Rezension Marc-Uwe Kling – QualityLand

Wieder einmal hat mich die Buchblogger-Community neugierig auf ein Buch gemacht, ich gebe es zu. Daher entschied ich mich, ebenfalls ins QualityLand von Marc-Uwe Kling zu reisen, um zu sehen, was an dem Buch dran ist :).

Das Spannende dabei: Das Buch gibt es in zwei verschiedenen Ausgaben, man kann also quasi auf der hellen oder der dunklen Seite der Macht unterwegs sein, um der Geschichte zu folgen. Nachdem ich das Buch als E-Book gelesen habe, machte es nicht so viel Unterschied.

Auch im E-Book befindet sich übrigens am Ende ein Link, mit dem man sich die kleinen Änderungen zur jeweils anderen Version ansehen kann, diese sind aber in meinen Augen nicht so groß, als dass man wirklich beide Fassungen gelesen haben muss.

Zum Inhalt:

In der Welt von Peter Arbeitsloser haben die Konzerne und die Maschinen die Weltregentschaft übernommen. Algorithmen bestimmen, was die Menschen wollen und brauchen – sogar bei der Partnersuche. Fake News, personalisierte Werbung und zielgesteuerte Meinungsmache sind an der Tagesordnung. Inmitten dieses vermeintlich perfekten Systems passiert etwas, dass es daher gar nicht geben dürfte: Peter erhält ein Produkt, dass er nicht haben möchte …

Meine Meinung:

Ich lese immer wieder gerne Dystopien – warum nicht einmal in Verbindung mit einer Satire? Daher fand dieses Buch recht schnell seinen Weg zu mir. Die ersten Seiten ließen sich auch recht schnell lesen … Wobei mir beim Lesen schon immer wieder mal das Lachen im Hals steckenblieb, denn ich finde diese Zukunftsvision in einigen Bereichen erstaunlich realistisch. Das QualityLand, in dem Online Shops schon wissen, was man möchte, ehe man es selbst weiß? Ganz bestimmt der feuchte Traum eines jeden Shopbetreibers 🙂 …

Die Idee, mit Algorithmen vorherzusagen, was uns interessiert, begegnet uns schon heute tagtäglich bei den Vorschlägen in Shops. Kunde, du hast X in deinen Warenkorb gelegt, vielleicht interessiert dich auch Y? Genau diese Dinge treibt Kling in seinem Roman in meinen Augen sehr gekonnt auf die Spitze. Der Satire ist es natürlich auch geschuldet, dass die meisten Menschen im Roman diese Dinge nicht mehr hinterfragen, sondern einfach hinnehmen.

Was mich leider an dem Buch weniger begeistern konnte, war die Geschichte selbst. Bis zur Mitte kam ich eigentlich recht schnell und dann fing es an, sich für mich zu ziehen. Dies hing wohl auch damit zusammen, dass ich zu keiner der Figuren eine Beziehung aufbauen konnte, sie wirkten auf mich mehr wie ein Mittel zum Zweck, um bestimmte Situationen zu beschreiben. Die Androiden, die Peter in seinem Keller versteckt, weil sie eigentlich vom System ausgemustert wurden, waren für meinen Geschmack einfach zu überzogen, um mich bis zum Ende des Buches durchgehend begeistern zu können.

Auch den Fortgang der Geschichte in der zweiten Hälfte des Buches fand ich nicht unbedingt gelungen. Ich will hier nicht unbedingt spoilern, deswegen sage ich nicht so viel dazu, aber wenn man schon so wie ich einige Dystopien gelesen hat, überrascht einen das Ende nicht so wirklich.

Was mir aber gefallen hat, waren die Zwischenkapitel mit den Forenbeiträgen oder der Werbung. Marc-Uwe Kling hat sich hier wirklich viel Mühe gegeben, ein stimmiges System zu schaffen. Die Erzählweise ist dabei sehr unterschiedlich, von Erzählung über (Foren)Kommentare bis Sachbericht ist alles dabei. Der Schreibstil ist dabei großteils sehr einfach, wobei ich aber vermute, dass das durchaus gewollt ist.

“Keep it simple and stupid” – das sogenannte KISS-Prinzip ist in der Wirtschaft gang und gäbe, wenn es darum geht, zu einem Problem eine möglichst einfache Lösung anzustreben. Und genau darum geht es ja auch in diesem vermeintlich perfekten QualityLand …

Mein Fazit:

Marc-Uwe Kling entwirft in seinem Buch “QualityLand” ein durchaus interessantes Bild, wie in naher Zukunft unsere Welt aussehen könnte. Leider kann die Handlung diser Satire nicht ganz mithalten, vor allem in der zweiten Hälfte des Buchs verschenkt der Autor leider in meinen Augen Potenzial.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 384 Seiten
  • Ullstein
  • 978-3843715973
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Rezension Jennifer Wellen – Liebe ist wie eine Goodie Bag

“Liebe ist wie eine Goodie Bag” ist bereits das zweite Buch, das ich von der Autorin Jennifer Wellen lesen durfte :). “Kennengelernt” haben wir uns durch ihr erstes Buch “Katerfrühstück mit Aussicht” (Rezension hier), das ich voriges Jahr zusammen mit ein paar anderen Leuten hier auf meinem Blog vorstellen durfte.

Zum Inhalt:

Zara ist Anfang 30, Single, bringt ein paar Kilo zu viel auf die Waage und ist arbeitslos. Zumindest zu Beginn des Romans, denn dann gelingt es ihr, auf Probe einen Job als Sekretärin in einer Modelagentur an Land zu ziehen … Der Übergangsjob sorgt allerdings schon rasch dafür, dass in Zaras Leben kein Stein auf dem anderen bleibt :).

Meine Meinung:

Ich liebe Jennifers Geschichten! Locker, fröhlich und lustig – da fällt es nicht schwer, sich in ihren neuen Roman rasch hinein zu finden :). Die Protagonistin Zara hat zwar anfangs noch einige Probleme, sich aufzurappeln, aber mit ihrem neuen Job bei “Stars & Styles” geht es spürbar bergauf. Obwohl sie eigentlich aus einem anderen Bereich kommt, lernt sie schnell. Der Job beschert ihr unter anderem einen neuen besten Freund namens Pippa (eigentlich Philipp), der als Make-Up-Artist gelegentlich für die Modelagentur arbeitet.

Pippa ist es auch, der mir ziemlich schnell der liebste Nebencharakter wurde. Seine Art, Zaras Berufs- und Liebesentwicklung zu kommentieren, ist einfach genial und sorgte für mehr als einen Schmunzler bei mir :D. Auch wenn hier einige Klischees auftauchten (Zara nennt Pippa für sich beispielsweise Paradiesvogel, weil er sich etwas extravagant kleidet), tat dies der Liebenswürdigkeit der Figur keinen Abbruch!

Pippa hat die Autorin übrigens den Spruch in den Mund gelegt, der für den Titel des Romans gesorgt hat:

“Liebe ist wie eine Goodie Bag, du weißt nie, was drin ist. Aber wenn du den Menschen wirklich liebst, ist es wurscht, wie lange du ihn kennst. Ob du deine Goodie Bag liebst, wirst du spüren, von der ersten Sekunde an.”

Während sich die Haupthandlung relativ bald auf die neuen bzw. alten Männer in Zaras Leben konzentriert, geht es in der Nebenhandlung um die Beziehung von Eva, Zaras bester Freundin und Nachbarin, deren Mann ebenfalls ein Geheimnis hütet, das für einige Turbulenzen sorgt. Und da sind auch noch Julian, Zaras Ex, der sie während ihrer Depressionen alleine gelassen hat und der geheimnisvolle Marc mit den Bernsteinaugen, bei dessen Anblick Zara Schmetterlinge im Bauch bekommt :).

Wer relativ oft Frauen- bzw. Liebesromane liest, ahnt zwar relativ bald, wohin das steuern wird, es macht aber trotzdem viel Spaß, die unterschiedlichen Figuren bei ihrer Entwicklung zu begleiten. Nebenbei bekommt man einen Einblick in die Modelwelt, die sich durchaus von dem unterscheidet, was die meisten von uns durch diverse Casting-Sendungen wissen (Wobei diese natürlich ebenfalls im Roman erwähnt werden, logisch!).

Das Ende des Romans – und damit die Auflösung – kommt leider für meinen Geschmack ein kleines bisschen zu rasch, ich hätte mir hier durchaus etwas mehr Platz für ein Happy-End für die Nebenfiguren gewünscht, aber im Großen und Ganzen war ich trotzdem zufrieden.

Mein Fazit:

“Liebe ist wie eine Goodie Bag” ist ein lustiger, unterhaltsamer Frauenroman, der gerade jetzt im Sommer am Strand die perfekte Lektüre darstellen dürfte. Ich habe mich jedenfalls großartig unterhalten gefühlt und das Buch mehr oder weniger in einem Rutsch ausgelesen! Da verzeihe ich auch das eine oder andere Klischee, das sich in das Buch geschlichen hat und das nicht unbedingt hätte sein müssen :).

  • ★★★★
  • E-Book
  • 370 Seiten
  • dotbooks
  • 978-3958246157
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Rezension Art Bechstein, Julia Grün – Wir sind das folk

“Wir sind das folk” entdeckte ich vor einiger Zeit durch eine Rezension auf einem anderen Blog und dachte mir, dass das genau das richtige Buch für mich sein würde.

Geschichte mit Statusmeldungen auf Facebook klang ja mal wirklich nach einem ganz anderen Zugang zu dem oft doch recht trocken vermittelten Thema :). Deswegen schaute ich beim Bloggerportal nach und – juhu – konnte es als Rezensionsexemplar anfordern. Vielen Dank dafür!!

Klappentext:

Geschichtsbuch war gestern – heute ist Facebook!

Status-Update Martin Luther: »95 Thesen – geschafft, Feierabend!«
Kurfürst Friedrich von Sachsen und 64.677 anderen gefällt das.

Dominikanerorden und Martin Luther ändern ihren Beziehungsstatus auf »Es ist kompliziert« …

Dass von derzeit über einer Milliarde Facebook-Nutzern nicht jeder einzelne aktiv und überdies noch am Leben ist, ist weithin bekannt. Dass aber auch prominente Persönlichkeiten Facebook-Chroniken führen, historische Ereignisse an Timelines ablesbar sind und Geschichte auf diese Weise endlich entstaubt und lebendig wird: Das und mehr dokumentieren Bechstein und Grün in diesem Facebook-Buch. Daumen hoch! We like it!

Meilensteine der deutschen Geschichte: pointiert abgebildet für die Generation Internet!

Meine Meinung:

Dieses Buch kann man nicht so ohne weiteres bewerten wie einen normalen Roman. Einfach, weil es kein Roman ist. “Geschichte mal anders” trifft es wohl am besten, wenn ich versuchen soll, das Buch mit einem Satz zu beschreiben. Art Bechstein und Julia Grün haben verschiedene geschichtliche (und fiktive) Ereignisse unserer Geschichte mit Facebook-Meldungen und entsprechenden Kommentaren dokumentiert. Dies gelingt ihnen in meinen Augen mal mehr, mal weniger gut.

Der Schwerpunkt des Buches liegt definitiv auf der deutschen Geschichte, dies war für mich als Österreicherin vor allem bei der Zeitgeschichte ein wenig schwierig, da mir einfach vieles nicht bekannt ist. Im Geschichtsunterricht war für mich eigentlich nach dem 2. Weltkrieg Schluss, Geschichte danach bekam man entweder erzählt, las man irgendwo oder sah man vielleicht einmal eine Doku, so es einen denn interessierte …

Aber gut, ich greife vor, denn das Buch startet mit dem Urknall (charmant gemischt mit der biblischen Schöpfung) und geht dann bis zur Gegenwart. Bereits beim zweiten Kapitel zu den “Germanen” ertappte ich mich bei dem Gedanken, nach einem richtigen Geschichtsbuch greifen zu wollen, da ich einfach die einzelnen Fakten nicht mehr wirklich im Kopf hatte.

Als es dann weiter mit Karl dem Großen, den Ottonen und den Saliern ging, schwirrte mein Kopf schon richtig … Mittelalterliche Geschichte war für mich immer schon schwierig und Zahlen und Fakten konnte ich mir nie bis ins kleinste Detail merken.

Hier dachte ich mir dann wirklich, zumindest eine kleine Zusammenfassung am Beginn jeden Kapitels hätte nicht geschadet, da mir die Zusammenhänge einfach nicht im Gedächtnis waren. Das führte dazu, dass ich viele Meldungen auch einfach nur überflog, obwohl ich einige Male beim Lesen schon schmunzeln musste. Die beißenden Kommentare waren durchaus amüsant, wenn auch nicht zum Totlachen, wie die Werbung vollmundig versprach.

An einigen Stellen hatte ich auch den Eindruck, dass die Autoren gewisse Details ausgelassen haben, während sie manche (in meinen Augen weniger interessante) Dinge wieder aufgeführt haben. Das ist natürlich Geschmackssache, ganz klar, und bei einem Buch, das nur knapp 350 Seiten hat, muss man auch eine Auswahl treffen, aber trotzdem hatte ich ab und zu das Gefühl, dass etwas fehlen würde.

Einzelne Figuren der Geschichte wie Karl der Große, Martin Luther, Der schwarze Tod (Ah ja?) oder Otto von Bismarck erhielten auch eigene Kapitel (bzw. Facebook-Lebensläufe), wo ihr Leben mit Ereignissen und Meldungen dokumentiert wurde. Eine gute Idee, die man meiner Meinung nach aber noch mehr hätte nutzen können.

Was mir auch fehlte, war ein wenig mehr allgemeine Geschichte. Die Antike, die für mich eine sehr spannende Epoche darstellt, existiert im Grunde nicht, gerade am Anfang sind die zeitlichen Sprünge sehr groß. Hier hätte dem Buch eine Verlagerung weg von der deutschen auf mehr allgemeine Geschichte gut getan. So werden wohl nur deutschdeutsche Leser wirklich ihren Spaß mit dem Buch haben.

Letztendlich ist “Wir sind das folk” ein Buch, dass zwar durchaus witzig ist, seinen Humor aber daraus schöpft, dass man bestimmte geschichtliche Fakten schon weiß. Die Facebook-Meldungen machen es zwar einfach, das Buch zu lesen, nach einer gewissen Seitenzahl hat sich der Witz meiner Meinung nach aber ein wenig abgenutzt …

Mein Fazit:

“Wir sind das folk” ist in Verbindung mit einem richtigen Buch über Geschichte sicherlich lustig und interessant zu lesen. Für sich alleinstehend ist das Buch allerdings schwierig, da die meisten von uns wohl keine geschichtlichen Asse sind und daher die zitierten Fakten und Daten nicht im Kopf haben. Für das Lernen von Geschichte ist das Buch allerdings sicherlich eine lustige Abwechslung, könnte ich mir vorstellen.

  • ★★★★★
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