Rezension

Rezension Tanja Kinkel – Die Söhne der Wölfin

Eigentlich wollte ich ja schon immer etwas von Tanja Kinkel lesen, aber irgendwie hatte es sich bisher einfach nie ergeben. Wer historische Romane mag, wird mit ihrem Namen sicherlich etwas anfangen können, da sie schon sehr erfolgreich seit mehr als 20 Jahren Bücher aus allen Zeitepochen veröffentlicht hat.

Auf Lovelybooks hatte ich das Glück, bei einer Leserunde ein Exemplar ihres Romans “Die Söhne der Wölfin” als E-Book zu gewinnen.Vielen Dank dafür an alle Beteiligten :).

In dem Roman verlegt Kinkel den Ort der Handlung ins 7. Jahrhundert vor Christus und entwirft ein Bild, wie Etrusker, Latiner, Griechen und Ägypter zu jener Zeit gelebt haben dürften. Den Rahmen macht dabei der römische Gründungsmythos um die Zwillinge Romulus und Remus aus.

Zum Inhalt:

Ilian, Priesterin bei den Rasna im Tempel der Turan, wird schwanger und behauptet, dass das Kind von einem Gott gezeugt wurde. Da ihr weder ihr Onkel, der König, noch die Hohepriesterin des Tempels Glauben schenken, wird sie aus Alba verbannt und muss einen Latiner, einen einfachen Hirten, heiraten. Ilian will dies allerdings nicht akzeptieren und schwört, dass eines Tages ihr Sonn auf dem Thron von Alba sitzen wird. Um ihr Ziel zu erreichen, sucht sie die Unterstützung des Orakels von Delphi und reist dafür sogar bis nach Ägypten.

Meine Meinung:

Im Vergleich zu anderen historischen Romanen ist dies ein sehr untypischer Roman. Eine Zeitepoche, die nicht sehr oft gewählt wird, eine Heldin, die nicht ihre große Liebe findet und die einem über größere Strecken ein Rätsel bleibt – das ist für mich erfrischend und angenehm neu :).

Ich gebe zu, dass ich die Antike als Schauplatz historischer Romane oft wesentlich interessanter finde als das Mittelalter, es bietet in meinen Augen einfach mehr Möglichkeiten für spannende Geschichten. Kinkel schöpft hier auch aus dem Vollen, denn wir lernen nicht nur das Leben der Etrusker und Latiner, sondern auch das der Griechen und Ägypter kennen. Besonders die beiden Abschnitte in Ägypten fand ich sehr gut geschrieben, da hätte ich gerne noch länger beim Lesen verweilen wollen.

Gut gefallen hat mir auch die Idee, Ilians Handlungen niemals aus ihrer eigenen Perspektive zu erzählen, sondern immer nur aus Sicht ihres Umfelds. Es macht es zwar ungleich schwerer, ihren Charakter zu verstehen (Und es gab einige Stellen, wo ich sie wirklich für ein ausgemachtes Miststück gehalten habe), erhält aber auch die Spannung, was sie wohl als nächstes tun wird. Als junges Mädchen merkt man ihr (noch) an, dass sie auch dem Leben in einer Familie etwas abgewinnen kann, mit zunehmendem Alter wird sie allerdings verbissener, um ihr Ziel zu erreichen.

Am sympathischsten fand ich ihren Freund und langjährigen Begleiter Ulsna, der ein Hermaphrodit ist, also Mann und Frau gleichzeitig. Mit ihm wird gleichzeitig auch die Einstellung der verschiedenen antiken Völker zu Zwitterwesen erzählt, während Griechen und Ägypter ihm gegenüber aufgeschlossen sind (In Ägypten gilt er sogar als Glücksbringer), ist er gezwungen, in Italien sein wahres Wesen geheimzuhalten und lebt dort als Mann.

Der letzte Abschnitt geht dann in etwa auf den Gründungsmythos ein, wie man ihn durch die antiken Schriftsteller kennt. Diese Kapitel waren dann für mich nicht mehr so spannend, machten aber trotzdem Spaß, sie zu lesen, einfach um zu sehen, wie Kinkel diese Geschichte erzählt. Der Schluss selbst ist dann eigentlich kein Ende im klassischen Sinn, weil er einiges offen lässt, aber er passt zum Rest des Romans.

Gut gefallen haben mir auch Nachwort und Interview am Ende des Romans. Kinkel erläutert darin anschaulich, was ihr Ziel beim Schreiben des Romans war, nämlich einige Fragen absichtlich nicht zu beantworten. Dieses Ziel hat Kinkel erreicht, finde ich, auch wenn ich mich an manchen Stellen nicht immer damit anfreunden konnte …

Mein Fazit:

Ein erfreulich untypischer historischer Roman, der einige Fragen beim Leser offenlässt. Handlungen und Ziele sind gerade bei Ilian nicht immer nachzuvollziehen, das macht es schwierig, sie zu mögen. Trotzdem hat Kinkel ein sehr anschauliches Bild der Antike entworfen, das mir viel Freude beim Erforschen gemacht hat.

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