(Kurz)Rezension Petra Hartlieb – Ein Winter in Wien

Petra Hartlieb ist mir schon seit ihrem Buch “Meine wundervolle Buchhandlung” ein Begriff. Dass sie allerdings nun auch angefangen hat, Romane mit historischem Setting zu schreiben, ist irgendwie bis jetzt an mir vorbeigegangen. “Ein Winter in Wien” dürfte nämlich der Auftakt zu einer mehrbändigen Geschichte werden, die Fortsetzung “Wenn es Frühling wird in Wien” ist dieses Jahr im Februar erschienen.

Der Klappentext:

Um 1910. Marie arbeitet als Kindermädchen bei einer angesehen Familie im Wiener Cottage-Viertel. Eines Tages wird sie vom Herrn des Hauses zur nahegelegenen Buchhandlung geschickt, um ein Buch abzuholen. Doch sie kommt mit leeren Händen, völlig durchnässt vom Schnee, zurück. Der Band sei noch nicht eingetroffen, Buchhändler Oskar bringe ihn so bald wie möglich persönlich vorbei. Als Oskar am gleichen Nachmittag am Haus in der Sternwartestraße klingelt, hat er gleich zwei Bücher dabei: eines für den Herrn Schnitzler und das andere für Marie, mitsamt einer persönlichen Notiz an das Fräulein. Er möchte sie gerne wiedersehen…

Meine Meinung:

Petra Hartlieb hat einen einfachen und recht schnörkelosen Schreibstil, der es einem aber nicht schwer macht, sich in die Haut des jungen Mädchens Marie zu versetzen, das die freiwerdende Stelle als Kindermädchen bei den Schnitzlers ergattert.

Marie selbst ist auf einem Bauernhof großgeworden, daher erscheint ihr die neue Arbeit in Wien als echter Glücksgriff. Die zweijährige Lili und der neunjährige Heini freunden sich schnell mit ihr an und zusammen mit der Familie erlebt Marie, dass das Leben auch aus anderen Dingen als harter Arbeit, Schlägen und Schweigen besteht.

Maries Leben nimmt eine erneute Wendung, als sie den jungen Buchhändler Oskar kennenlernt, der sich von ihr sofort angezogen fühlt. Marie dagegen ist zurückhaltend, hat sie doch sehr wohl verstanden, dass es für sie nicht von Vorteil ist, in ihrer Situation sich auf eine Liebelei einzulassen …

Für sich gesehen gibt der Inhalt eigentlich nicht viel her, trotzdem ertappte ich mich irgendwann beim Lesen, dass sich die Geschichte langsam, aber sicher in mein Herz schlich, auch wenn ich mehrmals das Gefühl hatte, dass aufgrund der Kürze des Romans vieles auf der Strecke blieb. Hartlieb gelingt es trotzdem wunderbar, das Leben der Menschen jener Zeit einzufangen und darin das zarte Pflänzchen der Gefühle einzubetten, die sich hier langsam, aber sicher zwischen Marie und Oskar entwickeln.

Es kommt aber auch das Leben der Familie Schnitzler auf den 176 Seiten nicht zu kurz. Wir erfahren, dass Schnitzler vor seiner Ehe kaum etwas anbrennen hat lassen, Sohn Heinrich wurde sogar noch unehelich geboren. Die kleine Lili dagegen ist Schnitzlers Augenstern, der Vater kümmert sich trotz seiner Arbeit und seinen gesellschaftlichen Aktivitäten rührend um beide Kinder.

Warum ich keine vier Sterne vergebe, hängt aber leider mit dem Ende zusammen. Denn das Buch hat eigentlich keines, die Geschichte friert mehr oder weniger in der letzten Szene einfach ein. Und das ist etwas, was ich absolut nicht leiden kann und was ich für sehr ungeschickt halte, da ich mit einem ziemlich unzufriedenen Gefühl den Deckel vom Reader zuklappen musste.

Mein Fazit:

“Ein Winter in Wien” ist eine zarte und sehr zurückhaltende Liebesgeschichte, eingebettet in das Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts. Den Wermutstropfen stellt für mich leider das ungeschickte Ende dar, das mir doch ein wenig die Freude an dem Buch verdorben hat …

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 176 Seiten
  • Rowohlt Digitalbuch
  • 978-3-644-31551-8
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Rezension Naomi Alderman – Die Gabe

“Die Gabe” ist in gewisser Weise das Buch, das ich immer schreiben wollte, hätte ich die Geduld und den Ehrgeiz, selbst einen Roman zu verfassen. Die Idee, wie unsere Gesellschaft wäre, wenn die Frauen die Macht hätten … Diese Vorstellung hat mich irgendwie schon immer fasziniert. Deswegen war ich auch schon sehr gespannt darauf, was Naomi Alderman daraus gemacht hatte.

Dr Klappentext:

Es sind scheinbar gewöhnliche Alltagsszenen: ein nigerianisches Mädchen am Pool. Die Tochter einer Londoner Gangsterfamilie. Eine US-amerikanische Politikerin. Doch sie alle verbindet ein Geheimnis: Von heute auf morgen haben Frauen weltweit die Gabe – sie können mit ihren Händen starke elektrische Stromstöße aussenden. Ein Ereignis, das die Machtverhältnisse und das Zusammenleben aller Menschen unaufhaltsam, unwiederbringlich und auf schmerzvolle Weise verändern wird.

Meine Meinung:

Naomi Alderman erzählt ihre Geschichte in – sagen wir – Episoden. Dies wird gerade dadurch deutlich, dass das Buch in verschiedene zeitliche Abschnitte (beispielsweise “Noch zehn Jahre”) unterteilt ist und dass die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird.

Das bedeutet, dass vieles eigentlich nur angerissen und nicht im Detail auserzählt wird – etwas, was mich doch an der einen oder anderen Stelle ein wenig gestört hat. Die einzelnen Figuren beispielsweise bekommen dadurch verhältnismäßig wenig Tiefe, wirken eher wie ein Mittel zum Zweck, die Entwicklung der Geschichte voranzutreiben.

Trotzdem gelingt es der Autorin sehr gut, ihr Gedankenspiel darzustellen. Was wäre, wenn Männer von heute auf morgen das schwächere Geschlecht sind? Was wäre, wenn Männer Sexismus, Vergewaltigung und Gewalt von Frauen ausgesetzt wären? Sind Frauen die besseren Mächtigen? Diese und noch mehr Fragen beantwortet die Autorin in meinen Augen durchaus zufriedenstellend, auch wenn mich manche ihrer Ideen nicht so ganz überzeugen konnten.

Dabei beschönigt die Autorin nichts, gerade bei den Vergewaltigungsszenen musste ich schon ein- oder zweimal schlucken. Wer hier empfindlich reagiert, sollte die entsprechenden Abschnitte vielleicht lieber überblättern oder gleich ganz einen Bogen um das Buch machen. Besonders die zweite Hälfte des Buch (Ja, ich weiß, es ist ein leichter Spoiler) wirkte auf mich aus diesem Grund eher deprimierend.

Hat man anfangs noch Sympathien für die Frauen, die sich gegen männliche Vorherrschaft, Frauenhandel und Missbrauch zur Wehr setzen, kippt die Stimmung zusehends. Das Ende und die Botschaft, die dieses Ende aussendet, fand ich persönlich recht zwiespältig. Natürlich verstehe ich, dass die Geschichte nur ein Bild, eine Idee sein soll, aber ein Teil von mir weigert sich einfach, die dargestellten Dinge als gegeben hinzunehmen. Und zwar egal, ob nun Männer oder Frauen an der Macht sind.

Was mir jedoch durchaus gefallen hat, sind die Rahmenhandlung bzw. die Einschübe: Zwischen den Abschnitten beispielsweise finden sich Zeichnungen, Auszüge aus alten Dokumenten, E-Mails, die darauf schließen lassen, dass es sich bei dem Roman um eine Art geschichtlichen Erlebnisbericht handelt, der auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen beruht. Das macht den Roman ein ganzes Stück realistischer, auch wenn man natürlich weiß, dass man eine fiktive Geschichte vor sich hat.

Ich gebe zu, dass ich an “Die Gabe” doch recht hohe Erwartungen hatte, die sich für mich aber nur teilweise erfüllt haben. Zu viele Dinge fand ich an diesem Buch einfach … befremdlich. Dinge, wo ich nicht weiß, zu welchem Zweck die Autorin sie in die Geschichte eingearbeitet hat.

Wer meine Tweets verfolgt hat, die ich im Rahmen der #bbfliest Leserunde auf Twitter gepostet habe, wird wissen, was ich meine (Die anderen können sie nachlesen, einfach in der Suche den Hashtag eingeben). Dies lässt mich nun leider doch nur drei Sterne vergeben, obwohl ich mich wirklich auf dieses Buch gefreut habe.

Mein Fazit:

“Die Gabe” war für mich in Summe ein recht zwiespältiges Buch, einiges fand ich sehr gut umgesetzt, einiges dagegen gefiel mir so ganz und gar nicht. Auch mit dem Ende konnte ich mich nicht so wirklich anfreunden … Trotzdem fand (und finde) ich die Idee zu diesem Buch einfach großartig.

  • ★★★★★
  • Klappenbroschur
  • 480 Seiten
  • Heyne
  • 978-3453319110
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(Kurz)Rezension Michaela Grünig & Marc Girardelli – Abfahrt in den Tod

“Abfahrt in den Tod” ist das Debüt eines neuen Autorenteams, bestehend aus Michaela Grünig und Marc Girardelli. Letzterer dürfte vor allem den älteren Semestern unter uns bestimmt noch als sehr erfolgreicher Skifahrer bekannt sein 🙂 .

Der Klappentext:

Der erfolgreiche Abfahrtsläufer Marc Gassmann erlebt nach einer Verletzung die letzte gute Saison seiner Karriere. In seinem “Paradelauf” am Lauberhorn liegt er in Führung, der Sieg ist greifbar nah – bis eine Drohne genau hinter ihm auf die Piste stürzt. Zufall oder Mordanschlag? Mit Kantonspolizistin Andrea wird ausgerechnet seine Ex-Freundin mit der Aufklärung des Falls beauftragt. Harmonie? Fehlanzeige. Doch als sich ein weiterer Anschlag auf Marc ereignet, beginnt die gemeinsame Jagd nach einem mysteriösen Unbekannten …

Meine Meinung:

Das Buch startet unmittelbar mit einer sehr plastischen Beschreibung von Marc Gassmanns Rennen. Als Leser bekommt man damit ein sehr gutes Gefühl, wie es sein muss, im Starthäuschen zu stehen und sich in knapp fünf Minuten einen Berghang hinunterzuwerfen. Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h sind schließlich kein Pappenstiel, nicht einmal, wenn man im Auto eine solche Geschwindigkeit hat …

Abfahrtsläufer sind moderne Gladiatoren. Wie im alten Rom ergötzten sich die Massen vor Ort und an den Bildschirmen an ihrem Wagemut und Können.
2%

Ich gebe zu, ich hätte das wohl nie so formuliert, aber ich denke, es ist bestimmt etwas Wahres daran. Ich bin zwar persönlich absolut kein Fan davon, mir Skirennen im TV anzugucken, aber neben Fußball ist der Skisport sehr, sehr präsent in den österreichischen Medien, man kommt da eigentlich kaum drum herum, ob es einem nun gefällt oder nicht.

Der Kriminalfall ist in meinen Augen jetzt nicht so herausragend, vor allem die Ermittlerin stellte sich zeitweise schon etwas naiv an. Aber das ist meiner Meinung auch nach nicht das, was dieses Buch interessant macht: Das Besondere ist der Blick hinter die Kulissen, den man normalerweise nicht bekommt. Wetten beispielsweise, knallharte Sponsoring-Verträge und Doping sind Dinge, die wohl eher hinter vorgehaltener Hand Thema sind – und selten ihren Weg an die Öffentlichkeit finden.

Mein Fazit:

“Abfahrt in den Tod” ist ein Krimi, der in meinen Augen vor allem von seinem Setting und weniger von seiner Handlung lebt. Wer sich darauf einlassen kann, wird aber auf jeden Fall gut unterhalten.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 256 Seiten
  • Emons Verlag
  • 978-3740800512
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Rezension Ray Celestin – Höllenjazz in New Orleans

Nach “Der zweite Reiter” ist dies gleich das zweite Buch, wo ich mich in das Jahr 1919 begebe, aber nicht nach Europa, sondern in die USA, genauer gesagt nach New Orleans. Ray Celestin nimmt den Leser mit in eine Stadt, die vom Jazz und vom ersten Weltkrieg geprägt ist, die aber auch kurz vor dem Beginn der Prohibition steht (die immerhin doch bis 1933 Bestand hatte).

Rassismus, und Diskriminierung sind an der Tagesordnung. Mitten in diesen Hexenkessel hinein setzt der Autor seine Figuren und scheut sich dabei auch nicht, auf wahre Begebenheiten zurückzugreifen.

Der Klappentext:

New Orleans, 1919: Der mysteriöse »Axeman-Mörder« versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Seine Waffe ist eine Axt, sein Markenzeichen Tarotkarten, die er bei seinen Opfern hinterlässt. Detective Michael Talbot ist mit dem Fall betraut und verzweifelt an der Wendigkeit des Killers. Der ehemalige Polizist Luca D’Andrea sucht ebenfalls nach dem Axeman – im Auftrag der Mafia. Und Ida, die Sekretärin der Pinkerton Detektivagentur, stolpert zufällig über einen Hinweis, der sie und ihren besten Freund Louis Armstrong mitten in den Fall hineinzieht. Als Michael, Luca, Ida und Louis der Identität des Axeman immer näherkommen, fordert der Killer die Bewohner von New Orleans heraus: Spielt Jazz – sonst komme ich, um euch zu holen.

Ray Celestin ist ein brillanter Debütroman gelungen, der sich in einer Mischung aus Fakten und Fiktion um eine der spannendsten und geheimnisvollsten Mordfälle der nordamerikanischen Geschichte rankt.

Meine Meinung:

Im Grunde verspricht der Klappentext eine Art Mischung aus Thriller und Krimi, denn Ermittler, Serienmörder, geheimnisvolle Hinweise – das sind alles Dinge, wie man aus einer solchen Geschichte kennt. Trotzdem hat Piper das nicht schlecht gelöst, indem der Verlag auf das Cover “Roman” geschrieben hat. Denn der Roman besitzt zwar alles, was man von einem Thriller kennt – und irgendwie ist es doch keiner. Warum? Weil Celestin trotz der Ermittlungen nicht unbedingt den Schwerpunkt der Geschichte auf das Herausfinden des Täters lenkt.

Im Gegenteil: Er beschreibt das Leben seiner drei Protagonisten sehr anschaulich, daher bekommt man als Leser sehr schnell ein Gefühl dafür, wie es gewesen sein muss, zu Beginn der Zwanziger Jahre in New Orleans zu leben. Die Konflikte zwischen den unterschiedlichen Ethnien sind allgegenwärtig und mitten in diesem Hexenkessel mischt auch noch Axeman mit. Er ist quasi der Katalysator, der dafür sorgt, dass Michael, Luca und Ida tun, was sie tun, aber er ist eigentlich eher eine Randfigur.

Was ich zu Beginn nicht wusste, war, dass Celestin hier auf wahre Tatsachen zurückgegriffen hat. Eine kurze Recherche bei Wikipedia zeigte mir allerdings recht schnell, dass der Autor einige Details sehr frei interpretiert hat, die Tarotkarten beispielsweise sind reine Erfindung, genauso auch wie die Beschreibung der Opfer. Trotzdem drängen sich recht schnell Parallelen zu Jack the Ripper und dem Zodiac-Killer auf, die ja ebenfalls Briefe geschrieben haben …

Der Brief des Axeman ist historisch, den der Autor gleich zu Beginn verwendet. Eine gute Entscheidung, denn das macht neugierig und auch die drei Hauptfiguren fand ich gut angelegt. Auch das bereits erwähnte Bild von New Orleans zeichnet der Autor sehr anschaulich, keine Frage. Nur darüber hinaus tritt das Krimi-Element irgendwie nach einer gewissen Zeit in den Hintergrund. Man begleitet zwar alle drei bei ihren Nachforschungen, trotzdem hat man nicht das Gefühl, sie wirklich aktiv beim Zusammentragen von Informationen zu begleiten.

Was sich mir beispielsweise gar nicht erschlossen hat, ist die Nebenfigur von Louis Armstrong. Die Eckdaten seines Lebens sind vermute ich richtig dargestellt (vorausgesetzt es stimmt, was ich gelesen habe), allerdings trägt er eigentlich nicht wirklich zu der Geschichte bei, ist nicht viel mehr als ein freundlicher und liebenswerter Begleiter von Ida. Hier konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Celestin ihn nur verwendet hat, um einige Leser mehr anzusprechen, weil bekannter Name. Gebraucht hätte es seine Figur eigentlich nicht.

Das Finale schließlich ist für meinen Geschmack fast etwas zu gewollt. Der Autor serviert uns einen Täter (der in Wirklichkeit genau wie der Ripper und der Zodiac auch nie gefunden wurde), vermutlich, um den Erwartungen der Leser zu entsprechen. Trotzdem war es durchaus spannend zu lesen und in gewisser Weise auch nachvollziehbar.

Mein Fazit:

“Höllenjazz in New Orleans” ist für mich irgendwie durchwachsen, anders kann ich es nicht ausdrücken. Es gab einiges, was mir gefallen hat, aber auch einiges, was ich nicht so gut gelöst fand. Potenzial ist in meinen Augen aber vorhanden, lassen wir uns daher überraschen, was der Autor in Zukunft abliefern wird.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 512 Seiten
  • Piper
  • 978-3492990035
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Rezension Thomas Brezina – Alte Geister ruhen unsanft

Wer kennt sie nicht, die Abenteuer der Knickerbocker-Bande von Thomas Brezina? Gerade bei uns in Österreich ist der Name einer ganzen Generation von Kindern bekannt, die mittlerweile erwachsen geworden sind. Unter diesem Gesichtspunkt ist es auch nachvollziehbar, dass der Autor einen Schritt weiter gegangen ist und in seinem neuen Buch “Alte Geister ruhen unsanft” seine jungen Helden erwachsen werden hat lassen.

Zum Inhalt:

Ein Streit hat dazu geführt, dass die Freundschaft von Lilo, Poppi, Axel und Dominik zerbrochen ist. Jahrelang haben die vier keinen Kontakt mehr zueinander, bis eines Tages verschiedene Nachrichten die Knickerbocker auf einer abseits gelegenen Insel wieder zusammenführen.

Abgeschnitten von der Außenwelt, ohne Verbindung zum Festland, haben sie allerdings keine Zeit, ihre alten Konflikte heraufzubeschwören, denn innerhalb kurzer Zeit bestimmen unheimliche Ereignisse ihren Aufenthalt …

Meine Meinung:

Ich vermute, im Gegensatz zu vielen anderen Lesern bin ich jemand, dem die Knickerbocker-Bande (und ihr Autor) zwar etwas sagt, der aber trotzdem nie einen Roman gelesen hat. Bekanntlich gibt es aber für alles ein erstes Mal, daher sagte ich nicht Nein, als ich gefragt wurde, ob ich Lust hätte, das neue Buch von Thomas Brezina zu lesen :).

Die Geschichte beginnt mit einer kurzen Einleitung, wie es dazu kam, dass die vier Kinder getrennte Wege gegangen sind. Ein geheimnisvoller Schatten bewegte sich dabei schon damals im Hintergrund und hatte ein Auge auf die Freunde, ließ sie sogar überwachen und ausspionieren.

Zwanzig Jahre später erreichen Briefe von Poppi ihr Ziel. Sie bittet ihre Freunde, sich mit ihr auf einer einsam gelegenen Insel in der Nähe von Brighton zu treffen, um sie ein letztes Mal zu sehen, bevor sie stirbt. Dominik, Lilo und Axel reisen an – nur um festzustellen, dass es Poppi gut geht, von Krankheit keine Spur. Aber offensichtlich hat jemand sehr viel Interesse daran, die vier auf der Insel festzuhalten …

Dieser geheimnisvolle und gruselige Ansatz sorgt auf jeden Fall dafür, dass man nach der Einleitung recht schnell in die Geschichte reinkommt – und bald will man genauso wie die vier Freunde wissen, was eigentlich los ist. Zu Beginn erinnerte das Setting zwar ein wenig an Christies “Und dann gab’s keines mehr”, aber das legte sich Gott sei Dank schnell. Gerade das erste Drittel empfand ich als sehr spannend und ich konnte fast nicht aufhören zu lesen.

Der recht einfach gehaltene Schreibstil hat zur Folge, dass man durch die etwas mehr als 400 Seiten mehr oder weniger fast fliegt. Der Schreibstil macht meiner Meinung auch aus, dass das Buch eher für jugendliche Leser geeignet ist, auch wenn erwachsene Leser angesprochen werden sollen.

Vielleicht ist dies mit ein Grund, warum ich mich lange Zeit schwertat mit der Vorstellung, wie alt Lilo, Axel, Poppi und Dominik nun wirklich sind. Selbstverständlich erfährt man, was sie in der Zwischenzeit getan haben, welchen Beruf sie ergriffen haben, aber an vielen Stellen hatte ich das Gefühl, sehr junge Menschen vor mir zu haben … Ich rechnete mir aus, dass sie Anfang 30 sein müssten, trotzdem wirkten sie nicht unbedingt wie Erwachsene auf mich. Da fehlte mir einfach eine gewisse Reife bei dem, was sie beim Lösen der Rätsel dachten und taten.

Auch das Finale konnte mich nur mäßig begeistern. Dafür dass es sehr lange aufgebaut wurde, wurden diese Ereignisse für meinen Geschmack fast etwas lieblos auf wenigen Seiten abgehandelt. Hier wäre definitiv mehr drin gewesen! Aber vermutlich ist das bereits ein Zugeständnis an weitere Bücher, die der Autor mit seinen erwachsenen Helden schreiben möchte.

Im Nachhinein hinterlässt das Buch bei mir etwas zwiespältige Gefühle, denn einen Roman für Erwachsene hat Brezina meiner Meinung nach nicht unbedingt geschrieben. Jüngere Leser und Fans der Knickerbocker-Bande werden mit “Alte Geister ruhen unsanft” aber trotzdem ihren Spaß haben, da der Autor viele Anspielungen auf frühere Fälle der Bande eingebaut hat.

Mein Fazit:

“Alte Geister ruhen unsanft” ist in meinen Augen nicht unbedingt ein Roman für Erwachsene. Das lag für mich vor allem an der Kombination des Schreibstils und der Figuren, die eher jüngere Leser begeistern wird. Junge und alte Knickerbocker-Fans werden aber bestimmte ihre Freude mit dem Buch haben.

  • ★★★★★
  • Gebunden
  • 416 Seiten
  • Ecowin
  • 978-3711001610
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Rezension Shana Gray – Diamond Men “Mr. Monday”

“Diamond Men – Versuchung pur” von Shana Gray ist im Original unter dem Titel “Working Girl” erschienen. Die Geschichte erscheint bei uns auf zwei Arten, entweder als Taschenbuch Anfang Dezember oder als siebenteilige Reihe als E-Book.

Die E-Book Ausgaben sind sehr kurz, jede enthält etwa 50 Seiten und beschreibt jeweils einen Wochentag bzw. einen der “Diamond Men”.

Klappentext laut Verlag:

Sieben Tage – sieben Prüfungen – sieben unwiderstehliche Männer! Für wen wird Tess sich entscheiden?

Tess‘ einziger Wunsch? Rache! Diamond Enterprises hat ihren Vater ruiniert und sie will es dem Konzern heimzahlen. Deshalb bewirbt sie sich als Assistentin des Firmenbosses. Eine Woche soll sie nun täglich bei einem anderen Chef vorstellen.

Teil 1:
Das erste Bewerbungsgespräch mit dem faszinierenden Mr. Monday, der sie in einem Helikopter entführt, lenkt Tess gefährlich von ihren Vergeltungsplänen ab …

Meine Meinung:

Nachdem diese Reihe für Fans von “Calendar Girl” beworben wird, ist eigentlich ziemlich klar, worauf man sich hier beim Lesen einlässt. Wer meine Rezensionen verfolgt hat, weiß, dass “Calendar Girl” für mich in gewisser Weise ein rotes Tuch darstellt, aber so ganz so weltfremd liest sich der Auftakt zu “Diamond Men” im Vergleich Gott sei Dank doch nicht. Ich wurde in gewisser Weise sogar positiv überrascht, aber dazu später mehr.

Dass die Protagonistin Tess heißt, erfahren wir eigentlich nur aus dem Klappentext, da die Geschichte komplett in der Ich-Person erzählt wird. Recht ausführlich wird beschrieben, welche Absichten Tess verfolgt, sich bei Diamond Enterprises zu verfolgen (Für meinen Geschmack für die Kürze dieses E-Books fast ein bisschen zu oft). Darüber hinaus gibt es die üblichen Beschreibungen ihrer Kleidung, ihres Taschen-Ticks und so weiter (lediglich die ultrahohen High Heels habe ich vermisst).

Der Schreibstil ist einfach, die knapp über 50 Seiten lassen sich daher sehr rasch lesen. Wer sich in Sachen Erotik vom Stil her etwas Neues erwartet, wird bestimmt aber herb enttäuscht werden, denn Shana Gray verwendet die mittlerweile schon fast üblichen Beschreibungen dafür, wie heiß “Mr. Umwerfend” doch ist (Wie er wirklich heißt, erfahren wir in diesem ersten Teil nicht).

“Ich schnappte nach Luft, als ich den Mann dort erblickte. Mein Herz begann heftig zu klopfen, und meine Nerven flatterten”.
8%

Ich schätze, ihr könnt euch vorstellen, was ich meine.

[SPOILER ANFANG]
Überrascht hat mich allerdings doch etwas: Obwohl sich Tess – wie anscheinend alle Erotik-Protagonistinnen – bei seinem Anblick in einen sabbernden Teenager verwandelt, kommt es doch nicht zum Äußersten – vielleicht weil das E-Book einfach zu kurz ist?
[SPOILER ENDE]

Dem Ende merkt man deutlich an, dass dieses E-Book nur ein Siebtel einer Geschichte ist, es hört eigentlich mitten in einer Szene auf, um den Leser dazuzubringen, sich den nächsten Teil zu holen. Die knapp über 50 Seiten sind daher eher als Auftakt zu einer Handlung zu verstehen, die erst noch in Fahrt kommen muss.

Mein Fazit:

Diamond Men “Mr. Monday” ist erste Teil einer Reihe, die vom Aufbau her an “Calendar Girl” angelehnt ist. Wer gerne Erotik liest und für zwischendurch ein bisschen was Prickelndes zum Abschalten sucht, kann mit der Reihe vermutlich nicht viel falsch machen.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 52 Seiten
  • MIRA Taschenbuch
  • 978-3955767655
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Rezension Mary E. Pearson – Die Gabe der Auserwählten

“Die Gabe der Auserwählten” stellt bei den “Chroniken der Verbliebenen” so etwas wie eine Ausnahmeerscheinung dar. Dieses Buch gibt es in dieser Form nur im deutschsprachigen Raum. Bastei-Lübbe hat sich nämlich entschieden, das englische Original und das Finale der Reihe – “The Beauty of Darkness” – in zwei Hälften aufzuteilen.

“Die Gabe der Auserwählten” beinhaltet die erste Hälfte, die zweite Hälfte wird unter dem Namen des Originals erst Anfang nächsten Jahres erscheinen. Aus diesem Grund gibt es für diesen Band auch ein neues Cover :).

Wer die früheren beiden Bände noch nicht gelesen hat: Vorsicht, denn es ist unvermeidlich, dass nun größere und kleinere Spoiler zur Handlung folgen!

Zum Inhalt:

Band 3 setzt dort ein, wo wir Lia, Rafe und Kaden verlassen haben: Bei ihrer Flucht aus Venda. Während Lia mit ihren Verletzungen zu kämpfen hat, die sie sich am Ende von “Das Herz des Verräters” zugezogen hat, versucht Rafe alles, um unbeschadet Dalbreck zu erreichen, um sich und Lia in Sicherheit zu bringen. Die Gefühle der beiden werden erstmals auf eine Probe gestellt, als es darum geht, welchem Schicksal Lia nun folgen will …

Meine Meinung:

Ursprünglich wollte ich eigentlich nicht warten und nach dem zweiten Band den Schluss auf Englisch lesen. Oft kommt es aber doch anders, als man denkt, und ich hatte auf einmal die Gelegenheit, “Die Gabe der Auserwählten” auf Deutsch zu bekommen …

Der Schreibstil ist wie schon auch in den früheren Bänden leicht und flüssig zu lesen und man hat keine Probleme, die Flüchtlinge auf ihrer Reise zu begleiten. Anfangs ist ihr Schicksal ungewiss, denn niemand weiß, ob der Komizar Lias Anschlag überlebt hat oder nicht und ob es zum Krieg mit den Nachbarländern Morrighan und Dalbreck kommt.

Rafe versucht dabei alles, um Lia zu beschützen. Lia dagegen zweifelt, ob sie schon dafür bereit ist, mit Rafe als seine Königin in sein Land zu reisen. Konflikte sind also vorprogrammiert, vor allem dann, als Kaden die Gruppe einholt.

In Band 2 hatte ich das Gefühl, dass sowohl Lia als auch Rafe im Angesicht der Gefahr Reife bewiesen haben. Hier dagegen kam mir vor allem Lia wieder das junge, naive und vor allem dickköpfige Mädchen vor, dass sie noch in Band 1 war. Diesen Rückschritt – wenn man so will – fand ich nach den ganzen Ereignissen von Band 2 nicht besonders plausibel. Rafes weitere Entwicklung dagegen erschien mir hier stimmiger, weil nachvollziehbarer.

Wie bereits erwähnt, ist “Die Gabe der Auserwählten” eigentlich nur ein halber Band. Dies zeigt sich in meinen Augen sehr deutlich in der Geschichte selbst, denn sie wirkt die meiste Zeit wie ein Auftakt für etwas, was nicht kommt bzw. wahrscheinlich erst im vierten Band kommt. Ich sage es nicht gerne, aber eigentlich passiert nicht viel in diesem dritten Band … Der Fokus liegt hauptsächlich auf Lias und Rafes Flucht, selbst die Nebenhandlung, die durch Pauline erzählt wird, tritt deutlich in den Hintergrund.

Aus Neugier habe ich dann einmal in Kapitel 41 hineingelesen, das in der deutschen Ausgabe dem letzten Kapitel entspricht, im englischen Original gerade einmal in der Mitte ist. Man stelle sich meine Überraschung vor, als ich entdecken musste, dass dieses Kapitel wortwörtlich übersetzt wurde.

Hat hier nicht der Verlag verkündet, dass die Autorin etwas Neues schreiben würde, um einen runderen Übergang in den letzten Band zu schaffen? Mir ist jedenfalls in diesem Teil keine Änderung aufgefallen, was mich schon etwas verwundert zurückgelassen hat. Dies erklärt allerdings, warum dieses Ende für mich im Vergleich zu den früheren Büchern nicht so rund rüberkommt … Vieles bleibt offen und wird wohl erst im allerletzten Band zufriedenstellend beantwortet werden.

Mein Fazit:

Der dritte Band führt fort, wo der zweite geendet hat, aber das Aufteilen der Geschichte im Deutschen sorgt dafür, dass ich als Leserin das Gefühl hatte, eigentlich nur einen Auftakt für ein Finale zu bekommen, das erst im nächsten Band erfolgt.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 349 Seiten
  • Bastei Entertainment
  • 978-3-32549443
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