Rezension Joyce Summer – Madeiragrab

Mit Joyce Summer verbindet mich schon seit Beginn meines Buchbloggerlebens die Liebe zu ihren Krimis. Mit ihrem Erstling “Mord auf der Levada” bin ich nach Madeira gereist, mit dem Nachfolger “Malteser Morde” nach Malta.

Mit “Madeiragrab” geht es nun wieder zurück nach Madeira, wobei Comissário Avila (der in “Mord auf der Levada” nur eine Nebenrolle hatte) nun selbst mit seinem Team ermitteln darf. “Madeiragrab” ist dabei als Auftakt zu einer Serie um den sympathischen Ermittler gedacht.

Zum Inhalt:

Fernando Avila, seines Zeichens Comissário bei der örtlichen Polizei auf Madeira, ermittelt wieder. Dieses Mal geht es um einen alten Mann und eine junge Galeristin, die kurz hintereinander tot aufgefunden werden. Gibt es eine Verbindung zwischen den Toten? Reicht der Mord in die Vergangenheit zurück?

Avila ist gefordert, denn eigentlich steht seine Frau Leticia kurz vor der Niederkunft ihres ersten gemeinsamen Kindes … Hin und her gerissen zwischen der Sorge um seine Frau und seiner Arbeit, folgt Avila schon bald mit seinem tatkräftigen Team verschiedenen Spuren, die unter anderem in die High Society von Madeira führen.

Meine Meinung:

Nachdem ich Fernando Avila und seine Frau Leticia bereits in “Mord auf der Levada” etwas näher kennenlernen durfte, fühlten sich die ersten Seiten fast ein wenig wie ein Nach-Hause-Kommen an. Anfangs vermisste ich noch ein wenig die etwas überdrehte Pauline, aber schon bald nahmen mich die Erlebnisse auf Madeira ganz und gar gefangen.

Es setzte sogar eine gewisse Sogwirkung ein, es fiel mir vor allem morgens wirklich schwer, den Reader zur Seite zu legen und mich den Aufgaben des Tages zu widmen. Die kurzen Kapitel trugen das Ihre dazu bei, dass ich mir immer wieder dachte, ein Kapitel geht noch. Auf der einen Seite die Ermittlungen, die vielen Verdächtigen, auf der anderen Seite die Beschreibungen des Lebens auf der Insel – das ließ sehr schnell (wieder einmal) eine Sehnsucht entstehen, auf Madeira Urlaub zu machen.

Im Vergleich zu “Mord auf der Levada” bekommen wir hier deutlich mehr Einblick in das Leben von Avila, seinen Kollegen und seiner Frau bzw. seinen Freunden. Besonders Leticia ist mir dieses Mal sehr ans Herz gewachsen, aber auch der Straßenkehrer Carlos konnte mit seiner Art Sympathiepunkte bei mir sammeln.

Ich empfehle übrigens, diesen Roman nicht mit leerem Magen zu lesen. Da der Comissário gutes Essen und Trinken liebt, kommt es immer wieder vor, dass einheimische Gerichte genannt werden, die einem wirklich das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Auch wenn für meinen Geschmack Bica (portugiesische Espressovariation) und Galao (portugiesischer Milchkaffee) vor allem gegen Ende recht auftauchten (Avila ist wirklich ein Kaffeejunkie, scheint mir), tat es der Lesefreude keinen Abbruch.

Als einzigen kleinen Wermutstropfen empfand ich dieses Mal die Art, wie sich die Handlung entwickelt. Die Schwenks in die Vergangenheit, die ich auch bereits in den beiden früheren Büchern mochte, verrieten dieses Mal fast schon zu früh, wo das Motiv des Täters liegen könnte und wo er zu suchen wäre.

Das Ende kommt trotzdem mit einer kleinen Überraschung, die mir so sehr gut gefallen hat. Mehr ins Detail möchte ich jetzt gar nicht gehen, weil ich fürchte, dass dies sonst einen Spoiler darstellen könnte. Lasst euch einfach überraschen und lest selbst. Auf jeden Fall bin ich jetzt neugierig, wie es Avila und seinen Freunden weiter ergehen wird. Daher hoffe ich, dass diese ersten “Avila Mysteries” bald eine Fortsetzung erfahren werden.

Mein Fazit:

“Madeiragrab” ist ein gelungener Auftakt zu einer Krimi-Serie aus der Serie von Joyce Summer. Wer Regiokrimis liebt, die auf der Inselgruppe spielen, kann hier mit gutem Gewissen zugreifen und wird nicht enttäuscht werden!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 334 Seiten
  • via tolino media
  • 978-3739392721
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Rezension Jürgen Albers – Crossroads

“Crossroads” ist das Debüt von Jürgen Albers, der bereits als Jugendlicher seine Liebe zu den britischen Inseln entdeckte. Das Buch erschien zwar bereits vor einiger Zeit, jetzt hat es der Autor allerdings einer umfangreichen Überarbeitung unterzogen, an der ich als Beta-Leserin teilhaben durfte.

Zum Inhalt:

Chief Inspector Norcott lässt sich von London auf die Kanalinseln versetzen. Die Zeiten könnten allerdings auch hier unruhiger nicht sein: Im Sommer 1940 steht die Besetzung der Inseln durch die Deutschen kurz bevor, viele Einwohner verlassen die Inseln.

Da wird eine Frau tot aufgefunden und ein Spur deutet darauf hin, dass ein britischer Soldat dafür verantwortlich ist. Wird Norcott es rechtzeitig schaffen, Antworten auf seine Fragen zu finden, ehe die Deutschen auf die Insel kommen?

Meine Meinung:

Schon auf den ersten Seiten wird klar, warum es mit diesem Roman nicht schwer fällt, in eine andere Zeit abzutauchen: Jürgen hat wirklich sehr, sehr toll recherchiert, was diese Zeit angeht. Viele Dinge kann man sich als moderner Mensch nicht mehr oder nur kaum vorstellen (vor allem nicht, wie einfach es war, die Kommunikation der Inseln zum Festland zu unterbinden) …

Dem Leser bleibt allerdings nicht viel Zeit, sich mit Norcott an sein neues Leben auf den Inseln zu gewöhnen. Ein Mord ist aufzuklären und die unsichere politische Lage erschwert es dem Polizisten, zusammen mit seinen Kollegen die Ermittlungen aufzunehmen.

In einer Sache ist der Leser dem Team allerdings voraus: Er ahnt schon bald, dass hier auch andere, geheime Gruppierungen auf der Insel agieren. Ist einer der Spione für den Mord verantwortlich? Und worum geht es wirklich? Viele Fragen, die auf den insgesamt über 600 Seiten nach und nach beantwortet werden …

Im Gegensatz zu vielen anderen Krimis entfaltet sich die Geschichte eher langsam, nimmt erst nach dem ersten Drittel wirklich Fahrt auf, aber ich habe das als wohltuend empfunden, weil ich mir auch echte Ermittlungsarbeit so vorstelle. Man begleitet Norcott bei den Ermittlungen, lernt so nach und nach das persönliche Umfeld der Toten kennen.

Die einzelnen Figuren erhalten auf diese Weise immer mehr Tiefe: Besonders einige der Nebenfiguren habe ich beim Lesen sehr liebgewonnen, denen Norcott bei seinen Ermittlungen begegnet. Ich hoffe deswegen sehr, dass diese auch in zukünftigen Büchern wieder einen Auftritt haben dürfen.

Der Protagonist Charles Norcott ist mir dabei ebenfalls ans Herz gewachsen. Zwar hat er privat an einigen Dinge zu knabbern, trotzdem wird er als Mann vorgestellt, der fest auf zwei Beinen stehend durchs Leben geht und auch in Extremsituationen durchaus die Nerven behält. Seine menschliche Seite darf er in der Beziehung zu Vicky zeigen, die er während der Ermittlungen kennenlernt.

Ganz am Ende des Romans erwartet den Leser noch ein Glossar, dass die im Roman vorkommenden historischen Personen und Gegenstände kurz vorstellt. Und ein kleines Extra gibt es ebenfalls. Was das ist, verrate ich jetzt allerdings nicht, um niemandem die Überraschung zu verderben.

Als Beta-Leserin hat es mir ganz besonders viel Spaß bereitet, an der Entstehung bzw. Neuwerdung dieses Buchs mitzuwirken. Manche Dinge erschienen mir beim Lesen nicht rund, hier sorgte allerdings auch der Austausch mit dem Autor dafür, dass ich einige Details besser verstand. Ich kann mir nun tatsächlich etwas besser vorstellen, was es bedeutet, einen historischen Roman zu schreiben, denn es geht ja nicht nur um allgemeine historische Ereignisse, sondern auch um das Leben in der Zeit ganz allgemein.

Die ursprüngliche Fassung sah außerdem ein etwas anderes Ende vor, welches mir persönlich nicht so sehr zusagte. Da ich mit dieser Meinung allerdings nicht alleine dastand, änderte Jürgen das letzte Kapitel noch einmal. Ich finde diese Version nun deutlich stimmiger und ich bin nun sehr gespannt, wie sie bei den Lesern ankommen wird.

Mein Fazit:

Jürgen Albers hat mit diesem Roman einen historischen Krimi abgeliefert, der sowohl spannend als auch ausgezeichnet recherchiert ist. Wer also etwas über die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs auf den Kanalinseln erfahren und sich gleichzeitig mit einer abwechslungsreichen Kriminalgeschichte unterhalten lassen möchte, kann mit gutem Gewissen zu diesem Buch greifen.

  • ★★★★
  • TB
  • 616 Seiten
  • CreateSpace
  • 978-1545357613
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Rezension Dan Vyleta – Smoke

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch bereits durch eine Leserunde bei Lovelybooks, so richtig erwischte mich die Neugier allerdings, als ich vom Verlag ein Mail erhielt mit einigen Presseinformationen …

Zum Inhalt:

“Smoke” spielt im viktorianischen England – mit einem großen Unterschied: Die Menschen beginnen zu rauchen, wenn sie aus irgendeinem Grund schlechte Dinge tun oder denken. Für Charlie und Thomas, die zu jener Zeit in einem englischen Internat unterrichtet werden, ist es ganz normal, jederzeit darauf zu achten, möglichst wenig Rauch zu produzieren. Eines Tages entdeckt Charlie bei einem Schulausflug jedoch einen Mann, der nicht raucht. Diese Erkenntnis stellt für die Freunde alles bisher Gelernte auf den Kopf und sie wollen diesen Geheimnissen auf den Grund gehen …

Meine Meinung:

Der Klappentext machte ich mich ehrlich gestanden sofort neugierig – und das, obwohl auch im englischsprachigen Raum die Bewertungen für dieses Buch recht unterschiedlich ausgefallen sind. Diese Mischung aus Phantastischem und alternativer Geschichte war einfach zu verführerisch, als dass ich zu diesem Angebot Nein sagen konnte.

Der Anfang war für mich auch noch total faszinierend. Das Leben mit dem Rauch ist für die Menschen ganz normal, auch wenn niemand eigentlich so genau weiß, warum der Rauch da ist und warum er immer wieder andere Formen und Farben annimmt. Angefangen bei hellgrauem, dampfähnlichen Rauch bis zu pechschwarzem, öligem Ruß ist alles dabei. Die Menschen geben diesen Rauch über ihre Körperöffnungen ab und können dies nicht unterdrücken, es sei denn, es gelingt ihnen, ihre negativen Emotionen zu kontrollieren.

Dieses Setting bot gleich am Anfang Platz für mehrere spannende Fragen: Woher kommt der Rauch? Gab es ihn schon immer? Und warum gibt es Menschen, die nicht rauchen? Charlie und Thomas stellen diese Dinge anfangs nicht in Frage, bis Charlie zum ersten Mal jemanden sieht, der nicht raucht. Verständlich, dass hier auch der Leser neugierig wird und sich nur allzu bereitwillig mit den beiden auf eine Reise begibt, um herauszufinden, was hier abläuft.

Der Autor macht es einem dabei einfach, in diese bekannte und zugleich unbekannte Welt einzutauchen, da er sich Zeit nimmt, die Geschichte zu entwickeln. Der Rauch steht fast sinnbildlich für eine Gesellschaft, die lügt, betrügt, mordet und stiehlt. Menschen sind bereits nach der Geburt erst einmal schuldig und müssen danach streben, sich zu verbessern. Nicht zuletzt dank der Protagonisten bleibt die Hoffnung auf eine bessere Welt, da die Dinge offensichtlich nicht so zu sein scheinen, wie man es bisher gedacht bzw. geglaubt hat.

Auch den Schreibstil und den Wechsel von der dritten Person in die erste für einzelne Figuren fand ich durchaus interessant. Der Autor versteht es, seine Welt sehr bildhaft in Szene zu setzen, die Zeitreise in diese Welt fiel mir daher wirklich einfach. London als düsterer Ort, wo mehr Unheil als sonstwo auf der Welt geschieht – das hat der Autor wirklich phantastisch rübergebracht.

Umso bedauerlicher, dass mich das Buch am Ende doch noch “verloren” hat. Denn ab dem letzten Drittel etwa konnte ich nicht mehr nachvollziehen, warum die Figuren bestimmte Dinge getan haben. Auch wenn die Perspektive immer wieder wechselt, fehlte mir der Zugang, das Verständnis. Einzelne Personen waren auf einmal unvorstellbar grausam, fielen sogar dem Wahnsinn anheim. Warum, hat sich mir einfach nicht erschlossen.

Aus demselben Grund wurde ich auch mit dem Schluss nicht so wirklich warm, denn obwohl ich den Plottwist an dieser Stelle durchaus mochte, erschloss er sich mir nicht, ich habe ihn schlicht und einfach nicht verstanden. Daher blieb ich nach dem Zuklappen des Buches zum Teil ratlos, zum Teil unbefriedigt zurück. Warum? Ich hatte das Gefühl, im Regen stehen gelassen worden zu sein, was die Antwort auf einige Fragen anging. Nicht jede Frage braucht für mich eine Antwort, aber wenn ich das Gefühl habe, dass die wichtigste von allen offen geblieben ist, dann gefällt mir das nicht.

Mein Fazit:

“Smoke” startet unheimlich stark, driftete aber im letzten Drittel für meinen Geschmack zu weit ab, um mich wirklich bis zum Schluss bei der Stange zu halten. Das tolle Setting und der bildhafte Schreibstil konnten dies leider nur zum Teil kompensieren.

  • ★★★★★
  • Klappenbroschur
  • 624 Seiten
  • carl’s books
  • 978-3570585689
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Rezension Lisa McAbbey – Der Spion mit dem Strumpfband

Ich gebe zu, in letzter Zeit treibe ich mich gern bei Netgalley herum. Die Auswahl der E-Books wird mittlerweile immer größer und es ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Daher fand auch Lisa McAbbeys “Der Spion mit dem Strumpfband” über diese Plattform zu mir. Wer das Buch noch lesen möchte: Meine Rezension enthält einige Spoiler, daher aufpassen!

Zum Inhalt:

Clarissa Greenly, Tochter eines englischen Baronets, ist gezwungen, selbst Geld zu verdienen, um die Schulden ihres Vaters abzuzahlen. Aus diesem Grund arbeitet sie als Spionin für die sogenannte “Spinne”. Ihr nächster Auftrag: Ein Notizbuch zu beschaffen, das Beweise für den Verrat des Earls von Hawkhurst enthalten soll. Eigentlich ein Kinderspiel, wären da nicht die ungewohnten Gefühle, die der Earl in ihr auslöst …

Meine Meinung:

Ich mag historische Romane eigentlich sehr gern. Aber die richtig “großen” Geschichten sind für mich selten geworden, weil das Genre für meinen Geschmack viel zu sehr auf Liebesgeschichten in historischem Setting fixiert ist. Der “Spion mit dem Strumpfband” hörte sich für mich ebenfalls nach einer solchen Geschichte an, versprach allerdings neben der Liebe auch einen Abenteuer- bzw. Spionageroman.

Um es gleich mal vorab zu sagen: Ich hatte mir ein bisschen mehr erwartet, als ich bekommen habe. Die Autorin hat einen guten und flüssigen Schreibstil, der es mir leicht gemacht hat, durch die Seiten zu fliegen. Er wirkt zwar an manchen Stellen etwas altmodisch (“Sapperment” beispielsweise habe ich auch schon sehr lange nicht mehr in einem Buch gelesen), passte aber sehr gut zu der Geschichte, die ja Mitte des 18. Jahrhunderts angesiedelt ist. Auch die einzelnen Begegnungen der Protagonisten bzw. die Liebesszenen waren durchaus anregend und nicht zu detailliert beschrieben.

Was mir weniger gefallen hat, ist die Art, wie sich die Handlung entwickelt: Die Vorgeschichte, warum Clarissa Spionin geworden ist, wird auf den ersten Seiten sehr rasch abgehandelt, dann hat auch schon der Earl seinen ersten Auftritt, mit dem er Clarissa gleich mal gewaltig durcheinander bringt. Dann wechselt die Perspektive und man bekommt einen Einblick in die Gedankenwelt des Earls, der sich von den etwas unzüchtig gezeigten Beinen der Dame verwirren lässt … In weiterer Folge wird immer wieder abwechselnd aus seiner und ihrer Sicht erzählt, wobei seine Gedanken im Verhältnis aber eher zu kurz kommen – außer es geht um Clarissa.

Da der erste Versuch scheitert, an das Notizbuch zu kommen, unternimmt Clarissa zwangsläufig weitere Anläufe, das Buch zu finden. Das führt dazu, dass sie immer wieder auf den Earl trifft und wieder scheitert, weil ihre stärker werdenden Gefühle ihr einen Strich durch die Rechnung machen. Anfangs konnte ich diese emotionalen Verwirrungen noch nachvollziehen, aber mit jeder Wiederholung wurde es für meinen Geschmack unglaubwürdiger.

Clarissa wurde anfangs als gut ausgebildete Spionin beschrieben, die bisher alle Aufträge erfolgreich erledigt hat – und dann passiert ihr ein Schnitzer nach dem anderen? An manchen Stellen erschien mir ihre Art auch arg naiv. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass ihr kein einziges Mal der Gedanke kommt, dass man sie trotz ihrer verschiedenen Verkleidungen an ihrer auffälligen Augenfarbe (Sie sind veilchenblau!) erkennen kann. Im Gegensatz zum Earl natürlich, der dadurch sofort alle ihre Verkleidungen durchschaut.

In die Geschichte eingebettet finden sich auch einzelne Hinweise auf die englische Politik zu jener Zeit, mit denen ich mich allerdings schwergetan habe, da mir entsprechende Vorinformationen beim Lesen gefehlt haben. Erst das Nachwort erklärt hier einige Zusammenhänge … Hier hätte ich mir tatsächlich noch ein paar Seiten mehr gewünscht, um dem Roman mehr Tiefe zu geben und den Leser noch besser in die Zeit damals zu versetzen. So blieb die Geschichte für mich leider an vielen Stellen viel zu sehr an der Oberfläche, um mich richtig packen zu können.

Mein Fazit:

Wer auf historische Romane im Stil der “Historicals” aus dem Cora-Verlag steht, ist mit diesem Roman bestimmt bestens bedient. Für mich war das Buch aber ein wenig zu oberflächlich, um mich wirklich richtig begeistern zu können. Ein bisschen mehr historische Tiefe und weniger Liebestaumel hätten der Geschichte nicht geschadet.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 259 Seiten
  • beHEARTBEAT by Bastei Entertainment
  • 978-3732535958
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Rezension Kristin Hannah – Die Nachtigall

Ich hatte dieses Buch schon auf dem Radar, als die ersten Fotos der Lovelybooks-Special Edition auf Instagram auftauchten. Selten habe ich so ein stilvoll gestaltetes Päckchen gesehen, daher habe ich mich umso mehr gefreut, als diese Box für die Leserunde auf LB verlost wurde und ich eine der glücklichen Gewinnerinnen sein durfte!

Zum Inhalt:

Vianne und Isabelle sind Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, ist Vianne bereits verheiratet und hat eine Tochter, während Isabelle wieder einmal aus einer Schule für wohlerzogene Mädchen geworfen wird. Während Vianne darauf hinarbeitet, ihre kleine Familie am Leben zu erhalten, schließt sich Isabelle dem Widerstand an, um für ein freies Frankreich zu kämpfen …

Meine Meinung:

Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr schon wirklich lange Bücher lest. Ich habe jedenfalls sehr häufig das Problem, dass ich mir immer wieder denke, dass bestimmte Stoffe einfach schon mal da waren … Dieses Gefühl, quasi eine Nacherzählung eines Stoffes zu lesen, begleitet mich mittlerweile schon sehr lange in meinem (Leser)Leben. Umso wertvoller und teurer werden mir diese wenigen Bücher, die mich trotzdem immer noch abholen können. Die Bücher, Die mich mitreißen, die in mir emotionale Achterbahnfahrten auslösen, weil sie etwas ganz Besonderes sind. Bücher, über die ich noch nach dem Lesen nachdenke, auch wenn ich die letzte Seite schon vor einer ganzen Weile umgeblättert habe.

Ich gebe zu, dass ich nicht mitbekommen habe, dass “The Nightingale” (So heißt das Buch im englischsprachigen Raum) bereits 2015 einen wahren Begeisterungssturm ausgelöst hat, aber in der Zwischenzeit kann ich es nachvollziehen. Die Autorin versteht es, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Frankreich anhand der Schicksale dieser beiden Frauen zu erzählen, ohne den moralischen Finger zu erheben. Sowohl Vianne als auch Isabelle versuchen auf ihre Art und Weise, etwas für ihr Land, ihre Freunde und Familien zu tun – und haben damit mal mehr, mal weniger Erfolg. Aber auch die Deutschen werden nicht über den Kamm geschoren, wie überall gab es auch hier gute und schlechte Menschen, wie die Nebenfiguren Beck und von Richter sehr schön zeigen.

Nichtsdestotrotz stellt jeder Krieg ein unverstellbares Grauen dar, ich musste schon zu Beginn mehrmals schlucken, als um das Schicksal der Flüchtlinge ging. Parallelen zur Gegenwart sind hier wohl durchaus beabsichtigt – und wir dürfen wirklich froh sein, dass wir in einem friedlichen Land leben, in dem es uns gut geht und wir nicht Hunger leiden müssen …

Dieses Buch hat mich beim Lesen zum Teil sehr aufgewühlt, hat mich nicht schlafen lassen, und trotzdem sage ich: Es ist eines der besten, das in den letzten Jahren bei uns auf den Markt gekommen ist! Wenn ihr nur ein Buch im Jahr lest (Was ich natürlich nicht hoffe), dann nehmt dieses und lasst euch mitnehmen in eine Zeit, die gleichzeitig wohl eine der dunkelsten, aber auch eine der hellsten der Menschheitsgeschichte ist …

Ob Vianne und Isabelle wirklich gelebt haben, weiß ich übrigens bis heute nicht. Aber das Nachwort lässt darauf schließen, dass sich die Autorin zumindest von echten Personen inspirieren hat lassen. Beide Figuren hätten also auf jeden Fall existieren können – und das ist das einzige, was zählt, denn es bedeutet, dass wir Menschen auch heute noch dieses Potenzial haben, über uns hinauszuwachsen und Gutes unter Einsatz des eigenen Lebens zu tun.

Also, ganz gleich, was ihr sonst noch in diesem Jahr auf eurem SuB habt: LEST DIESES BUCH!

Mein Fazit:

Ich lasse mich selten wirklich so sehr mitreißen, aber dieses Buch hat auch bei uns das Zeug zu einem echten Bestseller – fünf Sterne sind noch zu wenig!

  • ★★★★★
  • Gebunden
  • 608 Seiten
  • Rütten & Loening
  • 978-3352008856
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Rezension Joyce Summer – Malteser Morde

“Malteser Morde” ist der zweite Roman aus der Feder von Joyce Summer, der sich mit den kriminalistischen Reiseabenteuern von Pauline und ihrem Mann Ben beschäftigt. Während es Pauline im ersten Teil “Mord auf der Levada” nach Madeira verschlägt (Eine Rezension findet ihr hier), reist sie im zweiten Teil zunächst zusammen mit ihrer Mutter nach Malta …

Auf diese Weise möchte ich mich auch wieder einmal ganz herzlich bei der Autorin für das Rezensionsexemplar bedanken, das ich sogar mit persönlicher Widmung bekommen habe :).

Zum Inhalt:

Cafébesitzerin Pauline geht wieder auf Reisen! Zusammen mit ihrer Mutter geht es eine Woche nach Malta, Ehemann wird danach für zwei Wochen kommen. So weit, so gut. Pauline wäre allerdings nicht Pauline, würde sie nicht gleich am Anfang ihres Urlaubs einen ziemlich schaurigen Fund machen, der sie ruckzuck in ein neues mörderisches Abenteuer stolpern lässt …

Meine Meinung:

Während Pauline im ersten Teil ausschließlich mit ihrem Mann Ben unterwegs war, ist es hier zunächst einmal ein Mutter-Tochter-Urlaub. Pauline fliegt mit ihrer Mutter nach Malta, um mit ihr ein paar schöne Tage zu verbringen und es sich gut gehen zu lassen. Pauline wäre allerdings nicht Pauline, wenn sie nicht gleich kopfüber in ihr nächstes Abenteuer stolpern würde …

Wie bereits aus dem ersten Teil bekannt, teilt auch diese Geschichte sich nun in mehrere Handlungsstränge auf. Da gibt es einmal wie gewohnt einen Strang, der in der Vergangenheit spielt und der hier einen Teil der Geschichte von Malta beleuchtet: “Die große Belagerung” von 1565 spielt in diesem Roman eine große Rolle und wird in einzelnen Szenen genauer beleuchtet. Wird es dem Johanniterorden gelingen, die anstürmenden Türken zu besiegen?

Ein weiterer Handlungsstrang spielt aus der Sicht eines kleinen Jungen, der von seinem Vater zu seinem Geburtstag Aufgaben gestellt bekommt. Was sich zunächst relativ harmlos anhört, wird mit der Zeit allerdings zunehmend befremdlicher und gruseliger … Mehr verrate ich allerdings hier nicht dazu, da es sonst ein Handlungsspoiler wäre :).

Mit “Malteser Morde” führt die Autorin natürlich einen neuen ermittelnden Kommissar, pardon, eine Kommissarin ein, die darauf angesetzt wird, die Vorkomnisse aufzuklären. Im Gegensatz zu dem sehr sympathischen Commissario Avila aus “Mord an der Levada”hatte ich allerdings mit Guilia Lucchese so meine Probleme – ich konnte also gut nachvollziehen, warum Pauline mit ihr anfangs nicht so richtig warm wurde (Diese Frau wäre mir im richtigen Leben wahrscheinlich auch sofort unsympathisch!). Gott sei Dank bessert sich dies allerdings im Lauf des Buches, ihr Charakter tritt zugunsten der Auflösung des Falls in den Hintergrund.

Auch dieses Mal hat der Leser im Vergleich zum Ermittlungsteam einen Vorteil: Er merkt recht bald, worum es hier geht, welche Rolle die Belagerung spielt – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Daher hatte ich auch recht bald einen Verdacht, wer der Schuldige sein könnte :). Letztendlich stand es 50:50, wobei ich anfangs auf die falschen 50 Prozent gesetzt hatte. Gut, wenn man hier als Leser doch noch überrascht werden kann!

Da ich “Malteser Morde” ebenfalls als Regiokrimi einschätze, noch ein paar Worte zu den Beschreibungen von Malta: Ich kenne die Insel nicht, kann mir also eher wenig darunter vorstellen. Der Roman hat mir dieses Mal aber im Gegensatz zu “Mord auf der Levada” nicht so sehr geholfen, Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen … Bei Madeira fiel mir das merkwürdigerweise deutlich leichter, aber da habe ich schon Fotos gesehen. Malta ist für mich dagegen ziemlich farblos geblieben, was das angeht. Vielleicht wären hier doch ein paar Beschreibungen mehr hilfreich gewesen, gerade bei dem Ausflug auf den Markt in den unaussprechlichen Ort (Sorry, der Name ist mir leider schon wieder entfallen, klang aber für mich irgendwie aztekisch oder so :D).

Ein paar kleinere Kritikpunkte muss ich am Ende auch noch loswerden: Die Formatierung ist im E-Book etwas merkwürdig. Dies merkt man vor allem am Anfang bei der Auflistung der Figuren und bei der Abbildung der Karten, wo auf Malta der Roman spielt – letztere waren leider ziemlich klein auf meinem Sony Reader zu sehen … Auch habe ich beim Lesen hier und a einzelne Tippfehler entdeckt. Diese stören natürlich nicht die Qualität der Geschichte, haben mich aber gelegentlich innehalten lassen.

Mein Fazit:

Joyce Summer ist mit “Malteser Morde” eine sehr unterhaltsame und spannende Fortsetzung der Abenteuer von Pauline gelungen. Trotz einiger Schwächen empfehle ich das Buch gerne weiter, denn es hat mich gut unterhalten und ich mag Paulines Charakter mit jeder Geschichte mehr :).

  • ★★★★
  • Taschenbuch
  • 312 Seiten
  • CreateSpace
  • 978-1532817649
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Rezension Bettina Pecha – Eine Liebe im Schatten der Krone

Dies ist im neuen Jahr jetzt schon meine zweite Rezension zu einem historischen Roman, der aber in einer ganz anderen Zeit angesiedelt ist als Iny Lorentz’ “Die steinerne Schlange”. Bettina Pechas neuester Roman spielt wieder in Großbritannien und zwar im 16. Jahrhundert.

Während jedoch bei “Die Liebesbotin der Königin” die fünfte Frau von Heinrich VIII, Catherine Howard, das Thema ist (Meine Rezi), geht es hier um Maria Stuart, die unglückliche schottische Königin, die den meisten von uns durch ihr unglückliches Ende bekannt ist und durch ihre Auseinandersetzungen mit Elisabeth I (Die Klassiker aus dem Schulunterricht lassen grüßen!).

“Eine Liebe im Schatten der Krone” erzählt allerdings noch von glücklicheren Zeiten. Verwoben in die Anfangsjahre ihrer schottischen Herrschaft erzählt Pecha eine wunderschöne Liebesgeschichte, auf die allerdings bald die ersten Schatten fallen …

Auf diese Weise danke ich außerdem der Autorin für das Leseexemplar, das ich für die Leserunde auf Lovelybooks zur Verfügung gestellt bekommen habe.

Zum Inhalt:

Fiona, geborene Fraser und Angehörige des schottischen Landadels, hat unbeschreibliches Glück: Denn sie darf aus Liebe den Laird Duncan Sanderton heiraten. Nach der Vermählung ziehen die beiden auf das Gut von Duncan, wo sie zunächst ihre Ehe genießen. Nach einiger Zeit ereilt jedoch beide der Ruf an den schottischen Hof. Mary, die junge Königin, sucht eine neue Hofdame, während Duncan bei Marys Bruder, James Stuart, eine Arbeit findet.  Während anfangs noch alles gut zu laufen scheint, ziehen jedoch bald schon dunkle Wolken auf, die sowohl das Glück von Fiona als auch der Königin bedrohen.

Meine Meinung:

Schon der erste Roman hatte ich mich verzaubert, obwohl ich eigentlich gar nicht so ein großer Fan von englischer Geschichte bin. Seit ich allerdings “Die Tudors” gesehen hatte, hatte ich meine Meinung zumindest teilweise geändert :). Gerade das 16. Jahrhundert brachte in England unheimlich viele Veränderungen – und das in relativ kurzer Zeit. Das Schicksal von Maria Stuart kannte ich bis dahin nur durch die Theaterstücke von Friedrich Schiller, die aber nicht sehr historiengetreu sind.

Bettina Pecha gelingt es hier mit ihrem Roman hervorragend, eine Lücke in meinem Wissen zu füllen. Maria Stuart wird lebendig wie nie zuvor und als Leser darf man ihre Ankunft und ihre ersten Regierungsjahre in Schottland miterleben. Die Autorin verleiht der Königin eine interessante Persönlichkeit, die genauso wie ein moderner Mensch sich darüber freut, verliebt zu sein. Genauso erlebt man aber auch ihren Kummer darüber mit, wie sie mit Enttäuschungen, Mord und Leid umgeht. Und gerade Mord und Totschlag gab es offensichtlich in jener Zeit ziemlich häufig, angefangen bei den religiösen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten und den schottischen Lords und Maria Stuarts eigentlich französischer Lebensart.

In diesen Strudel aus Ereignissen eingebettet lebt und liebt Fiona, die durch ihre Arbeit als Hofdame einige Ereignisse an Marias Hof unmittelbar miterlebt. Anfangs ist sie mit Duncan glücklich, jedoch sorgt ihre ausbleibende Schwangerschaft dafür, dass es in ihrer Ehe immer schlechter läuft … Ob es ihr gelingen wird, ihre Ehe zu retten? Und was bedeutet ihr der junge englische Captain Alexander, der an den schottischen Hof kommt?

Als Leserin lebte ich in “Eine Liebe im Schatten der Krone” gleich mit zwei Schicksalen mit – mit Marias und Fionas Schicksal. Und je weiter der Roman fortschreitet, desto mehr wurde ich neugierig, litt und liebte ich mit den Figuren mit, wünschte mir, dass es trotzdem etwas Glück für Maria Stuart geben möge …

Den Schluss verschlang ich deswegen geradezu, ich konnte einfach nicht anders. In diesem Zusammenhang bedanke ich mich auch für das Nachwort, da mich am Ende der Geschichte wieder einmal interessierte, welche Charaktere erfunden und welche real waren bzw. wie ihr Leben weiterging.

Kritik übe ich eigentlich nur an einer Tatsache: An manchen Stellen erschienen mir die Ereignisse ein wenig hastig erzählt. Da sich die Geschichte doch über mehrere Jahre erstreckt, wären Abschnitte vielleicht hilfreich gewesen, dass man weiß, über welchen Zeitraum sich das Erzählte hinzieht. Dazwischen dann größere Pausen zu machen, ist dann einfacher, als permanent durch die Jahreszeiten zu beschreiben, dass wieder Zeit vergangen ist :).

Mein Fazit:

Ein wunderschöner und sehr gelungener historischer Roman, der mir neben der Liebesgeschichte auch etwas über die damalige Zeit und das Leben im 16. Jahrhundert verriet. Genau das, was ich mir von einem historischen Roman erwarte :).

  • ★★★★
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