Rezension Dan Vyleta – Smoke

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch bereits durch eine Leserunde bei Lovelybooks, so richtig erwischte mich die Neugier allerdings, als ich vom Verlag ein Mail erhielt mit einigen Presseinformationen …

Zum Inhalt:

“Smoke” spielt im viktorianischen England – mit einem großen Unterschied: Die Menschen beginnen zu rauchen, wenn sie aus irgendeinem Grund schlechte Dinge tun oder denken. Für Charlie und Thomas, die zu jener Zeit in einem englischen Internat unterrichtet werden, ist es ganz normal, jederzeit darauf zu achten, möglichst wenig Rauch zu produzieren. Eines Tages entdeckt Charlie bei einem Schulausflug jedoch einen Mann, der nicht raucht. Diese Erkenntnis stellt für die Freunde alles bisher Gelernte auf den Kopf und sie wollen diesen Geheimnissen auf den Grund gehen …

Meine Meinung:

Der Klappentext machte ich mich ehrlich gestanden sofort neugierig – und das, obwohl auch im englischsprachigen Raum die Bewertungen für dieses Buch recht unterschiedlich ausgefallen sind. Diese Mischung aus Phantastischem und alternativer Geschichte war einfach zu verführerisch, als dass ich zu diesem Angebot Nein sagen konnte.

Der Anfang war für mich auch noch total faszinierend. Das Leben mit dem Rauch ist für die Menschen ganz normal, auch wenn niemand eigentlich so genau weiß, warum der Rauch da ist und warum er immer wieder andere Formen und Farben annimmt. Angefangen bei hellgrauem, dampfähnlichen Rauch bis zu pechschwarzem, öligem Ruß ist alles dabei. Die Menschen geben diesen Rauch über ihre Körperöffnungen ab und können dies nicht unterdrücken, es sei denn, es gelingt ihnen, ihre negativen Emotionen zu kontrollieren.

Dieses Setting bot gleich am Anfang Platz für mehrere spannende Fragen: Woher kommt der Rauch? Gab es ihn schon immer? Und warum gibt es Menschen, die nicht rauchen? Charlie und Thomas stellen diese Dinge anfangs nicht in Frage, bis Charlie zum ersten Mal jemanden sieht, der nicht raucht. Verständlich, dass hier auch der Leser neugierig wird und sich nur allzu bereitwillig mit den beiden auf eine Reise begibt, um herauszufinden, was hier abläuft.

Der Autor macht es einem dabei einfach, in diese bekannte und zugleich unbekannte Welt einzutauchen, da er sich Zeit nimmt, die Geschichte zu entwickeln. Der Rauch steht fast sinnbildlich für eine Gesellschaft, die lügt, betrügt, mordet und stiehlt. Menschen sind bereits nach der Geburt erst einmal schuldig und müssen danach streben, sich zu verbessern. Nicht zuletzt dank der Protagonisten bleibt die Hoffnung auf eine bessere Welt, da die Dinge offensichtlich nicht so zu sein scheinen, wie man es bisher gedacht bzw. geglaubt hat.

Auch den Schreibstil und den Wechsel von der dritten Person in die erste für einzelne Figuren fand ich durchaus interessant. Der Autor versteht es, seine Welt sehr bildhaft in Szene zu setzen, die Zeitreise in diese Welt fiel mir daher wirklich einfach. London als düsterer Ort, wo mehr Unheil als sonstwo auf der Welt geschieht – das hat der Autor wirklich phantastisch rübergebracht.

Umso bedauerlicher, dass mich das Buch am Ende doch noch “verloren” hat. Denn ab dem letzten Drittel etwa konnte ich nicht mehr nachvollziehen, warum die Figuren bestimmte Dinge getan haben. Auch wenn die Perspektive immer wieder wechselt, fehlte mir der Zugang, das Verständnis. Einzelne Personen waren auf einmal unvorstellbar grausam, fielen sogar dem Wahnsinn anheim. Warum, hat sich mir einfach nicht erschlossen.

Aus demselben Grund wurde ich auch mit dem Schluss nicht so wirklich warm, denn obwohl ich den Plottwist an dieser Stelle durchaus mochte, erschloss er sich mir nicht, ich habe ihn schlicht und einfach nicht verstanden. Daher blieb ich nach dem Zuklappen des Buches zum Teil ratlos, zum Teil unbefriedigt zurück. Warum? Ich hatte das Gefühl, im Regen stehen gelassen worden zu sein, was die Antwort auf einige Fragen anging. Nicht jede Frage braucht für mich eine Antwort, aber wenn ich das Gefühl habe, dass die wichtigste von allen offen geblieben ist, dann gefällt mir das nicht.

Mein Fazit:

“Smoke” startet unheimlich stark, driftete aber im letzten Drittel für meinen Geschmack zu weit ab, um mich wirklich bis zum Schluss bei der Stange zu halten. Das tolle Setting und der bildhafte Schreibstil konnten dies leider nur zum Teil kompensieren.

  • ★★★★★
  • Klappenbroschur
  • 624 Seiten
  • carl’s books
  • 978-3570585689
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Rezension Mary E. Pearson – Der Kuss der Lüge

Auch wenn ich von dem Hype um die Buchreihe der “Remnant Chronicles” wieder mal nur wenig mitbekommen habe, war ich doch neugierig genug, dieses Buch lesen zu wollen. “Die Chroniken der Verbliebenen” bestehen aktuell aus drei Büchern und einer Novelle, die die Vorgeschichte erzählt. Im englischsprachigen Raum ist die Trilogie bereits vollständig erschienen.

Zum Inhalt:

Prinzession Arabella, die am liebsten nur Lia gerufen werden möchte, flieht am Tag ihrer Hochzeit aus dem Königspalast ihrer Eltern, weil die Ehe arrangiert wurde und sie ihren zukünftigen Mann nie kennengelernt hat. In einem weit entfernten Küstenstädtchen findet sie mit ihrer Freundin Pauline Unterschlupf und beginnt, als Schankmädchen zu arbeiten. Ihr auf den Fersen sind gleich zwei Männer, der Prinz, den sie eigentlich heiraten sollte, und ein Attentäter aus einem verfeindeten Königreich …

Meine Meinung:

Die Inhaltsangabe hört sich jetzt nicht besonders spektakulär an. Und das ist auch das, was die meisten kritischen Rezensionen diesem Buch ankreiden: Dass einmal nach dem recht actionreichen Anfang relativ lang eher wenig passiert. Dem kann ich nicht einmal widersprechen, verstehe daher auch recht gut, warum manche das Buch noch vor der Hälfte abgebrochen haben.

Weshalb ich persönlich trotzdem recht gut über die erste Hälfte des Buches kam, ist dem Schreibstil der Autorin geschuldet: Er ist nicht besonders anspruchsvoll, aber er hat etwas an sich, was mich wirklich durch die Seiten fliegen hat lassen. Und etwa ab der Hälfte wird man für die Geduld belohnt, die Handlung kommt wieder in Schwung – nicht zuletzt durch die Entscheidungen, die Lia zu treffen gezwungen ist.

Lia selbst macht im Verlauf des Buches die meiste Wandlung durch: Erschien sie mir am Anfang eher wie ein rebellischer Teenager, der sich von seinen Eltern keine Ehe aufzwingen lassen will, beginnt sie sich doch noch ihrer Verantwortung als Prinzessin und den daraus resultierenden Aufgaben bewusst zu werden.

Die beiden Jungs dagegen, die ihr zur Seite gestellt werden, empfand ich allerdings eher als farblos. Ich konnte sie am Anfang nicht einmal auseinander halten, tat mich daher mit dem Rätselspiel, wer von ihnen der Attentäter und wer der Prinz ist, eher schwer – und habe es dann irgendwann aufgegeben. Und nach der ersten Hälfte erschloss es sich mir dann eh von selbst :).

Während ich die Gefühle des Prinzen zumindest nachvollziehen konnte (Er zollt ihr Respekt dafür, dass sie den Mut hatte, sich der ungewollten Heirat zu widersetzen), fand ich den Attentäter absolut nicht glaubhaft. Dafür handelt er viel zu irrational, denn welcher gedungende Mörder nimmt schon die Strapatzen auf sich, die flüchtige Prinzessin zu finden und quartiert sich dann erst mal gemütlich in dem Gasthaus ein, wo sie arbeitet? Aber das musste wohl so eingebaut werden, damit das fast schon obligatorische Love Triangle aufgebaut werden kann …

Dies hat mir beim Lesen vor allem am Anfang einige zwiespältige Gefühle bereitet, die erst in der zweiten Hälfte etwas besänftigt wurden, als klar wird, dass es um weitaus mehr geht als um die persönlichen Gefühle unserer drei Hauptfiguren. Hier gelingt es der Autorin in meinen Augen durchaus, noch einmal das Ruder herumzureißen und eine Geschichte zu konstruieren, die neugierig macht, wie es weitergeht.

Zu viel möchte ich hier gar nicht mehr sagen, da das wahrscheinlich alles als Spoiler auszulegen ist. Ich kann mich jedenfalls nur wiederholen: Lia mausert sich langsam, aber sicher und beginnt eigene Entscheidungen zu treffen – gleichzeitig erfahren wir etwas mehr über die Welt, in der Lia lebt und wie es mit der Magie darin bestellt ist. Gleichzeitig kommt auch die Geschichte um einen bestimmten Gegenstand in Schwung, der weitere Fragen und Rätsel aufwirft. Was es damit auf sich hat, werden wir wohl erst in einem der Nachfolgebände erfahren …

Das Ende ist natürlich wie meist üblich in einer Trilogie relativ offen, kam aber für mich nicht so sehr als Schocker rüber wie in anderen Trilogien. Einen echten Cliffhanger hat die Autorin hier nicht geschaffen, die Neugier auf die Fortsetzungen entsteht für mich eher dadurch, was generell in der zweiten Hälfte des Buches an Themen aufgebracht wurde. Da der zweite Teil aber eh schon recht bald auf Deutsch erscheint, ist die Qual der Wartezeit jedenfalls nicht ganz so lang wie bei anderen Mehrteilern.

Mein Fazit:

Um dieses Buch zu mögen, muss man schon erfolgreich die Hürde der ersten Hälfte nehmen, anders kann ich es tatsächlich nicht ausdrücken. Erst danach nimmt die Geschichte Fahrt auf und vermag zu fesseln. Trotzdem hat das Buch Potenzial, das die Autorin hoffentlich in den weiteren Bänden noch erfolgreicher ausschöpfen kann.

  • ★★★★★
  • Hardcover
  • 559 Seiten
  • One
  • 978-3846600368
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Rezension Lisa McAbbey – Der Spion mit dem Strumpfband

Ich gebe zu, in letzter Zeit treibe ich mich gern bei Netgalley herum. Die Auswahl der E-Books wird mittlerweile immer größer und es ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Daher fand auch Lisa McAbbeys “Der Spion mit dem Strumpfband” über diese Plattform zu mir. Wer das Buch noch lesen möchte: Meine Rezension enthält einige Spoiler, daher aufpassen!

Zum Inhalt:

Clarissa Greenly, Tochter eines englischen Baronets, ist gezwungen, selbst Geld zu verdienen, um die Schulden ihres Vaters abzuzahlen. Aus diesem Grund arbeitet sie als Spionin für die sogenannte “Spinne”. Ihr nächster Auftrag: Ein Notizbuch zu beschaffen, das Beweise für den Verrat des Earls von Hawkhurst enthalten soll. Eigentlich ein Kinderspiel, wären da nicht die ungewohnten Gefühle, die der Earl in ihr auslöst …

Meine Meinung:

Ich mag historische Romane eigentlich sehr gern. Aber die richtig “großen” Geschichten sind für mich selten geworden, weil das Genre für meinen Geschmack viel zu sehr auf Liebesgeschichten in historischem Setting fixiert ist. Der “Spion mit dem Strumpfband” hörte sich für mich ebenfalls nach einer solchen Geschichte an, versprach allerdings neben der Liebe auch einen Abenteuer- bzw. Spionageroman.

Um es gleich mal vorab zu sagen: Ich hatte mir ein bisschen mehr erwartet, als ich bekommen habe. Die Autorin hat einen guten und flüssigen Schreibstil, der es mir leicht gemacht hat, durch die Seiten zu fliegen. Er wirkt zwar an manchen Stellen etwas altmodisch (“Sapperment” beispielsweise habe ich auch schon sehr lange nicht mehr in einem Buch gelesen), passte aber sehr gut zu der Geschichte, die ja Mitte des 18. Jahrhunderts angesiedelt ist. Auch die einzelnen Begegnungen der Protagonisten bzw. die Liebesszenen waren durchaus anregend und nicht zu detailliert beschrieben.

Was mir weniger gefallen hat, ist die Art, wie sich die Handlung entwickelt: Die Vorgeschichte, warum Clarissa Spionin geworden ist, wird auf den ersten Seiten sehr rasch abgehandelt, dann hat auch schon der Earl seinen ersten Auftritt, mit dem er Clarissa gleich mal gewaltig durcheinander bringt. Dann wechselt die Perspektive und man bekommt einen Einblick in die Gedankenwelt des Earls, der sich von den etwas unzüchtig gezeigten Beinen der Dame verwirren lässt … In weiterer Folge wird immer wieder abwechselnd aus seiner und ihrer Sicht erzählt, wobei seine Gedanken im Verhältnis aber eher zu kurz kommen – außer es geht um Clarissa.

Da der erste Versuch scheitert, an das Notizbuch zu kommen, unternimmt Clarissa zwangsläufig weitere Anläufe, das Buch zu finden. Das führt dazu, dass sie immer wieder auf den Earl trifft und wieder scheitert, weil ihre stärker werdenden Gefühle ihr einen Strich durch die Rechnung machen. Anfangs konnte ich diese emotionalen Verwirrungen noch nachvollziehen, aber mit jeder Wiederholung wurde es für meinen Geschmack unglaubwürdiger.

Clarissa wurde anfangs als gut ausgebildete Spionin beschrieben, die bisher alle Aufträge erfolgreich erledigt hat – und dann passiert ihr ein Schnitzer nach dem anderen? An manchen Stellen erschien mir ihre Art auch arg naiv. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass ihr kein einziges Mal der Gedanke kommt, dass man sie trotz ihrer verschiedenen Verkleidungen an ihrer auffälligen Augenfarbe (Sie sind veilchenblau!) erkennen kann. Im Gegensatz zum Earl natürlich, der dadurch sofort alle ihre Verkleidungen durchschaut.

In die Geschichte eingebettet finden sich auch einzelne Hinweise auf die englische Politik zu jener Zeit, mit denen ich mich allerdings schwergetan habe, da mir entsprechende Vorinformationen beim Lesen gefehlt haben. Erst das Nachwort erklärt hier einige Zusammenhänge … Hier hätte ich mir tatsächlich noch ein paar Seiten mehr gewünscht, um dem Roman mehr Tiefe zu geben und den Leser noch besser in die Zeit damals zu versetzen. So blieb die Geschichte für mich leider an vielen Stellen viel zu sehr an der Oberfläche, um mich richtig packen zu können.

Mein Fazit:

Wer auf historische Romane im Stil der “Historicals” aus dem Cora-Verlag steht, ist mit diesem Roman bestimmt bestens bedient. Für mich war das Buch aber ein wenig zu oberflächlich, um mich wirklich richtig begeistern zu können. Ein bisschen mehr historische Tiefe und weniger Liebestaumel hätten der Geschichte nicht geschadet.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 259 Seiten
  • beHEARTBEAT by Bastei Entertainment
  • 978-3732535958
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Rezension Sabaa Tahir – Elias & Laia “Eine Fackel im Dunkel der Nacht”

Als der erste Teil dieser Reihe erschien, machte er mich sofort neugierig. Die Geschichte war neu, frisch und die beiden Protagonisten einmal nicht sofort über beide Ohren verliebt. Die Welt, die Tahir entwirft, ist eine Mischung aus römischer und arabischer Kultur – und sie ist alles andere als einfach.

Für ein Jugendbuch kommt sie sogar verhältnismäßig brutal daher, Folter, Kampf und Tod sind an der Tagesordnung … Gerade deswegen fand ich dieses Setting aber so interessant und konnte es gar nicht erwarten, bis der zweite Teil im Herbst erschien. Als ich “Eine Fackel im Dunkel der Nacht” dann bei Netgalley entdeckte, gab es kein Zögern :).

Zum Inhalt:

“Eine Fackel im Dunkel der Nacht” führt die Geschichte aus dem ersten Teil unmittelbar fort. Elias und Laia fliehen zusammen vor den Martialen und deren neuem Herrscher Markus – mit dem Ziel, Laias Bruder Darin aus dem Gefängnis von Kauf zu befreien. Das Wissen, das er gesammelt hat, bietet den Kundigen (das Volk, dem Laia und Darin angehören) eine Chance, den drohenden Völkermord seitens der Martialen zu überleben. Ganz klar, dass die Reise durch unbekannte und gefährliche Gegenden führt, die unseren beiden Helden recht bald alles abverlangt …

Meine Meinung:

Wie bereits erwähnt, habe ich auf diesen zweiten Band wirklich hingefiebert. Meine Lesezeit allerdings war vor Weihnachten dieses Jahr wirklich sehr knapp bemessen, weshalb ich mich erst einmal auf andere Bücher konzentrieren musste. Trotzdem schaffte ich das erste Viertel relativ rasch, ehe ich dann gezwungenermaßen eine etwas längere Pause einlegen musste. Erst zu Weihnachten fand ich Zeit weiterzulesen – und dann wollte es auf einmal nicht so recht klappen. Selbst jetzt, wo ich mir Gedanken darüber gemacht habe, bin ich mir nicht so sicher, ob es an der Geschichte selbst oder meiner Unlust aufs Lesen lag.

Gerade der Mittelteil gestaltete sich für mich einfach nicht fesselnd genug, um wirklich dranzubleiben. Und das, obwohl die Autorin ihren guten und flüssigen Schreibstil beibehalten hat. Durch eine gewisse Entwicklung in der Handlung ist eigentlich alles da, um den Leser bei der Stange zu halten – und trotzdem ertappte ich mich zwischendurch dabei, stellenweise mehr über die Seiten zu fliegen, als sie wirklich zu lesen.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Autorin recht ausführlich die Reise zum Gefängnis beschreibt. Die Gefahren auf dem Weg dorthin waren für mich nicht so richtig greifbar, weil ich mir permanent dachte, dass sie sowieso dort ankommen werden, um Laias Bruder zu befreien. Ob das der Grund ist, warum ich eine Zeit lang mit dem Buch einfach nicht weiterkam?

Das Ende nämlich gestaltete sich wieder wie gewohnt spannend – dieses konnte ich innerhalb kürzester Zeit lesen. Und hier dreht die Autorin noch einmal so richtig auf und lässt uns wieder mit einem kleinen Cliffhanger zurück, der aber nicht so ausgeprägt ist wie der des ersten Teils.

Bei der Erzählweise bleibt die Autorin ihrem Schema aus dem ersten Teil treu, führt aber noch eine dritte Perspektive ein. Sie erzählt nun auch aus der Sicht von Helena, Elias’ Freundin aus Ausbildungstagen, die jetzt als Elite-Kriegerin und -Anführerin dem Imperator der Martialen dienen muss. Diese Kapitel wurden mir bald die liebsten, weil man auf diese Weise erfährt, wie es im Martialen-Imperium weitergeht, aus dem Elias und Laia geflohen sind. Und: Diese Kapitel erinnerten mich wieder daran, warum mir der erste Teil so gut gefiel.

Meine Gefühle jetzt am Ende sind ein wenig widersprüchlich. Ich will nicht sagen, dass das Buch schlecht ist, beileibe nicht, aber wäre es nicht ein Rezi-Exemplar gewesen, hätte ich es vermutlich nach dem ersten Viertel eine Weile beiseite gelegt, um mich anderen Stoffen zu widmen. Manchmal muss ein Buch bei mir auch zur richtigen Zeit ankommen, mich in der richtigen Stimmung erwischen, um seine Wirkung voll entfalten zu können. Dies war jetzt über Weihnachten, wo ich den Kopf recht lange mit anderen Dingen voll hatte, leider nicht der Fall.

Mein Fazit:

Im Vergleich zum ersten Teil empfand ich dieses Buch als schwächer, wobei ich aber unsicher bin, ob nicht die äußeren Umständen verhindert haben, dass ich dieses Buch so richtig genießen konnte. Auf jeden Fall ist es gut geschrieben, erzählt das Abenteuer unserer Helden weiter und hält sein erzählerisches Niveau. Ich werde daher dem dritten Teil ganz sicher eine Chance geben, um zu sehen, was sich die Autorin für uns ausgedacht hat.

  • ★★★★★
  • Gebunden
  • 512 Seiten
  • Bastei Lübbe (one by Lübbe)
  • 978-3846600382
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Rezension Mona Kasten – Begin again

Obwohl ich mit Booktube nicht viel am Hut habe, ist Mona Kasten sogar mir in diesem Zusammenhang ein Begriff. Was ich aber nicht wusste, war, dass sie mittlerweile auf die Seite der Autoren gewechselt hat. “Begin again” ist ihr erstes Buch aus dem Bereich New Adult, das bei LYX erschienen ist.

Zum Inhalt:

Allie möchte ihre Vergangenheit hinter sich lassen und beim Studium in Woodshill neu anfangen. Zu Beginn des Semesters sind allerdings alle Wohnungen vergeben, so landet sie bei dem mürrischen Kaden, der ihr widerstrebend ein Zimmer untervermietet und Regeln aufstellt, wie sich ihr Zusammenleben abspielen soll. Relativ bald merkt Allie aber, dass es nicht so leicht ist, sich daran zu halten, weil Gefühle ins Spiel kommen …

Meine Meinung:

Ich gebe zu, ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Buch gelesen hätte, wenn es eine Zeit lang nicht so sehr auf den verschiedenen Buchblogs präsent gewesen wäre. Nach “After” und anderen Geschichten dieser Art habe ich mich eigentlich zumindest für eine bestimmte Zeit als kuriert betrachtet – tja, wenn da nicht die Neugier gewesen wäre. Und die Tatsache, dass man das Buch als Rezensionsexemplar bei Netgalley beziehen konnte :).

“Begin again” erzählt in diesem Zusammenhang Gott sei Dank eine ganz andere Geschichte, als ich sie mir erwartet hatte – und auch wieder nicht. Die beiden Hauptfiguren Allie und Kaden haben beide schlechte Erfahrungen im Leben gemacht, die sie in ihrem noch jungen Leben und in den Beziehungen zu ihren Mitmenschen belasten. Welche das sind, ahnt der Leser vor allem bei Allie schon bald, da die Geschichte aus ihrer Perspektive leicht und flüssig erzählt wird.

Obwohl sich Kaden vor allem am Anfang als ausgemachter Widerling gebärdet, wird relativ bald klar, dass sich unter seinen rauen Schale ein freundlicher und fürsorglicher Typ verbirgt. Im Lauf der Geschichte entwickelt sich die Beziehung der beiden weiter und obwohl sie Rückschläge hinnehmen müssen, ist zu spüren, dass beide Figuren reifer werden, da sie voneinander lernen können. Das (Beziehungs)Zünglein an der Waage stellt natürlich der gemeinsame Freundeskreis dar, da Allie recht schnell von Kadens Freunden akzeptiert wird.

Positiv empfand ich auch, dass beide Figuren nicht sofort innerhalb kurzer Zeit miteinander im Bett landen, im Gegenteil. Mona Kasten lässt sich sehr viel Zeit, bis die beiden das erste Mal Sex haben. Das Kribbeln im Bauch hat Allie zwar schon fast von Anfang an, konzentriert sich aber erst einmal auf wichtigere Dinge wie den Beginn ihres Studiums …

Weniger gefallen hat mir, dass sich die anfangs relativ besonnen wirkende Allie nach und nach zu einer kleinen Drama-Queen mausert. Manche Reaktionen auf bestimmte Situationen erschienen mir sehr übertrieben, dafür dass sie eigentlich als die Vernünftigere und Erwachsenere der beiden dargestellt wurde. Auch den Schluss fand ich nicht so ganz so gut gelungen, da wäre mir eine andere, etwas normalere Auflösung lieber gewesen …

Manche Plottwists waren für meinen Geschmack außerdem etwas zu vorhersehbar, was den Roman insgesamt zu einem leicht zu lesenden Buch für zwischendurch machte, ihn aber nicht aus dem aktuellen Angebot an Liebesromanen herausragen lassen kann.

Mein Fazit:

“Begin again” stellt einen angenehm und flüssig zu lesenden New Adult-Roman dar, der Gott sei Dank vom Inhalt her von Büchern wie “After” abweicht. Trotzdem ist hier meiner Meinung nach noch Potenzial nach oben vorhanden. Ein bisschen weniger Drama und ein wenig mehr Unberechenbarkeit – aber das kann ja mit den Nachfolgebänden der Reihe noch kommen :).

  • ★★★★★
  • Taschenbuch
  • 496 Seiten
  • LYX
  • 978-3736302471
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Rezension Ruth Ware – Im dunklen, dunklen Wald

Eigentlich war ich mir nicht sicher, ob mich dieses Buch wirklich interessiert. Aber dann kam die dunkle Lesenacht und im Vorfeld war so viel Begeisterung zu spüren, dass ich nicht widerstehen konnte, mich anzuschließen. Und da ich noch ein Guthaben für ein Hörbuch offen hatte, dachte ich mir, schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe :).

Zum Inhalt:

Nora ist 26, Schriftstellerin und hat zu ihren früheren Freundinnen aus der Schulzeit keinen Kontakt mehr. Umso mehr ist sie erstaunt, als eines Tages ein E-Mail eintrudelt, in dem sie zum Junggesellinnenabschied ihrer ehemaligen besten Freundin Clare aus Kindertagen eingeladen wird. Obwohl ihr unwohl bei dem Gedanken ist, sagt sie zu, das Wochenende mit ihr größtenteils fremden Leuten in einem einsamen Haus mitten im nordenglischen Wald zu verbringen … Eine Entscheidung, die sie schon bald bitter bereuen wird.

Meine Meinung:

Die ersten Kapitel dieses Romans habe ich wirklich sehr, sehr rasch durchgehört – nicht zuletzt dank der Stimme von Julia Nachtmann, der Sprecherin dieses Hörbuchs. Dieses eher tiefe und ruhige Timbre verleiht dem Hörbuch eine ganz eigene und für diese Geschichte sehr passende Stimmung. Obwohl am Anfang eigentlich nicht sehr viel passiert, schafft Nachtmann es, dass man schon bei dem E-Mail sich fragt, was wohl kommen wird, welcher Thrill einen erwarten wird.

Das erste Drittel dieses Buches fand ich wirklich großartig. Ruth Ware schildert hier das Treffen und Kennenlernen der unterschiedlichen Figuren und die erste Zeit in der Hütte im Wald miteinander. Besonders den Dialogen konnte ich hier sehr viel abgewinnen. Die gegenseitigen Antipathien treten schon sehr bald zutage, werden aber nur sehr subtil ausgeführt. Ein gutes Beispiel ist die Hauptfigur Nora, die zu Schulzeiten noch Lee genannt wurde. Obwohl sie mehrmals darum bietet, nicht mehr Lee genannt zu werden, wird dies gekonnt von den anderen ignoriert.

Leider konnte die Autorin das Niveau für mich nicht bis zum Ende des Buches halten. Für meinen Geschmack verliert sie sich vor allem im Mittelteil in vielen Details, die die Handlung eher schlecht als recht vorwärts bringen. Viele Andeutungen, wenig Konkretes, nur weitere Andeutungen. Dies war auch der Punkt, wo ich gemerkt habe, dass ich mit den Figuren nicht warm wurde … Wirklich jeder hatte etwas an sich, was sie oder ihn unsympathisch machte, auch die Hauptfigur Nora.

Mit der Zeit wurde meine Abneigung gegen sie sogar noch stärker, weil sie immer wieder jammerte, warum sie und jenes nicht tun wollte, aber nichts unternahm, die für sie unangenehme Situation zu verbessern. Ich hatte sogar den Eindruck, dass sie genau merkte, dass sie dabei von den anderen manipuliert wurde – und es bewusst geschehen ließ. Besonders gegen Ende merkte man das noch einmal sehr deutlich, wo ich ihr am liebsten zugerufen hätte: Tu es nicht, das ist ein Fehler! Und natürlich tut sie es trotzdem und reitet sich damit rein …

Das Buch hätte eigentlich alles, was es für einen zugegebenermaßen fast klassisch anmutenden Thriller braucht, aber die Autorin lotet in meinen Augen nicht aus, was die Geschichte hergeben würde. Vergleicht man die Entwicklung der Handlung mit einem fahrenden Auto, kommt es viel zu lange aus dem zweiten Gang nicht heraus, um dann erst im letzten Drittel recht abrupt in den vierten bzw. in den fünften Gang zu schalten. Die anfangs erwähnten Geheimnisse versprechen dabei außerdem mehr, als sie halten können.

Die Auflösung war für mich leider keine übermäßig große Überraschung … Wenn sogar ich (wo ich fast immer daneben liege, wer der Täter ist) eine Idee habe, was passiert sein dürfte, ist das kein Pluspunkt für den Krimi-Anteil der Geschichte. Zugute halten muss ich allerdings, dass ich der Geschichte trotz der Sprünge von Ort und Zeit gut beim Hören folgen konnte.

Mein Fazit:

“Im dunklen, dunklen Wald” ist für mich eine Geschichte, die stark angefangen hat, sich dann aber in meinen Augen zu vielen Details verloren hat. Zu viel Hin und Her, was nicht die Spannung fördert, sondern mich eher ungeduldig werden ließ … Den dritten Stern gibt’s für die großartige Lesung, die sich vor allem für dunkle Abend- und Nachtstunden im Herbst und Winter empfiehlt :).

  • ★★★★★
  • Hörbuch
  • 634 Minuten
  • Der Audio Verlag
  • 978-3862318315
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Rezension Nina MacKay – Plötzlich Banshee

Ich glaube, wer regelmäßig Buchblogs liest, wird in den letzten Wochen an diesem Buch nur schwer vorbeigekommen sein … Die Idee dazu fand ich jedenfalls von Anfang an recht spannend, auch wenn ich persönlich nicht mehr so der Fan von Urban Fantasy bin. Und als ich bei Netgalley auf das Angebot stieß, das Buch als Rezensionsexemplar zu beziehen, dachte ich mir, jetzt ist er der richtige Zeitpunkt für die Geschichte gekommen :).

Zum Inhalt:

Alana McClary ist eine Banshee. Allerdings ist ihr das zu Beginn der Geschichte nicht klar. Was sie aber weiß, ist, dass sie ziemlich tollpatschig ist und das Unglück anderer geradezu anzieht. Und dann ist da auch noch die merkwürdige Sache mit den Lebenszeituhren und dem Schrei, den sie immer wieder ausstoßen muss, wenn es mit der Lebenszeit eines Menschen zu Ende geht. Und zu allem Verdruß verschwinden auf einmal Menschen aus Santa Fe, ihrer Heimatstadt, und tauchen als blutleere Leichen wieder auf …

Meine Meinung:

Lasst euch durch die Inhaltsangabe nicht in die Irre führen: Es geht in dieser Geschichte einmal nicht um Vampire und ähnliche Nachtwesen, sondern ausschließlich um Wesen aus dem sogenannten “Kleinen Volk” der irischen Mythologie. Alana beispielsweise ist ein junges Mädchen, das mit ihrem besten Freund Clay zusammenlebt. Über Wasser hält sie sich mit ihrer Arbeit als Privatdetektivin – und ein bisschen spielt sie auch Schutzengel für die Personen, deren Lebensuhren fast abgelaufen sind.

Aus diesem Grund steigt der Leser auch unmittelbar in die Geschichte ein, als Alana einem Jugendlichen das Leben rettet, der mit zwei Freunden auf dem Dach eines fahrenden Zugs herumturnt. Die Jugendlichen sind es auch, die Alana die Bekanntschaft mit Dylan Shane, einem Detective der örtlichen Mordkommission, bescheren. Detective Sockenschuss, wie er von Alana bald genannt wird, untersucht nämlich die Todes- und Entführungsfälle. Da Alana mit den Opfern in Verbindung steht, erklärt er sich bereit, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Hört sich gut und unterhaltsam an? Habe ich auch gedacht, vor allem weil ich im Vorfeld schon viele positive Stimmen gehört habe. Die Wirklichkeit gestaltete sich für mich allerdings ganz anders. Wobei ich mir im Nachhinein nicht sicher bin, ob das dem wirklich sehr, sehr einfachen Schreibstil geschuldet ist (Manch einer würde wohl Fanfiction-Niveau dazu sagen) oder den anderen Dingen, die ich nicht so ansprechend fand. Die Altersfreigabe für das Buch ist ab 14 Jahren, also gehe ich davon aus, dass der Schreibstil schon absichtlich ist, wie er ist …

Am meisten nervte mich auf jeden Fall die Ansammlung von Klischees, die Alana alle erfüllt und die man derzeit anscheinend permanent in Jugendromanen zu sehen bekommt:

1) Sie ist tollpatschig und fällt ihrem Detective einmal mehr oder weniger vor die Füße (Hatten wir das nicht schon mal?).
2) Sie himmelt Dylan an, was ihr selbst natürlich nicht so schnell klar wird.
3) Dylan hat Mukkis (Irgendwann hab ich aufgehört, diese Wiederholung zu zählen).
4) Die “Wortgefechte” mit Dylan spielen sich immer wieder nach demselben Schema ab und sind deswegen irgendwann nicht mehr lustig, sondern nur eine endlose Wiederholung.
5) Von der toughen Privatdetektivin, die Alana sein soll, merkt man eher wenig, sie stolpert mehr oder weniger durch alle Situationen, in die sie gerät …

Weitere Klischees kann ich jetzt leider nicht aufzählen, weil sie schon einen Spoiler darstellen würden. Was ich aber verraten kann, ist, dass ich Alanas Verhalten in bestimmten Situationen absolut nicht nachvollziehbar fand. Ein Beispiel: Am Anfang streitet sie noch ab, eine Banshee zu sein. Dann wird es ihr quasi am Silbertablett präsentiert – und auf einmal reagiert sie ziemlich cool. Kein “Das darf doch nicht wahr sein”, kein “Das glaub ich nicht”, da kommt einfach gar nichts. Sie akzeptiert die neue Situation einfach, die mal eben alles auf den Kopf stellt. Und dieses “coole” Verhalten legt Alana übrigens im Verlauf der Geschichte noch einmal an den Tag, es ist also nicht so, dass es nur einen Ausrutscher darstellt …

Der Schluss stellte für mich in gewisser Weise ein Novum dar: Ich konnte mich tatsächlich besser mit dem Antagonisten als dem Protagonisten identifizieren. Besonders an der Stelle, wo Alana sich sagen lassen muss, dass sie ein dummes Huhn ist … Hier konnte ich einfach nicht anders, als in Gedanken zu nicken *seufz*. Dass es ein Happy End gibt, ist natürlich auch klar. Den Weg dorthin empfand ich allerdings als etwas holprig und am Ende als fast etwas hektisch, um noch alle offenen Fragen zu beantworten bzw. die Situation aufzulösen.

Was bleibt, ist für mich ein etwas schales Gefühl im Mund. Ich bin mir nicht sicher, was ich erwartet habe, aber auf jeden Fall nicht so etwas … Mir ist natürlich bewusst, dass ich nicht mehr unbedingt zur anvisierten Leserschaft gehöre, aber ein klein bisschen mehr Pfeffer wäre in der Geschichte auf jeden Fall noch drin gewesen.

Warum ich trotzdem drei Sterne vergebe, ist der Tatsache geschuldet, dass ich das Cover wirklich mochte, weil es sich wohltuend von dem abhebt, was sich derzeit sonst so am Markt befindet (Ich sag nur Personen und Gesichter am Cover!).

Mein Fazit:

“Plötzlich Banshee” hat Potenzial! Das ausgefallene Setting, die unterschiedlichen Figuren mit ihren Hintergründen und Entwicklungen mag ich auch jetzt noch sehr. Leider nutzt die Autorin in meinen Augen dieses Potenzial aber nicht aus, sondern versinkt in einer sehr klischeebehafteten und vor sich hin plätschernden Story, die am Ende ein wenig rasch die Kurve nimmt.

  • ★★★★★
  • Taschenbuch
  • 400 Seiten
  • ivi
  • 978-3492703932
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