Rezension George R. R. Martin – Wild Cards: Das Spiel der Spiele

Dieses Buch hatte ich eigentlich auch schon seit Herbst auf meinen SuB liegen, habe es jetzt aber bei einer Lesechallenge auf Lovelybooks zum Lesen ausgesucht bekommen :).

Zum Inhalt:

Durch das Wild Card-Virus sind kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs 90 Prozent der Bevölkerung von New York getötet worden, der Rest ist mutiert und einige wenige haben spezielle Fähigkeiten erhalten. Diese neuen Helden werden Asse genannt. Bei “American Hero”, einer Castingshow im amerikanischen Fernsehen, werden einige dieser Asse in Teams aufgeteilt, die gegeneinander antreten müssen, um einen Gewinner zu ermitteln und herauszufinden, wer der nächste “American Hero” ist …

Meine Meinung:

Normalerweise lese ich schon Lesermeinungen und Rezensionen, ehe ich mich dafür entscheide, ein neues Buch zu kaufen oder nicht. Bei diesem Buch habe ich es allerdings nicht getan, was im Nachhinein gesehen für mich ein Fehler war. Denn wenn ich es getan hätte, hätte ich schon früher gewusst, was es mit “Wild Cards” wirklich auf sich hat. Der Ausdruck “Mogelpackung” hat sich mir nämlich schon recht bald aufgedrängt.

“Wild Cards: Das Spiel der Spiele” besteht aus einzelnen Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren, George R.R. Martin steuert allerdings nur eine einzige bei. Der Ausdruck “Herausgegeben von” steht über dem Namen von Martin auf dem Cover so unauffällig, dass man ihn ziemlich gut übersehen kann, wenn man nicht genau schaut. Hier möchte der Verlag wohl ganz offensichtlich mit Martins Namen noch ein paar Leser an Land ziehen …

Ich möchte auch jedem raten, der dieses Buch lesen will, sich ein wenig mit dem Hintergrund des “Wild Cards”-Universums zu beschäftigen. In der Wikipedia steht nämlich, dass Martin diese Anthologie schon seit 1987 herausbringt und dass es mittlerweile 21 Bände davon gibt. “Das Spiel der Spiele” ist Band 18 aus dieser Reihe und erschien unter dem Namen “Straight ahead” bereits 2008. Der Roman steigt also mittendrin ein und geht relativ wenig auf den Hintergrund der Entstehung des “Wild Cards”-Universums ein (bis auf das etwas magere Vorwort gleich zu Beginn).

Die Geschichte geht anfänglich auf die unterschiedlichen Teilnehmer der Castingshow ein, jeder Autor steuert mit seiner Kurzgeschichte einen Teil zum großen Ganzen bei und stellt “seinen” Charakter vor. Damit erfahren wir zumindest von einigen der insgesamt 28 Asse ein wenig mehr über ihren Hintergrund und warum sie an der Show teilnehmen. Gegen Mitte des Buchs wechselt dann die Handlung nach Ägypten, wo einige der bereits aus der Show ausgeschiedenen Asse versuchen, auf Seiten der Einwohner gegen einen arabischen Kalif vorzugehen, der das Land besetzen will (wenn ich es richtig verstanden habe). Ab hier werden dann aus den in der Show vorgetäuschten Kämpfe auf einmal echte Kriegshandlungen …

Ich muss ganz offen zugeben, dass ich die Begeisterung vieler Leser nicht nachvollziehen kann. Ich finde zwar die Idee des “Wild Cards”-Universums super (sie erinnerte mich sehr an die X-Men und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten), aber die Art der Umsetzung ist so gar nicht meins. Die Kurzgeschichten führen zwangsläufig dazu, dass es keinen einheitlichen Stil im Roman gibt. Zwei Geschichten sind beispielsweise im Präsens verfasst, während die restlichen im Imperfekt geschrieben wurden. Der rote Faden ist zwar vorhanden, jedoch hängen die einzelnen Kapitel (Geschichten) nur lose zusammen und auch die plötzliche Richtungsänderung bei der Handlung nach Ägpypten war für mich sehr verwirrend. Man hat auch nicht die Gelegenheit, sich auf einzelne Figuren zu konzentrieren, da die Handlung aus der Sicht verschiedener Helden und Kämpfer beschrieben wird und daher permanent wechselt.

Mein Fazit:

Ich glaube, wenn ich dieses Buch jetzt nicht im Rahmen einer Challenge ausgesucht bekommen hätte, hätte ich es möglicherweise nicht zu Ende gelesen. So habe ich vor allem die zweite Hälfte jetzt mehr überflogen als richtig gelesen, weil ich elendslange Beschreibungen von Kampfhandlungen einfach nicht mag … Ich vergebe zwei Sterne, weil ich die Idee von “Wild Cards” eigentlich gut finde, nur hat mir die Umsetzung nicht gefallen.

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Rezension Bea Rauenthal – Dreikönigsmord

“Dreikönigsmord” von Bea Rauenthal wird vom Verlag als sogenannter Zeitreisekrimi beworben – und da ich das Thema Zeitreisen schon immer faszinierend fand, konnte ich jetzt einfach nicht anders, als meiner Neugier nachzugeben :). Das Hörbuch gibt es leider nur als gekürzte Fassung, da ich das Original aber nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, was für die Hörfassung alles entfernt wurde.

Zum Inhalt:

Josepha “Jo” Weber und Lutz Jäger, zwei Kommissare aus Ebersheim, werden zu einer Leiche in ein Kloster gerufen. Vor Ort stellt sich heraus, dass der Tote bereits mehrere Jahrhunderte begraben war, also kein Fall für die zwei. Ein wenig später haben beide zusammen einen Autounfall und als sie wieder zu sich kommen, befinden sie sich im Jahr 1380 und der Tote entpuppt sich als junger Mann, der mit einem Messer erstochen wurde. Jo und Lutz sind nun gezwungen, ohne moderne technische Hilfsmittel herauszufinden, wer den Jungen umgebracht hat, ansonsten kommen sie nicht in ihre eigene Zeit zurück.

Meine Meinung:

Ich bin mir nicht so sicher, ob der Begriff “Zeitreisekrimi” hier wirklich gerechtfertigt ist. Die Zeitreise nimmt in dem Roman eigentlich nur einen kleinen Anteil ein und ist nur Mittel zum Zweck, einen Krimi im Mittelalter mit zwei Personen zu erzählen, die mit den Ansichten und Vorstellungen des 21. Jahrhunderts aufgewachsen sind.

Anfangs brauchte ich etwas Zeit, mich an die Stimme Dana Geisslers zu gewöhnen. Sehr oft klingt sie relativ streng, fast schon unfreundlich, obwohl sie es perfekt versteht, den unterschiedlichen Charakteren eine bestimmte Stimmlage zu verleihen. Nach der ersten Stunde hatte ich mich an ihre Sprechweise gewöhnt, aber zu meinen Lieblingssprechern wird sie wohl nicht werden.

Der Krimi startet eher bedächtig und ruhig, wie man es auch von vielen anderen Mittelalterkrimis kennt, allerdings sind mir hier ein paar Dinge aufgefallen, die ich merkwürdig fand. Jo und Lutz erwachen nämlich in den Körpern von anderen Personen, die aber zufälligerweise denselben Namen wie sie selbst tragen? Und sie haben auch keinerlei Probleme, die Leute jener Zeit zu verstehen und sich mit ihnen zu unterhalten? Wenn mich mein Geschichtsunterricht nicht ganz im Stich lässt, hat es doch um diese Zeit in Deutschland noch gar keine einheitliche deutsche Sprache gegeben …

Befremdlich fand ich auch, dass Jo in der Rolle einer Tuchhändlerswitwe bei den Ermittlungen am Anfang gleich zweimal betont, dass sie auf ihren Ruf achten soll – einige Zeit später geht sie ungeniert in ein Männerbordell und unterhält sich dort mit einem “Lustknaben”? Ruiniert so etwas nicht den Ruf einer angesehenen Dame?

Und eine dritte Sache hat mir auch nicht so gut gefallen: An mehr als einer Stelle geben beide zu, dass sie aus einer Zeit, aus einer fernen Zukunft stammen – und die Leute reagieren entweder ungläubig oder lassen sich nach einem “Beweis” (Jo entwaffnet jemanden mit Aikido) recht leicht überzeugen? Der Vorwurf der Hexerei taucht schlussendlich schon auf, aber eigentlich erst sehr spät – und nicht wegen der Magie, die Zeit zu überwinden …

Die Geschichte fesselte mich aber immerhin genug, dass ich am Ende wissen wollte, wer derjenige ist, der für die Morde (Ja, im Lauf der Geschichte geschehen noch weitere Morde) verantwortlich ist. Die Auflösung kommt dann relativ rasch, selbst das Motiv des Mörders wird ohne große Ankündigung präsentiert – irgendwie schade, denn Hinweise darauf gab es eigentlich nicht und so konnte man eigentlich nur raten, ob genau diese Person etwas mit den Morden zu tun haben würde oder nicht.

Mein Fazit:

Den Roman als Zeitreisekrimi zu bezeichnen, ist meiner Meinung nach zu hoch gegriffen. Als Mittelalterkrimi ist das Hörbuch unterhaltsam, wenn die Geschichte auch einige Ungereimtheiten aufweist, mit denen ich mich nicht so richtig anfreunden konnte.

An dieder Stelle möchte ich ausnahmsweise ein Buch empfehlen, das meiner Meinung nach den Titel “Zeitreisekrimi” deutlich mehr verdient hat: “Der Funke des Chronos” von Thomas Finn.

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Rezension Hera Lind – Männer sind wie Schuhe

Sind Männer wie Schuhe? Die interessante Frage stellt Hera Lind zumindest mit dem Titel ihres aktuellen Romans. Und ja, was soll ich sagen, das hat ausgereicht, um mal meine Neugier zu wecken 🙂 … Allerdings hat die Geschichte außer dem Prolog net extrem viel mit Schuhen zu tun, der Vergleich von Männern mit Schuhen ist ein netter Teaser, mehr aber auch nicht.

Zum Inhalt:

Zwei Frauen sind die Heldinnen, Lotta und Anita, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die eine – Lotta – hat drei kleine Kinder, ist Direktorin einer Musikschule, hat einen biederen Lebensgefährten, nervige Verwandtschaft und wohnt in einer Kleinstadt namens Heilewelt (Der Ort heißt wirklich so im Buch!). Die andere – Anita – ist blond, schlank, verheiratet und hat zwei Töchter im Teenager-Alter bzw. nervige Nachbarn.

Anhand des Wortes “nervig” erkennt man schnell mal, worauf’s hinaus läuft: Beide sind nicht in der Lage, zu ihrer Familie / ihren Nachbarn auch einmal nein zu sagen. Eine Verbindung zwischen den beiden wird hergestellt, als Christian, der Ehemann von Anita, Lotta bei einem Schülerkonzert kennen und in weiterer Folge lieben lernt. Und obwohl Christian und Lotta beide gar nicht aus ihren Beziehungen ausbrechen wollen, sorgen die nervigen Nachbarn auf der einen Seite dafür, dass Anita einen Scheidungsantrag unterschreibt bzw. der biedere und extrem eifersüchtige Lebensgefährte dafür, dass Lotta und Christian sich näher kommen …

Meine Meinung:

Man sieht, der Inhalt ist schnell erzählt. Ich muss zugeben, ich hab schon lange kein Buch mehr von Hera Lind gelesen, sonst wüsste ich wohl noch, ob der Schreibstil immer so “einfach” gehalten ist. Was das angeht, könnte man die Geschichte auch in einem Cora-Heft veröffentlichen, einen Unterschied sehe ich höchstens in der Länge der Geschichte. Und eins muss ich auch noch zugeben: Ich bin mit beiden Frauen absolut nicht warm geworden. Die eine war charakterisiert als Mittdreißigerin, die andere mit einem Alter um die Vierzig.

Mehrmals hab ich mich beim Lesen dabei ertappt, dass ich sie am liebsten kräftig durchgeschüttelt und ihnen links und rechts eine Ohrfeige gegeben hätte. Hera Lind beschreibt da zwei Frauen, wie sie unselbständiger und dümmer gar nicht sein können … Von dem Wort “Emanzipation” haben beide Figuren wohl noch nie gehört. Und im Verhältnis merken beide erst ziemlich spät (im Buch so ca. 50 Seiten vorm Schluss), dass sie aus ihrem alten Leben ausbrechen und ein neues anfangen können …

Worüber ich mich fast unfreiwillig amüsiert habe, sind die Namen der Figuren und Orte. “Heilewelt” habe ich ja schon erwähnt, weiters gibt es eine Sekretärin namens Brunhilde Zweifel, der Lebensgefährte heißt Jürgen Immekeppel, ein Journalist namens Justus Schaumschläger, der droht, die “Affäre” publik zu machen und ein Bäckermeister namens Gerngroß, der durch seine aufdringliche Art die ganze Geschichte überhaupt erst ins Rollen bringt. Herrje, fallen Frau Lind keine interessanteren Namen ein?

Mein Fazit:

Ich hatte mir schon im Vorfeld nicht viel erwartet, dass es so simpel gestrickt sein würde, hatte ich aber doch nicht erwartet. Und ich frage mich, wer die Zielgruppe von Frau Linds Romanen ist – Frauen um die Dreißig anscheinend nicht … Das Buch ist wie Popcorn-Kino: Hat man es konsumiert, kann man es auch schon wieder getrost vergessen.

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  • Gebunden
  • 384 Seiten
  • Diana
  • 978-3453291225
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