Rezension Ryder Carroll – The Bullet Journal Method

Ich gebe zu, ich habe mit einer gewissen Spannung diesem Buch entgegengefiebert. Auch wenn ich mittlerweile schon einige Bücher zum Thema “Bullet Journal” gelesen habe, war ich doch neugierig, was gerade der Erfinder selbst zu seinem System zu sagen hat.

Aus diesem Grund habe ich auch nicht lange gezögert, als die englische Ausgabe endlich zu haben war, der Preis hat das Seine dazu beigetragen, mich wieder einmal für das E-Book zu entscheiden.

Der Klappentext:

For years Ryder Carroll tried countless organizing systems, online and off, but none of them fit the way his mind worked. Out of sheer necessity, he developed a method called the Bullet Journal that helped him become consistently focused and effective. When he started sharing his system with friends who faced similar challenges, it went viral. Just a few years later, to his astonishment, Bullet Journaling is a global movement.

“The Bullet Journal Method” is about much more than organizing your notes and to-do lists. It’s about what Carroll calls “intentional living:” weeding out distractions and focusing your time and energy in pursuit of what’s truly meaningful, in both your work and your personal life. It’s about spending more time with what you care about, by working on fewer things. His new book shows you how to…

• Track the past: Using nothing more than a pen and paper, create a clear and comprehensive record of your thoughts.

• Order the present: Find daily calm by tackling your to-do list in a more mindful, systematic, and productive way.

• Design the future: Transform your vague curiosities into meaningful goals, and then break those goals into manageable action steps that lead to big change.

Carroll wrote this book for frustrated list-makers, overwhelmed multitaskers, and creatives who need some structure. Whether you’ve used a Bullet Journal for years or have never seen one before, “The Bullet Journal Method” will help you go from passenger to pilot of your own life.

Meine Meinung:

Jetzt ist es da, das Buch, auf das wahrscheinliche viele aus der Bujo-Community schon recht lange gewartet haben: “The Bullet Journal Method” aus der Feder von Ryder Carroll.

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert, die Ryder “The Preparation”, “The System”, “The Practice”, “The Art”und “The End” nennt. Um den – nennen wir es: technischen – Teil geht es in Abschnitt 2, wo Ryder seinen minimalistischen Ansatz, ein Bullet Journal zu führen, beschreibt. Wer sein Erklärvideo auf der Website gesehen hat: “The System” ist quasi das Video in Buchform, nur etwas ausführlicher.

Die Dinge, die ich in anderen BuJo-Ratgebern schmerzlich vermisst habe, etwa Erklärungen zur Migration oder Erklärungen zum Key, findet man hier genauso wie das, was in Ryders Augen das Herz eines Bullet Journals ausmacht: die vier Basismodule “Future Log”, “Monthly Log”, “Daily Log” und “Index”. Wer in diesem Zusammenhang auf der Suche nach Ideen für Layouts dieser Module ist, den muss ich leider enttäuschen. Da Ryder ausgemachter Minimalist ist, fokussiert er sich ausschließlich auf seinen Ansatz, der fast komplett ohne Zeichnungen, aufwändige Bilder und graphische Gestaltung auskommt.

In den übrigen Abschnitten beschreibt Ryder das Drumherum, mit denen man das Bujo dazu nutzen kann, sein Zeitmanagement, seine Lebenseinstellung und seine Produktivität zu verbessern. Neulinge in diesem Bereich werden damit sicher ihre Freude haben, denn Carroll erklärt dies alles mit einfachen und leicht verständlichen Worten, zum Teil in typisch amerikanischem Stil mit emotionalen Geschichten anderer Bullet Journal-Nutzer “garniert”.

Die Print-Ausgabe ist, wie ich in verschiedenen Videos gesehen habe, zum Teil wie ein Notizbuch gestaltet, in der E-Book-Ausgabe fehlt dies. Nachdem mir aber der Inhalt wichtiger war, konnte ich das problemlos verschmerzen. Ryders Englisch beinhaltete für mich zwar einige Fremdwörter, die ich nicht kannte, aber auch das war am E-Book-Reader kein Problem (Ein Hoch auf die Wörterbuch-Funktion).

Eines möchte ich für mich allerdings festhalten: Als mittlerweile leicht fortgeschrittenem Nutzer es mir nicht sooo viel Neues gebracht hat wie erhofft. Eigentlich hatte ich erwartet, dass Ryder etwas mehr darauf eingeht, wie er das Bujo entwickelt und was es ihm persönlich gebracht hat, aber dazu erzählt Ryder nur das, was eigentlich schon bekannt ist …

Stattdessen erklärt Ryder recht ausführlich, was seine Lebensphilosophie ausmacht: Es geht um Achtsamkeit, Ziele im Leben, Dankbarkeit, geistiges Entrümpeln, Unvollkommenheit, das Reflektieren über Dinge, die einem etwas bedeuten. Vieles, was Ryder in diesem Zusammenhang schreibt, fällt für mich ein klein wenig in die Rubrik “Hausverstand”, das muss aber natürlich nicht für jeden Leser gelten.

Zu jedem Thema stellt Ryder einen praktischen Ansatz vor, wie man seine Tipps im Bullet Journal in die Praxis umsetzen kann. Für jemanden, der wissen möchte, wobei Tracker, Collections und Listen helfen können, sicherlich sehr interessant. Für mich jedoch nicht ganz so nützlich, da mein Notizbuch mehr als Aufgaben-Planer und als Gedächtnisstütze dient als als Bullet Journal, wie es in der Community in der Regel geführt wird.

Ich möchte das Buch trotzdem all denen empfehlen, die neu in der Materie sind und eine Möglichkeit suchen, ihr vielleicht chaotisches Leben etwas besser in den Griff zu bekommen. Ryder bietet Neulingen viele interessante Ansätze, die man in sein Bujo übernehmen kann, aber nicht muss. Wer außerdem ein Buch sucht, das auf den grafischen, zum Teil eher mädchenhaften Ansatz bei seinen Erklärungen verzichtet, kann in meinen Augen mit gutem Gewissen zu Ryders Buch greifen.

Mein Fazit:

Fortgeschrittene Bujo-Nutzer werden durch dieses Buch wahrscheinlich nicht viel Neues erfahren, aber Neulingen ist es definitiv zu empfehlen, da Ryder leicht verständlich erklärt, worauf es ihm in einem Bullet Journal ankommt.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 336 Seiten
  • Penguin Random House
  • 978-0525533344
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9 Gedanken zu „Rezension Ryder Carroll – The Bullet Journal Method

  1. Hallo liebe Ascari,
    das Buch ist bislang ja so völlig an mir vorbeigegangen. Vielleicht liegt es auch daran, dass es sich um eine englische Fassung handelt. Weißt du, ob eine deutsche Übersetzung geplant ist? Mich würde sehr interessieren, welche Denkansätze der Erfinder des BuJos bei seinem Projekt verfolgt hat. Etwas schade finde ich, dass es hier keine praktischen Beispiele gibt und dass sich einiges aus dem Buch für dich schon vorweg von selbst ergeben hat. Ich habe zwar schon ein Lesejournal “gezeichnet”, bin aber wohl doch noch eher Neuling auf dem Gebiet. Daher finde ich deine Buchempfehlung auch gerade sehr interessant.

    Vielen Dank für diesen Artikel <3

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

    1. Liebe Tanja,

      ja, die deutsche Übersetzung ist etwa eine Woche nach der englischen Fassung erschienen. Praktische Beispiele gibt es aber schon einige, da kann ich dich beruhigen. Ryder hat seine Kapitel immer so gestaltet, dass es zuerst um das Thema geht (Achtsamkeit zum Beispiel), und dann gibt er Tipps dazu, wie man das im Bullet Journal umsetzen kann. Oh Mann, ich glaube, ich hab diese Rezi wenigstens dreimal umgeschrieben und irgendwie fehlt doch noch immer irgendwas *seufz* …

      Liebe Grüße
      Ascari

      1. Huhu Ascari,

        das klingt immer interessanter. Hm… ich werde das Buch mal im Auge behalten.

        Ich finde du musst dir keine Sorgen machen. Deine Rezension ist sehr aussagekräftig. :o)

        Vielen Dank für diesen interessanten Buchtipp!

        Ganz liebe Grüße
        Tanja :o)

  2. Ich denke schon, dass es auch fortgeschrittenen Nutzern viel bringen kann, weil sehr viele es nur wie einen Planer nutzen und nicht wie ein „LebensLog“, was es für Ryder letztendlich so hilfreich macht.
    Ich habe mich schon kurz nach dem Erscheinen seiner Webseite damals mit der Methode befasst. Für mich funktioniert sie nicht. Ich denke zu stark in Katgeorien, die ich oft neu anordne und ich kann nicht alles in einem Buch unterbringen und das Wichtigste immer neu übertragen. Ich habe es auch als „Ringplanersystem“ versucht, aber mein Hirn funktioniert so nicht.
    Dennoch finde ich sein Buch sehr faszinierend und es hat mir für mein eigenes System ein paar neue Impulse gegeben.
    LG
    Sonja

    1. Hallo Sonja,

      ich schätze, es hängt auch sehr viel damit zusammen, wie man sein Bullet Journal nutzt. Ich habe es ja auch schon in der Rezi erwähnt, dass ich auf einiges bewusst verzichtet habe, aber das muss ja nicht für jeden gelten :). Wenn du mit “Übertragen” das Migrieren meinst: Ich mache das nur einmal im Monat, wenn es darum geht, den neuen Monat aufzusetzen. Und ich gestalte meine Seiten auch nicht sehr aufwendig, da ich die Zeit dafür einfach nicht habe … Was für ein System nutzt du denn?

      Liebe Grüße
      Ascari

  3. Ich habe das Buch auf englischen Seiten auf gefeiert gesehn. Werde es mir aber nicht holen. Mir sind die Basics bewusst. Viele scheinen aber zu glauben, dass die Optik, mit Luftballons, perfekten Kästchen und hübschen Fähnchen das Wichtigste ist. Genau das ist es eben nicht. Ich bin ein kreativer Mensch und gestalte lediglich die erste Monatsseite etwas “künstlerischer” ansonsten bleib ich schlicht & übersichtlich.
    Genau das sollte man den Anfängern da draußen klar machen & für die ist es (wie du auch selbst sagst) sicher perfekt geeignet 😀

    1. Ganz ehrlich? Ich bewundere schon, was viele da draußen gestalten. Wäre gelogen, wenn nicht :D. Aber für mich persönlich ist das nichts, ich habe die Zeit einfach nicht (mehr), mich drei Stunden in der Woche oder so hinzusetzen. Mein Buch muss funktionieren, mir helfen, die Übersicht über alles zu behalten, was für die FH zu tun ist, und da hält mich das Zeichnen eher auf als dass es mir hilft …

      Ich habe das aber auch erst so richtig verstanden, als ich den BuJo Ratgeber von Diana Meier-Soriat gelesen habe. Deswegen ist es gut, wenn es jetzt noch weitere Bücher gibt (auch von Ryder selbst), die dabei helfen zu verstehen, worauf es beim Bullet Journaling eigentlich ankommt.

      1. Oh, ich wollte auch nicht die kreativen Menschen unterbuttern 😀
        Wer so seine kreativer Ader ausleben kann, why not?
        Nur viele denken, sie müssten genauso ein BuJo gestalten. Das meinte ich damit 🙂
        Für mich muss es auch funktionieren. Die Momente wo ich Bilder male und andere Dinge, kommen meist wenn ich prokrastiniere XD

        1. Den Eindruck hatte ich allerdings auch, dass viele denken, es müsste so sein, weil man ja eigentlich von den “Großen” aus der Szene nix anderes gezeigt bekommt … Also: Wir sind uns einig 😉 !

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