ehrlich bin, bin ich ein wenig zwiegespalten. Denn: Ich habe das Gefühl, dass diese Rezension zum ersten Band nicht alles ausdrücken wird, was man vermutlich zu dieser Geschichte sagen kann. Einfach aus dem Grund, da ich ja den zweiten Band noch nicht kenne. Die Rezension kann also nur widerspiegeln, was ich mir zu dieser ersten Hälfte der Geschichte gedacht habe …

Matthew wirkt wie ein junger, noch etwas weltfremder Mann, dem das Schicksal bereits als Kind übel mitgespielt hat. Im Waisenhaus aufgewachsen, erscheint er als Erwachsener trotz allem etwas weltfremd, da er das gesellschaftliche Miteinander “draußen” einfach nicht kennt. Was ihn allerdings antreibt, ist seine Neugier, Dinge zu hinterfragen und sich selbst eine Meinung zu bilden.

Aus diesem Grund ist er anfangs auch unsicher, was er von dem sich anbahnenden Hexenprozess in Fount Royal halten soll. Richter Woodward, der sein Vormund ist und ihm gegenüber gewisse väterliche Gefühle an den Tag legt, sieht die Dinge dagegen recht sachlich und nimmt seine Aufgabe ernst, der Hexe den Prozess zu machen.

“Für mich seht es so aus, als würde Satan unbedingt sicherstellen wollen, dass jeder in der Stadt von der Hexe weiß, und dass ihr Name Rachel Howarth ist”.

Matthew zu Richter Woodward

Rachel, die mutmaßliche Hexe, wird als eine Frau dargestellt, die sich den gesellschaftlichen Vorstellungen, wie eine gute Ehefrau zu leben und zu arbeiten hat, nicht beugen will. Der Hexenglaube ist gerade in den Kolonien zu dieser Zeit noch weit verbreitet (Salem ist gerade mal einige Jahre her), da verwundert es nicht, dass sie innerhalb kürzester Zeit für alles verantwortlich gemacht wird, was in der kleinen Stadt an der Grenze zur Wildnis schief geht.

Im Verlauf der Geschichte merkt man recht schnell, dass es in dem Ort einige Geheimnisse gibt, über die aber niemand so wirklich mit den beiden Neuankömmlingen reden möchte. Selbt Rachel, in deren Interesse es eigentlich liegen sollte, die Wahrheit ans Licht zu bringen, macht nur Andeutungen …

“Ich denke”, sagte er nach kurzem Überlegen, “dass es in dieser Stadt etwas Verschlagenes, etwas Böses gibt. Etwas, das teuflisch wirkt – egal, ob es sich um einen Menschen oder einen Dämon handelt.”

Matthew zu Rachel

Genau das ist es auch, woraus dieses Buch meiner Meinung nach hauptsächlich besteht: Andeutungen. Es gibt jede Menge Andeutungen, jede Menge Dialoge – und recht wenig Handlung. Zwar beginnt das Buch sehr stark, danach bremst der Autor das Tempo aber spürbar aus. Das sorgt zwar auf der einen Seite dafür, dass man die handelnden Figuren sehr gut kennenlernt und ihren Charakter gut einordnen kann, andererseits habe ich aus dem Grund manche Szene vor allem in der Mitte des Buchs mehr überflogen als richtig gelesen.

Erst gegen Ende zieht die Handlung dann wieder an und gerade als ich das Gefühl hatte, jetzt wird es spannend, war schon die letze Seite des Buchs da. Unter normalen Umständen würde ich das befremdlich finden. Aber ich gehe einmal davon aus, dass eben tatsächlich mittendurch ein Schnitt gemacht wurde, um das Buch erfolgreich in zwei Bände teilen zu können. Ob das klug war, sei einmal dahingestellt. Denn es passiert in meinen Augen in diesem ersten Band fast ein bisschen zu wenig, um eine vielleicht unentschlossene Leseratte bei der Stange zu halten.

Mein Fazit:

In Summe lässt mich dieser erste Band ein wenig zwiegespalten zurück, denn man merkt ihm die Zweiteilung der Geschichte recht deutlich an. Das großteils recht ruhige Erzähltempo steigert sich erst gegen Ende – und dann ist das Buch einfach aus.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 516 Seiten
  • Luzifer Verlag
  • 978-3-95835-198-1
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6 Kommentare

  • Aleshanee

    Huhu!

    Schade, dass es dich nicht so fesseln konnte, schon alleine der Stil und die Atmosphäre haben mich total mitgenommen, ich mochte es von Anfang an sehr 🙂

    Dass der Band in zwei Teile “geschnitten” wurde finde ich nicht gut, ich mag das prinzipiell nicht … so hört es mittendrin einfach auf, das ist doof ^^

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • Ascari

      Liebe Aleshanee!

      Ja, das stimmt wirklich, das merkt man dem Buch total an, dass es auseinander geschnitten wurde!
      Ich hoffe ja, dass es irgendwann einmal auch eine “Komplettausgabe” geben wird, denn so finde ich es wirklich schwierig, diese Geschichte angemessen zu bewerten …

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Janna | KeJasWortrausch

    Huhu meine Feine!

    ich hatte letztes Jahr beide Teile hintereinander verschlungen, als ich mit meinem Bruch Wochenlang zu Hause bleiben musste. Ein wenig kann ich deinen Zwiespalt verstehen, ich glaube im “normalen” Alltag hätten mich manche Ausführungen gestört. Da ich mich aber vollauf und ohne andere Dinge auf die Geschichte konzentrieren konnte, hat es mich gepackt, gänzlich *-*

    Hab ich es überlesen oder hast du es offen gelassen? – Wirst du den zweiten band lesen?

    Mukkelige Grüße!

    • Ascari

      Liebe Janna,

      nein, hast du nicht :). Ich hab es derweil einmal offen gelassen, ob ich weiterlese. Aktuell ist leider nicht die Zeit nicht da … Vermutlich wird das erst etwas werden, wenn der größte Wirbel in diesem Semester vorbei ist – und das wird wohl erst im Februar nächstes Jahr der Fall sein. Deswegen habe ich mir gedacht, ich überlasse es einfach mal der Zeit, wie sehr ich wissen will, wie die Geschichte endet 😀 …

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Livia

    Hallo liebe Ascari

    Wie schade, dass dich das Buch nicht komplett fesseln konnte, der Plot klingt ja eigentlich spannend. Aber ich kann deine Kritikpunkte sehr gut nachvollziehen und würde wohl auch noch ein wenig abwarten und dann entscheiden, wie es weitergehen wird.

    Alles Liebe an dich
    Livia

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