(Kurz)Rezension Alex Beer – Die rote Frau

“Die rote Frau” ist nach “Der zweite Reiter” bereits das zweite Buch, das Alex Beer im historischen Wien kurz nach dem Ersten Weltkrieg ansiedelt. “Die rote Frau” baut dabei auf den Ereignissen aus dem ersten Buch auf, kann in meinen Augen aber auch noch ohne Vorwissen gelesen bzw. gehört werden.

Der Klappentext:

Wien, 1920: Während die Stadt immer noch mit den Folgen des Krieges zu kämpfen hat, wird August Emmerich endlich in die Abteilung “Leib und Leben” versetzt.

Doch während seine Kollegen dort den aufsehenerregenden Mordfall an dem beliebten Stadtrat Richard Fürst bearbeiten, müssen Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter den Babysitter für die berühmte Schauspielerin Rita Haidrich spielen, die um ihr Leben fürchtet. Dabei stoßen sie jedoch nicht nur auf eine ominöse Verbindung zu Fürst, sie kommen einem perfiden Mordkomplott auf die Spur, das bis in die höchsten Kreise reicht. Und Rita soll das nächste Opfer sein …

Vielstimmig und typisch wienerisch gelesen von Cornelius Obonya.

Meine Meinung:

Ich gestehe, ich habe eine Zeit lang gezögert, ob ich “Die rote Frau” wirklich hören wollte. Der Hinweis “gekürzt” lässt mich bei Büchern doch immer wieder zurückschrecken, vor allem bei denen, von denen ich mir einiges verspreche. Der Hinweis aus dem Klappentext – wienerisch gelesen – hat es aber mehr als wett gemacht. Cornelius Obonya hat es drauf!

Man merkt ihm an, dass er in diesem Bereich sowohl als Schauspieler als auch als Sprecher (In Österreich kennt man seine Stimme vor allem durch diverse Natur-Dokus, die er aus dem Off begleitet) sehr viel Erfahrung mitbringt. Eine ganze Menge unterschiedlicher Stimmlagen und Dialekte verkörperte er so überzeugend, wie ich es schon lange nicht mehr bei einem Sprecher gehört habe.

Dies machte es mir nicht schwer, mich von ihm ein weiteres Mal in das Wien der Nachkriegsjahre entführen zu lassen. “Die rote Frau” setzt dabei dort ein, wo wir August Emmerich und Ferdinand Winter in “Der zweite Reiter” verlassen haben: Sie sind in die Abteilung “Leib und Leben” gewechselt.

Doch die beiden haben es dabei nicht leicht, denn statt Fälle zu lösen, werden sie von ihren neuen Kollegen als Sekretärinnen missbraucht und als “Krüppelbrigade” bezeichnet. Emmerichs Starrsinn – und natürlich ein Mord – helfen ihm aber auch hier, sich gegen alle Widrigkeiten zu behaupten und auf eigene Faust verschiedenen Spuren zu folgen.

Ich weiß, ich habe es schon bei “Der zweite Reiter” geschrieben, aber ich wiederhole mich gern: Die Autorin versteht es auch in dieser Geschichte sehr geschickt, das Wien dieser Zeit in all seinen Facetten lebendig werden zu lassen. Wer bereits im ersten Teil die beiden Protagonisten lieben gelernt hat, wird sich freuen, denn Alex Beer erzählt ihre Leben unterhaltsam weiter, wenn ich auch an einigen Stellen das Gefühl hatte, dass Ferdinand Winter dieses Mal etwas zu kurz kam.

Den Krimi selbst fand ich an einigen Stellen ein wenig haarsträubend, auch die Auflösung kam für meinen Geschmack ein klein bisschen zu schnell und vor allem zu “phantastisch”. Wie schon bei Teil 1 lässt auch hier Alex Beer eine Kleinigkeit offen, weshalb es bestimmt interessant sein wird zu sehen, was sich die Autorin für die Zukunft der beiden Figuren ausdenken wird.

Mein Fazit:

Trotz einiger kleiner Schönheitsfehler spreche ich auch für die Fortsetzung gerne wieder eine Empfehlung für alle aus, die sowohl historische Krimis als auch den Wiener Schmäh mögen :). Und eine besonders lobende Erwähnung gibt es für diese tolle Lesung, die mich wirklich überraschen konnte!

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 479 Minuten
  • Random House Audio
  • 978-3837141313
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Rezension Joyce Summer – Tod am Kap

“Tod am Kap” ist mittlerweile das vierte Buch, das ich aus der Feder von Joyce Summer genießen durfte. Alle ihre Bücher haben etwas gemeinsam: Die Autorin erzählt einen spannenden Krimi und nimmt uns dabei mit auf eine (gedankliche) Reise in ein anderes Land.

In der Vergangenheit habe ich auf diese Weise Madeira und Malta kennenlernen dürfen, jetzt ist mit Südafrika eine ganz neue Region dran.

Der Klappentext:

Drückende Hitze liegt über Südafrika und das Wasser wird knapp. Eine brutale Mordserie erschüttert das Kap der Guten Hoffnung. Captain Pieter Strauss von der Kapstädter Spezialeinheit der Valke versucht, den Mörder zu fassen.

Was treibt den Täter an? Ist es alter Aberglaube und er hofft, die Regenkönigin durch seine Morde zu wecken? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter? Pieter wird mit seinem alten Freund Nick Aquilina in einen Strudel gezogen, der sie bis tief in die erbarmungslose Welt der Townships treibt und in die Machenschaften der großen Konzerne verwickelt.

Meine Meinung:

Wie bei allen ihren Krimis wirft uns Joyce Summer auch dieses Mal wieder unmittelbar in das Geschehen: Eine junge Frau, offensichtlich Touristin, steht im Morgengrauen auf, fährt zum Kap der Guten Hoffnung – und ist kurz darauf tot. Eine der Spuren führt das Ermittlungsteam um Captain Pieter Strauss zu einem französischen Unternehmen namens Chopine, das in Südafrika einen Vertrag mit der Regierung hat, Trinkwasser zu fördern und zu verkaufen.

Da das Land unter einer gewaltigen Dürre leidet, führt diese zusätzliche Verknappung der Wasserreserven dazu, dass in den Townships rund um Kapstadt immer wieder die Wasserversorgung abgestellt werden muss. Ein Faktor, der die Spannungen, die in dem Land herrschen, noch zusätzlich anheizt.

“Fünfundzwanzig Jahre nach der Aufhebung der Rassentrennung war keine Aussöhnung in Sicht. Im Gegenteil, durch die ‘Affirmative Action’ drehte sich manches in. absurder Weise um. Das Quota-System in der SAPS schrieb vor, dass die Stellen nur mit demographisch geeigneten Kandidaten besetzt wurden. Pieter war daher der einige Weiße im Team.”
8 %

Kurz darauf taucht eine zweite Leiche auf, die vermuten lässt, dass auch die Gangs aus den Townships in die Angelegenheit verwickelt sein könnten. Mitten in diesem Pulverfass muss sich Captain Pieter Strauss mit der Hilfe seines Profiler-Freundes Nick Aquilina auf die Suche nach einem Täter machen, der offensichtlich ein ausgezeichneter Schütze ist und äußerst umsichtig vorgeht.

Wie bereits erwähnt hat die Autorin die Fähigkeit, den Leser sehr tief in ihre Geschichten hineinzuziehen. Dies gelingt ihr in meinen Augen besonders gut bei den Szenen, in denen sie das Leben in den Townships beschreibt. Szenen, die man nicht so einfach vergisst …

Wer schon einmal diese Behausungen mit eigenen Augen gesehen hat, wird wissen, was ich meine. Kapstadt hat sich ja mittlerweile für Touristen zu einem sehr beliebten Reiseziel entwickelt, da der Zubringer vom Flughafen zur Stadt aber direkt an den Townships vorbeiführt, ist die Armut nicht zu übersehen.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass Joyce viele heimische Namen und Bezeichnungen aus dem Afrikaans in ihren Roman eingearbeitet hat, nicht alle Begriffe haben sich mir erschlossen, aber dafür gibt es Gott sei Dank ein kleines Glossar am Ende. Auch das Nachwort möchte ich empfehlen, da hier die Autorin ein wenig auf ihre Recherchen für das Buch eingeht. Zwar existiert Chopine als Unternehmen nicht, aber die Parallelen zu dem schweizerischen Konzern Nestlé sind unübersehbar.

Noch etwas zum Krimi: Wer die Bücher der Autorin kennt, weiß, dass sie gerne Ereignisse aus der Vergangenheit in ihre Geschichten verwebt. Dies ist in diesem Buch nicht der Fall, der Roman spielt ausnahmslos in der Gegenwart. Auch Fans von Pauline und Ben werden dieses Mal wohl ein wenig enttäuscht sein, denn die beiden kommen zwar vor, werden aber ziemlich zu Randfiguren degradiert (was ich doch ein klein bisschen schade fand, weil ich die zwei wirklich lieben gelernt habe).

Immerhin blieb für mich dieses Mal die Identität des Mörders im Dunkeln, auch wenn ich recht früh ein Gefühl für das Motiv hatte. Das Ende – und damit die Auflösung – kam für meinen Geschmack allerdings ein wenig überhastet, hier hatte ich das Gefühl, dass die Autorin ganz bewusst einiges in der Luft hängen gelassen hat, vermutlich in Hinblick auf eine Fortsetzung.

Mein Fazit:

“Tod am Kap” ist im Vergleich zu den früheren Romanen der Autorin deutlich düsterer, das Locker-Leichte der früheren Romane ist hier kaum zu finden. Wer sozialkritische Krimis in fernen Ländern mag, wird auf jeden Fall mit diesem Buch seine Freude haben.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 340 Seiten
  • via tolino media
  • 978-3739419626
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Rezension Valentin Senger – Kaiserhofstraße 12

Auf dieses Buch wurde ich mit meinen Recherchen im Zusammenhang mit “Frankfurt verboten” das erste Mal aufmerksam, bei mir einziehen durfte es dann bei meinem letzten Frankfurt-Besuch, als ich es zufällig beim Hugendubel entdeckte. Im Gegensatz zu “Frankfurt verboten” erzählt es allerdings eine wahre Lebensgeschichte …

Der Klappentext:

Es sind die dreißiger Jahre: In der Kaiserhofstraße in Frankfurt am Main leben Schauspieler, Transvestiten, Freudenmädchen, Burschenschaftler – und die Familie Senger. Als Kommunisten und Juden mussten sie aus dem zaristischen Russland fliehen und haben hier ein neues Zuhause gefunden – bis Adolf Hitler 1933 die Macht ergreift. Valentin Sengers Mutter Olga erkennt früh den Ernst der Lage: Mit gefälschten Papieren verschleiert sie die Spuren ihrer Herkunft …

Meine Meinung:

Ich gebe zu, so ganz genau wusste trotz des Klappentexts ich nicht, worauf ich mich hier einlasse, obwohl ich das Buch schon angelesen hatte. So war mir beispielsweise nicht bewusst, dass diese Memoiren in Form von kleinen Episoden erzählt werden. Episoden, in denen der Autor zuerst seine Familie und dann sein Leben als Kind in der Kaiserhofstraße in Frankfurt vorstellt.

Dabei springt er in der Zeit immer wieder ein klein bisschen vor und zurück, legt den Schwerpunkt auf verschiedene Begegnungen, denen er rückblickend sehr viel Wert beimisst. Die Mutter beispielsweise sorgt nach und nach dafür, dass die Familie in den einschlägigen Listen der Nazis nicht mehr auftaucht. Hilfe erhält sie dabei von einem Polizeibeamten, der Zugriff auf die Einwohnermeldedaten hat:

“Man könnte mit Recht fragen, was den Polizeimeister Kaspar veranlasst hat, eine so riskante Korrektur an unserer Einwohnermeldekarte vorzunehmen. Ich weiß es, bei Gott, nicht. Er tat es einfach.”
Seite 91

Und in dieser Art geht es weiter. Senger vermischt in seinem Rückblick sowohl Persönliches (erste Liebe, erster Freundin, erster Sex), Familiäres als auch Politisches (zumindest soweit es die Familie betrifft). Manches kommt in meinen Augen dabei aber auch zu kurz, vielfach hatte ich das Gefühl, trotz der Details nur einen gewissen Einblick in das Leben der Familie zu bekommen …

Der Schwerpunkt des Buchs liegt definitiv darauf, dass alle Familienangehörige immer wieder in Situationen kommen, die unter normalen Umständen wohl lebensgefährlich gewesen wären. Sei es beim Spielen mit den Kindern der Nachbarn, die sich später als glühende Nazis entpuppten, sei es bei den Untersuchungen beim Arzt oder bei den späteren Arbeitskollegen, wo Senger eine Lehre als technischer Zeichner macht.

Die Geschichte der Sengers wurde oft als Wunder bezeichnet, ein Wunder, dass es ihnen gelungen ist, mitten in Frankfurt tatsächlich unbehelligt zu bleiben und zu überleben. Was auch immer es ist: Es ist auf jeden Fall ein Zeugnis dafür, dass trotz der Angst vor dem Nazi-Regime bei vielen Menschen doch so viel Mut geblieben ist, bewusst oder unbewusst wegzusehen, wenn ihnen bei Familie Senger etwas nicht – um es mit einem jüdischen Ausdruck zu sagen – koscher vorkam.

Senger reflektiert in dem Buch aber auch die Beziehung zu seiner Mutter, die trotz aller Liebe nicht immer einfach war. Mehrfach kritisiert er ihre Erziehung, ist der Meinung, dass sie ihre Kinder zu kriecherischen Duckmäusern erzogen hat, die ihr Judentum verleugnen mussten. Er versteht zwar, warum sie so gehandelt hat, stellt aber generell in Frage, warum sich die Juden durch die Jahrhunderte nicht mehr gegen die Willkür der Regierenden gewehrt haben:

“In meiner Zeit sind Millionen Juden ohne Gegenwehr in die Gaskammern gezogen. Sie wussten, sie gingen in den Tod, und doch leisteten sie keinen Widerstand, waren wie gelähmt. Ich habe von keinem Fall gehört, dass sie Knüppel genommen und auf ihre Peiniger eingeschlagen oder sie mit bloßen Händen erwürgt hätten. Was hatten sie schließlich noch zu verlieren!”
Seite 111

Eine Frage, die ich mir auch immer wieder gestellt habe, wenn ich mich mit der Zeit beschäftigt habe, auf die es letztlich aber wohl keine Antwort gibt. Und die eigentlich nur den Wunsch übrig lässt, dafür zu sorgen, dass sich so etwas in dieser Form nie mehr wiederholen kann …

Eine Anmerkung noch zum Ende: Da das Buch doch einen relativ offenen Schluss hat, enthält das Buch ein Nachwort, in dem darauf hingewiesen wird, was Senger nach dem Krieg gemacht hat, ehe er 1997 starb. Trotzdem bleibt das Gefühl, nur einen recht kleinen Einblick in das Leben eines Menschen erhalten zu haben, dem etwas gelang, was wirklich Seltenheitswert hatte – mitten im Herzen Deutschlands das Nazi-Regime zu überleben.

Mein Fazit:

“Kaiserhofstraße 12” erzählt in Episoden die Kindheit und Jugend Valentin Sengers, dem es mit seiner jüdischen Familie gelang, das Nazi-Regime fast unbeschadet zu überstehen. Das Buch wird damit zu einem sehr persönlichen Zeugnis eines Lebens, das man so in dieser Form wohl nicht so oft finden wird, das aber auch an manchen Stellen ein wenig einseitig rüberkommt.

  • ★★★★
  • Taschenbuch
  • 320 Seiten
  • S. Fischer Verlage
  • 978-3596190577
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Rezension Sebastian Fitzek – Das Joshua-Profil

Der Sebastian Fitzek und ich – wer mich kennt, weiß, dass ich zu Deutschlands bekanntestem Thrillerautor ein recht ambivalentes Verhältnis habe. Manche seiner Bücher mochte ich, seine allerersten fand ich vor zehn Jahren noch sehr genial und manche habe ich bis heute nicht fertig gelesen …

Nachdem ich allerdings die Verfilmung von “Das Joshua-Profil” gesehen hatte (und nur mäßig gelungen fand), wollte ich dann doch wissen, wie gut das Buch im Vergleich zum Film abschneidet.

Der Klappentext:

Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen.

Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß … im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist.

Meine Meinung:

Bedingt durch den Film wusste ich natürlich bereits, worauf der Klappentext anspielt, aber ich schätze, das wird nicht jedem so gegangen sein, als das Buch seinerzeit erschien. Es scheint sich allerdings ein gewisses Schema durch die Veröffentlichungen zu ziehen, denn die action-lastigeren Geschichten finden sich eher bei Bastei Lübbe als die Psychothriller.

Denn wie bei “Noah” zieht Fitzek auch hier das Tempo bereits nach kurzer Zeit an und man rast nur so durch den Roman. Max Rhode wird als mäßig erfolgreicher Schriftsteller eingeführt, der mit Ehefrau Kim ein zehnjähriges Pflegekind namens Jola hat. Die Geschichte beginnt mit einem Anruf, als Max gerade mit seiner Tochter unterwegs ist. Dieser lotst ihn zu einem sterbenden Mann, der ihm eine rätselhafte Botschaft zukommen lässt: “Joshua hat dich auserwählt”.

Von nun an überschlagen sich die Ereignisse. Denn wer ist Joshua? Und was will er von Max und seiner Familie? Während Max herauszufinden versucht, was eigentlich los und wer Joshua ist, verschwindet Jola aus Max’ Auto spurlos. Dem nicht genug, versucht auf einmal jemand sehr hartnäckig, Max dazu zu bringen, den Kopf zu verlieren …

Man sieht, der Roman hat eigentlich alles, um zu einem wirklich spannenden Thriller zu werden. Trotzdem konnte mich das Buch nicht so sehr einfangen, wie ich es eigentlich erwartet hatte. Ich weiß nicht genau, ob das damit zusammenhing, dass ich schon wusste, welche Themen Sebastian Fitzek in dieser Geschichte verarbeiten würde oder mit den Figuren selbst, mit denen ich nicht so recht warm wurde.

Gerade Max als Hauptfigur war für mich oft überhaupt nicht greifbar, Tochter Jola dagegen handelte für meinen Geschmack an vielen Stellen viel zu erwachsen, auch wenn sie anfangs als sehr intelligent geschildert wurde. Selbst Erwachsene würden da wohl bei vielen der Ereignisse, die sie durchleben musste, in Panik geraten, denke ich.

Gut gefallen dagegen haben mir die Nebenfiguren. Max’ Bruder Cosmo ist zwar pädophil, man merkt ihm aber an, dass er selbst damit nicht glücklich ist … Und auch Max’ Freund, den Anwalt Christoph Marx (genannt Toffi),  fand ich in seiner direkten und manchmal etwas schnoddrigen Art sehr sympathisch.

Die Themen, die Fitzek in seinem Buch anschneidet, sind auch drei Jahre nach Erscheinen des Buchs aktueller denn je, denn den Begriff “Predictive Policing” kenne ich auch erst seit kurzer Zeit. Was sich im ersten Moment wie an die SF-Geschichte (und den Film) “Minority Report” angelehnt anhört, ist alles andere als erfunden. Fakt ist: Der Schritt ist nur noch sehr klein, bis das Szenario aus Fitzeks Roman wohl wahr werden dürfte.

Das Ende stellt vermutlich gerade für IT-Fremde noch einmal eine gewisse Überraschung dar. Ich dagegen hatte aber schon die ganze Zeit das Gefühl, dass da noch etwas Bestimmtes kommen würde (was, werde ich jetzt nicht verraten, sorry, aber sonst Spoilergefahr) – und so war es dann auch. So gesehen war für mich das Finale etwas durchwachsen, aber ich darf in dem Fall mit meinem technischen Vorwissen nicht auf andere Leser schließen, auf die die Auflösung wohl anders gewirkt haben dürfte.

Mein Fazit:

Wer temporeicher Action-Thriller mag, kann mit “Das Joshua-Profil” sicher nicht viel falsch machen. Die Themen, die Fitzek verarbeitet hat, sind aktuell und lassen den durchschnittlichen Leser bestimmt nachdenklich zurück. Ich für mich hatte allerdings Probleme, mit den Figuren warm zu werden, fand sie an vielen Stellen nicht greifbar. Daher 3,5 Sterne, die ich der Einfachheit halber auf vier aufrunde.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 428 Seiten
  • Bastei Lübbe
  • 978-3-7325-1271-3
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Rezension Sophie Oliver – Die Gentlemen vom Sebastian Club

Derzeit haben es mir historische Krimis (wieder einmal) angetan. Deswegen zögerte ich auch nicht lange, als ich “Die Gentlemen vom Sebastian Club” entdeckte.

Mit viktorianischen Krimis verbinde ich meistens Geschichten in London, finsteren Gassen, Nebelschwaden, Grusel, aber auch interessante Figuren, die in irgendeiner Form ihrer Zeit voraus sind, da das 19. Jahrhundert ja einen enormen gesellschaftlichen Umschwung mit sich gebracht hat.

Zum Inhalt:

1895 erschüttert eine Mordserie London, die Opfer scheinen auf den ersten Blick nicht wirklich etwas gemeinsam zu haben. Da Scotland Yard mit den Ermittlungen nicht weiterkommt, schalten sich die ehrenwerten Mitglieder vom Sebastian Club ein und suchen auf eigene Faust nach dem Täter. Mit dabei: Freddie Westbrook, ein neues Mitglied, das ein eigenes Geheimnis hat …

Meine Meinung:

Sophie Oliver schafft es, den Leser innerhalb kürzester Zeit in ihre Geschichte zu ziehen. Der Hauptfigur Freddie verpasst sie dabei einen sehr interessanten Hintergrund, der Freddie anders denken und handeln lässt als die meisten Personen dieser Zeit. Durch die Verbindungen des Onkels Lord Philip Dabinott wird Freddie gleich zu Beginn in den “Gentlemen’s Club” aufgenommen und in die Ermittlungen hineingezogen.

Und dieser Fall hat es in sich: Ein geheimnisvoller Unbekannter foltert seine Opfer auf der Suche nach einer bestimmten Information mit Daumenschrauben, ehe er sie tötet und dann an einem anderen Ort ablegt. Als Leser ist man zu Beginn den Ermittlern noch ein klein wenig voraus, dies legt sich aber nach und nach. Wer ist der Unbekannte? Und wonach sucht er? Diese Fragen ziehen sich vor allem in der ersten Hälfte wie ein roter Faden durch die Geschichte.

Neben dem Krimi bekommt man aber auch jede Menge Informationen über das London dieser Zeit quasi nebenher serviert. Ganz gleich, ob man die Ermittler auf ihren Wegen oder bei ihren Recherchen begleitet, man merkt dem Buch an, dass die Autorin sehr viel Zeit in die Recherche gesteckt hat, um die Stadt in dieser Epoche lebendig werden zu lassen. Und einmal mehr drängte sich mir der Gedanke auf, dass man es sowohl als Frau als auch ohne Geld nicht leicht gehabt hat …

Der Schreibstil ist einfach, die Geschichte lässt sich somit sehr schnell und flüssig lesen, auch wenn ich mir an der einen oder anderen Stelle ein paar Details mehr gewünscht hätte. Am deutlichsten stach mir das bei den Dialogen ins Auge, die manchmal für meinen Geschmack etwas abrupt endeten. Das erhielt zwar die Spannung, kam für mich zeitweise aber etwas holprig rüber.

Das Finale konnte für mich allerdings mit einer kleinen Überraschung aufwarten, das hätte ich so in dieser Form nicht erwartet. Allerdings sollte man sich auf einen Cliffhanger gefasst machen, denn das Ende leitet eigentlich schon zu einer neuen Geschichte über, die es so in dieser Form im Moment (noch?) nicht gibt.

Mein Fazit:

Wer einen lockerleicht und flüssigen Krimi sucht, der im viktorianischen Zeitalter spielt, kann mit diesem Buch nicht viel falsch machen.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 280 Seiten
  • Dryas Verlag
  • 978-3941408999
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Rezension Kristina Günak – Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt

Wer mich kennt, weiß, dass ich mit vielen Liebesgeschichten oft auf Kriegsfuß stehe, weil ich sie oft für übertrieben und unrealistisch halte.

Die liebe Nise von Kitsunebooks hat diesen Roman allerdings schon vor einer Weile empfohlen, weswegen ich jetzt beschlossen habe, dieser Geschichte eine Chance zu geben, mich von sich zu überzeugen.

Der Klappentext:

Bea Weidemann kann es nicht fassen: schlimm genug, dass ihr kleiner Verlag in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Aber dass sie nun als Tim Bergmanns persönliche Anstandsdame abgestellt wird und mit ihm den Verlag retten soll, ist einfach zu viel für die junge PR-Referentin.

Denn der schwierige Bestseller-Autor lässt sich von nichts und niemandem etwas vorschreiben – und ist genau die Sorte Mann, um die Bea sonst einen weiten Bogen macht. Herzklopfen hin oder her. Doch während sie versucht, das Chaos von Tim – und sich – abzuwenden, merkt sie bald, dass auch die Liebe absolut nichts von ihren Plänen hält.

Meine Meinung:

Der Klappentext gibt in meinen Augen eigentlich nur unzulänglich wieder, was den Leser (oder in meinem Fall den Hörer) bei diesem Roman erwartet. Denn er lässt darauf schließen, doch nur einen der vielen Chicklit-Romane zu bekommen, die den Markt schon so lange dominieren. Die Wirklichkeit sieht Gott sei Dank ganz anders aus.

“Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt” ist meiner Meinung nach endlich mal eine Liebesgeschichte, die so in dieser Form wirklich passieren könnte. Eine Geschichte, die nicht schon nach den ersten Seiten in Instalove und Gefühlsschmalz ertrinkt.

Eine Geschichte von zwei Menschen, die beide aufgrund ihrer Erfahrungen ihr Päckchen zu tragen haben, die auf ihre Weise aber das Beste aus der Situation gemacht haben. Zwei Menschen, die sich unter normalen Umständen nie und nimmer begegnet wären und die sich anfangs auch nicht leiden können, sich dann aber aneinander gewöhnen und schließlich lieben lernen.

Wer hier die ganz großen Gefühle erwartet, wird enttäuscht werden. Wer aber auf die leisen Töne der Liebe steht und gerne verfolgt, wie die Liebe zwischen zwei Menschen langsam entsteht, wird hier seine Freude haben. Gewürzt wird das Ganze durch eine wunderbare Prise Humor, ein ganz klein bisschen Chicklit (Ganz ohne Klischees kommt der Roman nicht aus, aber es hält sich in meinen Augen in Grenzen) und die zum Teil etwas schrulligen, aber sympathischen Nebenfiguren.

Einzig und allein ein bisschen mehr Länge hätte ich mir bei der einen oder anderen Szene gewünscht. So manches kam dabei etwas kurz, was mehr Tiefe verdient hätte. Gerade über Beas Familie hätte ich gerne ein bisschen mehr erfahren, genauso kam mir auch Tims Hintergrund ein bisschen zu kurz. Aber die Chemie zwischen den beiden Protagonisten machte das durchaus wett und es war mir wirklich eine Freude, Beas und Tims Dialoge zu verfolgen (vor allem am Anfang musste ich sehr, sehr viel grinsen :D).

Das Hörbuch ist bei Audible als ungekürzte Fassung erhältlich. Die Sprecherin macht eine gute Arbeit und ihre Stimme passt zur Hauptfigur, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Beas Art unterstützt sie dabei sehr gekonnt, besonders die Gefühle in den Dialogen fand ich überzeugend vorgetragen.

Mein Fazit:

“Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt” ist meiner Meinung nach eine wohltuende Abwechslung in dem unendlichen Meer der Liebesromane. Wer sich wie ich einen Roman wünscht, in dem das Entstehen der Liebe realistisch beschrieben wird, kann mit diesem Buch nichts falsch machen.

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 439 Minuten
  • Audible Studios
  • B0783Q89RZ
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(Kurz)Rezension Ellen Sandberg – Die Vergessenen

Auf „Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg wurde ich bereits vor einiger Zeit durch verschiedene Blogger aufmerksam. Da das Thema Euthanasie im dritten Reich auch in meinen Augen immer wieder zu kurz kommt, war ich froh, als ich entdeckte, dass es das Buch auch als Hörbuch (wenn auch gekürzt) gibt.

Der Klappentext:

Das Böse verjährt nie
Manolis Lefteris erhält 2013 den Auftrag, geheimnisvolle Akten in seinen Besitz zu bringen. Er ahnt nicht, dass er im Begriff ist, ein Verbrechen aufzudecken, das weit in der Vergangenheit liegt. Die Spur führt ihn zu Kathrin Mändler, die sich, als sie 1944 eine Stelle als Krankenschwester annimmt, zum ersten Mal in ihrem Leben nützlich fühlt. Als sie dem charismatischen Arzt Karl Landmann begegnet, merkt sie zu spät, worin seine Arbeit besteht und dass diese das Leben vieler Menschen bedroht – auch ihr eigenes.
Gelesen von Thomas M. Meinhardt.

Meine Meinung:

Ellen Sandberg gelingt es meiner Meinung nach hervorragend, die Vergangenheit (Kathrin als junges Mädchen in Winkelberg) mit der Gegenwart zu verknüpfen, wo sich Kathrins Nichte Vera daran macht, die Ereignisse von damals aus dem Dunkel des Vergessens und der Geheimnisse zu ziehen. Gleichzeitig arbeitet sie die Figur von Manolis Lefteris hinein, der zwar in Deutschland aufgewachsen, durch seinen griechischen Vater aber selbst in die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg hineingesogen worden ist.

Dieses Gespann ist es auch, was die Geschichte wirklich interessant macht, denn die Erinnerungen von Kathrin an 1944 nehmen einen weniger hohen Anteil in der Geschichte ein, als es zunächst den Anschein hat. Beide Protagonisten kommen im Verlauf der Geschichte in der Gegenwart an ihre Grenzen und müssen Entscheidungen treffen, wie sie mit dem umgehen, was sie erfahren.

Der Leser ist immer hautnah dabei, deswegen fiel es mir gegen Ende wirklich schwer, die beiden gehen zu lassen. Ein gewisses Gefühl blieb, dass es da noch mehr zu erzählen gibt, dass das Ende eigentlich erst ein Anfang ist.

Zum Hörbuch: Thomas Reinhardt liest das Hörbuch meiner Meinung nach sehr gut, die Kürzungen sind mir beim Hören nicht wirklich aufgefallen. Und bei einer Länge von gut zehn Stunden kann eigentlich auch nicht vieles gekürzt worden sein …

Mein Fazit:

Eine spannend inszenierte Geschichte, die in meinen Augen eigentlich nach einer Fortsetzung schreit, da in meinen Augen nicht alle offenen Fragen zufriedenstellend beantwortet wurden.

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 607 Minuten
  • Der Hörverlag
  • 978-3844527186
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