Rezension Trudi Canavan – Die Begabte

Ich habe für dieses Buch fast drei Wochen gebraucht. Fairerweise muss ich aber sagen, dass das nicht am Buch liegt, sondern an mir. In den letzten Tagen hatte ich einfach nur wenig Motivation zum Lesen und im Moment muss ich schon ein bisschen an mir arbeiten, dass ich wenigstens meine angefangenen Bücher zu einem Ende bringe.

Zum Inhalt:

Tyen ist Archäologie-Student und lebt in einer Welt, in der Magie zum Antrieb von Maschinen und technischen Geräten genutzt wird. In einem alten Grab entdeckt er ein Buch, das einst eine Frau war und die enormes Wissen hortet. Anfänglich möchte Tyen das Buch der Akademie übergeben, an der er studiert, stellt aber bald fest, dass sein Professor ihn hintergeht … Rielle dagegen lebt in einer Welt, in der Magie beschränkt ist und wo Magie nur von den (männlichen) Priestern ausgeübt werden darf. Als sie eines Tages entdeckt, dass sie ebenfalls dazu fähig ist, Magie auszuüben, geraten ihre Familie, ihre Freunde und sie in Gefahr.

Meine Meinung:

Der deutsche Titel des Buchs ist meiner Meinung nach irreführend. Vor allem wenn man weiß, dass der Klappentext nur die Hälfte der Geschichte erzählt … Der englische Titel “Thief’s Magic” ergibt in meinen Augen wesentlich mehr Sinn, wenn man weiß, wer Rielle ist und wozu sie fähig ist.

Die Handlung ist in mehrere Teile aufgeteilt, wobei es zwei Stränge gibt, die hier parallel erzählt werden. Da ist auf der einen Seite der junge Tyen, der am Anfang eigentlich “nur” Student sein möchte und der dann unfreiwillig in das bisher größte Abenteuer seines Lebens gezogen wird. Er lebt in einer Welt, die technisch schon etwas weiter fortgeschritten ist, aber offensichtlich nicht über Elektrizität verfügt. Alle Maschinen werden mit Magie betrieben, es gibt beispielsweise Luftwagen und Schienenschlitten (entsprechen Zügen). Da diese Geräte sehr viel Magie verbrauchen, ist die Magie in Tyens Welt sehr rar geworden und wird nur noch als Antrieb verwendet.

In Rielles Welt hingegen gibt es deutlich mehr Magie, hier ist die Ausübung allerdings auf die Priesterkaste beschränkt. Frauen gelten hier relativ wenig, denn Rielle soll zu Beginn verheiratet werden, verliebt sich dann allerdings in den falschen Mann. Als sie dann zum ersten Mal Magie ausübt, nimmt ihr Schicksal ihren Lauf. Im Gegensatz zu Tyens Welt ist Rielles Welt wesentlich weniger fortgeschritten. Während ich bei Tyen an eine Art Steampunk-Ära denken musste, lebt Rielle eher in einer Welt, die einer antiken Hochkultur ähnelt.

Als Leser verfolgt man das Schicksal der beiden mit zunehmenden Fragen im Kopf, da sich ihre Schicksale nicht berühren. Erst gegen Ende bekommt man einen Hinweis, wie die beiden Handlungsstränge zusammengeführt werden, das Ende selbst bleibt allerdings relativ offen und man fragt sich, wie es mit den beiden Protagonisten weitergeht. Ein typischer Auftakt zu einer Trilogie also, wobei ich mir doch gewünscht hätte, nicht ganz so abrupt aus dem Buch herausgerissen zu werden …

Trotzdem macht Canavan ihre Sache gut, ihr Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen und man beginnt recht rasch mit den beiden Protagonisten mitzufiebern. Einen wirklichen Liebling habe ich beim Lesen allerdings nicht entwickelt. Hatte am Anfang eher Rielle meine Sympathie, war es später mehr Tyen.

Canavan beschreibt beide Welten sehr ausführlich, es fällt also nicht schwer, darin einzutauchen. Dass man allerdings (noch) nicht erfährt, wie beide Handlungsstränge miteinander verknüpft sind, trübt meiner Meinung nach das Lesevergnügen. Man erhält als Leser viele Informationen, wo man nicht weiß, wie man sie einordnen muss – damit bleibt sehr viel Raum für Spekulationen. Für meinen Geschmack zu viel, aber das ist wohl Ansichtssache.

Mein Fazit:

Die Idee, dass Magie ein Alltagsgegenstand ist, gefällt mir sehr gut. Den Aufbau der Handlung mit den getrennten Handlungssträngen halte ich allerdings für weniger gelungen – man merkt hier allzu deutlich, dass das Buch “nur” der Auftakt zu einer Trilogie ist. Wer die Geschichte am Stück lesen möchte, sollte daher noch warten, denn dann werden sicherlich einige Details mehr Sinn ergeben, als es im Moment der Fall ist.

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