Rezension Ursula Poznanski – Vanitas

“Vanitas. Schwarz wie die Erde” ist das jüngste Buch aus der Feder von Erfolgsautorin Ursula Poznanski. Nach den letzten vier Kaspary-Wenninger-Büchern betritt allerdings nun eine ganz neue Protagonistin die Bühne, um die Leser- bzw. Hörerherzen zu erobern.

Eine, von der wir nicht einmal wissen, wie sie wirklich heißt. Denn Carolin, wie sie sich zur Zeit der Handlung nennt, hat offensichtlich in der Vergangenheit unter einem anderen Namen gelebt …

Der Klappentext:

Auf dem Wiener Zentralfriedhof ist die Blumenhändlerin Carolin ein so gewohnter Anblick, dass sie beinahe unsichtbar ist. Ebenso wie die Botschaften, die sie mit ihren Auftraggebern austauscht, verschlüsselt in der Sprache der Blumen – denn ihre größte Angst ist es, gefunden zu werden. Noch vor einem Jahr war Carolins Name ein anderer; damals war sie als Polizeispitzel einer der brutalsten Banden des organisierten Verbrechens auf der Spur. Kaum jemand weiß, dass sie ihren letzten Einsatz überlebt hat. Doch dann erhält sie einen Blumengruß, der sie zu einem neuen Fall nach München ruft – und der sie fürchten lässt, dass sie ihren eigenen Tod bald ein zweites Mal erleben könnte…

Meine Meinung:

Ehe es losgeht, die obligatorische Warnung: Diese Rezi kann Spuren von Spoilern enthalten! 😉

Da ich aktuell fast lieber höre als lese (Es lässt sich einfach besser mit meinem aktuellen Lebens- bzw- Lernrhythmus vereinbaren), habe ich mir nach “Thalamus” auch “Vanitas” als Hörbuch geholt. Und auch wenn mich der Klappentext jetzt nicht unbedingt sofort abholen konnte, dachte ich mir, eine neue Poznanski bedeutet endlich wieder ein neues Buch einer Lieblingsautorin.

“Vanitas” ist für mich allerdings der Beweis dafür, dass es manchmal auch mit den Büchern der Lieblingsautoren nicht so recht klappen will. Dabei hätte das Buch eigentlich alles, was es braucht, um eine tolle Geschichte zu erzählen. Eine Protagonistin, die in ihrer Vergangenheit offensichtlich etwas Schreckliches erlebt hat (wie man so nach und nach durch diverse Andeutungen erfährt), einen Krimi, wo es jede Menge Verdächtige gibt und einen wunderbaren Schreibstil, der es mir ermöglicht hat, die Geschichte relativ zügig durchzuhören.

Warum habe ich dann dieses Mal nicht so richtig in die Geschichte gefunden?  Ich vermute, es ist das, was ich vor allem bei Poznanskis Jugendbüchern so schätze – ein Geheimnis, wo man recht lange im Dunkeln tappt, worum es eigentlich geht. Diese Rätselspannung, dieses Mitfiebern wollte sich dieses Mal einfach nicht ergeben. Immer wieder tauchte der eine oder andere Spannungsmoment auf, nur um im nächsten Augenblick wieder zu verpuffen und im Geplänkel bzw. in einem Dialog mit einer der verdächtigen Figuren unterzugehen.

Apropos Figuren: Es ist selten, wenn ich das sage, aber ich habe es bei diesem Buch bis zum Schluss nicht geschafft, die männlichen Protagonisten, die alle irgendwie Dreck am Stecken haben, auseinanderzuhalten. Sie waren für mich einfach zu wenig greifbar, um sie dauerhaft verlässlich in mein Gedächtnis beim Hören einzuordnen.

Carolin selbst ist durchaus interessant angelegt, allerdings sind auch mir die Unstimmigkeiten aufgefallen, die bereits von anderen Bloggern bemängelt wurden. Eine Frau, die sich anfangs vor lauter Angst privat nicht mehr aus dem Haus traut und dann später in ihrem neuen “Job” immer wieder rausgeht, um Recherchen anzustellen? Wo waren da die Panikattacken, mit denen Carolin zu Beginn zu kämpfen hatte. Darüber hinaus konnte ich viele ihrer Entscheidungen einfach nicht nachvollziehen, denn wenn ich mich verstecken wollte, entscheide ich mich doch nicht dafür, als Gast auf eine Gala zu gehen, wo es vor Presse und Reportern nur so wimmelt?

Luise Helm als Sprecherin kannte ich bisher für Ursula Poznanskis Bücher noch nicht, aber sie macht ihre Sache gut, auch wenn noch Potenzial nach oben vorhanden ist (Ein klein wenig lebendiger hätte sie meiner Meinung nach die Figuren sprechen lassen können). Der sächsische Akzent für eine der Figuren war allerdings wirklich ein nettes Goodie, das hat mich einige Male zum Lächeln gebracht.

Lange Zeit habe ich geschwankt, ob ich drei oder vier Sterne vergeben soll (Ich runde ja in der Regel auf), aber das Finale hat es dann in meinen Augen reingerissen. Es tut mir leid, das schreiben zu müssen, aber das war für mich wie “Gas geben und dann den Motor abwürgen”, die Spannung war von einem Moment auf den anderen für mich komplett gestorben. Möglich, dass das damit zusammenhängt, dass “Vanitas” als Auftakt zu einer Reihe bezeichnet wird, aber ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass wir die verdächtige Familie aus diesem Buch im zweiten Teil wiedersehen werden, dafür gab es einfach zu viele Anspielungen auf Carolins Vorleben …

Alles in allem ist dieses Buch für mich ein etwas durchwachsener Start in eine neue Reihe, aber Carolin halte ich grundsätzlich für eine durchaus interessante Figur, die man noch ausbauen kann. Da ich außerdem weiß, wozu die Autorin in der Lage ist, bin ich geneigt abzuwarten, was der nächste Band bringen wird.

Mein Fazit:

Eigentlich tut es mir in der Seele weh, einem Buch von Ursula Poznanski “nur” drei Sterne zu geben, aber vier erscheinen mir hier einfach zuviel. Dafür gab es für mich dieses Mal leider zu wenig Spannung, zu viele Längen und Wiederholungen beim Plot und eine Hauptfigur, die für mich nicht immer stimmig war …

  • ★★★★★
  • Hörbuch
  • 695 Minuten
  • Argon Verlag
  • B07MXB1T21
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4 Gedanken zu „Rezension Ursula Poznanski – Vanitas

  1. Hallöchen mein Ratterl aus dem Süden,
    Wir haben ja schon zwischendurch immer wieder über das Buch gesprochen. Ich habe ja noch immer kein Poznanski gelesen, obwohl Du mir damit ja schon ewig in den Ohren liegst und obwohl ich sogar eins auf meinem SuB habe XD
    Nun kann ich wenigstens ein Buch von der Poznanski-Must-Read-List streichen. Gibt ja eh noch genug.
    Bei diesem Buch hätte mich ja ausnahmsweise mal das Cover angefixt, aber du hast ja schon während des Hörens Bedenken geäußert. Tja, man soll eben auch bei Büchern nicht immer nach dem Äußeren gehen.
    Dein Fazit kann ich durchaus nachvollziehen. Wenn’s bei den Figuren hapert, funzt meistens die gesamte Story nicht wirklich.
    Eines ist jedoch sicher – es wird noch viele weitere Poznanskis geben, mit denen Du mir dann den Mund wieder wässrig machen kannst 😉

    Liebe Grüße aus dem hohen Norden
    Conny
    (ich hoffe das Kommentar findet den Weg übers Handy auf deinen Blog)

    1. Liebe Conny,

      wie du siehst, hat es problemlos geklappt 🙂 .Sollte ich wohl auch mal probieren, ich fürchte, ich habe in letzter Zeit wohl eher wenig Kommentare bei dir und auch bei anderen geschrieben …

      Wenn wir realistisch sind, kann einem ja auch nicht jedes Buch eines Autors / einer Autorin gefallen. Selbst wenn er oder sie das Prädikat “Liebling” hat. So ist es halt. Jetzt freue ich mich einfach auf das, was als nächstes von der Autorin kommen wird, damit ich genau das tun kann, was du selbst schon geschrieben hast: den Mund wässrig machen :D.

      Liebe Grüße
      Ascari

  2. Hallo 🙂

    leider ging es mir mit Vanitas ganz ähnlich wie Dir. Ich denke, ich bleibe bei den Jugendbüchern von Ursula Poznanski, die Vanitas-Reihe werde ich definitiv nicht weiter verfolgen.

    Öhm wie, unsere liebe Conny, Pink Anemone, Brunhilde Blum hat noch keinen Poznanski gelesen? Ich fass es nicht…. :-)))

    Ganz liebe Grüße vom heißen Bodensee
    Kerstin

    1. Hi Kerstin,

      yep, du hast schon richtig gelesen, Conny hat wirklich noch nie etwas von ihr gelesen. Aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich das ändern wird 😀 …

      Liebe Grüße aus der ebenfalls heißen Steiermark!
      Ascari

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