Rezension Robert C. Marley – Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht

“Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht” ist mittlerweile schon der fünfte Band aus der Reihe um den sympathischen Chief Inspector aus London, den es tatsächlich gegeben hat. In diesem Band widmet sich Robert C. Marley einem Thema, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr beliebt war: dem Spiritismus.

Der Klappentext:

London 1894 – Während in den Salons der feinen Gesellschaft rauschende Feste gefeiert werden und spiritistische Sitzungen, Hellseher und Geisterbeschwörer der letzte Schrei sind, kommt auf dem Markt von Covent Garden ein Straßenjunge unter mysteriösen Umständen zu Tode.

Was zunächst nach einem Routinefall aussieht, entpuppt sich schließlich als unheimliches Verbrechen, das Chief Inspector Swanson nicht nur an seinem gesunden Menschenverstand zweifeln lässt, sondern ihn und sein Team auch an die Grenzen ihrer Kräfte bringt …

Meine Meinung:

Bereits mit dem Prolog sind wir mitten in der Geschichte drin, denn dieser wird aus der Sicht der jungen Louisa Balshaw erzählt, die offensichtlich Kontakt zu Geistern aufnehmen kann und die seit einiger Zeit sehr erfolgreich als Medium in London arbeitet.

Der Schwerpunkt dieser Geschichte liegt aber auf dem Straßenjungen Billy, der von allen nur Badger genannt wird. Als sein Freund Meg unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt, wird Swanson zusammen mit Sergeant Phelps aktiv, denn er glaubt nicht an eine Krankheit, der der Junge erlegen ist.

Wie bereits in den früheren Geschichten mischen auch hier zwei weitere Bekannte mit, die Frederick Greenland unbedingt mit zu einer Séance nehmen wollen: Oscar Wilde und Sir Arthur Conan Doyle. Durch die Verbindungen der Figuren untereinander nimmt die Geschichte dann Fahrt auf, denn irgendwie stehen offensichtlich der tote Junge und das Balshaw-Haus in einer Verbindung miteinander …

Der Klappentext verspricht hier übrigens nicht zu viel, denn gerade der Auftakt hat wirklich etwas Unheimliches an sich … Und es bleibt in dem Zusammenhang natürlich nicht aus, dass sich auch der eher nüchterne Donald Swanson mit der Frage nach der Existenz von Geistern beschäftigen muss.

Im Vergleich zu den früheren Bänden nimmt unser ermittelnder Chief Inspector hier aber  eigentlich eine Nebenrolle ein, denn die wirkliche Hauptfigur ist meines Erachtens nach Badger. Badger, der zwar noch recht jung ist, durch seinen Freund Meg aber schon einiges gelernt hat. Und obwohl er als Taschendieb arbeiten und Informationen für seinen Quartiergeber Mister Specs besorgen muss, nicht auf den Kopf gefallen ist. Von ihm möchte ich gerne mehr in zukünftigen Bänden lesen!

Der Krimi ist dieses Mal recht solide ausgefallen, wo das Motiv zu suchen ist, lag in meinen Augen eigentlich schon sehr früh auf der Hand, lediglich wer genau der Täter war, war für mich eine gewisse Überraschung. Ein klassischer Fall von Fifty-Fifty, wo ich die falschen 50% erwischt habe.

Was ich allerdings ein klein wenig schade fand, war, dass das Finale – und damit die Auflösung –  verhältnismäßig rasch erzählt wurde. Da wäre schon noch etwas mehr drin gewesen. Ins Detail kann ich jetzt leider nicht gehen (Spoilergefahr), aber einige Fragen blieben für meinen Geschmack unbeantwortet, deren Antwort bzw. Bestätigung mich sehr wohl interessiert hätte …

Mein Fazit:

“Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht” ist ein solider historischer Krimi, der mit der Figur des Straßenjungen Badger auch sozialkritische Töne anschlägt. Der Straßenjunge selbst hat sich einen Platz in meinem Herzen erobert, daher hoffe ich darauf, dass er auch in zukünftigen Bänden vorkommen wird.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 280 Seiten
  • Dryas
  • 978-3940855817
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Rezension Mick Finlay – Arrowood

“Arrowood” machte mich ehrlich gestanden wegen seines Covers neugierig. Die Silhouette des Herrn mit Zylinder und Stock und der Zusatz “In den Gassen von London” ließen mich auf einen Krimi schließen, der im historischen London spielt :). Der Klappentext tat dann sein Übriges dazu, mich zu überzeugen, diesem Buch eine Chance zu geben.

Der Klappentext:

Privatdetektiv William Arrowood ist ein Mann vieler Talente – und einiger Laster. Die Tagelöhner und Straßenmädchen im armen South London können sich keinen besseren Detektiv leisten und kommen daher mit allen Anliegen zu ihm. Voller Verachtung und Neid blickt er über die Themse auf seinen bekannten Kollegen Sherlock Holmes und dessen betuchte Klientel.

Auch Arrowoods neuester Fall scheint nicht geeignet zu sein, ihn berühmt zu machen: Eine junge Französin bittet darum, ihren verschwundenen Bruder aufzuspüren. Doch hinter dem simplen Auftrag verbergen sich weit mehr Geheimnisse und Leichen, als Arrowood für möglich hielt. Und so führen ihn seine Ermittlungen von den Tiefen der Londoner Unterwelt bis in höchste Regierungskreise …

Meine Meinung:

Die Idee, einen direkten Konkurrenten zu Sherlock Holmes zu schaffen, der aber offensichtlich auf andere Methoden als der bekannte Detektiv setzt, faszinierte mich von Anfang an. Und ein klein wenig bedient sich der Autor auch der Methodik eines Sir Arthur Conan Doyle, indem er dem kauzigen Arrowood einen Assistenten namens Norman Barnett zur Seite stellt, der aus der Ich-Person die Geschichte erzählt.

Zugegeben: Als Sherlock-Fan zu lesen, dass jemand Sherlock und seine Methoden nicht mag, ist schon ein bisschen harter Tobak. Aber gleichzeitig amüsierte mich dies auch und ich war gespannt darauf, welche Geschichte uns und welchen Fall seinen beiden Helden der Autor servieren würde. Der Auftakt liest sich auch sehr gut, denn die Klientin scheint Arrowood und Barnett gegenüber von Anfang an nicht ganz aufrichtig zu begegnen.

Das Problem an diesem Buch ist in meinen Augen leider die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird. Es gibt immer wieder einzelne spannende Momente, aber keiner davon war für mich sooo fesselnd, dass ich das Buch nicht dazwischen für einige Zeit weglegen konnte.

Wobei das Buch eigentlich beste Voraussetzungen hätte, eine tolle Geschichte zu erzählen, denn der Autor hat das Talent, das frühere London in seiner ganzen Vielfalt auferstehen zu lassen. Armut, Gewalt, Verbrechen – dies war in einigen Vierteln der Stadt an der Tagesordnung. Ein Schmelztiegel an Kulturen und Interessen trug wohldazu bei, die Stadt zeitweise in einen Hexenkessel an Emotionen zu verwandeln.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Figuren, die der Autor geschaffen hat. Angefangen bei dem zeitweise recht jähzornigen William Arrowood, der zwar ein guter Menschenkenner ist, aber ab und zu auch seinen Gefühlen einmal zu oft freien Lauf lässt, über den sympathischen Assistenten Norman Barnett, der mehr ein Partner als ein Assistent für Arrowood ist, bis hin zu Neddy, dem Straßenjungen, der für Arrowood und Barnet immer wieder kleine Aufträge erledigt. Auch Ettie, Arrowoods Schwester, konnte mir das eine oder andere Schmunzeln entlocken.

Das Ende fand ich persönlich ein wenig durchwachsen. Zwar werden alle offenen Fragen zur Zufriedenheit des Leser beantwortet, nur kam es für meinen Geschmack ein wenig abrupt. Ein klein wenig Tempo hier rauszunehmen, wäre nicht verkehrt gewesen. Auch fand ich das Schicksal des Antagonisten ein wenig schade, das war für meinen Geschmack ein wenig … unspektakulär.

Mein Fazit:

“Arrowood” ist für meinen Geschmack eine Geschichte mit einer guten (und witzigen) Idee, die aber beim Ausarbeiten ein wenig ins Straucheln geraten ist. Das authentische Setting und die sympathischen Figuren haben für mich allerdings das Buch trotzdem lesenswert gemacht.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 400 Seiten
  • HarperCollins
  • 978-3959677479
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Rezension Robert C. Marley – Inspector Swanson und das schwarze Museum

Conny vom Pink Anemone Blog habe ich es ganz klar zu verdanken, dass ich auf die viktorianischen Krimis rund um Inspector Swanson aufmerksam wurde :). Mit der vorliegenden Geschichte “Inspector Swanson und das schwarze Museum” ist die Reihe bei Band 4 angekommen, Band 5 steht bereits in den Startlöchern und wird im Herbst erscheinen.

Da jeder Roman einen in sich abgeschlossenen Fall enthält, kann “Das “Schwarze Museum” ohne Probleme für sich gelesen werden, mittlerweile ist aber fast anzuraten, die früheren Bände zu kennen, um die Anspielungen auf die früheren Abenteuer besser zu verstehen und das Aufeinandertreffen der einzelnen Figuren richtig einzuordnen.

Der Klappentext:

London, 1894. Aus Scotland Yards Schwarzem Museum, einer Sammlung von Mordwerkzeugen, verschwindet ein Ausstellungsstück. Wenig später wird die Leiche eines Freimaurers in einem Schlafwagen auf der Bahnstrecke London – York gefunden. Chief Inspector Donald Swanson – selbst Freimaurer – sieht sich gezwungen, in den Kreisen seiner eigenen Logenbrüder zu ermitteln.

Als jedoch am Tatort eines weiteren Verbrechens Fingerabdrücke gefunden werden, wendet sich das Blatt …

Meine Meinung:

Die ersten drei Romane dieser Reihe habe ich mehr oder weniger am Stück genossen, da sie auch als Hörbuch vorliegen. Band 4 gönnt unserem geplagten Chief Inspector nun endlich den wohlverdienten Urlaub, den er sich nach seinen vergangenen Abenteuern (Eine Übersicht der Bücher findet ihr hier) redlich verdient hat.

Aber der Frieden währt nicht lange, den auf der Fahrt nach Norden wird ein Toter im Zug gefunden. Zunächst auf sich gestellt, findet der Chief Inspector schon bald heraus, dass die Spuren in eine Loge der Freimaurer weisen. Ein Bund, dem er selbst angehört und auf den er große Stücke hält …

Wie jedes Buch aus der Reihe hat auch dieses ein Thema: Waren es bisher der Hope-Diamant, der Fall Jack the Ripper oder die Zauberei, so geht es dieses Mal um die geheimnisvollen Freimaurer. Darauf weist der Autor bereits im Vorwort hin, auch darauf, welches “Alphabet” die Freimaurer verwendet haben, um miteinander zu kommunizieren. Ergo: Auch dieses Mal habe ich etwas Neues gelernt, was mich noch eine Weile beschäftigen und recherchieren lassen wird.

Wie bereits in den früheren Büchern begegnen wir auch hier wieder einigen historischen Persönlichkeiten, die Marley sehr detailliert recherchiert haben muss, um deren Lebensumstände in seine Romane gekonnt einzubringen. In diesem Band legt der Autor seinen Fokus auf Sir Arthur Conan Doyle, den Schöpfer von “Sherlock Holmes”, aber auch ein gewisser Abraham Stoker darf nicht fehlen, der auf Recherche für einen Gruselroman ist. Diese kleinen, fast nebenbei eingeflochtenen Details sind es auch, die für mich einen Teil des ganz besonderen Charmes der “Inspector Swanson”-Reihe ausmachen.

Aber auch die fiktiven Figuren sind mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen, beispielsweise der etwas naive und unselbständige Sergeant Phelps, der aber Swanson immer treu zur Seite steht und ihm ohne zu murren tatkräftig zur Seite steht. Swanson selbst erscheint mir ab und zu etwas distanziert, das Wissen darum, dass der Autor in ihm seinen eigenen Vorfahren zu einer Romanfigur gemacht hat, rückt die Wahrnehmung seines Charakters aber in ein ganz eigenes Licht.

Ein kleinen Wermutstropfen gibt es dennoch: Den Fall fand ich dieses Mal im Vergleich zu den früheren Romanen nicht ganz so mitreißend, ich hätte mir da einige Male noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Vieles blieb für meinen Geschmack an der Oberfläche, wo noch mehr drin gewesen wäre. Der Bezug zum titelgebenden Kriminalmuseum von Scotland Yard war für mich eigentlich so gut wie gar nicht gegeben, es kam eigentlich nur sehr kurz in dem Roman vor. das Ein paar Seiten (und Details mehr) mehr hätten daher der Geschichte sicherlich nicht geschadet, finde ich.

Wer in dem Roman große Action sucht, ist sicherlich fehl am Platz, aber wer auf Krimis im “Cosy Crime”-Stil steht, kann auch mit diesem Band der Reihe nicht viel falsch machen. Man merkt es Marleys Büchern immer wieder an, dass dem Autor sehr viel daran liegt, seine Geschichten möglichst authentisch und zeitgemäß zu erzählen. Und genau darin sehe ich auch das Liebenswerte dieser Romanreihe :).

Mein Fazit:

“Inspector Swanson und das schwarze Museum” ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe, wenn auch die Kriminalgeschichte im Vergleich zu den früheren Romanen mich nicht so perfekt zu fesseln zu vermochte. Wer auf historisches Cosy Crime in viktorianischer Zeit steht, kann allerdings mit gutem Gewissen zugreifen – Sherlock Holmes-Fans sollten es sowieso :).

  • ★★★★
  • E-Book
  • 264 Seiten
  • Dryas
  • 978-3941408937
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(Kurz)Rezension Alex Beer – Die rote Frau

“Die rote Frau” ist nach “Der zweite Reiter” bereits das zweite Buch, das Alex Beer im historischen Wien kurz nach dem Ersten Weltkrieg ansiedelt. “Die rote Frau” baut dabei auf den Ereignissen aus dem ersten Buch auf, kann in meinen Augen aber auch noch ohne Vorwissen gelesen bzw. gehört werden.

Der Klappentext:

Wien, 1920: Während die Stadt immer noch mit den Folgen des Krieges zu kämpfen hat, wird August Emmerich endlich in die Abteilung “Leib und Leben” versetzt.

Doch während seine Kollegen dort den aufsehenerregenden Mordfall an dem beliebten Stadtrat Richard Fürst bearbeiten, müssen Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter den Babysitter für die berühmte Schauspielerin Rita Haidrich spielen, die um ihr Leben fürchtet. Dabei stoßen sie jedoch nicht nur auf eine ominöse Verbindung zu Fürst, sie kommen einem perfiden Mordkomplott auf die Spur, das bis in die höchsten Kreise reicht. Und Rita soll das nächste Opfer sein …

Vielstimmig und typisch wienerisch gelesen von Cornelius Obonya.

Meine Meinung:

Ich gestehe, ich habe eine Zeit lang gezögert, ob ich “Die rote Frau” wirklich hören wollte. Der Hinweis “gekürzt” lässt mich bei Büchern doch immer wieder zurückschrecken, vor allem bei denen, von denen ich mir einiges verspreche. Der Hinweis aus dem Klappentext – wienerisch gelesen – hat es aber mehr als wett gemacht. Cornelius Obonya hat es drauf!

Man merkt ihm an, dass er in diesem Bereich sowohl als Schauspieler als auch als Sprecher (In Österreich kennt man seine Stimme vor allem durch diverse Natur-Dokus, die er aus dem Off begleitet) sehr viel Erfahrung mitbringt. Eine ganze Menge unterschiedlicher Stimmlagen und Dialekte verkörperte er so überzeugend, wie ich es schon lange nicht mehr bei einem Sprecher gehört habe.

Dies machte es mir nicht schwer, mich von ihm ein weiteres Mal in das Wien der Nachkriegsjahre entführen zu lassen. “Die rote Frau” setzt dabei dort ein, wo wir August Emmerich und Ferdinand Winter in “Der zweite Reiter” verlassen haben: Sie sind in die Abteilung “Leib und Leben” gewechselt.

Doch die beiden haben es dabei nicht leicht, denn statt Fälle zu lösen, werden sie von ihren neuen Kollegen als Sekretärinnen missbraucht und als “Krüppelbrigade” bezeichnet. Emmerichs Starrsinn – und natürlich ein Mord – helfen ihm aber auch hier, sich gegen alle Widrigkeiten zu behaupten und auf eigene Faust verschiedenen Spuren zu folgen.

Ich weiß, ich habe es schon bei “Der zweite Reiter” geschrieben, aber ich wiederhole mich gern: Die Autorin versteht es auch in dieser Geschichte sehr geschickt, das Wien dieser Zeit in all seinen Facetten lebendig werden zu lassen. Wer bereits im ersten Teil die beiden Protagonisten lieben gelernt hat, wird sich freuen, denn Alex Beer erzählt ihre Leben unterhaltsam weiter, wenn ich auch an einigen Stellen das Gefühl hatte, dass Ferdinand Winter dieses Mal etwas zu kurz kam.

Den Krimi selbst fand ich an einigen Stellen ein wenig haarsträubend, auch die Auflösung kam für meinen Geschmack ein klein bisschen zu schnell und vor allem zu “phantastisch”. Wie schon bei Teil 1 lässt auch hier Alex Beer eine Kleinigkeit offen, weshalb es bestimmt interessant sein wird zu sehen, was sich die Autorin für die Zukunft der beiden Figuren ausdenken wird.

Mein Fazit:

Trotz einiger kleiner Schönheitsfehler spreche ich auch für die Fortsetzung gerne wieder eine Empfehlung für alle aus, die sowohl historische Krimis als auch den Wiener Schmäh mögen :). Und eine besonders lobende Erwähnung gibt es für diese tolle Lesung, die mich wirklich überraschen konnte!

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 479 Minuten
  • Random House Audio
  • 978-3837141313
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Rezension Joyce Summer – Tod am Kap

“Tod am Kap” ist mittlerweile das vierte Buch, das ich aus der Feder von Joyce Summer genießen durfte. Alle ihre Bücher haben etwas gemeinsam: Die Autorin erzählt einen spannenden Krimi und nimmt uns dabei mit auf eine (gedankliche) Reise in ein anderes Land.

In der Vergangenheit habe ich auf diese Weise Madeira und Malta kennenlernen dürfen, jetzt ist mit Südafrika eine ganz neue Region dran.

Der Klappentext:

Drückende Hitze liegt über Südafrika und das Wasser wird knapp. Eine brutale Mordserie erschüttert das Kap der Guten Hoffnung. Captain Pieter Strauss von der Kapstädter Spezialeinheit der Valke versucht, den Mörder zu fassen.

Was treibt den Täter an? Ist es alter Aberglaube und er hofft, die Regenkönigin durch seine Morde zu wecken? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter? Pieter wird mit seinem alten Freund Nick Aquilina in einen Strudel gezogen, der sie bis tief in die erbarmungslose Welt der Townships treibt und in die Machenschaften der großen Konzerne verwickelt.

Meine Meinung:

Wie bei allen ihren Krimis wirft uns Joyce Summer auch dieses Mal wieder unmittelbar in das Geschehen: Eine junge Frau, offensichtlich Touristin, steht im Morgengrauen auf, fährt zum Kap der Guten Hoffnung – und ist kurz darauf tot. Eine der Spuren führt das Ermittlungsteam um Captain Pieter Strauss zu einem französischen Unternehmen namens Chopine, das in Südafrika einen Vertrag mit der Regierung hat, Trinkwasser zu fördern und zu verkaufen.

Da das Land unter einer gewaltigen Dürre leidet, führt diese zusätzliche Verknappung der Wasserreserven dazu, dass in den Townships rund um Kapstadt immer wieder die Wasserversorgung abgestellt werden muss. Ein Faktor, der die Spannungen, die in dem Land herrschen, noch zusätzlich anheizt.

“Fünfundzwanzig Jahre nach der Aufhebung der Rassentrennung war keine Aussöhnung in Sicht. Im Gegenteil, durch die ‘Affirmative Action’ drehte sich manches in. absurder Weise um. Das Quota-System in der SAPS schrieb vor, dass die Stellen nur mit demographisch geeigneten Kandidaten besetzt wurden. Pieter war daher der einige Weiße im Team.”
8 %

Kurz darauf taucht eine zweite Leiche auf, die vermuten lässt, dass auch die Gangs aus den Townships in die Angelegenheit verwickelt sein könnten. Mitten in diesem Pulverfass muss sich Captain Pieter Strauss mit der Hilfe seines Profiler-Freundes Nick Aquilina auf die Suche nach einem Täter machen, der offensichtlich ein ausgezeichneter Schütze ist und äußerst umsichtig vorgeht.

Wie bereits erwähnt hat die Autorin die Fähigkeit, den Leser sehr tief in ihre Geschichten hineinzuziehen. Dies gelingt ihr in meinen Augen besonders gut bei den Szenen, in denen sie das Leben in den Townships beschreibt. Szenen, die man nicht so einfach vergisst …

Wer schon einmal diese Behausungen mit eigenen Augen gesehen hat, wird wissen, was ich meine. Kapstadt hat sich ja mittlerweile für Touristen zu einem sehr beliebten Reiseziel entwickelt, da der Zubringer vom Flughafen zur Stadt aber direkt an den Townships vorbeiführt, ist die Armut nicht zu übersehen.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass Joyce viele heimische Namen und Bezeichnungen aus dem Afrikaans in ihren Roman eingearbeitet hat, nicht alle Begriffe haben sich mir erschlossen, aber dafür gibt es Gott sei Dank ein kleines Glossar am Ende. Auch das Nachwort möchte ich empfehlen, da hier die Autorin ein wenig auf ihre Recherchen für das Buch eingeht. Zwar existiert Chopine als Unternehmen nicht, aber die Parallelen zu dem schweizerischen Konzern Nestlé sind unübersehbar.

Noch etwas zum Krimi: Wer die Bücher der Autorin kennt, weiß, dass sie gerne Ereignisse aus der Vergangenheit in ihre Geschichten verwebt. Dies ist in diesem Buch nicht der Fall, der Roman spielt ausnahmslos in der Gegenwart. Auch Fans von Pauline und Ben werden dieses Mal wohl ein wenig enttäuscht sein, denn die beiden kommen zwar vor, werden aber ziemlich zu Randfiguren degradiert (was ich doch ein klein bisschen schade fand, weil ich die zwei wirklich lieben gelernt habe).

Immerhin blieb für mich dieses Mal die Identität des Mörders im Dunkeln, auch wenn ich recht früh ein Gefühl für das Motiv hatte. Das Ende – und damit die Auflösung – kam für meinen Geschmack allerdings ein wenig überhastet, hier hatte ich das Gefühl, dass die Autorin ganz bewusst einiges in der Luft hängen gelassen hat, vermutlich in Hinblick auf eine Fortsetzung.

Mein Fazit:

“Tod am Kap” ist im Vergleich zu den früheren Romanen der Autorin deutlich düsterer, das Locker-Leichte der früheren Romane ist hier kaum zu finden. Wer sozialkritische Krimis in fernen Ländern mag, wird auf jeden Fall mit diesem Buch seine Freude haben.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 340 Seiten
  • via tolino media
  • 978-3739419626
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Rezension Sophie Oliver – Die Gentlemen vom Sebastian Club

Derzeit haben es mir historische Krimis (wieder einmal) angetan. Deswegen zögerte ich auch nicht lange, als ich “Die Gentlemen vom Sebastian Club” entdeckte.

Mit viktorianischen Krimis verbinde ich meistens Geschichten in London, finsteren Gassen, Nebelschwaden, Grusel, aber auch interessante Figuren, die in irgendeiner Form ihrer Zeit voraus sind, da das 19. Jahrhundert ja einen enormen gesellschaftlichen Umschwung mit sich gebracht hat.

Zum Inhalt:

1895 erschüttert eine Mordserie London, die Opfer scheinen auf den ersten Blick nicht wirklich etwas gemeinsam zu haben. Da Scotland Yard mit den Ermittlungen nicht weiterkommt, schalten sich die ehrenwerten Mitglieder vom Sebastian Club ein und suchen auf eigene Faust nach dem Täter. Mit dabei: Freddie Westbrook, ein neues Mitglied, das ein eigenes Geheimnis hat …

Meine Meinung:

Sophie Oliver schafft es, den Leser innerhalb kürzester Zeit in ihre Geschichte zu ziehen. Der Hauptfigur Freddie verpasst sie dabei einen sehr interessanten Hintergrund, der Freddie anders denken und handeln lässt als die meisten Personen dieser Zeit. Durch die Verbindungen des Onkels Lord Philip Dabinott wird Freddie gleich zu Beginn in den “Gentlemen’s Club” aufgenommen und in die Ermittlungen hineingezogen.

Und dieser Fall hat es in sich: Ein geheimnisvoller Unbekannter foltert seine Opfer auf der Suche nach einer bestimmten Information mit Daumenschrauben, ehe er sie tötet und dann an einem anderen Ort ablegt. Als Leser ist man zu Beginn den Ermittlern noch ein klein wenig voraus, dies legt sich aber nach und nach. Wer ist der Unbekannte? Und wonach sucht er? Diese Fragen ziehen sich vor allem in der ersten Hälfte wie ein roter Faden durch die Geschichte.

Neben dem Krimi bekommt man aber auch jede Menge Informationen über das London dieser Zeit quasi nebenher serviert. Ganz gleich, ob man die Ermittler auf ihren Wegen oder bei ihren Recherchen begleitet, man merkt dem Buch an, dass die Autorin sehr viel Zeit in die Recherche gesteckt hat, um die Stadt in dieser Epoche lebendig werden zu lassen. Und einmal mehr drängte sich mir der Gedanke auf, dass man es sowohl als Frau als auch ohne Geld nicht leicht gehabt hat …

Der Schreibstil ist einfach, die Geschichte lässt sich somit sehr schnell und flüssig lesen, auch wenn ich mir an der einen oder anderen Stelle ein paar Details mehr gewünscht hätte. Am deutlichsten stach mir das bei den Dialogen ins Auge, die manchmal für meinen Geschmack etwas abrupt endeten. Das erhielt zwar die Spannung, kam für mich zeitweise aber etwas holprig rüber.

Das Finale konnte für mich allerdings mit einer kleinen Überraschung aufwarten, das hätte ich so in dieser Form nicht erwartet. Allerdings sollte man sich auf einen Cliffhanger gefasst machen, denn das Ende leitet eigentlich schon zu einer neuen Geschichte über, die es so in dieser Form im Moment (noch?) nicht gibt.

Mein Fazit:

Wer einen lockerleicht und flüssigen Krimi sucht, der im viktorianischen Zeitalter spielt, kann mit diesem Buch nicht viel falsch machen.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 280 Seiten
  • Dryas Verlag
  • 978-3941408999
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Rezension Lize Spit – Und es schmilzt

“Und es schmilzt” fiel mir schon vor einer ganzen Weile wegen der unterschiedlichen – und zum Teil recht geheimnisvollen – Rezensionen auf. Als ich es dann in der Bücherei bei den Neuzugängen entdeckte, nahm ich es mit, um meine Neugier zu stillen.

Der Klappentext:

Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt.
Mit geschlossenen Augen hätte Eva damals den Weg zu Pims Bauernhof radeln können. Sie könnte es heute noch, obwohl sie viele Jahre nicht in Bovenmeer gewesen ist. Hier wurde sie zwischen Rapsfeldern und Pferdekoppeln erwachsen. Hier liegt auch die Wurzel all ihrer aufgestauten Traurigkeit.
Dreizehn Jahre nach dem Sommer, an den sie nie wieder zu denken wagte, kehrt Eva zurück in ihr Dorf – mit einem großen Eisblock im Kofferraum.

Meine Meinung:

Ich weiß nicht genau, ob ich mir dieses Buch ausgeliehen hätte, wenn ich mich im Vorfeld etwas mehr damit auseinandergesetzt hätte. Bei einem Punkt gebe ich aber meinen Mitrezensenten recht: Dieses Buch ist nach herkömmlichen Mustern schwierig zu beschreiben und zu bewerten. Und ich verstehe sofort, wenn man mir sagt, dass dieses Buch polarisiert.

Gerade der Schreibstil ist ein gutes Beispiel dafür, denn die einen finden ihn toll, die anderen – auf deren Seite ich mich hier leider auch stellen muss – finden ihn ausschweifend und langweilig.

Wobei ich “langweilig” tatsächlich erklären muss, denn eigentlich hätte er mir gefallen, wenn ich mich nicht irgendwann durch die schiere Menge an Text erschlagen gefühlt hätte. 100 Seiten weniger, gefühlte tausend Details weniger, die kaum oder wenig zur Geschichte beigetragen haben – und ich hätte die Geschichte wahrscheinlich als sehr viel intensiver empfunden.

In gewisser Weise muss ich aber anerkennen, dass er zur Geschichte passt, dieser Stil. Diese ausschweifenden Details geben auch hervorragend wieder, wie sehr sich die Ich-Erzählerin in ihrer Familie verloren gekommen sein muss, wie sehr sie sich von ihr distanziert hat, um zu überleben. Es ist also irgendwie nachvollziehbar, warum das Buch erzählt wird, wie es erzählt wird – und trotzdem sorgte genau diese Schreibweise dafür, dass es mich überhaupt nicht abholen konnte.

Wäre ich meinen üblichen Lesegewohnheiten treugeblieben, hätte ich es wahrscheinlich außerdem nach 100 Seiten zur Seite gelegt … Ein Teil von mir blieb allerdings neugierig, wollte wissen, wie es weitergeht, was an diesem Buch dran ist, dass es zum Teil so gelobt, zum Teil so verrissen wird. Also habe ich das Buch teils gelesen, teils überflogen, immer auf der Suche nach dem, was noch kommen sollte.

Was allerdings tatsächlich im Leben von Eva schiefgegangen ist, erfährt der Leser erst auf den letzten 100 Seiten (Was heißt, dass man sich 400 Seiten durch jede Menge Andeutungen und Ausschweifungen “arbeiten” muss). Interessanterweise drängte sich mir auf einmal der Gedanke an Patrick Süßkinds “Parfum” auf, ein Buch, das ja ebenfalls sehr oft wegen seiner Gewaltdarstellung thematisiert wurde.

Wie bei Süßkind sehe ich auch bei diesem Buch eine extrem distanzierte Darstellung der Gewalt, eine Gewalt, die ich deswegen zwar wahrgenommen habe, die mich gleichzeitig aber auch nicht berührt hat. Überhaupt bleibt alles irgendwie auf Distanz, auch für die Figuren konnte ich deswegen keine Sympathie, geschweige denn Empathie entwickeln. Etwas, was für mich sehr oft ein großer Minuspunkt ist.

Wie bereits aber zu Beginn gesagt, “Und es schmilzt” war für mich nicht so leicht zu bewerten. Es kommt für meinen Geschmack sehr viel darin vor, was ich nicht mag, aber es ist definitiv kein Buch, das man so schnell vergisst. Hier heißt es wohl wirklich: Selber lesen und eigene Meinung bilden!

Mein Fazit:

“Und es schmilzt” ist definitiv kein Buch, dass Sympathien aufbauen möchte. Der Schreibstil, die Figuren, deren Beziehungen zueinander – das alles wirkt wie ein kalter Winter, der nicht enden möchte. Wer sich darauf einlassen kann, wird das Buch mögen. Für mich war es genau darum aber sehr, sehr schwierig, einen Zugang zu dem Buch zu finden.

  • ★★★★★
  • Gebunden
  • 512 Seiten
  • S. Fischer
  • 978-3103972825
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