Rezension Lize Spit – Und es schmilzt

“Und es schmilzt” fiel mir schon vor einer ganzen Weile wegen der unterschiedlichen – und zum Teil recht geheimnisvollen – Rezensionen auf. Als ich es dann in der Bücherei bei den Neuzugängen entdeckte, nahm ich es mit, um meine Neugier zu stillen.

Der Klappentext:

Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt.
Mit geschlossenen Augen hätte Eva damals den Weg zu Pims Bauernhof radeln können. Sie könnte es heute noch, obwohl sie viele Jahre nicht in Bovenmeer gewesen ist. Hier wurde sie zwischen Rapsfeldern und Pferdekoppeln erwachsen. Hier liegt auch die Wurzel all ihrer aufgestauten Traurigkeit.
Dreizehn Jahre nach dem Sommer, an den sie nie wieder zu denken wagte, kehrt Eva zurück in ihr Dorf – mit einem großen Eisblock im Kofferraum.

Meine Meinung:

Ich weiß nicht genau, ob ich mir dieses Buch ausgeliehen hätte, wenn ich mich im Vorfeld etwas mehr damit auseinandergesetzt hätte. Bei einem Punkt gebe ich aber meinen Mitrezensenten recht: Dieses Buch ist nach herkömmlichen Mustern schwierig zu beschreiben und zu bewerten. Und ich verstehe sofort, wenn man mir sagt, dass dieses Buch polarisiert.

Gerade der Schreibstil ist ein gutes Beispiel dafür, denn die einen finden ihn toll, die anderen – auf deren Seite ich mich hier leider auch stellen muss – finden ihn ausschweifend und langweilig.

Wobei ich “langweilig” tatsächlich erklären muss, denn eigentlich hätte er mir gefallen, wenn ich mich nicht irgendwann durch die schiere Menge an Text erschlagen gefühlt hätte. 100 Seiten weniger, gefühlte tausend Details weniger, die kaum oder wenig zur Geschichte beigetragen haben – und ich hätte die Geschichte wahrscheinlich als sehr viel intensiver empfunden.

In gewisser Weise muss ich aber anerkennen, dass er zur Geschichte passt, dieser Stil. Diese ausschweifenden Details geben auch hervorragend wieder, wie sehr sich die Ich-Erzählerin in ihrer Familie verloren gekommen sein muss, wie sehr sie sich von ihr distanziert hat, um zu überleben. Es ist also irgendwie nachvollziehbar, warum das Buch erzählt wird, wie es erzählt wird – und trotzdem sorgte genau diese Schreibweise dafür, dass es mich überhaupt nicht abholen konnte.

Wäre ich meinen üblichen Lesegewohnheiten treugeblieben, hätte ich es wahrscheinlich außerdem nach 100 Seiten zur Seite gelegt … Ein Teil von mir blieb allerdings neugierig, wollte wissen, wie es weitergeht, was an diesem Buch dran ist, dass es zum Teil so gelobt, zum Teil so verrissen wird. Also habe ich das Buch teils gelesen, teils überflogen, immer auf der Suche nach dem, was noch kommen sollte.

Was allerdings tatsächlich im Leben von Eva schiefgegangen ist, erfährt der Leser erst auf den letzten 100 Seiten (Was heißt, dass man sich 400 Seiten durch jede Menge Andeutungen und Ausschweifungen “arbeiten” muss). Interessanterweise drängte sich mir auf einmal der Gedanke an Patrick Süßkinds “Parfum” auf, ein Buch, das ja ebenfalls sehr oft wegen seiner Gewaltdarstellung thematisiert wurde.

Wie bei Süßkind sehe ich auch bei diesem Buch eine extrem distanzierte Darstellung der Gewalt, eine Gewalt, die ich deswegen zwar wahrgenommen habe, die mich gleichzeitig aber auch nicht berührt hat. Überhaupt bleibt alles irgendwie auf Distanz, auch für die Figuren konnte ich deswegen keine Sympathie, geschweige denn Empathie entwickeln. Etwas, was für mich sehr oft ein großer Minuspunkt ist.

Wie bereits aber zu Beginn gesagt, “Und es schmilzt” war für mich nicht so leicht zu bewerten. Es kommt für meinen Geschmack sehr viel darin vor, was ich nicht mag, aber es ist definitiv kein Buch, das man so schnell vergisst. Hier heißt es wohl wirklich: Selber lesen und eigene Meinung bilden!

Mein Fazit:

“Und es schmilzt” ist definitiv kein Buch, dass Sympathien aufbauen möchte. Der Schreibstil, die Figuren, deren Beziehungen zueinander – das alles wirkt wie ein kalter Winter, der nicht enden möchte. Wer sich darauf einlassen kann, wird das Buch mögen. Für mich war es genau darum aber sehr, sehr schwierig, einen Zugang zu dem Buch zu finden.

  • ★★★★★
  • Gebunden
  • 512 Seiten
  • S. Fischer
  • 978-3103972825
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Rezension Daniel Cole – Hangman

“Hangman“ ist nach “Ragdoll” der zweite Roman aus der “William Fawkes”-Reihe von Daniel Cole. Auch wenn der Autor selbst im Nachwort darauf hinweist, dass man “Ragdoll” nicht unbedingt kennen muss, um “Hangman” zu lesen, halte ich es doch für sinnvoll, wenn man die vorangegangenen Ereignisse kennt. Man findet meiner Meinung nach einfach schneller in die Geschichte um die neue Hauptfigur Emily Baxter hinein …

Zum Inhalt:

Emily Baxter ist nach den Ereignissen aus “Ragdoll” zum Detective Chief Inspector befördert worden. Viel Zeit bleibt jedoch nicht, es zu genießen: Es gilt, eine neue Mordserie in London und New York aufzuklären, die irgendwie mit den Toten des “Ragdoll”-Mörders in Zusammenhang zu stehen scheint. Zusammen mit den FBI Agents Curtis und Rouche macht sich Baxter an einen Wettlauf gegen die Zeit …

Meine Meinung:

Ich gestehe, mir war anfangs gar nicht bewusst, dass innerhalb so kurzer Zeit bereits die Fortsetzung zu “Ragdoll” verfügbar sein würde. Wer meine Rezi zu “Ragdoll” gelesen hat, wird wissen, dass ich vom ersten Teil nicht so besonders angetan war, das Ende ließ allerdings einiges offen, weswegen es mich doch reizte, Teil zwei wenigstens eine Chance zu geben.

Um es kurz und bündig zu sagen: Teil zwei konnte für mich das Versprechen auf eine interessante und spannende Fortsetzung nicht einlösen. Die Idee einer Rückblende gleich am Anfang verwirrte mich mehr, als gut war. Das Einzige, was ich ihr entnehmen konnte, war, dass eine der neuen Figuren wohl offensichtlich die kommenden Ereignisse nicht überleben würde …

Dieser Gedanke ließ mich auch beim weiteren Lesen nicht los und nahm damit bereits einen gewissen Anteil der Spannung weg, dieses Gefühl zu wissen, dass einer der Beteiligten nicht überleben wird, war mir beim Lesen eher unangenehm.

Womit ich ebenfalls so meine Probleme hatte, war die Entwicklung der Handlung. In meinen Augen stolpern die drei Ermittler mehr oder weniger durch die Geschichte, gefühlt alle paar Leseminuten taucht eine neue Leiche auf, der Spruch „Leichen pflasterten ihren Weg“ nimmt nach und nach immer mehr Kontur an … Der Einzige, der wirklich klassische Ermittlungsarbeit leistet, ist – wie schon in Teil 1 – Edmunds.

Edmunds ist in meinen Augen auch die einzige Figur, für die ich hier so etwas wie Sympathie entwickeln konnte. Alle anderen Figuren blieben für mich beim Lesen eher blaß und ohne Tiefgang, leider auch die Hauptfigur Emily. Daniel Cole ist sich bei ihr durchaus treu geblieben, denn ich erinnere ich mich, dass ich mich schon in Teil 1 nicht unbedingt für sie erwärmen konnte, auch wenn sie ein sehr taffer Charakter ist.

In Verbindung mit dem sehr langwierigen Handlungsauftakt spielte ich daher tatsächlich nach einiger Zeit mit dem Gedanken, das Buch abzubrechen. Spannung entsteht für mich eben nicht dadurch, alle paar Seiten neue, zum Teil recht grausam zugerichtete Leichen zu präsentieren …

Die in meinen Augen kaum stattfindende Ermittlungsarbeit ist es auch, die dazu führt, dass die Verdächtigen in der zweiten Hälfte meiner Meinung wie Seifenblasen aufploppten, auf einmal da und dann auch wieder weg. Der Showdown am Ende hätte durchaus spannend sein können – tja, wenn die bereits erwähnte Rückblende am Anfang nicht gewesen wäre …

Der Schreibstil ist im Vergleich zu Teil 1 leider nicht besser geworden, eher im Gegenteil. Viel zu oft hatte ich das Gefühl, der Autor hat unter Druck gearbeitet, möglichst schnell eine Fortsetzung abzuliefern, um an den Erfolg von “Ragdoll” anzuknüpfen. Herausgekommen sind dabei zeitweise sehr hölzerne Dialoge und einseitige Beschreibungen, die es mir zeitweise sehr einfach machten, einzelne Teile der Handlung zu überfliegen, um schneller zu einem Ende zu kommen.

Mein Fazit:

“Hangman” wirkt auf mich wie ein zu rasch hingeworfener Roman, um den Erfolg von “Ragdoll” würdig fortführen zu können. Die Schwächen des Autors kommen dadurch leider aber noch deutlicher zum Vorschein, als es bereits bei Teil 1 der Fall war.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 480 Seiten
  • Ullstein
  • 978-3548289212
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Rezension Kendare Blake – Der schwarze Thron “Die Schwestern”

Wer nur ein klein bisschen in den letzten Wochen in den sozialen Netzwerken unterwegs war, konnte an diesem Buch eigentlich nicht vorbei kommen. Eine ausgedehnte Bloggeraktion hat dafür gesorgt, dass das Buch einen guten Monat vor dem Erscheinunsdatum der Print-Ausgabe fast täglich im Gespräch war … Grund genug, um es im Rahmen einer #BBFliest Leserunde ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen :).

Zum Inhalt:

Auf der Insel Fennbirn wachsen die Drillinge Arsinoe, Katharine und Mirabella getrennt voneinander auf. Jede der drei hat eine bestimmte Gabe, die sie bis zu ihrem sechzehnten Geburtstag perfektionieren muss. Der Grund dafür ist, dass nur eine von ihnen Herrscherin der Insel werden kann – und dazu ihre beiden Schwestern töten muss …

Meine Meinung:

Ich gebe zu, dass meine Erwartungen trotz des Werbedauerfeuers nicht besonders hoch waren. Warum? Weil ich mir im Vorfeld einige der Rezensionen auf Goodreads zu diesem ersten Teil einer Tetralogie durchgelesen habe. Dort konnte man sich ein recht gutes Bild machen, was einen erwarten würde. Trotzdem habe ich der Leserunde zugestimmt, weil sich die Geschichte eigentlich interessant anhörte und wer weiß? Ich freue mich immer darüber, positiv überrascht zu werden.

Der Anfang war auch wirklich stark, wow! Was Katharine da als Angehörige des Giftmischer-Clans mitmachen muss, ist schon ziemlich starker Tobak, mit dem ich nicht unbedingt gerechnet hatte. Schon gar nicht in einem Jugendbuch … Die ersten 60 Seiten flogen damit nur so dahin – aber dann: der große Dämpfer!

Was wirklich spannend begonnen hatte, entwickelte sich zu einem sanften Dahinplätschern, das mit der Zeit immer langweiliger wurde. Jede der drei zukünftigen Königinnen wird mit ihrem Umfeld ausführlich vorgestellt – und auch der Liebe wird ein sehr, sehr großes Feld eingeräumt. Das nahm mir leider nach dem starken Anfang recht schnell die Spannung raus und ich fragte mich immer öfter, wo denn die vielbeworbene düstere Atmosphäre geblieben wäre … Stattdessen bekam ich viel (Liebes)Geplänkel, einen Hauch Sex, ein kleines bisschen Intrigen – und das war’s auch schon.

Beworben wird das Buch außerdem mit dem Etikett “High Fantasy”. Auch wenn ich nun nicht die große Fantasy-Leserin bin, bin ich mir nicht sicher, ob diese Geschichte wirklich High Fantasy entspricht. Dafür tauchen einfach viel zu viele “irdische” Dinge auf, beispielsweise wird Champagner getrunken, sehr reale Tiere wie Mittelmeerskorpione, Korallenottern oder Pumas werden immer wieder erwähnt.

Überhaupt hatte ich beim Lesen immer wieder Probleme, die Geschichte einzuordnen. Sowohl indianische, keltische als auch französische Kultur-Eigenheiten werden bunt miteinander vermischt, bis ich mich am Ende gefragt habe, bei welchen Vorbildern sich die Autorin nicht bedient hat. Beltane, die Göttin und die Insel, die im Nebel liegt, erinnerten mich beispielsweise an vielen Stellen an Marion Zimmer-Bradleys Avalon-Reihe …

Der recht einfache Schreibstil ist im Präsens gehalten, was für einen Fantasy-Roman doch eher ungewöhnlich ist. Die Perspektive wächselt dabei immer wieder zwischen den Erlebnissen der drei Mädchen hin und her. Die Erzählweise in der dritten Person habe ich anfangs begrüßt, später allerdings nicht mehr, da sie mehr und mehr verhinderte, dass ich eine engere Beziehung zu den Mädchen aufbauen konnte.

Keine der drei wuchs mir beim Lesen wirklich ans Herz, die Nebenfiguren blieben bis auf einige wenige sehr blaß. Daher hatte ich auch immer wieder Schwierigkeiten, einige der Namen entsprechend zuzuordnen – was mir normalerweise eigentlich nach dem ersten Drittel eines Romans nicht mehr passiert.

Dies führte leider auch dazu, dass mich das Buch im letzten Viertel, wo es tatsächlich wieder etwas spannender wurde, überhaupt nicht mehr abholen konnte. Selbstverständlich endet das Buch mit einem Cliffhanger, der von der Art her einem Buch des New Adult-Genres entnommen sein könnte: Rasch eingeleitet, wirft er eben mal einiges über den Haufen – und dann Ende, um den Leser zu animieren, sich auch den nächsten Band zu kaufen.

“Der schwarze Thron” ist für mich somit der klassische Fall einer Mogelpackung, ein Buch, das mehr verspricht, als es halten kann. Vielleicht schafft es die Autorin, in den kommenden Romanen dieses Versprechen einzulösen – im Moment sieht es aber nicht so danach aus, als ob ich die drei Königinnen weiter auf ihrer Reise begleiten werde.

Mein Fazit:

Ich habe mir definitiv mehr von diesem Buch erwartet. Die Inhaltsangabe verspricht einen düsteren und spannenden Fantasy-Roman, der Leser bekommt aber die meiste Zeit etwas ganz anderes vorgesetzt. So ist “Die Schwestern” bestenfalls als Vorgeschichte, als Auftakt zu sehen zu dem, was vielleicht in den drei Folgebänden noch kommen wird …

  • ★★★★★
  • Paperback, Klappenbroschur
  • 448 Seiten
  • Penhaligon
  • 978-3764531447
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Rezension Wolfgang & Heike Hohlbein – Das Buch

“Das Buch” ist das erste Buch von Wolfgang (und Heike) Hohlbein, das ich nach mehreren Jahren Hohlbein-Abstinenz gelesen habe. Ich habe seine Bücher früher eigentlich sehr gerne verschlungen, bis ich irgendwann das Gefühl hatte, er hat sein Kreativitätspulver verschossen, da kommt nicht mehr wirklich etwas Neues …

Da ich “Das Buch” aber durch ein Gewinnspiel erhalten und dann bei der “Ich entscheide, was du liest” Challenge ausgesucht bekommen habe, habe ich wieder einmal einen Hohlbein gelesen.

Ausnahmsweise zitiere ich für den Inhalt heute wieder einmal den Klappentext, wenn ihr weiterlest, wisst ihr gleich warum :).

Klappentext:

Seit Jahrhunderten wachen die geheimnisvollen Hüterinnen über das Archiv, in dem das Leben der Menschen aufgezeichnet wird. Doch jetzt ist die Ordnung der Dinge in Gefahr, da Unbekannte in das Bücherlabyrinth eindringen und die Vergangenheit und damit die Gegenwart umschreiben. Leonie, die junge Erbin einer Buchhandlung, begreift nur langsam, dass auch sie der uralten Gemeinschaft der Hüterinnen angehört und dazu ausersehen ist, die Wirklichkeit zu retten.

Meine Meinung:

Ich war noch nie so froh, dass Bücher Klappentexte haben, das dürft ihr mir glauben! Denn ansonsten hätte ich vor allem am Anfang einige Dinge nicht verstanden, wäre wahrscheinlich noch verwirrter gewesen, als ich es so schon war.

Das Buch, dass dem Roman seinen Namen gibt, bietet nämlich die Möglichkeit, das Schicksal der Menschen umzuschreiben, quasi die Vergangenheit zu ändern. Und Leonies Eltern machen davon vor allem am Anfang recht viel Gebrauch davon – nur weiß man das als Leser nicht. Man wundert sich nur die ganze Zeit, warum sich bestimmte Hintergrundinformationen (Interessen, Lebenslauf etc.) von Leonie andauernd ändern …

Hinweise darauf bekommt man aber erst, was eigentlich los ist, nachdem man sich durch knapp ein Drittel des Buches gekämpft hat. Wenn ich nicht durch den Klappentext schon ein bisschen was gewusst hätte, hätte ich das Buch wahrscheinlich nicht mal weitergelesen, glaube ich, weil es mich zunehmend nervte, wie oft der Vater Änderungen vornahm. Änderungen, die zum Teil auch total merkwürdig waren (Mittelalter in der Gegenwart?), die aber nicht mal die Hauptprotagonistin groß in Frage stellte.

Überhaupt stolperte die Heldin für meinen Geschmack viel zu sehr durch die Handlung, als dass sie sie selbst aktiv mitgestaltet hätte. In manchen Szenen spielten sich sogar die Dialoge mehr oder weniger über ihren Kopf hinweg ab. Ehe Leonie also selbst aktiv wird, vergeht sehr, sehr viel (Lese)Zeit.

Ich will aber nicht nur kritisieren, sondern auch ein bisschen loben: Hohlbein hat mittlerweile Routine beim Schreiben, das merkt man. In Folge kann man die Geschichte auch sehr rasch und flüssig lesen, ohne auf große Hindernisse zu stoßen. Hätte ich mich also etwas mehr dahinter geklemmt, hätte ich die 880 Seiten wahrscheinlich schon früher beenden können.

Auch die Idee zu dem Buch hat mir eigentlich sehr gut gefallen, aber die Umsetzung war nicht so meins. Viele Details und viele Wiederholungen bei der Beschreibung des Archivs führten dazu, dass ich das Gefühl hatte, das weiß ich schon, das kenne ich schon, warum lese ich das schon wieder.

Hätte Hohlbein den Plot um ca. die Hälfte gestraft und weniger Änderungen bei den Realitäten eingebaut, wäre aus diesem Buch meiner Meinung nach wirklich etwas geworden – auch weil ich den Schluss dann wieder für gelungen hielt. Er hätte zwar vielleicht noch ein bisschen ausführlicher, spannender sein dürfen, aber er war in Ordnung (Und das will etwas heißen, weil ich vor allem bei meinen früheren Hohlbein-Büchern meistens mit dem Schluss nicht zufrieden war).

Mein Fazit:

“Das Buch” hat einen sehr guten Hintergrund, die Idee finde ich auch jetzt noch toll. Aber die Umsetzung ist leider in meinen Augen ziemlich daneben gegangen, viele Wiederholungen und weitschweifige Details machen das Buch vor allem in der Mitte zu einem etwas anstrengenden Lesevergnügen. Weniger ist mehr, das hätte Hohlbein meines Erachtens durchaus berücksichtigen dürfen.

  • ★★★★★
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Rezension E.L. James – Grey

Es ist das wohl am meisten in letzter Zeit in den Medien diskutierte Buch: “Grey – Fifty Shades of Grey as told by Christian” von E.L. James. Fast alle namhaften Medien haben bzw. schrieben einen Artikel, als die englische Ausgabe des Buches Mitte Juni erstmals erschien. Fast das übliche, wenn ein Buch erscheint, wo der Name der Autorin darauf prangt? Egal ob man Shades of Grey mag oder nicht – seither ist es auf jeden Fall nichts Verwerfliches mehr, wenn man erotische Literatur kaufen möchte.

Ich gebe zu, ich hatte mit diesem Stoff schon von Anfang an so meine Probleme, deswegen war ich relativ lang skeptisch, ob ich mir dieses Buch wirklich antun wollte.Ein kleiner Teil hoffte jedoch, dass die Geschichte auf Englisch vielleicht aus seiner Sicht mehr hergeben und interessanter sein würde als aus ihrer.

Falls ihr die Trilogie noch nicht kennt und sie noch lesen wollt, empfehle ich euch, hier lieber mit Lesen aufzuhören, da ich doch an einigen Stellen über einige Details aus dem ersten Buch plaudere … Für Nichtkenner gilt daher: Spoilergefahr! 😉

Zum Inhalt:

Da die Geschichte spätestens seit der Verfilmung wohl hinlänglich bekannt sein dürfte, poste ich ausnahmsweise wieder einmal den Klappentext:

See the world of Fifty Shades of Grey anew through the eyes of Christian Grey.
In Christian’s own words, and through his thoughts, reflections, and dreams, E L James offers a fresh perspective on the love story that has enthralled millions of readers around the world.

Christian Grey exercises control in all things; his world is neat, disciplined, and utterly empty—until the day that Anastasia Steele falls into his office, in a tangle of shapely limbs and tumbling brown hair. He tries to forget her, but instead is swept up in a storm of emotion he cannot comprehend and cannot resist. Unlike any woman he has known before, shy, unworldly Ana seems to see right through him—past the business prodigy and the penthouse lifestyle to Christian’s cold, wounded heart.

Will being with Ana dispel the horrors of his childhood that haunt Christian every night? Or will his dark sexual desires, his compulsion to control, and the self-loathing that fills his soul drive this girl away and destroy the fragile hope she offers him?

Meine Meinung:

Ich möchte gleich einmal vorneweg sagen, dass dieses Buch von Anfang an sehr zwiespältige Gefühle in mir ausgelöst hat. Die gleiche Geschichte noch einmal, nur aus seiner Sicht? Und das soll jemand kaufen? Ich konnte mir das beim besten Willen einfach nicht vorstellen (In der Zwischenzeit belehren uns die Verkaufszahlen des deutschen Marktes allerdings wieder einmal eines Besseren – aber das ist eine andere Geschichte :)).

Fairerweise muss ich außerdem einräumen, dass dieses Buch mich auf eine emotionale Achterbahn sondersgleichen geschickt hat, das ist mir schon relativ lang nicht mehr passiert. Wer meine ersten Kommentare auf Lovelybooks gelesen hat, die ich kurz nach der ersten Hälfte geschrieben habe, weiß, wovon ich rede :D.

Christian ist einfach ein kranker Typ, das kann man nicht anders sagen, Controlfreak, Stalker, Besessener. Denkt vor allem am Anfang zu jeder Tages- und Nachtzeit daran, wie und wo er Ana am besten f*cken kann (Ich mag das Wort nicht einmal hinschreiben, ganz ehrlich, weil es mich soooo anwidert).

Ich habe zwischendurch wirklich eine brennende Lust verspürt, mit dem Wort “f*ck” Bullshit-Bingo zu spielen – glaubt ihr mir das? Allerdings war dies auch die einzige Lust, die ich beim Lesen des Buches verspürt habe, die Qualität der Erotik-Szenen lässt meiner Meinung nach noch immer zu wünschen übrig …

Zugegeben: Man erfährt etwas mehr über Christian als Mensch, aber lang nicht so viel, wie die Werbung verspricht. Ja, Christian trifft sich mit Elena (Mrs. Robinson), tauscht E-Mails mit ihr aus. Aber warum sie einmal eine Beziehung hatten, wie Christian seine Zeit als Sub bei ihr erlebt hat – nichts. Leila, seine frühere Sub, nimmt gegen Ende einen größeren Teil ein, man erfährt durch Christians Gedankensprünge einzelne Bruchstücke, wie diese Beziehung aussah, aber auch nicht mehr.

Genauso wenig erfährt man über die Beziehung zu seiner leiblichen Mutter, immer wieder hat er Albträume, in denen sie vorkommt – aber das ist schon alles. Die großen Erkenntnisse, warum er ist, wie er ist, darf man sich von diesem Buch nicht erwarten! Die meiste Zeit beschränkt sich James darauf zu erzählen, was Christian tut, mit wem er spricht, was er arbeitet und so weiter – auf gewohnt einfache Art und Weise, weswegen das Buch auch für mich auf Englisch keine große Herausforderung dargestellt hat.

Die Handlung des Buchs folgt im Großen und Ganzen dem ersten Teil der SoG-Reihe, weswegen bei mir keine große Spannung aufkam (Kunststück auch, wenn man schon weiß, was als nächstes passieren wird). Das Buch plätschert einfach dahin, die Dialoge sind gewohnt einfach. Ob sie jetzt wirklich identisch sind mit denen aus dem ersten Teil, kann ich nicht beurteilen, weil ich den ersten Teil der Reihe auf Englisch nicht besitze. Die ausgetauschten E-Mails dürften allerdings identisch sein, würde ich vom Gefühl her sagen.

Exakt aus diesen Gründen war mir mehr als einmal danach, das Buch einfach hinzuschmeißen, muss ich gestehen. So knapp davor, ein Buch abzubrechen, war ich schon lange nicht mehr … Das einzige, was mich wirklich nach der ersten Hälfte weiterlesen ließ, war die Tatsache, dass ich das Buch bei der “Ich entscheide, was du liest”-Challenge ausgesucht bekam – und ich unbedingt diese Rezi hier schreiben wollte (Und nachdem ich zu abgebrochenen Büchern grundsätzlich keine Rezis schreibe, war ich damit in einer kleinen Zwickmühle).

Also habe ich mich quasi selbst in den Allerwertesten getreten und mich weitergekämpft. Und dann passierte etwas wirklich Merkwürdiges: Christian entwickelte auf einmal Züge, die ihn sympathisch werden ließen. Man merkt als Leser, dass er sich in Ana verliebt, ohne es zu wollen. Merkt, dass es ihm gut tut, wenn Ana bei ihm ist – und ein Teil von mir bekam auf einmal Mitleid mit ihm und hat sich für ihn gefreut, dass er endlich lernt, was Liebe ausmacht. Ein Teil von mir hätte ihm am liebsten zugerufen, dass er aufhören soll, sich so im Selbstmitleid zu suhlen (Ach ja, du arme, dunkle und gemarterte Seele!) und um Ana kämpfen soll …

Der Schluss überraschte mich ebenfalls: Endete das erste Buch eigentlich damit, dass Ana Christian verlässt, weil sie das Gefühl hat, dass sie nicht zusammenpassen, geht “Grey” noch ein Stückchen weiter und beschreibt einiges, was erst im zweiten Teil der Original-Trilogie vorkommt (glaube ich zumindest, so gut hab ich das nicht mehr in Erinnerung). Das Ende ist zwangsläufig offen, erscheint mir aber runder und gelungener als das Ende des ersten Teils von SoG.

Mein Fazit:

“Grey” ist ein Roman, der es mir wirklich schwer macht, ihn zu beurteilen. Selten habe ich mit einem Buch so gekämpft wie mit diesem, wollte eigentlich schon nach der ersten Hälfte abbrechen … Die zweite Hälfte hat mich dann im Verhältnis wieder etwas versöhnt.

Wirklich interessant sind allerdings in meinen Augen nur die letzten fünf Kapitel, als es darum geht, wie Christian mit der Situation umgeht, Ana verloren zu haben … Geeignet ist das Buch meiner Meinung nach daher nur für Hardcore-Fans oder für Leute, die “Shades of Grey” noch nicht kennen, alle anderen können mit gutem Gewissen auf das Buch verzichten.

  • ★★★★★
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Rezension Victoria Aveyard – Die rote Königin

Ehe ihr zu lesen anfangt, möchte ich gleich mal vorausschicken, dass diese Rezension eine Bewertung des Hörbuchs darstellt … Bedingt durch die vielen Ankündigungen bzw. erste andere Rezensionen war ich wirklich neugierig auf das Buch und dachte mir, mit dem Hörbuch kannst du eigentlich nicht viel falsch machen. Offensichtlich lag ich allerdings mit dieser Einschätzung gründlich daneben.

Zum Inhalt:

Mare Barrow ist siebzehn, hat kein festes Einkommen und ernährt sich und ihre Familie von dem, was sie als Taschendiebin erbeutet. Sie lebt in einer Zweiklassengesellschaft, die von den Silbernen (also Personen mit silbernem Blut) regiert und dominiert wird, während sie selbst als Rote (Sie hat rotes Blut) zu den Niederen gehört. Im Gegensatz zu den Silbernen verfügen Rote über keinerlei “magische” Fähigkeiten. Mare wird allerdings zu einer Bedrohung des Systems, als sich zeigt, dass sie selbst – obwohl Rote – über Fähigkeiten verfügt …

Meine Meinung:

Schon als ich das erste Mal von der Handlung hörte, dachte ich mir, das Buch musst du dir geben. Es hatte für mich alles, was ein wirklich spannendes und fesselndes Buch ausmacht. Die Idee, das Szenario, das versprach ein tolles und abwechslungsreiches Buch.

Den ersten Dämpfer erhielt ich allerdings schon am Anfang: Es brauchte sicherlich fast ein Viertel des Hörbuchs, bis sich bei Mare endlich die erwähnten Fähigkeiten zeigten. Bis dahin: Recht viel Geplänkel und jede Menge Beschreibungen, wie gut es den Silbernen und wie schlecht es den Roten geht.

Als Mare dann ihre Fähigkeiten zeigt, dachte ich, dass es jetzt bergauf gehen würde – und wurde wieder enttäuscht. Zur Abwechslung jede Menge Beschreibungen, welche Fähigkeiten die Silbernen im Detail haben, welche Häuser es gibt, die Familie des Königs und nicht zuletzt Mare zwischen zwei Männern …

Etwa hier muss auch die Stelle gewesen sein, wo ich zweimal beim Hören eingeschlafen, nach dem zweiten Mal hatte ich aber keine Lust mehr, die fehlende Stunde nachzuholen und habe einfach weitergehört. Nachträglich fehlten mir dann zwar einige Stellen, aber es waren keine, die wirklich wichtig für den Fortlauf der Handlung waren.

Etwa im letzten Drittel wird die Handlung dann – endlich – spannend und man möchte wissen, ob Mare und ihren Freunde Erfolg haben. Auch der Plot Twist, der hier kommt, ist durchaus gut, kommt aber in meinen Augen viel zu spät. Abgesehen davon, dass ich Mare am liebsten eine Ohrfeige gegeben hätte, so blauäugig war sie 😀 …

Britta Steffenhagen macht in meinen Augen als Sprecherin ihre Sache zwar routiniert, aber nicht herausragend. Da die Handlung über lange Stellen hinweg sehr ruhig erzählt wird, hätte man hier mit gut gesprochenen Dialogen wenigstens noch etwas herausholen können.

Mein Fazit:

Ich bin von diesem Roman leider sehr enttäuscht, weil ich mir von ihm sehr viel mehr erhofft habe, als er mir geboten hat. Auch die Sprecherin hat hier keinen besonders guten Job gemacht, finde ich.

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Rezension Anna Friedrich – Holly “Die verschwundene Chefredakteurin”

Vor ab gleich einmal ein Dankeschön, dass ich bei der Leserunde auf Lovelybooks ein E-Book gewinnen und lesen durfte. Ich hatte vorab bei uns in einer Buchhandlung bereits die Werbung gesehen und war durch den kleinen Flyer bereits neugierig geworden.

“Die verschwundene Chefredakteurin” ist der erste von insgesamt sechs Teilen, die bis Sommer monatlich erscheinen werden. Jede Ausgabe ist im Stil eines Frauenmagazins gestaltet.

Zum Inhalt:

“Holly” gilt als das angesagteste Frauenmagazin weit und breit. Chefredakteurin Annika Stassen hält das Heft in der Hand und steuert bis ins kleinste Detail jede Ausgabe des Magazins. Simone Pfeffer, von der Verlegerin als Change-Managerin eingesetzt, soll die Abläufe im Magazin analysieren und auf Vordermann bringen. Sie ist allerdings kaum einen Tag an ihrem neuen Arbeitsplatz, als Stassen unter mysteriösen Umständen verschwindet …

Meine Meinung:

Goldmann bewirbt die neue Buchreihe sehr reißerisch als den neuen Lesekult schlechthin. Jetzt im Nachhinein denke ich, dass dem Buch etwas weniger Marketing-Sprech gut getan hätte, denn die Werbung hat bei mir Erwartungen geweckt, die das Buch nur zum Teil erfüllt. Ich dachte nämlich an eine Geschichte, die sich zwischen “Der Teufel trägt Prada” und einer Daily Soap bewegt. Also viel Mode, viele Klamotten, viel Zickenkrieg, gewürzt mit der ganzen Palette an Emotionen, die entsteht, wenn viele unterschiedliche Personen zusammen an einem Projekt arbeiten.

Nun, zumindest den Daily Soap-Charakter kann das Buch vorweisen, von Mode erfährt der Leser in diesem ersten Buch aber nicht viel. An einigen Stellen wird beschrieben, was die einzelnen Mitarbeiterinnen tragen, eine Fashion Week wird erwähnt, das war’s aber auch schon.

Die Idee, das Buch wie ein Frauenmagazin zu gestalten, hat mir schon vor dem Lesen sehr gut gefallen. Das Buch sticht dadurch deutlich hervor, wenn ich auch die Farbgebung mit dem Grau im Hintergrund als nicht so gelungen empfinde.

Der Schreibstil ist einfach, entspricht daher großteils der Vorstellung, die ich mir in dieser Hinsicht gemacht hatte. Auffallend ist die Kamera, die immer wieder in das Geschehen eingreift und die Erzählung auf einmal in ein Drehbuch verwandelt. Sehr eigenwillig! Ich konnte mich allerdings nach der Hälfte ca. daran gewöhnen und habe es dann als nicht mehr so störend wahrgenommen. Am Anfang und ca. in der Mitte gibt es außerdem zwei Dialoge, wo sich ein Er und eine Sie direkt unterhalten, man weiß bis zum Schluss nicht, wer diese beiden sind, nur, dass sie immer wieder miteinander Sex haben.

Die Geschichte selbst ist für mich sehr schwierig zu bewerten. Auf meinem Reader hat das Buch nur knapp 100 Seiten, die ich sehr rasch durchgelesen habe. Nach nur einem Sechstel der Handlung allerdings eine Meinung abzugeben, fällt mir wirklich schwer. Würde das Buch komplett vorliegen, würde ich bestimmt noch weiterlesen, da ich im Moment nur schwer einschätzen kann, wohin sich die Handlung entwickeln wird. Ansich hat das Buch alles, was es braucht, um eine interessante Geschichte in Gang zu setzen, nur ist die Umsetzung zum Teil ziemlich misslungen.

Mehrere Charaktere werden vorgestellt und tragen eine eigene kleine Geschichte zum Roman bei, man hat aber als Leser noch keine Vorstellung, weshalb und was sie zur Haupthandlung beitragen werden. Einen Teil habe ich deswegen sogar nur überflogen, weil ich nicht wusste, was ich mit diesem Teil im Zusammenhang mit dem Roman anfangen sollte.

Selbst der Schluss ist irgendwie merkwürdig. Eigentlich habe ich einen Cliffhanger erwartet, der mich dazu bringt, dem nächsten Teil entgegen zu fiebern. Nichts dergleichen ist geschehen. Das Buch ist einfach aus und ich dachte im ersten Moment, dass die letzten Seite fehlt …

Mein Fazit:

Eigentlich eine interessante Geschichte, die aber für meinen Geschmack leider nicht sehr gelungen umgesetzt worden ist. Da hätte man definitiv mehr herausholen können (oder die Werbung dafür anders gestalten sollen). Ob ich weiterlesen und an der Verlosung für die weiteren Teile teilnehmen möchte, steht daher für mich noch total in den Sternen …

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