Rezension Sophie Jordan – Infernale

Ich muss sagen, Sophie Jordan und ich hatten keinen guten Start miteinander … Ihre Firelight-Trilogie und ich – das war nichts. Da habe ich nach dem ersten Teil schon aufgegeben, weil die Geschichte für mich einfach viel zu viel Potenzial verschenkt hatte. “Infernale” ist in dieser Hinsicht aber ganz anders 🙂 …

Hier hatte ich dafür das Problem, dass ich mich nicht entscheiden konnte, wie ich die Geschichte “angehen” wollte. Am Ende hatte ich jetzt das Hörbuch in der deutschen (und leider gekürzten) Fassung vor mir liegen, weil ausgeliehen, und das englische E-Book. Entschieden habe ich mich am Ende doch für das Hörbuch, während ich in das E-Book immer wieder hineingeblättert habe, um zu sehen, was ausgelassen wurde.

Zum Inhalt:

Davy ist ein ganz normales, 17jähriges Mädchen, das Träume, einen Freund und sehr viele romantische Vorstellungen von der Liebe hat. Dies wird von einem Moment auf den anderen zerstört, als sie erfährt, dass ihr Gentest positiv ist. Sie hat das sogenannte Homicidal Tendency Syndrome, kurz HTS, im Volksmund auch Mördergen genannt. Sie muss auf eine öffentliche High School wechseln, verliert den Kontakt zu ihren früheren Freunden und muss sich auf ein komplett neues Leben einstellen, das nichts mehr mit dem zu tun hat, was sie bisher gekannt hat …

Meine Meinung:

Schon als ich die ersten Rezensionen las, wurde ich neugierig. Der Plot klang ansprechend und definitiv nach etwas anderem, was derzeit so bei den Dystopien auf den Markt kommt … Schon mal vorab: Wann genau “Infernale” spielt, ist nicht erkennbar, aber die Vorstellung ist erschreckend realistisch, also vermute ich, es sind vielleicht 10 oder 15 Jahre in der Zukunft – nicht mehr.

Da es eine Dystopie ist, ist die Gesellschaftsentwicklung in den USA dementsprechend düster. Die Kriminalität nimmt überhand und die normale Bevölkerung ist dementsprechend eingeschüchtert und verängstigt. Die sogenannte Wainwright Agency übernimmt es, die Bewohner des Landes zu testen und festzustellen, ob sie HTS positiv oder negativ sind … Wer normal ist, hat nichts zu befürchten, aber wehe denjenigen, die positiv getestet werden!

Zu viel ins Detail will ich jetzt gar nicht gehen, da es einen Spoiler darstellen würde, aber mir wurde mehrmals übel. Gerade die kleinen Zwischenkapitel (die im Hörbuch leider gänzlich fehlen, aber viel über das aussagen, wie es in der Welt von Davy zugeht) drehten mir immer wieder den Magen um – und ich kann gut verstehen, warum manche Blogger das Szenario mit der Judenverfolgung im dritten Reich verglichen haben.

Selbst jetzt wirkt diese Welt noch immer nach, mache ich mir Gedanken darüber, ob wir es auch im echten Leben soweit kommen lassen würden … Für meinen Geschmack ist das leider ziemlich realistisch, auch wenn die Idee, dass ein solches Mördergen existiert, (hoffentlich?) wirklich in den Bereich der Fiktion gehört. Dass aber Menschen – von Hass, Angst und Verunsicherung getrieben – andere drangsalieren können, hat uns die Geschichte ja schon eindringlich bewiesen. Wobei ich der Meinung bin, dass man jeden Menschen dazu bringen kann, einen anderen zu töten – egal, ob er nun so ein Gen besitzt oder nicht. Es bedarf nur der richtigen Mechanismen dazu.

Kommen wir zu dem, was mir weniger gefallen hat: Die Heldin – wieder einmal. Ja, Davina ist ein Wunderkind und behütet aufgewachsen, ja, sie hat Vorurteile gegenüber HTS Trägern und muss damit erst einmal fertig werden, dass die Welt sich auf einmal um 180 Grad gedreht hat. Trotzdem ist dies keine Entschuldigung dafür, wie blauäugig sie durch manche Szenen stolpert – und das obwohl sie innerhalb des Buches mehr als einmal darauf aufmerksam gemacht wird, dass sie diese oder jene Dinge in ihrer Situation nicht tun sollte. Gerade gegen Ende gab es eine Szene, wo für mich als Leser nur allzu ersichtlich war, worauf es hinauslaufen würde – und sie denkt natürlich trotzdem, dass es jetzt bergauf geht und alles wieder besser wird. Oh Mann!

Auch dieses “Ja, alle anderen HTS Träger sind böse, gewaltig und gemein, nur ich nicht” nervte mich irgendwann zusehends. Hier war für mich einfach keine Weiterentwicklung des Charakters zu sehen, ganz im Gegenteil. Je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr wird Davy zu einem naiven und weinerlichen Mädchen, das nicht versteht, dass die Gesellschaft sie loswerden will … Bis zum Schluss habe ich nicht ganz verstanden, warum Sean, der Junge, in den sie sich verliebt, seinerseits Gefühle für sie entwickelt, wo er ihr doch permanent den A… retten muss. Beschützerinstinkt? Denn alles andere ergibt für mich nicht wirklich Sinn.

Das Ende der Geschichte ist relativ offen, aber nicht so ein deutlicher Cliffhanger wie in anderen Reihen, die derzeit am Markt sind. Teil 2 ist auf Englisch bereits letztes Jahr erschienen … Ob ich ihn lesen bzw. hören werde, habe ich aber noch nicht entschieden, da die Meinungen dazu auf vielen englischsprachigen Buchblogs eher negativ waren (Anscheinend nimmt die Handlung einen komplett neuen Verlauf, der mit dem ersten Teil nicht mehr viel zu tun hat). Mal sehen, vielleicht schaue ich mich nach einer englischen Leseprobe um und entscheide dann 😀 …

Jetzt noch einmal zum Hörbuch: Sprecherin Friederike Walke macht ihre Sache wirklich sehr gut. Die Art und Weise, wie sie in den knapp 6,5 Stunden Laufzeit den unterschiedlichen Charakteren Stimme und Gefühl verleiht, verdient großes Lob! Angst, Zorn und Panik – alles bringt sie in den Dialogen so gekonnt rüber, dass ich beim Hören einige Male sogar zusammengezuckt bin. Daher gibt es für die Hörbuchfassung definitiv einen Stern mehr – für die Kürzungen kann die Sprecherin ja schließlich nichts :).

Mein Fazit:

“Infernale” hat eine tolle, nachdenklich machende Story, leidet aber daran, dass die charakterliche Entwicklung der Heldin einfach nicht vorankommt. Die Sprecherin jedoch macht einen wirklich tollen Job, es macht wirklich Spaß, ihr zuzuhören!

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