Rezension Ursula Poznanski – Erebos 2

Man kann es nicht anders sagen: Seit bekannt wurde, dass es eine Fortsetzung zu “Erebos” geben würde, habe ich angefangen, dem Erscheinungstermin des Buchs entgegen zu fiebern. Und die allerletzten Tage waren wohl meine ganz persönliche Folter …

Trotzdem habe ich versucht, meine Erwartungen an dieses Buch herunter zu schrauben, denn ich stelle es mir alles andere als leicht vor, als Autorin an ein Buch anzuknüpfen, dass so viele Fans hat wie “Erebos”.

Der Klappentext:

EREBOS IST ZURÜCK …UND HAT DAZUGELERNT
Als Nick auf seinem Smartphone ein vertrautes Icon in Gestalt eines roten E entdeckt, glaubt er zuerst an einen Zufall. Aber dann wird ihm klar: Erebos hat ihn wiedergefunden …
Der sechzehnjährige Derek hingegen ist nur kurz misstrauisch, als das rote E auf seinem Handy aufleuchtet. Zu spät begreift er, dass er selbst zu einer Spielfigur geworden ist. Und es um viel mehr geht, als er sich je hätte vorstellen können …

Meine Meinung:

Es fasziniert mich mittlerweile zunehmends, wie unterschiedlich Ursulas Bücher ausfallen. Während “Vanitas” schon ziemlich lange brauchte, ehe die Geschichte Tempo aufnahm, verliert die Autorin hier keine Zeit, denn Nick findet bereits im ersten Kapitel das rote E des Spiels auf seinem Handy wieder – und wie er bald lernen muss, ist das Löschen der App nicht unbedingt eine gute Idee.

Derek dagegen hat keine Vorgeschichte mit Erebos, ist deswegen unvoreingenommener, was das Spiel angeht. Er wundert sich zwar, warum es ihn ausgewählt hat, das ist aber auch schon alles. Mit seinem Charakter dürfen wir beim Lesen wieder in die Welt des Spiels eintauchen, so wie wir es bereits in Teil 1 durften.

Trotzdem geht die Autorin hier neue Wege, das wird schon bald klar, da es nun zwei Hauptfiguren gibt, deren Weg durch das Spiel bestimmt wird. Und während Nick versucht, mit Hilfe seiner alten Freunde Erebos loszuwerden, begleitet der Leser Derek schon bald bei seinen ersten Aufträgen im realen Leben. Denn genau wie in Teil 1 verfolgt das Spiel auch hier ein ganz bestimmtes Ziel, das sehr lange im Dunkeln bleibt. Zwar gibt es Hinweise, aber ich tappte trotz allem recht lange im Dunkeln.

Wirklich großartig fand ich in diesem zweiten Teil die Atmosphäre, die der Terror des Spiels gerade bei Nick auslöst. Es ist eine Sache zu wissen, dass wir mit unseren Smartphones unsere ganz persönliche kleine Wanze und ein Ortungsgerät herumtragen, eine ganz andere, wenn man zum Beispiel sieht, wie das Spiel damit umgeht, wenn Nick nur versucht, mit jemandem darüber zu sprechen. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie oft ich versucht war, alle digitalen Geräte einfach zu nehmen und in den nächstbesten Mülleimer zu werfen …

Was dagegen wohl ein wenig zu kurz kam, sind die Szenen in der Spielwelt selbst. Der Fokus liegt dieses Mal ganz klar auf den Dingen, die sowohl Nick als auch Derek im realen Leben für das Spiel tun müssen. Aber gerade dieses Geheimnisvolle fesselte mich bereits nach kurzer Zeit wieder so sehr, dass es mir schwer fiel, das Buch zur Seite zu legen. So viele Geheimnisse, so viele Rätsel, so viele Fragen …

Für die Fans der ersten Stunde hat Ursula außerdem jede Menge Anspielungen und Überraschungen eingebaut, es lohnt sich also durchaus, Teil 1 vor Teil 2 zu lesen, einfach um alles richtig einordnen zu können. Ich schätze, man kann Teil 2 auch für sich lesen, aber es ist in meinen Augen nur der halbe Spaß.

Die Auflösung am Ende stellte zumindest für mich doch eine gewisse Überraschung dar, aber das Thema finde ich gut gewählt, auch wenn es in letzter Zeit relativ wenig Schlagzeilen gemacht hat. Das Motiv, Erebos wieder zu reaktivieren, überzeugte mich jedoch nicht so ganz. Zwar ist es nachvollziehbar, aber es blieb die Frage, ob man es nicht auch ohne den Terror bei den Spielern hätte erreichen können.

Schön fand ich aber, dass die Autorin uns hier ein “runderes” Ende serviert als noch mit “Erebos 1”. Es wurden sogar noch Fragen aus Teil 1 beantwortet, mit denen ich so gar nicht gerechnet hatte. Zu sehr möchte ich jetzt nicht ins Detail gehen, aber wer Teil 1 gelesen hat, wird wissen, was ich meine.

Somit kann ich sagen: “Erebos 2” hat alles, was ein guter Jugendbuch-Thriller benötigt, wenn auch mit ein paar kleinen Schönheitsfehlern. Das macht für mich 4,5 Sterne, die ich aber gerne aufrunde.

Mein Fazit:

Die Mischung aus Jugendbuch, Thriller und dem wohl intelligentesten Computerspiel, was die Buchwelt zu bieten hat, konnte mich auch in Teil 2 begeistern, auch wenn es aus verschiedenen Gründen nicht ganz an das Original heranreicht.

  • ★★★★★
  • Hardcover
  • 512 Seiten
  • Loewe
  • 978-3743200494
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Rezension Nadine Erdmann – CyberWorld 7.0 “Bunker 7”

Da ist er nun, der letzte und abschließende Band der “CyberWorld”-Reihe von Nadine Erdmann. Lange haben wir geduldig gewartet, bis die Autorin uns man Ende doch mit der Information überrascht hat, dass das Buch Anfang August erscheinen würde.

Nun ist mir fast ein bisschen weh ums Herz, denn diese Reihe durfte ich von Anfang begleiten, habe mit den Kids mitgefühlt, gelitten und mich mit ihnen gefreut. Unvergessen ist hier für mich Band 5, denn da hat uns die Autorin wirklich einiges zugemutet …

Gerade diese lange Geschichte machte mich natürlich ganz besonders neugierig, was sich die Autorin für “Bunker 7” ausgedacht hat.

Der Klappentext:

Sommerferien!
Was könnte da mehr Spaß machen als ein paar Tage Spannung und Action in einem neuen CyberPark? “Bunker 7” verspricht Endzeit-Nervenkitzel vom Feinsten beim Kampf ums nackte Überleben. Doch schon bald müssen Jemma, Jamie, Zack und ihre Freunde feststellen, dass sie sich diesem Kampf nicht nur im Spiel stellen müssen …

Meine Meinung:

Der Klappentext ist ja für meinen Geschmack dieses Mal recht kurz gehalten, aber ich denke, wer bisher sich durch alle Abenteuer von Jemma, Jamie, Zack und ihren Freunden erfolgreich “gearbeitet” hat, wird auch zu diesem Band greifen – ganz gleich, was die Autorin als Teaser veröffentlicht.

Ich hatte zwar anfangs ein paar kleine Probleme, alle Namen wieder richtig zuzuordnen (Ich habe einfach kein Gedächtnis für so etwas), aber dann kam ich sehr schnell wieder in die Geschichte hinein, nachdem es erst einmal Klick gemacht hatte, wer wer war.

Sehr, sehr genial fand ich in diesem Band das Setting. Dieser CyberPark kann sich ja nun wirklich sehen lassen, eine Mischung aus Dystopie, Endzeit und Steampunk. Hier hat es wirklich Spaß gemacht, unsere Helden auf ihren Missionen zu begleiten, auch wenn es dieses Mal nicht primär darumgeht, möglichst viele Gegner zu besiegen (obwohl das durchaus vorkommt), sondern eher Erkundungsmissionen durchzuführen. Besonders die erste Hälfte der Geschichte hat mir deswegen sehr viel Freude beim Lesen bereitet.

Interessanterweise kam für mich der erste Knick genau an dem Punkt, an dem es wirklich so richtig fesselnd hätte werden können. Denn diesen Thriller-Teil der Geschichte hat die Autorin in gerade mal sechs (von 34) Kapiteln abgearbeitet, was in meinen Augen einfach zu schnell vonstatten gegangen ist. Kaum ist die Spannung nämlich da, reagieren unsere Helden schon ziemlich professionell und die Bedrohung ist schon wieder vorbei, ehe für mich überhaupt ein gewisses Gefühl für die Gefahr beim Lesen entstanden ist.

Denn eines habe ich hier schmerzlich vermisst: Wo waren die Gefühle, die Ängste, erneut in eine solche Situation zu geraten? Wie gehen die Eltern damit um, dass ihre Kinder sich schon wieder in dieser Situation befinden, die der aus Band 5 doch irgendwie ähnelt? Es tut mir eigentlich leid, das sagen zu müssen, aber das entspricht nicht dem hohen Niveau, das ich mittlerweile von der Autorin gewohnt bin.

Das Ende schlussendlich ließ mich mit etwas gemischten Gefühlen zurück. Einerseits war es ein passendes Ende, andererseits habe ich die ganze Zeit noch auf einen Twist gewartet, der nicht kam. Mag auch sein, dass ich mir vom Finale einfach etwas anderes erwartet habe. Dass ich möglicherweise zu hohe Erwartungen hatte. Denn “Bunker 7” ist durchaus eine tolle Geschichte, sie führt nur alle offenen Enden meiner Meinung nach zu schnell zu einem Ende. Es ist wirklich selten, dass ich das sage, aber diese Geschichte hätte durchaus noch länger sein dürfen …

Eine Kleinigkeit möchte ich noch gesamt zu der Reihe sagen: Sie ist mit Abstand eine der besten, die mir in den letzten Jahren im Jugendbuch-Bereich begegnet ist. Eigentlich gehöre ich ja nicht mehr unbedingt in diese Zielgruppe, aber ich fand es einfach schön, mich auch mal abseits der ziemlich breit gewalzten Romantasy-Wege zu bewegen. Manche Kleinigkeit mochte in der langen Zeit vielleicht für mich nicht immer stimmig sein, aber in Summe hat es sehr viel Spaß gemacht, in den letzten drei Jahren diese Buchreihe verschlingen zu dürfen.

Mein Fazit:

CyberWorld 7.0 bringt in meinen Augen aus ganz unterschiedlichen Gründen ein etwas durchwachsenes Ende für diese wirklich großartige Reihe. Trotzdem hat es Spaß gemacht, “unsere” Kids ein letztes Mal auf ihren Cyber-Abenteuern zu begleiten.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 340 Seiten
  • Greenlight Press
  • 978-3958343689
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Rezension Neal Shusterman – Scythe “Der Zorn der Gerechten”

Auch wenn ich “Die Hüter des Todes” an vielen Stellen als etwas langatmig empfunden habe, hat mich das nicht davon abgehalten, Teil 2 eine weitere Chance zu geben. Und was soll ich sagen: Einiges von dem, was ich an Teil 1 nicht so toll fand, hat sich in “Der Zorn der Gerechten” deutlich zum Besseren gewandelt :).

Der Klappentext:

Citra und Rowan leben in einer perfekten Welt, in der Armut, Kriege, Krankheit und Tod besiegt sind. Die Entscheidung über Leben und Tod treffen nicht mehr Schicksal oder Zufall, sondern die Scythe, die diejenigen auswählen, die zum Wohle aller geopfert werden müssen.

Gemeinsam haben Citra und Rowan die Ausbildung zum Scythe überstanden, doch nur Citra wurde auserwählt, die Robe, den Ring und die fast übermenschliche Verantwortung zu tragen.

Bei ihrer ersten Aufgabe jedoch, Rowan zu töten, versagt Citra. Stattdessen verhilft sie ihrer heimlichen großen Liebe zur Flucht. Und so kämpft Rowan jetzt aus dem Untergrund gegen die einzige Gefahr, auf die die perfekte Welt nicht vorbereitet ist: korrupte und gewissenlose Mörder in den Reihen der Scythe.

Meine Meinung:

Wir begegnen Citra und Rowan einige Zeit nach den Ereignissen von Teil 1 wieder. Citra, jetzt als Scythe Anastasia unterwegs, ist nun eine Junior Scythe, die nach wie vor bei ihrer Mentorin Scythe Curie lebt. Rowan dagegen ist untergetaucht – und macht auf einige Faust als Scythe Lucifer Jagd auf korrupte Scythe, die die ethischen und moralischen Grundsätze des Scythetums missachten.

Der heimliche Held dieser Geschichte ist jedoch der Thunderhead, die künstliche Intelligenz, die im Hintergrund die Geschicke der Menschen lenkt, über die wir in diesem Teil durch die tagebuch-ähnlichen Einschübe sehr viel erfahren. Der Thunderhead ist es auch, der eine neue Figur ins Spiel bringt, die ich von Anfang an sehr interessant fand: Greyson. Hier bin ich wirklich gespannt, was der Autor mit ihm noch vorhat.

Was mir dieses Mal auch deutlich besser gefallen hat, ist die Handlung. Während Teil 1 recht oft auf mich wirkte, als ob der Autor (noch) nicht recht gewusst hätte, welche Geschichte er eigentlich erzählen möchte, wirkte Teil 2 atmosphärisch deutlich dichter auf mich, was sich auch in der deutlich kürzeren Zeit widerspiegelte, die ich fürs Hören gebraucht habe. Man kann sich das in etwa wie George Lucas und Star Wars Episode IV bzw. V vorstellen – es ist, als ob der Autor hier in “Der Zorn der Gerechten” sich endlich gefunden hat.

Und um bei den Vergleichen zu bleiben: Das Finale hat mich mehrmals an einen ganz bestimmten Film mit Leonardo die Caprio und Kate Winslet denken lassen … Die Parallelen waren einfach nicht zu übersehen :). Trotzdem habe ich natürlich mitgefiebert, was sich Shusterman letztendlich für seine “Version” ausgedacht hat, da mir durch andere Rezensionen bekannt war, dass dieses Ende ganz anders als das ersten Teils ausfallen würde. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Zur Lesung von Torsten Michaelis kann ich auch dieses Mal nur sagen: Sie ist solide. Ein klein mehr Dynamik hätte vor allem beim Finale der Lesung gutgetan, da wäre meiner Meinung nach deutlich mehr drin gewesen. Trotzdem hat die Geschichte es dieses Mal verstanden, mich so an das Hörbuch zu fesseln, dass ich Michaelis’ Art zu lesen irgendwann komplett ignorieren konnte.

Mein Fazit:

“Der Zorn der Gerechten” stellt in meinen Augen eine deutliche Verbesserung zu “Der Hüter des Todes” dar. Was zur Folge hat, dass ich jetzt schon neugierig bin, wie Shusterman diese Geschichte nächstes Jahr zu Ende bringen wird.

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 872 Minuten
  • Argon Verlag
  • 978-3732451890
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Rezension Thomas Brezina – Schatten der Zukunft

Thomas Brezina ist ein Phänomen. So gut wie alles, was er anfasst, wird in irgendeiner Form bei uns in Österreich zu (Verkaufs)Gold. Aus diesem Grund verwundert es auch nicht, dass es nun neben dem Sachbuch “Tu es einfach und glaub dran” ein weiteres Abenteuer der erwachsenen Knickerbocker-Bande gibt.

“Schatten der Zukunft” setzt dort an, wo “Alte Geister ruhen unsanft” geendet hat, nämlich bei den losen Fäden aus dem ersten Band (Meine Rezi dazu findet ihr hier). Denn der unbekannte Gegner, der unseren vier Helden schon in “Alte Geister” zugesetzt hat, ist noch immer aktiv und verfolgt seine Ziele hartnäckig …

Der Klappentext:

Die Zukunft wirft tödliche Schatten

20 Jahre des Schweigens sind vorbei und Lilo, Axel, Poppi und Dominik sind wieder vereint. Nach ihren Erlebnissen auf Canon Island vereinbaren sie ein Treffen in New York. Es soll eine unvergessliche Zeit werden.

Doch einen Tag vor dem geplanten Wiedersehen verändert sich für die vier schlagartig alles:
In New York wird eine Tür aufgerissen und Dominik erhält die Chance seines Lebens.
In der Nähe von Graz öffnet Poppi eine Tür und sieht dahinter ihren schlimmsten Albtraum.
In Wien wird eine Tür aufgesperrt und eine grausame Rache gegen die vier nimmt ihren Lauf.
In San Diego geht eine Tür auf und ihr alter Gegenspieler Hermes verfolgt einen schrecklichen Plan.

Die Knickerbocker kämpfen um ihre Karriere, um ihr Leben – und um die Liebe!

Meine Meinung:

Lilo, Axel, Dominik und Poppi haben ihr Abenteuer aus “Alte Geister ruhen unsanft” wohlbehalten überstanden. Aber trotzdem ziehen dunkle Wolken am Horizont auf, denn der Feind ist nicht geschlagen, ganz im Gegenteil.

Davon bemerken unsere vier Helden zunächst allerdings nichts, als sie sich auf den Weg machen, um der Einladung von Dominik Folge zu leisten. Die erste Überraschung erfolgt bereits auf dem Weg zum Flughafen, denn es geht nicht nach New York, sondern nach London, wo Dominik für eine Rolle vorsprechen soll.

Kaum angekommen, passieren bereits die ersten merkwürdigen Ereignisse, Poppi findet bei sich einen USB-Stick, der ihr offensichtlich am Wiener Flughafen zugesteckt wurde. Kaum an Lilos Computer angesteckt, nimmt das Verhängnis ihren Lauf – und die Freunde sind bereits wieder mitten drin in einem neuen Abenteuer …

Im Vergleich zu “Alte Geister ruhen unsanft” wird der Leser hier deutlich schneller in die neue Geschichte gezogen, was dem Roman meiner Meinung nach wirklich guttut. Keine Rückblende mehr auf vergangene Ereignisse, die in Teil 1 zwar notwendig war, die aber auch den Start in das Buch merklich ausgebremst hat. Brezinas Schreibstil ist zwar noch immer recht einfach, aber es machte mir hier weniger aus als beim ersten Mal, da ich nun wusste, was mich erwartete.

Die Geschichte nimmt sehr zügig Fahrt auf, Brezina greift lose Enden aus dem ersten Teil auf und führt sie in diesem Buch weiter. Der Leser bekommt nun deutlich mehr Einblick in das Leben des Antagonisten, auch wenn für mich noch immer im Dunkeln blieb, was ihn eigentlich dazu antreibt, so gezielt das Leben der Knickerbocker ruinieren zu wollen (Aber wer weiß, vielleicht erfahren wir das ja im nächsten Band).

Auf jeden Fall beweist Brezina, dass er sein Ohr am Puls der Zeit hat, was unsere vier Helden angeht. Details verrate ich jetzt absichtlich nicht, weil das ein Spoiler wäre, aber ich habe das als durchwegs positiv empfunden, da ich davon ausgehe, dass Brezina mit den neuen Büchern noch immer eher jüngere Leser anzieht, obwohl die Knickerbocker erwachsen geworden sind.

Ein klein wenig verwirrend fand ich dieses Mal die verschiedenen Nebenfiguren auf der Seite des Antagonisten, dies könnte aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass ich leider sehr wenig Zeit zum Lesen hatte, das Buch daher immer wieder für längere Zeit zur Seite legen musste. Manche Details waren daher beim Weiterlesen einfach nicht mehr so präsent in meinem Kopf …

Das Ende und damit die Auflösung kam für meinen Geschmack ein bisschen schnell, allerdings serviert uns Brezina noch einen relativ langen Teil “drei Monate danach”, der es dann wieder ruhiger angehen lässt und noch weitere Fragen beantwortet.

Auf den letzten Seiten legt Brezina außerdem sehr geschickt das Fundament für einen nächsten Teil, besonders ein bestimmtes Ereignis schreit nach einer Fortsetzung. Lassen wir uns also überraschen, ob nächstes Jahr um diese Zeit ein weiterer Teil der beliebten Buchreihe in den Buchläden liegen wird.

Mein Fazit:

Im Vergleich zu “Alte Geister ruhen unsanft” wirkt “Schatten der Zukunft” in sich stimmiger und flüssiger erzählt. Knickerbocker-Fans werden daher auch diesen Band bestimmt mögen, denn Brezina greift einiges auf, was in Teil 1 unbeantwortet geblieben ist.

  • ★★★★
  • Gebunden
  • 400 Seiten
  • Ecowin
  • 978-3711001801
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Rezension Neal Shusterman – Scythe “Die Hüter des Todes”

Auch wenn die letzten Wochen mit ziemlich viel neuem Wissen gepflastert waren, habe ich meinen Bücherkonsum doch nicht gänzlich gegen Null gehen lassen.

Denn: Gott sei Dank gibt es Hörbücher! Das hat nach einem langen Tag doch noch geklappt, abends wenigstens eine halbe Stunde Hören dranzuhängen, um von einem anstrengenden Tag wieder runterzukommen.

Der Klappentext:

Unsterblichkeit, Wohlstand, unendliches Wissen.
Die Menschheit hat die perfekte Welt erschaffen – aber diese Welt hat einen Preis.

Citra und Rowan leben in einer Welt, in der Armut, Kriege, Krankheit und Tod besiegt sind. Aber auch in dieser perfekten Welt müssen Menschen sterben, und die Entscheidung über Leben und Tod treffen die Scythe. Sie sind auserwählt, um zu töten. Sie entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Sie sind die Hüter des Todes. Aber die Welt muss wissen, dass dieser Dienst sie nicht kalt lässt, dass sie Mitleid empfinden. Reue. Unerträglich großes Leid. Denn wenn sie diese Gefühle nicht hätten, wären sie Monster.

Als Citra und Rowan gegen ihren Willen für die Ausbildung zum Scythe berufen werden und die Kunst des Tötens erlernen, wächst zwischen den beiden eine tiefe Verbindung. Doch am Ende wird nur einer von ihnen auserwählt. Und dessen erste Aufgabe wird es sein, den jeweils anderen hinzurichten …

Meine Meinung:

Eines muss man Neal Shusterman lassen: Er hat wirklich viele tolle Ideen! Gerade in Bezug auf eine Gesellschaft, in der die Menschen unsterblich geworden sind. Was ist gut daran? Was weniger? Und ist es wirklich erstrebenswert, unsterblich zu sein? Viele Fragen, wo der Leser bzw. Hörer dazu aufgerufen wird, sich darüber Gedanken zu machen, ob der Traum vom ewigen Leben wirklich so erstrebenswert ist …

Sehr gut gefallen haben mir auch die vielen kleinen Anspielungen auf die sogenannte “Sterblichkeitsära”, sprich auf unsere Gesellschaft von heute, der Shusterman in gewisser Weise einen Spiegel vorhält. Manchmal ernsthaft, manchmal humorvoll, aber immer fein dosiert. Manchmal sogar so fein, dass ich mich kurz gefragt habe, ob ein jugendlicher Leser diese Anspielungen wirklich immer erfassen kann, aber egal. Es macht die Geschichte zu etwas, was man wie die Asterix-Comics sowohl als junger als Mensch als auch als Erwachsener konsumieren kann.

Den Schwachpunkt dieses ersten Teils sehe ich allerdings in der Geschichte und in Folge in den Figuren. Die Geschichte selbst jedoch konnte mich nämlich erst gegen Ende so richtig einfangen, vor allem die erste Hälfte plätscherte in meinen Augen relativ lange dahin. Die Rückblicke der ehrenwerten Scythe Curie waren zwar interessant, in Summe beim Hören aber auch anstrengend, da sie nicht wirklich etwas zur Handlung beitrugen.

Bei den Figuren hat der Autor in meinen Augen eigentlich nur einer Figur etwas mehr Tiefe gegeben, nämlich Citra. Rowan (der mir von den beiden Protagonisten besser gefallen hat) kam vor allem in der zweiten Hälfte des Buchs für meinen Geschmack viel zu kurz. Seine charakterliche Wandlung war für mich daher nicht so gut nachvollziehbar wie Citras.

Trotzdem ist das Buch schon deswegen bemerkenswert, weil es aus der Menge der derzeit so populären (aber immer nach denselben Mustern gestrickten) Jugend-Dystopien ausbricht. Auch das Ende kommt ohne nennenswerten Cliffhanger aus, obwohl man natürlich wissen möchte, wie es mit Citra und Rowan weitergeht.

Noch ein paar Worte zum Hörbuch: Torsten Michaelis trägt diese Geschichte fast allein, die übrigen Sprecher kommen nur dann zu Wort, wenn die Auszüge aus den Tagebüchern der Scythe vorgelesen werden. Für meinen Geschmack hätte der Lesung ein bisschen mehr Feuer nicht geschadet, aber Michaelis macht seine Sache gut und man kann ihm ohne Probleme folgen.

Mein Fazit:

Der erste Teil der “Scythe”-Trilogie stellt für mich eine Geschichte mit Stärken, aber auch Schwächen dar, daher vergebe ich gut gemeinte drei Sterne. Potenzial nach oben ist für die Fortsetzungen definitiv vorhanden!

  • ★★★★★
  • Hörbuch
  • 731 Minuten
  • Argon
  • 978-3839815649
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Rezension Nadine Erdmann – CyberWorld 6.0 “Anonymous”

Kaum zu glauben, aber wahr: Die phantastische Reihe rund um unsere jugendlichen Helden Jemma, Jamie, Zack, Will, Ned, Charlie steuert langsam, aber unerbittlich auf ihr Finale zu. Denn laut Autorin wird mit dem siebten Band das Ende erreicht sein.

Wie jedes Mal versteht es schon das Cover neugierig zu machen, denn zwangsläufig fragt man sich gleich einmal, was es mit diesem Haus und dem in Großbuchstaben geschriebenen “Help us” an der Wand auf sich hat.

Der Klappentext:

Eigentlich läuft gerade alles sehr gut im Leben von Zack, Ned und dem Rest der Clique. Nach den schrecklichen Erlebnissen in CyberLondon ist der Alltag wieder eingekehrt und die Freunde testen ihr eigenes CyberGame, um es für die Veröffentlichung fertigzustellen.

Doch dann tauchen Zacks Eltern überraschend in London auf und in der CyberWorld sucht ein Unbekannter die Aufmerksamkeit der Freunde – mit äußerst drastischen Mitteln. Wer verbirgt sich hinter Anonymous und was will er von Ned, Will und ihren Freunden?

Meine Meinung:

Nach dem letzten Band, der mir trotz der längeren Pause noch sehr gut in Erinnerung ist, geht die Autorin es dieses Mal wieder etwas ruhiger an. Sehr gut so, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich nach dieser Achterbahnfahrt im fünften Teil (Rezi dazu hier) weitere Aufregungen vertragen hätte. Wobei das aber nun nicht heißen soll, dass absolut gar nichts passiert, ganz im Gegenteil.

Nadine Erdmann konzentriert sich in diesem Band erstmals auf eine Figur, die bisher eher als ruhiger Gegenpol zu Jamie in Erscheinung getreten ist: Zack. Zack, der von Anfang damit zu kämpfen hatte, dass er seinen Eltern so gar nichts bedeutet. Als diese nach London kommen und Zack nach New York mitnehmen wollen, zwingen sie ihn damit nun endgültig dazu, sich mit seinem Verhältnis zu ihnen auseinanderzusetzen. Auf diese Weise lernen wir Leser auch eine Seite von Zack kennen, eine, die bisher eher im Hintergrund geblieben ist.

Dies mag auf den ersten Blick erschrecken, hat mir aber sehr gut gefallen, denn jeder Mensch hat mit seinen Dämonen zu kämpfen, man sieht es ihnen in der Regel nur nicht an. Diese Entwicklung verleiht der Figur nun deutlich mehr Tiefe als bisher, wo der Schwerpunkt eher auf Jamie gelegen hat, der mit den Folgen seines Unfalls leben muss.

Der zweite Teil widmet sich dem Rätsel in der Geschichte, denn wer ist Anonymous und was will er? Offensichtlich ist er ein echtes As am Computer, weil es ihm mühelos gelingt, die Sicherheitsmaßnahmen von Will und Ned für ihr neues Cybergame zu umgehen. Nachdem lange Zeit nicht klar ist, ob er in Verbindung zu den Terroristen R.A.T.s (die wir in Teil 5 kennenlernen durften) steht, müssen unsere Helden sehr vorsichtig zu Werke gehen.

Im Vergleich zu Zacks Geschichte fand ich diesen Teil jedoch den schwächeren, weil die Idee zur Auflösung (die für mich eigentlich früh auf der Hand lag) für unsere Helden erst recht spät auftaucht – und im Verhältnis dann ziemlich zügig erzählt wird. Das ging mir persönlich einfach ein klein bisschen zu schnell, auch wenn hier einige sehr, sehr herzige Szenen auftauchen, die vor allem das jüngere Lesepublikum sicher mögen wird.

Trotzdem bin ich selbstverständlich gespannt auf den letzten Teil, der hoffentlich die verbliebenen, noch offenen Handlungsstränge zu einem zufrieden stellenden Ende führen wird. Die Autorin gibt netterweise im Nachwort einen kleinen Hinweis, was uns erwarten wird (weshalb ich jetzt erst recht neugierig bin, logisch).

Mein Fazit:

“CyberWorld 6.0” habe ich im Vergleich zu den beiden vorigen Bänden als etwas schwächer empfunden, was aber nicht heißt, dass der Autorin nicht trotzdem eine sehr lesenswerte Geschichte gelungen ist. Vor allem Fans von Zack werden dieses Mal auf ihre Kosten kommen, diese sehr persönlichen Szenen waren für mich in diesem Band das absolute Highlight!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 284 Seiten
  • Greenlight Press
  • 978-3958343108
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Rezension Kerry Drewery – Marthas Mission

“Marthas Mission” ist der zweite Teil aus der sogenannten “Cell 7”-Trilogie. “Marthas Widerstand” habe ich bereits hier vorgestellt, jetzt geht das Abenteuer von Martha und ihrem Freund Isaac in die nächste Runde. Wer also Teil 1 noch nicht gelesen hat, muss zwangsläufig mit Spoilern rechnen.

Zum Inhalt:

Teil 2 setzt unmittelbar nach dem Ende von Teil 1 ein: Isaac hat den Mord an seinem Vater eingestanden und sitzt jetzt an Marthas Stelle im siebentägigen Todestrakt. Martha dagegen bekommt schon bald die Willkür des korrupten Systems zu spüren, die Beweise, die sie zusammen mit ihrem Freunden ins Netz gestellt hat, sind von einem Tag auf den anderen verschwunden. Obwohl Martha alles versucht, Isaac zu befreien, muss sie selbst einiges daran setzen, auf freiem Fuß zu bleiben, denn die Regierung will sie alle mundtot machen …

Meine Meinung:

“Marthas Mission” führt dort fort, wo wir die Figuren in Teil 1 verlassen haben. Isaac sitzt im Gefängnis, Martha ist auf freien Fuß gesetzt worden. Doch die Freude über diesen Sieg ist nur von kurzer Dauer, denn die Regierung schlägt mit unerbittlicher Härte zurück, die Videos mit den Beweisen verschwinden, Zeugen werden mundtot gemacht oder wandern ins Gefängnis … Der Einstieg ist daher für den Leser ein recht abrupter, ich brauchte am Anfang etwas Zeit, um mich wieder in die Geschichte zu finden, da ich vor allem die Nebenfiguren mir nicht so gut gemerkt hatte.

Trotzdem habe ich mich schon recht bald wieder in der Geschichte zuhause gefühlt, besonders Martha habe ich mittlerweile wirklich sehr ins Herz geschlossen. Aber auch Isaac bekommt hier einen größeren Anteil, denn nun geht es um seine Gefühle, seine Erinnerungen, seine Ängste. Martha dagegen versucht alles, um ihm zu helfen, um ihm irgendwie Unterstützung zu geben – und muss gleichzeitig untertauchen, um frei zu bleiben und ihre Pläne zu Isaacs Rettung verfolgen zu können.

Wie schon in Teil 1 legt die Autorin auch hier Martha wieder jede Menge Gedanken in den Mund, die man als Leser nur als Appell verstehen kann: “Stellt Fragen!” ist meiner Meinung nach die wichtigste Botschaft des Buches – Geschichten wie “1984” lassen auch hier wieder grüßen. Gleichzeitig bleibt Drewery ihrem Schreibstil treu, wahlweise wird aus der Sicht Marthas, Isaacs und ihren Freunden erzählt, immer wieder unterbrochen von den Regie-artigen Dialogen und Anweisungen der TV-Sendungen, in den per Abstimmung “Recht gesprochen” wird.

Die einzige Schwäche sehe ich in dem Aufbau der Geschichte. Nachdem es meines Wissens ursprünglich keinen zweiten und dritten Teil geben sollte, hatte die Autorin nun die ein wenig undankbare Aufgabe, mit dem Ende von Teil 1 die Geschichte spannend fortzuführen. Dieses Ende sorgt nun jedoch dafür, dass man ein wenig das Gefühl hat, die Geschichte aus Teil 1 noc einmal vorgesetzt zu bekommen – nur mit umgekehrten Rollen. Und da der Feind in Teil 1 das Zeitliche gesegnet hat, musste nun natürlich ein neuer Antagonist gefunden werden …

Trotzdem erzählt Drewery auch in diesem zweiten Teil eine interessante Geschichte – und wir dürfen gespannt sein, wie es Martha und Isaac gelingen wird, das System zu Fall zu bringen.

Noch ein paar Worte zu Klappentext und Cover: Es wird zwar nie dezidiert erwähnt, in welchem Land die Geschichte spielt, doch glaube ich, dass wir hier eher von einem dystopischen Großbritannien ausgehen dürfen als von den Vereinigten Staaten, wie im Klappentext ausgeführt. Einen Premierminister (eine der Figuren im Buch) beispielsweise ordne ich persönlich doch eher den Briten als den Amerikanern zu …

Das Cover entspricht im Großen und Ganzen dem von Teil 1, nur wurde die Farbe des Titels geändert – und es geht ein auffälliger Riss durch das Gesicht des Mädchens. Dieser Riss ist sicher in einem übertragenen Sinn zu sehen, denn es geht nicht nur um Martha, sondern auch um das System, das durch Marthas Aktivitäten einen Riss erleidet, einen Riss, der es letztendlich zu Fall bringen wird.

Mein Fazit:

“Marthas Mission” ist eine würdige Fortsetzung zu “Marthas Widerstand”, auch wenn der Aufbau der Geschichte durch das Ende von Teil 1 meiner Meinung nach etwas schwächelt. Ich denke aber trotzdem, dass jeder, der den ersten Teil mochte, auch seine Freude mit Teil 2 haben wird.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 496 Seiten
  • Bastei Entertainment
  • 978-3732557004
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