Rezension Alia Cruz – Art Hunter “Gestohlenes Herz”

Die bibliophile Befreiungsfront alias BBF hat wieder zugeschlagen! Unter diesem Namen hat sich eine kleine, aber feine Gruppe von Leuten auf Twitter zusammengetan, um gemeinsam Bücher zu lesen und zu besprechen. Unter dem Hashtag #bbfliest fassen wir gewöhnlich unsere Eindrücke zu den Büchern zusammen … In diesem Zusammenhang landete Art Hunter “Gestohlenes Herz” auf unserem Radar, der erste Teil einer Reihe.

Der Klappentext:

Sie sind Kunstdiebe und nennen sich die ‘Art Hunter’.
Doch sie stehen auf der Seite des Gesetzes und stehlen im Auftrag von Museen, um Sicherheitslücken aufzudecken. Das Besondere daran? Jeder von ihnen ist mit einer ganz speziellen Fähigkeit ausgestattet.

Kunstdiebe planen die Mona Lisa zu stehlen. Art Hunter Christophe Ledoux wird daher als Wachmann in den Louvre eingeschleust. Dort trifft er auf die Touristenführerin Claire und die Funken sprühen auf Anhieb. Doch ihre Liebe steht unter keinem guten Stern, denn Christophe muss seine wahre Identität vor ihr verbergen und Claire hütet ein tödliches Geheimnis. Als die Mona Lisa gestohlen wird, glaubt Claire, dass Christophe der Dieb sei und ist tief enttäuscht von ihm. Als sie jedoch in tödliche Gefahr geraten muss sie sich entscheiden ob sie ihrem Herzen, oder ihrem Verstand folgen soll.

Meine Meinung:

Schon der Klappentext ließ darauf schließen, ein ganz besonderes Schmankerl der Unterhaltungsliteratur vorzufinden. Kunstdiebe, Louvre, Liebesgeschichte, Tod und Gefahr – und spezielle Fähigkeiten? Ein bunter Mix, auf den wir uns dieses Mal einlassen wollten. Ich sage absichtlich “wollten”, denn bereits nach den ersten Seiten war klar, was uns hier erwarten würde.

Um es gleich mal vorab zu sagen: Wer sich etwas Neues erwartet, ist fehl am Platz. Das geht so weit, dass ich gerade bei den erotischen Szenen das Gefühl hatte, die eine oder andere Formulierung doch schon in anderen Büchern gelesen zu haben. Hervorschnellende Zungen, Blitze im Unterleib und Penisse, die jeden Uterus sprengen würden – schon bei Audrey Carlan fand ich diese Wendungen nicht erotisch, beim besten Willen nicht.

[SPOILER Anfang]
Nachdem es aber hier nicht nur um Liebe und Sex geht, bedient sich die Autorin noch munter weiter bei anderen Genres, ein klein bisschen X-Men (Die Art Hunter haben zwar alle Fähigkeiten, dürfen sie aber nicht wirklich einsetzen?), ein bisschen Thriller im Stil von Hannibal Lecter (ja, auch der Serienkiller darf nicht fehlen!) und ein im Geheimen agierenden Gegner, der geistig ein bisschen gaga ist und natürlich die Art Hunter alle komplett vernichten will (Blofeld aus James Bond lässt grüßen).
[SPOILER Ende]

Dieser bunte Mix kann aber nicht verhindern, dass man bereits nach den ersten Seiten erahnen kann, wie die Geschichte enden wird. Der eher platte Schreibstil trägt außerdem sein Scherflein dazu bei, dass man schon bald Lust bekommt, zu blättern, zu blättern und noch mehr zu blättern … Hölzerne Dialoge, Protagonisten, die blaß und farblos bleiben, keinerlei Tiefe bekommen, und Nebenfiguren, die zu reinen Stichwortgebern degradiert werden – so in etwa kann man meiner Meinung nach zusammenfassen, was einen hier erwartet.

Dies alles trägt nicht dazu bei, dass man sich in diesem Buch wirklich wohlfühlen kann. Schade eigentlich, denn ich finde, man hätte aus der Geschichte schon etwas machen können. Die fragwürdigen Fakten, die uninspirierten Sexszenen und dieser wilde, unausgegorene Genre-Mix sorgen allerdings dafür, dass ich kein weiteres Buch dieser Reihe lesen werde.

Mein Fazit:

Aus der Idee zu “Art Hunter” hätte man sicherlich etwas machen können, so aber wirkt der Roman eher lieblos aus anderen Genres zusammenkopiert und hat mich nicht wirklich ansprechen können.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 300 Seiten
  • Sieben Verlag
  • 978-3864436253
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Rezension Shana Gray – Diamond Men “Mr. Monday”

“Diamond Men – Versuchung pur” von Shana Gray ist im Original unter dem Titel “Working Girl” erschienen. Die Geschichte erscheint bei uns auf zwei Arten, entweder als Taschenbuch Anfang Dezember oder als siebenteilige Reihe als E-Book.

Die E-Book Ausgaben sind sehr kurz, jede enthält etwa 50 Seiten und beschreibt jeweils einen Wochentag bzw. einen der “Diamond Men”.

Klappentext laut Verlag:

Sieben Tage – sieben Prüfungen – sieben unwiderstehliche Männer! Für wen wird Tess sich entscheiden?

Tess‘ einziger Wunsch? Rache! Diamond Enterprises hat ihren Vater ruiniert und sie will es dem Konzern heimzahlen. Deshalb bewirbt sie sich als Assistentin des Firmenbosses. Eine Woche soll sie nun täglich bei einem anderen Chef vorstellen.

Teil 1:
Das erste Bewerbungsgespräch mit dem faszinierenden Mr. Monday, der sie in einem Helikopter entführt, lenkt Tess gefährlich von ihren Vergeltungsplänen ab …

Meine Meinung:

Nachdem diese Reihe für Fans von “Calendar Girl” beworben wird, ist eigentlich ziemlich klar, worauf man sich hier beim Lesen einlässt. Wer meine Rezensionen verfolgt hat, weiß, dass “Calendar Girl” für mich in gewisser Weise ein rotes Tuch darstellt, aber so ganz so weltfremd liest sich der Auftakt zu “Diamond Men” im Vergleich Gott sei Dank doch nicht. Ich wurde in gewisser Weise sogar positiv überrascht, aber dazu später mehr.

Dass die Protagonistin Tess heißt, erfahren wir eigentlich nur aus dem Klappentext, da die Geschichte komplett in der Ich-Person erzählt wird. Recht ausführlich wird beschrieben, welche Absichten Tess verfolgt, sich bei Diamond Enterprises zu verfolgen (Für meinen Geschmack für die Kürze dieses E-Books fast ein bisschen zu oft). Darüber hinaus gibt es die üblichen Beschreibungen ihrer Kleidung, ihres Taschen-Ticks und so weiter (lediglich die ultrahohen High Heels habe ich vermisst).

Der Schreibstil ist einfach, die knapp über 50 Seiten lassen sich daher sehr rasch lesen. Wer sich in Sachen Erotik vom Stil her etwas Neues erwartet, wird bestimmt aber herb enttäuscht werden, denn Shana Gray verwendet die mittlerweile schon fast üblichen Beschreibungen dafür, wie heiß “Mr. Umwerfend” doch ist (Wie er wirklich heißt, erfahren wir in diesem ersten Teil nicht).

“Ich schnappte nach Luft, als ich den Mann dort erblickte. Mein Herz begann heftig zu klopfen, und meine Nerven flatterten”.
8%

Ich schätze, ihr könnt euch vorstellen, was ich meine.

[SPOILER ANFANG]
Überrascht hat mich allerdings doch etwas: Obwohl sich Tess – wie anscheinend alle Erotik-Protagonistinnen – bei seinem Anblick in einen sabbernden Teenager verwandelt, kommt es doch nicht zum Äußersten – vielleicht weil das E-Book einfach zu kurz ist?
[SPOILER ENDE]

Dem Ende merkt man deutlich an, dass dieses E-Book nur ein Siebtel einer Geschichte ist, es hört eigentlich mitten in einer Szene auf, um den Leser dazuzubringen, sich den nächsten Teil zu holen. Die knapp über 50 Seiten sind daher eher als Auftakt zu einer Handlung zu verstehen, die erst noch in Fahrt kommen muss.

Mein Fazit:

Diamond Men “Mr. Monday” ist erste Teil einer Reihe, die vom Aufbau her an “Calendar Girl” angelehnt ist. Wer gerne Erotik liest und für zwischendurch ein bisschen was Prickelndes zum Abschalten sucht, kann mit der Reihe vermutlich nicht viel falsch machen.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 52 Seiten
  • MIRA Taschenbuch
  • 978-3955767655
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Rezension Jennifer Wellen – Lost in Pain

“Lost in Pain” ist im Vergleich zu den früheren Büchern von Jennifer Wellen anders. Anders in dem Sinn, dass wir hier nicht eine Liebesgeschichte vorgesetzt bekommen, die fluffig und leicht ist. Im Gegenteil, in dieser Geschichte geht es auch durchaus um ernste Themen, um Menschen, die es im Leben nicht leicht hatten.

Bisher kenne ich die Autorin ja ausschließlich durch ihre ChickLit-Romane wie “Katerfrühstück mit Aussicht” oder “Liebe ist wie eine Goodie-Bag”, aber es hat Spaß gemacht, mich mit der Autorin auch einmal auf neue Pfade zu begeben.

Zum Inhalt:

Catlin ist in Waisenhaus aufgewachsen und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben: Mit kleinen Betrügereien finanziert sie ihr Leben, bleibt nie lange an einem Ort.

Eines Tages erhält sie einen Brief, der ihr einen Hinweis gibt, wo sie ihre Mutter finden kann. Da sie aber aufgrund ihrer Klaustrophobie es nicht lange in engen Räumen aushält, stöbert sie ihren früheren Freund Nick aus dem Heim auf und überredet ihn, mit ihr quer durch die USA zu fahren. Verfolgt von einem Catlins Opfer, beginnt für die beiden ein Roadtrip quer durchs Land, der sowohl Catlins als auch Nicks Gefühle gehörig durcheinander bringt …

Meine Meinung:

Jennifer Wellen steigt zügig in die Geschichte ein: Wir lernen Catlin kennen, wie sich an eines ihrer Opfer heranmacht und ihm unter anderem einen wertvollen Ring entwendet. Dazu ist ihr jedes Mittel recht, als Leser merkt man aber schon bald, dass sich unter der abgebrühten Fassade eine empfindsame Frau verbirgt, die verschiedene Wunden aus ihrer Vergangenheit noch nicht verarbeitet hat.

In Schwung kommt die Handlung, als sie mit Nick sich auf den Weg macht, um ihre Mutter zu finden. Nick war bereits während ihrer gemeinsamen Zeit im Heim in Catlin verliebt und hat seine Gefühle für sie nie wirklich aufgegeben. Catlin dagegen wehrt sich gegen die Gefühle – und ihre Erinnerungen. Trotzdem bleibt Nick ihr innerer Zwiespalt nicht lange verborgen und versucht, ihr zu helfen.

Catlins Opfer Will nimmt im Verhältnis eine eher kleinere Rolle ein, setzt aber alle Hebel in Bewegung, um Catlin aufzuspüren, um seinen Ring wiederzukommen. Er geht dabei nicht unbedingt zimperlich vor und entpuppt sich im Verlauf der Handlung als ziemlich unsympathischer Mensch. Es bereitete mir daher beim Lesen immer wieder diebische Freude zu beobachten, wie wenig seine Versuche, Catlin zu finden, von Erfolg gekrönt sind.

Nachdem wir hier einen Liebesroman vor uns haben, verwundert es natürlich nicht, dass Catlin und Nick sich gegenseitig noch immer attraktiv finden. Ein klein wenig hat es mich aber doch überrascht, dass die beiden bereits nach dem ersten Drittel der Handlung miteinander Sex haben. Aufgrund von Catlins Problemen hätte ich eigentlich mit weniger Sex und mehr Gefühlen gerechnet, aber das tat der Lesefreude keinen Abbruch.

Es machte mir wirklich Spaß, die beiden zu beobachten, Nicks freundliches Wesen, das er sich trotz der Enttäuschungen bewahrt hat, und Catlin, die langsam, aber sicher auftaut, sich aber schwer tut, sich ihre eigenen Gefühle einzugestehen.

Als Leser ist man Nick nach einer gewissen Weile voraus, was Catlins Verschlossenheit angeht, denn man erfährt, was sie als Mädchen und junge Frau alles in dem Waisenhaus erdulden musste … Unter diesem Gesichtspunkt wird einem als Leser vieles klarer und ich bewunderte Catlin insgeheim sogar dafür, dass aus ihr so eine starke Persönlichkeit geworden ist.

Das Ende gefiel mir persönlich sehr gut, wenn es auch etwas anderes ausfiel als gedacht. Der Krimi-Aspekt rückte hier noch einmal in den Vordergrund und lässt sogar die Möglichkeit einer Fortsetzung zu. Ich bin gespannt, ob Jennifer Wellen uns diesen Gefallen tut.

Mein Fazit:

“Lost in Pain” ist eine wunderbare Liebesgeschichte, die zwei sehr interessante Figuren in den Vordergrund rückt. Der Krimi-Aspekt gibt der Geschichte noch eine zusätzliche spannende Note, die auch Raum für eine Fortsetzung lässt, auch wenn die Geschichte grundsätzlich abgeschlossen ist.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 336 Seiten
  • dp Digital Publishers
  • 978-3960875185
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Rezension Jennifer Wellen – Zum Teufel mit dir und der Liebe

Jennifer Wellen und ich – wir kennen uns schon seit ihrem Erstling “Katerfrühstück mit Aussicht”. Ich mag Jennifers lustigen und lockeren Schreibstil, deswegen hat es mich auch sehr gefreut, ihr neues Buch “Zum Teufel mit dir und der Liebe” zu lesen.

Zum Inhalt:

Luciana Angeli arbeitet als Assistentin für den Teufel. Obwohl es gewöhnlich ihre Aufgabe ist, Verträge mit Möchtegern-Schauspielern, Sportlern und anderen ehrgeizigen Menschen abzuschließen, trägt ihr der Teufel auf einmal auf, zu verhindern, dass Aaron Selbstmord begeht.

Aaron ist ein junger Arzt und hat vor einiger Zeit seine Familie verloren, deswegen sieht er keinen Sinn mehr im Leben. Obwohl Luciana die Gründe für diese neue Aufgabe nicht versteht, erfüllt sie sie gewissenhaft. Und schon bald kommt ihr Aaron näher, als sie wahrhaben will …

Meine Meinung:

“Zum Teufel mit dir und der Liebe” ist für mich der erste Roman, in dem Jennifer Wellen das gewohnte ChickLit-Genre verlässt. Denn Engel, Dämonen und Teufel finden sich gewöhnlich in diesem Bereich eher selten.

Aber schon auf den ersten Seiten hat mich die Autorin erfolgreich abgeholt: Gewohnt spritzig und unterhaltsam erzählt sie Lucianas Geschichte, wie diese zu ihrem Job bei Sam, dem Teufel, kam. Und auch der Teufel konnte durchaus gleich am Anfang einige Sympathiepunkte sammeln :).

Der Schreibstil wechselt in der Regel die Perspektive zwischen Luciana und Aaron. Aus diesem Grund fällt es einem nicht schwer, sich mit den beiden zu identifizieren und sie liebzugewinnen. Luciana macht den Job beim Teufel beispielsweise, weil sie ihre Tochter Rory ins Leben zurückholen wollte. Aaron dagegen ist vor allem am Anfang so unglaublich traurig, dass man ihn einfach nur in den Arm nehmen und ihn trösten möchte.

Jennifer Wellen gestaltet aber auch ihre Nebenfiguren sehr sympathisch, vor allem die Nachbarin Wendy und Tochter Rory tragen zeitweise ein ganz schönes Stück der Geschichte mit. Ein paar Dinge werden zwar recht vereinfacht dargestellt (dass sich Luciana und Aaron eigentlich über ein paar Ecken bereits kennen könnten), hinterlassen aber keinen zu konstruierten Eindruck.

Wer gerne Krimis liest, wird sich übrigens ebenfalls freuen, denn sogar ein paar Krimi-Elemente hat Jennifer in die Geschichte hineingepackt. Diese spielen zwar nur am Rande eine Rolle, sorgten aber dafür, dass ich als Fan des Genres zusätzlich bei der Stange gehalten wurde.

Lediglich mit dem letzten Viertel der Geschichte konnte ich mich nicht so recht anfreunden. Dieser Plottwist wirkte auf mich ein bisschen zu gewollt und zu dramatisch, um wirklich glaubhaft zu sein. Die Komik auf den allerletzten Seiten versöhnte mich dann allerdings wieder, weshalb ich das Buch trotzdem mit einem guten Gefühl beenden konnte.

Mein Fazit:

“Zum Teufel mit dir und der Liebe” ist eine romantische und spritzige Liebesgeschichte im Urban-Fantasy-Bereich, bei der aber auch die Komik nicht zu kurz kommt. Perfekt für heiße Sommertage, wenn man etwas Lockeres und Leichtes lesen möchte! Lediglich der letzte Plottwist sagte mir nicht so sehr zu …

  • ★★★★
  • E-Book
  • 243 Seiten
  • Feelings
  • 978-3426445051
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Rezension Erin Watt – Paper Princess

An diesem Buch derzeit vorbeizukommen, fällt echt schwer. Kunststück bei dem Hype, der um die (Noch)Trilogie gemacht wird. Ein Grund mehr, in einer gemeinsamen #bbfliest Leserunde das Buch genauer unter die Lupe zu nehmen (Das Ergebnis könnt ihr übrigens hier auf Storify genauer nachlesen).

Zum Inhalt:

Die 17jährige Ella schlägt sich nach dem Tod ihrer Mutter allein durchs Leben durch. Um finanziell über die Runden zu kommen, strippt sie in einschlägigen Bars, ehe Callum Royal – bester Freund ihres verstorbenen Vaters – sie als ihr Vormund nicht ganz freiwillig zu sich holt.

In der noblen Villa lernst sie Callums fünf Söhne Gideon, Reed, Easton, Sebastian und Sawyer kennen. Obwohl sich das neue Leben für Ella nicht wirklich als Zuckerschlecken entpuppt, ist Ella fest entschlossen, die Zeit zu nutzen, um ihren Schulabschluss zu machen …

Meine Meinung:

Schon als Paper Princess als Print-Ausgabe erschien, habe ich mal dank der Leseprobe online in das Buch reingelesen … Und bereits der Anfang mit Ellas Leben als Stripperin bescherte mir ein  Aufwärmtraining für meinen Augenroll-Nerv. Gibt es wirklich nichts anderes, um als Minderjährige nach der Schule Geld zu verdienen, um Arztrechnungen oder die Miete zu bezahlen? Und so jagt ein merkwürdiges Detail das nächste, je weiter man sich in diese Geschichte vorantastet.

Am Ende habe ich aufgehört zu zählen, wie oft ich bestimmte Dinge einfach nicht verstanden habe. Ganz egal ob es um ihre natürlich supertoll und heiß aussehenden neuen Brüder, den Vater, die Freundin des Vaters oder ihre neuen Schulkollegen geht: Alle verhalten sich Ella gegenüber mies. Die Brüder, die Ella am liebsten gleich wieder loswerden wollen, der Vater, der Ella mit einer Entführung gleich am Anfang zu ihrem Glück zwingt, die Freundin des Vaters, die die Söhne vor Ella begrapscht, und die neuen Schulkollegen, die Ella am liebsten gar nicht an der Schule haben wollen – alle haben irgendwie einen an der Waffel.

Als Persiflage könnte das alles, gespickt mit jeder Menge Klischees, ja noch witzig sein, aber meiner Meinung nach versucht dieses Buch tatsächlich, sich ernstzunehmen. Und unter diesem Gesichtspunkt sind viele Dinge zu verurteilen, die in diesem Buch entweder angerissen oder verharmlosend beschrieben werden. Ich könnte hier jetzt viele Beispiele nennen, für mich persönlich am schlimmsten war allerdings [Spoiler]die versuchte Vergewaltigung von Ella mittels MDMA. Die einzige Konsequenz, die gezogen wird, ist ein Streich, den die Royals dem potenziellen Vergewaltiger spielen – weder werden die Erwachsenen verständigt noch die Polizei informiert[/Spoiler].

Da wir uns auf Twitter zu dem Buch ausgetauscht haben, kam auch heraus, dass die Übersetzung zum Teil einige sehr grobe Schnitzer enthielt. An einer Stelle fiel mir auch ein falscher Name auf. Der Stil generell ist eher leicht und locker, zum Teil im Deutschen in meinen Augen auch gewollt flapsig. Bestimmte Metaphern entlockten mir zum Teil sogar ein unfreiwilliges Grinsen, denn der Vergleich einer männlichen Eichel mit einer Kugel Eis – darauf muss man erst mal kommen.

Wer sich von diesem Buch außerdem eine Handlung erwartet, wird herbe enttäuscht werden. Im Grunde ist es eine Aneinanderreihung an Szenen, wo man sich fragt, wozu man das eigentlich erzählt bekommt. Abgesehen davon, dass ich mit der Zeit immer weniger nachvollziehen konnte, warum Ella auf Reed, den mit Abstand miesesten Typen der ganzen Familie, steht.

Ganz im Gegenteil: Je mehr von der Familie offengelegt wurde, desto mehr grauste es mir vor dieser Sippe. Jeder normal denkende Mensch würde sich hier früher oder später denken, dass es das ganze Geld nicht wert ist, das Callum gleich zu Beginn Ella anbietet.

Einziger Lichtblick war zumindest am Anfang Ella, da sie eigentlich nicht auf den Mund gefallen ist. Aber sobald es um Reed mit seinen köstlichen Schrägmuskeln und seiner goldbraunen Haut geht, reagiert sie wie ein schüchternes, fast verschrecktes Huhn, das nicht mehr klar denken kann. Und wieder einmal musste ich mich fragen, was ist das bloß für ein Frauenbild, wo es einzig und allein darum geht, dass Männer und Jungs Geld und gutes Aussehen haben und natürlich die Superstars im Bett sind?

Neben diesen Äußerlichkeiten wies das Buch auch einen bemerkenswert hohen Level an Gewaltbereitschaft auf. Weder Ella noch die Royal-Jungs sind zimperlich, wenn es darum geht jemand anderen zu schlagen. Dass danach nicht einmal darüber gesprochen wird, warum es dazu kam, empfand ich wirklich als schlimm. Gewalt ist kein Weg – in keiner Form. In diesem Buch ist es aber ganz normal, sich zu prügeln, um Probleme zu lösen.

Noch ein paar Worte zum Schluss: Er überraschte mich nur bis zu einem gewissen Maß, denn auch dieses Buch folgt den mehr oder weniger ungeschriebenen Regeln, die Shades of Grey mit seinem Handlungsaufbau aufgestellt hat. Wer die Bücher gelesen hat, wird wissen, was ich meine.

Mein Fazit:

Mir erschließt sich ehrlich gestanden überhaupt nicht, warum dieses Buch so viele positive Bewertungen bekommen hat. Viele moralisch und ethisch mehr als verurteilenswerte Dinge werden in diesem Buch verharmlost und nicht richtig gestellt. Man kann es daher drehen und wenden, wie man will, aber mir fällt tastsächlich niemand ein, dem ich dieses Buch empfehlen würde …

Weitere Rezensionen:

Jürgen Albers
Monis Zeitreise
Laberladen.com
Kitsunes Welt der Bücher
I am Jane
Bücherverschlingen

  • ★★★★
  • Klappenbroschur
  • 384 Seiten
  • Piper
  • 978-3492060714
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Rezension Lisa McAbbey – Der Spion mit dem Strumpfband

Ich gebe zu, in letzter Zeit treibe ich mich gern bei Netgalley herum. Die Auswahl der E-Books wird mittlerweile immer größer und es ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Daher fand auch Lisa McAbbeys “Der Spion mit dem Strumpfband” über diese Plattform zu mir. Wer das Buch noch lesen möchte: Meine Rezension enthält einige Spoiler, daher aufpassen!

Zum Inhalt:

Clarissa Greenly, Tochter eines englischen Baronets, ist gezwungen, selbst Geld zu verdienen, um die Schulden ihres Vaters abzuzahlen. Aus diesem Grund arbeitet sie als Spionin für die sogenannte “Spinne”. Ihr nächster Auftrag: Ein Notizbuch zu beschaffen, das Beweise für den Verrat des Earls von Hawkhurst enthalten soll. Eigentlich ein Kinderspiel, wären da nicht die ungewohnten Gefühle, die der Earl in ihr auslöst …

Meine Meinung:

Ich mag historische Romane eigentlich sehr gern. Aber die richtig “großen” Geschichten sind für mich selten geworden, weil das Genre für meinen Geschmack viel zu sehr auf Liebesgeschichten in historischem Setting fixiert ist. Der “Spion mit dem Strumpfband” hörte sich für mich ebenfalls nach einer solchen Geschichte an, versprach allerdings neben der Liebe auch einen Abenteuer- bzw. Spionageroman.

Um es gleich mal vorab zu sagen: Ich hatte mir ein bisschen mehr erwartet, als ich bekommen habe. Die Autorin hat einen guten und flüssigen Schreibstil, der es mir leicht gemacht hat, durch die Seiten zu fliegen. Er wirkt zwar an manchen Stellen etwas altmodisch (“Sapperment” beispielsweise habe ich auch schon sehr lange nicht mehr in einem Buch gelesen), passte aber sehr gut zu der Geschichte, die ja Mitte des 18. Jahrhunderts angesiedelt ist. Auch die einzelnen Begegnungen der Protagonisten bzw. die Liebesszenen waren durchaus anregend und nicht zu detailliert beschrieben.

Was mir weniger gefallen hat, ist die Art, wie sich die Handlung entwickelt: Die Vorgeschichte, warum Clarissa Spionin geworden ist, wird auf den ersten Seiten sehr rasch abgehandelt, dann hat auch schon der Earl seinen ersten Auftritt, mit dem er Clarissa gleich mal gewaltig durcheinander bringt. Dann wechselt die Perspektive und man bekommt einen Einblick in die Gedankenwelt des Earls, der sich von den etwas unzüchtig gezeigten Beinen der Dame verwirren lässt … In weiterer Folge wird immer wieder abwechselnd aus seiner und ihrer Sicht erzählt, wobei seine Gedanken im Verhältnis aber eher zu kurz kommen – außer es geht um Clarissa.

Da der erste Versuch scheitert, an das Notizbuch zu kommen, unternimmt Clarissa zwangsläufig weitere Anläufe, das Buch zu finden. Das führt dazu, dass sie immer wieder auf den Earl trifft und wieder scheitert, weil ihre stärker werdenden Gefühle ihr einen Strich durch die Rechnung machen. Anfangs konnte ich diese emotionalen Verwirrungen noch nachvollziehen, aber mit jeder Wiederholung wurde es für meinen Geschmack unglaubwürdiger.

Clarissa wurde anfangs als gut ausgebildete Spionin beschrieben, die bisher alle Aufträge erfolgreich erledigt hat – und dann passiert ihr ein Schnitzer nach dem anderen? An manchen Stellen erschien mir ihre Art auch arg naiv. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass ihr kein einziges Mal der Gedanke kommt, dass man sie trotz ihrer verschiedenen Verkleidungen an ihrer auffälligen Augenfarbe (Sie sind veilchenblau!) erkennen kann. Im Gegensatz zum Earl natürlich, der dadurch sofort alle ihre Verkleidungen durchschaut.

In die Geschichte eingebettet finden sich auch einzelne Hinweise auf die englische Politik zu jener Zeit, mit denen ich mich allerdings schwergetan habe, da mir entsprechende Vorinformationen beim Lesen gefehlt haben. Erst das Nachwort erklärt hier einige Zusammenhänge … Hier hätte ich mir tatsächlich noch ein paar Seiten mehr gewünscht, um dem Roman mehr Tiefe zu geben und den Leser noch besser in die Zeit damals zu versetzen. So blieb die Geschichte für mich leider an vielen Stellen viel zu sehr an der Oberfläche, um mich richtig packen zu können.

Mein Fazit:

Wer auf historische Romane im Stil der “Historicals” aus dem Cora-Verlag steht, ist mit diesem Roman bestimmt bestens bedient. Für mich war das Buch aber ein wenig zu oberflächlich, um mich wirklich richtig begeistern zu können. Ein bisschen mehr historische Tiefe und weniger Liebestaumel hätten der Geschichte nicht geschadet.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 259 Seiten
  • beHEARTBEAT by Bastei Entertainment
  • 978-3732535958
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Der Leseratz nagt an: Trinity “Verzehrende Leidenschaft”

Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen. Schon “Calendar Girl” aus der Feder derselben Autorin war für mich nicht gerade ein Highlight. Es passiert aber auch mir äußerst selten, dass ich keine Erwartungen habe – und die Wirklichkeit noch schlimmer ist …

Jetzt im Nachhinein weiß ich eigentlich auch nicht mehr so genau, was mich geritten hat, dieses Buch für eine Leserunde vorzuschlagen. Es kann eigentlich nur unser Gespräch zu Erotik-Büchern gewesen und der Gedanke, vielleicht kann die Autorin auch anders … Ob ich es beendet hätte, wenn es nicht ein Rezi-Ex gewesen wäre? Ich weiß es nicht. Aber kommen wir zum Buch, das ich anfangs als E-Book, am Ende dank unserer Bücherei als Print gelesen habe :).


Das Buch

Autorin: Audrey Carlan
Titel: Trinity “Verzehrende Leidenschaft”

Klappentext:
Ich liebe dich. Ich will dich. Ich werde dich nie verlassen. Beim Gedanken an diese Worte bekommt Gillian Callahan Panik. Jahrelang wurde sie von ihrem gewalttätigen Ex-Freund misshandelt. Jetzt ist sie frei und arbeitet für Safe Haven, die Hilfsorganisation, der sie ihre Rettung verdankt. Das Thema Männer hat sie abgehakt. Bis sie bei einer Konferenz den Vorsitzenden von Safe Haven, Chase Davis, kennenlernt. Der attraktive Milliardär ist so sexy, dass Gillian schwindelig wird. Außerdem bekommt er immer, was er will – und er will Gillian. In ihr kämpfen Lust und Angst gegeneinander. Wird sie Chase vertrauen können? Ist sie bei ihm wirklich sicher? Und wie gefährlich ist ihre dunkle Vergangenheit?

Die “Trinity”-Reihe ist ursprünglich eigentlich eine Trilogie gewesen, aber wie es in dem Genre anscheinend immer üblicher wird, erscheinen dieses Jahr noch zwei (wer weiß das schon so genau) weitere Bände, die das Schicksal von Gillians Freundinnen beleuchten werden.


An dieser Stelle folgt meine übliche Spoiler-Warnung (Lesen auf eigene Gefahr!), wer das Buch selbst noch lesen möchte, sollte vielleicht an dieser Stelle lieber aufhören.


Eines noch vorab

Da wir dieses Buch in einer größeren Runde gelesen haben, haben wir uns auch rege auf Twitter darüber ausgetauscht. Mit den Hashtags #bbfliest bzw. #trinity sollte eigentlich das meiste zu finden sein, was uns beim Lesen aufgefallen ist. Wer mag, kann aber auch bei Storify nachlesen, was wir in den letzten Tagen so geschrieben haben – ich habe versucht, ein Best of zusammenzustellen :). Weitere Rezensionen zum Buch findet ihr bei Crumb, Kasin, Kitsune, Laberladen, Jürgen und AberRush.

Das Kennenlernen

Gillian lernt Chase in der Bar eines Hotels kennen, in dem sie für Safe Haven absteigt, die Stiftung, für die sie arbeitet. Er fällt ihr sofort auf, weil gutaussehend, tolle Figur, tolle Augenfarbe – eh schon wissen.

“Er bräuchte nur ein Streichholz, und ich würde in Flammen aufgehen wie ein Haufen vertrocknetes Laub”.
ca. 5%

Dann das erste Gespräch inklusive einem unmoralischen Angebot, das sie zu diesem Zeitpunkt aber noch ablehnt.

Ach, Milliardär ist er?

Genauso wie Mia aus “Calendar Girl” ist auch unsere gute Gillian, genannt Gigi, nicht die hellste, ansonsten würde sie nicht gar so belämmert aus der Wäsche schauen, als Mr. Superman (ihre Worte) sich auf einmal als Chef der ganzen Stiftung, Besitzer des Hotels und Besitzer von was weiß ich noch alles herausstellt. Also auch nichts Neues, außer dass man natürlich durch ein auf der Toilette belauschtes Gespräch ein weiteres Mal erfährt, wie attraktiv der “Chef” doch ist. Aber: Mit dem eigenen Chef in die Kiste springen? Nee, nee, das geht nicht …

“Hinter mir höre ich zwei Frauen kichernd zur Sitzecke gehen.
‘Hast du gesehen, wie perfekt die Hose an seinem knackigen Hintern sitzt?’, fragt eine von ihnen.
‘Wie könnte man das übersehen? Da will man sich doch direkt auf den Cowboy setzen und ihn die ganze Nacht reiten!’, sagt die andere mit Südstaatenakzent.”
ca. 11%

Hiebe für die Triebe

Wie es sich für einen “guten” Erotikroman gehört, kann sie natürlich trotzdem nicht anders, als sich ihren Chase zu krallen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit Sex mit ihm zu haben. So weit, so gut – wenn da nicht dieser klitzekleine Punkt mit der üblen Vergangenheit in Form eines gewalttätigen Ex-Freundes wäre, der sie geschlagen und vergewaltigt hat.

Aber kaum taucht Mr. Superman auf, ist natürlich alles vergessen und sie erlebt offensichtlich eine Persönlichkeitsspaltung. Wie sonst lässt sich so ein absolut haarsträubendes Verhalten sinnvoll erklären? Denn wenn Chevy, äh, Chase loslegt, fühlt sie sich geborgen und in Sicherheit … Ah, und er ist ja überhaupt der beste und schönste, sowieso.

Till I lose control

Ja, wo die eine permanent die Kontrolle über sich abgibt (wo sich ja geschworen hat, dass ihr das nie mehr mit einem Mann passieren soll), ist natürlich auch der andere, der diese Kontrolle permanent ausübt. Er schlägt sie zwar nicht, taucht aber uneingeladen in ihrem Hotelzimmer auf, liest ihre SMS am Handy, überwacht, wo sie hingeht und ist auch sonst krankhaft eifersüchtig.

Das geht so weit, dass er ihr auch immer wieder seine Lust auf Sex aufzwingt – egal ob sie will oder nicht. Da sie ihm allerdings zu diesem Zeitpunkt schon hörig ist, macht ihr das alles nichts aus. Und hinterher darüber reden? Pfff, wer braucht denn reden? Einmal schön Sex haben oder shoppen gehen, und erledigt ist die Angelegenheit.

Der Sex

Chase ist natürlich der Sexgott schlechthin (Habt ihr was anderes erwartet?). Und ganz gleich, was er mit seinen “magischen” Fingern anstellt, Gillian ist immer mit Begeisterung dabei. Da reicht es auch, wenn er vorher ein paar mal ihre Brustwarzen zupft und kneift. Totaaaal glaubwürdig, nicht?

“Mein Körper reagiert wie der Pawlowsche Hund auf die Glocke. In Sekundenschnelle bin ich lüstern und willig und schmiege mich an ihn.”
ca. 44%

Selbstverständlich beschert er ihr mit seinem Schwert einen Orgasmus nach dem anderen, wenn er sie aufspießt und mit seiner Leidenschaft ihre Klitoris zerquetscht (auch hier: Nicht meine Wortwahl!).

“Chase packt besitzergreifend meine Hüften und spießt mich mit einem schnellen Stoß auf.”
ca. 42% 

Die E-Book-Suche ist in diesem Zusammenhang übrigens gnadenlos und fördert alle Wiederholungen zutage, derer sich die Autorin bei der Beschreibung der Sexszenen bedient:

“[…] da tippt auch schon die breite Spitze seines Schwanzes gegen meinen Eingang und spießt mich mit einem harten Stoß auf.”
ca. 90%

Ganz ehrlich? Bei so einem Sexpartner landet man am Ende einfach nur im Krankenhaus – und ganz sicher nicht vorm Traualtar 🙈. Nicht zuletzt deswegen, weil er – obwohl in der Vergangenheit äußerst umtriebig – sie natürlich nur fragt, ob sie die Pille nimmt. Geschlechtskrankheiten? Banal, sowas kann doch einem Sexgott nicht passieren.

Und bevor wir es vergessen: Die “blumigen” Metaphern für den Orgasmus findet man auch hier. Chase beschert Gillian dadurch sowohl einen Ausflug in den Weltraum als auch den Sturz über eine Klippe …

“Das war’s. Ich fliege ins All. Die Lust schießt durch meine Mitte, hinter meinen Augen explodieren Lichter, und in meinen Ohren donnert es.”
ca. 22%

Ein unfreiwilliger Running Gag hat sich hier übrigens auch eingestellt: Die dauerfeuchten Höschen. Er braucht sie nur anzuschauen und sie wird schon feucht und muss die Beine zusammenkneifen. Da wundert es mich auch nicht, dass er ihr immer wieder neue Sachen kaufen (muss?), weil die alten Sachen kann sie ja nicht mehr tragen 😜.

Die Freundinnen

Jetzt könnte man als wohlmeinender Leser ja noch vermuten, dass es das war. Pustekuchen! Da haben wir noch Gillians Freundinnen, die alle samt und sonders einem Hochglanzmagazin entstiegen sein könnten. Da ist einmal die rassige Latina, die sich mit Tanzen ihr Geld verdient (Flashdance?), das blonde California-Girl mit Haaren bis zum Hintern, die Yoga unterrichtet, und die Kostüm- und Modedesignerin, die natürlich total talentiert ist, von der ich aber das Aussehen vergessen habe.

Im Verlauf der Geschichte verkuppelt Gillian außerdem noch eine der Freundinnen mit einem Cousin von Chase, die zweite mit ihrem besten Kumpel aus früheren Tagen, die dritte kommt mit dem Schrecken davon, weil sie schon einen Freund hat … Und logisch, dass die natürlich auch nichts besseres zu tun haben, als sofort mit ihren neuen Bekanntschaften ins Bett zu hüpfen und sich permanent über Sex zu unterhalten.

Die Handlung

Ähhhh? Handlung? Wozu braucht man in einem Erotikroman denn sowas? Reicht es nicht, dass Gillian und Chase eigentlich nur zwei Dinge können? Irgendwas in der Öffentlichkeit tun (wo man nicht in die Kiste miteinander springen kann) und dann gleich wieder Sex haben. Mann, Mann, Mann, solche Ansprüche …

Ach ja, ganz zum Schluss passiert tatsächlich doch noch etwas: Gillian erhält SMS und Blumen von einem Stalker, der sie offensichtlich ganz für sich haben will. Was unseren krankhaft eifersüchtigen Mr. Superman soweit auf die Palme bringt, dass er den Geheimdienst einschalten möchte.

Die Sprache

Ich weiß gar nicht, wie oft aus Chase’ Mund Sätze mit Besitzen, Eigentum oder “mein sein” kamen … Irgendwann habe ich nur noch den Augenrollnerv bemüht. Liebe Autorin, das ist nicht erotisch, beim besten Willen nicht! Man kann von mir aus zu jemandem gehören, aber man gehört niemandem! Und in einer Zeit, wo Frauen als Sexsklavinnen gehalten und misshandelt werden, drehen mir solche Formulierungen einfach nur den Magen um:

“‘Ich muss dich jetzt vögeln’, sagt er. ‘Dich markieren, als mein Eigentum.’ Ich nicke und verstehe dieses Verhalten völlig. Wir können beide wahnsinnig besitzergreifend sein […].”
ca. 90%

Von ihrer besitzergreifenden Art hab ich übrigens den ganzen Roman über nichts gemerkt, nur um das klarzustellen!

Die Charaktere

Hätte die Autorin bei Gillian auf den Hintergrund mit der Misshandlung verzichtet, hätte ich vielleicht manches ja noch verstanden, aber so war es irgendwann einfach nur schizophren, wenn Carlan Gillian beispielsweise folgendes denken lässt:

“Vor Jahren habe ich mir bei der Gruppentherapie hoch und heilig geschworen, dass ich mich nie wieder von einem Mann kontrollieren lassen werde. Bei Chase steht das gar nicht zur Debatte. Er nutzt seine Macht nicht, um mir zu schaden. […] Benutzt er mich? Ja, das tut er. Oft und auf extrem angenehme Weise. Er benutzt meinen Körper und meine Liebe, um Trost und Freude zu finden, und nicht als Sandsack, um sich abzureagieren oder sich männlicher zu fühlen.”
ca. 85%

Tja, da liegt dann wohl der Hase im Pfeffer, denn auch wenn Chase selbst ein Trauma mit sich herumschleppt, dass seine Kontrollsucht zumindest ein wenig erklärt, ist es absolut inakzeptabel, wie er sie mit Sex permanent manipuliert. Das geht so weit, dass er sie am Ende mehr oder weniger zu Sex nötigt, wo sie gerade vorher von einem Mann angegriffen wurde. So ein Mistkerl! Und das war nicht die einzige Stelle, wo ich ihm am liebsten für dieses egoistische Verhalten eine gescheuert hätte …

Erst ihm und dann ihr, dass sie so dumm ist, sich derart herumschubsen zu lassen, wo sie doch am Anfang als starke Frau beschrieben wird, die sich ihre Unabhängigkeit hart erkämpft hat. Wie war das nochmal mit der Persönlichkeitsspaltung? Und egal, was Chase tut, sie ist natürlich total begeistert:

“[…] ich mag seine eifersüchtige und besitzergreifende Art. Ein bisschen davon braucht jede frau, damit sie sich begehrenswert fühlt. Solange er es auf ein Minimum beschränkt, sollte er das kein Problem sein”.
ca. 54%

Ansonsten wird Chase eigentlich nur als Sexgott charakterisiert mit einem Penis, den sie weder umfassen kann und der bei Bedarf immer länger und härter wird, damit er damit auf jeden Fall ihren Muttermund erreicht.

“Mein Gott, er ist riesig. Noch härter und länger, als ich ihn in Erinnerung hatte. Ich lecke mir voller Vorfreude die Lippen”.
ca. 48%

Davon träumt ja schließlich jede Frau, oder nicht?

Das Korrektorat

Ich gebe zu, dass es mir beim Lesen nicht aufgefallen ist, dafür aber AberRush. Aber auch hier deckt die Suchfunktion im E-Book tadellos auf, wie häufig die Schreibung von Gigis Arbeitgeber, Safe Haven, wechselt. Steht beim Klappentext noch die richtige Fassung, wechselt die Schreibung im Text munter zwischen “Save Haven”, “Safe Hafen”, “Save Hafen” und “Safe Haven” – so nach dem Motto: Probieren wir mal alles durch? Dass so etwas einem bekannten Verlag wie Ullstein passiert, ist schon eher peinlich und wirft kein gutes Licht auf die Leute, die die Korrektur zu verantworten haben …

Das Wort zum Schluss

Wer mit “Trinity” auf einen Erotikroman hofft, der zumindest ein klein wenig plausibel ist, sollte lieber zu einem anderen Buch greifen. Sowohl Gillian als auch Chase verhalten sich zeitweise so hirnrissig, dass man a) am liebsten Buch oder Reader genervt ins Eck pfeffern oder b) nur noch lachen möchte.

Welche Variante man wählt, hängt wohl von den Voraussetzungen ab, unter denen man dieses Buch liest. Wie bereits erwähnt, hatte ich nach “Calendar Girl” keine großen Erwartungen, aber dass ich ab der Hälfte des Buches so dermaßen genervt war von den beiden, ist mir auch schon lang nicht mehr passiert. Mein Augenrollnerv war am Ende jedenfalls perfekt trainiert 😋.

Natürlich ist mir klar, dass auch Erotikromane im Grunde nur Märchen in modernem Gewand sind, aber ich möchte beim Lesen das Gefühl haben, dass es wenigstens so passieren könnte. Dass es zumindest möglich wäre, dass der Märchenprinz auf sein Aschenputtel so abfährt, dass er nichts anderes im Sinn hat, als sie zu seiner Prinzessin zu machen.

Was ich aber nicht möchte, ist dieses total verzerrte Frauenbild, dass aus einer anfangs als intelligent und stark beschriebenen Frau ein willenloses Weibchen macht, das nicht mehr klar denken kann, kaum dass der Märchenprinz seinen Penis aus der Hose zieht. Und das sich deswegen auch seine krankhafte Kontrollsucht gefallen lässt, weil der Sexgott persönlich zu ihr ins Bett steigt.

Abschließend kann ich daher nur sagen: Lesen auf eigene Gefahr! Erste Agressionsschübe hatte ich nämlich bereits nach den ersten zwei Kapiteln – und es wurde im Verlauf der Geschichte auch nicht besser … Besorgt euch daher im Zweifelsfall lieber die Papierausgabe (so ihr nach diesem Rant nicht aufs Lesen verzichten wollt), die hält es besser aus, wenn ihr sie mal frustriert irgendwohin werfen wollt 😉.

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