Rezension

Rezension Sherry Thomas – A Study in Scarlet Women

Wenn mich nicht alles täuscht, tauchte dieses Buch als Vorschlag bei Goodreads auf. Relativ häufig ist mir zwar nicht klar, wie der Algoritmus darauf kommt, mir Buch A vorzuschlagen, weil ich Buch B gelesen habe, aber gut, ab und zu funktioniert er ja doch :). Denn in diesem Fall war ich mal neugierig genug, mir mit “A Study in Scarlet Women” den ersten Band der “Lady Sherlock”-Reihe zu besorgen. Die Idee, Sherlock in eine Frau zu verwandeln, klang aber auch zu reizvoll, um dazu nein zu sagen :).

Zum Inhalt:

Charlotte Holmes ist wegen ihres wissbegierigen Verstandes, nicht bereit, sich den Anstandsregeln der oberen Zehntausend zu unterwerfen. Daher verursacht sie einen Skandal, der allerdings dazu führt, dass sie sich auf einmal alleine durchschlagen muss.

Als in der Stadt drei unerwartete Todesfälle passieren und der Verdacht auf ihre Schwester Livia und ihren Vater fällt, versucht Charlotte alles, um die wahren Schuldigen zu finden.

Meine Meinung:

Die Vorstellung, dass Sherlock Holmes in Wirklichkeit eine Frau sein könnte, reizte mich. Gerade in diesem Setting, wo Frauen kaum bis gar keine Rechte hatten, übte das eine ganz besondere Faszination auf mich aus.

Denn Charlotte ist – und das merkt man bereits auf den ersten Seiten – keineswegs das angepasste junge “Fräulein”, als das sie ihre Eltern, vor allem ihr Vater, gerne sehen würden. Um einer ungewollten Heirat zu entgehen, lässt sie sich kurzerhand mit einem verheirateten Mann ein – und verursacht damit einen ausgemachten Skandal in der feinen Gesellschaft.

Mit der Hilfe ihrer Schwester verlässt sie das Elternhaus, um sich auf eigene Beine zu stellen. Ihr vorerst gehegter Plan, sich als Schreibgehilfin eigenes Geld zu verdienen, scheitert allerdings, da sie sich nicht lange unerkannt durch die Stadt bewegen kann. Erst die Bekanntschaft mit der Witwe und früheren Schauspielerin Mrs. Watson bringt eine Wende in Charlottes Leben …

“Do you think an extraordinary woman ought to be treated differently, my dear?”

Inspector Treadles zu seiner Frau

Parallel dazu entwickelt sich eine weitere Geschichte, denn innerhalb kurzer Zeit kommen mehrere Angehörige der oberen Zehntausend ums Leben. Der junge Inspector Treadles meldet sich freiwillig für die Ermittlungen, im Hintergrund unterstützt von einem geheimnisvollen Unbekannten, den niemand bisher zu Gesicht bekommen hat: Mr. Sherlock Holmes.

Als aufmerksame Leseratte ahnt man schon, wer sich hier hinter dem bekannten Namen verbirgt: Niemand anderer als Charlotte schickt Scotland Yard immer wieder Briefe und gibt kleine Tipps, wo und in welche Richtung ermittelt werden soll.

Wie man sieht, hat die Idee wirklich etwas für sich. Allerdings kommt jetzt das große Aber, das mich am Ende mit einem Augenzudrücken dem Buch 3 Sterne geben lässt: Die Handlung erinnert an einen stotternden Motor, der irgendwie nie so richtig in Fahrt kommt.

“I think you should publish some of Sherlock Holmes’s cases. Those accounts would be far better publicity for your services than newspaper adverts.”

Livia zu Charlotte

Zwar gibt es immer wieder einige sehr geniale Szenen, beispielsweise wenn Charlotte ihren brillanten Kopf einsetzt, um sich oder anderen aus der Patsche zu helfen, diese helfen aber nicht darüber hinweg, dass vor allem der Teil, wo man als Leser den jungen Inspektor begleitet, einfach keine Spannung aufkommen lässt. Natürlich besteht Ermittlungsarbeit aus Fragen, Fragen und nochmal Fragen stellen, aber es bringt hier die Handlung einfach nur sehr, sehr langsam voran.

Der auktoriale Erzählstil sorgt außerdem dafür, dass man sich mit keiner der Figuren besonders gut identifizieren kann, sogar Charlotte bleibt einem, obwohl sie die Protagonistin des Buchs ist, irgendwie fremd. Am besten hat mir eigentlich noch Mrs. Watson gefallen, denn diese ist im Vergleich zu Charlotte eigentlich die Lebenserfahrenere und diejenige, die die Idee hat, dass Charlotte ihre Fähigkeiten als beratender Detektiv einsetzen soll. In diesem Kontext gibt es ein, zwei Szenen, die mir wirklich gut gefallen haben, wie die beiden sich zusammenraufen, um ihr “Business” auf die Beine zu stellen :):

Das Ende ließ mich tatsächlich noch einmal schmunzeln, denn … Aber okay, lassen wir das, das wäre jetzt doch ein bisschen zu viel gespoilert. Sherlockianer dürften auf jeden Fall zwei Kleinigkeiten erkennen, mit denen das Buch zu Ende geht. Gleichzeitig wird ein Punkt offengelassen, der vermutlich in Band 2 weitererzählt werden wird.

Mein Fazit:

In Summe bleibt ein etwas durchwachsener Eindruck. Leider, denn die Idee finde ich nach wie vor sehr genial. Ich sehe hier sehr viel Potenzial, jedoch hat “A Study in Scarlet Women” gerade beim Fortgang der Handlung noch einige Schwächen.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 336 Seiten
  • Berkley Books
  • B01ASO6JIY
Loading Likes...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.