Rezension Ferdinand von Schirach – Verbrechen

Ferdinand von Schirach kann sich rühmen, einen eigenen Eintrag in der Wikipedia zu haben – und nicht mal einen so kurzen. Das ist aber nicht der Grund, warum wir, die #bbfliest Runde, uns nach dem letzten Buch für etwas ganz anderes entschieden haben.

Schirach ist Strafverteidiger und als solcher hat er schon viele Menschen, Schicksale und Geschichten kennengelernt. “Verbrechen” ist sein erstes Buch aus dem Jahr 2009, aber nicht sein letztes.

Der Klappentext:

Ein angesehener, freundlicher Herr, Doktor der Medizin, erschlägt nach 40 Ehejahren seine Frau mit einer Axt. Er zerlegt sie förmlich, bevor er schließlich die Polizei informiert. Sein Geständnis ist ebenso außergewöhnlich wie seine Strafe.

Ein Mann raubt eine Bank aus, und so unglaublich das klingt: Er hat seine Gründe. Gegen jede Wahrscheinlichkeit wird er von der deutschen Justiz an Leib und Seele gerettet. Eine junge Frau tötet ihren Bruder. Aus Liebe. Lauter unglaubliche Geschichten, doch sie sind wahr.

Meine Meinung:

In meinen Augen gibt der Klappentext nur unzureichend wieder, was den Leser in diesem Buch erwartet. Denn die elf Geschichten sind so unterschiedlich wie das Leben selbst. Bereits die erste Geschichte stellt eine interessante Frage, denn beurteilt man ausschließlich nach der Tat, ist der freundliche Herr so schuldig wie nur irgendetwas.

Folgt man allerdings der Lebensgeschichte des Herrn, beginnt man, die Tat mit anderen Augen zu sehen, sogar etwas wie Sympathie zu empfinden. Die Frage nach Schuld und Unschuld ist nicht immer so eindeutig, wie man annehmen möchte, das führt dieses Buch sehr eindrücklich vor Augen.

Die Verbrechen, die Schirach schildert, umfassen ebenfalls die gesamte Bandbreite des menschlichen Lebens, denn ein Verbrechen muss nicht zwangsläufig mit einem Toten enden genauso wenig wie mit einem Schuldigen, der bestraft werden kann.

Das wahre Leben schreibt Geschichten, die sich oft nicht einmal der ausgebuffteste Krimi- oder Thriller-Autor ausdenken kann, und ist gerade deswegen umso grausamer, wenn man weiß, dass die beschriebenen Gräueltaten so wirklich passiert sind. Das Wissen darum, was Menschen einander antun können, führt uns Schirach an einigen Stellen sehr ausdrucksvoll vor Augen – was mich beim Lesen einige Mal schlucken ließ.

Dabei hat der Autor einen eher sachlichen Schreibstil, umreißt kurz und bündig den Werdegang der Menschen, der sie zu dem werden ließ, was sie zu dem Zeitpunkt sind, wo der Autor sie in seiner Funktion als Strafverteidiger kennenlernt. Die einfache und eher knapp gehaltene Sprache entspricht dem, was ich mir von einem Menschen in diesem Beruf vorstelle, trotzdem hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle gewünscht, noch mehr Details zu erfahren. Viele Dingen blieben – bewusst oder unbewusst – an der Oberfläche.

Trotzdem halte ich dieses Buch für eine interessante Möglichkeit, über den Tellerrand des eigenen Lebens zu blicken. Was Menschen bewegt, Dinge zu tun, wird meist von den Medien verschwiegen, Schirach dagegen widmet sich meiner Meinung nach genau diesen Dingen, um zu zeigen, dass die Frage nach Schuld, Schuldfähigkeit und entsprechender Strafe nicht immer ein Schwarzweiß ist.

Mein Fazit:

Ferdinand von Schirach geht in “Verbrechen” mit seinen Geschichten sehr schön darauf ein, dass das Leben nicht immer so leicht in Schablonen zu pressen ist, wie wir das gern tun. Auch wenn ich an manchen Stellen gern mehr erfahren hätte, wird dieses Buch sich ganz bestimmt in mein Gedächtnis einbrennen, da es viele spannende Fragen über das Menschsein stellt.

  • ★★★★
  • Hardcover
  • 208 Seiten
  • Piper
  • 978-3492053624
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Rezension Alia Cruz – Art Hunter “Gestohlenes Herz”

Die bibliophile Befreiungsfront alias BBF hat wieder zugeschlagen! Unter diesem Namen hat sich eine kleine, aber feine Gruppe von Leuten auf Twitter zusammengetan, um gemeinsam Bücher zu lesen und zu besprechen. Unter dem Hashtag #bbfliest fassen wir gewöhnlich unsere Eindrücke zu den Büchern zusammen … In diesem Zusammenhang landete Art Hunter “Gestohlenes Herz” auf unserem Radar, der erste Teil einer Reihe.

Der Klappentext:

Sie sind Kunstdiebe und nennen sich die ‘Art Hunter’.
Doch sie stehen auf der Seite des Gesetzes und stehlen im Auftrag von Museen, um Sicherheitslücken aufzudecken. Das Besondere daran? Jeder von ihnen ist mit einer ganz speziellen Fähigkeit ausgestattet.

Kunstdiebe planen die Mona Lisa zu stehlen. Art Hunter Christophe Ledoux wird daher als Wachmann in den Louvre eingeschleust. Dort trifft er auf die Touristenführerin Claire und die Funken sprühen auf Anhieb. Doch ihre Liebe steht unter keinem guten Stern, denn Christophe muss seine wahre Identität vor ihr verbergen und Claire hütet ein tödliches Geheimnis. Als die Mona Lisa gestohlen wird, glaubt Claire, dass Christophe der Dieb sei und ist tief enttäuscht von ihm. Als sie jedoch in tödliche Gefahr geraten muss sie sich entscheiden ob sie ihrem Herzen, oder ihrem Verstand folgen soll.

Meine Meinung:

Schon der Klappentext ließ darauf schließen, ein ganz besonderes Schmankerl der Unterhaltungsliteratur vorzufinden. Kunstdiebe, Louvre, Liebesgeschichte, Tod und Gefahr – und spezielle Fähigkeiten? Ein bunter Mix, auf den wir uns dieses Mal einlassen wollten. Ich sage absichtlich “wollten”, denn bereits nach den ersten Seiten war klar, was uns hier erwarten würde.

Um es gleich mal vorab zu sagen: Wer sich etwas Neues erwartet, ist fehl am Platz. Das geht so weit, dass ich gerade bei den erotischen Szenen das Gefühl hatte, die eine oder andere Formulierung doch schon in anderen Büchern gelesen zu haben. Hervorschnellende Zungen, Blitze im Unterleib und Penisse, die jeden Uterus sprengen würden – schon bei Audrey Carlan fand ich diese Wendungen nicht erotisch, beim besten Willen nicht.

[SPOILER Anfang]
Nachdem es aber hier nicht nur um Liebe und Sex geht, bedient sich die Autorin noch munter weiter bei anderen Genres, ein klein bisschen X-Men (Die Art Hunter haben zwar alle Fähigkeiten, dürfen sie aber nicht wirklich einsetzen?), ein bisschen Thriller im Stil von Hannibal Lecter (ja, auch der Serienkiller darf nicht fehlen!) und ein im Geheimen agierenden Gegner, der geistig ein bisschen gaga ist und natürlich die Art Hunter alle komplett vernichten will (Blofeld aus James Bond lässt grüßen).
[SPOILER Ende]

Dieser bunte Mix kann aber nicht verhindern, dass man bereits nach den ersten Seiten erahnen kann, wie die Geschichte enden wird. Der eher platte Schreibstil trägt außerdem sein Scherflein dazu bei, dass man schon bald Lust bekommt, zu blättern, zu blättern und noch mehr zu blättern … Hölzerne Dialoge, Protagonisten, die blaß und farblos bleiben, keinerlei Tiefe bekommen, und Nebenfiguren, die zu reinen Stichwortgebern degradiert werden – so in etwa kann man meiner Meinung nach zusammenfassen, was einen hier erwartet.

Dies alles trägt nicht dazu bei, dass man sich in diesem Buch wirklich wohlfühlen kann. Schade eigentlich, denn ich finde, man hätte aus der Geschichte schon etwas machen können. Die fragwürdigen Fakten, die uninspirierten Sexszenen und dieser wilde, unausgegorene Genre-Mix sorgen allerdings dafür, dass ich kein weiteres Buch dieser Reihe lesen werde.

Mein Fazit:

Aus der Idee zu “Art Hunter” hätte man sicherlich etwas machen können, so aber wirkt der Roman eher lieblos aus anderen Genres zusammenkopiert und hat mich nicht wirklich ansprechen können.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 300 Seiten
  • Sieben Verlag
  • 978-3864436253
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Rezension Thomas Brezina – Alte Geister ruhen unsanft

Wer kennt sie nicht, die Abenteuer der Knickerbocker-Bande von Thomas Brezina? Gerade bei uns in Österreich ist der Name einer ganzen Generation von Kindern bekannt, die mittlerweile erwachsen geworden sind. Unter diesem Gesichtspunkt ist es auch nachvollziehbar, dass der Autor einen Schritt weiter gegangen ist und in seinem neuen Buch “Alte Geister ruhen unsanft” seine jungen Helden erwachsen werden hat lassen.

Zum Inhalt:

Ein Streit hat dazu geführt, dass die Freundschaft von Lilo, Poppi, Axel und Dominik zerbrochen ist. Jahrelang haben die vier keinen Kontakt mehr zueinander, bis eines Tages verschiedene Nachrichten die Knickerbocker auf einer abseits gelegenen Insel wieder zusammenführen.

Abgeschnitten von der Außenwelt, ohne Verbindung zum Festland, haben sie allerdings keine Zeit, ihre alten Konflikte heraufzubeschwören, denn innerhalb kurzer Zeit bestimmen unheimliche Ereignisse ihren Aufenthalt …

Meine Meinung:

Ich vermute, im Gegensatz zu vielen anderen Lesern bin ich jemand, dem die Knickerbocker-Bande (und ihr Autor) zwar etwas sagt, der aber trotzdem nie einen Roman gelesen hat. Bekanntlich gibt es aber für alles ein erstes Mal, daher sagte ich nicht Nein, als ich gefragt wurde, ob ich Lust hätte, das neue Buch von Thomas Brezina zu lesen :).

Die Geschichte beginnt mit einer kurzen Einleitung, wie es dazu kam, dass die vier Kinder getrennte Wege gegangen sind. Ein geheimnisvoller Schatten bewegte sich dabei schon damals im Hintergrund und hatte ein Auge auf die Freunde, ließ sie sogar überwachen und ausspionieren.

Zwanzig Jahre später erreichen Briefe von Poppi ihr Ziel. Sie bittet ihre Freunde, sich mit ihr auf einer einsam gelegenen Insel in der Nähe von Brighton zu treffen, um sie ein letztes Mal zu sehen, bevor sie stirbt. Dominik, Lilo und Axel reisen an – nur um festzustellen, dass es Poppi gut geht, von Krankheit keine Spur. Aber offensichtlich hat jemand sehr viel Interesse daran, die vier auf der Insel festzuhalten …

Dieser geheimnisvolle und gruselige Ansatz sorgt auf jeden Fall dafür, dass man nach der Einleitung recht schnell in die Geschichte reinkommt – und bald will man genauso wie die vier Freunde wissen, was eigentlich los ist. Zu Beginn erinnerte das Setting zwar ein wenig an Christies “Und dann gab’s keines mehr”, aber das legte sich Gott sei Dank schnell. Gerade das erste Drittel empfand ich als sehr spannend und ich konnte fast nicht aufhören zu lesen.

Der recht einfach gehaltene Schreibstil hat zur Folge, dass man durch die etwas mehr als 400 Seiten mehr oder weniger fast fliegt. Der Schreibstil macht meiner Meinung auch aus, dass das Buch eher für jugendliche Leser geeignet ist, auch wenn erwachsene Leser angesprochen werden sollen.

Vielleicht ist dies mit ein Grund, warum ich mich lange Zeit schwertat mit der Vorstellung, wie alt Lilo, Axel, Poppi und Dominik nun wirklich sind. Selbstverständlich erfährt man, was sie in der Zwischenzeit getan haben, welchen Beruf sie ergriffen haben, aber an vielen Stellen hatte ich das Gefühl, sehr junge Menschen vor mir zu haben … Ich rechnete mir aus, dass sie Anfang 30 sein müssten, trotzdem wirkten sie nicht unbedingt wie Erwachsene auf mich. Da fehlte mir einfach eine gewisse Reife bei dem, was sie beim Lösen der Rätsel dachten und taten.

Auch das Finale konnte mich nur mäßig begeistern. Dafür dass es sehr lange aufgebaut wurde, wurden diese Ereignisse für meinen Geschmack fast etwas lieblos auf wenigen Seiten abgehandelt. Hier wäre definitiv mehr drin gewesen! Aber vermutlich ist das bereits ein Zugeständnis an weitere Bücher, die der Autor mit seinen erwachsenen Helden schreiben möchte.

Im Nachhinein hinterlässt das Buch bei mir etwas zwiespältige Gefühle, denn einen Roman für Erwachsene hat Brezina meiner Meinung nach nicht unbedingt geschrieben. Jüngere Leser und Fans der Knickerbocker-Bande werden mit “Alte Geister ruhen unsanft” aber trotzdem ihren Spaß haben, da der Autor viele Anspielungen auf frühere Fälle der Bande eingebaut hat.

Mein Fazit:

“Alte Geister ruhen unsanft” ist in meinen Augen nicht unbedingt ein Roman für Erwachsene. Das lag für mich vor allem an der Kombination des Schreibstils und der Figuren, die eher jüngere Leser begeistern wird. Junge und alte Knickerbocker-Fans werden aber bestimmte ihre Freude mit dem Buch haben.

  • ★★★★★
  • Gebunden
  • 416 Seiten
  • Ecowin
  • 978-3711001610
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Rezension Jennifer Wellen – Lost in Pain

“Lost in Pain” ist im Vergleich zu den früheren Büchern von Jennifer Wellen anders. Anders in dem Sinn, dass wir hier nicht eine Liebesgeschichte vorgesetzt bekommen, die fluffig und leicht ist. Im Gegenteil, in dieser Geschichte geht es auch durchaus um ernste Themen, um Menschen, die es im Leben nicht leicht hatten.

Bisher kenne ich die Autorin ja ausschließlich durch ihre ChickLit-Romane wie “Katerfrühstück mit Aussicht” oder “Liebe ist wie eine Goodie-Bag”, aber es hat Spaß gemacht, mich mit der Autorin auch einmal auf neue Pfade zu begeben.

Zum Inhalt:

Catlin ist in Waisenhaus aufgewachsen und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben: Mit kleinen Betrügereien finanziert sie ihr Leben, bleibt nie lange an einem Ort.

Eines Tages erhält sie einen Brief, der ihr einen Hinweis gibt, wo sie ihre Mutter finden kann. Da sie aber aufgrund ihrer Klaustrophobie es nicht lange in engen Räumen aushält, stöbert sie ihren früheren Freund Nick aus dem Heim auf und überredet ihn, mit ihr quer durch die USA zu fahren. Verfolgt von einem Catlins Opfer, beginnt für die beiden ein Roadtrip quer durchs Land, der sowohl Catlins als auch Nicks Gefühle gehörig durcheinander bringt …

Meine Meinung:

Jennifer Wellen steigt zügig in die Geschichte ein: Wir lernen Catlin kennen, wie sich an eines ihrer Opfer heranmacht und ihm unter anderem einen wertvollen Ring entwendet. Dazu ist ihr jedes Mittel recht, als Leser merkt man aber schon bald, dass sich unter der abgebrühten Fassade eine empfindsame Frau verbirgt, die verschiedene Wunden aus ihrer Vergangenheit noch nicht verarbeitet hat.

In Schwung kommt die Handlung, als sie mit Nick sich auf den Weg macht, um ihre Mutter zu finden. Nick war bereits während ihrer gemeinsamen Zeit im Heim in Catlin verliebt und hat seine Gefühle für sie nie wirklich aufgegeben. Catlin dagegen wehrt sich gegen die Gefühle – und ihre Erinnerungen. Trotzdem bleibt Nick ihr innerer Zwiespalt nicht lange verborgen und versucht, ihr zu helfen.

Catlins Opfer Will nimmt im Verhältnis eine eher kleinere Rolle ein, setzt aber alle Hebel in Bewegung, um Catlin aufzuspüren, um seinen Ring wiederzukommen. Er geht dabei nicht unbedingt zimperlich vor und entpuppt sich im Verlauf der Handlung als ziemlich unsympathischer Mensch. Es bereitete mir daher beim Lesen immer wieder diebische Freude zu beobachten, wie wenig seine Versuche, Catlin zu finden, von Erfolg gekrönt sind.

Nachdem wir hier einen Liebesroman vor uns haben, verwundert es natürlich nicht, dass Catlin und Nick sich gegenseitig noch immer attraktiv finden. Ein klein wenig hat es mich aber doch überrascht, dass die beiden bereits nach dem ersten Drittel der Handlung miteinander Sex haben. Aufgrund von Catlins Problemen hätte ich eigentlich mit weniger Sex und mehr Gefühlen gerechnet, aber das tat der Lesefreude keinen Abbruch.

Es machte mir wirklich Spaß, die beiden zu beobachten, Nicks freundliches Wesen, das er sich trotz der Enttäuschungen bewahrt hat, und Catlin, die langsam, aber sicher auftaut, sich aber schwer tut, sich ihre eigenen Gefühle einzugestehen.

Als Leser ist man Nick nach einer gewissen Weile voraus, was Catlins Verschlossenheit angeht, denn man erfährt, was sie als Mädchen und junge Frau alles in dem Waisenhaus erdulden musste … Unter diesem Gesichtspunkt wird einem als Leser vieles klarer und ich bewunderte Catlin insgeheim sogar dafür, dass aus ihr so eine starke Persönlichkeit geworden ist.

Das Ende gefiel mir persönlich sehr gut, wenn es auch etwas anderes ausfiel als gedacht. Der Krimi-Aspekt rückte hier noch einmal in den Vordergrund und lässt sogar die Möglichkeit einer Fortsetzung zu. Ich bin gespannt, ob Jennifer Wellen uns diesen Gefallen tut.

Mein Fazit:

“Lost in Pain” ist eine wunderbare Liebesgeschichte, die zwei sehr interessante Figuren in den Vordergrund rückt. Der Krimi-Aspekt gibt der Geschichte noch eine zusätzliche spannende Note, die auch Raum für eine Fortsetzung lässt, auch wenn die Geschichte grundsätzlich abgeschlossen ist.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 336 Seiten
  • dp Digital Publishers
  • 978-3960875185
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Rezension Veit Heinichen – Scherbengericht

“Scherbengericht” ist mittlerweile der zehnte Krimi, den Veit Heinichen in seiner Wahlheimat Triest mit dem sympathischen  Commissario Proteo Laurenti als Hauptfigur spielen lässt. Wer die früheren Romane nicht kennt,  braucht sich aber keine Sorgen zu machen: Die Geschichte lässt sich tadellos ohne Vorkenntnisse lesen – höchstens der eine oder andere Aha-Effekt wird einem entgehen :).

Zum Inhalt:

Vor Jahren wurde Aristèides Albanese wegen Totschlags verurteilt, zwölf Zeugen sagten damals einhellig aus, dass er die Tat begangen hat. Nun hat er 17 Jahre abgesessen und ist wieder in Freiheit. Aber ging wirklich alles mit rechten Dingen zu? Auf einmal ist einer der Zeugen tot, offensichtlich vergiftet. Proteo Laurenti ermittelt – und stößt nicht nur in der Vergangenheit auf Ungereimtheiten …

Meine Meinung:

Ich weiß gar nicht mehr, wann mir das erste Buch dieser Krimireihe zum ersten Mal in die Hand fiel. Auf jeden Fall ist es schon eine ganze Weile her … Jedes neue Buch fühlt sich daher mittlerweile fast ein bisschen wie ein literarisches Heimkommen an, wie eine warme gemütliche Decke, die man sich nach langer Zeit endlich wieder einmal überziehen kann …

In seinem neuen Buch bleibt Heinichen seinem gewohnten Schema treu, wie üblich verwebt er den Krimi mit sozial- und gesellschaftskritischen Kommentaren, für die er auch außerhalb seiner Bücher bekannt ist. Man merkt ihm an, dass er mittlerweile schon recht lange in Triest lebt und sich auch mit der Geschichte der Stadt auseinandergesetzt hat.

Obwohl der Klappentext suggeriert, dass sich die Handlung hauptsächlich auf Aristèides konzentriert, kommt zu Beginn der Geschichte gleich einmal eine englische Reederin griechischer Herkunft zu Tode. Ist sie vom Balkon ihres Hauses gefallen oder wurde sie gestoßen? Laurenti wird wieder einmal in wirtschaftlich-politische Interessen hineingezogen, die er eigentlich gar nicht verfolgen mag.

Gleichzeitig begleiten wir Aristèides bei seinen ersten Unternehmungen in Triest und es wird schnell klar, dass sich der Mann auf einem Rachefeldzug befindet. Aber was genau hat er vor? Will er die zwölf Personen, die vor 17 Jahren gegen ihn falsch ausgesagt haben, wirklich töten? Oder ihnen nur einen Denkzettel erteilen? Das bleibt im Verhältnis relativ lange im Dunkeln.

Da Aristèides Koch war, gedenkt er auch in der Gegenwart ein kleines Lokal zu eröffnen, um sich und seinen Partner Aahrash, einen Pakistaner, durchzubringen. Heinichen nutzt diese Gelegenheit, immer wieder über die triestinische Küche zu schreiben …

Woher der Autor seine Inspiration dafür bezieht, ist nicht schwer nachzuvollziehen, wenn man weiß, dass er mit Amy Scabar, einer triestinischen Haubenköchin, zusammen ist. Ich kann daher nur sagen, besser nicht lesen, wenn man hungrig ist, es läuft einem sonst nur das Wasser im Mund zusammen :D.

Zum Ende: Dass Heinichen nicht immer ein “rundes” Ende schreibt, weiß ich noch von früheren Büchern. Trotzdem hatte ich dieses Mal das Gefühl, dass er fast ein bisschen zu rasch aus der Geschichte aussteigt, dass viele Fragen offen bleiben, viele angerissene Dinge nicht mehr aufgegriffen werden. Da hätte ich gerne noch ein paar Seiten mehr gelesen.

Mein Fazit:

“Scherbengericht” ist ein typischer Heinichen. Wer sich hier einen klassischen Krimi-Plot erwartet, wird bestimmt ein wenig enttäuscht werden. Wer aber auch Triest auf unterhaltsame Art kennenlernen will, etwas über die Problem wissen möchte, mit denen die Stadt heutzutage zu kämpfen hat, ist mit dem Buch sicher gut bedient.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 352 Seiten
  • Piper
  • 978-3492977616
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Rezension Joyce Summer – Madeiragrab

Mit Joyce Summer verbindet mich schon seit Beginn meines Buchbloggerlebens die Liebe zu ihren Krimis. Mit ihrem Erstling “Mord auf der Levada” bin ich nach Madeira gereist, mit dem Nachfolger “Malteser Morde” nach Malta.

Mit “Madeiragrab” geht es nun wieder zurück nach Madeira, wobei Comissário Avila (der in “Mord auf der Levada” nur eine Nebenrolle hatte) nun selbst mit seinem Team ermitteln darf. “Madeiragrab” ist dabei als Auftakt zu einer Serie um den sympathischen Ermittler gedacht.

Zum Inhalt:

Fernando Avila, seines Zeichens Comissário bei der örtlichen Polizei auf Madeira, ermittelt wieder. Dieses Mal geht es um einen alten Mann und eine junge Galeristin, die kurz hintereinander tot aufgefunden werden. Gibt es eine Verbindung zwischen den Toten? Reicht der Mord in die Vergangenheit zurück?

Avila ist gefordert, denn eigentlich steht seine Frau Leticia kurz vor der Niederkunft ihres ersten gemeinsamen Kindes … Hin und her gerissen zwischen der Sorge um seine Frau und seiner Arbeit, folgt Avila schon bald mit seinem tatkräftigen Team verschiedenen Spuren, die unter anderem in die High Society von Madeira führen.

Meine Meinung:

Nachdem ich Fernando Avila und seine Frau Leticia bereits in “Mord auf der Levada” etwas näher kennenlernen durfte, fühlten sich die ersten Seiten fast ein wenig wie ein Nach-Hause-Kommen an. Anfangs vermisste ich noch ein wenig die etwas überdrehte Pauline, aber schon bald nahmen mich die Erlebnisse auf Madeira ganz und gar gefangen.

Es setzte sogar eine gewisse Sogwirkung ein, es fiel mir vor allem morgens wirklich schwer, den Reader zur Seite zu legen und mich den Aufgaben des Tages zu widmen. Die kurzen Kapitel trugen das Ihre dazu bei, dass ich mir immer wieder dachte, ein Kapitel geht noch. Auf der einen Seite die Ermittlungen, die vielen Verdächtigen, auf der anderen Seite die Beschreibungen des Lebens auf der Insel – das ließ sehr schnell (wieder einmal) eine Sehnsucht entstehen, auf Madeira Urlaub zu machen.

Im Vergleich zu “Mord auf der Levada” bekommen wir hier deutlich mehr Einblick in das Leben von Avila, seinen Kollegen und seiner Frau bzw. seinen Freunden. Besonders Leticia ist mir dieses Mal sehr ans Herz gewachsen, aber auch der Straßenkehrer Carlos konnte mit seiner Art Sympathiepunkte bei mir sammeln.

Ich empfehle übrigens, diesen Roman nicht mit leerem Magen zu lesen. Da der Comissário gutes Essen und Trinken liebt, kommt es immer wieder vor, dass einheimische Gerichte genannt werden, die einem wirklich das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Auch wenn für meinen Geschmack Bica (portugiesische Espressovariation) und Galao (portugiesischer Milchkaffee) vor allem gegen Ende recht auftauchten (Avila ist wirklich ein Kaffeejunkie, scheint mir), tat es der Lesefreude keinen Abbruch.

Als einzigen kleinen Wermutstropfen empfand ich dieses Mal die Art, wie sich die Handlung entwickelt. Die Schwenks in die Vergangenheit, die ich auch bereits in den beiden früheren Büchern mochte, verrieten dieses Mal fast schon zu früh, wo das Motiv des Täters liegen könnte und wo er zu suchen wäre.

Das Ende kommt trotzdem mit einer kleinen Überraschung, die mir so sehr gut gefallen hat. Mehr ins Detail möchte ich jetzt gar nicht gehen, weil ich fürchte, dass dies sonst einen Spoiler darstellen könnte. Lasst euch einfach überraschen und lest selbst. Auf jeden Fall bin ich jetzt neugierig, wie es Avila und seinen Freunden weiter ergehen wird. Daher hoffe ich, dass diese ersten “Avila Mysteries” bald eine Fortsetzung erfahren werden.

Mein Fazit:

“Madeiragrab” ist ein gelungener Auftakt zu einer Krimi-Serie aus der Serie von Joyce Summer. Wer Regiokrimis liebt, die auf der Inselgruppe spielen, kann hier mit gutem Gewissen zugreifen und wird nicht enttäuscht werden!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 334 Seiten
  • via tolino media
  • 978-3739392721
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Rezension Jürgen Albers – Crossroads

“Crossroads” ist das Debüt von Jürgen Albers, der bereits als Jugendlicher seine Liebe zu den britischen Inseln entdeckte. Das Buch erschien zwar bereits vor einiger Zeit, jetzt hat es der Autor allerdings einer umfangreichen Überarbeitung unterzogen, an der ich als Beta-Leserin teilhaben durfte.

Zum Inhalt:

Chief Inspector Norcott lässt sich von London auf die Kanalinseln versetzen. Die Zeiten könnten allerdings auch hier unruhiger nicht sein: Im Sommer 1940 steht die Besetzung der Inseln durch die Deutschen kurz bevor, viele Einwohner verlassen die Inseln.

Da wird eine Frau tot aufgefunden und ein Spur deutet darauf hin, dass ein britischer Soldat dafür verantwortlich ist. Wird Norcott es rechtzeitig schaffen, Antworten auf seine Fragen zu finden, ehe die Deutschen auf die Insel kommen?

Meine Meinung:

Schon auf den ersten Seiten wird klar, warum es mit diesem Roman nicht schwer fällt, in eine andere Zeit abzutauchen: Jürgen hat wirklich sehr, sehr toll recherchiert, was diese Zeit angeht. Viele Dinge kann man sich als moderner Mensch nicht mehr oder nur kaum vorstellen (vor allem nicht, wie einfach es war, die Kommunikation der Inseln zum Festland zu unterbinden) …

Dem Leser bleibt allerdings nicht viel Zeit, sich mit Norcott an sein neues Leben auf den Inseln zu gewöhnen. Ein Mord ist aufzuklären und die unsichere politische Lage erschwert es dem Polizisten, zusammen mit seinen Kollegen die Ermittlungen aufzunehmen.

In einer Sache ist der Leser dem Team allerdings voraus: Er ahnt schon bald, dass hier auch andere, geheime Gruppierungen auf der Insel agieren. Ist einer der Spione für den Mord verantwortlich? Und worum geht es wirklich? Viele Fragen, die auf den insgesamt über 600 Seiten nach und nach beantwortet werden …

Im Gegensatz zu vielen anderen Krimis entfaltet sich die Geschichte eher langsam, nimmt erst nach dem ersten Drittel wirklich Fahrt auf, aber ich habe das als wohltuend empfunden, weil ich mir auch echte Ermittlungsarbeit so vorstelle. Man begleitet Norcott bei den Ermittlungen, lernt so nach und nach das persönliche Umfeld der Toten kennen.

Die einzelnen Figuren erhalten auf diese Weise immer mehr Tiefe: Besonders einige der Nebenfiguren habe ich beim Lesen sehr liebgewonnen, denen Norcott bei seinen Ermittlungen begegnet. Ich hoffe deswegen sehr, dass diese auch in zukünftigen Büchern wieder einen Auftritt haben dürfen.

Der Protagonist Charles Norcott ist mir dabei ebenfalls ans Herz gewachsen. Zwar hat er privat an einigen Dinge zu knabbern, trotzdem wird er als Mann vorgestellt, der fest auf zwei Beinen stehend durchs Leben geht und auch in Extremsituationen durchaus die Nerven behält. Seine menschliche Seite darf er in der Beziehung zu Vicky zeigen, die er während der Ermittlungen kennenlernt.

Ganz am Ende des Romans erwartet den Leser noch ein Glossar, dass die im Roman vorkommenden historischen Personen und Gegenstände kurz vorstellt. Und ein kleines Extra gibt es ebenfalls. Was das ist, verrate ich jetzt allerdings nicht, um niemandem die Überraschung zu verderben.

Als Beta-Leserin hat es mir ganz besonders viel Spaß bereitet, an der Entstehung bzw. Neuwerdung dieses Buchs mitzuwirken. Manche Dinge erschienen mir beim Lesen nicht rund, hier sorgte allerdings auch der Austausch mit dem Autor dafür, dass ich einige Details besser verstand. Ich kann mir nun tatsächlich etwas besser vorstellen, was es bedeutet, einen historischen Roman zu schreiben, denn es geht ja nicht nur um allgemeine historische Ereignisse, sondern auch um das Leben in der Zeit ganz allgemein.

Die ursprüngliche Fassung sah außerdem ein etwas anderes Ende vor, welches mir persönlich nicht so sehr zusagte. Da ich mit dieser Meinung allerdings nicht alleine dastand, änderte Jürgen das letzte Kapitel noch einmal. Ich finde diese Version nun deutlich stimmiger und ich bin nun sehr gespannt, wie sie bei den Lesern ankommen wird.

Mein Fazit:

Jürgen Albers hat mit diesem Roman einen historischen Krimi abgeliefert, der sowohl spannend als auch ausgezeichnet recherchiert ist. Wer also etwas über die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs auf den Kanalinseln erfahren und sich gleichzeitig mit einer abwechslungsreichen Kriminalgeschichte unterhalten lassen möchte, kann mit gutem Gewissen zu diesem Buch greifen.

  • ★★★★
  • TB
  • 616 Seiten
  • CreateSpace
  • 978-1545357613
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